Quote of the day

„Mama, leg dir wieder ein iPad zu, dann sitzt du nicht mehr den ganzen Tag vor dem Computer.“

Mist! Und ich hatte mir so sehr vorgenommen, heute mal wieder die Bilderbuch-Mama zu sein, die mit ihren Kindern das schöne Wetter geniesst, Frühlingslieder singt, gemütlich ins Dorf spaziert um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen und abends ein vollwertiges Abendessen auf den Tisch zaubert. Stattdessen ein ungeduldiges Nervenbündel, das unbedingt vor Feierabend dieses Projekt – ironischerweise etwas für Kinder, das draussen stattfinden soll – in groben Zügen planen will, danach noch einen Text schreiben muss und dann lieber in die Luft anstatt an die frische Luft geht. Nun gut, immerhin hat „Meiner“ das mit dem vollwertigen Abendessen hingekriegt und für ein paar Frühlingslieder vor dem Schlafengehen hat es auch noch gereicht. 

Streitkultur

Der FeuerwehrRitterRömerPirat, der Zoowärter und das Prinzchen sitzen im Eingang und diskutieren über eine Duplo-Blume.

Zoowäter: „Diese Blume gehört mir, die habe ich einmal zu Weihnachten bekommen.“

Prinzchen: „Nein, diese Blume gehört mir. Sie gehört zu meinem Duplo-Haus. Ich habe sie zum Geburtstag bekommen.“

Zoowärter: „Nein, ich habe sie bekommen. Sie gehört zu meinen Duplos!“

FeuerwehrRitterRömerPirat: „Nein, Zoowärter, diese Blume gehört dem Prinzchen. Deine Blume ist nicht pink.“

Zoowärter: „Diese Blume ist nicht pink, sie ist rosarot.“

Prinzchen: „Ja, sie ist rosarot.“

FeuwerwhrRitterRömerPirat: „Nein, sie ist pink.“

Zoowärter und Prinzchen: „Nein, rosarot, nicht pink!“

FeuerwehrRitterRömerPirat: „Pink! Pink! Pink! Pink!…“

Zoowärter und Prinzchen: „Nein, sie ist rosarot und sie gehört mir!“

Prinzchen: „Nein, mir!“

Zoowärter: „Nein, mir!“

FeuerwehrRitterRömerPirat: „Sie ist pink und gehört dem Prinzchen.“

Zoowärter: „Sie ist rosarot und gehört mir!“

Prinzchen: „Sie ist nicht pink und gehört mir!“

Vermutlich wären sie noch immer am Diskutieren, hätte nicht der Älteste der drei irgendwann die Fäuste sprechen lassen. Wem die Blume gehört und ob sie nun pink oder rosarot ist, bleibt weiterhin unentschieden, aber dass der FeuerwehrRitterRömerPirat die schlagendsten Argumente hat, daran zweifelt jetzt keiner mehr.

Jetzt müssten nur noch die Kinder mitziehen…

Nachdem ich schon viel darüber gelesen hatte und hin und wieder gefragt worden bin, wie ich sie denn finde, hatte ich gestern endlich Gelegenheit, die neue Kinderkasse der Migros auszuprobieren. Das Prinzip ist einfach: Breiter, kinderwagentauglicher Zugang, keine Süssigkeiten, keine Werbung, dafür aber hinten und vorne ein Treppchen, damit die Kinder beim Aus- und Einpacken helfen können. So wenig braucht es, um uns Mütter glücklich und unseren Familienalltag entspannter zu machen. Da fragt man sich bloss, warum so etwas nicht längst Standard in allen Geschäften ist.

Wobei die Kinder offenbar weniger begeistert sind davon, dass sie beim Bezahlen nicht mehr in Versuchung geführt werden und ihre Eltern nicht mehr mit „Ich will jetzt ein Gummibärchen“-Gebrüll in den Wahnsinn treiben können. „Die schleppen die Süssigkeiten jetzt einfach von den benachbarten Kassen an“, erklärte mir die Verkäuferin. Und zerplatzt war mein Traum vom stressfreien Einkauf mit kleinen Kindern.

Leseförderung oder so ähnlich

Prinzchen (ziemlich nörgelig, weil er frühzeitig aus dem dringend benötigten Mittagsschlaf gerissen wurde): Ich will nicht aufstehen, es ist viel zu kalt. Ich will schlafen.

Mama: Du musst ja nicht aufstehen, du kannst einfach im Bett liegen bleiben. Aber schlafen darfst du nicht mehr, weil du sonst abends zu lange wach bleibst.

Prinzchen (noch nörgeliger): Ich will aber schlafen!

Mama: Schau dir doch ein Buch an, das ist so gemütlich, wenn man unter der warmen Decke liegt.

Prinzchen (schreit): Will schlafen!

Mama: Ich hol dir mal einen Stapel Bilderbücher. (Mama geht aus dem Zimmer, Prinzchen sitzt schreiend im Bett. Nach einer Weile kommt Mama mit einer bunten Auswahl zurück.)

Mama: Welches Buch willst du zuerst? Schau, hier habe ich die Pipi Langstrumpf, hier den Jim Knopf, die Weihnachtsgeschichte, das…

Prinzchen (laut schluchzend): Ich will nicht so viele Bücher! Ich will nur eines!

Mama (mit einem Hauch von Ungeduld in der Stimme): Dann wähl dir doch einfach eines aus und den Rest legen wir hier aufs Nachttischchen. Willst du das hier mit den Klappen?

Prinzchen (noch lauter schluchzend): Will nicht so viele Bücher! Will nur eines! Warum hast du mir so viele mitgebracht? Hol mir ein anderes! Hol mir sofort ein anderes!

Mama (streng): Hör mal, mein Sohn, so nicht mit mir. Wenn dir keines dieser Bücher passt, dann kannst du dir selber eines holen.

Prinzchen (zornig): Nein, du musst mir ein anderes bringen. Ich will nicht aus dem Bett kommen, es ist kalt. 

Mama (so geduldig wie möglich): Du könntest wirklich eines von diesem Stapel nehmen. Die Pipi ist doch so lustig. Und der Valentin gefällt dir doch auch…

(Je länger die Mama redet, umso lauter schreit das Prinzchen. Am Ende gibt die Mama entnervt auf.)

Mama: Also,  hör mal. Ich gebe dir noch eine letzte Chance. Ich bringe diese Bücher zurück, hole dir ein anderes und dann ist Ruhe. Wenn dir das nicht passt, dann rutsch mir den Buckel hinunter.

Einige Augenblicke später: Die Mama bringt dem Prinzchen ein Wimmelbuch. Die schaut er sich jeweils stundenlang an.

Prinzchen (heult, als hätte man ihn geschlagen): Nein! Nicht dieses Buch! Ich will ein anderes! Bring mir ein anderes! Ich will dieses Buch nicht! Dieses Buch ist doof!

Mama (sehr sehr unfreundlich): Jetzt ist endgültig Schluss. Wenn du heulen willst, dann heul alleine. Ich bin dann mal oben am Computer.

Während sie am Tippen ist,  hört die Mama, wie ihr Jüngster unten noch eine ganze Weile lang weiter heult und sie denkt sich, dass auch viele Jahre Erziehungserfahrung nichts daran ändern, dass ein dreijähriger Trotzkopf durch mütterliches Zureden nicht zu gewinnen ist. Warum bloss lässt sie sich trotzdem immer wieder auf das Spiel ein?

Vorboten

„Mama, was ist denn eigentlich die Pubertät?“, wollen heute beim Mittagessen unsere zwei nahezu vorpubertären Kinder wissen. „In der Pubertät passieren ganz verschiedene Dinge“, beginne ich möglichst schonend zu erklären. „Euer Körper, zum Beispiel, der wird sich verändern und wird allmählich so, wie bei einem Erwachsenen…“ Entsetzt starren die zwei mich an, aber ich fahre fort: „Ihr werdet vieles von dem, was Papa und ich gut finden, plötzlich doof finden, ihr werdet anfangen, euren eigenen Weg zu suchen und ihr werdet auch die eine oder andere Dummheit machen…“ „Aber Mama, ich will doch keinen Kokos-Schnaps aus der Flasche trinken“, unterbricht mich Karlsson entsetzt und spielt damit auf eine meiner Jugendsünden an, die ich den Kindern in einem schwachen Moment gestanden hatte. „Du musst auch keinen Kokos-Schnaps trinken“, beschwichtige ich ihn. „Du wirst deine ganz eigenen Dummheiten machen und Papa und ich werden wohl grosse Mühe haben, dich zu verstehen. Das ist auch so eine Sache in der Pubertät: Kinder und Eltern geraten öfters mal aneinander und verstehen einander nicht…“ Eigenartig, warum widersprechen die beiden mir nicht? Warum beteuern sie mir nicht, dass ihre Bewunderung für uns keine Grenzen kennt und nie kennen wird? Und weshalb habe ich das Gefühl, in Luises Blick zu lesen, dass sie sich sehr wohl vorstellen kann, wie wir ihr auf die Nerven fallen werden?

Ich beschliesse, Luises Blick zu ignorieren und komme zum Schluss mit meiner Unterweisung: „Vermutlich werdet ihr euch auch zum ersten Mal bis über beide Ohren verlieben…“ Mist! Jetzt habe ich  zu viel gesagt. Beide schreien entsetzt auf. Wie kann ich es wagen, ihnen eine solche Abscheulichkeit zu unterstellen? Ein klarer Beweis, dass ich zu weit gegangen bin. Und dass die Pubertät wohl nicht mehr allzu fern ist.

Jetzt bloss nicht die Nerven verlieren, Mama.

Du kannst das, Mama

Zu unserer grossen Schande muss ich gestehen, dass unser Prinzchen seinen Frühmorgen-Kakao noch immer aus der Schoppenflasche trinkt. Dies vor allem aus Gründen elterlicher Bequemlichkeit, denn würde er ihn aus der Tasse trinken, müssten einer von uns beiden daneben sitzen und darauf achten, dass die Küche nicht im Kakao ersäuft und zwar morgens zwischen fünf und sechs, wenn ihre Majestät das Frühstücksgetränk einzunehmen beliebt. Dann also lieber das Fläschchen, was den angenehmen Nebeneffekt hat, dass der Kleine noch einmal einschläft, wodurch unsere Nachtruhe um einige Augenblicke verlängert wird.

Heute Morgen gegen neun Uhr verlangte das Prinzchen eine zweite Ration Kakao. Wo denn die Schoppenflasche sei, wollte ich wissen. Unter dem Bett, beschied mir unser Jüngster und ich müsste sie für ihn hervor angeln. „Aber das kannst du doch viel besser als ich“, wehrte ich ab, denn mein Bedürfnis, mit Rückenschmerzen unter einem niedrigen Kinderbett herumzukriechen hielt sich in Grenzen. „Aber Mama, das kannst du doch auch. Schau, die Flasche liegt gleich hier. Probier’s mal“, machte mir das Prinzchen Mut. Wieder wehrte ich ab: „Du bist viel kleiner und wendiger als ich, also passt du auch viel besser unter das Bett.“ Noch einmal redete mir das Prinzchen gut zu: „Nein, Mama, du schaffst das. Du musst gar nicht unter das Bett kriechen.“ Um meinem Sohn zu beweisen, dass ich das wirklich nicht schaffen kann und dass er viel besser geeignet ist, die doofe Flasche unter dem Bett hervorzuzaubern, wagte ich einen Blick unter das Bett. Tatsächlich lag die Flasche so günstig, dass es lächerlich gewesen wäre, weiter darauf zu bestehen, dass er das macht und ich hob die Flasche vom Boden auf. „Hast du gesehen Mama“, meinte das Prinzchen strahlend, „du kannst das wirklich! Das war doch wirklich nicht schwierig, oder?“

Täusche ich mich, oder sind hier die Rollen irgendwie durcheinander geraten?

Und dann noch in eigener Sache: Unter http://www.mutterundberuf.com/ könnt ihr lesen, was ich zum Thema Berufstätigkeit und Mutter zu sagen habe. Hanna freut sich bestimmt, wenn ihr mal kurz bei ihr vorbeisurft. 🙂

Auch nicht besser als alle anderen

Schrecklich: So ganz allmählich werde ich mir selbst zum Albtraum. Da haben „Meiner“ und ich uns jahrelang über die Mütter aufgeregt, die dem Herrn Lehrer bei jeder Gelegenheit ein Brieflein schreiben, wenn sie ihr Kind falsch behandelt sehen und wer schreibt heute alle paar Tage ein nettes, aber leicht weinerliches Brieflein weil der arme Karlsson mit irgend etwas nicht zurechtkommt oder die bedauernswerte Luise einfach nicht schaffen konnte, was man von ihr erwartet hat? Wer unterschreibt das Zeugnis erst, nachdem der Herr Lehrer des Langen und Breiten erklärt hat, weshalb er ab- und nicht aufgerundet hat? Wer beklagt sich bei jeder Gelegenheit lauthals über das kinderfeindliche Schulsystem? Na wer wohl?

Okay, zu meiner Verteidigung muss ich vielleicht sagen, dass mir auch von Lehrerseite bestätigt wird, dass von den Kindern heute zu viel erwartet wird. Aber wenn ich ganz ehrlich bin mit mir selber, dann muss ich mir eingestehen, dass ich wohl auch reklamieren würde, wenn das Schulsystem nicht darauf angelegt wäre, die Kinder zu normieren, bis man sie nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Nicht so oft vielleicht, aber ich würde es dennoch tun. Denn am Ende bin ich nicht anders als jede Mutter auch: Meine Kinder sind in meinen Augen grossartiger als in den Augen anderer. Oh ja, ich bemühe mich aufrichtig darum, auch ihre Schwächen zu sehen und sie nicht bei jeder Gelegenheit in Schutz zu nehmen, aber dass mir dies nur bedingt gelingt, muss ich immer dann feststellen, wenn ich wieder zum Stift greife, um ein nettes Brieflein zu schreiben. 

Jetzt, wo ich mir dieses Geständnis von der Seele gerungen habe, muss ich aber doch festhalten, dass es eine absolute Schweinerei war, dass Karlsson nicht… und dass ich es einfach nicht mitansehen konnte, wie man den unschuldigen FeuerwehrRitterRömerPiraten… und dass es doch einfach nicht geht, wenn man den armen kleinen Zoowärter… wo er sich doch so viel Mühe gegeben hat und dass Luise nicht… kann ich beim besten Willen nicht begreifen. Da muss Mama sich doch einfach zur Wehr setzen, nicht wahr?

 

Phasen

Wir stecken mal wieder mitten drin in einer „Nein, nur Mama darf das“-Phase. Mama kann am besten Spaghetti verschneiden, Mama kann besser den Hintern abwischen, Mama kann besser Zahnpaste auf die Zanhbürste drücken, Mama kann besser Schuhe binden… Der übliche unverrückbare Glaube eines Dreijährigen an die übermenschlichen Fähigkeiten seiner Mama. Wenn es nicht so anstrengend wäre, für jede kleine Handreichung herbeigerufen zu werden, auch wenn der Papa zehn Zentimeter neben dem Kind steht, ich würde mich geehrt fühlen. Endlich wieder einer, der mir etwas zutraut und wenn es nur darum geht, ihm einen Löffel aus der Schublade zu reichen.

Früher hat „Meiner“ arg gelitten unter der  Zurückweisung, die er als Vater während dieser Phase jeweils erlebt. Besonders schlimm war es,  als Karlsson drei war und einen Tobsuchtanfall bekam, weil Papa sich erfrecht hatte, die Autotür für ihn zu öffnen. Heute wissen wir natürlich beide, dass eine solche väterliche Kompetenzüberschreitung nicht toleriert wird, aber damals glaubten wir noch, man müsse dem Kind nur deutlich genug beweisen, dass der Papa das ebenfalls ganz gut hinkriegt, dann sei die Sache nach ein paar Tagen ausgestanden. Hach, wir hatten ja keine Ahnung damals. Einmal geriet Karlsson so sehr in Rage darüber, dass „Meiner“ mit ihm zur Post ging, während ich mit Luise den Bücherladen aufsuchte, dass die Passanten glaubten, das arme Kind würde misshandelt. Es war das einzige Mal, dass „Meiner“ verdächtigt wurde, ein böser, fremder Mann zu sein, der ein wehrloses Kind in seiner Gewalt hatte. Dabei war es genau umgekehrt, aber das glaubt einem ja keiner, erst recht nicht, wenn man ein Mann ist.

Heute würde uns so etwas  nicht mehr passieren. Wir haben gelernt, dass Papa während dieser Phase das  Kind unter gar keinen Umständen berühren darf, dass er aber, wenn er sich an dieses kindliche Verbot hält, in zwei oder drei Jahren mit abgöttischer Liebe von eben diesem Kind für diese Zurückweisung entschädigt wird. Aber nicht nur „Meiner“ hat gelernt, auch ich weiss inzwischen, dass ich für zwei oder drei Monate rund um die Uhr im Dienste des Prinzchens stehen werde und dass ich mich deswegen wohl am besten von allen anderen Pflichten beurlaben lasse. Ich stelle mich auf eine ziemlich herausfordernde Zeit ein, aber inzwischen weiss ich, dass das Kind sich erst dann ein Stück weit von der Mama entfernen wird, wenn es zuerst ausgiebig getestet hat, ob diese im Notfall immer da ist.

Wobei ich eigentlich noch gar nicht soweit bin, das Prinzchen ziehen zu lassen, wo nach ihm doch kein kleiner Mensch mehr kommt, der mir das Gefühl vermittelt, ich  könne alles, aber auch wirklich alles besser als jeder andere Mensch auf diesem Planeten. Ich glaube, ich muss mir etwas einfallen lassen, damit er noch etwas bei mir bleibt. Vielleicht versuche ich es mal mit der „Nein, nur das Prinzchen darf das“-Phase…

 

So war das früher jeden Tag…

Zuerst einmal muss ich vorausschicken, dass ich die vergangene Woche mit den Kindern genossen habe. „Meiner“ musste bereits wieder arbeiten, die Kinder hatten noch Ferien und ich legte meine Arbeitszeiten so, dass wir fast ohne Fremdbetreuung auskamen. Es war herrlich: Bilderbücher vorlesesen, kuscheln, Fragen beantworten, gemeinsam singen, spontane Kaffeerunden mit Schwester, Schwager, Mutter und Neffen, philosophieren – „Gell Mama, das was jetzt ist, passiert wirklich, oder?“ – in aller Ruhe Mittagessen kochen und so lange am Tisch sitzen, bis die Kinder keine Lust mehr zum Sitzen haben und nicht, bis der Erste schon wieder aus dem Haus muss. Wunderbar, ganz ehrlich.

Und auch ganz schrecklich anstrengend. Denn wenn du sechs Tage lang ganz alleine bei ziemlich ungemütlichem Wetter fünf Kinder bei Laune halten musst, dann ist das ein Fulltime-Job. Allein schon die Fütterung nimmt den halben Tag in Anspruch, denn wenn der Letzte seinen Frühstückskakao endlich leergetrunken hat, verlangt derjenige, der schon um sieben gefrühstückt hat, bereits nach Mittagessen. Aber zum Kochen kommst du noch lange nicht, weil dir alle paar Minuten ein Kind eine Kiwi zum Schälen hinstreckt. Und du wirst doch deinen Kindern eine kleine Kiwi zwischendurch nicht verwehren wollen? Ist doch so gesund. Ach ja, dazwischen muss natürlich immer mal wieder der Besen her, weil ihr sonst in den Brosamen ersauft, bevor der Tag zu Ende ist. Und kaum ist der Fussboden endlich sauber, fällt die Horde wieder in die Küche ein und verlangt nach Zvieri-Broten.

Wenn du hartnäckig genug bist, wirst du deine Knöpfe vielleicht noch vor dem Mittagessen dazu überreden können, aus dem Pyjama und in die Kleider kommen. Vielleicht geht dir aber schon vorher der Schnauf aus und du erlaubst ausnahmsweise das Essen im Schlafanzug. Weil du selber zwischen Kakaokochen, Bodenfegen, Kiwischälen, etc. keine Zeit findest, dich anzuziehen und du kannst von deinen Kindern ja nicht verlangen, was du selber nicht schaffst. Vielleicht aber musst du auch einfach dankbar sein, wenn die kleinsten Vendittis wenigstens einen Schlafanzug tragen beim Essen und nicht ganz nackt zu Tisch kommen, denn während sich die halbe Welt im Februar ins Fasnachtskostüm stürzt, hat für die kleinsten Vendittis die Nudisten-Saison angefangen. Man frage mich nicht, warum dies so ist, aber das war schon bei den Grossen so, als ihr Schamgefühl sie noch nicht davon abhielt, mitten im Winter splitterfasernackt durch die Wohung zu rennen.

Der Grossteil des Tages geht also für Fütterung, fegen und anziehen drauf. Dazwischen verstreut die oben erwähnten glücklichen Mama-Kind-Momente, dann noch der eine oder andere Streit, der geschlichtet werden will, der Versuch einer Kaffeepause und der Tag ist wieder um. An grössere Vorhaben wie zum Beispiel Zimmer aufräumen, einkaufen, die Wäsche aufhängen oder einen Anruf zu tätigen ist nicht zu denken, denn wehe, du kehrst den Kindern nur eine Minute den Rücken zu! Dann wirst du bestraft mit überlaufenden Badewannen, verschütteten Corn Flakes und honigverschmierten Stühlen.

Okay, ich hätte die fünf auch mit Dauerfernsehen ruhig stellen können, aber wie hätte ich mich da wieder an die alten Zeiten zurückerinnert, als solche Tage nicht die Ausnahme, sondern die Regel waren?

 

Der Kaiser zur Schützenwurst

Also, den Zoowärter, den möchten sie ja im Kindergarten gerne heilpädagogisch fördern. Weil er nicht jede Anweisung sofort  befolgt und weil er sich manchmal davor fürchtet, über den Balken der Langbank zu balancieren. Zuerst war ich leicht verunsichert, als man uns das mitteilte. Vielleicht hatte ich in meiner mütterlichen Liebe übersehen, dass das Kind in seiner Entwicklung nicht so weit ist, wie es sein sollte?

Meine Sorgen legten sich schnell wieder, denn der Zoowärter ist nicht auffälliger als jedes andere Kind, das nicht nach irgend einer EU-Norm gezeugt und dressiert  worden ist. Spätestens heute verflogen meine letzten Zweifel. Da sang der Junge das Lied von den Grenadieren – ja, ich weiss, ein schreckliches Lied, aber er liebt es – von der ersten bis zur letzten Silbe auswendig und fehlerfrei. „Meiner“ und ich schauten uns nur mit hochgezogenen Augenbrauen an und meinten: „Ganz eindeutig: Förderstufe zwei.“

Dabei ist der Junge deutlich weiter, als ich es in seinem Alter war. Ich sang nämlich immer nur „Der Kaiser der Kaiser zur Schützenwurst“. Und mich wollten sie nicht mal heilpädagogisch fördern, obschon ich doch ganz offensichtlich nicht fähig war, Historisches von Kulinarischem zu unterscheiden. Was waren wir doch für arme, vernachlässigte Kinder…