Pause

Wer hier schon länger mitliest, wird es gemerkt haben: Mir fehlt momentan die Ruhe, regelmässig zu schreiben. Zu viel hat in den vergangenen Monaten meine volle Aufmerksamkeit gefordert. Zu oft wächst im Laufe des Tages ein neuer Text in mir heran,  dessen Bruchstücke ich abends unter den Ereignissen zusammenklauben will, was mir aber nicht gelingt, weil ich schlicht zu müde bin. Höchste Zeit für eine Pause also. Bis Mitte Oktober will ich mir Zeit geben, um mehr zu ruhen und weniger zu tun, damit wieder Neues wachsen kann. Ich werde wieder schreiben, des bin ich mir sicher, doch für den Moment herrscht hier jetzt einfach mal Stille. 

Schönes Wochenende, liebe Lehrer

An alle engagierten Lehrerinnen und Lehrer da draussen: 

Glaubt mir, ich kann mir ziemlich gut vorstellen, wie ihr euch am Ende einer ereignisreichen Schulwoche fühlt. Warum? Weil einer von euch mit mir sein Leben teilt und der ist jeweils ziemlich geschlaucht, wenn er ins Wochenende startet. Geschlaucht und selbstkritisch, denn weil er seine Sache gut machen will, sieht er oft nur, was er hätte besser machen können und nicht das, was alles bestens lief. Vielleicht geht es euch jeweils ganz ähnlich und darum möchte ich euch, bevor ich euch ein schönes Wochenende wünsche, kurz sagen, wie wichtig ihr seid.

Engagierte Lehrer können nämlich bewirken, dass einer*, der die Schule bis anhin als einen Ort erlebt hat, wo er nie genügen kann, jeden Tag fröhlich aus dem Haus geht und zufrieden wieder zurückkommt. Dass er mit leuchtenden Augen erzählt, was er alles gelernt hat und jeden, der ihm über den Weg läuft, mit den Scherzfragen unterhält, die er in der Schule gestellt bekommen hat. Dass er weiss, an wen er sich wenden kann, wenn ihm eine Schulkameradin andauernd auf der Nase herumtanzt und darum nicht mehr so gereizt sein muss, wenn es mal wieder zum Krach kommt. Dass er plötzlich Lust hat, sich mit einem Freund zum Lernen zu treffen und abends verkündet, er wolle im Bett noch ein wenig lesen. Dass er sich etwas zutraut und lernt, mit denen auszukommen, die er bis anhin gemieden hat. Dass er nicht mehr in Panik gerät, wenn er die Hausaufgaben vergessen hat, weil man ihm trotzdem noch mit Wohlwollen begegnet. Dass er die Schule plötzlich eine richtig tolle Sache findet und von seinen Lehrern redet, als wären sie Superhelden.

Was ihr auch seid, denn Menschen, die fähig sind, das Leben eines Kindes – und damit auch seiner Eltern – so viel schöner zu machen, sind die Grössten.

* Und zwar nicht derjenige, der die Schule gewechselt hat, sondern ein anderer. 

flowers

Alles auf einem Blatt

Wenn ich weiss, dass ich es möglicherweise nicht pünktlich zum Mittagessen nach Hause schaffen werde und „Meiner“ auch nicht da ist, gebe ich den Kindern am Morgen die nötigen Instruktionen, damit der Laden notfalls auch ohne mich laufen kann. Weil ich aber auch weiss, wie leicht solche Instruktionen zwischen Aufgabenblättern, Gruppenarbeiten, Znüniboxen und Pausenhofgeplänkel verloren gehen, finden die Kinder bei ihrer Heimkehr meistens auch noch einen Zettel vor. Darauf steht alles, was die Knöpfe wissen müssen:

  • Dass ich nicht da bin (Weil sie das bestimmt schon wieder vergessen haben.)
  • Wo ich bin (Weil sie das vermutlich gar nicht wissen, da sie am frühen Morgen nach „Ich komme heute Mittag vielleicht etwas später, weil…“ bereits wieder abgehängt haben.)
  • Mit wem ich unterwegs bin (Weil auch das vermutlich nicht hängen geblieben ist.)
  • Wer fürs Tischdecken verantwortlich ist (Weil natürlich wieder keiner dran denken wird, meinen farbenfroh gestalteten, laminierten Plan zu konsultieren.)
  • Was es zu essen gibt (Weil ich das in den frühen Morgenstunden, als ich sie über meine mögliche Abwesenheit informierte, noch nicht wusste.)
  • Wo sie das Essen finden (Weil… na ja, vielleicht hätte es diese Information nicht gebraucht, denn Essbares finden sie immer und sonst gehen sie halt der Nase nach, bis sie fündig geworden sind.)
  • Dass sie heute keine Gäste einladen können (Weil ein gewisser Zoowärter immer erst bei uns und dann bei den Eltern des besten Freundes nach dem Menü fragt, um zu entscheiden, wo es heute wohl besser schmecken wird und das geht nun mal nicht, wenn bei uns keiner am Herd steht, der die Frage nach der aktuellen Spezialität des Hauses beantworten kann. Und weil ich es den anderen Eltern gegenüber nicht okay finde, wenn ihre Kinder ohne ihr Wissen unbeaufsichtigt bei uns sind. Und weil dieses doofe Rezept trotz Verdoppelung der Menge bloss eine mickrige Portion Dampfnudeln ergeben hat, so dass es knapp für diejenigen reicht, die ich beim Kochen eingerechnet habe.)
  • Dass heute keiner auswärts essen darf, auch nicht dann, wenn das Menü dort ansprechender wäre (Weil ich nicht anderen Leuten ungefragt meine Kinder anhängen will, bloss weil ich es nicht rechtzeitig nach Hause schaffe. Und weil ich meine Knöpfe nicht in allen Himmelsrichtungen zusammensuchen will, wenn ich endlich nach Hause komme.)

Mit viel gutem Willen habe ich es geschafft, all diese Infos – natürlich ohne die Klammerbemerkungen – ziemlich gut leserlich auf einem einzigen A4-Blatt unterzubringen. Der Platz reichte sogar noch für ein Herzchen. Dennoch war nicht alles so, wie es sein sollte, als ich nach Hause kam. Das Prinzchen habe sich mit seiner Dampfnudel auf den Estrich zurückgezogen, erzählten mir Luise und der Zoowärter. Wegen einer üblen Beleidigung habe er den weiteren Verbleib am Esstisch für unzumutbar erachtet und jetzt bleibe er wohl noch eine Weile dort oben, um zu schmollen. 

Ich denke, ihr geht mit mir einig, dass sich ein solcher Konflikt hätte vermeiden lassen, wenn ich die anderen Anweisungen etwas kleiner geschrieben hätte, damit noch Raum für ein deutliches „Seid gefälligst nett miteinander!!!“ geblieben wäre. 

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Wie kann man die blockieren?

Der Kaminfeger, der dir ungefragt seine Meinung über Ölheizungen (das Beste, was es auf dieser Welt gibt), den Vaterschaftsurlaub (ein unnötiger Mist, über den man nur redet, weil die Frauen heute zu verweichlicht sind, um sich alleine um den Nachwuchs zu kümmern) und die heutigen Eltern (lauter Loser, die keine Ahnung haben vom Leben) vor die Füsse knallt.

Der Sitznachbar im Bus, der dich fragt, ob du verstanden hättest, was die zwei Männer miteinander geredet hätten, nur um dir dann für den Rest der Fahrt erzählen zu können, was er von diesen zwei Männern im Speziellen (nichts) und von Afrikanern im Allgemeinen (noch einmal nichts) hält.

Die Frau im Wartezimmer, die dir – kaum hast du ihr erklärt, du möchtest deine Wartezeit gerne zum Arbeiten nutzen – die traurige Lebensgeschichte ihrer Cousine zweiten Grades zu erzählen beginnt und auch dann nicht aufhört, als du anfängst, demonstrativ in die Tasten zu hauen.

Der Typ in der Warteschlange, der dir voller Stolz erzählt, wenn ein Rentner hinter ihm an der Kasse drängle, frage er ihn, ob er ein Rendezvous mit dem Tod habe. (Worauf ich ihm erzähle, wenn meine Kinder sich darüber wunderten, dass ich mit jedem rede, würde ich ihnen jeweils sagen, solange mir einer nicht zweifelsfrei bewiesen habe, dass er ein Idiot sei, würde ich versuchen, nett zu bleiben. Wodurch er sich natürlich nicht angesprochen fühlte, da ich weiterhin nett und freundlich blieb.)

Manchmal verstehe ich ja schon, warum sich die Menschen lieber hinter ihren Computern verschanzen, wo man solche Leute einfach blockieren kann. 

fågel

 

 

Zeitreise

Man sagt ja, wir Mütter sollten uns auf gar keinen Fall so kleiden wie unsere halbwüchsigen Kinder. Für mich ist das kein Problem, denn Knallbuntes und Geblümtes, wie es mir gefällt, findet man selten in den Boutiquen, die hauptsächlich von Teenagern aufgesucht werden. Dass die eine oder andere meiner Altersgenossinnen der Versuchung nicht widerstehen mag, kann ich nach dem heutigen Einkaufsbummel mit Luise aber wieder nachvollziehen. 

Was soll denn eine Frau meiner Generation denken, wenn sie ausgerechnet an einem Tag, an dem sie sich danach sehnt, wieder jung zu sein, in einem solchen Laden steht? Dass sie zu alt ist für das ganze Zeug, das da verkauft wird? Natürlich nicht. Sie denkt, das Schicksal habe ihr eine Zeitreise geschenkt, die sie zufälligerweise ins Jahr 1987 zurück katapultiert habe. Was an den Kleiderständern hängt, sieht genau gleich aus wie das Zeug, das vor dreissig Jahren in ihrem Schrank hing, aus den Boxen dröhnt der – notdürftig auf modern getrimmte – Hit, zu dem sie zum ersten Mal mit der damals gerade aktuellen „Liebe ihres Lebens“ getanzt hat. Kann man es ihr verargen, wenn sie ohne gross zu überlegen den gleichen Fummel kauft wie ihre Tochter, wo sie sich doch auf einmal wieder fühlt wie damals? 

Na ja, natürlich kann man ihr das verargen. Nicht, weil sie so cool und angesagt wie ihre Tochter sein will, sondern weil sie weit nach ihrem vierzigsten Geburtstag noch imner nicht erkannt hat, wie abgrundtief hässlich löchrige Jeans mit neonfarbenen Comic-Aufdrucken sind. 

Wasabi & Tabasco

Mal wieder einer aus der Kategorie „Verstehe einer dieses Kind“:

Der kleine Prinz, der meine ganz und gar kindergerechte Erdnuss-Kokos-Nudelpfanne verschmäht,…

… seine Pasta vorzugsweise ohne Sauce, dafür mit Butter und Reibkäse zu sich nimmt,…

… bei jeder anständigen Gemüsesuppe die Nase rümpft,…

… weder mit Risotto gefüllte Peperoni noch einen deftigen Eintopf mit Bohnen und Wurst probieren mag und sogar fade Salzkartoffeln auf dem Teller links liegen lässt…

der Junge also, für dessen Geschmacksknospen selbst die einfachsten Gerichte irgendwie zu exotisch sind, erzählt mir heute voller Begeisterung, er habe neulich bei seinem besten Freund Wasabi-Erdnüsse mit Tabasco probiert, das habe umwerfend gut geschmeckt. Dann will er wissen, ob wir das auch mal haben könnten und ob wir vielleicht im Garten ganz viel Wasabi anpflanzen könnten.

Das also war es, was ihm an meiner Küche nicht gepasst hat…

Respekt

Samstagnachmittag in der ziemlich belebten Fussgängerzone, einige Mädchen stehen zusammen und unterhalten sich. Ein älterer Mann hastet an der Gruppe vorbei und rammt einem der Mädchen mit voller Absicht den Ellbogen in den Rücken. Das Ganze geht so schnell, dass niemand reagieren kann, weder die Mädchen noch die Passanten, die das Geschehen verdattert beobachten.

Würde mich nicht wundern, wenn das einer von denen wäre, die bei jeder Gelegenheit lautstark lamentieren, die „Jugend von heute“ habe keinen Respekt mehr vor dem Alter. 

kopp

 

Sieht nach Aufatmen aus

  • Nach sechs Jahren Durststrecke begegnet uns endlich wieder das zufriedene, strahlende Kind, das er von Geburt an bis zur Einschulung war.
  • Innerhalb von vierzehn Tagen gerade mal ein kleiner Konflikt, der nicht annähernd an das herankommt, was in den letzten Jahren üblich geworden war.
  • Endlich hören wir wieder dieses herzhafte Lachen, das wir so vermisst haben.
  • Am Mittagstisch in der Schule hat er den Widerstand aufgegeben und zum ersten Mal in seinem Leben Tomaten probiert. (Was nicht heissen soll, dass er sie gemocht hat…)
  • Die Hilfsbereitschaft, die er schon immer in sich hatte, mag sich wieder zeigen. 
  • Wir bekommen die Elternbriefe zu sehen, bevor die darin angekündigten Anlässe ohne unsere Anwesenheit stattgefunden haben. 
  • Die Worte sprudeln wieder aus ihm heraus wie ein Wasserfall.
  • Um Hausaufgaben brauchen wir uns nicht zu sorgen. Falls er überhaupt welche hat, ist seine Motivation so gross, dass er sich aus eigenem Antrieb darum kümmert.
  • Er erzählt wieder von seinen Zukunftsträumen. 
  • Wir fühlen uns, als hätten wir alle seit vielen, vielen Jahren wieder einmal Ferien, obschon wir mitten im Berufs- und Schulalltag stecken. 

Das Schuljahr ist gerade mal zwei Wochen alt und doch könnte ich noch viele weitere Gründe aufzählen, weshalb der Schulwechsel für den FeuerwehrRitterRömerPiraten (und uns alle) wohl wirklich das Beste war. 

aubergine

Wenn Mama nicht mitspielt…

Wenn mir der Zoowärter mit leuchtenden Augen vorschlägt, unser Mama-Sohn-Ausflug, den er von seinem zehnten Geburtstag noch zugute hat, könnte nach Deutschland zur Games-Messe führen,…

Wenn das Leuchten in seinen Augen schlagartig erlischt, als ich ihm erkläre, das sei erstens zu weit weg, zweitens zu teuer und drittens ganz und gar nicht das, wozu ein solcher Mama-Sohn-Ausflug gedacht sei,…

Wenn schliesslich die Tränen fliessen, weil ich auch nicht dafür bin, dass er mit seinen Freunden fährt und sich das Ticket mit seinem Taschengeld kauft,…

Wenn er krampfhaft versucht, nicht laut loszuheulen, als ich ihm darlege, den Leuten, die Kinder mit fabelhaften Werbespots bombardieren, ginge es eigentlich nur darum, Geld zu verdienen,…

Wenn er mir lustlos aufzählt, was er gern macht und gut kann, damit ich ihm daraufhin eine Predigt über sein spannendes, abwechslungsreiches Leben abseits des Bildschirms halten kann,…

Wenn er sich widerwillig von mir dazu überreden lässt, an seinem nächsten freien Nachmittag einen Kuchen mit mir zu backen, weil solche echten Erlebnisse so viel toller sind als das mehr oder weniger sinnlose Drücken von Knöpfen,…

Wenn er nach unserem langen Gespräch mit hängendem Kopf in seinem Zimmer verschwindet, wo man ihn noch bis spät laut schluchzen hört,…

… dann wünsche ich mir einen Augenblick lang, wir hätten uns dazu entschieden, unsere Kinder irgendwo in der Abgeschiedenheit grosszuziehen, damit wir uns nicht immer mit dem Mist herumschlagen müssen, den andere an unsere Knöpfe herantragen. 

danse

Die neuen Zucchini

Zucchini traut sich heutzutage ja kaum einer mehr anzupflanzen. Zu oft stand man ratlos im Garten und fragte sich, was man mit den Riesendingern anstellen sollte, die ohne das geringste Zutun des Hobbygärtners in rauen Mengen herangewachsen waren. Die Versuche, sie zu verschenken, blieben bald einmal erfolglos. „Meine Kinder mögen leider keine Zucchini“, redeten sich die potentiellen Empfänger heraus. Oder: „Ich hab schon von der Schwiegermutter drei Stück geschenkt bekommen und weiss beim besten Willen nicht, wie wir damit fertig werden sollen.“ Um die Dinger doch noch loszuwerden, begann man irgendwann, alte Kochzeitschriften nach Rezepten für Zucchinikuchen zu durchforsten und dann musste man sich nur noch einreden, das Gebäck schmecke gut, um mit der Zucchini-Ernte fertig zu werden.

Es scheint, die Menschen hätten inzwischen gelernt, dass es reicht, wenn pro Gemeinde zwei oder drei Personen Zucchini anbauen, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Seither bekommt man das Zeug nur noch äusserst selten ungefragt geschenkt. Doch wir Hobbygärtner sind ein uneinsichtiges Völkchen. Irgendetwas Pflegeleichtes, Geschmacksneutrales, das ohne grossen Aufwand reiche Ernte bringt, müssen wir einfach heranziehen, um glücklich zu sein. Nachdem die Zucchini in Verruf geraten sind, haben wir schnell einen würdigen Ersatz gefunden: Den Patisson. Der gedeiht mindestens so prächtig, hat aber den Vorteil, dass das einzelne Exemplar klein und handlich bleibt. Die zu Beschenkenden erschrecken dann nicht so leicht ob der Grösse und sind eher bereit, ohne faule Ausreden die Gabe in Empfang zu nehmen. Und weil es die Dinger in verschiedenen Farbschattierungen gibt, können Hobbygärtner ihre Ernte untereinander tauschen wie die Kinder ihre Fussballbildchen. Ich habe diesen Sommer bereits drei Exemplare in Orangegelb herausgerückt und im Gegenzug je zwei Hellgelbe und zwei Weisse bekommen.

Kennt zufällig jemand ein Rezept für Patisson-Kuchen?