Stephanstag

Was macht man am Stephanstag, wenn sich einfach keiner mehr findet, der mit Vendittis noch ein wenig Weihnachten feiern möchte? Nicht mal die Schwiegermutter, die sonst immer froh ist um ein wenig Aufmerksamkeit, hatte Lust, mit uns die Weihnachtstage ein wenig zu verlängern. Und so bleib uns heute nichts anderes übrig, als den halben Tag im Pyjama herumzuhhängen, uns mit Guetzli vollzustopfen, ein wenig zu lesen, den Kindern beim Spielen zuzuschauen, zu dösen und in der Blogstatistik zu stöbern.

Und zum Beispiel herauszufinden, dass man beautifulvenditti heute mit der Suche nach der Antwort auf die immens wichtige Frage „Wieso gibt es das Feldschiessen?“ gefunden hat. Als ob ich schon je in meinem Leben etwas über Feldschiessen geschrieben hätte. Nun ja, habe ich vielleicht auch schon, damals, als ich noch Lokalredaktorin war. Aber falls ich mir je näher Gedanken gemacht habe über das Thema, dann eher, weil ich mich krank gelacht habe über so schöne Wörter wie „Behördenschiessen“ oder „Gemeinderatsschiessen“. Weil ich mir vorgestellt habe, wie sich die Behörden und Gemeinderäte hinter den Bäumen verstecken, während die Schützen versuchen, einen von ihnen vor die Flinte zu kriegen. Und nicht etwa, weil ich mich im Allgemeinen fürs Schiessen interessieren würde. Dazu bin ich viel zu pazifistisch eingestellt. Deshalb bin ich auch etwas erstaunt, dass die Suchmaschine glaubt, man finde bei mir eine Antwort auf die Frage nach dem Ursprung des Feldschiessens.

Ich weiss auch nicht, warum man mich findet, wenn man die Eingabe „strippen gegen den Hausfrauenfrust“ macht. Okay, über Hausfrauenfrust schreibe ich viel, aber doch nicht übers Strippen. Davon habe ich nun wirklich keine Ahnung und ich will davon auch gar keine Ahnung haben. Ist mir nämlich einfach zu doof. Auch auf das Problem „ich trage Frauenkleider und bin verheiratet“ habe ich herzlich wenige Antworten obschon ich sowohl verheiratet bin, als auch Frauenkleider trage, aber von mir erwartet man ja nichts anderes.

Dass man mich gleich dreimal mit der Suche „nacktschnecken zu treten“ gefunden hat, gibt mir ebenfalls zu denken. Muss man denn gleich so aggressiv werden gegen Nacktschnecken? Nicht, dass ich diese Tiere besonders lieben würde, aber muss man sie denn treten deswegen? Die können ja auch nichts dafür, dass sie so hässlich sind.

Und dann gibt es noch jemanden, der bei mir „bilder der perfekte hausmann“ sucht. Ich glaube, ich muss sofort alle Bilder von „Meinem“ löschen. Den perfekten Hausmann, den teile ich nämlich mit niemandem. Der gehört mir allein.

Du merkst, dass du langsam alt wirst, wenn….

… du diejenige bist, die an Heilig Abend hundertmal sagt, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis es Geschenke gibt und dass die Kinder sich doch jetzt bitte noch ein wenig gedulden sollen.

… du diejenige bist, die an Heilig Abend das Glöcklein läutet, um die Kinder ins Wohnzimmer zu rufen.

… du von „Deinem“ zu Weihnachten vier Tage Erholungsferien im „Ländli“ geschenkt bekommst. 🙂

… du diejenige bist, die an Heilig Abend länger aufbleiben darf, um den Gottesdienst zu besuchen. 🙂

… du in diesem Gottesdienst zum ersten Mal in diesem Jahr überhaupt ein paar Momente der Ruhe findest, um darüber nachzudenken, was dieses kleine Kind in der Krippe alles bewegt hat auf dieser Welt.

… du an Weihnachten eine volle Stunde zu spät zur Familienfete kommst, weil du noch so viele Windeln, Desserts, Bilderbücher, Schoppenflaschen, Geschenke für Neffen und Nichten, Geschenke für Gotten und Göttis, etc. hast einpacken müssen.

… du von deinem Patenkind als Weihnachtsgeschenk zum Essen eingeladen wirst. 🙂

… dir deine halbwüchsigen Nichten und Neffen nicht glauben, dass du vor vielen vielen Jahren auch mal Mist gebaut hast.

… dein älterer Bruder über Hexenschuss klagt und du genau weisst, wie elend er sich fühlt.

… du beim Familienfoto Rückenschmerzen bekommst, weil du so lange auf dem Boden kauern musstest weil es gar nicht so einfach ist, siebzehn  Erwachsene, sechs Teenager, zehn Kinder und zwei Babys zum Stillsitzen zu bringen.

… sie dich am Weihnachtsabend in der Polizeikontrolle nach einem kurzen Blick in deinen Führerausweis durchwinken, weil du mit deinen altbackenen Kleidern und mit deinen drei übermüdeten Kindern so kreuzbrav aussiehst, dass die Polizisten gar nicht erst auf die Idee kommen, dass du etwas ausgefressen haben könntest.

… du diejenige bist, die das Geschenkpapier entsorgen muss, kaputtes Spielzeug wieder flicken muss, Speisereste verwerten muss und dafür sorgen muss, dass die Kinder mal wieder etwas Gesundes in den Magen bekommen.

… du froh bist, wenn Weihnachten vorbei ist, damit endlich wieder mal Ruhe einkehrt.

Weihnachtsmenu

Während andere Bloggerinnen bereits vor Wochen ihr Weihnachtsmenu bekannt gegeben haben, habe ich mal wieder bis zur letzten Minute gewartet, um mir den Kopf darüber zu zerbrechen, was heute Abend auf den Tisch kommt. Und weil ich zu faul war, Kochbücher zu wälzen und dennoch nicht Jahr für Jahr das Gleiche kochen will, habe ich meine Familie gefragt, was es denn geben soll. Und deshalb sieht unser Menu für heute so aus:

Erste Vorspeise: Crêpes mit Räucherlachs und Frischkäse und zwar in Form einer Torte, „weisst du, so eine wie Petterson für Findus macht, aber nicht mit Beeren sondern mit Lachs“ (Wunsch von Karlsson und Luise)

Zweite Vorspeise: Riesencrevetten (Wunsch von „Meinem“ und Karlsson) – Und ich habe die schwierige Aufgabe, die Dinger in Bio-Qualität und garantiert frei von Kinderarbeit und dergleichen aufzutreiben…

Hauptspeise: Hausgemachte Chnöpfli mit Käse (Wunsch des FeuerwehrRitterRömerPiraten)

Dazu: Morchelsauce, „weil ohne Morchelsauce nicht Weihnachten ist“ (Wunsch von Karlsson)

Dazu auch noch: „Nein lieber Champignonssauce. Ich hasse Morcheln!“ (Wunsch von Luise)

Dessert: Sahnetorteund zwar genau so eine, wie sie Karlsson vom Dach mag“ (Wunsch von Luise)

Das also ist unser Weihnachtsmenu. Passt doch alles perfekt. So perfekt, wie die Faust aufs Auge, nicht wahr?

Wie? Ob ich denn keine Wünsche angebracht habe? Aber klar doch. Ich habe mir gewünscht, was sich die Mamas immer wünschen: „Brave Kinder und dass ihr alle zufrieden seid.“ Das ist es doch, was sich Mamas zu wünschen haben, oder?

Hurra! Wir werden reich!

„Meiner“ und ich haben beschlossen, eine neue Einnahmequelle zu erschliessen. Wer uns anstarrt, weil wir mit fünf Kindern unterwegs sind, zahlt. Und zwar ab sofort.  Bis Ende Jahr gilt für alle der gleiche Einführungspreis: Fünf Franken für fünf Minuten starren. Nächstes Jahr werden wir dann abgestufte Preise verlangen, je nachdem, wer auf welche Weise starrt. Hier die Preisliste, gültig ab 1. 1. 2010:

Menschen, die nur hin und wieder einen verstohlene Blick riskieren, bezahlen 50 Rappen pro Blick.

Menschen, die uns anschauen und dabei freundlich lachen bezahlen 2 Franken pro fünf Minuten, für eine nette Bemerkung gibt’s einen Franken Rabatt.

Menschen, die mit dem Finger auf uns zeigen bezahlen 10 Franken für jeden Fingerzeig.

Menschen, die uns unentwegt und mit gehässigem Blick anstarren, bezahlen 15 Franken pro fünf Minuten.

Menschen, die uns unentwegt und mit gehässigem Blick anstarren und dazu auch noch giftige Bemerkungen fallen lassen, wenn eines unserer Kinder einen Pieps von sich gibt, bezahlen 25 Franken pro Bemerkung, zuzüglich zu den 15 Franken .

Man unterstelle mir wegen der hohen Preise in den zwei letzten Kategorien bitte keine Seniorenfeindlichkeit. Die älteren Damen und Herren, die noch immer glauben, wer mehr als zwei Kinder habe, wisse nicht, dass es die Pille gibt, sind selber Schuld, dass wir sie zur Kasse bitten müssen. Mit ihrer Gehässigkeit haben sie uns schon so manchen Ausflug versaut, dass wir Schadenersatz verlangen müssen.

Wenn wir uns jetzt auch noch dazu aufraffen können, uns täglich mit unserer Rasselbande unters Volk zu mischen, dann gehören finanzielle Engpässe der Vergangenheit an. Wird zwar anstrengend, ständig unterwegs zu sein, aber Geld verdienen war noch nie einfach.

Der perfekte Vormittag

Angefangen hat der Tag damit, dass „Meiner“ und ich ausnahmsweise nicht von lautstarkem Streiten geweckt wurden, sondern von vier zuckersüssen Kinderlein mit einem Tablett voller Tassen und Schälchen. Tee und Schokoladenjoghurt im Bett. Dazu ein Prinzchen, dass freudestrahlend in die Händchen klatscht, weil er sich mitfreut.  Gibt es ein schöneres Aufwachen? Für mich nicht.

Weiter ging der Morgen damit, dass ich mich ganz alleine auf den Weg in die Stadt machte. Mein Vorwand war, dass ich ein paar letzte Weihnachtsgeschenke besorgen musste. Aber der wahre Grund war natürlich, dass ich meine Büchergutscheine loswerden wollte, die nach drei Wochen des Herumliegens schon beinahe schimmlig wurden. Danach würde ich mich mit anregender Lektüre in ein Café zurückzuziehen. Um die leidigen Einkäufe so rasch als möglich hinter mich zu bringen, liess ich mir für meine Nichte ein verbilligtes aber noch immer sündhaft teures Calvin Klein-Schminkset aufschwatzen, besorgte zwei drei andere Geschenke und dann zog ich mich mit meiner neueste Errungenschaft – „In search of the English Eccentric“ von Henry Hemming, – ins Starbucks zurück. Ja, ich weiss, links wählende umweltbewusste Frauen haben bei Starbucks nichts verloren. Aber wo sonst bekomme ich einen Kaffee, der mit einem Berg von Schlagsahne und Lebkuchenaroma derart verfremdet ist, dass man das Getränk nicht mehr als Kaffe erkennt und der ausserdem so horrend teuer ist, dass man einfach glauben muss, man tue sich selber etwas unglaublich Gutes damit? Und wo sonst hat man während der Mittagszeit in der Vorweihnachtszeit Ruhe vor gestressten Last-Minute-Geschenkeeinkäufern und Geschäftsleuten, die sich darüber aufregen, dass man ihnen den letzten Platz im Selbstbedienungsrestaurant weggeschnappt hat?

So habe ich mich eben im verwerflichsten Café der Stadt in meine vergnügliche Lektüre gestürzt, zuckerigen Kaffee geschlürft und das Leben in vollen Zügen genossen. Jetzt bleibt mir noch exakt eine Stunde des seligen Nichtstuns, bevor „Meiner“ seinen perfekten Nachmittag antritt und in die Sauna abrauscht. Mal schauen, ob die zweite Tageshälfte für mich ebenso gemütlich wird wie die erste…

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Bis vor wenigen Monaten war jeder Schweizer, der von zu Hause aus telefonieren wollte, automatisch Sklave der Swisscom. Wer nicht Sklave der Swisscom sein wollte, der musste eben aufs Telefonieren verzichten. Oder sich ein Handy anschaffen. Oder versuchen, noch irgendwoeine funktionierende Telefonkabine zu finden, wodurch er aber wieder von der Swisscom abhängig wurde. Weil wir Schweizer aber ein freiheitsliebendes Volk sind, hat man beschlossen, uns von der Alleinherrschaft der Swisscom zu befreien. Doch weil wir Schweizer uns unserer neugewonnenen Freiheit noch nicht bewusst geworden sind, ziehen eben die anderen Telefonanbieter aus, um uns aus der Sklaverei zu befreien.

Auch wir sollen befreit werden. Unser Befreier heisst Sunrise, doch leider stellt sich dieser etwas ungeschickt an bei der Befreiungsaktion. Schon vor Monaten hat er mit uns Kontakt aufgenommen, hat uns mit dem Versprechen rosiger Zukunftsaussichten den Wechsel schmackhaft gemacht. Bis wir schliesslich eingewilligt haben, einem Aussendienstmitarbeiter zwecks Befreiung Zutritt zu unserem Haus zu verschaffen. Doch der Befreier kam nicht. Liess uns einfach in unserem Elend sitzen und entschuldigte sich dann irgendwann bei uns. Er habe leider wichtigere Termine gehabt. Zuerst waren wir natürlich zutiefst verletzt, doch nach einer Weile verziehen wir unserem Retter und vereinbarten einen neuen Termin. Dieser Termin wurde uns mehrmals bestätigt und tatsächlich: Ein paar Tage später stand ein Ritter in glänzender Rüstung vor unserer Haustüre und holte unseren unterschriebenen Vertrag ab.

Dann passierte lange Zeit nichts mehr. Bis letzte Woche ein Anruf kam. Der Anrufer entschuldigte sich dafür, dass er leider den Termin, damals im Sommer nicht habe wahrnehmen können. Ob er in den nächsten Tagen bei uns vorbeikommen dürfte um den Vertrag abzuholen? Ich erklärte ihm, dass der Vertrag bereits abgeholt worden sei und dass wir eigentlich nur noch darauf warten würden, bis unser Retter, wie versprochen, den Telefonanschluss von der oberen in die untere Wohnung verlegen würde. Man versprach uns, dass dies heute, kurz nach dem Mittagessen geschehen würde.

Doch kurz nach dem Mittagessen stand nicht etwa ein Elektriker vor der Türe, sondern „Sheila“. Einen Nachnamen hat uns die Retterin nicht gennant. Was bei einer Befreiungsaktion auch durchaus verständlich ist. Aber sie kam gar nicht, um uns aus den Fängen der Swisscom zu befreien, Nein, sie kam, um den unterschriebenen Vertrag abzuholen, den ihr Kollege schon vor Wochen mitgenommen hat. Als sie merkte, dass wir nicht mit ihr, sondern mit einem Elektriker gerechnet hatten, stand „Sheila“ etwas betreten in unserer Küche, die „Meiner“ und ich gerade putzen wollten und fragte sich, wie die Befreiungsaktion nun weitergehen sollte. Leider konnten wir ihr auch nicht weiterhelfen, denn, wie meine Leser wissen, haben „Meiner“ und ich schon genug damit zu tun, unseren eigenen Laden unter Kontrolle zu behalten. Da können wir unmöglich auch noch beim internen Chaos der Sunrise den Überblick behalten. Wie genau unser Problem gelöst werden kann, wissen wir noch nicht. Ich habe „Sheila“ aber fest versprechen müssen, dass ich zu Hause bleiben werde, bis sie mich wieder kontaktiert, um die weiteren Schritte der Befreiungsaktion zu planen.

Was bin ich doch froh, dass man sich so rührend um uns kümmert.

P. S. „Sheila“ hat mich soeben erneut kontaktiert und mir mitgeteilt, dass sie im Moment nichts für uns tun könne. Man werde uns Bescheid geben, wenn das weitere Vorgehen bekannt sei.  Vorläufig werden wir aber in den Klauen der Swisscom bleiben müssen.

Wenn Vendittis müde sind,….

…. hat jeder seine eigene Methode, damit umzugehen. Karlsson zum Beispiel brüllt dann bei jeder Gelegenheit los. „Karlsson, würdest du bitte das Licht ausmachen?“, fragt man und Karlsson heult: „Immer seid ihr so gemein zu mir!“ „Karlsson, hast du deine Hausaufgaben schon gemacht?“ Der Junge bricht zusammen und schluchzt herzerweichend. Wenn Karlsson müde ist, kann jeder Satz genau der Falsche gewesen sein. Der Satz, der ihn dazu bringt, die Fassung zu verlieren, loszuheulen und die Tür zu knallen. Woher er das wohl hat?

Eine müde Luise ist das pure Gegenteil eines müden Karlssons. Eine müde Luise sitzt den ganzen Tag mit glasigem Blick in einer Ecke, den Nuckelfinger im Mund, das Schmusehäschen ans Ohr gedrückt und gibt keinen Ton von sich. Würde sie nicht zwischendurch den FeuerwehrRitterRömerPiraten verhauen, der sie beim Luftlöcherstarren stört, man könnte glauben, Luise hätte sich in den Winterschlaf begeben.

Je weniger man von Luise hört, umso mehr hört man vom FeuerwehrRitterRömerPiraten. Er verleiht seiner Müdigkeit durch Verweigerung Ausdruck. Egal, ob er bei Luises Ballettvorführung still sitzen, beim Schuhe kaufen nicht unter das Regal kriechen, beim Mittagessen nicht mit der Gabel in der Hand herumrennen dafür aber beim Krippenspiel mitsingen soll, er tut, als gehe ihn alles nichts an. Wenn er nicht will, dann will er eben nicht und dann soll ihn die Mama gefälligst in Ruhe lassen mit ihren blöden Anweisungen. Die Mama,-  und nur die Mama, nicht etwa der Papa, – soll ihn jetzt einfach nur hätscheln und streicheln, denn er ist sooooooo müde, dass er gar nichts anderes mehr ertragen kann.

Der Zoowärter übersteht seine Müdigkeit, indem er sich mit dem Stofftier, dass ihm momentan am meisten ans Herz gewachsen ist, aufs Sofa setzt und Pingu-Kassetten hört. Mit dem Schmusetuch im Mund und einem ähnlich leerem Blick wie Luise. Wenn er aber seinen aktuellen Schützling nicht finden kann, brüllt er los und zwar sehr laut und sehr lange. Nach Bedarf auch eine geschlagene halbe Stunde. Gestern und heute führt der „kleine Herr Kokosnuss“ die Top-Ten der beliebtesten Kuscheltiere an. Und wie es der Name sagt, ist der Affe Herr Kokosnuss klein, sehr klein. So klein, dass er schwer auffindbar ist,  weshalb das Gebrüll seinetwegen fast endlos ist.

Auch „Meiner“ und ich haben unsere Methoden, mit der Müdigkeit umzugehen. Wir ziehen es vor, uns einen Film reinzuziehen und so zu tun, als gebe es nichts aufzuräumen und zu erledigen in unserem Haushalt. Wir tun einfach so, als gehe uns das alles gar nichts an. Was zur Folge hat, dass der kleine Herr Kokosnuss im Chaos noch öfters verloren geht als üblich, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat sich noch häufiger in die Haare geraten, weil kein Platz mehr da ist, um einander aus dem Weg zu gehen, Karlsson noch öfter die Türe knallt, weil wir ihn hin und wieder dazu auffordern, etwas wegzuräumen. Und weil wir alle zusammen gegen Ende der Adventszeit so schrecklich müde sind, ist das Leben bei Vendittis nicht gerade gemütlich im Moment.

Ach ja, wie geht denn überhaupt das Prinzchen mit alldem um? Wie bekämpft er seine Müdigkeit? Na, wie wohl? Mit schlafen natürlich.

Kein Mann von der Stange

Eigentlich bin ich ja selber Schuld, dass ich keinen jener Männer von der Stange genommen habe. Einen Mann, wie es ihn hoffentlich nicht mehr allzu häufig gibt. Einen, der am Sonntag nie, aber auch gar nie, einen Ausflug machen will, weil am Fernsehen gerade so etwas Tolles läuft. Einen, der findet, Windelnwechseln sei Frauensache. Einen, dessen Beitrag zu jeder Diskussion sich auf ein missmutiges Grunzen beschränkt. Einen Mann eben, der jedem männlichen Klischee entspricht.

Nein, ich bin wirklich froh, mit einem Mann verheiratet zu sein, der schon Pink getragen hat, bevor es Mode war. Mit einem, der noch lieber Schnulzen schaut als ich. Mit einem, der nachts klaglos hundertmal aufsteht und nicht sagt, er müsse ja am nächsten Morgen wieder zur Arbeit gehen, während ich mir zu Hause einen gemütlichen Tag machen könne. Mit einem, der, wenn er Zeit hat, die Wohnung liebevoll dekoriert mit Roststücken, die er unterwegs gefunden hat, mit einem knallblau bemalten Plastikhirsch, mit Koteletts aus Plastik und Ähnlichem. Mit einem, der mitten im Gespräch einen glasigen Blick bekommt, weil er gerade wieder eine Idee hat.

Ja, so ist „Meiner“ und ich liebe ihn dafür. Aber manchmal fällt er mir dennoch auf die Nerven mit seiner überbordenden Kreativität. Zum Beispiel, wenn am Samstagmorgen die ganze Wohnung stinkt, weil er mal wieder Plastiktüten, Eierschachteln und Luftballons im Ofen schmelzen muss, um zu testen, was dann passiert. Wenn er deswegen gerade absolut keine Zeit hat, mir unter die Arme zu greifen, wenn seine vier badenden Söhne die Wohnung unter Wasser setzen. Klar ist es rührend, wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat voller Bewunderung sagt: „Mama, der Papa hat immer so gute Ideen.“ Klar ist es grossartig, wenn ihm dann die Kinder an den Fersen kleben, weil sie unbedingt wissen wollen, was als Nächstes passiert und ich dabei in Ruhe bloggen kann. Klar freut es mich, dass sie alle paar Sekunden in „Ahhhhh“ und „Ohhhh“-Rufe ausbrechen, weil das Resultat so beeindruckend ist.

Aber muss er denn unbedingt ungerührt dabei zusehen, wie das Prinzchen sich selber und den ganzen Tisch mit Joghurt vollschmiert? Wobei, wenn ich mich recht entsinne, war ich es, die zugeschaut und danach die ganze Chose fotografiert hat. Denn inzwischen hat er mich angesteckt mit seiner ewigen Suche nach guten Bildern. Die übrigens nicht nur hier für mehr Farbe sorgen, sondern von denen er noch viel mehr in seinem Blog zur Schau stellt.

Wiedersehen mit meinem Tussischuh

Meine allertreusten Leserinnen und Leser erinnern sich bestimmt noch an meine Tussischuhe, die ich mir im Frühjahr in einem Anflug von Identitätskrise geleistet hatte. Und vielleicht entsinnt sich der eine oder die andere gar noch der Umstände, unter denen mir diese Schuhe wieder abhanden gekommen waren. Für alle anderen sei es hier kurz erwähnt: Als mich meine Familie mal wieder in den Wahnsinn trieb, kickte ich die Schuhe in hohem Bogen von meinen Füssen. Der eine davon fand sich in Nachbars Garten wieder, der andere blieb verschollen.

Bis heute Morgen, als in Nachbars Garten die Gärtner aufmarschierten und mit lautem Getöse alles kurz und klein schlugen, was die Idylle stört. Und dabei kam auch mein rechter Tussischuh wieder zum Vorschein. Ich erkannte ihn sofort wieder, als ich mit dem Prinzchen unter dem Arm und dem Zoowärter an der Hand vorbeihastete. Und doch tat ich so, als gehe mich das alles nichts an. Die Gärtner schauten mich schon scheel an, weil ich mitten im Winter an ihnen vorbeistöckelte, da wollte ich mich nicht auch noch damit blamieren, dass ich meinen verschollenen Schuh zurückforderte. Da ich den linken Tussischuh bereits weggeschmissen habe, brauchte ich mich ja nicht weiter darum zu kümmern. Sollten doch die Gärtner das Ding entsorgen.

Damit aber gab sich Luise nicht zufrieden. Todesmutig kletterte sie, als die Gärtner Mittagspause hielten, über Nachbars Gartenzaun und rettete meinen Schuh. Und so bekommen meine geschätzten Lesereinnen und Leser das abscheuliche Ding doch noch zu Gesicht, bevor ich diese leidige Angelegenheit endgültig hinter mir lasse:

Ich hab’s getan!

Ich, Frau Venditti, Geborene Martin, 35 Jahre alt, glückliche Mutter und unglückliche Hausfrau, habe heute um zehn nach neun ein Vollbad genommen. Habe alles stehen und liegen lassen. Habe beim Baden nicht einmal in einer der Zeitschriften gelesen, die ich so dringend lesen will, bevor die nächste Ausgabe im Briefkasten liegt. Und nach dem Bad habe ich mich sogar eingecrèmt. Und, halten Sie sich jetzt bitte fest, ich habe mich entspannt. Ja, sie lesen richtig: ENTSPANNT. Das an einem dieser schrecklichen, endlosen Donnerstage. Und das alles ohne schlechtes Gewissen.

Wo bliebt sie eigentlich so lange, meine Tapferkeitsmedaille?