Man muss nur wissen, was man will…

„Meiner“ und ich haben bekanntlich die Nase gestrichen voll von nächtlichen Kinderbesuchen in unserem Bett. Was dem FeuerwehrRitterRömerPiraten herzlich egal ist. „Ich träume heute so schlecht“, verkündete er gestern Abend, noch bevor er die Zähne geputzt hatte. „Darf ich auf eurem Bett einschlafen?“ Nein, darf er nicht. Denn es ist doch so: Schläft er oben, träumt er schlecht, wir hingegen sehr gut. Schläft er bei uns, träumt er gut, wir hingegen träumen gar nicht. Also schickten wir ihn in sein Bett. Zehn Minuten später stand er wieder da: „Ich träume so schlecht.“ „Dann hör eben die CD vom Zwergen ‚Gimli'“. Er zog ab mit dem CD-Player und dem Zwergen. Eine halbe Stunde später stand er wieder da: „Bei der zweiten Geschichte von ‚Gimli‘ habe ich schlecht geträumt.“ Wann bitte hatte das Kind überhaupt Zeit zum Träumen gefunden? Es war ja noch hellwach. „Soll ich mit dir beten?“ Eifriges Nicken und nach dem Gebet war dann endlich Ruhe.

Genau so lange, bis „Meiner“ und ich uns endlich für einen Film entschieden hatten, den wir beide nicht bloss entspannend, sondern auch unterhaltsam fanden. Kaum hatten wir es uns auf dem Sofa so richtig bequem gemacht, hörten wir, dass die Türe aufging. Und gleich wieder zu. Dann hörten wir schnelle Kinderfüsse auf der Treppe. Das Kerlchen hatte wohl geglaubt, er könne sich unbemerkt in unser Bett schleichen und war dann so erschrocken, dass wir noch wach waren, dass er die Flucht nach oben ergriff. Um eine halbe Stunde später wieder dazustehen: „Ich träume noch immer schlecht.“ Wie schafft man es bloss, so fröhlich auszusehen, wenn man schlecht träumt? Weil der Film jetzt aber richtig interessant geworden war, gaben wir es auf. Der FeuerwehrRitterRömerPirat legte sich in unser Bett und drei Sekunden später waren die schlechten Träume vergessen. Haben wir nicht ein wundervolles Bett?

Nach dem Film waren „Meiner“ und ich natürlich zu müde, um das Kerlchen noch nach oben zu schleppen. Und so schliefen „Meiner“ und der FeuerwehrRitterRömerPirat bald schon eng aneinander gekuschelt in unserem Bett, während ich mich noch kurz – es dauerte wirklich nicht viel länger als eine Stunde –  auf die Jagd nach Ferienhäusern für den Sommer machte. Der FeuerwehrRitterRömerPirat gab sich alle Mühe, diesmal kein Zitteraal zu sein und wäre nicht das Prinzchen gewesen, hätte die Nacht ganz gemütlich werden können. Wenn doch bloss das Prinzchen am sehr frühen Morgen nicht sein Fläschchen hätte haben wollen. Weil er noch eines im Bett hatte, reichte ich ihm dieses. Welches er verschmähte und zu brüllen anfing. Was hatte es bloss, das arme Kind? Verzweifelt suchte ich nach dem Knopf, um das Brüllen abzustellen, doch ich konnte ihn nicht finden. „Musst seine Milch warm machen“, murmelte „Meiner“, der auf diesem Gebiet Experte ist, im Halbschlaf. Das Kind werde doch wohl keinen Unterschied machen zwischen zimmerwarmer und handwarmer Milch, dachte ich bei mir. Dass die Milch lactosefrei sein muss, kann ich ja noch verstehen, aber die exakte Temperatur wird ja im zarten Alter von vierzehn Monaten und drei Tagen noch keine Rolle spielen. Doch weil ich eine folgsame Ehefrau bin, trottete ich in die Küche, um die Milch zu wärmen. Und siehe da. „Meiner“ hatte Recht gehabt: Zufrieden nuckelte das Prinzchen an seiner Flasche und es herrschte himmlische Ruhe.

Und jetzt wurde mir auch wieder schlagartig bewusst, warum gewöhnlich „Meiner“ aufsteht, um die Milch zu wärmen. Während er jeweils drei Sekunden später wieder schnarcht und am Morgen von allem nichts mehr weiss, muss ich erst mal eine Runde bloggen, bevor ich weiter träumen kann. Aber da ich in diesen Tagen auch in meinen Träumen blogge, macht das ja keinen grossen Unterschied.

Armer Mann?

„Meiner“ hat sich ein Ei gelegt. Hat meine vier Tage im Ländli gebucht, bevor er kontroliert hat, ob er und die Kinder zur gleichen Zeit Ferien haben. Haben sie nicht, aber mein Aufenthalt ist bereits gebucht und ich gebe ihn nicht mehr her. Was bedeutet, dass „Meiner“ Anfang Februar nicht mit den Kindern ausschlafen  und sie den ganzen Tag im Pyjama herumlümmeln lassen kann. Nein, er wird den ganzen Trubel des Schulalltags voll auskosten dürfen. Und zwar ohne dass er von mir abends entlastet wird. Weil ich ja nicht da sein werde. Offen gestanden: Er tut mir leid. Ich weiss ja, was auf ihn wartet: Endlose Tage von sieben Uhr früh bis irgendwann, wenn endlich Ruhe herrscht, zig Termine, die man nicht durcheinander bringen darf, das elende Gefühl, den ganzen Tag zu schuften wie ein Knecht ohne je einen Erfolg zu sehen. Und abends nicht einmal eine Schulter, an der er sich ausheulen darf. Klar, ich werde ihn anrufen, damit er mir sein Herz ausschütten kann. Aber es ist eben nicht dasselbe, als wenn man tröstend in den Arm genommen wird.

Ja, „Meiner“ tut mir leid und dennoch weiss ich, dass er es schaffen wird. Einiges wird ihm leichter fallen als mir, anderes wird er nicht hinkriegen. Er wird schimpfen, lachen, verzweifeln, sich wieder aufrappeln, den Überblick verlierern und Sekunden später wieder voll professionell die richtigen Entscheide fällen. Er wird sich vergeblich danach sehnen, zwischendurch mal die Füsse hochlegen zu können, doch als Entschädigung wird er gemütliche Kuschelstunden mit dem Zoowärter auf dem Sofa verbringen. Er wird sich die Haare raufen und sich kringeln vor lauter Lachen. Kurz: Er wird das tun, was ich schon seit Jahren mit zweifelhaftem Erfolg tue. Und am Ende dieser vier Tage wird er noch besser vertstehen, warum ich manchmal einfach genug habe von allem und ins Ländli fahren muss. Wenn er bloss nicht auf die Idee kommt, danach auch eine Auszeit zu fordern…

Was mich an dem Ganzen aber masslos ärgert: „Meiner“ muss nur erwähnen, dass er im Feburar vier Tage allein sein wird mit den Kindern, und schon bekommt er Hilfe angeboten. Nicht, weil er dies möchte, sondern weil man dem armen Mann doch nicht zumuten kann, dass er diesen Knochenjob für vier Tage alleine meistern muss, bloss weil seine Frau sich einfach so zum Vergnügen mal erholen will. Während Unsereiner zuerst einmal zusammenbrechen musste – okay, ich habe auch erst dann zugeben können, dass ich es alleine nicht schaffe -, bekommt „Meiner“ nicht einmal die Chance, zu erahnen, was es heissen kann, den ganz normalen Alltag zu meistern ohne den Verstand zu verlieren. Es sei denn, er lehne die Hilfsangebote ab. Doch wer  – ausser mir  –  wäre denn schon so blöd, dies zu tun?

Ich möchte nur einmal….

… aufs WC gehen können, ohne vorher die Spuren meiner Söhne beseitigen zu müssen, ohne das Ding entstopfen zu müssen, ohne vorher eine neue Rolle WC-Papier suchen zu müssen, ohne dass jemand an die Tür poltert, weil er mir unbedingt jetzt etwas sagen muss.

… in den eben gerade geputzten Spiegel schauen können, ohne hinter den Fingerabdrücken meiner Tochter mein Gesicht nicht mehr erkennen zu können.

… die Hände waschen können, ohne vorher die Zahnpastaspuren sämtlicher Kinder zu beseitigen, ohne nach dem Handtuch suchen zu müssen, ohne zuerst die Badeenten aus dem Lavabo schmeissen zu müssen.

…. ein Bad nehmen können, ohne vorher die Wanne vollständig putzen und entrümpeln zu müssen.

Ist das den wirklich zu viel verlangt?

Es komme mir jetzt keine jener allwissenden Mütter und ermahne mich, ich müsste eben meine Kinder besser dressieren. Dressur ist nichts für mich; ich versuche es lieber mit Erziehung, auch wenn es anstrengender ist. Und es komme mir jetzt kein Single daher, der mir sagt, ich solle dankbar sein dafür, dass mein WC nicht immer sauber, mein Spiegel nicht immer blank, mein Handtuch nicht immer an seinem Platz ist. Ich bin unendlich dankbar für fast alles. Aber nicht dafür.

Mist! Das war wohl kein besonders erbauender Start ins neue Jahr. Aber es musste einfach mal gesagt sein…

Die letzten Absurditäten des alten Jahres

Bevor ich 2009 ad Acta lege, muss ich noch ein paar Absurditäten loswerden. Es wäre schade, sie mit ins neue Jahr zu nehmen. Hier also sind sie:

Da kaufe ich mir heute eine Amaryllis zum halben Preis und was muss ich auf der Verpackung lesen, als ich mir eine feine Mahlzeit daraus zubereiten will? „Achtung! Nicht zum Verzehr geeignet.“

Wie meine treuen Leserinnen und Leser wissen, ist der Zoowärter wieder auf Windeln umgestiegen, kaum dass er trocken war. Wochenlang habe ich mir  vergeblich den Kopf darüber zerbrochen, warum dies geschehen ist.  Schwiegermama hingegen schaut das Kind zwei Sekunden an und weiss den Grund: „Ha la schiena debole“ – Er habe eben einen schwachen Rücken. Aha, darum also habe ich wieder zwei Wickelkinder.

Bundespräsidentin Doris Leuthard habe ihre Neujahrsansprache mit schwarzen Nägeln und im dunklen Blazer gehalten, erfahre ich heute in der Tageszeitung. Seither zerbreche ich mir den Kopf darüber, welche Farbe die Fingernägel von Hans-Rudolf Merz hatten, als er letztes Jahr die Neujahrsansprache hielt. Auch an die Farbe von Pascal Couchepins Nagellack im Jahr davor kann ich mich nicht mehr erinnern. Oder könnte es gar sein, dass man auch am Ende der Nullerjahren noch immer alleine den Politikerinnen so genau auf die Fingernägel schaut?

In der Migros wollen sie, dass ich schon wieder Fasnachts-Chüechli kaufe. Und dabei habe ich noch immer zwei Christstollen, die darauf warten, verschlungen zu werden. Und die Weihnachtsguetzli sind auch noch nicht weniger geworden. Himmel, warum müssen die einen immer so hetzen?

Karlsson und Luise waren heute mit ihrer Tante bei Starbuck’s, wo es heisse Schokolade und Donuts gab. Danach waren sie noch im Süssigkeitenladen, wo sie auslesen durften, was ihr Herz begehrt. Der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat haben gestern bei Ikea ein winziges Stofftierchen auswählen dürfen. Ratet mal, wer wem aufs Dach gegeben hat, weil die anderen so viel mehr bekommen haben. Kleiner Tipp: Es waren nicht diejenigen, die tatsächlich weniger bekommen haben.

So, nun lasse mich meine geschätzten Leser in Ruhe für dieses Jahr. Es hat mir Spass gemacht, euch hin und wieder den Alltag zu versüssen und es war mir ein Vergnügen, zu lesen, dass ich nicht die einzige durchgeknallte Mama auf diesem Planeten bin. Ich freue mich darauf, auch im neuen Jahr wieder zu bloggen und von euch zu lesen. Allen Mamas & Papas wünsche ich, dass sie Silvester irgendwie hinter sich bringen, ohne von einer Tischbombe erschlagen zu werden, und allen zusammen, auch denen, die nicht Mamas & Papas sind, wünsche ich ein gesegnetes neues Jahr.

Schweizer Qualitätskinder?

Luise und Karlsson schlafen auswärts, was bedeutet, dass wir „nur“ drei Kinder hatten heute Nachmittag. Ausserdem hatten wir noch einen Ikea-Gutschein und ein wenig Schwiegermama-Weihnachtsgeld und somit war klar, wo Vendittis den beinahe kinderfreien Tag verbringen würden. Es wurde eine vollkommen entspannte Sache. Der Zoowärter hatte keine Fieberkrämpfe wie beim letzten Ikea-Besuch, das Prinzchen setzte sich einer wildfremden Frau auf den Schoss und begann, ihre Pommes Frites aufzuessen und der FeuerwehrRitterRömerPirat spielte Marienkäfer. Als wir unsere Einkäufe erledigt hatten, kam eine ältere Dame auf uns zu: „Ach, sind die süss, die drei Jungen!“, schwärmte sie. „Das ist aber schön, dass sie so eine grosse Familie haben.“ Wir hätten noch zwei weitere von diesen süssen kleinen Dingern erzählte ich ihr, worauf sie meinte: „Fünf Kinder! Das ist aber eine Leistung. Und Sie sind wirklich Schweizer?“ Nun ja, wenn man mal von den italienischen Wurzeln von „Meinem“ absieht, dann könnte man uns durchaus als Schweizer bezeichnen. Wie schön es doch sei, wenn Schweizer bereit seien, diese grosse Arbeit auf  sich zu nehmen, um fünf Kinder grosszuziehen; sonst sehe man ja fast nur noch Ausländer, die viele Kinder hätten, meinte die Frau.

Und jetzt bin ich ganz verwirrt. Wären unser Kinder weniger „süss“, wenn sie keinen Schweizerpass hätten? Wäre unsere Arbeit weniger Wert, wenn „Meiner“ nicht eingebürgert und ich keine Schweizerin wäre? Hätten wir vielleicht gar weniger Arbeit mit den Kindern, wenn wir Ausländer wären? Wäre letzteres der Fall, dann würde ich mich nämlich sofort ausbürgern lassen.

Schwiegermamas Weihnachtsfest

Die Schwiegermama wollte doch noch Weihnachten feiern mit uns und zwar auf ihre Art: Sich ins Ausverkaufs-Getümmel stürzen und den Kindern etwas kaufen, was sie dringend brauchen. Eine Winterjacke zum Beispiel. Oder einen Pullover und eine Hose. Eigentlich hätte sie schon vor Weihnachten gehen wollen, aber da haben „Meiner“ und ich nur auf den vollen Kalender geschaut und losgebrüllt vor lauter Lachen. Dann haben wir probiert, ihr die Sache auszureden, denn meistens schonen solche Einkaufstouren zwar unser Budget, nicht aber unsere Nerven und die sind bei uns meist noch knapper als das Geld. Aber Schwiegermama bestand auf ihrem Vorschlag und so haben wir ihr Traum-Weihnachtsfest eben heute nachgeholt: Morgens um halb neun die Kinder aus dem Bett gezerrt, sie schnell schnell verköstigt und in die Kleider gezwängt. Dann mit dem Zoowärter eine Ewigkeit darüber diskutiert, warum I-Ah nicht mitkommen könne und schliesslich doch nachgegeben, weil der Kleine so geheult hat. Irgendwann standen sie da, die fünf: geputzt, gestriegelt und vollkommen lustlos. Ich kann gar nicht verstehen, warum sie sich nicht aufs Kleiderkaufen freuten…

Auf dem letzten Zacken schafften wir es, den Bus zu erwischen und in die Stadt zu fahren, wo Schwiegermama bereits wartete. Dann also mal ab in die Läden. Im ersten schnappte sich der FeuerwehrRitterRömerPirat einen „Wickie“-Pyjama und damit war die Sache für ihn erledigt, mochte die Schwiegermama ihn noch so sehr anflehen, doch noch einen Pullover, eine Grosspackung Unterhosen oder ein Paar Socken auszuwählen. Luise konnte sich derweilen nicht zwischen der rosaroten und der geblümten Hose entscheiden und war überhaupt eingeschnappt, dass sie sich Hosen kaufen musste und nicht eines jener gerüschten Kleidchen. Der Zoowärter heulte, weil er  einen Winnie the Pooh haben wollte, aber nicht konnte, weil sein kleines gelbes Idol bei „C & A“ bloss Dekoration war. „Meiner“ und ich wühlten uns derweilen durch einen Haufen Baby-Bodies, um für das Prinzchen die passende Grösse zu finden, die aber leider praktisch ausverkauft war.

Irgendwie schafften wir es, fast alle Wünsche zu befriedigen und zogen danach weiter zum Warenhaus, wo Karlsson sich eine Winterjacke auswählen durfte. Während Karlsson in aller Seelenruhe Jacken anprobierte, verkrochen sich der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat unter die Regale und das Prinzchen, das bei Papa in der Rückentrage sass, begann, die oberen Regale leer zu räumen. Irgendwann hatte die Schwiegermama eine zündende Idee: Sie lotste den Zoowärter und den FeuerwehrRitterRömerPiraten an einen Ort, wo sie keinen Schaden anrichten konnten, nämlich in die Spielzeugabteilung! Wo ich sie beiden mit hunderttausend Versprechen, dass sie sich den singenden Winnie the Pooh und das Spiel mit den Rittern und den Lerncomputer und die Playmobil-Pyramide ganz bestimmt zum Geburtstag wünschen dürften. Während Karlsson und „Meiner“ sich weiter um die Jacke kümmerten und die Schwiegermama das ganze Treiben gleichmütig beobachtete, mutierte ich so langsam aber sicher zu einer jener Albtraum-Mütter, wie man sie in Warenhäusern so gerne sieht: „Komm sofort her, Zoowärter! Und fass mir ja nichts mehr an! Nein, Prinzchen, nicht die Dekoration herunterreissen! Hierher, FeuerwehrRitterRömerPirat, und zwar Dalli! Nein, das kaufe ich euch nicht. Das ist zu teuer. Wo bist du jetzt schon wieder, Luise? Zowääääääärter, neeeeeiiiiiiiiin!“ Irgendwann wusste ich mir nicht mehr anders zu helfen, als den Rabauken Zuckerstangen zu kaufen. Worauf der Streit losging, wer welche Farbe bekommen sollte. Worauf ausgerechnet die  Zuckerstange, die alle haben wollten, zerbrach. Worauf noch einmal eine neue Zuckerstange hermusste, weil zerbrochene Zuckerstangen bekanntlich ungeniessbar, ja, sogar giftig sind.

Irgendwann waren die Einkäufe geschafft, „Meiner“, die Kinder und ich auch. Nur Schwiegermama stand ganz entspannt daneben und meinte, das sei doch jetzt alles ganz glatt gelaufen. Ach ja, und wer hat sich eigentlich die ganze Zeit über liebevoll um I-Ah gekümmert und ihn mitgeschleppt, wenn er zwischen den Regalen liegenblieb?

Na, wer wohl?

„Meiner“ & ich

Ich muss da mal etwas klarstellen. „Meiner“ findet, ich würde ihn zu positiv darstellen in meinem Blog und vielleicht hat auch schon der eine oder die andere gedacht, ich würde mich aufführen wie ein verliebter Teenager. Und darum muss ich jetzt mal sagen, wie es ist: „Meiner“ ist grossartig. Und hat dennoch seine Fehler. Er lässt zum Beispiel überall seine schwarzen Socken herumliegen und jammert dann, er habe nie saubere Socken. Er ist auch, trotz seiner Fähigkeiten als Hausmann, komplett unfähig, die Wäsche anständig zu falten. Und wenn er kocht, dann versinkt die Küche im Chaos.

Natürlich hat „Meiner“ auch ein paar andere Fehler, solche, die ich nicht in aller Öffentlichkeit diskutieren will, denn sie gehen nur mich und vielleicht die Kinder etwas an. Das Schöne an „Meinem“ ist aber, dass er zu diesen Fehlern steht. Noch bevor wir uns damals, vor 18 Jahren, ineinander verliebt hatten, wusste ich schon Bescheid über seine Leichen im Keller. Und er über meine. Die haben wir einander nämlich einmal, als wir an einem schönen Sommernachmittag im Park sassen, gebeichtet. Wie bitte? Siebzehnjährige haben keine Leichen im Keller und haben sich demnach auch nichts zu beichten? Nun, zumindest „Meiner“ und ich hatten welche. Und wenn wir sie einander nicht gebeichtet hätten, dann hätten sie wohl früher oder später ganz grässlich zu stinken begonnen. So aber haben wir uns mit offenen Augen aufeinander eingelassen, haben zuerst einmal genau hingeschaut und uns erst dann Hals über Kopf verliebt.

Klingt unromantisch? War es auch. Aber dennoch nicht die schlechteste Art, eine Beziehung zu starten, wenn ich auch nie behaupten würde, es sei die einzig Richtige. Wenn nämlich heute, im Trubel des Grossfamilienlebens plötzlich eine schlechte Eigenschaft von „Meinem“ an die Oberfläche kommt, brauche ich mir nicht erstaunt die Augen zu reiben. Auch wenn ich mich furchtbar über solche Dinge aufregen kann, es bricht dennoch nicht eine ganze Welt für mich zusammen, weil mein rosarotes Bild Kratzer bekommen hätte. Ich brauche „Meinen“ nicht zu idealisieren, weil ich seine schlechten Seiten kenne. Und deshalb fällt es mir wohl auch ein wenig leichter, seine guten Seiten zu sehen und hemmungslos von ihm zu schwärmen, wenn er es verdient hat. (Und ebenso hemmungslos mit ihm zu streiten, wenn er mir mal wieder auf die Nerven fällt…)

Guten Abend, gut‘ Nacht, Teil II

Während „Meiner“ und ich die Nacht mit dem Zoowärter und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten als wenig erholsam in Erinnerung haben, scheinen die beiden Jungs sie genossen zu haben. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die zwei heute Nacht gegen vier Uhr wieder in unser Bett geschlüpft kamen. Ob I-Ah freiwillig wieder mitkam, ist mir nicht bekannt, aber ich nehme mal an, dass er keine andere Wahl hatte. Weil „Meiner“ und ich keine Lust hatten auf eine Wiederholung, es aber auch nicht übers Herz brachten, die zuckersüssen Kerlchen wieder nach oben zu schicken, beschlossen wir, ihnen noch eine Chance zu geben, diesmal einfach am Rande unseres Bettes. Und so kam es, dass ich schon bald dort lag, wo letzte Nacht I-Ah gelegen hatte: In der Mitte, eingekeilt zwischen „Meinem“, der mir möglichst viel Platz bieten wollte und den Kindern, die möglichst nahe bei mir sein wollten. Einfach perfekt. Vor allem für mich als Gelegenheits-Auf-dem Bauch-Schläferin. Versuch mal, dich auf den Bauch zu drehen, wenn du zu deiner Linken von zwei Jungs und einem depressiven Esel, zu deiner Rechten von einem dich beschützenden „Deinen“ bedrängt wirst.

Vergiss es!

Dann eben doch das Sofa. Wie ich es schaffte, aus diesem Bett herauszukommen, ohne einen meiner Bettgenossen platt zu treten, ist mir schleierhaft. Aber irgendwie gelang es mir, meine Kissen zu schnappen, im dunklen Treppenhaus nach oben zu schleichen, um mir die Globi-Decke des Zoowärters zu holen und danach unbeschadet den Weg zum Sofa zu finden. War gar nicht so leicht, mit all den Stillkissen, Winterstiefeln und Skijacken, die wir – als kleine Herausforderung, weil sonst dasLeben allzu gleichförmig wird – auf der Treppe liegen haben.

So machte ich es mir mit Globi auf dem Sofa bequem. Und konnte nicht mehr einschlafen. Denn inzwischen schwirrten mir schon die Sätze im Kopf herum, die ich hier niedergeschrieben habe. Und die musste ich erst einmal loswerden, bevor an Schlaf überhaupt zu denken war. Jetzt aber, wo das erledigt ist, ziehe ich mich wieder auf mein Sofa zurück.

Gute Nacht allerseits!

Soll ich? – es bleiben lassen?

Weihnachten 2009 ist Geschichte, das Jahr liegt in den letzten Zügen und völlig unerwartet schleichen sich da ein paar gute Vorsätze aus dem Hinterhalt an. Wie wär’s mit weniger essen? Vielleicht gar mit ein wenig abnehmen? Nur die zehn Kilos, die du noch immer mit dir rumschleppst von der letzten Schwangerschaft, mehr nicht. Oder du könntest bis Ostern auf Süsses verzichten. Hat doch letztes Jahr bestens geklappt und an den Geburtstagen der Kinder könntest du ja eine Ausnahme machen. Und dann steht da auf dem Dachboden noch dieser Hometrainer, den du dir im Sommer angeschafft hast. Wie wär’s wenn du den in Zukunft etwas öfter benützen würdest? Nicht jeden Tag. Zwei-, dreimal die Woche wäre immerhin schon besser als gar nie…

Was soll ich bloss tun? Die Vorsätze klingen ja ganz vernünftig. Aber ist es nicht grundsätzlich so, dass man gute Vorsätze nie einhält und sie deshalb am besten gar nicht erst fasst? Andererseits kann man nie wissen, was man schaffen könnte, wenn man es gar nicht erst probiert. Ich glaube, ich mache mich jetzt erst mal mit all den Christstollen und „After Eight“ zu schaffen, die noch in der Küche vor sich hingammeln. Sollte ich mich danach unwohl fühlen, kann ich mir ja den einen oder anderen Vorsatz etwas genauer anschauen…

Guten Abend, gut‘ Nacht…

Hätte ich gestern Abend doch bloss auf „Meinen“ gehört! Er hatte mir nämlich vorgeschlagen, ich sollte doch für einmal auf dem Sofa nächtigen, damit ich mal wieder durchschlafen könne. Aber weil wir gestern Abend Krach gehabt hatten – ja, auch das kommt vor bei uns, man sollte es kaum für möglich halten -, sah mir das Ganze zu sehr nach „Bleib doch bitte auf dem Sofa, dann habe ich meine Ruhe vor dir“ aus und deshalb ging ich, wie jeden Abend, brav in mein Körbchen. Wo ich einen schlafenden Zoowärter vorfand. Der schon bald nicht mehr schlafend war, weil er nämlich einen wunden Hintern hatte. Das kommt davon, wenn man, nachdem man mal sauber war, wieder zum Wickelkind wird. Nachdem aber der Zoowärter gesalbt und gewickelt war, sah es ganz danach aus, als könnte die Nacht doch noch ganz entspannend werden. „Meiner“ war nämlich so nett, den Zoowärter samt seinem geliebten I-Ah, ohne den er keinen Schritt mehr macht, auf seine Seite des Bettes zu nehmen. Was sich später als genau das Falsche herausstellte.

Denn später kam der FeuerwehrRitterRömerPirat in unser Bett gekrochen. Und weil bei „Meinem“ kein Platz mehr war, hatte ich das Vergnügen, den FeuerwehrRitterRömerPiraten unter meiner Decke zu beherbergen. Was etwa ähnlich vergnüglich sein dürfte, wie wenn man mit einem Zitteraal das Bett teilen würde. Mit einem Zitteraal, der einem immer wieder die Bettdecke zu entreissen versucht. Denn der FeuerwehrRitterRömerPirat schlägt im Schlaf nicht um sich, nein, er liegt ganz ruhig und ist dennoch stets mit irgend einem Körperteil in Bewegung. Ein eigenartiges Zittern, das einem den Schlaf raubt, einen an den Rand des Wahnsinns und an den Rand des Bettes treibt. Was zur Folge hatte, dass meine Füsse schon bald im Leeren baumelten, weil unser Bett nämlich rund ist.

Am Morgen bot sich dann folgendes Bild: Auf der rechten Seite des Bettes, fast schon auf dem Fussboden, lag „Meiner“, daneben, selig schlummernd, der Zoowärter. Auf der linken Seite das gleiche Bild mit mir und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten. Und in der Mitte, dort, wo das Bett am bequemsten ist und wo ich eigentlich schlafen sollte, machte sich I-Ah breit. Nun, zumindest er hat wohl gut geschlafen. Und hat vielleicht ein einziges Mal in seinem Leben keinen Grund, bei seinen Freunden zu darüber zu jammern, wie schlecht es doch das Leben mit ihm meine. Wobei, so wie ich I-Ah kenne, wird er bestimmt auch an dieser Nacht etwas finden, worüber er jammern kann…