Sternstunden

Wie ich sie liebe, diese Adventsrituale! Am frühen Morgen die Lichterketten einschalten, eine Kerze anzüden, die Kinder füher wecken als gewöhnlich und dennoch kein Gemotze zu hören. Die vier Grossen zu sehen, wie sie mit glänzenden Augen artig auf dem Sofa sitzen und nicht einmal jammern, weil heute der Zoowärter ein Päckchen auspacken darf, während die anderen sich mit einem Stück Schokolade zufrieden geben müssen. Wie sie gebannt der Geschichte lauschen,  sich mit dem Zoowärter über sein Geschenk freuen, danach noch ein wenig an den anderen Päckchen herumdrücken, um herauszufinden, welche Überraschungen morgen auf sie warten, übermorgen und an den Tagen danach.

So sehen sie aus, die Sternstunden des Familienlebens. Diese unvergesslichen Momente, für die wir all die Mühen, die eben auch dazugehören, gerne auf uns nehmen. Die Zeiten, an die sich unsere Kinder – hoffentlich – noch als alte Frauen und Männer mit sehnsüchtigem Blick erinnern werden.

Bleibt zu hoffen, dass sie die Momente des Hetzens, des Herumbrüllens und des Streitens, die unweigerlich auch wieder kommen werden, von der Wärme der Adventszeit überstrahlt werden.

Geschafft

Hätte man mir vor ein paar Monaten gesagt, dass es möglich ist, mit fünf Kindern und Ehemann die Schweinegrippe inklusive anschliessender Mittelohrentzündung durchzustehen, dazwischen Karlssons Geburtstag zu feiern, das ganz normale Leben mit Haushalt, Gästen und Wäschebergen zu meistern und daneben noch 62399 Worte zu schreiben, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Neben all dem Trubel in unserer Familie kann man nicht an einem Text dranbleiben. So lautete meine Standardausrede, wenn mich jemand fragte, weshalb ich meine Schreibprojekte nicht endlich zu Papier bringen würde. Und nun habe ich mir, ohne es ernsthaft zu wollen, das Gegenteil bewiesen. Dass ich mich beim Novemberschreiben angemeldet habe, war nämlich nur so eine Idee, von der ich gedacht hatte, ich würde sie beim geringsten Widerstand wieder aufgeben. Eine Erkältung oder ein paar zu kurze Nächte würden genügen, um mich wieder davon abzubringen, hatte ich gedacht. Zwei, drei Tage würde die Begeisterung andauern, länger nicht.

Aber ich hatte nicht mit der Leidenschaft gerechnet, die mich packte, sobald ich mit dem Schreiben begonnen hatte. Ob ich kochte, wickelte, einkaufte oder putzte, immer war mein Kopf am Schreiben. Immer wieder musste ich mich zum Computer schleichen, um ein paar Sätze einzutippen, die ich vergessen würde, wenn ich sie nicht sofort notierte. Und dennoch ist unser Leben nicht vollkommen aus den Fugen geraten. Okay, „Meiner“ und ich haben etwas weniger miteinander geredet als gewöhnlich, sind uns sogar einmal in die Haare geraten, der Zoowärter musste sich etwas öfter mit sich selbst beschäftigen, die in gewöhnlichen Zeiten schon spärliche Adventsdekoration fällt dieses Jahr noch etwas spärlicher aus und die Putzfrau musste heute vier Stunden putzen anstatt der sonst üblichen zwei. Aber wenn ich sehe, wie viel glücklicher ich war, wie viel ausgeglichener, wie viel erträglicher für meine Umwelt, dann war es das Wert.

Und wenn ich sehe, wie viel Novembertext darauf wartet,  überarbeitet zu werden, dann wird mir klar, dass dieser November noch lange dauern wird. Sehr sehr lange.

Soap Opera?

Es gibt da eine Frau, der ich, wenn immer möglich, aus dem Weg gehe. Nicht, dass sie unfreundlich wäre oder besonders unsympathisch. Sie erzählt mir einfach zu viele intime Details aus ihrem Leben, wenn sich etwa einmal im Jahr unsere Wege kreuzen. Über diese Frau weiss ich fast mehr als über meine engsten Freunde: Jedes Detail ihrer Fehlgeburten, jeden Fehltritt, den ihr Mann je begangen hat, alle Schandtaten ihrer Schwiegermutter, ihrer Nachbarn, – die sich übrigens gerade getrennt haben, – der Lehrer ihrer Kinder. Einfach alles, was ich nicht unbedingt erfahren möchte. Schon gar nicht beim Einkauf. Wenn ich sie treffe, fühle ich mich immer in eine Soap Opera versetzt.

Heute war es mal wieder so weit und weil ich keine Fluchtmöglichkeit sah, liess ich mich auf ein Gespräch ein. Fragte nach dem Befinden der Kinder, hörte mir ein paar Schauergeschichten an. Als sie gerade richtig in Fahrt geraten will, nimmt sie plötzlich das Prinzchen wahr, das still im Einkaufswagen sitzt. „Ist das dein Jüngster?“, will sie wissen. „Der sieht ja gar nicht aus wie die anderen!“ Sie mustert mich prüfend. Erwartet sie etwa, dass ich rot werde, oder dass ich ihr erzähle, ich hätte „Meinem“ ein Kuckucksei untergejubelt? Hofft sie, eine Schauergeschichte zu erfahren, die sie in ihrem Bekanntenkreis weitererzählen kann. Etwa so:  „Ich kenne eine, die hat fünf Kinder und das Fünfte sieht den anderen vier kein bisschen ähnlich…“

Ich versuche ihr zu erklären, dass das Prinzchen eben ganz die Mama sei, dass er ausserdem Luise so ähnlich sieht, dass er ihr eineiiger Zwilling sein könnte, wäre da nicht der Altersunterschied. In ihren Augen lese ich, dass all dies sie kalt lässt. Wenn sie sich mal dazu entschieden hat, daran zu zweifeln, dass „Meiner“ des Prinzchens Vater ist, dann lässt sie sich nicht mehr davon abbringen. Da würde nicht mal das eindeutige Resultat eines Vaterschaftstests etwas ändern. Ein Sohn, der der Mama gleicht, ist in ihren Augen doch einfach suspekt. Und überhaupt: Wozu hat man all die Soaps geschaut, wenn man nicht wenigstens ein kleines Bisschen Menschenkenntnis daraus ins reale Leben einfliessen lassen kann?

Nun, drei Dinge lässt die gute Frau ausser Acht: Erstens hätte ich gar keine Zeit, mich mit irgendwelchen fremden Männern einzulassen und zweitens liebe ich „Meinen“ auch nach siebzehn Jahren noch wie am ersten Tag. Und das lebhafte, – man könnte auch sagen das überdrehte, –  Wesen kann das Prinzchen unmöglich von mir geerbt haben. Das sind eindeutig die Gene von „Meinem“. Aber wenn jemand von Klatsch und Tratsch lebt, spielen solche Kleinigkeiten  keine Rolle…

 

Endlich!

Ich hab’s getan! Was genau, behalte ich lieber noch für mich, denn wenn ich scheitere, dann lieber ohne Getöse. Entscheidend  ist allein, dass ich mir einen gewaltigen Tritt in den Hintern gegeben habe. Damit ich endlich mit meinem Endlosschleifen-Gejammer aufhöre. Denn im Grunde ist mir nichts mehr zuwider, als Mütter, die immer nur darüber jammern, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt. Die vertanen Chancen hinterherheulen, sich die besseren Zeiten herbeisehnen und dabei ganz vergessen, wie glücklich sie sein könnten, wenn sie nur mal endlich aufhören würden, den anderen die Schuld zu geben an ihrem Elend. Und was mache ich seit drei Jahren tagein tagaus? Eben dies.

Für eine Weile mag Jammern ja ganz gut und wichtig sein, aber irgendwann reicht’s. Und so habe ich eben beschlossen, mir endlich einen Tritt in den Hintern zu geben. Bevor ich mir selber noch ganz zuwider werde und aus lauter Frust Mitglied bei den Landfrauen werde. Oder bei der Trachtengruppe. Oder beim Kaninchenzüchterverein.

 

Das Majestix-Syndrom

„Ich fühl mich so müde …. nur noch müde…“

Und „Meinem“ geht’s nicht anders. Und die Adventszeit fängt morgen erst richtig an…

Wann endlich wird der Winterschlaf für Eltern eingeführt?

Die Jugend von heute

Was hatten wir uns bloss gedacht dabei, als wir Karlsson erlaubten, drei Freunde zum Übernachten einzuladen, um seinen Geburtstag nachzufeiern? Vier aufgedrehte Neunjährige, drei überforderte kleine Brüder, eine genervte Luise, die sich über die vielen Jungs im Haus aufregt, zwei von der anstrengenden Arbeitswoche vollkommen geschaffte Eltern. Und dazu noch Regenwetter. Nichts gewesen mit Nachtspaziergang, Abenteuergeschichte am Lagerfeuer und so. Stattdessen Pinocchio auf der Wohnzimmercouch. Konnte das gut gehen?

Ja, das Fest hätte tüchtig in die Hose gehen können. Nicht aber mit Karlsson und seinen Freunden. Die vier Musterknaben strafen all jene Pessimisten Lügen, die auf die Jugend von heute schimpfen. Schon als Pinocchio sich dem Ende näherte, meinte der Eine, er würde jetzt eigentlich gern ins Bett gehen. Es war gerade mal Viertel nach acht. Fünf Minuten später fand der andere, eigentlich müsse man die Tischbombe nicht heute schon zünden. Es sei ja schon so spät. Nun, wir zündeten die Bombe dennoch, Karlsson zuliebe, dem auch schon fast die Augen zufielen. Zwanzig Minuten später lagen die Jungs auf ihren Matratzen, jeder ausgerüstet mit einer Taschenlampe und einem Buch. Einzig das Umblättern der Seiten und ab und zu ein leises Kichern, weil einer etwas Lustiges gelesen hatte, waren noch zu hören. Und natürlich das Herumtoben des überdrehten Zoowärters einen Stock tiefer. Und das emsige Treiben des FeuerwehrRitterRömerPiraten, der unbedingt heute noch der Dame seines Herzens eine Zeichnung machen will.

Es würde mich nicht verwundern, wenn die Grossen die beiden schon bald zur Ruhe ermahnen würden. Oder sich bei mir beklagen kommen, sie könnten bei diesem Lärm nicht schlafen. Die Jugend von heute sei doch einfach unerträglich…

Okay, später kam dann doch noch so etwas wie Pyjamaparty-Stimmung auf. Aber nie so wild, wie wir es erwartet hätten. Und schon gar nicht so wild, dass sie es geschafft hätten, „Meinen“ zu wecken, der die Party wiedermal auf dem Sofa verpennt hat.

Guten Appetit!

Man nehme einen Stapel Pfannkuchen, fünf eigene Kinder, zwei Tageskinder, eine überforderte Mama und dazu noch Karlssons besten Freund, der noch immer an der Illusion festhält, dass das Essen bei Vendittis immer gut ist. Wenn man dies alles vor seinem inneren Auge sieht, male man sich dazu aus, wie eine Küche aussieht, in der ein kleines süsses Prinzchen einen Wasserkrug verschüttet hat. Dann führe man sich die Tischmanieren von zwei völlig überdrehten Neunjährigen vor Augen, erinnere sich an den Duft voller Windeln und an das wohlige Gefühl von Reibkäse, der an feuchten Socken kleben geblieben ist. So etwa sah heute meine Mittags“pause“ aus.

Und so, liebe Frau Klum, äh, Pardon, Frau Samuel, so schaffen wir normalen Mütter es irgendwann, viele Monate nach der letzten Geburt, ein paar unserer überflüssigen Kilos loszuwerden. Denn wie ich nach geschlagener Schlacht mit leerem Blick auf den Ort des Grauens starrte, wurde mir bewusst, dass mein Appetit verflogen war, obschon ich noch kaum einen Bissen im Magen hatte. Ich kann mir gar nicht erklären, warum…

Generation Ikea wird erwachsen

Bei  Menschen meiner Generation, die seit vielen Jahren in fester Partnerschaft leben, machen sich so langsam die ersten Abnützungserscheinungen bemerkbar. Nein, ich rede nicht von der grossen Scheidungswelle zwischen dreissig und vierzig. Die haben die Einen schon hinter sich, die anderen hoffentlich nicht vor sich. Ich rede auch nicht von den ersten Gebrechen, die man nicht mehr ganz so leicht los wird. Ist es nicht schrecklich, dass wir so langsam zu verstehen beginnen, weshalb unsere Eltern sonntags lieber einen Mittagsschlaf hielten, als mit uns in den Zoo zu gehen?

Ich rede auch nicht vom zerbrochenen Porzellan. Die Teller, die man damals so sorgfältig ausgesucht hatte, sind bei den meisten Paaren schon längst nicht mehr. Und die, die man danach etwas weniger sorgfältig ausgesucht hatte, sind auch schon in die Brüche gegangen. Und die, die man danach im Sonderangebot erstanden hat, weil man sonst aus Papptellern hätte essen müssen, werden auch immer weniger. Je nach Temperament des Paares, Anzahl Kinder, Ungeschicktheit dieser Kinder und noch grösserer Ungeschicktheit der Eltern sind die meisten Paare unserer Generation inzwischen wohl bei Service Nummer 3 angelangt. „Meiner“ und ich sind bereits bei Nummer 4, aber da wir inzwischen etwas ruhiger geworden sind, fliegen auch die Teller nicht mehr so heftig, so dass echte Chancen bestehen, dass dieses Service ein paar Jahre halten dürfte.

Aber eigentlich wollte ich von etwas anderem reden: Von den Möbeln. Wie oft ist man sich damals, als man die erste gemeinsame Wohnung bezog, in den Haaren gelegen, weil man nicht einfach das Erstbeste kaufen wollte. Das Ding sollte ja für die Ewigkeit halten. Und jetzt, schlappe zehn Jahre später, geben die Möbel den Geist auf. Bei den einen sind es die Regale in der Küche, die nach Jahren des Dienstes einfach so zusammenbrechen. Bei anderen will plötzlich das Sofa nicht mehr. Und bei „Meinem“ und mir macht so langsam das Ehebett nicht mehr mit. Nun, lieber das Bett als die Ehe, aber eigentlich hatten wir gedacht, wir würden uns dann zur Pensionierung ein Neues leisten. Doch Generation Ikea muss sich wohl damit abfinden, dass nichts mehr für die Ewigkeit gedacht ist. Haben sich darum unsere Eltern damals diese hässlichen braunen Wohnwände angeschafft? Nun, meine Gott sei Dank nicht. Aber dafür mussten sie auch alle Jahre wieder in die Ikea fahren, um zu ersetzen, was den ganzen Trubel der Grossfamilie nicht länger ertragen konnte. Das war eben der Preis, den man fürs Modernsein bezahlte, damals, vor zwanzig, dreissig Jahren.

Und nun sind wir dran mit Zahlen. Wie sollen wir die nächsten Anschaffungen bloss wieder an unserem Budget vobeischmuggeln?

Da fällt mir ein: Ich habe da noch so einen Gutschein vom letzen Geburtstag…. Ikea, wir kommen!

Wo bleibt er denn so lange, der perfekte Hausmann?

Kann es denn sein, dass ich die einzige unfähige Hausfrau bin, die mit dem perfekten Hausmann verheiratet ist? Ist es den möglich, dass ausser uns niemand diese unsinnige Arbeitsteilung lebt: Die unfähige Hausfrau schmeisst zu Hause den Laden mehr schlecht als recht, während der perfekte Hausmann in der Schule sitzt und den Kindern die deutsche Grammatik näher bringt. Obschon „Meiner“ und die deutsche Grammatik sich etwa so nahe stehen wie Paris Hilton und Stephen Hawking. Ja, ausgerechnet in der Schule muss er sitzen. Dort, wo ich ihn nie erreichen kann, wenn ich mal dringend wissen muss, wo er dies und jenes verstaut hat oder wie etwas in den Griff zu kriegen ist. Sässe er im Büro, ich könnte ihn jederzeit anrufen, wenn ich nicht mehr weiter weiss. So eine Art Briefkastenonkel für die verzweifelte Hausfrau. Aber ich kann ihn doch nicht wegen jeder Haushaltskrise aus dem Unterricht rufen lassen.

Und so kam es, dass ich heute früh in der Wohung herumgestöckelt bin wie ein aufgescheuchtes Huhn und nach dem Gesundheitsheft des Prinzchens suchte, das „Meiner“, der perfekte Hausmann, am einzig richtigen Ort für Gesundheisthefte versorgt hat. Das Heft, das für mich unauffindbar ist, weil mir im Haushalt jeder Sinn für Logik abgeht und ich deswegen den einzig richtigen Ort für Gesundheitshefte nicht finden kann. Das Heft, das ich unbedingt brauche, weil ich in einer Viertelstunde bei der Kinderärztin zum Baby-TÜV antraben muss. Und vorher noch den Zoowärter in der Spielgruppe abliefern muss. Und ja, Sie haben richtige gelesen: Ich bin durch die Wohnung gestöckelt. Obschon ich mir heute früh, noch ohne Schuhe an den Füssen, dafür mit dem Prinzchen auf dem Arm, zwei hässliche blaue Flecken geholt habe, als ich auf der Treppe hingefallen bin. Nun, zumindest war ich danach wach.

Bedarf es wirklich noch weiterer Beweise, dass ich im falschen Job bin? Nun ja, wenn Sie unbedingt darauf bestehen, dann liefere ich eben noch ein paar: Karlssons Bett ist noch immer nicht frisch bezogen, obschon er jetzt bereits seit drei Tagen wieder gesund ist. Der Staubsauger liegt noch immer im Büro und wartet darauf, bis ich endlich aufhöre zu schreiben und mit ihm durch die Wohnung rase, damit er  all das Zeug aufsaugen kann, nach dem er seit Tagen lechzt. Die Kidney-Bohnen liegen noch immer im Einweichwasser, obschon ich sie schon gestern Abend hätte kochen müssen. Nun ja, zumindest stammen die Kidney-Bohnen nicht aus der Dose, aber was hilft das, wenn es zum Mittagessen dennoch gekaufte Tortelloni gab?

Reichen die Beweise? Oder wollen Sie wirklich noch meinen Haushalt persönlich inszpizieren? Nur um festzusztellen, was schon längst augenfällig ist: Hier muss endlich mal ein rechter Hausmann ans Werk. Ich wüsste da schon einen…

Bis zum Umfallen….

Vielleicht war ich ja etwas voreilig mit meinem Urteil über Dr. Sarah May. Die Frau hat nämlich durchaus Qualitäten, ja, sogar Mutterqualitäten. Zumindest, wenn ich sie spiele. Dann hüpft sie morgens aus dem Bett, stürzt sich in die Kleider und rast zum Tiergehege, noch bevor sie sich ein Frühstück genehmigt hat. Sie füttert die Tiere, putzt das Gehege – und zwar nicht nur so oberflächlich, sondern richtig gründlich,- sie streichelt jedes Tierchen einzeln, spielt mit jedem und dann rast sie ins Haus, um Kunden zu bedienen, weitere Tiere zu pflegen, Futter einzukaufen. Und irgendwann, wenn sie schon beinahe kippt vor lauter Hunger, gönnt sie sich eine kleine Mahlzeit. Während die Tiere prächtig gedeihen und die Kunden höchst zufrieden sind, knausert Dr. Sarah May mit sich selber: Kaum Freizeit, kaum Zeit für Mahlzeiten, kaum Musse, ein Buch zu lesen. Und irgendwann, wenn der Mond schon hoch am Himmel steht, sinkt sie ins Bett und träumt einem nächsten randvollen Tag entgegen.

Die perfekte Mutter also, nicht wahr? Selbstlos, idealistisch, aufopferungswillig. Ja, so wäre Sarah May, wenn da nicht der Computer wäre. „Du brauchst mal eine Pause“, sagt er, wenn sie gerade so schön in Schwung ist. Oder „Wie wär’s mit einer kleinen Mahlzeit?“, wo sie doch gerade so fleissig am Tiere streicheln war. Oder „Zeit, ein paar Stunden zu schlafen“, wo sie doch unbedingt noch dies und das erledigen sollte. Wie soll Sarah May den Laden je in  Griff kriegen, wenn der Computer sie immer wieder zum süssen Nichtstun auffordert?

Nachdem ich ein paar Runden in der „Tierklinik“ von Luise und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten herumgeschnuppert habe, fiel mir auf, dass Dr. Sarah May mein eigenes Leben perfekt spiegelt. Sie gibt alles, ist nur zufrieden, wenn sie eine Höchstleistung erbracht hat, trampelt ihre eigenen Bedürfnisse zu Boden. Und wundert sich vielleicht, dass sie dabei ausbrennt. Wo sie doch bloss ihr Bestes geben wollte….