Alte Zöpfe?

Heute stellt sich ja die Frage, ob man sich überhaupt noch an die heiligen Tage halten soll. Oder muss man sagen: „Hört mal, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie, über lange Zeit habe ich euch geehrt und geachtet. Ich habe mich eurem harten Regime gebeugt und versucht, nach eurer Pfeife zu tanzen. Heute aber, in diesen klimaerwärmten Zeiten, erscheint es mir einfach nicht mehr zeitgemäss, mich auf euren Hokuspokus zu verlassen.“

Erlaubt es der Klimawandel, diesen alten Zopf abzuschneiden und die bedingt frostharten Pflänzchen schon ins Freiland lassen, oder fordert man mit diesem frevelhaften Tun die Eisheiligen geradezu auf, den Frost, der fast den ganzen Winter ausgeblieben ist, doch noch über den Garten hereinbrechen zu lassen? Soll man den gestrengen Heiligen nicht einfach eine lange Nase drehen und die Artischocken in den Boden buddeln? Man wäre ja blöd, würde man Wärme und Sonnenschein nicht jetzt schon nutzen…

Was aber, wenn es nun doch noch einmal kalt wird?

Na ja, dann hole ich eben die Deckäste wieder hervor, die noch vom Winter, der aus temperaturgründen abgesagt worden ist, herumliegen.

Und weil die Eisheiligen den Artischocken im wettergeschützten Halbrundbeet ohnehin nicht viel anhaben können, habe ich heute Nachmittag mutig gesagt: „Ihr könnt mich mal, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie!“ Mal sehen, wie die das hinnehmen…

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Fast schon wie früher

Kurz nach Mittag, Mama Venditti sitzt am halb abgeräumten Esstisch und denkt halblaut nach: „Hmmm, mal überlegen…was steht heute Nachmittag alles an? Zuerst müsste ich…“

Der Zoowärter kommt angehumpelt (Sein Bauch schmerzt noch immer.): „Mama, machst du mir einen Tee?“

Mama Venditti geht in die Küche, um Teewasser aufzusetzen und murmelt: „Okay, erst mal Tee kochen und dann…“

Wenig später sitzt das Kind mit dem Tee auf dem Sofa, Mama wendet sich wieder ihren Tagesplänen zu: „Also, zuerst müsste ich schnell in den Garten, bevor der Regen…“

Weiter kommt sie nicht, denn jetzt steht Luise da: „Mama, wo ist mein Französischbuch?“

Mama: „Ich weiss nicht, aber du musst jetzt doch nicht lernen, wenn du krank geschrieben bist.“

Mama und Tochter diskutieren eine Weile, Tochter zieht sich ins Zimmer zurück, Mama versucht, ihren Gedankenfaden wieder aufzunehmen: „Zuerst also in den Garten und dann…“

Karlsson ruft: „Mama, kann ich den Laptop nehmen?“ 

Karlsson? Müsste der nicht längst in der Schule sein? Ach nein, der darf ja für seine Projektarbeit zu Hause arbeiten. Mama holt den Laptop, Sohn richtet sich ein, Mama mag jetzt nicht mehr länger überlegen und geht in den Garten, bevor der Regen kommt.

Das Fenster des Esszimmers geht auf, Karlsson schaut raus: „Mama, der Computer spinnt. Kommst du kurz hoch?“

Mama lässt die Akeleien, die eingepflanzt werden möchten, achtlos liegen und geht seufzend die Treppe hoch. Der Computer spinnt tatsächlich und fordert ziemlich viel Aufmerksamkeit, bis er sich wieder eingekriegt hat.

Mama geht zurück zu ihren Akeleien, Augenblicke später geht das Fenster wieder auf. Der Zoowärter: „Mama, mir ist sooooooo langweilig…“

Mama: „Moment, ich komme gleich hoch.“ Hastig buddelt sie die restlichen Akeleien, den Eisenhut und den Rittersporn in die Erde und geht wieder hoch, um sich des Unterhaltungswunsches ihres Sohnes anzunehmen. Bevor sie dazu kommt, muss aber noch einmal eine Computerfrage von Karlsson geklärt werden und Luise, die nun trotzdem Hausaufgaben macht, braucht ebenfalls Hilfe. Dann endlich schreibt sie eine Nachricht an die Mutter von Zoowärters Freund, um einen Besuch zu arrangieren, damit das Kind ein paar Stunden mit Brettspielen von den Bauchschmerzen abgelenkt wird.

Einen Moment lang ist alles ruhig, Mama Venditti fängt wieder an zu überlegen: „Okay, der Garten ist für heute erledigt. Dann wäre da noch der Brotteig…“

Viel weiter kommt sie nicht, denn schon wieder steht da jemand, der etwas braucht und dann schon wieder und dann schon wieder und dann schon wieder, bis irgendwann der Nachmittag um ist und Mama Venditti erkennt, dass das Stundenplanwunder bis auf Weiteres ausser Kraft gesetzt ist. 

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Lieber Frühling

Bitte nimm es mir nicht krumm, wenn ich heute ganz offen mit dir rede. Meine Worte sind freundschaftlich gemeint und als eine deiner grossen Verehrerinnen, die es dir nicht krumm nimmt, wenn du dich hin und wieder ganz garstig aufführst, fühle ich mich berechtigt, dir zu sagen, was ich von den Mätzchen halte, die du derzeit aufführst.

Dein Einknicken vor jenen, die schon wieder sämtliche sozialen Medien mit ihrem Gejammer vollpflastern, erscheint mir bedenklich. Ja, sie fordern von dir, dein sonniges, warmherziges Gesicht zu zeigen und möglichst schnell deine volle Pracht zu entfalten. Aber wer sagt denn, dass du das tun musst? Du bist der Frühling, du kannst es dir leisten, launenhaft und unberechenbar zu sein, mal garstig, mal sonnig, mal kühl, mal warm. Menschen, die noch wissen, wie du früher mal warst, erwarten gar nichts anderes von dir, sie sind vielleicht höchstens ein wenig erstaunt, dass du das alles bereits im März und nicht erst im April tust. 

Ich finde es geradezu peinlich von dir, wie du nun versuchst, jene zufrieden zu stellen, die ein ganz und gar unrealistisches, von der Waschmittelwerbung inspiriertes Bild von dir haben. Das mit den Narzissen, die du schon Ende Februar hast erblühen lassen, hätte ich dir noch nachsehen können. Narzissen sind ja bekanntlich ziemlich widerstandsfähig und lassen sich durch den Schnee, den du hin und wieder fallen lässt, nicht beirren. Was du jetzt aber mit unserem Aprikosenbaum abziehst, geht zu weit. Nur weil die Banausen jetzt schon blühende Bäume erwarten, brauchst du nicht gleich nachzugeben und die zarten rosaroten Blütenblättchen der Kälte aussetzen. 

Dein Verhalten spricht Bände über deine Unerfahrenheit mit sozialen Medien. Du glaubst, du müsstest tun, was sie dort lautstark von dir fordern, aber so ist das nicht. Die reden dort nur gross daher, aber anhaben können sie dir nichts. Immerhin warst du vor ihnen da, und hoffentlich wirst du auch noch da sein, wenn sie alle schon Geschichte sind. Darum möchte ich dir Mut zusprechen: Du musst das nicht tun, mein lieber Frühling, du darfst ganz dich selbst bleiben (und unserem Aprikosenbaum noch ein paar Tage oder Wochen Winterruhe gönnen).

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Unvernünftige Natur

Der Gartenkalender sagt ja, man solle sich im Februar allmählich Gedanken machen, was man in der herannahenden Gartensaison wo zu pflanzen gedenke und frisches Saatgut nachbestellen. Die Natur hingegen sagt dieses Jahr, sie wolle jetzt endlich loslegen, lange möge sie nicht mehr zuwarten mit dem Grünen und Blühen. Sie will die Gartenschere an den toten Zweigen spüren, ehe sich die Blüten öffnen, will von den schweren Deckästen befreit werden, weil die darunter verborgenen Blumen sonst ihre Schönheit nicht zeigen können und sie tut gar so, als wäre sie bereit, die zarten Setzlinge, die kein kaltes Lüftlein ertragen mögen, in ihrem Boden aufzunehmen.

Unvernünftige Natur! Weiss die nicht, dass es noch bis spät im Frühling Schnee geben kann? Und Frost? Und Stürme? Kann die sich nicht einfach an den Gartenkalender halten?

Dann müsste ich mich nämlich nicht wie der letzte Idiot fühlen, wenn ich bereits jetzt in der Erde buddle, als hätten wir Mitte April.

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Fragerunde

Wie kommt es, dass Karlssons „neuer“ Plattenspieler, Herstellungsjahr ca. 1961, mehr Power hat als jedes moderne Gerät? Jetzt windet sich Edith noch lauter durch meine Gehörgänge…

Was für ein Unmensch kommt auf die Idee, die Weihnachtsferien vom 24. Dezember um 12 Uhr bis zum 11. Januar um 7:00 Uhr festzulegen? Und welcher Bildungsdirektor ist blöd genug, eine solche Schnapsidee auch noch abzusegnen? Ich meine, erst schleppen sich die Kinder todmüde unter den Tannenbaum, wo sie vor lauter Erschöpfung fast einschlafen und dann schlagen sie einander eine Woche lang die Köpfe ein, weil nach Silvester nichts mehr kommt als gähnende Leere und eine Mama, die wieder arbeiten müsste und möchte, dies aber nie ungestört tun kann, weil andauernd einer heult. 

Reicht eine tief sitzende Abscheu gegen eine Garage aus, um das Gebäude abzureissen, oder braucht man dazu auch handwerkliches Geschick und gutes Werkzeug? Tief sitzende Abscheu hätte ich nämlich mehr als genug, aber „Meiner“ meint, damit könne man das Ding unmöglich erledigen, immerhin habe es schon vielen Stürmen getrotzt. 

Ich möchte zu gerne wissen, ob der FeuerwehrRitterRömerPirat wirklich weiss, wie man Schach spielt, oder ob er einfach den Jargon gut genug beherrscht, um uns alle glauben zu machen, er verstehe das Spiel. Um das herauszufinden müssten wir aber das Schachspiel erlernen, anstatt uns nur immer als hilflose Gegner zur Verfügung zu stellen. Irgendeiner da draussen, der sich zur Verfügung stellt? Mein Gehirn weigert sich nämlich seit Jahren standhaft, das Spiel zu verstehen. 

Für wen soll ich Partei ergreifen: Für das Prinzchen, der mit endloser Geduld ein Haus aus UNO-Karten gebaut hat, oder für den Zoowärter und den FeuerwehrRitterRömerPiraten, die endlich mal mit den Karten spielen möchten? (Nein, ich kaufe dem Frieden zuliebe kein zweites Kartenset. Das Prinzchen würde daraus bloss ein noch grösseres Kartenhaus bauen wollen.)

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Denkmalpflege

Eigentlich müsste man jetzt ja in den Garten entschwinden können. Das Wetter ist geradezu ideal, die nächsten Projekte sind skizziert und nach fünf herrlich einsamen Ferientagen, gefolgt von ein paar faulen Feiertagen bin ich so entspannt, dass ich schon fast zu Kompost zerfalle. Doch bloss weil sich das Wetter derzeit eher frühlingshaft denn weihnächtlich gebärdet, heisst das noch lange nicht, dass man die Gartensaison einläuten kann. Was, wenn der Winter doch noch kommt? Dann müssten die armen Pflänzchen himmeltraurig erfrieren und das bräche mir das Herz. 

Was also tun mit der vielen Energie? Nun, da wäre zuerst einmal die Toilette im ersten Stock, die schwer darunter leidet, dass Karlsson das obere Klo als Protest gegen die andauernde Verstopfung mit Klebeband versiegelt hat. Jetzt leidet eben das untere WC umso mehr an Verdauungsproblemen, was zwar nicht besonders angenehm ist, aber immerhin für ein paar Stunden Beschäftigung sorgt. 

Danach gilt es, „Meinen“ bei der Hand zu nehmen und aus der Steinzeit der Mobiltelefonie in die Ära der Smartphones zu geleiten. Anfangs ist er noch wacklig unterwegs, kommt alle paar Minuten angerannt, weil er nicht so recht weiss, was er mit der neuesten Push-Nachricht anfangen soll, aber nachdem ich ihn sicher in den WhatsApp-Chat meiner erweiterten Grossfamilie vermittelt habe, ist er für den Rest des Tages beschäftigt und mir ist schon wieder langweilig. 

Zum Glück ist da noch Schloss Sargans, das ganz dringend aufgebaut werden muss, bevor „Meiner“ es in Schutt und Asche legt. Also, ich meine, bevor er es im Altpapier entsorgt, obschon es doch Prinzchens Weihnachtsgeschenk für Luise ist. Luise aber interessiert sich in diesen Tagen mehr für den Ausverkauf als für Schlösser, also ist es an mir, mit Leim und Schere den Untergang des architektonischen Erbes unseres Landes zu verhindern. Prinzchen ist vom Resultat tief beeindruckt, ich hingegen staune nur, dass ich zum ersten Mal im Leben einen Bastelbogen ohne Wutanfall zu Ende gebracht habe. Spricht das nun eher für einen hohen Entspannungsgrad, oder für Altersmilde?

Wo ich schon mal einen Überschuss an Geduld und noch mehr freie Zeit habe, kann ich mich ja um den Erhalt weiterer Architekturdenkmäler kümmern. Da gibt es noch einen Eiffelturm fertigzustellen, den die Kinder an Heilig Abend als Überbrückung zwischen Vorspeise, Hauptspeise und Bescherung von uns als Beschäftigungstherapie verordnet bekommen haben. Leider ist das Bauwerk am 24. unvollendet geblieben, darum klaube ich die verbliebenen Teilchen – Nummer 140 ist bereits auf Nimmerwiedersehen verschwunden – zusammen und vollende den Turm. Prinzchens Bewunderung für mich kennt jetzt keine Grenzen mehr. Gleich morgen will er in die Migros rennen, um ein Puzzle mit viel mehr Teilen zu besorgen, das „wir“ in den kommenden Tagen „zusammen“ aufbauen können.

Mir soll’s recht sein. Wo es doch noch lange nicht Zeit ist, die Gartensaison einzuläuten. 

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Abschlussbericht

Als ich am 8. August zur Säge griff, sah unser Garten danach so aus:

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Wahrlich kein schöner Anblick, aber erst musste es schlimmer kommen, ehe es besser werden konnte:

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Manchmal, wenn ich abends aus dem Fenster sah, um unser Tagwerk zu betrachten, fragte ich mich, ob daraus jemals etwas werden würde:

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Meine Zweifel wurden sogar noch grösser, als erste Sträucher Einzug hielten:

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Doch eines schönen Tages begannen sich erste Formen abzuzeichnen:

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Formen, die sich fast von selbst ergaben:

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Irgendwann konnten wir uns gar zu einem Entscheid in Sachen Hochbeet durchringen:

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Es bildeten sich auch Beete heraus, die wir so gar nicht geplant hatten:

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Mit der Pflanzung von 22 Duftrosen haben wir unser Projekt gestern fast abgeschlossen. Nur die Waldreben fehlen noch, aber die sollten demnächst geliefert werden. Und im Frühling soll der Sitzplatz neue Bretter bekommen, aber das ist ein Klacks im Vergleich zu dem, was vor zwei Monaten noch auf unserer To Do-Liste stand. Heute präsentiert sich unser Garten so: 

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Mit diesen Bildern verabschiedet er sich in die wohlverdiente Winterruhe. Mal sehen, wie er wird, wenn all das, was unter der Erde verborgen ist, zu blühen beginnt. 

Pflanzen pflanzen

In diesen Tagen bin ich öfters leise vor mich hin murmelnd im Garten anzutreffen. Es ist nämlich Zeit, die Stauden in den Boden zu bringen und das geht nicht ganz ohne Diskussionen ab, wie das Beispiel einer hellgelben Skabiose zeigt: 

Ich: „Meine liebe kleine Skabiose, wo möchtest du denn wachsen?“

Skabiose: „Mir egal. Hauptsache volle Sonne, nicht zu viel Wind und durchlässiger Boden. Hast doch den Gartenrargeber gelesen…“

Ich: „Natürlich habe ich das, aber wie du siehst, bietet der Garten dir eine Vielzahl solcher Stellen. Welche davon gefällt dir denn am besten?“

Skabiose: „Mir egal. Hauptsache, du lässt mich nicht noch länger auf diesem Gartentisch stehen. Es zieht dort nämlich ganz gewaltig und du weisst ja, dass ich Wind nicht mag.“

Ich: „Dann sag mir doch bitte endlich, wo du wachsen möchtest.“

Die Skabiose und ich schauen uns ein wenig im Garten rum. Endlich zeigt sie völlig unmotiviert auf irgend eine Stelle und zwar etwa so wie der Rollstuhlfahrer bei „Little Britain“, wenn er seinem Sozialarbeiter sagt: „I want that one.“

Ich: „Aber das geht doch nicht. Dort werden im Frühling die Iris blühen. Die passen doch überhaupt nicht zu dir.“

Skabiose: „Dann eben dort drüben.“

Ich: „Okay, das sieht gut aus. Äääähm, halt, das geht nicht. Du sollst im Frühling ja noch Kolleginnen bekommen und für die ist dort kein Platz.“

Skabiose: „Was soll ich bekommen?“

Ich: „Kolleginnen. Ich habe eigens eine dunkelrote und eine beinahe schwarze Sorte aus England kommen lassen.“

Skabiose: „Bin ich dir vielleicht nicht schön genug? Hab schon gehört, wie du neulich zu deiner Tochter gesagt hast, Gelb hättest du nicht besonders gern…“

Ich: „Das hatte doch nichts mit dir zu tun, du gefällst mir ausserordentlich gut. Aber ich finde nun mal, etwas Gesellschaft könnte dir nicht schaden.“

Skabiose: „Du weisst aber schon, dass ich mich ziemlich gut vermehre, wenn ich erst mal angewachsen bin?“

Ich: „Klar weiss ich das, aber ich will ja auch, dass die Bienen in unserem Garten etwas zu tun finden. Darum sollst du einen Platz bekommen, wo du dich ausbreiten kannst. Wäre nett, wenn du dich endlich für einen Standort entscheiden könntest, mir wird kalt.“

Skabiose: „Warum nicht gleich hier, wo du stehst?“

Ich: „Sieht gut aus. Ich fange dann mal an, dir ein schönes, tiefes Loch zu buddeln…“

Skabiose: „Willst du nicht vielleicht noch ein wenig jäten? Ich mag keine Konkurrenz.“

Ich: „Immer diese Ansprüche. Da warten noch andere Pflanzen auf mich…“

Skabiose: „Du willst doch, dass ich im nächsten Sommer gut gedeihe. Also sei gefälligst nett zu mir, sonst gehe ich auf der Stelle ein.

Ich: „Schon gut, ich jäte ja schon…“ 

Und so geht das bei jeder einzelnen Pflanze, die in diesen Tagen bei uns Einzug hält. 

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Laufgitterbeet

So, jetzt endlich zu den Mini-Hochbeeten, die wir in unserem Garten angelegt haben. „Meiner“ und ich sind uns darob ja ziemlich in die Haare geraten, ehe wir eine Lösung fanden. Hierzlande nimmt man für kleine Hochbeete meistens diese SBB-Rahmen, aber die finden wir erstens nicht besonders schön und zweitens haben die inzwischen auch ihren Preis, weil jeder sie haben will. Wie so oft fanden wir die günstigere und für unseren Geschmack auch schönere Alternative im Brockenhaus: Zwei ausrangierte Wisa-Gloria-Laufgitter, knapp 25 Franken das Stück. (Vermutlich hätte es auch billigere gehabt, aber das Zeug von Wisa-Gloria hält eine Ewigkeit, darum haben wir die genommen.) Es war nicht nur der Preis, der uns begeisterte, sondern auch die Gewissheit, dass wir mit dem Kauf mindestens zwei Kleinkinder vor trüben Stunden im Laufgitter verschonten. 

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Bloss, wie wird ein Laufgitter zum Hochbeet? Ganz einfach: Zuerst hat „Meiner“ die Sprossen mit wetterfestem Lack bepinselt. Rot, weil das zu unserem grossen Hochbeet und den Fensterläden unseres Hauses passt. Dann flochten wir alles, was der Garten zu dieser Jahreszeit im Überfluss hergibt – Hasel- und Weidenruten, überschüssige Ranken der Glyzinie und ein paar Maulbeerzweige – zwischen die Sprossen. Okay, ein Perfektionist hätte sich überteuerte Weidenruten gekauft, damit alles schön ordentlich aussieht, aber bei uns darf es gerne ein wenig wilder sein. Blätter und kleine Zweiglein, die beim Flechten nicht gebraucht wurden, landeten als unterste Schicht des Hochbeetes im Laufgitter. Dann kleideten wir die Wände von innen mit Plastikfolie aus, füllten eine Schicht Heu und ein paar Säcke Erde ein und fertig war das Beet. Vielleicht folgt im Frühling noch ein Anstrich mit Holzteer, um die Wetterfestigkeit zu verbessern, aber nur, wenn es mir gelingt, das Zeug aufzutreiben. Sonst müssen wir eben in ein paar Jahren zwei neue alte Laufgitter im Brockenhaus holen. Was auch nicht weiter schlimm wäre, dann wären wieder ein paar von den Dingern vom Markt verschwunden. Die machen sich im Garten nämlich einfach besser als im Kinderzimmer. 

Ach ja, falls man zu viele Äste geschnitten hat, muss man die nicht unbedingt entsorgen:

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Eine Handvoll Absurditäten

  • Mahnungen sind doof. Noch doofer ist es, wenn du am 10. Oktober gemahnt wirst, doch bitte deine Rechnung umgehend zu begleichen, die sei nämlich am 1. November fällig. Nein, das war kein Tippfehler, die wollen mir doch tatsächlich Dampf machen, weil ich 21 Tage vor dem Fälligkeitsdatum und vier Tage nach der Lieferung noch immer nicht bezahlt habe. Und dies trotz einer Zahlungsfrist von 30 Tagen. 
  • Die Schweiz und ihre Familien: „Grossfamilien mit mehr als zwei Kindern“, lese ich heute in der Tageszeitung und einmal mehr frage ich mich, ob demnächst alle, die mehr als null Kinder haben, zu den Grossfamilien gezählt werden. Wäre ja eigentlich logisch, wo man heute schon zur Familie wird, wenn man sich als Single einen Goldhamster zulegt. 
  • Eine Mama, die am Rande des Spielplatzes steht, gefühlte hundertmal lauthals „Eneeeeeeaaaaaa!“ schreit, und nicht begreift, dass Eneeeeeeaaaaa auch nach dem 101. Ruf nicht zu ihr kommen wird, weil Eneeeeeeaaaaa nicht zu ihr kommen will und dass sie sich deshalb besser einen anderen Weg ausdenken sollte, um Eneeeeeeaaaaa vom Spielplatz weg zu bekommen. 
  • Da steht plötzlich dieser Mann in deinem Garten, vielleicht siebzig oder fünfundsiebzig Jahre alt, und will von dir wissen, wie du es hingekriegt hast, dass dein Feigenbaum so viele Früchte trägt. Er verstehe ganz und gar nichts vom Gärtnern, sagt er, aber er würde halt auch furchtbar gerne so viele Feigen an seinem Baum haben. Aber eben, ein Gärtner sei er nicht, seine Mama hätte leider immer alles selber machen wollen, da habe er nichts lernen können. Du sagst, du hättest eigentlich auch nicht viel von der Sache verstanden, aber man könne sich in die Thematik einlesen. Tja, mit dem Lesen sei das so eine Sache. Das habe ihm nie zugesagt, schon damals in der Schule nicht, Fernsehen sei ihm lieber. Schlechter Lehrer halt… Er geht und du denkst: Mit der falschen Mama und dem falschen Lehrer hat man ein Leben lang eine Ausrede, um nichts Neues in Angriff nehmen zu müssen. 
  • Noch so eine Gartenbegegnung: Tag für Tag schuftest du in deinem Garten, bemühst dich darum, aus der ehemaligen Einöde eine wirklich schöne Sache entstehen zu lassen und eines Tages steht da diese Nachbarin, die zu dir sagt: „Wissen Sie, ich kenne diesen Gärtner, der würde aus Ihrem Grundstück einen wunderschönen Garten zaubern.“ Vielen Dank auch für das liebe Kompliment, meine Dame! 

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