Jetzt hab dich doch nicht so!

Meine lieben Leser, heute Abend muss ich mal wieder ein wenig jammern und die meisten werden sich beim Lesen wohl an die Stirne greifen, weil sich mein Gejammer mal wieder auf ein Luxusproblem bezieht. Nun, eigentlich ist es nicht mal ein Problem, sondern einfach ein Herzenswunsch, der wohl für immer unerfüllt bleiben wird. Und es gibt gewisse Tage, an denen mir bewusst wird, dass dieser Herzenswunsch noch immer da ist, auch wenn ich ihn schon längst vergessen sollte.

Heute ist mal wieder so ein Tag. Luise wird nämlich morgen sieben Jahre alt. „Was ist denn so schlimm daran?“, werden sich jetzt manche fragen und ich antworte: Nichts ist schlimm daran, gar nichts, ausser der Tatsache, dass mein einziges Mädchen schon so gross ist. So gross, dass sie mir neulich gesagt hat: „Mama, du darfst meinen Geburtstagskuchen dekorieren, wie du willst, nur eines will ich nicht haben: Prinzessinnen! Klar?“ Klar doch, Luise, keine Prinzessinnen, das ist zu kindisch. Und heimlich verdrücke ich ein paar Tränen. Nicht, weil ich so gerne Prinzessinnen hätte, sondern weil es meine einzige Tochter so furchtbar eilig hat mit dem Grosswerden. Dann räume ich mit einem tiefen Seufzer Luises zu klein gewordenen Kleinkinderkleider weg und weiss, dass ich sie nie wieder hervorholen werde.

„Jetzt hab dich doch nicht so!“, werden meine Leser sagen. „Du hast fünf gesunde Kinder. Denk mal an all die Menschen, die keine Kinder bekommen können. Und du machst ein Geschrei, weil du findest, du hättest eine weitere Tochter gebraucht.“ Und ich muss ja zugeben, wer so denkt, hat vollkommen recht. Ich habe fünf wunderbare, gesunde Kinder, die mein Leben unglaublich reich machen. Wenn ich also jammere, dann verhalte mich ähnlich wie ein Lottomillionär, der für seinen Reichtum keinen Finger krümmen musste und der trotzdem noch mehr haben will. Wenn ich mich frage, warum der Himmel, wo er uns doch mit Kindern so reich beschenkt hat, nicht auch noch ein zweites Mädchen  in die Familie gegeben hat, dann verhalte ich mich wie eine verzogene Göre, die immer nur mehr und mehr will. Dessen bin ich mir voll und ganz bewusst und ich schäme mich dafür.

Eines aber will ich trotz meines Gejammers festhalten: Ich liebe jeden meiner vier Söhne genau so sehr wie ich meine Tochter liebe und würde morgen jemand an der Haustüre klingeln und mir ein Mädchen im Tausch gegen einen meiner Söhne anbieten, ich würde sagen: „Nie und nimmer gebe ich einen meiner Söhne her. Jeder von ihnen ist ein unersetzliches Original, das ich liebe wie mein eigenes Leben.“ Doch dann, bevor ich der Person die Tür vor der Nase zuschlagen würde, würde ich sagen: „Aber das Mädchen, das dürfen Sie gerne hier lassen. Denn das hat mir gerade noch gefehlt.“

So war das also

„Meiner“ hat soeben folgendes Gespräch zwischen dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und seinem Freund mitgehört:

FeuerwehrRitterRömerPirat: „Der Zwilling des Prinzchens ist gestorben, als er noch in Mamas Bauch war.“

Freund: „Warum?“

FRRP: „Es ist einfach gestorben.“

F: „Hat es zu wenig Platz gehabt im Bauch?“

FRRP: „Nein, das war so: Das Prinzchen hatte Streit mit seinem Zwilling, dann haben sie mit dem Schwert gekämpft und dann hat das Prinzchen seinen Zwilling umgebracht.“

Ach, so war das also. Schon verrückt, welch brutale Szenen sich in meinem Bauch abgespielt hat, ohne dass ich etwas davon gemerkt habe.

Must-have

Wenn es um all die Gadgets geht, die der moderne Mensch haben „muss“, dann sind „Meiner“ und ich relativ bescheiden, zumindest in westlichen Augen. Unsere „Soundanlage“ besteht aus einem billigen CD-Player, den der FeuerwehrRitterRömerPirat zum letzten Geburtstag geschenkt bekommen hat und einem äääh, Dings… ääääh, wie heisst es nochmal, das kleine Ding mit den weissen Kopfhörern? Ach ja klar, iPod. Hat „Meiner“ mal geschenkt bekommen und seitdem er vor einiger Zeit endlich herausgefunden hat, wie man ihn in Betrieb nimmt, benützt er ihn manchmal, wenn er mein Gequatsche nicht mehr hören mag. Mobiltelefonisch bin ich zurzeit nicht erreichbar, da alles, was von meinem Handy übrig geblieben ist, der Chip ist, der darauf wartet, in ein neues Handy transplantiert zu werden. Das Handy von „Meinem“ ist ein vorsintflutliches Ding und ich meine jetzt wirklich vorsintflutlich. Man kann nicht mal fotografieren damit und demnächst wird das Museum für Kommunikation anfragen, ob sie dieses antike Stück in ihre Sammlung aufnehmen dürfen und dann werden wir reich. Unser Fernseher weiss noch nicht mal, dass es Flachbildschirme gibt, weil es die noch nicht gab, als er im Laden stand  und wenn wir „10 vor 10“ schauen, schimmert das Bild in der Ecke oben rechts so eigenartig grün. Sieht zuweilen richtig künstlerisch aus. Man sieht also: „Meiner“ und scheren uns einen Dreck darum, ob wir „in“ sind oder nicht.

Zumindest, was die Technik betrifft. Wenn es um die angesagten Krankheiten geht, dann gehören wir immer zu den Ersten, die dabei sein wollen. Ob Schweinegrippe, – war da mal was? – Magen-Darm-Grippe, Windpocken oder schlimme Erkältungen, wir kämpfen immer mit Ellbogen und Fusstritten darum, auch etwas davon abzukriegen. Und wir geben nicht auf, bevor wir eine Portion Krankheitserreger für uns haben ergattern können. Diesmal aber haben wir schon befürchtet, wir würden leer ausgehen. Seit Wochen schon stehen wir auf der Warteliste für die Scharlach-Epidemie, die gerade in der Region grassiert, aber nie wollte es klappen mit einer Ansteckung. So langsam begann ich mich zu sorgen: Was sollte bloss aus unserem Ruf als Trendsetter werden, wenn wir nicht mal einen Anflug von Scharlach unser Eigen nennen könnten? Werden wir dann schräg angeschaut im Kreise der Familien? Oder wird man uns bei der nächsten Krankheits-Runde überspringen, weil alle glauben, wir seien nicht mehr dabei?

Heute aber kann ich aufatmen: Meine Grippe scheint zwar langsam abzuklingen, doch mein Hals beginnt zu schmerzen. Halsschmerzen sind zwar nicht Scharlach, aber was nicht ist, kann ja noch werden und dann sind wir wieder dabei. Bevor die Seuche schon wieder out und eine andere in ist.

Sonntagsbrunch

Zwei Jahre lang hing es an unserer Pinnwand, das Ticket zu Aaraus Sonntagsbrunch-Paradies: Ein Gutschein im Wert von 50 Franken für den Sonntagmorgen-Familientreffpunkt. Das Lokal biete eine sensationelle Auswahl, eine gemütliche Einrichtung, (kinder)freundliches Personal, frische Zutaten, sei kinderwagentauglich und jeden Sonntag voll besetzt, sagte man uns. Zwei Wochen vorher müsse man reservieren, wenn man sonntags dort schlemmen wolle. Und weil wir selten zwei Wochen im Voraus wissen, was der übernächste Sonntag bringen wird, – Magen-Darm-Grippen, Schwiegertanten aus Italien und durchwachte Nächte mit nachfolgendem Brummschädel melden ihre Besuche selten an – blieb der Gutschein lange uneingelöst. Vor zwei Wochen nun war unser Optimismus endlich gross genug, damit wir uns einen Tisch reservierten. Und siehe da: Keine Magen-Darm-Grippe, keine Schwiegertante aus Italien und keine durchwachte Nacht mit nachfolgendem Brummschädel stand unserem Glück im Wege.

Und so sassen wir heute um Viertel nach elf mit unserer Horde inmitten von Singles, kinderlosen Paaren und Einbaby-Familien – wo waren bloss all die Familien mit grösseren Kindern? – und störten deren ausgedehntes Sonntagsfrühstück. Mal nahm das Prinzchen Reissaus, weil er am Nachbartisch einen interessanten Menschen entdeckt hatte, dann wieder musste Luise, eskortiert von ihren Brüdern, die Toilette aufsuchen. Oder der Zoowärter meldete seine unstillbare Lust auf Melonen an, kaum waren wir mit vollbeladenen Tellern, jedoch ohne Melonen, vom Buffet zurückgekehrt. Oder Karlsson musste unbedingt noch eine Scheibe von der „allerbesten Pastete, die er je in seinem Leben gegessen hat“ holen. Und sassen endlich mal alle für drei Sekunden gemeinsam am Tisch, wollte sich der FeuerwehrRitterRömerPirat die Häschendekoration auf dem Fensterbrett aus der Nähe ansehen, ohne dabei seine Semmel aus den Händen zu geben.

Kurz: Die Sache war das reinste Spektakel und ich bin sicher, dass einige junge Paare heute den endgültigen Entschluss gefasst haben, nie und unter gar keinen Umständen eigene Kinder zu bekommen. Und falls sie dennoch welche bekommen sollten, haben sie sich bestimmt geschworen, dass ihre Kinder nie so werden wie unsere. (Wir werden dann ja sehen… So naiv waren wie auch mal, vor vielen vielen Jahren.) Wir aber  liessen uns von den irritierten Blicken nicht beirren und genossen unseren Sonntagsbrunch in vollen Zügen und bis zum letzten Krümel. Wenn wir schon mal auswärts essen, dann richtig.

Eines aber beschäftigt uns nach unserem Besuch: Die Lobeshymnen auf die Auswahl, die Gemütlichkeit und die Frische der Speisen waren keineswegs übertrieben gewesen. Es war wirklich wunderbar. Doch wie in aller Welt bekommt ein Lokal von Eltern das Prädikat familienfreundlich verliehen, wenn die Einrichtung für Kinder aus gerade mal einem Kinderhochstuhl besteht, um den man sich mit anderen Eltern prügeln muss, weil der zweite Kinderhochstuhl, den das Lokal noch hätte,  gerade in Reparatur ist? Kein Wunder, ist die Schweiz noch immer eine Wüste der Kinderunfreundlichkeit, wenn Eltern sich mit so wenig Service schon zufrieden geben.

Warum bloss?

Alles ist friedlich. Die Kinder spielen vergnügt, die Wohnung ist mehr oder weniger aufgeräumt und ich bin in bester Stimmung. Dann fällt die Tür hinter „Meinem“, Karlsson und Luise ins Schloss und ich freue mich auf einen ruhigen Tagesabschluss mit „nur“ drei Kindern. Keine fünf Minuten später heult das Prinzchen, auf dem Küchenfussboden breitet sich eine Lache aus Apfelsaft aus, die der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat aufzulecken versuchen. Und schon bin ich nicht mehr in bester Stimmung, sondern schreie herum, weil der Apfelsaft nicht mehr in der Flasche ist. Und weil ich – nennt mich ruhig konservativ – nicht will, dass meine Kinder Saft vom Boden auflecken. Und weil jetzt die ganze Idylle verflogen ist.

Nach einer Weile hat sich der Sturm wieder gelegt, die Apfelsaft-Lache ist beseitigt, die Kinder stecken im Bett. Und ich frage mich einmal mehr: Warum passieren solche Sachen immer nur dann, wenn es a) Freitagabend ist, b) „Meiner“ ausnahmsweise abends arbeiten muss und c) ich mich darüber gefreut habe, wie idyllisch unser Familienleben sein kann, wenn es denn nur will?

Ketzerisch

Als ich neulich meine Leserinnen und Leser an meinen Gedanken zur „Privatsache Kind“ teilhaben liess, warnte mich eine Freundin, dass ich mich auf gefährliches Terrain begeben würde, womit sie wohl Recht hatte. Heute nun begebe ich mich auf noch gefährlicheres Terrain, ja, ich riskiere gar, unter den Eltern als Ketzerin zu gelten. Ich stelle nämlich die Frage, ob es denn wirklich so wichtig sei, dass ein Kind immer esse, was auf den Tisch kommt. Ich bin neulich hin und wieder auf Ratschläge gestossen, die mir nun nicht mehr aus dem Kopf wollen. Ich lese von Müttern, die ihre Kinder hemmungslos anlügen, um sie dazu zu bringen, Gemüse zu essen. Ich sehe Fotos von belegten Brötchen mit Smiley-Gesichtern. Ich bekomme Tipps, wie dafür gesorgt werden kann, dass ein Kind, das Fleisch verabscheut, dennoch Fleisch isst. Jede Familie kämpft mit dem Problem, wie sie ihre Kinder dazu bringt, alles zu essen, was auf den Tisch kommt; viele sind gestresst wegen der Sache. Doch keiner fragt: Ist es das ganze Theater überhaupt Wert?

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich finde ausgewogene Ernährung eine sehr wichtige Sache. Aber ist es denn wirklich ein Problem, wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat seine fünf Portionen Grünzeug am Tag in Form von zwei Äpfeln, einer Banane und zwei rohen Karotten zu sich nimmt, anstatt zu gekochtem Fenchel, gefüllten Peperoni und grünem Salat zu greifen? Ist es denn eine Tragödie, wenn Karlsson sich auch nach dem zwanzigsten Mal Probieren noch immer nicht dazu durchringen kann, Champignons zu mögen? Ich muss doch nicht jedes Mal mit dem Kind kämpfen, wenn das Zeug auf den Tisch kommt. Solange er Steinpilze, Pfifferlinge und Morcheln – die Morcheln natürlich am allerliebsten – isst, darf er doch ungeniert dazu stehen, dass er keine Champignons mag.

Als ich noch nicht lange Mutter war, machte ich mir einen grossen Stress aus der Sache mit dem Essen. Nicht, weil ich der Meinung war, dass man das müsse, sondern einfach darum, weil andere Familien einen grossen Stress daraus machten. Wenn bei Freunden die Regel galt, dass die Kinder alles essen mussten, was auf den Tisch kam, fühlte ich mich elend, weil ich nicht den Nerv hatte, das durchzuziehen. Wenn eine Familie darauf bestand, dass jedes Kind nur zwei Nahrungsmittel auswählen durfte, die es nicht essen muss, glaubte ich, dies auch tun zu müssen. Wenn Freunde mir sagten, dass ihre Kinder immer den Teller leer essen müssen, fühlte ich mich als Versagerin, weil ich es nicht schaffte, so konsequent zu sein.

Bis ich merkte, dass das alles gar nicht zu uns passt. Bis ich erkannte, dass das Ganze eigentlich ein Luxusproblem ist. Wie viele Menschen auf unserem Planeten können sich denn überhaupt Gedanken machen darüber, wie sie ihre Kinder dazu bringen sollen, aus der Fülle von Lebensmitteln, die ihnen zur Verfügung stehen,  von allem zu essen?  Und weil es ein Luxusproblem ist, habe ich für mich und meine Familie beschlossen, dass ich mir deswegen nicht weiter das Leben erschweren will. Und deshalb gelten bei uns nur noch diese fünf „Regeln“:

1. Der Überfluss, den wir haben, ist ein unglaubliches Privileg, als sei dankbar für das, was du essen darfst.
2. Es wird nicht gemotzt. Irgend jemand auf der Welt würde das, was ich nicht mag, mit Freuden essen. Und irgend jemand – meistens ich – hat sich viel Mühe gegeben, das Essen zuzubereiten. Also wird nicht herumgemäkelt.
3. Es wird von allem probiert, was aber nicht heisst, dass man auch alles ausessen muss. Man darf Dinge nicht mögen. Ich esse ja auch keine Fleisch.
4. Die Ernährung muss ausgewogen sein, doch wie diese Ausgewogenheit zustande kommt, ist mir eigentlich egal.
5. Essen ist eine wunderschöne Sache, also versaut mir nicht den Genuss!

Das Verrückte an der Sache ist: Je weniger Stress ich aus der Sache mache, umso experimentierfreudiger werden unsere Kinder. Und weil er nicht mehr unbedingt muss,  isst der FeuerwehrRitterRömerPirat inzwischen sogar Randensalat…

Peinlich…

Als wir vor bald zwei Jahren herausfanden, dass wir bald Eltern von fünf Kindern sein würden, sprach uns eine erfahrene Mutter von vielen Kindern mit folgenden Worten Mut zu: „Wisst ihr, was das Schöne ist, wenn man eine grosse Familie hat? Man wird nur noch von Menschen eingeladen, die einen wirklich lieben.“ Diese Aussage kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn wir eingeladen werden, was erstaunlich oft geschieht. Ganz offensichtlich gibt es in unserem Umfeld viele Menschen, die uns lieben.

Manchmal jedoch habe ich das Gefühl, dass wir die Liebe unserer Mitmenschen etwas zu arg strapazieren. Heute Nachmittag zum Beispiel, als wir im Nachbardorf zu Kaffee und Kuchen eingeladen waren. Es fing damit an, dass Karlsson seinen Veloschlüssel nicht finden konnte, weshalb die ganze Meute zu spät kam. Wir wurden von unseren Gastgebern trotz unserer Verspätung freundlich ins Haus gebeten, wo sich unsere Kinder ihrer Jacken und Schuhe entledigten – und es sich herausstellte, dass Karlsson keine Socken trug. Barfuss bei minus fünf Grad, wo heute sogar ich Strümpfe trug! Ich hätte im Boden versinken können. Die Gastgeberin holte ohne mit der Wimper zu zucken ein paar Socken für Karlsson und ich hoffte, dass wir den Rest des Nachmittags ohne weitere Peinlichkeiten hinter uns bringen würden. Was anfangs auch mehr oder weniger der Fall war, wenn man mal davon absieht, dass sich Karlsson und Luise um die letzten Reste der Beeren zankten und  der FeuerwehrRitterRömerPirat in seine Zopf-Scheibe ein Loch bohrte und sie dann achtlos liegen liess.

Dann aber verkündete der Zoowärter, er müsse aufs Klo. Der Zoowärter aufs Klo? Hat er etwa ausgerechnet heute Nachmittag entschieden, dass er jetzt wirklich zu alt ist für Windeln? Leider nicht. Als die Gastgeberin ihn aufs WC begleitet, stellt sich heraus, dass seine Hose nass ist. Ob die Windel wohl undicht war, frage ich mich, als ich mich auch zum Badezimmer begebe. Aber nein, die Windel traf keine Schuld an dem Malheur. Denn die Windel lag bei uns zu Hause auf dem Fussboden und wartete artig darauf, bis der Zoowärter in sie schlüpfen würde. Der Zoowärter stand derweilen ohne Windel, lediglich mit einer tropfnassen Strumpfhose und einer tropfnassen Jeans bekleidet im Badezimmer unserer Gastgeber. „Meiner“ hatte in der Eile nicht bemerkt, dass das Kind gar keine Windel trug, als wir aus dem Haus gingen. Ersatzkleidung hatten wir natürlich auch nicht dabei. Aber immerhin Ersatzwindeln, in die wir das Kind stecken konnten.

Dann wurde es ruhiger. Die Kinder spielten mehr oder weniger friedlich  und wir unterhielten uns mit unseren Gastgebern. Schliesslich war es Zeit, nach Hause zu gehen. Wir räumten artig alle Spielsachen auf, die unsere Kinder über den Fussboden verteilt hatten, verabschiedeten uns und zum Dank für die nette Bewirtung streckte der FeuerwehrRitterRömerPirat dem Gastgeber die Zunge raus.

Was bin ich froh, dass unsere Gastgeber vor vielen Jahren auch mal kleine Kinder hatten….

Acht Sätze, die man nicht zu mir sagen sollte,…

… wenn man unter zwanzig Jahre alt ist und bei mir in Lohn und Brot steht:

1. „Ich habe heute Nacht nur sieben Stunden geschlafen. Ich bin soooooooo müde“  – Und ich habe heute nacht nur sieben Minuten geschlafen oder zumindest fühlt es sich so an, also hör auf zu jammern!

2. „Ich habe heute Nacht nur sieben Stunden geschlafen, weil ich bis vier Uhr morgens gechattet habe und mich meine Mutter schon um elf Uhr geweckt hat.“ – Ich habe heute Nacht auch bis vier Uhr morgens gechattet, mit meinem Prinzchen, das nicht schlafen wollte. Und morgens um sieben musste ich wieder aus den Federn. Und Mütter haben immer Recht, die dürfen einen wecken, wann immer sie Lust dazu haben!

3. „Schau mal, die ist soooooooooo fett. Die trägt Grösse 38. Echt!“ „Ich trage auch Grösse 38.“ „Ach, bei dir ist das etwas anderes. Du hast ja fünf Kinder geboren und da darf man alt und hässlich sein.“

4. „Deine Kinder waren heute unmöglich. Die haben mich so fürchterlich genervt.“ – Ja, meine Kinder sind manchmal nervig, und zwar furchtbar. Aber das darf nur ich sagen und vielleicht noch „Meiner“. Und sonst niemand! Verstanden?

5. (belehrender Unterton): „Ich habe dir das mal in Ordnung gebracht. Willst du das nicht immer so machen wie ich?“ – Nein, will ich nicht und wenn du noch so sehr Recht hättest! Irgendwo muss auch ich noch das Sagen haben, wo mir doch so schon alle auf der Nase herumtanzen.

6. „Iiiiih! Bei euch stinkt’s!“ – Danke, ich weiss, aber würdest du mir mal bitte dabei helfen, die zwei vollgekackten Kinder zu säubern?

7. „Heute Nachmittag verputze ich meinen ganzen Lohn für Kosmetik und neue Schuhe.“ – Das kannst du von mir aus machen, ist ja dein Geld. Aber reibe  bitte nicht mir unter die Nase, was du mit meinem sauer verdienten Geld machst.

8. „Schau mal, die bezahlen viel mehr Lohn als du.“ – Ich habe dir ja gesagt, dass du bei mir nicht fürstlich entlöhnt wirst. Aber immerhin hast du einen Lohn…

Das alles darf man getrost sagen. Zu jedem. Ausser zu mir!

Ach, Pooh Bär!

So schnell werde ich kein Stossgebet mehr gen Himmel schicken, wenn ich nicht weiss, worüber ich bloggen soll. Kaum hatte ich fertig geklönt, stellte ich mit Schrecken fest, dass der Schlüssel zur Vorratskammer weg war. Nicht einfach weg im Sinne von auf dem Fussboden liegend, sondern wirklich weg. Und niemand war Schuld; Karlsson nicht, Luise nicht, der FeuerwehrRitterRömerPirat nicht, der Zoowärter erst recht nicht. Nein, es war Winnie the Pooh, der das Ding zum Verschwinden gebracht hatte und zwar fünf Minuten bevor es Zeit war, zu kochen. Winnie the Pooh hatte das Ding offenbar in den Abfallkübel geschmissen, erzählte mir der FeuerwehrRitterRömerPirat. Er habe es genau gesehen. Dumm war bloss, dass Pooh nirgends zu finden war, denn derjenige, der gewöhnlich Pooh ist, war im Moment ein ganz anderer, nämlich Donald Duck. Und auch wenn Pooh vor dem Abendessen wieder auftauchen würde, hatte ich keine Gewähr, dass er sich noch an den Verbleib des Schlüssels erinnern würde. Man weiss ja, wie vergesslich Pooh ist.

Was also sollte ich tun? Den Abfallsack nach dem Schlüssel durchwühlen? Keine gute Idee. Ich bin eine bekennende Memme und mein Magen hat heute schon einmal rebelliert, als ich Luises eitrige Wunde am Fuss – nicht am Auge, Gott sei Dank! – verarztete. Also blieb mir nichts anderes übrig, als zu warten, bis „Meiner“ nach Hause käme, bevor ich mich weiter um den Schlüssel kümmern konnte. Und so kochte ich für einmal ohne Olivenöl, ohne Bouillon, ohne Zwiebeln und ohne getrocknete Kräuter. Also ja, ohne Zwiebeln koche ich fast immer, weil ich die Dinger hasse, aber weil es heute Fleisch gab und ich das Zeug bekanntlich nicht esse, hätte ich „Meinen“ und Karlsson gerne mit Zwiebeln überrascht. Aber ohne Schlüssel keine Zwiebeln. Und kein Öl. Und keinen Besen, um endlich den Dreckhaufen auf dem Fussboden aufzuwischen, damit ich nicht immer reintrete.

Kurz vor dem Abendessen tauchte Winnie the Pooh wieder auf. Ist mir noch gar nicht aufgefallen, wie ähnlich sich Pooh und unser Zoowärter sind…  Wie ich vermutet hatte, konnte Pooh sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, ob er den Schlüssel in den Abfallsack, auf die Strasse oder auf den Baum geschmissen hatte. Nun, „Meiner“ hat das Ding dann wieder gefunden. Es lag tatsächlich im Abfallsack. Und deshalb kann ich ab morgen zusammen mit der Frau von Costa y Bravo wieder getrost sagen: Hombré! Ich koche nur mit Olivenöl.

Und wer meinen Schlusssatz nicht verstanden hat, soll gefälligst mal wieder seine Asterix-Sammlung entstauben!

Und raus damit!

Es ist vielleicht sechzehn Jahre her, da sass eines Abends ein junger Mann an seinem Schreibtisch und lernte auf eine Prüfung. Vielleicht in Geschichte, vielleicht auch in Französisch, ja, es könnte gar sein, dass es eine Physikprüfung war. Ist ja auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass er, als er so richtig in seine Bücher vertieft war, seine Mama aus der Küche rief, ob er eine Banane essen wolle. Er wollte nicht und wenn seine Mama eine gewöhnliche Mama gewesen wäre, hätte sie sein Nein akzeptiert. Seine Mama war aber eine Italienische Mama und deshalb fragte sie noch einmal, worauf der junge Mann wieder nein sagte. Weil die Mama aber eine Italienische Mama von altem Schrot und Korn war, fragte sie noch einmal und als der junge Mann ein drittes Mal nein sagte, stand die Mama bald darauf mit der geschälten Banane im Zimmer des jungen Mannes. Worauf der junge Mann so wütend wurde, dass er das Fenster öffnete und die Banane in Nachbars Garten schmiss.

Zu der Zeit, als dies geschah, war der junge Mann mit einer jungen Frau liiert, die diesen Vorfall äusserst witzig fand. Die Geschichte mit der Banane wurde zu einer der beliebtesten Anekdoten, welche die beiden erzählten, wenn jemand wissen wollte, wie denn das Verhältnis zur Mama des jungen Mannes sei. Eine weitere Bedeutung mass die junge Frau dieser Begebenheit nicht zu und es fiel ihr auch über Jahre nicht auf, dass der junge Mann immer mal wieder Dinge aus dem Fenster schmiss, wenn sie zu lange herumlagen oder ihm sonst auf irgend eine Weise auf die Nerven fielen.

Neulich aber sah die junge Frau, die inzwischen mit dem jungen Mann verheiratet ist und mit ihm zusammen fünf Kinder hat, dass in der Dachrinne eine Strumpfhose der Tochter lag. Und auf der Rutschbahn ein Paar Socken des zweitjüngsten Sohnes. Und im Erdbeerbeet ein T-Shirt des mittleren Sohnes. Die junge Frau,- die inzwischen übrigens schon einige graue Haare hat und deshalb eigentlich gar nicht mehr jung ist – fragte ihre Kinder, weshalb all die Kleider im Garten liegen würden. Worauf ihr Ältester gleichmütig erklärte: „Die haben die anderen in meinem Zimmer liegen lassen und weil sie sie nicht weggeräumt haben, habe ich sie eben zum Fenster raus geschmissen. Das macht der Papa ja auch immer, wenn wir nicht aufräumen.“

Eines ist jetzt schon klar: Die Mama dieser Kinder wird sie nie mit bereits geschälten Bananen belästigen, wenn sie am Lernen sind. Aber sie ist ja auch keine italienische Mama.