Tischgespräch

„Was gibt’s denn heute zum Mittagessen? Das stinkt ja fürchterlich!“

„Das stinkt nicht, das duftet! Ich kann es kaum erwarten, bis ich endlich davon probieren kann. Und du musst unbedingt auch probieren. So etwas Gutes hast du noch nie gegessen.“

„Nein danke, ich verzichte lieber. So scheusslich wie das stinkt, werde ich keinen Bissen davon runterkriegen.“

Das Essen wird aufgetragen, die Familie setzt sich zu Tisch.

„igitt! Ich will nicht neben dieser Schüssel sitzen. Diesen Gestank halte ich nicht aus.“

„Jetzt hab‘ dich doch nicht so! Immerhin habe ich mir grosse Mühe gegeben, das Essen zuzubereiten. Und überhaupt: Das ist eine Delikatesse.“

„Eine Delikatesse? Von wegen! Mach mal bitte das Fenster auf, sonst kann ich hier nicht essen.“

Jemand öffnet das Fenster, eine Weile lang essen alle schweigend.

„Das ist einfach himmlisch! Komm, probier auch mal ein wenig. Das darfst du dir nicht entgehen lassen.“

„Hör sofort damit auf, mit diesem ekligen Zeug vor meinem Gesicht herumzufuchteln! Ich werde keinen Bissen davon probieren. Und es ist mir vollkommen egal, dass ich nachher kein Dessert kriege.“

„Du kennst doch unsere Regel: Es wird von allem probiert, was auf den Tisch kommt.“

„Ich pfeife auf diese Regel. Von dem hier probiere ich ganz bestimmt nicht und wenn ich für den Rest des Jahres kein Dessert mehr kriege. Mich hat ja keiner gefragt, ob ich überhaupt will, dass diese Scheusslichkeit auf den Tisch kommt.“

So kam es, dass fünf kleine Vendittis genüsslich ein von Karlsson zubereitetes Ziegenkäse-Fondue verzehrten, während Mama, Papa und Au Pair angeekelt die Nase rümpften und sich standhaft weigerten, auch nur einen einzigen Brotbrocken mit Käse herunterzuwürgen.

Wer hat eigentlich unsere Kinder auf diese irrsinnige Idee gebracht, dass man bei Tisch von allem probieren soll?

Nur ein einziges Mal…

… möchte ich es schaffen, das gemütliche Mama-Prinzchen-Programm, das ich für den Dienstagmorgen geplant habe, auch wirklich durchzuziehen. In meinen Träumen sah das Programm folgendermassen aus: Morgens um zehn vor neun würden wir den Zoowärter in der Spielgruppe abliefern. Danach würden wir einen kurzen Abstecher in die Migros machen, um den Kühlschrank, der über die Ostertage Opfer von Plünderern geworden war, wieder aufzufüllen. Schliesslich würden wir noch kurz im Gartencenter vorbeischauen, um Erde und Setzlinge zu kaufen und danach würden wir den Rest des Vormittags im Garten verbringen. Ich würde dem Prinzchen zeigen, wie man Tomaten pflanzt, ich würde ihm vollkommen unerschrocken einen Regenwurm unter die Nase halten, ich würde ihm helfen, wenn er voller Stolz mit der Giesskanne die Setzlinge begiessen würde und vielleicht, mit etwas Glück, würden wir eine Raupe oder einen Käfer finden, den wir gemeinsam beobachten könnten. Und am Ende des Morgens könnte ich mir voller Stolz auf die Schulter klopfen, weil ich so eine tolle Mama bin, die ihrem Kind die Natur näher bringt.

Das also war das Programm, aber wie immer, wenn ich ein Programm habe, wird es durch irgend einen kleinen Mist über den Haufen geworfen. Heute war es zuerst einmal der Autoschlüssel, der mit „Meinem“ zur Schule gegangen war, obschon „Meiner“ ihn dort gar nicht brauchte, da er sich per Fahrrad über den Berg begeben hatte. Wo denn der Ersatzschlüssel war, fragt ihr? Nun, der Ersatzschlüssel hat sich dazu entschieden, nur noch hin und wieder zur Verfügung zu stehen. Den Rest der Zeit ist er unauffindbar. Von Zeit zu Zeit taucht er aus dem Chaos auf und tut so, als wäre er schon immer da gewesen, doch dann verschwindet er wieder und lässt sich nicht mehr blicken, egal wie sehr man nach ihm sucht. Zum Glück steht für solche Momente zuweilen auch das Auto meiner Mutter zur Verfügung und so schaffte ich es immerhin, den Zoowärter beinahe rechtzeitig zur Spielgruppe zu bringen. 

Und dann folgte der nächste Stolperstein: Eine volle Prinzchenwindel, die gewechselt werden wollte, bevor wir einkaufen konnten. Danach verzögerte der Lohn, der offenbar noch nicht auf dem Konto angekommen war, weshalb wir zu einem von Baustellen übersäten Umweg zur Bank gezwungen waren, unser weiteres Fortkommen. Und dann musste das Eis ganz dringend in die Kühltruhe, bevor wir zum Gartencenter fahren konnten. Schliesslich, als das Auto endlich mit Erde und Setzlingen – Zuckermelone, Gurken und Butternut-Kürbisse – beladen war, war es Zeit, den Zoowärter wieder von der Spielgruppe abzuholen.

Das heutige Mama-Prinzchen-Programm war also einmal mehr eine einzige Hetzerei zwischen Tiefgarage, Bancomat, Einkaufswagen und Warterei an der roten Ampel. Während ich mich einmal mehr in bester Müttermanier mit Vorwürfen ob des missratenen Morgens eindecke, scheint das Prinzchen aber kein Problem damit zu haben, dass der Vormittag anders aussah als geplant. Für ihn zählt einzig und alleine der Erfolg, der bei ihm so aussieht, dass er mir dabei helfen durfte, siebzig Liter Erde auf dem Gepäckroller hinters Haus zu karren. Was kümmert es ihn, dass er weder Regenwürmer noch Raupen noch Käfer gesehen hat? Was schert es ihn, dass er noch immer nicht weiss, wie man Tomaten pflanzt? Hauptsache, er kann jedem voller Stolz erzählen, dass er „Mami ganz fest gholfe“ hat. 

Honigbutter

Manchmal findet auch ein blindes Huhn ein Körnchen und so kommt es, dass ich an einem Tag, an dem so ziemlich alles schief ging, was schief gehen kann, doch immerhin die bahnbrechende Entdeckung gemacht habe, wie man Honigbutter macht. Das schafft man, indem man gleichzeitig mit fünf Kindern Ostereier färbt, zwischendurch mal kurz das Rezept für das Abendessen durchliest, die Küche aufräumt, Eiweiss steif schlägt und dabei ganz vergisst, dass die Küchenmaschine derweil fröhlich Halbrahm und Honig rührt, bis das Ganze kein Honigmousse, sondern eben Honigbutter ist. Nun ja, zumindest auf etwas kann ich stolz sein, wenn ich mich heute Abend hundemüde ins Bett lege…

Der andere

Glaubt mir, wenn ich „den anderen“ endlich mal in die Finger kriege, dann kann er etwas erleben. Je grösser meine Kinder werden, desto mehr macht er mir das Leben schwer und doch kann ich seiner nicht habhaft werden. Da ist abends, mitten im grössten Feierabendstress der Fussboden im heimischen Büro grossflächig mit Kreide bemalt. Wer war’s? Der andere natürlich. Im Garten liegen eine leere Orangensaftpackung und Becher rum. Wer hat sie liegen gelassen? Auch wieder der andere. Natürlich war es auch der andere, wenn nach dem Bad das ganze Badezimmer unter Wasser steht, wenn wunderbar blühende Tulpen einfach entwurzelt werden, wenn der Kaugummi in der Suppenschüssel anstatt im Abfall landet, wenn das Lavabo mit Lippenstiftspuren bedeckt ist oder wenn der Zoowärter schon wieder heulen muss. 

Ich will ja keine Vorurteile pflegen, aber mir scheint, dass dieser andere eine ziemlich problematische Figur sein muss. Wo immer er auftaucht, richtet er Schaden an und hat dann nicht die Grösse, zu seinen Taten zu stehen. Er hinterlässt eine Spur der Verwüstung und man meint, wenn man der Spur nur lange genug folgen würde, könnte man ihn endlich zu fassen kriegen, aber irgendwie schafft er es immer, sich aus dem Staub zu machen. Meiner Meinung nach sollte man den Kerl ja schon längst mal einem Experten vorführen, damit dieser sich mit dem unbändigen Zerstörungswahn befasst. Leider aber fürchte ich, dass der andere nicht auffindbar wäre, wenn ich mit ihm beim Therapeuten aufkreuzen sollte. Und was soll ich denn schon sagen, wenn man mich dann fragt, weshalb ich einen Termin vereinbart habe und ohne Patient erscheine? Na was wohl? „Das war gar nicht ich, die den Termin mit Ihnen vereinbart hat, das war der andere.“

Nur das Nötigste

In einer Grossfamilie kann man nicht früh genug damit anfangen, die Kinder zu lehren, ihre eigenen Koffer zu packen. Damit dies auch klappt, drucke ich den  grösseren Kindern gewöhnlich eine Liste mit Bildern aus,  die sie als Gedankenstütze beim Kofferpacken verwenden können.  Diesmal war leider die Druckerpatrone leer und weil ich keine Zeit zum Zeichnen hatte, musste eben ein handgeschriebener Spickzettel reichen. Weil der FeuerwehrRitterRömerPirat noch nicht ganz flüssig liest, ging ich mit ihm die Liste noch  einmal durch. Bald darauf erschien er mit gepacktem Koffer. Meine Frage, ob er alles dabei hätte, bejahte er. 

In der Ferienwohnung angekommen, stellte sich rasch heraus, dass der Junge  an alles gedacht hatte, was ihm wichtig erschien,  nämlich:

1 lange Hose
1 kurze Hose
1 Paar Socken
7 Unterhosen
1  Zahnbürste
1 T-Shirt
1 Pullover
1 Buch mit dem Titel  „Zum Glück bist du nicht Tutanchamun“

Mehr braucht man nun wirklich nicht, wenn man für eine Woche wegfährt, nicht wahr?

Ferienweisheiten

Man braucht kein asiatischer Tourist zu sein, um in Sandalen auf einem abschüssigen Wanderweg zu landen. Es reicht, wenn man Venditti heisst und sich ohne vertiefte Vorbereitung in den Greyerzer Hügeln wiederfindet.

Die Schonzeit für „Meinen“ und mich neigt sich dem Ende zu. Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat fangen an, hinter unserem Rücken zu tuscheln. Nicht mehr lange, und wir werden ihnen peinlich sein. Was mich nicht weiter verwundert. Denn Menschen, die nach zehn Minuten Zugluft bereits über Nackenstarre jammern sind einfach peinlich.

Wenn Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat auf der Wanderung motzen, sie würden keinen weiteren Schritt mehr gehen und wenn wir ihnen 1000 Franken bieten würden, dann heisst das nicht, dass sie nicht eine Stunde später den steilsten Hügel im Dorf erklimmen werden.

Es gibt Momente, da verzichtet man liebend gerne auf Sauce Hollandaise zu den frischen Artischocken. Zum Beispiel dann, wenn Mama Venditti in den Ferien zu faul ist, zwanzig Minuten Sauce-rührend am Herd zu stehen und deshalb für einmal auf den Beutel zurückgreift. Und dann lieber Mayonnaise nimmt, weil sie die Pampe aus dem Beutel nicht runterkriegt.

Der Sonnenbrand ist eine Realität, die wir so erfolgreich verdrängt haben, dass wir uns jetzt, wo wir alle krebsrot sind im Gesicht, erstaunt die Augen reiben und uns fragen, wie wir bloss so dumm sein konnten, uns auf das Risiko einzulassen, ohne Sonnenschutz einen ausgedehnten Spaziergang zu machen. Nun ja, wir sind eben Kinder unserer Zeit und somit bestens damit vertraut, „Restrisiken“ auszublenden.

Es ist zwar  nicht ganz einfach, aber man kann durchaus auch ohne Internetverbindung überleben. Zumindest solange, bis „Meiner“ die Zeit gefunden hat, auf dem Tourismusbüro nachzufragen, was mit dem im Prospekt versprochenen Drahtlosnetzwerk los sei. Seine Frau werde allmählich ungeniessbar, wenn sie nicht endlich wieder online sein könne…

Es kommt zwar selten vor, aber hin und wieder ist das Leben netter als man denkt und so kommt es, dass sich meine Halsschmerzen nun doch zurückgezogen haben, ohne weiteren Schaden anzurichten. Wenn das so weitergeht, haben wir am Ende nicht mal einen Grund zum Jammern, wenn wir nach Hause kommen.

Alles dabei?

Wenn man für eine Woche mit Kind und Au Pair verreist, dann erfordert dies minutiöse Planung. Mir scheint, diesmal haben wir auch wirklich gar nichts vergessen, so dass wir heute Nachmittag ganz unbeschwert verreisen können. Hier ein kurzer Überblick über alles, was wir in die Wege geleitet haben, damit einem entspannten Familienurlaub nichts mehr im Wege steht:

– Karlsson mit einer tüchtigen Portion Noroviren ausgestattet, die den Jungen zwar noch nicht ins Bett gezwungen haben, die aber schon mal einen Anflug von Übelkeit als Vorbote geschickt haben. Nachdem in der vergangenen Woche das Au Pair, Luise, der FeuerwehrRitterRöerPirat und „Meiner“ ihre Virenportion in vollen Zügen genossen haben, habe ich eine gewisse Ahnung, wie  das bei Karlsson morgen aussehen könnte.

– Dem Prinzchen haben wir in den  vergangenen Tagen ein äusserst chaotisches Schlafverhalten angewöhnt – Mittagsschlaf um halb neun Uhr morgens und um halb sechs abends, Nachtruhe irgendwann zwischen elf und zwölf, aufstehen gegen fünf Uhr morgens – weil wir nichts spannender finden, als unausgeschlafen mit einem genervten Kleinkind zu verreisen.

– „Meinen“ für gestern Abend und heute den ganzen Tag in einen Emaillier-Kurs angemeldet, weil es einfach viel mehr Spass macht, alleine die Koffer zu packen, die Wohnung aufzuräumen und danach alleine mit fünf aufgedrehten Kindern im Zug durch die Schweiz zu fahren. Glaubt mir, es war gar nicht so einfach, einen Kurs zu finden, der exakt an diesem Wochenende stattfindet, aber ich habe wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihm genau diesen Kurs zu schenken und nicht etwa einen an einem Wochenende, wo wir alle gar nichts davon gehabt hätten. So aber kann ich den ganzen Spass für mich alleine haben und „Meiner“, der arme Kerl, muss ganz alleine im vollbepackten Auto nachreisen. Das Au Pair ist noch ärmer dran. Sie darf erst  am Dienstag nachreisen. Ja, ich weiss, ich bin eine Egoistin, aber man gönnt sich ja sonst nichts.

– Wo ich schon auf dem Ego-Trip bin, habe ich gleich noch einen draufgesetzt: Seit einer Woche hege und pflege ich meine Halsschmerzen, die nun endlich doch den Anschein machen, als wollten sie sich zu einer Angina oder zumindest zu einer heftigen Erkältung mit  Gliederschmerzen auswachsen. Ja, ich weiss, es ist gemein, dass ich die anderen mit billigen Noroviren abspeise, während ich mir selber das beste Stück gönne, aber wenn man auf dem Ego-Trip ist, kann man nicht auf alle Rücksicht nehmen.

– Ein bereits  zweimal verschobener Arzttermin mit Luise, der sich nicht mehr weiter verschieben liess und der deshalb dafür sorgen wird, dass entweder „Meiner“ oder ich mit unserer Tochter einen Tag früher abreisen dürfen.

Ihr seht also, dem perfekten Urlaub steht nichts mehr im Wege. Nur eines stört mich: Die Wohnung sieht im Prospekt zu sauber, zu gross und zu  luxuriös aus und auch die Gegend scheint mir mit Museen, Schlössern, Seen und satten Frühlingswiesen etwas gar zu idyllisch zu sein. Aber man kann nicht alles haben.

Zoowärtertag

Heute war der erste Zoowärtertag. Zoowärtertag heisst, dass das Prinzchen den ganzen Tag in der Krippe verbringt und Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat Vormittag und  Nachmittag in der Schule oder im Kindergarten sind. Den Zoowärtertag haben wir eingerichtet, weil wir gemerkt haben, dass unser Zweitjüngster ziemlich gestresst ist. Drei grosse Geschwister, für die er immer nur der Kleine ist, ein kleiner Bruder, der in den Startlöchern  ist, ihn zu überholen, wenn er sich nicht ganz schnell auf die Socken macht. Nicht, dass der Zoowärter nicht schnell wäre, aber er zieht es nun mal vor, seine Tage mit Pooh, Robin Hood und Konsorten in einer bunten Fantasiewelt zu verbringen. Und weil ihn die Geschwister in seiner Fantasiewelt so oft stören, haben wir beschlossen, ihm einen Einzelkindtag zu schenken.

Heute also war der erste Zoowärtertag und dummerweise verbrachten er und ich diesen vorwiegend im Auto und in Möbelgeschäften, weil ich auf der Suche nach einem abschliessbaren Schrank für das Familienzentrum war. Weshalb man in unserer konsumbesessenen Welt nicht in den nächstbesten Möbelladen marschieren, sich einen abschliessbaren Schrank schnappen und  dann den Rest des sonnigen Frühlingstages geniessen kann, ist eine andere Geschichte, mit der ich euch nicht langweilen will. Es sei nur darauf hingewiesen, dass es in diesen Tagen sehr sehr schwierig ist, einen abschliessbaren Schrank aufzutreiben.

Trotz sehr frustrierender Schranksuche erhaschte ich heute einige faszinierende Einblicke in die Welt unseres Zweitjüngsten. Habt ihr zu Beispiel gewusst, dass es in Aarau gleich gegenüber des Kunsthauses einen Drachenstärkermacher gibt? Ein Drachenstärkermacher verwandelt schwächliche Drachen in gefährliche, starke Drachen. Das ist ein unglaublich gefährlicher Job, denn es kommt nicht selten vor, dass ein starker Drache, der noch stärker gemacht werden will, den Drachenstärkermacher angreift. Der Zoowärter jedenfalls möchte diesen Beruf nicht ausüben, wenn er mal gross ist, hat er mir gesagt.

Oder habt ihr gewusst, das Honig weiss wird, sobald er im Bauch von Winnie the Pooh landet? Das hat der Zoowärter heute herausgefunden, nachdem er sich mit seinem eigenen Geld einen kleinen Pooh-Sessel gekauft hatte. Weshalb Pooh so einen dicken Bauch habe, wollte er von mir wissen und als ich ihm sagte, Pooh hätte eben zu viel Honig geleckt, musste der Zoowärter natürlich sofort den Reissverschluss öffnen, um nachzusehen, ob da wirklich Honig drin ist. Und siehe da, es war tatsächlich Honig drin. Weisser, weicher Honig der nicht einmal klebt. Ist das nicht toll?

Obschon der Zoowärter ganz gut mitmachte bei unserer Einkaufstour, erlebte er natürlich auch die eine oder andere Enttäuschung. So konnte er nicht verstehen, weshalb er das Ritter-Hochbett nicht bekommen  konnte, obschon doch sein Bett zu Hause gar nicht mehr neu, sondern schon mindestens drei Monate alt ist. Er hatte auch grosse Mühe damit, dass die eine Verkäuferin uns „nicht hallo gesagt hat“. Als ich ihn darauf hinwies, dass sie uns aber „grüezi“ gesagt hätte, meinte er beleidigt: „Ja, aber sie hat uns nicht hallo gesagt.“ Und das ist natürlich wirklich eine Sauerei.

 

 

 

 

Etiam si omnes, ego non?

Es war nur  ein klitzekleiner Zwischendurcheinkauf, das Nötigste, um den Tag zu überstehen. Die Schlange an der Kasse war ziemlich lang, vor mir ein Paar, das offensichtlich den Wocheneinkauf getätigt hatte: Eine Grosspackung panierter Käse, eine Grosspackung Pain au Chocolat, Chips, Würstchen, Schokoladenriegel, Nussgipfel, Weissbrot, Ketchup, Käse. „Die ernähren sich aber ausgewogen“, dachte ich bei mir und schüttelte innerlich den Kopf. „Wo bleibt da der Salat? Das Obst? Die Karotten? Also ich könnte ja so nicht leben…“

Das Förderband  bewegte sich langsam aber stetig vorwärts und bald sah ich nicht mehr die Waren des Paars, sondern meinen eigenen Einkauf: Zwei Schachteln Eis für die Kinder,  eine Cola für „Meinen“, eine Cola light für mich.

Nur das Nötigste eben, um den Tag zu überstehen…

 

Fremdbasteln

Basteln war noch nie was für mich. Zu klebrig, zu kompliziert, zu handwerklich. Für einen Kopfmenschen wie mich viel zu anstrengend. Daran hat sich auch mit der Geburt unserer Kinder nichts geändert. Wenn andere Mamas mit ihren Kindern Fensterbilder machen, backe ich lieber Kuchen mit ihnen, das Geld, das andere Mamas für Bastelmaterial ausgeben, investiere ich lieber in Kinderbücher. Aus meiner Sicht ist  das völlig in Ordnung so, aber natürlich sehen das die Kinder etwas anders. Sie möchten doch auch so gerne mal mit einer Bastelarbeit, die aussieht, als hätte sie ein Profi gemacht, auftrumpfen. Natürlich habe ich versucht, ihnen das zu bieten, leider aber bin ich grandios gescheitert. Ich habe nämlich feststellen müssen, dass die perfekten Kinderbastelarbeiten meist nur darum perfekt sind, weil Mama das Meiste daran gemacht hat. Und wenn bei uns die Mama das Meiste gemacht hat, sieht  die Arbeit danach aus, als hätte sie ein sehr unbegabtes Kind geschaffen.

So ist das bei uns und deswegen habe ich mich dazu entschieden, dass wir nur noch  fremdbasteln. Zweimal im Jahr – vor Ostern und im Advent – gehen wir zu diesem Bastelanlass, bei dem die Kinder mit dem perfekten Material und unter kompetenter Anleitung ihre Bastelwut, – ähm, Pardon, ich meine natürlich Kreativität – ausleben können. Ich klebe derweil ein paar vorgefertigte Teile zusammen, die mein Werk aussehen lassen, als hätte da ein durchschnittlich begabtes Kind gebastelt, quatsche dazu mit anderen Müttern und antworte auf jede Frage meiner Kinder mit: „Frag die Kursleiterin. Die versteht etwas von der Sache.“ Am Ende des Kurses bezahlen wir, was die Kinder geschaffen haben, ich helfe beim Aufräumen, die Kinder schleppen ihre perfekten Kunstwerke nach Hause und alle sind glücklich.

Alle? Nein, einer stänkert jedes Mal, die Kinder hätten wieder so viel Zeug angeschleppt, dass für seine Bilder kein Platz mehr sei. Und ausserdem gehe das ganz schön ins Geld bei so vielen Kindern. Doch ich habe ihm vorgerechnet: Zweimal im Jahr 50 Franken, fünf überglückliche Kinder und unzählige geschonte mütterliche Nerven. Billiger kommen wir nirgends zum Basteln. Kommt dazu, dass die Kinder nach ihrem Bastelexzess jeweils für eine Weile genug haben und ganz froh sind, wenn sie mal wieder Kuchen backen und Geschichten hören dürfen.