Wiederhören mit alten Freunden

Es ist viele Jahre her, seitdem wir miteinander Bekanntschaft geschlossen haben, die Hamchitis und ich. Mit dem Wechsel der Telefonnummer im Februar 2012 traten sie in mein Leben und wurden bald einmal zum unverzichtbaren Teil meines Alltags. So nahe standen wir uns, dass ich bald einmal in die dunkelsten Geheimnisse der Familie eingeweiht war. Keine seit Ewigkeiten unbezahlte Rechnung, kein Familienstreit mit der Oma aus dem Kosovo, kein verpasster Arzttermin, der mir verborgen geblieben wäre. So nervtötend es zuweilen auch war – als unversiegbare Quelle alltäglicher Erheiterung wuchsen mir die Hamchitis halt trotzdem ans Herz.

Und dann plötzlich Funkstille. Keine Anrufe mehr von Abdullah, der unbedingt Halim sprechen wollte. Keine endlosen Diskussionen mehr mit Sachbearbeiterinnen, die partout nicht glauben wollten, dass ich keine Ratenzahlungen für eine topmoderne Dampfbügelstation schuldig geblieben war. Keine Kantonspolizisten mehr, die wissen wollten, warum Halim den vereinbarten Termin nicht eingehalten hatte.

Wenn man so lange mit jemandem unterwegs war, macht man sich natürlich schon Sorgen, wenn man plötzlich nichts mehr voneinander hört. Was war bloss passiert? Hatten sie mich vergessen? Aus ihrem Leben verbannt, weil „Meiner“ einmal zu oft den Dummen gespielt und eine Pizza Margherita bestellt hatte, anstatt dem Anrufer zu sagen, wo Halim gerade steckte? War ihnen am Ende gar etwas zugestossen?

Heute Morgen nun endlich wiedermal ein Lebenszeichen. Ich bin ja so erleichtert! Halim lebt und es geht ihm offenbar so gut, dass er weiterhin fröhlich mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Dies zumindest vermute ich. Warum sonst sollte ihn die Kantonspolizei an einem ganz gewöhnlichen Montagmorgen anrufen wollen?

Der vertreibt mir noch die Hamchitis

Wer hier mitliest weiss: Hamchitis gehören zu meinem Leben. Okay, anfangs war ich nicht gerade begeistert über ihre Anwesenheit, aber da sie für Unterhaltung in meinem ach so öden Alltag sorgen und mir auch immer wieder Schreibstoff liefern, möchte ich sie inzwischen nicht mehr missen. Neulich erklärte mir zwar eine nette Sachbearbeiterin, die eigentlich eine ausstehende Rechnung meines Freundes Halim hätte eintreiben wollen, wie ich Hamchitis für immer loswerden könnte, aber irgendwie wäre mir das so vorgekommen, als würde ich mich nach einer langen Ehe von einem lästigen aber immerhin treuen Partner trennen. Doch kaum habe ich den Entschluss gefasst, nichts gegen Hamchitis zu unternehmen, hat „Meiner“ sich dazu entschieden, mit ihnen Schluss zu machen. Darum reisst er das Telefon jedes Mal an sich, wenn eine unbekannte Nummer auf dem Display erscheint. Die Gespräche laufen dann etwa so:

Unbekannte Anruferin: „Hallo. Isch Halim da?“

„Meiner“: „Ich nehme gerne eine Margherita.“

UA: „Wo Halim Hamchiti. Er da?“

„Meiner“: Eine Margherita mit Oliven, dann noch eine Funghi-Prosciutto und…“

UA. „Du nicht wissen wo Halim?“

„Meiner“: „…dann noch einen grünen Salat. Liefern Sie ins Haus, oder soll ich die Pizza abholen?“

UA, verwirrt: „Sie albanisch?“

„Meiner“, vollkommen ungerührt: „Wie viel macht das dann, alles zusammen?“

UA: „Sie nicht albanisch?“

„Meiner“ zu mir, leicht enttäuscht: „Sie hat aufgehängt.“

Ich hab‘ „Meinem“ jetzt gesagt, er solle aufhören mit diesem Mist. Wenn sich in Hamchitis Bekanntenkreis herumspricht, dass der gute alte Halim vollends durchgedreht ist und nur noch von Pizza Margherita redet, will bald keiner mehr mit ihm abhängen und wer ruft mich dann noch an?

i'm rich

i’m rich; prettyvenditti.jetzt