Power-Frau?

Früher, als es noch in war, dass frau leidenschaftliche Mutter und Hausfrau war, da war es ja so: Jede Hausfrau wusste, wie „man“ die Dinge macht. Jede wusste, was die andere „falsch“ macht. Jede sah auf diejenigen herab, die nicht so perfekt waren. Da kam es zum Beispiel vor, dass eine Hausfrau am falschen Tag grosse Wäsche machte, oder dass eine nicht fähig war, das erforderliche Repertoire an Kochrezepten zu beherrschen, oder dass sich eine Frau erlaubte, nicht auf die richtige Art das Haus sauber zu halten. Und mit all dem machte sie sich zu einem äusserst fragwürdigen Individuum, auf das man getrost herabschauen konnte.

Bis auf einige Ausnahmen sind diese Zeiten zum Glück vorbei. Aber weil Frauen offenbar nicht sein können ohne die leidigen Vergleiche, haben sie einen neuen Tick ersonnen, der auf dem gleichen Muster basiert, aber Auswirkungen in die gegenseitige Richtung hat. Jetzt wird nicht mehr auf angeblich fehlerhafte Hausfrauen herabgeschaut, jetzt hebt man angeblich perfekte Mütter und Hausfrauen aufs Podest und suhlt sich im Frust über das eigene Versagen. Da kommt es dann vor, dass frau Sätze wie diesen zu hören bekommt: „Du hast ja immer alles im Griff. Bei dir kommt es bestimmt nicht vor, dass du einen Termin vergisst.“ Oder: „Ich wünschte, ich könnte so ruhig bleiben wie du. Ich selber verliere so schnell die Nerven.“ Oder: „Für dich ist das ja keine Sache, du schaffst ja ohnehin alles mit Links.“ Je mehr Kinder man hat, umso öfter bekommt man solche Sätze zu hören.

Wie, ich suche mal wieder das Haar in der Suppe? Was ich bloss an diesen „netten Komplimenten“ auszusetzen habe? Nun, wenn ich ehrlich bin, ziemlich viel. Erstens einmal nerven mich diese ewigen Vergleiche an sich. Ob man nun den anderen runtermacht oder ihn aufs Podest hebt. Jeder lebt sein ganz eigenes Leben, da sind solche Vergleiche doch einfach sinnlos. Zweitens werden solche Aussagen oft dazu missbraucht, die Arbeit an jemand anderen abzuschieben. Was so nett klingt, heisst eigentlich mit anderen Worten:  „Ich bin unfähig, das Geforderte zu leisten, ich bin ja nicht perfekt. Aber du bist eine Power-Frau, für dich ist das alles kein Problem. Also kannst du die Sache erledigen.“ Drittens spricht man einer Person, die man aufs Podest gehoben hat, jegliches Recht auf Schwäche ab. Da mag die „Power-Frau“ noch so laut schreien und sagen, dass es jetzt reicht. Da mag sie  noch so oft beteuern, dass ihr das alles zuviel wird und dass sie auch nur ein Mensch ist. Es wird ihr nicht geglaubt. Die Power-Frau soll gefälligst ihrem Image gerecht werden, auch wenn sie es sich nicht selbst zugelegt hat.

Und bald schon ist die vermeintliche Power-Frau sehr sehr einsam, weil sie niemandem ihr Herz ausschütten kann, ohne zu hören zu bekommen, für sie sei doch das alles kein Problem, sie schaffe ja alles mit links. Und so ist man wieder am gleichen Punkt, wie damals, als es noch das Ideal der perfekten Hausfrau gab: Man sieht nicht die Person, sondern das Ideal, das es zu erfüllen gilt. Und das ist und bleibt ungesund, auch dann, wenn die Ideale sich gewandelt haben.

Ach, Pooh Bär!

So schnell werde ich kein Stossgebet mehr gen Himmel schicken, wenn ich nicht weiss, worüber ich bloggen soll. Kaum hatte ich fertig geklönt, stellte ich mit Schrecken fest, dass der Schlüssel zur Vorratskammer weg war. Nicht einfach weg im Sinne von auf dem Fussboden liegend, sondern wirklich weg. Und niemand war Schuld; Karlsson nicht, Luise nicht, der FeuerwehrRitterRömerPirat nicht, der Zoowärter erst recht nicht. Nein, es war Winnie the Pooh, der das Ding zum Verschwinden gebracht hatte und zwar fünf Minuten bevor es Zeit war, zu kochen. Winnie the Pooh hatte das Ding offenbar in den Abfallkübel geschmissen, erzählte mir der FeuerwehrRitterRömerPirat. Er habe es genau gesehen. Dumm war bloss, dass Pooh nirgends zu finden war, denn derjenige, der gewöhnlich Pooh ist, war im Moment ein ganz anderer, nämlich Donald Duck. Und auch wenn Pooh vor dem Abendessen wieder auftauchen würde, hatte ich keine Gewähr, dass er sich noch an den Verbleib des Schlüssels erinnern würde. Man weiss ja, wie vergesslich Pooh ist.

Was also sollte ich tun? Den Abfallsack nach dem Schlüssel durchwühlen? Keine gute Idee. Ich bin eine bekennende Memme und mein Magen hat heute schon einmal rebelliert, als ich Luises eitrige Wunde am Fuss – nicht am Auge, Gott sei Dank! – verarztete. Also blieb mir nichts anderes übrig, als zu warten, bis „Meiner“ nach Hause käme, bevor ich mich weiter um den Schlüssel kümmern konnte. Und so kochte ich für einmal ohne Olivenöl, ohne Bouillon, ohne Zwiebeln und ohne getrocknete Kräuter. Also ja, ohne Zwiebeln koche ich fast immer, weil ich die Dinger hasse, aber weil es heute Fleisch gab und ich das Zeug bekanntlich nicht esse, hätte ich „Meinen“ und Karlsson gerne mit Zwiebeln überrascht. Aber ohne Schlüssel keine Zwiebeln. Und kein Öl. Und keinen Besen, um endlich den Dreckhaufen auf dem Fussboden aufzuwischen, damit ich nicht immer reintrete.

Kurz vor dem Abendessen tauchte Winnie the Pooh wieder auf. Ist mir noch gar nicht aufgefallen, wie ähnlich sich Pooh und unser Zoowärter sind…  Wie ich vermutet hatte, konnte Pooh sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, ob er den Schlüssel in den Abfallsack, auf die Strasse oder auf den Baum geschmissen hatte. Nun, „Meiner“ hat das Ding dann wieder gefunden. Es lag tatsächlich im Abfallsack. Und deshalb kann ich ab morgen zusammen mit der Frau von Costa y Bravo wieder getrost sagen: Hombré! Ich koche nur mit Olivenöl.

Und wer meinen Schlusssatz nicht verstanden hat, soll gefälligst mal wieder seine Asterix-Sammlung entstauben!

Was tust du da, Mama?

„Meiner“ hatte heute einen wichtigen Termin und da er etwas spät dran war, habe ich etwas für ihn getan, was ich sonst nie, aber auch wirklich gar nie tue: Ich habe sein Hemd gebügelt. Nachdem er mir gesagt hatte, wo das Bügeleisen bei uns seinen Platz hat. Und nachdem er mich ermahnt hatte, ich möchte das Ding doch nicht auf dem Glastisch bügeln, sondern zumindest eine Decke als Unterlage nehmen. So stand ich da und bügelte das Hemd meines Gatten, fast so, wie gute Hausfrauen dies tun. Und da dieser Anblick im Hause Venditti so ungewohnt ist – wer hat denn schon Zeit zum Bügeln, wo es doch so viel zu Bloggen gibt? – war ich schon bald von meinen Kindern umringt. Was ich hier tun würde, wollten die jüngeren Kinder wissen, denn für sie ist der Anblick eines Bügeleisens ähnlich fremd wie für ein Kind in Afrika der Anblick von Schnee. Die älteren Kinder, die sich noch schwach an Zeiten erinnern, in denen Mama geglaubt hatte, eine Hausfrau müsse auch bügeln können, wussten natürlich, was ich da tat, aber sie waren dennoch tief beeindruckt. Mama kann ja tatsächlich Hemdem bügeln, wenn sie nur will. Dem FeuerwehrRitterRömerPiraten dauerte die Vorstellung allerdings zu lange: „Mama, warum musst du immer Papas Hemden bügeln?“, wollte er wissen.

Recht hat er: Jede Sekunde, die man mit einem Bügeleisen verbringt, ist eine Sekunde zuviel. Es sei denn, „Meiner“ habe einen wichtigen Termin…

Wer erleichtert da wem das Leben?

Man hört ja zuweilen die Behauptung, die modernen Haushaltgeräte hätten das Haushalten derart erleichtert, dass Hausfrauen und -männer nur noch auf der faulen Haut liegen und Kaffee trinken könnten. Diese Meinung wird vor allem von älteren Herren vertreten, die der festen Überzeugung sind, dass ihre Mütter noch Unmenschliches geleistet hätten, ihre Frauen schon sehr viel weniger, ihre Töchter fast nichts und ihre Enkelinnen gar nichts mehr. Sie glauben, dass das Leben mit Mixer, Staubsauger, Kaffeemaschine und Mikrowellenofen zu einem reinen Zuckerschlecken geworden sei. Was diese älteren Herren nicht bedenken: Haushaltgeräte leiden an so vielen Gebrechen, dass die moderne Hausfrau alle paar Tage mit ihnen zur Reparatur rennen muss. (Der moderne Hausmann natürlich auch, aber da diese Spezies leider noch immer äusserst rar ist, bleibe ich für den Rest des Textes bei der weiblichen Form.) Immer haben die Dinger etwas zu Jammern, immer einen Grund, weshalb sie ausgerechnet heute ihren Dienst nicht leisten können. Ein Hypochonder rennt weniger häufig zum Arzt als ein Haushaltgerät zur Reperaturwerksatt.

Nehmen wir zum Beispiel unseren Milchschäumer. Nachdem ich mit diesem elenden kleinen Handschäumer Stunden in der Küche verbracht hatte – „Meiner“ und ich mögen Latte Macchiato, die Kinder Kakao Macchiato – entschloss ich mich kurz vor Weihnachten zum Kauf eines jener hübschen elektrischen Milchschäumer. Das Ding schäumte die Milch perfekt und  „Meiner“ und ich hatten Blähungen weil wir so viel Macchiato in uns hinein kippten. Doch sechs Tage später gab es einen Knall und vorbei war’s mit Milchschaum. Also zurück ins Einkaufszentrum, Milchschäumer eingetauscht und wieder Macchiato gekippt. Bis eine Woche später die Drehspirale kaputt war. Zurück ins Einkaufszentrum, neue Spirale bestellt, zwei Wochen auf die Lieferung gewartet, drei Wochen Macchiato gekippt und wieder zurück zum Einkaufszentrum, weil sich das Ding überhitzte und keinen Wank mehr tat. Doch jetzt hatte ich genug. Ich lehnte alle lebensverlängernden Massnahmen für den Milchschäumer ab, liess mir die siebzig Franken zurückerstatten und seither sehne mich nach einem anständigen Latte Macchiato. Anderen Kaffee trinke ich nämlich nicht und irgendwie muss man ja wach bleiben.

Oder nehmen wir unseren Staubsauger. Unser Letzter hatte ich ja zu Tode gesoffen. Das Nachfolgemodell hütete ich deshalb wie meinen Augapfel und achtete darauf, dass er dem Weinkeller nicht zu nahe kam. Die Putzfrau versuchte mich zwar immer gegen ihn aufzuhetzen, weil er angeblich zu schlecht sauge, aber ich liess mich nicht beeindrucken und setzte mich heldenhaft für seinen Verbleib in unserem Haushalt ein. Doch offenbar fühlte sich unser Staubsauger dennoch gemobbt. Um mir zu zeigen, wie unglücklich er ist, liess er sich vollkommen gehen und bald schon war eine wichtige Klappe kaputt und der ganze Dreck landete auf dem Fussboden. Nun also ging das Gerenne mit dem Staubsauger los. Gegen Vorauszahlung bestellte man mir im Einkaufszentrum ein Ersatzteil. Und weil das nicht so schnell geliefert werden kann, ist der Staubsauger für zwei Wochen krank geschrieben. So einfach geht das.

Ich glaube, ich bewerbe mich auf eine Stelle als Haushaltgerät. Wenn die schlapp machen, kümmert sich jeder rührend um ihr Wohlbefinden. Wenn hingegen die Hausfrau schlapp macht, dann beisst sie eben auf die Zähne, bis die Sache ausgestanden ist. Wer erleichtert da wem das Leben?

Führungskräfte von morgen

Im Rahmen meiner Weiterbildung kämpfe ich mich im Moment durch ein Oevre mit dem spannenden Titel „Anforderungen an Führungskräfte von morgen“. Darin erfahre ich, dass von einer guten Führungskraft Selbstmanagement erwartet wird, damit sie sich nicht vollkommen auskotzt und danach auf dem Zahnfleisch geht. Sie muss ein Leben lang lernfähig bleiben und systematisch denken können, damit sie im ganzen Chaos nichts Wichtiges übersieht. Die Führungskraft braucht „kommunikative Kompetenz“, damit es nicht zu unnötigen Konflikten kommt und wenn es dennoch kracht, muss sie gut sein im Konfliktmanagement. Und für all dies braucht sie eine überdurchschnittliche Kreativität. Sie muss teamfähig sein und ihre Mitarbeiter motivieren können, auch Dinge zu tun, die ihnen keinen Spass machen und dabei soll sie ihnen so oft wie möglich die Chance bieten, ihre eigenen Erfahrungen und ihr Wissen einzubringen, oder etwas weniger geschwollen gesagt: Sie sollen zeigen dürfen, was sie können. Und die Führungskraft muss dafür sorgen, dass die Mitarbeiter sich entfalten und entwickeln können. Bei all dem hat sie dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter das Vertrauen in sie nicht verlieren.

Das Elaborat umfasst 55 Seiten Text, zahlreiche Wiederholungsaufgaben sowie einen umfangreichen Anhang. Ich finde, man hätte das Ganze in einem Satz schreiben können: „Die Führungskraft von morgen muss eine erfahrene Mutter und Hausfrau sein.“ Punkt. Ende.

Gewissensbisse

Welche Mutter kennt sie nicht, die Gewissensbisse, wenn sie zur Arbeit geht. Da mag sie noch so sehr wissen, dass ihr die Arbeit ausser Hauses guttut, sie mag noch so froh sein um den Verdienst, welcher der Familie über die Runden hilft, sie mag sich noch so sicher sein, dass ihr Nachwuchs während ihrer Abwesenheit in guten Händen ist. Irgendwo, tief in ihr steckt sie dennoch, die Übermutter, die ihr einredet, dass sie eine Rabenmutter ist, weil sie ihre Brut zu Hause sitzen lässt. Das Bild der perfekten Mama, die den lieben langen Tag nichts anderes tut, als ihren Nachwuchs auf Händen zu tragen, hat sich fest in die Köpfe eingebrannt, obschon es wohl noch nie in der Geschichte der Menschheit der Wirklichkeit entsprochen hat. Man könnte fast sagen, dass eine Mama erst dann eine richtige Mama ist, wenn sie Gewissensbisse mit sich herumschleppt.

Bei mir ist es lange her, seitdem ich diese Gewissensbisse zuletzt empfunden habe. Nachdem ich vor zwei Jahren meinen letzten Job gekündigt hatte, um mir einen Besseren zu suchen, durchkreuzte das Prinzchen meine Pläne und dann war’s vorerst vorbei mit auswärts arbeiten. Doch weil ich es nicht lange ausgehalten habe ohne die Gewissensbisse und Selbstvorwürfe, habe ich schnell dafür gesorgt, dass ich mich wieder schuldig fühlen kann. Ich habe mir flugs neue Arbeit besorgt, die ich von zu Hause aus erledigen kann. Damit ich wieder eine richtige Mama sein konnte, eine, die sich viele Vorwürfe machen kann. Und weil ein schlechtes Gewissen nur dann so richtig Spass macht, wenn es von Tag zu Tag schlimmer wird, habe ich mich dafür eingesetzt, dass meine Arbeit vorerst einmal unbezahlt ist. So kann ich mir gleich zwei Vorwürfe machen: Ich nehme meinen Kindern kostbare Zeit und Aufmerksamkeit weg und bringe damit nicht mal ein Einkommen zustande, welches ich dazu einsetzen könnte, meinen Kindern schöne Sachen zu kaufen, die sie über meine geschlossene Bürotür hinwegtrösten. Zwei Gewissensbisse zum Preis von einem, sowas lieben wir Mütter.

Seit einiger Zeit nun nun erlebe ich gar dreifachen Genuss: Ich lasse meine Kinder teilweise zu Hause fremdbetreuen, verdiene dabei keinen roten Rappen und gebe erst noch Geld für die hausinterne Kinderbetreuung aus. Mit so wenig Aufwand so viele Gewissensbisse. Das muss mir erst mal jemand nachmachen!

Manchmal muss man eben kreativ sein, wenn man eine richtige Mama sein will.

Wieder mal die Hausarbeit

Ob ich die Situation nicht jeweils ein wenig überzeichnen würde, wenn ich über meinen Hausfrauenfrust berichte, wurde ich heute gefragt. Die Fragende meinte das nicht etwa kritisierend oder anklagend, es nahm sie einfach wunder, ob ich tatsächlich so empfinde, wie ich schreibe. Ich nehme ihr also die Frage nicht im Geringsten übel. Und darum hat mich das Thema wohl auch den ganzen Tag beschäftigt, schlich sich immer wieder in meine Gedanken ein. Zwischen „Tiernamen auf meiner Stirn erraten“ (ich war abwechslungsweise eine Schleiereule, ein Wanderfalke, ein Baumfalke und eine Legehenne), Fondue-Resten aufwärmen, der NZZ-Lektüre über die Wander-Ehen der Mosuo-Frauen und dem Wäschesortieren, immer wieder tauchte die Frage auf: Übertreibe ich, wenn ich darüber schreibe, wie sehr mir die Hausarbeit an die Nieren geht? Ist es wirklich so schlimm, oder bilde ich mir meine Abscheu bloss ein? Eigentlich gibt es keinen besseren Tag als heute, um über diese Fragen nachzusinnen. Denn morgen sind die Winterferien von „Meinem“ Geschichte und dann geht’s wieder zurück an den Herd. Vollzeit. Da muss ich mir nur die Gefühle genauer anschauen, die mich beim Gedanken an morgen beschleichen und ich weiss die Antwort: Ich übertreibe nicht, ich untertreibe.

Denke ich an morgen, dann fühle ich mich ähnlich wie früher, wenn mir eine Mathematikprüfung bevorstand. Ich weiss, dass ich die Sache irgendwie hinter mich bringen muss, ich weiss, dass ich mein Bestes geben werde, dass aber am Ende wieder nicht mehr dabei herausschauen wird als eine ungenügende Leistung. Nun kann man natürlich die Messlatte für genügende Leistungen im Haushalt unterschiedlich anlegen und deswegen wurde ich heute auch gefragt, ob ich denn zu hohe Erwartungen hätte an mich selber. Aber genauso, wie ich von mir in der Mathematik keine Bestnote erwartete, sondern einfach hoffte, dass ich mal ein „Genügend“ erreiche, so versuche ich im Haushalt lediglich das Ganze einigermassen ordentlich und sauber zu halten und dafür zu sorgen, dass wir uns ausgewogen ernähren. Mehr will ich nicht. Höchstleistungen erwarte ich von mir in anderen Bereichen, zum Beispiel in der Kindererziehung oder beim Schreiben einer Kolumne.

Doch während es für mich keine Kunst ist, unseren vier grösseren Kindern eine geschlagene Stunde lang „Immer dieser Michel“ zu erzählen, ohne dass sich auch nur einer von ihnen zu langweilen beginnt, packt mich das nackte Grauen schon beim Gedanken daran, dass der Küchenboden klebrig ist und noch heute geputzt werden muss. Das Ganze wird vielleicht fünf Minuten meiner kostbaren Zeit in Anspruch nehmen und doch lähmt mich der Gedanke daran. Während ich bis tief in die Nacht an einem Text feilen kann, bis ich endlich zufrieden bin mit jedem Wort, kostet es mich unglaublich viel Überwindung, die Vorratskammer aufzuräumen. Es ist nicht etwa so, dass ich einfach nur tun will, was mir Spass macht. Ich mache mich auch ohne mit der Wimper zu zucken daran, schnell mal nebenbei die Steuererklärung auszufüllen, Rechnungen zu bezahlen, Ikea-Möbel zusammenzubauen oder Sitzungsprotokolle zu schreiben. Aber wenn es darum geht, die Wäsche im Schrank zu verstauen, dann schiebe ich die Sache so lange vor mir her wie andere den Besuch beim Zahnarzt. So lange, bis „Meiner“ sich der armen Wäsche annimmt.

Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich gestehen, dass ich Hausarbeit noch schlimmer finde als Mathematik. Bei der Mathematik ahne ich zumindest, dass sie im Grunde eine wunderbare Sache ist, die sich mir  leider trotz all meiner Bemühungen nicht erschliessen wollte. Bei der Hausarbeit aber weiss ich inzwischen, dass sie zu den Dingen in meinem Leben gehört, auf die ich voll und ganz verzichten könnte und zwar ohne, dass ich dabei das Gefühl hätte, etwas, was im Grunde schön sein könnte, zu verpassen.

In den See, mit einem Gewicht an den Füssen

„Machen wir uns doch wieder mal einen gemütlichen Fondue-Abend“, sagte ich heute zu meiner Familie. Man weiss ja nie, wie lange der Winter noch dauert und plötzlich ist es zu warm für geschmolzenen Käse. Ausserdem hatte ich heute keine Lust auf eine komplizierte Kocherei. Also schnell Schwarztee gekocht, „Meinen“ zum Brotschneiden abkommandiert, den Käse bereitgestellt – und festgestellt, dass sowohl der Weisswein als auch die Maisstärke fast leer waren. Macht ja nichts, dachte ich mir und machte mich ans Käseschmelzen. Man kann ja so ein Fondue auch mit Apfelsaft zubereiten. Habe ich als Kind beim „Blauen Kreuz“ gelernt.

Bald schon sass die hungrige Horde am Tisch, doch das Fondue wollte nicht binden. Also schnell Karlsson nach unten zur Grossmama geschickt, um Maisstärke-Nachschub zu holen. Der perfekte Moment für den Zoowärter, um seinen Schwarztee über den ganzen Tisch zu giessen. Zugleich auch der perfekte Moment für das Prinzchen, um aus dem Trip Trap zu stürzen. Und natürlich auch der perfekte Moment für Karlsson, um den Maisstärke-Nachschub auf dem Fussboden zu verschütten. Schon mal Maisstärke aufgeputzt? Ist ein wahres Erlebnis. Muss man unbedingt mal ausprobiert haben. Besonders dann, wenn zwei Elternteile verzweifelt versuchen, ein Prinzchen zu trösten, Schwarztee aufzuwischen, eine heulende Luise, einen heulenden FeuerwehrRitterRömerPiraten und einen heulenden Karlsson zu beruhigen und dazu noch zu verhindern, dass das Fondue anbrennt. Wahrlich gemütlich, dieser Fondue-Abend! So gemütlich, dass mir eine ganz böse Beleidigung über die Lippen rutschte, für die ich mich danach etwa zehnmal entschuldigte. Bis Karlsson mich fragte: „Mama, findest du es schlimm, wenn ich dir sage, dass es gar nicht so schlimm war, was du gesagt hast?“ Hä?

Nun, irgendwie schaffte ich es in all dem Chaos das Fondue mit dem Rest Maisstärke zu binden. Und zwar so sehr, dass es bei uns am Tisch schon bald aussah wie bei „Asterix bei den Schweizern“. Endlose Käsefäden überall. Und natürlich verlangte Luise alsbald nach Stockhieben, weil sie ihr Brot in der zähen Käsesuppe steckengeblieben war. Und bald schon wollte sie die Peitsche. Und dann in den See, mit einem Gewicht an den Füssen. Was wir ihr natürlich alles verweigerten. Wir sind doch keine Barbaren, … ähm, pardon, wollte sagen: Wir sind doch keine Römer. Auch wenn man es zuweilen meinen könnte.

Wenn Mama Venditti offline ist, ….

….. dann gerät sie in Panik. Und zwar heftig. Denn wenn Mama Venditti offline ist, dann ist sie abgeschnitten vom Leben. Kann nicht mal kurz zwischendurch bei Ricardo nach günstigen Inline-Skates für Karlsson stöbern, kann nicht in einer freien Minute die Software für die Steuererklärung runterladen und das lokale Steuerbüro damit beeindrucken, dass sie die Steuererklärung in Rekordzeit abliefert, kann keine Geschenke für all die frisch geborenen Babys im Bekanntenkreis besorgen und hat somit auch keine Ausrede, nach zuckersüssen Babysachen zu stöbern und – das Allerschlimmste – sie kann nicht bloggen. Und das, obschon der Post über die neugeborenen Mütter schon pfannenfertig im Kopf ist.

Schrecklich, kann ich da nur sagen. So schrecklich, dass der ganze Abend ruiniert ist und am Morgen noch vor dem Frühstück und dem Kuscheln mit den Kindern ein langes Telefonat mit der Dame bei Sunrise auf dem Programm steht.  Aber wie man sieht hat’s genützt. Ich bin wieder ein ganzer Mensch.

Und seitdem ich heute Morgen, als die Sunrise-Hotline noch nicht offen war, im Jokers-Katalog gestöbert habe –  und ich meine jetzt in einem echten Katalog, auf Papier gedruckt. Dass es so etwas noch gibt -, seit ich also in diesem Katalog gestöbert habe, weiss ich auch, wie man Mamas nennt, die zu viel Zeit vor dem Computer verbringen: Mousewife.

Was, bitte sehr, ist „zu viel Zeit vor dem Computer“?

Weichgeklopft

Wer mich kennt, weiss, wie sehr ich Besuche beim Coiffeur liebe. So sehr nämlich, dass seit meinem letzten Haarschnitt bald ein Jahr verstrichen ist. Und das sieht man irgendwann. Wenn an den Haarwurzeln braun, dunkelblond und grau wirr durcheinander spriessen, der untere Teil aber noch immer so etwas wie blond ist und alle Haare zusammen so lang sind, dass des Prinzchens Speisereste drin kleben bleiben, dann sehe ich irgendwann aus wie eine langhaarige Vogelscheuche. Eine alternde, langhaarige Vogelscheuche. Und dann findet „Meiner“, es müsse etwas geschehen. Aber ich weiss zu verhindern, dass etwas geschieht: Ich gebe alles Geld, das man für Coiffeurbesuche gebrauchen könnte, so schnell als möglich aus. Weg damit, bevor „Meiner“ auf die Idee kommt, er könnte für mich einen Termin bei Jolanda, Monika oder Manuela vereinbaren. So kann ich dann jedesmal, wenn er auf das leidige Thema zu sprechen kommt, darauf hinweisen, dass wir einfach kein Geld haben für derlei unnützen Kram. Alles schon ausgegeben für eine dringend nötige Schwarzteelieferung, einen Stapel Bücher, Kursmaterial, etc.

So langsam hat „Meiner“ aber genug. Woran ich das merke? Nun, er schöpfte den Kindern, den Gästen und sich selber den Teller voller Essen und liess mich leer ausgehen. Und das nicht nur einmal, nein, sogar zweimal. Oder er „vergass“ mir ein Glas hinzustellen. Subtile Nadelstiche, um mir zu zeigen, dass er mich einfach ignorieren würde, wenn ich weiterhin wie eine langhaarige Vogelscheuche daherkäme. Und da ich keine Lust habe, zu verhungern oder zu verdursten, habe ich ihm schliesslich erlaubt, meine Haare zu schneiden. Da es wie erwähnt in unserem monatlichen Budget gerade keinen Spielraum für einen Besuch bei Jolanda, Monika oder Manuela gibt. Und so hat eben „Meiner“ Hand angelegt. Jetzt sehe ich nicht mehr aus wie eine langhaarige Vogelscheuche, sondern wie eine schulterlanghaarige. Mal sehen, ob ich jetzt wieder etwas zu Essen bekomme, oder ob „Meiner“ auch noch drauf besteht, dass ich mir die verbliebenen Haare töne, bevor er mich wieder füttert.