Früher, als es noch in war, dass frau leidenschaftliche Mutter und Hausfrau war, da war es ja so: Jede Hausfrau wusste, wie „man“ die Dinge macht. Jede wusste, was die andere „falsch“ macht. Jede sah auf diejenigen herab, die nicht so perfekt waren. Da kam es zum Beispiel vor, dass eine Hausfrau am falschen Tag grosse Wäsche machte, oder dass eine nicht fähig war, das erforderliche Repertoire an Kochrezepten zu beherrschen, oder dass sich eine Frau erlaubte, nicht auf die richtige Art das Haus sauber zu halten. Und mit all dem machte sie sich zu einem äusserst fragwürdigen Individuum, auf das man getrost herabschauen konnte.
Bis auf einige Ausnahmen sind diese Zeiten zum Glück vorbei. Aber weil Frauen offenbar nicht sein können ohne die leidigen Vergleiche, haben sie einen neuen Tick ersonnen, der auf dem gleichen Muster basiert, aber Auswirkungen in die gegenseitige Richtung hat. Jetzt wird nicht mehr auf angeblich fehlerhafte Hausfrauen herabgeschaut, jetzt hebt man angeblich perfekte Mütter und Hausfrauen aufs Podest und suhlt sich im Frust über das eigene Versagen. Da kommt es dann vor, dass frau Sätze wie diesen zu hören bekommt: „Du hast ja immer alles im Griff. Bei dir kommt es bestimmt nicht vor, dass du einen Termin vergisst.“ Oder: „Ich wünschte, ich könnte so ruhig bleiben wie du. Ich selber verliere so schnell die Nerven.“ Oder: „Für dich ist das ja keine Sache, du schaffst ja ohnehin alles mit Links.“ Je mehr Kinder man hat, umso öfter bekommt man solche Sätze zu hören.
Wie, ich suche mal wieder das Haar in der Suppe? Was ich bloss an diesen „netten Komplimenten“ auszusetzen habe? Nun, wenn ich ehrlich bin, ziemlich viel. Erstens einmal nerven mich diese ewigen Vergleiche an sich. Ob man nun den anderen runtermacht oder ihn aufs Podest hebt. Jeder lebt sein ganz eigenes Leben, da sind solche Vergleiche doch einfach sinnlos. Zweitens werden solche Aussagen oft dazu missbraucht, die Arbeit an jemand anderen abzuschieben. Was so nett klingt, heisst eigentlich mit anderen Worten: „Ich bin unfähig, das Geforderte zu leisten, ich bin ja nicht perfekt. Aber du bist eine Power-Frau, für dich ist das alles kein Problem. Also kannst du die Sache erledigen.“ Drittens spricht man einer Person, die man aufs Podest gehoben hat, jegliches Recht auf Schwäche ab. Da mag die „Power-Frau“ noch so laut schreien und sagen, dass es jetzt reicht. Da mag sie noch so oft beteuern, dass ihr das alles zuviel wird und dass sie auch nur ein Mensch ist. Es wird ihr nicht geglaubt. Die Power-Frau soll gefälligst ihrem Image gerecht werden, auch wenn sie es sich nicht selbst zugelegt hat.
Und bald schon ist die vermeintliche Power-Frau sehr sehr einsam, weil sie niemandem ihr Herz ausschütten kann, ohne zu hören zu bekommen, für sie sei doch das alles kein Problem, sie schaffe ja alles mit links. Und so ist man wieder am gleichen Punkt, wie damals, als es noch das Ideal der perfekten Hausfrau gab: Man sieht nicht die Person, sondern das Ideal, das es zu erfüllen gilt. Und das ist und bleibt ungesund, auch dann, wenn die Ideale sich gewandelt haben.









