Wieder mal die Hausarbeit

Ob ich die Situation nicht jeweils ein wenig überzeichnen würde, wenn ich über meinen Hausfrauenfrust berichte, wurde ich heute gefragt. Die Fragende meinte das nicht etwa kritisierend oder anklagend, es nahm sie einfach wunder, ob ich tatsächlich so empfinde, wie ich schreibe. Ich nehme ihr also die Frage nicht im Geringsten übel. Und darum hat mich das Thema wohl auch den ganzen Tag beschäftigt, schlich sich immer wieder in meine Gedanken ein. Zwischen „Tiernamen auf meiner Stirn erraten“ (ich war abwechslungsweise eine Schleiereule, ein Wanderfalke, ein Baumfalke und eine Legehenne), Fondue-Resten aufwärmen, der NZZ-Lektüre über die Wander-Ehen der Mosuo-Frauen und dem Wäschesortieren, immer wieder tauchte die Frage auf: Übertreibe ich, wenn ich darüber schreibe, wie sehr mir die Hausarbeit an die Nieren geht? Ist es wirklich so schlimm, oder bilde ich mir meine Abscheu bloss ein? Eigentlich gibt es keinen besseren Tag als heute, um über diese Fragen nachzusinnen. Denn morgen sind die Winterferien von „Meinem“ Geschichte und dann geht’s wieder zurück an den Herd. Vollzeit. Da muss ich mir nur die Gefühle genauer anschauen, die mich beim Gedanken an morgen beschleichen und ich weiss die Antwort: Ich übertreibe nicht, ich untertreibe.

Denke ich an morgen, dann fühle ich mich ähnlich wie früher, wenn mir eine Mathematikprüfung bevorstand. Ich weiss, dass ich die Sache irgendwie hinter mich bringen muss, ich weiss, dass ich mein Bestes geben werde, dass aber am Ende wieder nicht mehr dabei herausschauen wird als eine ungenügende Leistung. Nun kann man natürlich die Messlatte für genügende Leistungen im Haushalt unterschiedlich anlegen und deswegen wurde ich heute auch gefragt, ob ich denn zu hohe Erwartungen hätte an mich selber. Aber genauso, wie ich von mir in der Mathematik keine Bestnote erwartete, sondern einfach hoffte, dass ich mal ein „Genügend“ erreiche, so versuche ich im Haushalt lediglich das Ganze einigermassen ordentlich und sauber zu halten und dafür zu sorgen, dass wir uns ausgewogen ernähren. Mehr will ich nicht. Höchstleistungen erwarte ich von mir in anderen Bereichen, zum Beispiel in der Kindererziehung oder beim Schreiben einer Kolumne.

Doch während es für mich keine Kunst ist, unseren vier grösseren Kindern eine geschlagene Stunde lang „Immer dieser Michel“ zu erzählen, ohne dass sich auch nur einer von ihnen zu langweilen beginnt, packt mich das nackte Grauen schon beim Gedanken daran, dass der Küchenboden klebrig ist und noch heute geputzt werden muss. Das Ganze wird vielleicht fünf Minuten meiner kostbaren Zeit in Anspruch nehmen und doch lähmt mich der Gedanke daran. Während ich bis tief in die Nacht an einem Text feilen kann, bis ich endlich zufrieden bin mit jedem Wort, kostet es mich unglaublich viel Überwindung, die Vorratskammer aufzuräumen. Es ist nicht etwa so, dass ich einfach nur tun will, was mir Spass macht. Ich mache mich auch ohne mit der Wimper zu zucken daran, schnell mal nebenbei die Steuererklärung auszufüllen, Rechnungen zu bezahlen, Ikea-Möbel zusammenzubauen oder Sitzungsprotokolle zu schreiben. Aber wenn es darum geht, die Wäsche im Schrank zu verstauen, dann schiebe ich die Sache so lange vor mir her wie andere den Besuch beim Zahnarzt. So lange, bis „Meiner“ sich der armen Wäsche annimmt.

Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich gestehen, dass ich Hausarbeit noch schlimmer finde als Mathematik. Bei der Mathematik ahne ich zumindest, dass sie im Grunde eine wunderbare Sache ist, die sich mir  leider trotz all meiner Bemühungen nicht erschliessen wollte. Bei der Hausarbeit aber weiss ich inzwischen, dass sie zu den Dingen in meinem Leben gehört, auf die ich voll und ganz verzichten könnte und zwar ohne, dass ich dabei das Gefühl hätte, etwas, was im Grunde schön sein könnte, zu verpassen.

10 Kommentare zu “Wieder mal die Hausarbeit

  1. Wie kann man nur auf die Idee kommen, eine fünffache Mutter würde übertreiben, wenn sie über ihren Hausarbeitsfrust schreibt. Mich packt schon beim Gedanken daran – an die Hausarbeit, meine ich 🙂 – das nackte Grauen. Ich zweifle echt daran, dass ich das auf die Reihe kriegen würde. Mal abgesehen davon, dass dir dabei noch Energie bleibt für deine erstklassige Schreibe!

    • Die Fragende hat das kein bisschen negativ gemeint. Darum hat mich das Thema auch beschäftigt. Wenn nämlich jemand mit negativem Unterton fragt, bringt mich das nicht zum Nachdenken, sondern bloss zum Kochen ;-). Nein, es war eine ganz liebe Freundin, die das gefragt hat und ich nehme ihr das nicht im Geringsten übel.
      Mir wird einfach je länger je mehr bewusst, dass ich zu der Sorte Frauen gehöre, die Hausarbeit nicht als notwendiges Übel annehmen können, sondern die regelrecht daran leiden, dass sie das Zeug erledigen sollten. Wie ich dieses Dilemma lösen soll, ist mir noch ein Rätsel, aber immerhin habe ich ja noch das Schreiben, das mir jeden Tag mindestens eine wichtige Verschnaufpause bietet.

  2. Ich gehöre nun zu denen, die das Ganze als notwendiges Übel betrachten und in Schulnoten betrachtet, lebt mein Haushalt beständig zwischen 4 und 5 mit einer Tendenz zur oberflächlichen 2 sobald sich Besuch ansagt…
    Vielleicht solltest Du auf Dich hören und beschliessen, dass es einfach Dein Ding nicht ist. Dann eine Liste machen von Arbeiten die einmal die Woche gemacht werden müssen und ab-so-lut nicht gehen und Dir dann einen Profi suche, der einmal die Woche kommt. Es gibt nämlich tatsächlich Leute die das mal so eben locker und lässig abarbeiten und in 3 Stunden das schaffen, wofür ich mich deutlich länger quäle – nicht weil ich langsamer will sondern weil ich mich immer wieder motivieren muss…

    Schade dass wir so weit auseinander wohnen, ich würde dann ggf. Steuererklärung gegen Küchenfussboden putzen tauschen 🙂

    • Das wäre ein Deal! Obschon ich nicht weiss, ob ich bei deutschen Steuererklärungen auch so schnell wäre… Euer System soll ja relativ kompliziert sein. In der Schweiz redet man momentan ja ziemlich viel über das Thema Steuern & Deutschland… 😉
      Das mit dem Profi sind wir am Einfädeln, allerdings kostet das ja auch und da müssen wir jetzt eben noch eine bezahlbare Lösung finden.

  3. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Mama bin ich mit Herzblut – aber das mit dem Haushalt ging an mir vorbei. Ich gebe immer meiner Mutter die Schuld, die kann das auch nicht 😉

    Ich würde meinen Kindern gerne meine Wunschvorstellung der Hausfrau vorleben, kämpfe aber ebenfalls schon mit eher einfachen Dingen. Erst recht im Moment.

    Ich/wir suchen noch nach einer Lösung die für alle annehmbar ist (bezahlte Hilfe liegt leider nicht drin).

    Über die Wäsche musste ich lachen – hier stehen seit Dienstag zwei gefaltete Körper voller Wäsche die eigentlich nur in den Schrank müssten 😉

    • Ja, dieses „nur“ in den Schrank ist so eine Sache… 😉 Wir sind auch noch auf der Suche nach einer Lösung. Bin gespannt, auf welche ihr kommt.

      • Also heute hat sie es geschafft 😉 Immerhin *g* Und wir haben ja nur drei verschiedene Schränke und 4 verschiedene Menschen… Wobei das auch schon so war als ich und der Herr Gemahl alleine waren *hmm*

        Ja die Lösung… Kommt Zeit kommt Rat. Oder so.

      • Ich bin zutiefst beeindruckt! Meine Wäsche steht noch immer da und wartet, bis ich endlich nichts Besseres mehr zu tun habe, als sie wegzuräumen…

  4. Hallo

    Ich kann mich deiner Einschätzung nur anschließen. Ich bin auch ein Experte im Hausarbeit aggressiv ignorieren. Mein Haushalt ist nur Dank eines super lieben Au-Pairs im 2er Bereich, sonst wohl auch eher 4er Bereich. Und das liegt nicht(nur) daran, dass ich zwei Kleinkinder und einen Job habe, sondern an meiner generellen Einstellung zu dem Thema. In „dubble income no kids Zeiten“ und „Mama ist den ganzen Tag zu Hause Zeiten“ sah es nicht wirklich besser aus. Eher im Gegenteil, Zeitnot macht mich schnell und ich habe nicht mehr soviel Zeit um Dinge auf die lange Bank zu schieben.

    Aber ich denke auch immer es gibt wichtigeres als gebügelte Unterhosen 😉

    • Gebügelte Unterhosen? Ich hoffe doch sehr, dass sogar die Super-Hausfrauen damit aufgehört haben. Bei mir werden übrigens nicht mal die Hemden gebügelt, wenn nicht „Meiner“ endlich das Bügeleisen in die Finger nimmt. 🙂 Als noch keien Kinder da waren, sah mein Haushalt allerdings noch perfekt aus und zwar ganz einfach deshalb, weil wir kaum Dreck verursachten.

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