Ab in den Tischlerschuppen!

Als Kind konnte ich nie so recht begreifen, was meine Mutter gegen Michel aus Lönneberga hatte. Und gegen Pipi Langstrumpf. Und gegen Karlsson vom Dach. Sind doch wunderbare Geschichten, sagte ich mir, lachte mich bei der Lektüre fast krank und stopfte jedesmal, wenn die Kinder im Buch etwas assen, ein Butterbrot in mich hinein. Was man mir natürlich schon bald einmal ansehen konnte. Denn im Gegensatz zu den Kindern im Buch rannte ich ja zwischen den Mahlzeiten nicht über Wiesen, kletterte nicht auf Bäume und ging schon gar nicht zum See um Krebse zu fangen. Und natürlich wäre es mir nicht im Traum eingefallen, die Kinder nachzuahmen. Dazu war ich viel zu brav. Und viel zu faul.

Noch heute kann ich nicht begreifen, was man gegen Michel, Pipi & Co. haben könnte, doch zuweilen beschleichen mich Zweifel, ob es denn wirklich klug sei, den Kindern täglich mindestens einen von Michels Streichen in voller Länge zu erzählen. Und mit den Kindern mitzulachen. Heute Morgen zum Beispiel waren meine Zweifel mal wieder sehr gross, als der FeuerwehrRitterRömerPirat, kaum war das Treppenhaus fertig geputzt, einen Kessel voller Wasser über das Treppengeländer kippte und zwar mit voller Absicht und breitem Grinsen im Gesicht. Es dauerte nicht lange, bis ich herausbekam, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat zwar der Haupttäter, nicht aber der Alleinschuldige war. Karlsson und Luise hatten ihn bei der Planung tatkräftig unterstützt und nach weiterem Bohren beichteten sie mir, dass sie eigentlich etwas „viel Lustigeres“ im Schilde geführt hatten und dass der FeuerwehrRitterRömerPirat „den ganzen Spass vermasselt“ habe. Der „viel lustigere Streich“ wäre gewesen, dass die drei das Wasser über meinem Kopf ausschütten würden und dann vermutlich voller Genuss auf das berühmte „Blupp“ gewartet hätten. Ob das Wasser im Kessel warm oder kalt war, habe ich gar nicht erst gefragt.

Eigentlich ist es ja nicht verwunderlich, dass die drei auf solche Ideen kommen. Wissen sie doch ganz genau, dass wir keinen Tischlerschuppen haben, in den ich sie sperren könnte, damit sie über ihren Unfug nachdenken und Holzmännchen schnitzen könnten. Auf welche Ideen sie erst kommen würden, wenn sie zu dritt im Tischlerschuppen wären, male ich mir lieber gar nicht erst aus…

Und falls ihr wissen möchtet, wie die „(B)engel zurzeit aussehen, könnt ihr hier meine aktualisierte Bildergalerie anschauen.

8 Gedanken zu “Ab in den Tischlerschuppen!

  1. Hm, den Knigge würde ich jetzt nicht unbedingt empfehlen; du willst dir deine Kinder ja nicht verderben. Aber wie wär’s mit „Mutter ist die Beste?“ Um zukünftigen kalten Duschen vorzubeugen?

  2. Also ich finde diesen Lernerfolg beeindruckend. Wenn das so gut klappt, würde ich die Lektüre unauffällig zu variieren beginnen…

  3. Es war nicht der Tischlerschuppen sondern „Straf-Misten“ im Kuhstall – und ich hab danach nie mehr das Verlangen gehabt, Elternteilen von oben Wasser auf den Kopf zu schütten. 😉

  4. Und, wie war’s danach im Tischlerschuppen? 😉
    Und ja: Auch wenn die Kinder mich mit dem Wasser getroffen hätten, Lindgern wäre noch immer die Grösste!

  5. Hihi, vor etwas mehr als einem Vierteljahrhundert hab ich das Gleiche nach ausführlicher Lindgren-Lektüre auch mal gemacht. Nur: ich hab damals getroffen!

    Und gegen Astrid Lindgren kann man nun wirklich überhaupt nichts haben. Sie hat der Welt wundervollster Kinderbücher geschrieben. 🙂

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