Life Advice aus Mama Vendittis Küche

Fühlst du dich irgendwie unzufrieden? Fällt es dir schwer, dich an den kleinen Dingen im Leben zu freuen? Möchtest du endlich wieder so etwas wie ein Erfolgserlebnis haben? Dann habe ich heute eine kleine Übung für dich und die geht so:

  1. Sorge dafür, dass die Wasserversorgung in der Küche den Dienst quittiert. Auf welche Weise du das tust, ist mir eigentlich egal. Hauptsache, es wird wirklich mühsam, die alltäglichen Arbeiten zu erledigen.
  2. Ändere mindestens zwei Wochen lang nichts an diesem Zustand. 
  3. Entschliesse dich dazu, während dieser zwei Wochen möglichst viel einzumachen, komplizierte Gerichte zu kochen oder vielleicht sogar Gäste einzuladen. Du könntest auch den Geschirrspüler ausser Gefecht setzen, um den Lerneffekt der Übung zusätzlich zu steigern. 
  4. Wenn du diesen Zustand so richtig satt hast, sorge dafür, dass er sich noch mindestens drei oder vier Tage länger aufrecht erhalten lässt.
  5. Bring jetzt deine Wasserversorgung dazu, wieder das zu tun, was man von einer Wasserversorgung in westlichen Ländern gemeinhin erwartet. Ich verspreche dir, dass du dich wie neu geboren fühlen wirst. Du wirst wie auf Wolken durch deinen Alltag schweben, immer wieder staunend den Wasserstrahl bewundern, der dein Spülbecken im Nu füllt und alle werden dich fragen, warum du wie ein Honigkuchenpferd grinsend durch die Gegend läufst. 
  6. Falls du den Geschirrspüler ausser Gefecht gesetzt hast: Verzichte noch ein paar Tage ganz bewusst darauf, ihn wieder in Gang zu setzen, um endlich wieder einmal das unbeschreibliche Gefühl von ungetrübter Vorfreude zu erleben. 

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Teenager müsste man sein

„Warum kommt denn plötzlich so wenig Wasser aus dem Hahn?“, fragte eines meiner herzallerliebsten halbwüchsigen Kinder heute, als es sich zu später Stunde noch etwas kochen wollte. 

„Mein liebes Kind“, gab ich zur Antwort, „das ist nun schon seit zwei Wochen so. Hast du dich denn noch nie gefragt, warum Papa und ich seit einiger Zeit in der Badewanne abwaschen?“

„Doch, natürlich, aber ich habe mir dann gedacht, ihr macht das nur, weil es in der Badewanne schneller geht.“

Himmel, wie schafft man es, in diesem Haus zu leben, ohne die Leiden des Küchentrogs wahrzunehmen und das trotz regelmässigem Küchendienst? Und wie um alles in der Welt blendet man das mütterliche Dauergejammer über das Küchenelend* aus? So etwas schafft nur ein Teenager, der vor lauter Snapchat bloss noch am Rande mitkriegt, womit sich der Rest der Familie den lieben langen Tag so rumschlägt.

Glückliche Teenager…

 

* Ach, wo wir schon beim Küchenelend sind: „Meiner“ hat für einmal seine Nettigkeit in den Schrank gesperrt und die Leute, die uns das schadhafte Kühlgerät verkauft haben, so lange genervt, bis sie sich bereit erklärt haben, uns den vollen Verkaufspreis zu erstatten und das Monstrum aus unserer Küche zu entfernen. Vielleicht kommen doch wieder bessere Zeiten…

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Der Spass geht weiter

Letzte Woche, als man mir mitteilte, der Kühlschrank werde frühestens in sieben Tagen repariert, glaubte ich noch, die Talsohle sei erreicht. Ab jetzt könne es nur noch besser werden, dachte ich. Natürlich irrte ich…

Die Leitung, die für fliessendes Wasser in der Küche sorgen müsste, fühlte sich offenbar vernachlässigt. „Alle haben ihren Spass“, brummte sie. „Der Kühlschrank zwingt die Familie dazu, ihre Unmengen an Lebensmitteln in zwei alte, kleine Kühlgeräte zu stopfen, nur damit er neue Ersatzteile bekommt. Der Kochherd heizt nur noch, wenn er gerade Lust dazu hat. Der Geschirrspüler tut so, als hätte er einen totalen Zusammenbruch erlitten und die Kaffeemaschine lässt nur noch hie und da ein paar Tröpfchen aus sich herauspressen. Soll ich wirklich die einzige Dumme sein, die in dieser Küche noch ihrer Arbeit nachgeht?“

So oder so ähnlich muss sie zu sich selber gesprochen haben, die Wasserleitung. Natürlich nur ganz leise, denn sie wollte uns ja überraschen mit ihrer Idee, wie sich unser Alltagsleben noch etwas umständlicher gestalten liesse. Das mit der Überraschung ist ihr gelungen. Am Samstagmorgen teilte sie uns voller Stolz mit, sie habe sich für den nationalen Wettbewerb im Langsamfliessen qualifiziert. Sie, die ohnehin nie die Schnellste war, schafft jetzt den Liter Kaltwasser in 1 Minute und 22 Sekunden, den Liter Warmwasser gar in 1 Minute und 29 Sekunden. Wenn das keine rekordverdächtige Langsamkeit ist… Und sie hat sogar die Möglichkeit, ihr Resultat noch zu verbessern, denn  der nette Herr, der mal alles gründlich durchspülen soll, hat erst Mitte September Zeit, zu uns zu kommen.

Anstatt darob in Trübsal zu versinken, haben „Meiner“ und ich beschlossen, ebenfalls eine neue Herausforderung anzunehmen: Wir feilen jetzt an der perfekten Technik, das Geschirr in der Badewanne zu spülen, ohne einen Rückenschaden zu bekommen.

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Handwerker im Haus

Kaum habe ich mich zum Arbeiten hingesetzt, der Ruf im Treppenhaus: „Frou Vendittis, kommen sie schnell in den Heizungskeller. Ich muss Ihnen etwas zeigen.“ Dann unten, im Heizungskeller: „Sehen Sie hier, Frou Vendittis, das hier geht gar nicht. 94 Grad auf dem Dach und hier unten nur 55 Grad. Und bei diesem Rohr hier fehlt das Ventil. Und eigentlich hätte man das Ganze genau umgekehrt einrichten müssen. So geht das doch nicht! Die Leute haben gepfuscht. Haben Ihnen einen überteuerten Mist verkauft. So geht das wirklich gar nicht, Frou Vendittis. Und hier drüben, diese grüne Lampe, die müsste nie blinken, schon gar nicht bei diesem Wetter. Da hätte man schon längst etwas unternehmen müssen. Ist Ihnen das nie aufgefallen, Frou Vendittis?“

Nein, natürlich ist Frou Vendittis nichts von alldem aufgefallen, denn dort, wo er eine ganze Welt von Zusammenhängen sieht, sieht sie nur einen blauen Kasten mit zwei oder drei Zeigern, einigen Rohren und grün blinkenden Lämpchen. Dass grün blinkende Lämpchen ein Warnsignal sein können, hat sie noch nie gehört, dass sich gewisse seit Jahren bestehende Probleme mit ein paar geschickten Handgriffen beheben liessen, wäre ihr nie eingefallen.

Deshalb ist sie auch so froh, endlich mal einen Handwerker im Haus zu haben, der den ganzen Kram nicht nur versteht, sondern der zudem ein durch und durch anständiger Mensch zu sein scheint. Und darum verzeiht sie ihm, dass er, kaum hat sie sich zurück an den Computer gesetzt, schon wieder ruft: „Frou Vendittis, das müssen Sie sich ansehen…“

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Beziehungsarbeit

Es ist doch stets das gleiche Lied: Eines deiner Haushaltgeräte fängt eines Tages an zu rebellieren. Anstatt stillschweigend seine Pflicht zu tun, führt es sich auf einmal ungebührlich auf, erledigt seine Arbeit schlampig und droht dir gar mit Streik, wenn sich nicht bald etwas ändert. Du versuchst, das störrische Ding mit besonders viel Zuneigung wieder zurück auf den Pfad der Tugend zu bringen, doch das hilft meistens wenig und wenn du nicht willst, dass es zum endgültigen Bruch zwischen dir und dem Gerät kommt, bleibt dir am Ende nichts anderes übrig, als einen Experten ins Haus zu holen, der eure Beziehung wieder kittet. Wortreich klagst du dem Herrn erst am Telefon, dann von Angesicht zu Angesicht dein Leid, du erklärst ihm, wie du alles in deiner Macht stehende unternommen hast, um dein Haushaltgerät zur Raison zu bringen und natürlich lässt du deutlich durchblicken, dass es nicht deine Schuld ist, dass das Verhältnis derart zerrüttet ist.

Ja, und was tut er dann, der Herr Experte? Bläst er dem störrischen Geschirrspüler, Backofen oder was auch immer es ist, mal gehörig den Marsch? Sagt er ihm klar und deutlich, dass es so nicht weitergehen kann? Aber nicht doch! Er beugt sich lieber mit sorgenvollem Blick zu dem bockigen Ding herab, streichelt ihm sanft über sämtliche Ecken und Kanten und murmelt dabei: „Ja, was hast du denn, meine arme kleine Zuckerschnecke? War die Mama wieder böse zu dir?“ Von nun an bist du Luft für den Experten, er hat nur noch Ohren für das, was dein Gerät zu sagen hat und am Ende heisst es dann, wenn du besser hingehört hättest, mehr Mitgefühl gezeigt hättest, mehr in die Beziehung investiert hättest, dann wäre es nie soweit gekommen. Vielleicht liesse sich noch etwas retten, aber nur, wenn du dich in Zukunft ändern würdest.

Weil es doch immer so läuft, fürchtete ich mich heute früh fast ein wenig vor dem Besuch des Experten, der sich angekündigt hatte, um zu sehen, ob die Beziehung zu unserem unfolgsamen Kühlgerät noch zu retten ist. Am Ende würde er doch wieder mir die ganze Schuld in die Schuhe schieben. Ja, vielleicht würde er gar damit drohen, mir das Sorgerecht für das Gerät zu entziehen…

Nun, für einmal sollte es anders laufen. Anfänglich sah es zwar noch ganz danach aus, als wolle der Herr mir weismachen, da bestünde gar kein Konflikt zwischen mir und dem Kühlschrank, doch ziemlich bald musste er erkennen, dass ich nicht ohne Grund gejammert hatte. Es sei ja wirklich eine Schande, wie verweichlicht diese Geräte heutzutage seien, meinte er. Die Hersteller würden zwar eine Lebensdauer von mindestens zehn Jahren versprechen, aber das gelte ja nur für Haushalte, in denen die faulen Dinger nie einen Finger krumm machen müssten. „Bei Ihnen aber“, sprach er und sah sich in meiner unordentlichen Küche um, „müssen die Geräte eben noch etwas leisten. Sie backen Ihr eigenes Brot, Sie kochen und waschen für eine grosse Familie und bestimmt müssen Sie auch ganz viele Lebensmittel kühlen. Da müsste man sich doch verlassen können auf die Helfer im Haushalt.“ Er schimpfte auf die nichtsnutzigen Dinger, schilderte mir ausführlich, mit welchen Tricks die Hersteller die Beziehungskrise zwischen Besitzer und Gerät programmieren und legte mir ans Herz, mich bei Neuanschaffungen auf gar keinen Fall von überteuertem Klimbim blenden zu lassen, denn das führe fast immer zu bitteren Enttäuschungen.

Als der nette Herr ging, war ich in zweifacher Hinsicht getröstet:

  1. Die vielen zerbrochenen Beziehungen zu Haushaltgeräten waren nicht meine Schuld. Ich bin also gar nicht so beziehungsunfähig, wie andere Monteure mir hatten weis machen wollen.
  2. Die Kluft, die sich zwischen dem Kühlgerät und mir aufgetan hat, weil es nicht leistet, was ich von ihm erwarte, ist überwindbar. Der Experte meint zwar, es brauche noch etwas Geduld von meiner Seite, aber sobald die Ersatzteile eingetroffen seien, werde er dafür sorgen, dass ich wieder neues Vertrauen fassen könne zu dem unzuverlässigen Mistvieh, das uns ausgerechnet mitten im Hochsommer im Stich gelassen hat. (Okay, ich geb’s ja zu. Diese letzten, nicht gerade konstruktiven Worte stammen von mir. Vielleicht muss ich doch auch noch ein wenig an mir selber arbeiten…)

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Wer dient da eigentlich wem?

Das Kühlgerät, das nicht so kühlt, wie man es von ihm erwarten würde, obschon es andauernd vorgibt, es würde brav seine Pflicht erfüllen. Als wäre ich so blöd, ihm zu glauben, dass es ganze 12 Stunden braucht, um ein paar läppische Eiswürfel zu produzieren. (Wir haben es nun mit einer sanften Neupositionierung und der Entfernung aller mikroskopisch kleinen Eiskristalle, die laut Bedienungsanleitung gar nicht existieren dürften, ausprobiert, in der Hoffnung, diesen Sommer wenigstens einmal eisgekühlte Getränke geniessen zu können.)

Das Kochfeld, das seinen Dienst nur mit äusserstem Widerwillen tut und sogar zu faul ist, am Ende der mit mir vereinbarten Kochzeit laut vernehmlich zu piepsen.

Dafür eine Küchenuhr am Backofen, die andauernd hysterisch zu lärmen anfängt, obschon sie noch nie jemand eingestellt hat.

Der Spülkasten, der andauernd demonstrativ rauscht, um uns leise, aber dennoch ungemein penetrant darauf hinzuweisen, dass er wünscht, in den Ruhestand versetzt zu werden.

Die Kaffeemaschine, die trotz aufwändiger Entkalkungsprozedur bloss braun gefärbtes Wasser in die Tassen spuckt und die erst nach viel gutem Zureden endlich tut, wozu sie geschaffen ist.

Das Handykabel, das meinen Akku immer nur dann auflädt, wenn ich es sorgfältig auf eine leicht erhöhte Unterlage gebettet habe, um für den richtigen Knick zu sorgen, damit der Strom fliessen kann. (Nein, ich besitze dieses Kabel nicht seit einer halben Ewigkeit, wir sind gerade mal fünf Wochen miteinander unterwegs.)

Der Pürierstab, der sich in der Cremesuppe müde um die eigene Achse dreht, ohne auch nur den kleinsten Eierschwamm zur Unkenntlichkeit zu verarbeiten. Dabei wäre dies so dringend nötig, denn sonst erkennen die Pilzverächter in der Familie, was da alles in der Suppe schwimmt und essen nichts. 

Der Staubsauger, der nur saugt, wenn man ihm den Dreck vorher in winzige Stückchen teilt, weil er alles andere nicht schlucken mag. Wer da noch an das Märchen von der nie nachlassenden Saugkraft glaubt, ist grenzenlos naiv.

Der Haarföhn, der nur dann Haare trocknet, wenn er dazu in Stimmung ist, der sonst aber keinen Wank tut. 

Und sonst noch ein paar Geräte, die andauernd nach Pflege und Aufmerksamkeit schreien. Zuweilen frage ich mich, ob die wirklich dazu geschaffen sind, uns das Leben zu erleichtern, oder ob wir in Wirklichkeit ihre Sklaven sind.

Wetten, die lachen hämisch über uns, sobald wir am Ende eines Tages, an dem wir uns liebevoll um sie gekümmert haben, vollkommen erschöpft in unseren Betten liegen?

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Auf der Suche nach etwas Dauerhaftem

Es ist vielleicht eine gewagte Behauptung, aber ich würde doch sagen, die Beziehung Mensch-Wallholz habe früher oft ein ganzes Erwachsenenleben lang gehalten. Mit der Aussteuer fing es an, dann folgten vergnügliche Jahre in der Küche und das traurige Ende kam erst, wenn die menschliche Hälfte des Paares das Zeitliche segnete. Nicht selten blieb so ein Wallholz dann noch in der Familie und wurde in Ehren gehalten, bis es eines Tages dann doch den Geist aufgab.

Meine eigene Wallholz-Beziehungsgeschichte ist weitaus wechselhafter. Sie ist geprägt von Brüchen, Unzuverlässigkeit und Beziehungsverweigerung. Frühere Generationen würden, wenn sie von meinem Wallholzverschleiss wüssten, vor Empörung erröten und sagen, ich sei ein Flittchen. Da ich so etwas nicht auf mir sitzen lassen kann, bin ich, nachdem kürzlich wieder eine Beziehung in die Brüche gegangen ist, in mich gegangen und habe mich gefragt, ob es denn wirklich an mir liegt, dass ich mich noch immer nicht fest an ein Wallholz habe binden können. Zwei Vorwürfe muss ich mir dabei machen:

  1. Beim ersten Zerwürfnis lag es tatsächlich an mir. Es war ein traumhaft schönes Stück, rot geäderter Marmor, edle Verarbeitung, schwer und doch flink. Ein Geschenk von einem lieben Menschen. Glaubt mir, ich habe es geliebt mit jeder Faser meiner Bäckerseele, aber Liebe allein reicht leider nicht. Man müsste mit einer solchen Kostbarkeit auch umgehen können, denn Marmor verzeiht keine Fehler. Nun, ich war noch nicht reif genug und so genügte eine kleine Ungeschicklichkeit, um meinem Wallholz, das ja eigentlich gar kein Holz war, ein Ende zu bereiten. Alles, was von dieser Beziehung blieb, waren einige Marmorsplitter und verklärte Erinnerungen.
  2. Zwar habe ich mich nie mit dem Billigsten begnügt, aber ich habe mich doch immer wieder dazu verleiten lassen, zu kaufen, was gerade verfügbar war, anstatt abzuwarten, bis ich dem Richtigen begegnete. Meistens blieb mir ja auch keine Zeit, mich länger umzusehen, da ich nicht bereit war, auf das Backen zu verzichten.

Dies also meine zwei Fehler, alles andere liegt nicht an mir, sondern daran, dass die Hölzer heutzutage zu nichts mehr taugen. Das Zeug ist einfach nicht mehr für eine lebenslange Beziehung gemacht. Klar, die Dinger sehen ganz solide aus, sind meistens recht hübsch anzusehen und prahlen mit beeindruckenden Fähigkeiten. Eine Schwachstelle haben sie aber alle, doch die wird gewöhnlich erst sichtbar, wenn es hart auf hart geht. Du glaubst, alles sei in bester Ordnung und dann plötzlich, bei der hundertsten Portion Plunderteig, brechen sie mir nichts, dir nichts heulend zusammen und wollen nicht mehr weitermachen. Und weil Plunderteig keine schwächlichen Wallhölzer duldet, bis du gezwungen, umgehend für Ersatz zu sorgen.

„Diesmal nicht“, habe ich mir geschworen und mit dem in der Mitte gebrochenen Nudelholz so gut als möglich weitergemacht. „Diesmal muss es etwas Dauerhaftes sein, koste es, was es wolle.“ Kosten wird es, das wurde mir schon beim ersten kurzen Stöbern klar, aber das muss jetzt einfach sein. Ich bin es leid, mich immer und immer wieder auf ein neues Wallholz einzulassen und darum kommt mir erst ein Ersatz ins Haus, wenn es das Richtige ist.

Ach, und kommt mir jetzt bitte nicht mit diesen italienischen Hölzern ohne Griff. Mit denen komme ich gar nicht klar.

Und noch etwas: Zum Glück gehöre ich nicht zu der Sorte Frauen, die mit dem Wallholz Einbrecher abwehrt. Hätte mich ja ganz schrecklich blamiert, wenn so ein Memmenholz gleich beim ersten Schlag heulend zusammengebrochen wäre.

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Fitnessprogramm

Einen 40-Liter-Sack Erde auf die linke Schulter hieven, 30 Schritte gehen, Sack abladen und 30 Schritte zurückgehen.

Einen 40-Liter-Sack Erde auf die rechte Schulter hieven, 30 Schritte gehen, Sack abladen und 30 Schritte zurückgehen.

Diese Übung 27 mal wiederholen.

Fünf Minuten Pause am Steuer.

Die oben beschriebene Übung wiederholen, diesmal aber nur mit 26 Schritten, dafür mit einer Stufe als kleine Erschwernis. 

Hüftbreit stehen, Sack hochhieven und kippen, Inhalt mit kreisenden Handbewegungen gut verteilen. 

Diese Übung ebenfalls 27 mal wiederholen.

Zur Auflockerung ein paar Tomatenpflanzen in die Erde setzen.

Mit jeder Hand eine leere Giesskanne greifen, 60 Schritte gehen, Giesskannen auffüllen und 60 Schritte zurückgehen.

Diese Übung wiederholen, bis die Tomatenpflanzen zufrieden sind. 

Mittagspause, angereichert mit Brotteig kneten und Geschirr abwaschen. 

Nach der Pause die ersten beiden Übungen noch einmal durchführen, diesmal jedoch nur fünf Wiederholungen, dafür mit 50-Liter-Säcken.

Übung drei ebenfalls erneut durchführen, insgesamt 15 Mal, denn inzwischen hat ein anderer Fitnessfanatiker weitere Säcke angeliefert. 

Zum krönenden Abschluss drei Auberginen und mehrere Peperoni einpflanzen und dabei die missbilligenden Blicke der Tomaten, die noch auf einen festen Platz in einem weiteren Beet warten, geflissentlich ignorieren. 

Solange da noch Tomatenpflanzen sind, die auf einen Platz warten – und der Geschirrspüler streikt und die Kinder auf hausgemachtes Brot stehen – ist Bewegungsmangel für einmal kein Thema bei mir. Fitness macht eindeutig mehr Spass, wenn da kein gestrenger Turnlehrer ist, der einen antreibt. (Obschon die Tomatenpflanzen nicht weniger fordernd auftreten…)

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Flüchtiges Hochgefühl

Für alle, die noch heute gelb vor Neid sind, weil ich gestern Zeugin eines einzigartigen kosmischen Phänomens sein durfte: Wenn ein grosser Wunsch in Erfüllung geht, folgt darauf meist eine abgrundtiefe Leere. Irgend etwas fehlt einfach, wenn man, nachdem die Setzlinge im Garten versorgt und die Briefe aus dem Briefkasten geholt sind, auf dem Rückweg in die Wohnung nicht noch schnell bei der Wäsche vorbeischauen darf. Wenn nichts Nasses in der Maschine ist, nichts Schmutziges auf dem Fussboden und nichts Trockenes auf der Leine, fühlt man sich einfach irgendwie seines Lebensinns beraubt.

Ich weiss, ihr, die ihr noch nie eine totale Wäschefinsternis erlebt habt, könnt euch das nicht vorstellen, aber so ist es wahrhaftig. Und so beruhigt es mich, dass es bei uns heute wieder so aussieht (Jawohl, so schnell geht das mit den Wäschebegphasen.):

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Seltenes Phänomen

Es gibt kosmische Ereignisse, die von solcher Seltenheit sind, dass die Menschheit einen Moment lang ergriffen den Atem anhält, wenn sie auftreten. Ein solches Schauspiel ereignete sich heute, an diesem ganz gewöhnlichen – wenn auch für die Jahreszeit etwas kühlen – Mittwochvormittag. Obschon das Ereignis bereits am Sonntag seine Schatten vorausgeworfen hat, haben es die Medien leider versäumt, die Weltöffentlichkeit rechtzeitig vorzuwarnen, so dass ich die einzige Augenzeugin der wunderbaren Vorgänge blieb, weshalb es nun meine Aufgabe ist, der Nachwelt davon zu berichten. 

Im Kellergeschoss eines bestimmten Hauses im solothurnischen Schönenwerd herrschte heute zwischen 08:56 und 11:23 eine totale Wäschebergfinsternis. Dieses höchst seltene Phänomen tritt an Orten auf, wo sich üblicherweise ein Wäscheberg erhebt, der sich in seinem Zu- und Abnehmen nur insofern vom Mond unterscheidet, als seine Phasen einem weniger starren Muster folgen. Ähnlich wie beim Mond kommt es auch beim Wäscheberg hin und wieder zu einer totalen Finsternis, allerdings weit seltener. Eine Wäschebergfinsternis zeichnet sich aus durch eine totale Abwesenheit von Schmutzwäsche an dem Ort, an dem sich üblicherweise der Berg erhebt. Diese Finsternis ist so total, dass sich sogar unter Zuhilfenahme der modernsten Messgeräte keine Spur des Gebirges mehr nachweisen lässt. 

Der Anblick dieses Schauspiels ist so erhebend, dass Menschen, die das Privileg haben, ihm beizuwohnen, von unbeschreiblichen Glücksgefühlen erfüllt werden. Manche geraten darob gar in Ekstase und versteigen sich in den Wahn, das ganze Universum sei ein für alle Mal befreit von Schmutzwäsche. Dies hat sich bisher leider stets als Irrtum erwiesen und auch im Kellergeschoss des besagten Hauses deuteten kurz vor Mittag erste Anzeichen auf eine erneute Wäschebergzunahme hin.

Das Glücksgefühl, das ich als einzige Zeugin dieses kosmischen Phänomens empfunden habe, wirkt allerdings noch immer nach, so dass ich derzeit der festen Überzeugung bin, durch eine Haushaltführung, die sich streng nach den Wäschebergphasen richtet, liesse sich ein übermässiges Anwachsen des Gebirges verhindern.

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