Das geht ja noch dümmer…

Bis heute früh war ich der Meinung, ich hätte in den vergangenen 16 Jahren so ziemlich jeden Mist mitgehört und mitgesehen, der für Kinder produziert wird. Klaglos habe ich „Pingu“ über mich ergehen lassen, das dümmliche „Murmeli“ mit seinem beschränkten Grossvater habe ich immer und immer wieder laufen lassen, sogar „Papa Moll“ habe ich zähneknirschend geduldet. Ich habe „Hanni und Nanni“ vorgelesen, obschon jede einzelne Seite eine Qual war, habe „Käpt’n Sharky“ eine Chance gegeben und sogar „Globi“ durfte durchs Kinderzimmer dröhnen. Es ist mir gar gelungen, meinen unbändigen Drang zu unterdrücken, die CD mit Emil Steinbergers fürchterlichem „Michel aus Lönneberga“-Verschnitt zu zerkratzen. Im Kindertheater habe ich abgestandene Scherze über mich ergehen lassen, im Kino bin ich meinen Kindern zuliebe sogar bei „Prinzessin Lilifee“ wach geblieben und weiss darum sehr genau, dass ich nichts verpasst hätte, wenn ich meiner Müdigkeit nachgegeben und tief und fest geschlafen hätte. „Ich kenne alles, mich überrascht nichts mehr“, hätte ich gestern Abend noch aus tiefster Überzeugung verkündet.

Tja, und dann sah ich mich heute Morgen dazu gezwungen, eine ganze Episode „Die Abenteuer von Super Mario Bros.“über mich ergehen zu lassen. 

Dümmer geht scheinbar tatsächlich immer…

Worauf es im Leben ankommt

Er war Inhalt von so manchem „Frau Venditti, wir müssen reden“-Gespräch…

Die eine oder andere Lehrerin fühlte sich durch ihn veranlasst, an den Erziehungsfähigkeiten von „Meinem“ und mir zu zweifeln.

Die praktischen Anforderungen des Schulalltags zwangen ihn beinahe in die Knie. 

Tönten wir bei Elterngesprächen an, er habe wohl deutlich mehr auf dem Kasten, als seine Schulnoten vermuten liessen, wurden wir mitleidig belächelt.

Ich wünschte, seine ehemaligen Lehrerinnen hätten ihn heute sehen können, wie er ergründete, was wahre Nächstenliebe bedeutet, wie wenig der Mensch eigentlich bräuchte, um wahrhaft glücklich zu sein, warum die Welt nicht besser wird, wenn wir alle immer mehr besitzen wollen und weshalb es in seinen Augen ökologisch fragwürdig ist, ein anderes Transportmittel als die eigenen Füsse zu benützen. 

Die Pädagoginnen, die in ihm stets nur den störrischen, schweigsamen Jungen mit der schlechten Handschrift und dem nicht ganz sauberen Pullover gesehen haben, hätten ihn wohl kaum wieder erkannt, wie er mir lückenlos und ausgesprochen wortgewandt seine Überzeugungen darlegte. Aber vielleicht hätten sie ihm auch gar nicht zugehört, denn vermutlich war sein Pullover auch heute nicht ganz sauber und natürlich war er mehr oder weniger ungekämmt. Und das ist es ja, worauf es im Leben ankommt und nicht etwa die Frage, die ihn so antreibt, nämlich, wie man verhindern könnte, dass die Welt gänzlich vor die Hunde geht.

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Bloss weil ich Mutter bin…

… brauchen mir gebildete Menschen nicht zu erklären, was „intrinsische Motivation“ bedeutet, denn Mutterschaft und Allgemeinwissen schliessen einander nicht gegenseitig aus.

… und ich täglich mehrmals den Geschirrspüler fülle, regelmässig mit dem Putzlappen in der Hand anzutreffen bin und gezwungenermassen öfters mal mit Wäsche beschäftigt bin, kann man nicht automatisch davon ausgehen, dass ich mich auch intensiv mit diesen Dingen auseinandersetze und jederzeit in der Lage wäre, einen spannenden Artikel über die perfekte Haushaltführung zu verfassen.

… lohnt sich die Mühe wirklich nicht, mir am Telefon eine Familienzeitschrift „mit vielen tollen Basteltipps“ aufschwatzen zu wollen, denn ich erachte es nicht als meine heilige Pflicht, mit den Kindern zu basteln. 

… kann man nicht einfach davon ausgehen, dass ich zu jeder Tageszeit problemlos alles stehen und liegen lassen kann, um eines meiner Kinder zu einem (Zahn-)Arzttermin zu karren.

Und doch erlebe ich solche Dinge immer und immer und immer und immer wieder.

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Deutlich überschätzt

„Wenn Mama krank ist, steht das ganze Familienleben still.“ – Unzählige Male habe ich diesen Satz in den vergangenen Wochen zu hören bekommen und jedes Mal war ich zu müde, um zu widersprechen. Dabei ist es doch ganz klar: Das einzige, was stehen bleibt, wenn Mama krank ist, ist die Mama selbst, alles andere dreht sich in dem gleichen irren Tempo weiter wie immer. Nun gut, die Kinder sind etwas hilfsbereiter als üblich und vielleicht lässt du ein paar Dinge etwas länger liegen als sonst, aber im Grossen und Ganzen geht alles seinen gewohnten Gang und ich muss leider sagen, dass die Macht von uns Müttern deutlich überschätzt wird. Hätten wir die Superkraft, mit ein paar Viren den ganzen Alltagsirrsinn anzuhalten, lägen wir viel öfter krank im Bett. 

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Und sie mögen sich doch…

Im Winter, wenn es draussen garstig und kalt ist…

… und wir aufgrund unseres ausgeprägten Hanges zum Stubenhockertum dazu gezwungen sind, viel dichter aufeinander zu sitzen, als es uns allen gut tun kann,…

…eine Serie von Feiertagen die Kinder daran hindert, sich mit denen zu treffen, die sie sich als Weggefährten ausgesucht haben und sie stattdessen darauf angewiesen sind, dass diejenigen, die ihnen von Geburt an gegeben sind, bei dem mitspielen, was sie gerade unbedingt spielen wollen,…

…das Nervenkostüm derjenigen, die nicht mehr krank, aber auch noch nicht ganz gesund sind, ausgesprochen dünn ist,…

…und ich immer öfter Sätze wie „Wollt ihr denn einander noch die Butter vom Brot vergönnen?“ oder „Himmel, lass deinen Bruder am Leben!“ von mir gebe,…

dann zweifle ich zuweilen daran, ob es so etwas wie Liebe unter Geschwistern überhaupt gibt.

Doch just dann kommt einer daher, der mit sanfter Stimme verkündet, er werde sich heute vorwiegend im Kinderzimmer aufhalten, denn er wolle sich um seinen kranken Bruder kümmern. Wenn er dann tatsächlich mehrmals am Tag frischen Tee kocht, eine warme Decke besorgt und uns fragen kommt, ob wir nicht vielleicht ein Medikament hätten, der Arme hätte solche Schmerzen, dann weiss ich wieder, dass sie eben doch füreinander da sind, wenn sie einander brauchen.

Und das ist ja eigentlich das, was zählt, nicht wahr?

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Wenn „Meiner “ und ich das Mass verlieren

Irgendwann im letzten Herbst…

Kellner: „Was darf’s denn sein für Sie?“

Ich: „Gar nicht so leicht, sich zu entscheiden bei dieser Vielfalt, aber ich denke, zum Einstieg nehme ich diese grippeartige Sache mit Husten und Heiserkeit.“

Kellner: „Eine vorzügliche Wahl. Sie werden es nicht bereuen. Was darf ich Ihnen als nächstes bringen?“

Ich: „Nun, ich kann mich nicht so recht entscheiden zwischen dem Streptokokken-Bouquet und dem Norovirus-Arrangement. Was würden Sie denn empfehlen?“

Kellner: „Ich kann in der Küche fragen, ob es eine Möglichkeit gibt, die beiden zu kombinieren. Unser Chefkoch ist bestimmt gerne bereit, das Streptokokken-Bouquet mit einem Hauch von Noroviren zu verfeinern.“

Ich: „Das klingt wunderbar. Aber die Noroviren nur ganz dezent, wenn ich bitten darf.“

Kellner: „Nur ein Hauch, versprochen. Sie werden kaum etwas davon spüren. Nur gerade soviel, um die Nebenwirkungen der Antibiotika zu akzentuieren. Haben Sie sonst noch einen Wunsch?“

Ich: „Nein, ich denke, das ist alles für mich.“

Kellner: „Was darf es für den Herrn sein? Das gleiche wie für Ihre Frau?“

„Meiner“: „Nein, so viel schaffe ich nicht. Ich denke, ich nehme zum Einstieg ebenfalls die grippeartige Sache mit Husten und Heiserkeit, aber bei Streptokokken und Noroviren muss ich passen.“

Kellner: „Kann ich sie nicht mal zu einer kleinen Übelkeit überreden?“

„Meiner“: „Na ja, eine klitzekleine Portion werde ich mir wohl gönnen dürfen. Ich möchte mir bloss den Appetit nicht verderben, denn wie ich sehe, haben Sie auch eine zünftige Grippe auf der Karte und die möchte ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen.“

Kellner: „Schön, eine klitzekleine Übelkeit und danach die Grippe… Dann lassen Sie mich kurz zusammenfassen: Zweimal die grippeartige Sache mit Husten und Heiserkeit, das Streptokokken-Bouquet mit einem Hauch von Noroviren für die Dame, eine klitzekleine Übelkeit für den Herrn und zum Schluss eine zünftige Grippe, ebenfalls für den Herrn.“

Ich: „Wenn ich vielleicht doch noch einen Wunsch anbringen dürfte. Die Erkältung, die der Herr am Nebentisch gerade geniesst, sieht wunderbar aus. Die würde ich mir gerne noch zum Abschluss gönnen. Aber bitte nur eine Miniportion, mehr schaffe ich nicht.“

Kellner: „Ich sehe, Sie sind eine wahre Geniesserin. Darf ich Sie zu unserer einmaligen Erkältung/Grippe-Kombination überreden? Die beginnt mit kräftigen Hustenanfällen und geht dann allmählich über in Fieber und Gliederschmerzen.“

Ich: „Na ja, finden Sie das nicht ein wenig übertrieben? Der Hauptgang ist ja schon ziemlich üppig…“

Kellner (zwinkert mir verschwörerisch zu): „Keine Angst, ich verrate niemanden, dass das alles für Sie ist.“

So lief das, damals im Herbst und seither sind wir fast pausenlos am Geniessen, „Meiner“ und ich. Und da wir mehr als genug bestellt haben, bekommen auch unsere Kinder hin und wieder einen Bissen ab. 

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Familienträume

Solange du noch keine Kinder hast, stellst du dir das Familienleben ja irgendwie so vor: Am Morgen sitzt ihr alle zusammen friedlich am Tisch,trinkt frisch gepressten Orangensaft und esst dazu vollwertiges, hausgemachtes Müesli. (Ich glaube mich zu erinnern, dass in meiner Fantasiefamilie oft auch frische Waffeln, Scones oder Blaubeermuffins auf den Tisch kamen. So wie bei meiner amerikanischen Gastfamilie. Aber damals war mir noch nicht bewusst, dass meine Gastmutter nie Mittagessen kochen musste, weil die Töchter in der Schule assen. Und auch kein Abendessen. Das erledigte die Mikrowelle für sie.) Ihr unterhaltet euch ein wenig über den Tag und was ihr von ihm erwartet, räumt gemeinsam den Tisch ab und verlasst dann einer nach dem anderen geputzt und gestriegelt das Haus, währenddem sich die Küche auf magische Weise selber aufräumt. Die Kinder gehen zur Schule, wo sie brav sind, fleissig mitmachen und glänzende Noten schreiben, damit sie dereinst in der Lage sind, aller Welt zu zeigen, dass sie Gottes Geschenk an die Menschheit sind. Die Eltern verdienen derweilen ungestört das Geld, das ihr braucht, um in Frieden und Eintracht miteinander zu leben. Mittags und abends kommt ihr dann wieder in eurer selbstreinigenden Wohnung zusammen, um das Familienleben zu geniessen.

Tja, und dann wachst du eines Tages in einer Realität auf, in der ein guter Tag dadurch gekennzeichnet ist, dass keiner sich weigert, eine saubere Unterhose anzuziehen, du von niemandem zur Schnecke gemacht wist, weil seine längst überfälligen Hausaufgaben nicht mehr auffindbar sind und niemand an einer ominösen Übelkeit leidet, die „Deinen“ und dich darüber diskutieren lässt, wer von euch beiden heute Abstriche bei der Arbeit macht. So gesehen hatten wir vorgestern einen ausgesprochen harmonischen Start in den Tag. 

Das Theater ging erst am Mittag los, als einer sich mit der unsäglichen Forderung konfrontiert sah, nach dem Essen einen sauberen Pullover anzuziehen.

Elterliches Dilemma

Reissen wir Eltern Witze, wissen sie inzwischen, dass sie wenigstens so tun sollten, als fänden sie uns lustig, weil wir sonst wieder eine Schnute ziehen.

Erteilen wir Aufträge, werden die in der Regel ernst genommen und in – grob geschätzt – 75 Prozent der Fälle auch ausgeführt.

Wenn einer von uns beinahe platzt vor lauter Zorn, dann kuschen sie.

Unsere politischen Ansichten können sie inzwischen fast fehlerfrei nachbeten und mir scheint, die zwei Ältesten seien auf bestem Wege, die Dinge gleich zu sehen wie wir.

Was wir immer und immer wieder gepredigt und vorzuleben versucht haben, wird allmählich in ihrem Handeln sichtbar.

Manchmal lassen sie sich bereitwillig von uns helfen und an ganz guten Tagen sind sie sogar gewillt, einen Rat von uns anzunehmen.

Fühlen sie sich von uns schlecht behandelt, dann bringen sie das auf den Tisch. Nicht immer so freundlich und nett, wie wir uns das wünschen würden, aber doch so offen und ehrlich, dass wir es in der Regel annehmen können, nachdem wir ein paar mal leer geschluckt haben. 

Es soll sogar vorkommen, dass sie hinter unserem Rücken gut über uns reden.

Man könnte also durchaus sagen, sie würden auf uns hören und uns ernst nehmen.

Sagen wir jedoch zu einem von ihnen: „Kind, in diesem Bereich hast du wirklich Talent. Das macht dir so schnell keiner nach. Du dürfest durchaus mutiger sein und zweigen, was du drauf hast“, kommt nur ein verständnisloses „Ach, das sagt ihr jetzt nur, weil ich euer Kind bin und ihr mich einfach toll finden müsst“ zurück. Und dann wird sofort das Thema gewechselt, nicht dass am Ende noch einer auf die Idee käme, darüber zu reden, wie man das Licht unter dem Scheffel hervorholen könnte.

Himmel, wir drohen ihnen doch nicht, sie zu einem Talentwettbewerb anzumelden! Wir wollen sie doch nur ermutigen, die Dinge zu pflegen, die ihnen in die Wiege gelegt worden sind.

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Punkt. Oder vielleicht doch nicht.

Wir Mütter halten uns gerne für furchtbar modern in Sachen Social Media.

Auf Facebook präsentieren wir unsere Erfolge am Herd, die wunderbare Aussicht aus dem Ferienhaus und die Weisheiten, die uns zwischen Kinderzimmer, Job und Waschküche so einfallen. 

Auf Instagram zeigen wir der ganzen Welt, was wir schön finden. Sonnenuntergänge, Blumen, Cupcakes und dergleichen. Oder, um es mit Luises Worten zu sagen: „Mütter posten auf Instagram einfach so…also, wie soll ich sagen…halt einfach so langweilige Sachen. Richtig doof halt.“

Auf Twitter lassen wir zwischen der zerquetschten Banane, die wir vom Teppich geklaubt haben und den Legos, auf die wir mit nackten Füssen getreten sind, in 140 Zeichen Dampf ab. Manchmal posten wir auch kurze, knackige Kindersprüche, über die wir nicht alleine lachen wollen.

Um uns mit unseren Freundinnen zu unterhalten, springen wir flugs zwischen WhatsApp und Messenger hin und her, gelegentlich checken wir aber auch noch SMS, weil ein paar wenige dort hängen geblieben sind. 

Man munkelt gar, einige von uns seien schon auf Snapchat gesichtet worden. (Keine Ahnung, ob an dem Gerücht etwas Wahres dran ist, ich bin dort bestimmt nicht anzutreffen.)

Selbstverständlich stehen wir auch pausenlos mit unseren Knöpfen in Kontakt. Wir rufen sie über WhatsApp zum Mittagessen, versöhnen uns spät abends via Messenger, wenn es zwischen uns gekracht hat und teilen ihnen unsere Gefühle auf jedem erdenklichen Weg mit rosaroten Herzchen, kleinen grauen Regenwolken und Tränen lachenden Emojis mit.

Oh ja, wir sind voll in, wir Mütter. Oder wir glauben es zumindest. Bis zu dem Moment, in dem Töchterchen via WhatsApp wissen will: „Mama warum setzt du eigentlich am Ende jeder deiner Nachrichten einen Punkt… sowas macht doch heute kein Mensch mehr“

Und wenn du zur Antwort gibst, zu deinen Zeiten seien Punkte am Satzende eben noch voll in gewesen, bekommst du nicht nur ein Tränen lachendes Emoji zur Antwort, sondern eine ganze Reihe davon, weil Menschen, die nicht wissen, dass Punkte am Satzende etwas für die Schule, aber ganz bestimmt nichts für Social Media sind, einfach zum Brüllen komisch sind. 

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Wo soll das bloss hinführen?

Seit Karlsson am Gymnasium ist, wird am Esstisch öfter mal über Chemie, Physik und dergleichen gesprochen. Anfangs war das eher ein grosses Gejammer, doch mit der Zeit hat unser Ältester gemerkt, dass das Zeug ganz interessant sein kann, wenn man sich vertieft damit auseinandersetzt. Weil Prinzchen grundsätzlich alles cool findet, was Karlsson tut und er ausserdem einen naturwissenschaftlich interessierten Freund gefunden hat, wurden Chemie, Physik und dergleichen auch für unseren Jüngsten zum Thema.

Als im Herbst Prinzchens Geburtstag nahte, bekam ich eines Tages eine Liste in die Hand gedrückt mit den Titeln sämtlicher Kindersachbücher, die auf dem Gabentisch erwünscht waren. Chemie, Physik, Astronomie, Mathematik… (Okay, da stand auch ein Buch über berühmte Komponisten und eins über den ersten Weltkrieg auf der Liste, aber die Stossrichtung war eindeutig.)

Einige Wochen nach dem Geburtstag verkündete der kleine Prinz, er wolle dereinst Chemiker und Mathematiker werden. Mein einziger Trost bei diesen beunruhigenden Nachrichten war die falsche Betonung von „Mathematiker“. Wer die Berufsbezeichnung nicht richtig aussprechen kann, wird ja wohl kaum so richtig wissen, was er will, nicht wahr? 

Zu Weihnachten musste ein Experimentierkasten her. Natürlich der Grösste, der zu haben war. 

Heute hielt er mir die Begleitbroschüre seines Experimentierkastens unter die Nase. Er wollte das Periodensystem der Elemente erklärt bekommen. Mehr als die rudimentärsten Basics konnte er von mir natürlich nicht in Erfahrung bringen, denn mein bruchstückhaftes Grundwissen liegt schon längst tief begraben unter dem ganzen Kram, der sich seit der Matura in meinem Kopf angesammelt hat. 

Ob man es als Glück bezeichnen darf, dass eine Freundin zugegen war, die dem Prinzchen mit lebendigen Schilderungen erklären konnte, was es mit der bunten Tabelle auf sich hat? Für ihn ganz bestimmt, denn er bekam nicht nur viele gute Antworten auf seine Fragen, es wurde auch sein Appetit nach mehr geweckt. Für mich hingegen… Na ja, welche Mutter nimmt es schon locker, wenn sie erkennen muss, dass ihr Stern gerade sehr tief gesunken ist, weil sie ihrem Sohn nicht erklären kann, was ihn brennend interessiert? 

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