Die Sache mit den Stöckchen…

Soll ich nett sein, oder doch lieber ehrlich? Seitdem man mir diesen Best Blog Award zugeworfen hat, weiss ich wirklich nicht mehr, was ich tun soll. Eigentlich kann ich Stöckchen nicht ausstehen, aber die zwei Blogger, die sie mir zugeworfen haben, sind mir ganz sympathisch  und es ist ja auch ein Kompliment, dass die zwei an mich gedacht haben, also möchte ich sie nicht vor den Kopf stossen. Damit möchte ich aber keineswegs sagen, dass alle anderen, deren Stöckchen ich nicht aufgegriffen habe, mir nicht sympathisch wären. Manchmal fehlt mir einfach die Zeit dazu, aber ich fühle mich natürlich trotzdem geehrt… Ach, es ist kompliziert….

Nach langem Hin und Her habe ich mich zu einem Zwischending durchgerungen: Ich werde die Fragen, die man mir gestellt hat, beantworten, ich werde auch meine eigenen 11 Fragen formulieren, beantworten darf sie aber jeder, der dazu Lust hat.

Hier also zuerst meine Antworten an den Papa der kleinen Chefs:

1. Fährst du Ski oder Snowboard?
Beides nicht. Als ich Skifahren lernte, war ich schon alt genug, um Angst zu haben und darum habe ich es bald wieder aufgegeben.

2. Bist du eher ein Sommertyp oder ein Wintertyp und warum?
Ich bin ein Ganzjahrestyp mit dem ausgeprägten Wunsch, den Winter zu verschlafen. Im Sommer bevorzuge ich nordeuropäisches Klima.

3. Welches ist dein absolutes Lieblingslied? Also nicht mal so ein aktuelles, welches gerade mal jetzt dein Lieblingslied ist, sondern das, was dir schon immer am Herzen lag und noch lange dein Lieblingslied sein wird.
„For unto us a Child is born“ aus Händels Messias berührt mich immer wieder aufs Neue.

4. Liest du Bücher oder E-Books? Und natürlich warum?
Eigentlich bevorzuge ich Bücher, aber für die leichte Lektüre zwischendurch reicht mir ein E-Book.

5. Bloggst du nur, oder twitterst du auch?
Ich mache zu viele Worte für Twitter.

6. Welches ist dein Traumurlaubsziel, welches du unbedingt einmal besuchen möchtest?
Stockholm

7. Wenn du auswandern müsstest, wohin wäre das und warum?
Schweden, weil ich mich dort auf Anhieb zu Hause gefühlt habe, vielleicht auch Grossbritannien. Zur Not könnte ich es auch in Malta aushalten.

8. Bist du noch mit vollem Elan beim Bloggen dabei, oder musst du dich dazu motivieren?
Natürlich gibt es Tage, an denen mir nicht danach ist, gewöhnlich kommen mir die Texte aber einfach zugeflogen. Ein Leben ohne Blog kann ich mir nicht mehr so richtig vorstellen.

9. Schaust du auf deine Blogstatistik und ärgerst dich darüber, wenn du wenig Besucher hast, oder sind dir Statistiken egal?
Aber klar schaue ich mir die Statistiken an. Ich ärgere mich allerdings nicht, wenn ich wenige Besucher habe, freue mich aber wie ein kleines Kund, wenn ich mal ausserordentlich viele habe.

10. Welche sozialen Netzwerke nutzt du und welche davon unter deinem echten Namen und welche unter einem Pseudonym?
WordPress, Facebook, Freundschaften im echten Leben und alles unter meinem echten Namen.

11. Bist du schon auf der Karte von Tweeterhausen und klein Bloggerdsorf vertreten und wenn nein, warum nicht?
Nein, weil mein Wohnort beim Bloggen keine Rolle spielt.

So, nun noch zu den Fragen von Mutti:

1. iPhone oder Android?
iPad

2. Buch oder E-Book?
Siehe oben, Antwort 4

3. Big Bang Theory oder Sex and the City?
Downton Abbey

4. Wie isst du deine Manner-Schnitten?
Schicht für Schicht, wenn ich mal welche in die Finger bekomme.

5. In zehn Jahren…
…bin ich so alt, wie meine Kinder mich jetzt schon finden.

6. Zuletzt gelesenes Buch…
Bin noch immer an A. J. Jacobs „The Year of Living Biblically – One Man’s Humble Quest to Follow the Bible as Literally as Possible“ Sehr viel amüsanter, als der Titel erahnen liesse…

7. Zuletzt gegoogelt?
Keine Ahnung. Weihnachtslieder, vielleicht?

8. Mit dem/der würde ich gerne essen gehen…
Mit „Meinem“. Ist schon zu lange her, seitdem wir zu zweit weg waren.

9. Wenn du ein Buntstift wärest, welche Farbe…
Pink? Hellgrün? Oder vielleicht so ein Ding mit vierfarbiger Mine?

10. Dahin geht’s im nächsten Urlaub…
Hoffentlich nach Schweden

11. Wo ich gerne mal geküsst werden möchte…
Das Wo spielt für mich keine Rolle, Hauptsache, die Privatsphäre bleibt gewahrt.

Und hier meine 11 Fragen, die jeder beantworten darf, der sie gerne beantworten möchte. Natürlich darf man sich auch nur einzelne herausgreifen, oder alle ignorieren.

1. Denkst du, dass es einen Unterschied macht, wenn man in skandinavischen Spielzeugkatalogen die typischen Geschlechterklischees umgeht, oder werden Mädchen weiterhin zu Barbie greifen und Jungen zur Pistole?

2. Was sagst du, wenn dein Kind mit seinem Taschengeld eine Sache kaufen will, gegen die du jahrelang gepredigt hast?

3. Tragen deiner Meinung nach die Grabenkämpfe zwischen Vollzeithausfrauen und berufstätigen Müttern dazu bei, dass sich in der Familienpolitik so wenig bewegt?

4. Bekommen deine Kinder ungeschälte Erdnüsse und wenn ja, wer kümmert sich um die Entsorgung der Schalen?

5. Finden dich deine Kinder schon peinlich, oder bewundern sie dich noch?

6. Ist Christbaumschmuck, der in Indien hergestellt wurde, weniger verwerflich als solcher, der aus China stammt?

7. Was würdest du mit einem Kater anstellen, der hin und wieder unter dein Bett kackt, ansonsten aber äusserst lieb ist?

8. Kennst du Namen und Geburtsdatum deiner Kinder auswendig, oder brauchst du dein Tattoo als Gedankenstütze?

9. Ertappst du dich manchmal dabei, wie du dich über lärmende Kinder aufregst, wenn du alleine unterwegs bist?

10. Welches ist der schlimmste Ort, an dem du schon eine zerquetschte, halb verfaulte Banane gefunden hast?

11. Was antwortest du einem Menschen, der dir ins Gesicht sagt, deine Kinder seien „ökologischer Unsinn“?

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Rückeroberung

Sie war meine absolute Traumküche, entworfen nach meinen Wünschen. Riesige Arbeitsfläche, warmes Orange, der Hygiene zuliebe eine Chromstahlabdeckung, die ich täglich blitzblank polierte, ein Regal, das zumindest einen Teil meiner Kochbüchersammlung zu fassen vermochte, ein extrabreites Kochfeld und ein Regal, an dem sich Kochlöffel, Schneebesen & Co. aufhängen liessen. Die perfekte Küche also, die jedoch einen entscheidenden Nachteil hat: Sie bietet zu wenig Stauraum für grosse Futtermengen und hohe Tellerstspel. Eines Tages entschieden wir uns also schweren Herzens dazu, die Küche in der unteren Etage zu benützen, denn diese hat nicht nur einem grossen Vorratsraum, sondern auch Schränke, die fast bis zur Zimmerdecke reichen. Seit jenem traurigen Tag ging es mit meiner geliebten Küche stetig bergab:

Zuerst diente sie noch als Produktionsstätte für hausgemachte Pasta,…
….dann wurde sie zur Filiale der Kinderpost,…
….etwas später nahm „Meiner“ sie als Atelier und Werkstatt ein,…
….dann kam die Zeit, als wir dort unser schmutziges Geschirr wuschen, weil unten der Geschirrspüler kaputt war,…
….“Meiner“ streute seine Mehbotschaften….
….alles, was unten keinen Platz mehr fand, wurde oben zwischengelagert….
…..und das Schlimmste war, dass die untere Küche dabei aus allen Nähten platzte.
Ein trauriges Bild, ihr könnt mir glauben.

Heute, als ich zur Mühle fuhr, um mich mit Mehlvorräten einzudecken, fasste ich einen Entschluss: Ich will meine Küche zurückhaben. Ich will einen Raum, in dem…

…mein Sauerteig ungestört vor sich hin versauern kann.
…die Backformen so verstaut sind, dass ich sie nicht zuerst unter Schimpfen und Jammern hervorkramen muss, ehe ich backen kann.
…für jede nur erdenkliche Mehlsorte Platz ist.
…Getreidemühle und Küchenmaschine jederzeit einsatzbereit herumstehen dürfen.
…leere Einmachgläser ihren Schrank haben, in dem sie herumstehen dürfen, bis sie wieder gefüllt werden.
…die Teigwarenmaschine wieder gebraucht wird.
…keiner meine Küchenutensilien als Spielzeug missbraucht.
…ich meinen im Familienalltag krampfhaft unterdrückten Perfektionismus ungehindert freilassen kann, ohne dass er den anderen auf die Nerven fällt.
…Familie und Gäste am Tisch sitzen und sich mit mir unterhalten können, währenddem ich den Teig knete.

Fragt mich nicht, woher ich die Energie dazu genommen habe, aber irgendwie habe ich es geschafft, mit der Rückeroberung meiner Küche nicht nur anzufangen, sondern sie auch fast abzuschliessen. Noch gibt es einige Dinge zu verstauen, der Boden muss mich geputzt und ein paar Kleinigkeiten müssen noch angeschafft werden. Dann wird sie wieder mein sein, die Küche, die einst nach meinen Wünschen entworfen wurde. Mich dünkt, ich hätte mir nicht bloss meine Küche zurückerobert, sondern auch einen Teil meiner selbst, ein Teil, der in den vergangenen turbulenten Jahren kaum Gelegenheit hatte, sich bemerkbar zu machen.

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Meine sehr verehrten Bildungsdirektoren

Zuerst einmal ziehe ich meinen Hut vor Ihnen, weil Sie den gewagten Versuch unternehmen, zumindest für Schüler und Lehrer in der Deutschschweiz einheitliche Grundlagen zu schaffen. Der revolutionäre Gedanke, dass ein Kind nicht noch einmal bei Adam und Eva anfangen muss, wenn es mit seinen Eltern von Zürich nach Bern umzieht, gefällt mir. Wäre wirklich nett, wenn die Kinder am neuen Ort ihre alten Schulbücher weiterhin brauchen könnten und wenn in unserem kleinen Land überall mehr oder weniger dasselbe gelehrt und gelernt würde. Also, Chapeau!

So, nun ist mein Hut vom Kopf und jetzt sage ich Ihnen, was ich wirklich von Ihrem Papier halte. Ja, ich weiss, meine Meinung ist nicht gefragt, ich bin ja bloss eine Mutter und als solche gehöre ich nicht zu den „Adressaten der Konsultation auf sprachregionaler Ebene“, wie Sie Ihre Meinungsumfrage nennen. Die „Elterndachorganisation“ soll für uns alle sprechen, aber da ich nicht weiss, ob diese Dachorganisation sich mit ähnlich widerspenstigen Geschöpfen herumschlagen muss wie ich, spreche ich lieber selber.

Also, kommen wir zu meiner Meinung, die – ich gebe es offen zu – weder wissenschaftlich fundiert noch repräsentativ ist: Ihnen ist die Bodenhaftung abhanden gekommen. Okay, ich habe nicht den ganzen Entwurf gelesen, aber was ich bisher überflogen habe reicht mir für mein Urteil. Ich meine, nur schon die Tatsache, dass es Ihnen gelingt, unsere Kinder mit Kreismodellen – „Personale Kompetenzen, Soziale Kompetenzen, Methodische Kompetenzen“ – darzustellen, finde ich leicht beunruhigend. Und dann diese Sätze: „Die Schülerinnen und Schüler können ihr Persönlichkeitsprofil beschreiben und nutzen.“, „Die Schülerinnen und Schüler können beim Vortragen Texte gestalten und über die ästhetische Wirkung nachdenken.“, „Die Schülerinnen und Schüler können Rolle und Wirkungen von Religionen und Religionsgemeinschaften in gesellschaftlichen Zusammenhängen einschätzen.“ Oder – mein bisheriger Favorit – „Die Schülerinnen und Schüler können den eigenen Alltag gesundheitsförderlich gestalten.“ Seitenweise geht das so, über alle Fächer des Lehrplans hinweg, unterteilt in Teilbereiche von Teilbereichen, ausgeklügelt und ausformuliert bis ins kleinste Detail.

Zugegeben, inhaltlich liegen Sie oft gar nicht so daneben. Es wäre ja wirklich wünschenswert, dass Kinder irgendwann „im Alltag Gestaltungsspielräume für einen nachhaltigen Lebensstil entwickeln“ oder „verschiedene Lebenslagen und Lebenswelten erkunden und respektieren“ können. Aber finden Sie nicht auch, dass Sie von den Kindern Dinge erwarten, die auch uns Erwachsenen nur bedingt gelingen? Denken Sie überhaupt noch daran, dass Sie es hier mit Kindern zu tun haben und nicht mit Computern, die man nur richtig programmieren muss, damit sie sich erwartungsgemäss verhalten? Wissen Sie eigentlich noch, was Kinder sind, diese neugierigen, trotzigen, eigensinnigen, verspielten, wissbegierigen, ängstlichen, energiegeladenen, zornigen, drolligen, fröhlichen… Wesen, die auf dieser Welt sind, um ihren eigenen Weg im Leben zu finden? Oder haben Sie nur noch die Wirtschaftstauglichkeit der zukünftigen Berufstätigen und vielleicht noch die nächste PISA-Studie vor Augen?

Sollten Sie tatsächlich vergessen haben, was Kinder sind, lade ich Sie gerne dazu ein, sich mal mit unseren fünf Knöpfen und ihren Freunden zu unterhalten. Sie kämen dabei mit Durchschnittsschülern ins Gespräch, mit Migrantenkindern, die eben erst Deutsch gelernt haben, mit sehr begabten Kindern, mit solchen, die um jeden korrekten Satz kämpfen müssen, mit begeisterten Strebern und mit solchen, die nach kurzer Zeit schon den Schulverleider haben. Glauben Sie mir, diese Kinder könnten Ihnen einiges darüber erzählen, wie die Schule aussehen müsste, damit sie auch nur annähernd das wäre, was Sie sich in Ihrem schönen Papier ausmalen.

So, und jetzt ziehe ich meinen Hut wieder an. Damit ich ihn wieder vor Ihnen ziehen kann, wenn Sie einen Weg gefunden haben, den Lehrplan auf die Kinder masszuschneidern und nicht die Kinder auf den Lehrplan.

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Aber natürlich braucht es das

Vor vielen Jahren diskutierte ich einmal mit einer befreundeten Mutter darüber, ob es überhaupt sinnvoll sei, wenn Eltern sich Auszeiten nehmen. „Aber natürlich ist es sinnvoll“, sagte ich. „Da wäre ich mir nicht so sicher“, meinte die andere Mutter. „Wenn du dir drei Tage lang Luxus und Entspannung gönnst, fällt dir der Alltag danach umso schwerer. Besser, man beisst auf die Zähne und verzichtet auf Auszeiten, sonst ist man nachher nur noch frustrierter.“ „Aber man kann doch nicht jahrelang auf die Zähne beissen! Wie soll man bloss den Familienalltag überstehen, wenn man nie ausspannt?“, protestierte ich, doch meine Mitmutter blieb bei ihrer Meinung. Und ich bei meiner. 

Heute früh stand ich lustlos in der Küche, betrachtete den mit Brosamen übersäten Fussboden und dachte an diese Diskussion zurück. Noch keine vierundzwanzig Stunden vorher hatte man mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen, aber es kam mir vor, als lägen Jahre zwischen gestern und heute. Alles, was ich gewöhnlich mehr oder weniger nebenbei erledige, kostete mich eine gewaltige Überwindung, die alltäglichen Streitereien fielen mir noch mehr auf die Nerven als gewöhnlich. Ob sie doch Recht gehabt hatte, die andere Mutter? Wäre es vielleicht doch besser, sich mit Volldampf durch den Alltag zu kämpfen und sich dann auszuruhen, wenn die Kinder aus dem Haus sind?

Ich liess mir die Geschehnisse der vergangenen Tage noch einmal durch den Kopf gehen, dachte an die ungestörten, tiefschürfenden  Gespräche mit unseren Freunden zurück, an das intensive Empfinden von Hitze und Kälte in der Sauna, an die unzähligen Geschmackserlebnisse, die ich wieder einmal ganz bewusst hatte geniessen dürfen, an den tiefen, erholsamen Schlaf. Dann erinnerte ich mich an das pure Glück, das ich empfand, als wir bei unserer Heimkehr unsere Kinder in die Arme schliessen durften, an die tiefe Freude, als mir Luise gestern seit sehr langer Zeit wieder einmal sagte, dass sie mich lieb hat, an die besondere Nähe als ich gestern Abend an Prinzchens Bett sass und Schlaflieder sang. 

Ja, es fiel mir schwer, heute wieder in den Alltag einsteigen zu müssen und ich war auch ziemlich frustriert darüber, dass „Meiner“ und ich trotz guter Vorsätze so schnell wieder im alten Trott landen. Dennoch bin ich dankbar für jeden Augenblick unserer kostbaren Auszeit. Und auch für den Moment, als wir alle sieben wieder gemeinsam am Tisch sassen. Darum würde ich meiner Mitmutter heute noch das Gleiche sagen wie damals.

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Welten

Noch nicht ganz wach aber auch nicht mehr schlafend mit Kater Leone auf dem Rücken im Bett liegen und sich wünschen, der Tag möge noch nicht beginnen.

Treppe rauf um Kinder zu wecken, drei Treppen runter um frische Wäsche zu holen, zwei Treppen hoch, um mir von Luise anzuhören, dass ich mich immer nur um die anderen kümmere und nie um sie, Treppe hoch um dem FeuerwehrRitterRömerPiraten mitzuteilen, dass es jetzt wirklich ernst gilt mit Aufstehen, etwas trinken, drei Treppen runter, um noch mehr frische Wäsche zu holen, zwei Treppen hoch, um das Prinzchen zu wecken, „Ach, Kindchen, du bist doch nicht etwa krank?“, Stirne befühlen, Symptome abfragen und feststellen, dass das Kindchen gesund ist, aber wohl doch besser bei mir bleibt, weil die Augen so verdächtig glänzen und der Husten etwas zu heftig ist.

Taschen packen, damit die Kinder für das elternfreie und die Eltern für das kinderfreie Wochenende bereit sind, Grossmama informieren, dass am Abend drei Kinder bei ihr schlafen und nicht nur eines, Prinzchen mit Bilderbüchern ausrüsten und ab ins Auto, um rechtzeitig zum Interviewtermin in der Nähe von Zürich zu erscheinen, zum Glück für einmal ohne Irrwege, Staus und Pannen.

Interview, kurzer Schwatz und Kaffee mit Freundin und zurück ins Auto, auch diese Fahrt ohne Irrwege und Pannen, dafür mit Stau, dazwischen endlich ein trockenes Brötchen, schnell beim Mittagstisch vorbeischauen, um die Kinder daran zu erinnern, dass die Tiere gefüttert werden müssen und um alle noch einmal zu umarmen, Kinder sind peinlich berührt, weil die Mama so ein Theater macht.

„Meinen“ abholen, Sandwich verdrücken und ab ins kinderfreie Wochenende mit Freunden, unterwegs drei Zwischenstopps, um ein Samsung irgendetwas für Karlssons Geburtstag aufzutreiben, aber die haben überall nur Samsung whatever, kurzer Krach mit „Meinem“: „Warum hast du das Ding nicht gleich gekauft gestern? Wie? Du wolltest es zuerst mit mir besprechen? Aber du weisst doch, dass es das Samsung irgendetwas sein muss. Jetzt kommen wir zu spät in den Schwarzwald, weil du immer…“ Ein elender Drängler, der mich von der Überholspur vertreiben will, versöhnt uns wieder. Ist doch immer gut, einen gemeinsamen Gegner zu haben…

Ankunft im Hotel. „Dürfen wir Ihnen Ihr Gepäck abnehmen? Wirklich nicht? Ist es nicht zu schwer? Können wir Ihren Wagen für sie parken? Wenn Sie einen Wunsch haben, melden Sie sich einfach…“ Kuchen, Tee, warmes Badewasser, Sauna, unzensierte Gespräche mit Freunden, ausgedehntes Abendessen, Stille.

Damit wir unser Alltagsgeschäft nicht ganz verlernen an diesem perfekten Ort, schmeisst „Meiner“ im Ruheraum der Sauna ein Glas Smoothie um, in schönster Eintracht wischen wir die Sauerei auf, ehe uns das aufmerksame Personal dabei erwischt, wie wir einfach nur wir selbst sind.

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Welten

Noch nicht ganz wach aber auch nicht mehr schlafend mit Kater Leone auf dem Rücken im Bett liegen und sich wünschen, der Tag möge noch nicht beginnen.

Treppe rauf um Kinder zu wecken, drei Treppen runter um frische Wäsche zu holen, zwei Treppen hoch, um mir von Luise anzuhören, dass ich mich immer nur um die anderen kümmere und nie um sie, Treppe hoch um dem FeuerwehrRitterRömerPiraten mitzuteilen, dass es jetzt wirklich ernst gilt mit Aufstehen, etwas trinken, drei Treppen runter, um noch mehr frische Wäsche zu holen, zwei Treppen hoch, um das Prinzchen zu wecken, „Ach, Kindchen, du bist doch nicht etwa krank?“, Stirne befühlen, Symptome abfragen und feststellen, dass das Kindchen gesund ist, aber wohl doch besser bei mir bleibt, weil die Augen so verdächtig glänzen und der Husten etwas zu heftig ist.

Taschen packen, damit die Kinder für das elternfreie und die Eltern für das kinderfreie Wochenende bereit sind, Grossmama informieren, dass am Abend drei Kinder bei ihr schlafen und nicht nur eines, Prinzchen mit Bilderbüchern ausrüsten und ab ins Auto, um rechtzeitig zum Interviewtermin in der Nähe von Zürich zu erscheinen, zum Glück für einmal ohne Irrwege, Staus und Pannen.

Interview, kurzer Schwatz und Kaffee mit Freundin und zurück ins Auto, auch diese Fahrt ohne Irrwege und Pannen, dafür mit Stau, dazwischen endlich ein trockenes Brötchen, schnell beim Mittagstisch vorbeischauen, um die Kinder daran zu erinnern, dass die Tiere gefüttert werden müssen und um alle noch einmal zu umarmen, Kinder sind peinlich berührt, weil die Mama so ein Theater macht.

„Meinen“ abholen, Sandwich verdrücken und ab ins kinderfreie Wochenende mit Freunden, unterwegs drei Zwischenstopps, um ein Samsung irgendetwas für Karlssons Geburtstag aufzutreiben, aber die haben überall nur Samsung whatever, kurzer Krach mit „Meinem“: „Warum hast du das Ding nicht gleich gekauft gestern? Wie? Du wolltest es zuerst mit mir besprechen? Aber du weisst doch, dass es das Samsung irgendetwas sein muss. Jetzt kommen wir zu spät in den Schwarzwald, weil du immer…“ Ein elender Drängler, der mich von der Überholspur vertreiben will, versöhnt uns wieder. Ist doch immer gut, einen gemeinsamen Gegner zu haben…

Ankunft im Hotel. „Dürfen wir Ihnen Ihr Gepäck abnehmen? Wirklich nicht? Ist es nicht zu schwer? Können wir Ihren Wagen für sie parken? Wenn Sie einen Wunsch haben, melden Sie sich einfach…“ Kuchen, Tee, warmes Badewasser, Sauna, unzensierte Gespräche mit Freunden, ausgedehntes Abendessen, Stille.

Damit wir unser Alltagsgeschäft nicht ganz verlernen an diesem perfekten Ort, schmeisst „Meiner“ im Ruheraum der Sauna ein Glas Smoothie um, in schönster Eintracht wischen wir die Sauerei auf, ehe uns das aufmerksame Personal dabei erwischt, wie wir einfach nur wir selbst sind.

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Ihr Nachbarskinderlein kommet…

Spielt mit unseren Kindern, klettert auf unsere Bäume, streichelt Kaninchen und Katzen, macht Hausaufgaben mit unseren Kindern, pflückt Beeren, rennt ums Haus, bringt eure Freunde mit, fragt mir ein Loch in den Bauch, spielt Karten, esst Brot, Joghurt, Obst…, denkt euch abenteuerliche Geschichten aus, bleibt zum Abendessen, wenn ihr wollt, könnt ihr auch bei uns übernachten. Unser Haus und mein Herz stehen euch offen, ehrlich. Nur meine Nerven machen nach ein paar Stunden Dauerbetrieb leider schlapp und darum muss ich euch trotz aller Zuneigung bitten, hin und wieder für eine oder zwei Stunden bei euren Eltern zu Hause Radau zu machen. Nur, damit ihr Mama Venditti nicht von ihrer genervten Seite kennen lernen müsst…

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Lasst doch den armen November sein, wie er ist

Okay, ich frage mich ja manchmal auch, wie ein einziger Monat dazu kommt, so viel unterdrückte Wut loszuwerden. Sturmböen, kalter Regen, schwere, graue Wolken und wenn sich das Wetter beruhigt, kommt der Hochnebel. Ganz klar, der November bräuchte ganz dringend jemanden, dem er mal sein Herz ausschütten könnte, damit er seinen Frust nicht immer an der Allgemeinheit auslassen müsste. Doch solange er keinen findet, der ihm zuhört, muss man sich wohl damit abfinden, dass der November ist, wie er nun mal ist, seit Jahrhunderten schon.

Mir gelingt das eigentlich ganz gut: Nur noch aus dem Haus gehen, wenn Prinzchen in den Kindergarten muss oder wenn Vögel, Wachteln und Kaninchen neues Futter brauchen, literweise Tee, überall Kerzen, warme Socken an die Füsse, Computer an und schreiben, was gerade geschrieben werden muss, dazwischen Suppe kochen, Kartoffelbrei oder sonst etwas, was die Seele wärmt. Viel mehr erwarte ich nicht vom November und darum macht es mir auch nichts aus, wenn er draussen wütet. Soll er doch, wenn er keinen anderen Weg findet, seine Probleme zu verarbeiten. 

Eigentlich gibt es nur eine Sache, die mir im November nicht passt: Die Leute, die über ihn herziehen. Ja, der Kerl führt sich vollkommen daneben auf, aber das ist nun mal seine Natur und da braucht man doch nicht so zu tun, als hätte man mit Sonnenschein und 30 Grad Hitze gerechnet und statt dessen Sturm und Regen geliefert bekommen. Was soll dieses Geschwätz von „Ist doch einfach nicht normal, dieses Wetter“? Natürlich ist es normal, man kann doch von einem Monat nicht erwarten, dass er sich an den Klimawandel hält, bloss weil alle anderen Monate dies tun. Es gibt nun mal solche, die altmodischer sind als andere und nicht gleich jedem neuen Trend aufsitzen. Also hört auf zu jammern, lasst den November tun, was er schon seit jeher am besten konnte und verzieht euch in eure Höhlen. Ist doch herrlich gemütlich dort, wenn der Wind um die Hausecken heult…

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Ich bin die langweilige Mama

Die Mama, die am Sonntagnachmittag lieber schlafen will, als ins Hallenbad zu gehen. Die Mama, die sich einfach nicht dazu bewegen lässt, mit Luise Bäume auszureissen. Die Mama, die findet, nachmittags um halb fünf sei es zu spät, um noch einen Ausflug zu machen, mit dem Velo, zum Beispiel, oder nach Bern. Die Mama, die erklärt, sie brauche nun mal etwas mehr Ruhe, wo doch Papa an drei Wochenenden hintereinander weg gewesen sei und nun auch noch zwei Tage mit einem Käfer auf dem Sofa gelegen habe. Die Mama, die findet, es sei halt einfach etwas viel, wenn man Samstag und Sonntag den Laden auch noch alleine schmeissen müsse, immer nur Futter zubereiten, Küche aufräumen, wieder Futter zubereiten, wieder Küche aufräumen,… Die Mama, die behauptet, sie möchte ja schon etwas unternehmen, aber sie sei heute einfach zu müde, um sich aufzuraffen. Unsere Söhne kommen ganz gut klar mit der langweiligen Mama, aber Luise tut sich ziemlich schwer mit ihr.

So eine Mama hatte ich auch mal, nur hätte ich es nie und nimmer gewagt, sie dafür zu kritisieren. Klar fand ich das langweilig, aber so war es nun mal. Den Sonntagnachmittag verbrachte sie auch meist schlafend und dann griff ich eben zu Backbuch, Eiern, Mehl und Zucker. So lernte ich backen und meine Mama war danach wieder fit genug, um die Sauerei, die ich hinterlassen hatte, wegzuräumen.

Heute ist meine Mama längst keine langweilige Mama mehr. Im Gegenteil, sie ist die unterhaltsame Grossmama, bei der Luise und ihre Brüder Zuflucht finden, wenn Mama mal wieder langweilig ist. Sie spielt Spiele mit mit den Kindern, erzählt von früher, knetet mit ihnen und lässt sie im Spielzimmer herumtollen. Meist merke ich erst nach dem Mittagsschlaf, dass die Kinder wieder nach unten abgehauen sind. Dann plagt mich das schlechte Gewissen, weil unsere Kinder meine Mama am Mittagsschlaf gehindert haben.

Aber vielleicht ist das ja einfach der Lauf der Dinge. Vielleicht muss ich jetzt sonntags einfach ausgiebig mittagsschlafen, damit ich die unterhaltsame Grossmama sein kann, wenn Luise mal die langweilige Mama ist.

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Was mir zu meinem Glück noch alles fehlt

Es gab eine Zeit, da war jedem klar, dass man erdverbundenen Menschen das Geld nicht so leicht aus dem Sack ziehen kann, weil sie bei jeder Anschaffung zuerst überlegen, was Mama Erde wohl dazu sagen würde. Inzwischen sieht das etwas anders aus. Ich weiss nicht, ob die erdverbundenen Menschen einen Weg gefunden haben, Mama Erde zum Schweigen zu bringen, wenn sie mal wieder den mahnenden Zeigefinger hebt, oder ob clevere Geschäftsleute entdeckt haben, wie man in einem Menschen, der eher dem Feinstofflichen zugetan ist, materielle Gelüste weckt. Auf alle Fälle gibt es inzwischen ein beeindruckendes Angebot an Produkten, die einen guten Menschen zu einem noch besseren machen sollen. Hier eine Auswahl aus einem Katalog, der mir neulich in die Finger geraten ist:

Da gibt es zum Beispiel das Waffeleisen „Blume des Lebens“, dank dessen Hilfe Waffeln nicht nur gut schmecken und sichtbare Spuren auf den Hüften hinterlassen, sondern zugleich mit ganz viel Lebensenergie aufgeladen werden. Wie das gehen soll? Nun, ganz einfach: Die Waffeln kommen nicht in der üblichen profanen Herzchenform aus dem Gerät, sondern in der Form der „Blume des Lebens“, dem Symbol, das „seit 5000 Jahren für Lebensenergie“ steht, wie es im Katalog heisst. Und das für gerade mal 90 Franken. Ja, diese Blume des Lebens muss es wirklich in sich haben. Es gibt sie nämlich auch auf Fussmatten, Matratzenbezügen und Hausschuhen, natürlich alles mit sattem Preisaufschlag, weil ein mit Lebensenergie aufgeladener Artikel eben viel mehr Wert ist. Wer jetzt denkt, ich würde dies nur wegen meiner christlichen Gesinnung schreiben, dem sei gesagt, dass ich es ebenso lächerlich finde, wenn man überteuerte Fussabtreter mit Kreuzsymbol verkauft.

Ganz toll ist auch der „Yoga-Frosch“. Ich hätte ja auf den ersten Blick gedacht, da wolle sich einer über Yoga lustig machen, denn das Ding sieht aus wie etwas, was ein Teenager im Zweifrankenshop kaufen würde, doch der Begleittext klärte mich darüber auf, dass der Yoga-Frosch Heiterkeit verbreitet und den Betrachter an die wichtigsten Übungen erinnert. Vielleicht müsste ich mit Yoga anfangen, damit ich die Botschaft des Frosches verstehen könnte. Und damit ich dazu bereit wäre, 26 Franken zu bezahlen, um ihn zu bekommen.

Die haben übrigens auch Fixleintücher in diesem Katalog. Die gleichen hässlichen Farben wie überall, das gleiche Material, die gleiche Verarbeitung, aber doppelt so teuer. Vermutlich, weil die Dinger einen Haufen Lebensenergie getankt haben, als sie im Lagerregal zwischen Waffeleisen und Yoga-Frosch lagen.

Wahrscheinlich sollte ich mir auch das Buch „Die Schnurr-Therapie – Wie Katzen heilen“ mit integrierter CD kaufen. Für nur gerade 30 Franken erfahre ich alles über die „von Katzen beim Schnurren ausgestrahlten Wellen“, die „einen positiven Einfluss auf den menschlichen Körper und Geist“ haben. So wenig Geld für einen „mächtigen Anti-Stress-Faktor“, einen „Verstärker der Abwehrkräfte“ und obendrein „eine wertvolle Unterstützung der Psychomotorik“. Und ich arme, unerleuchtete Närrin habe geglaubt, mein kleiner roter Kater hätte sein volles Potential bereits ausgeschöpft, wenn er sich mit Schnurren und Schmusen bei mir einschmeichelt, nachdem er unter unser Bett gekackt hat.

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