Frau Mutter

Man könnte ja glauben, dass sich die Menschheit so langsam daran gewöhnt hat, dass Frauen hin und wieder schwanger werden. Zuweilen möchte man hoffen, dass auch die Schweizer Bevölkerung sich damit abgefunden hat, dass eine Frau, die Mutterfreuden entgegensieht, nicht alles stehen und liegen lässt und fortan nur noch auf dem Sofa sitzt, um zu brüten. Man wagt zu denken, dass es niemanden gross stört, wenn eine Schwangere gar hin und wieder das Haus verlässt und zwar nicht nur, um zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen oder um sich die Babyausstattung zu besorgen. 

Ein Blick in die Sonntagspresse macht jedoch schnell einmal klar, dass noch fas alles beim Alten ist: Ist Frau Nationalrätin guter Hoffnung, dann liest man nicht mehr, dass „die Nationalrätin am Mediengipfel“ zu Gast war, dann steht da, dass „die schwangere Nationalrätin“ anwesend war. Weil jetzt, wo Frau Nationalrätin mit Fötus unterwegs ist, natürlich alles ganz anders ist. Nun gut, für sie persönlich ist natürlich schon einiges anders geworden. Aber für den Rest des Landes? Nicht wirklich, oder? Es sei denn, man habe Mühe damit, zu verdauen, dass Frau Nationalrätin nach der Geburt des Kindes zwar den Job, nicht aber die Politik an den Nagel hängen will. Und wo kommen wir denn hin, wenn immer mehr Frauen im Parlament sitzen, die auch an die Zukunft ihres eigenen Kindes denken, wenn sie sich die Zähne daran ausbeissen, wie die Schweiz dereinst aussehen soll?

Oh ja, ich weiß, jetzt kommt dann gleich der Einwand, wir hätten in der Schweiz eben ein Milizparlament und da dürfe es nicht sein, dass ein Politiker keinen Job habe, sonst verliere er den Kontakt zum Alltagsleben und werde zum Berufspolitiker. Und da gehen mir natürlich die Argumente aus, denn es ist eine altbekannte Tatsache, dass man im Elfenbeinturm des Familienlebens von der harten Alltagsrealität so gut wie nichts mitkriegt.

Die Welt verändern mit Mama Venditti

Es war schon in der Finanzkrise so und jetzt, wo wir uns endlich ernsthaft überlegen müssen, ob es auch ohne Atomstrom geht, geht das Gejammer wieder los: Wir können doch nicht einfach so unsere Ansprüche runterschrauben. Wir haben uns an einen bestimmten Standard gewöhnt und unsere Lebensqualität würde sich massiv verschlechtern, wenn wir plötzlich mit weniger Strom, weniger Rohstoffen, weniger CO2-Verbrauch, etc. auskommen müssten.

Nun, ich weiss nicht, wie ihr das seht, aber in meinen Augen gibt es ganz viele Dinge, ohne die wir auskommen könnten, ohne dass unsere Lebensqualität unter dem Verlust leiden würde. Im Gegenteil, sie würde sich sogar erheblich verbessern. Hier sind einige Dinge – zugegebenermassen  vor allem kleine Dinge, aber irgendwo muss man anfangen – die mir so ganz spontan einfallen:

Kinder-Überraschungseier: Habt ihr schon je ein Kind gesehen, das dank dieser unsäglichen Kleinstspielzeuge ein glücklicheres Leben hatte? Ich nicht. Im Gegenteil. Meine Kinder sind danach meist bedeutend unglücklicher als zuvor. Entweder, weil der Bruder das viel bessere Spielzeug drin hatte oder aber, weil das Ding innert Minuten kaputt war. Warum nicht Rohstoffe, Energie und zugleich elterliche Nerven sparen und das Zeug abschaffen?

Das Spielzeug zum Happy Meal: Der gleiche Grund wie oben, nur dass man hier noch weiter gehen könnte und nicht nur das Spielzeug, sondern den ganzen Laden rund ums Spielzeug abschaffen könnte. Glaubt mir, die Kinder früherer Generationen waren nicht unglücklicher, bloss weil sie nicht nach Lust und Laune Müll in sich reinstopfen konnten. Wozu man einen Betrieb aufrecht erhalten muss, der rund um den Globus rund um die Uhr gesunde Nahrungsmittel in ungesunden Mist verwandelt, der all den Mist in unnötige Verpackungen steckt und dann auch noch Tag und Nacht die Leuchtreklame eingeschaltet haben muss, damit er nicht in Vergessenheit gerät, leuchtet zumindest mir nicht ein.

Musikberieselung allüberall: Kann mir mal einer erklären, weshalb in einem vollbesetzten Café, in dem sich unzählige Menschen angeregt unterhalten, auch noch Musik laufen muss? Wozu es gut sein soll, dass mir beim Bummel durch eine beliebige Altstadt dieses Landes aus jedem Laden andere Musik entgegen dröhnt? Wie es mein Leben bereichern soll, dass im Parkhaus Musik läuft und zwar auch sonntags? Weshalb ich selbst dann, wenn ich mit meinem Kind auf der Notfallstation auf den Bescheid des Arztes warte, ungefragt mit seichter Radiomusik beschallt werden muss? Konservenmusik wohin man geht und keiner fragt sich, wie das Leben klänge, wenn man auf diese Lärmverschmutzung, die ganz nebenbei auch noch ziemlich viel Strom fressen dürfte, verzichten würde.

Licht zu jeder Tages- und Nachtzeit: Die Strassenlampen brennen auch tagsüber? Ist doch nicht weiter schlimm, wir haben ja ein Kraftwerk gleich um die Ecke, das uns den Strom dazu liefert. Nächtliche Beleuchtung von Sehenswürdigkeiten? Aber klar doch. Wie soll sonst die Menschheit je erfahren, dass hier ein imposantes Schloss, dort eine schöne Stadtkirche steht? Lichtshows am Nachthimmel? Aber natürlich. Die Menschen haben doch einen hohen Eintrittspreis bezahlt, also muss der Partyveranstalter auch etwas Spektakuläres bieten. Dass die Vögel dabei fast durchdrehen und die Nachbarn einen Vogel kriegen, kümmert doch keinen.

Erdbeeren aus Spanien: Seien wir doch ehrlich, die Dinger schmecken scheusslich. Es sei denn, man befinde sich gerade zufällig in Spanien und habe die Zeit, darauf zu warten, bis sie reif sind. Ach, und wo wir schon bei den Erdbeeren sind: Hat mir jemand einen Tipp, wie ich Luise davon überzeugen soll, dass es am Montag keine Geburtstagstorte mit Erdbeeren geben soll? Das Argument „Erdbeeren, die so lange gereist sind, sind unglücklich und schmecken deshalb nach gar nichts“, hat sie noch nicht vollends überzeugt.

Strombetriebene Mini-Ferraris für Kleinkinder: In so einem Gefährt sieht auch das intelligenteste, aufgeweckteste und glücklichste Kind nur noch gelangweilt, dumm und verzogen aus. Da verschwendet man wertvolle Ressourcen, nur um ein Kind derart zu degradieren. Weg damit!

Arbeiten bis Mitternacht und darüber hinaus: Früher war spätestens nach dem Abbrennen der letzten Kerze Schluss und die Arbeit musste bis zum nächsten Tag warten. Heute ist dank Glühbirne, Computer und Drucker erst Schluss, wenn die Arbeit beendet ist. Ich kenne mindestens einen Menschen auf diesem Planeten, der ein glücklicheres Leben führen würde, wenn sich abends, wenn die Kinder im Bett sind, die Arbeitszeit nicht beliebig ausdehnen liesse.

Mike Shiva & Co: Kann mir mal einer erklären, inwiefern sich unsere Lebensqualität verbessert, wenn das Fernsehen rund um die Uhr jedem Deppen, der glaubt, etwas zu sagen zu haben, auch noch einen Sendeplatz anbietet? Und wenn kein Sendeplatz mehr frei ist, der Deppen aber noch immer genug da sind, gründet man eben einen neuen Sender, auf dass wir nie in Gefahr geraten, uns einmal ein paar Momente lang mit Nachdenken abgeben zu müssen. Würde man das Fernsehprogramm auf die wirklich sinnvollen, informativen und unverzichtbaren Sendungen begrenzen, wir könnten wohl morgen aus der Atomenergie aussteigen.

Beautifulvenditti: Ja, dieser Blog bedeutet mir sehr viel und ich freue mich sehr darüber, dass er für eine Handvoll Menschen zur täglichen Unterhaltung beiträgt. Aber glaubt mir, ich bin mir mehr als bewusst, dass die Menschheit sich auch ohne meinen Beitrag früher oder später zugrunde richten wird auch ohne meinen stromfressenden Beitrag auskommen könnte.

 

 

Zerredet

Gibt es irgendwo auf diesem Planeten einen Flecken Erde, an dem die Menschheit noch richtig tickt? Falls ja, dann würde ich mich gerne mit meiner Familie dorthin verkriechen. Die Schweizer, die sich auch nach bald einer Woche Fukushima noch allen  Ernstes an den Erhalt der Atomkraft klammern, hängen mir zum Hals raus. Ich kann Sätze wie „Zuerst müssen wir mal analysieren, was in Japan überhaupt passiert ist, bevor wir zum voreiligen Schluss gelangen, dass wir aus der Kernenergie aussteigen müssen“, nicht mehr hören. Allein schon das Wort „Kernenergie“ treibt mich zum Wahnsinn, dieser Euphemismus, der nur dazu gebraucht wird, um zu verschleiern, womit da gespielt wird. Von „Experten“, die noch heute so tun, als könne man das Risiko je in Griff bekommen, habe ich die Nase voll.

Also noch einmal meine Frage: Gibt es einen Ort auf der Welt, wo die Katastrophe nicht zerredet wird, bis man wieder frohgemut weitermachen kann mit dem Mist? Oder muss ich mir einfach  einen Ort  suchen, an dem ich die Sprache nicht verstehe, damit ich mich nicht nach jeder Politidiskussion so fürchterlich aufregen muss.

Keine Antwort

Da will man nach einem Grippetag, den man damit verbracht hat, die deprimierenden Nachrichten aus aller Welt in der Sonntagspresse eingehend zu studieren, noch ganz kurz die Nachrichten schauen. Um zu erfahren, ob noch immer so getan wird, als sei die Sache mit den Japanischen AKWs weiter nicht schlimm. Um etwas darüber zu erfahren, ob man hierzulande inzwischen nicht vielleicht doch ein klein wenig daran zweifelt, ob neue AKWs gebaut werden sollen.

Aber die Nachrichten lassen auf sich warten, denn in der Schweiz hat man wichtigere Sorgen: Wer wird das Rennen um den Titel „Das grösste Schweizer Talent“ machen? Man schaut zu, wie Menschen für irgendwelchen Mist bejubelt werden und plötzlich fragt man sich, ob all der Klamauk vielleicht nur da ist, um zu kaschieren, dass man auf die harten Fragen des Lebens keine Antworten weiss.

Ach und übrigens, über die Katastrophe in Japan habe ich den Kindern für einmal nichts erzählt, denn von unserem Küchenfenster aus geniessen wir beste Sicht auf den Kühlturm. Und ich glaube nicht, dass ich eine beruhigende Antwort auf die kindliche Frage „Was wäre wenn…“ aus dem Hut zaubern könnte.

Das tut weh

In der Schweiz hat mal wieder eine halbwegs prominente Frau ihren gut bezahlten Job geschmissen, weil ihr die Doppelbelastung von Familie und Beruf zu viel wurde und schon sind die Zeitungen voll von Berichten und Kommentaren zum Thema „Mutter & Burnout“. Ist doch gut, dass darüber geredet wird, sollte man denken. Aber was man dann liest, lässt einem die Galle hochkommen: „Jeder will Erfolg. Das aufpolierte Ego ist gefrässig und verlangt nach mehr. … Ändern Sie Ihr Leben. Vielleicht liegt der schnittige BMW nicht mehr drin oder die jährlichen Malediven-Ferien. …. Alle wollen alles haben…. Wer Burnout hat, ist ausgebrannt. Er bezahlt den Preis für das eigene Gehetz….“ Diese verbalen Ohrfeigen teilt nicht etwa ein konservativer Mann aus, nein, eine Journalistin fühlt sich dazu berufen, ihre Geschlechtsgenossinnen zu einem veränderten Leben aufzurufen.

Ich weiss, ich müsste über diesem Geschreibsel stehen, doch wenn ich solches lese, dann kommt der ganze Schmerz wieder hoch. Dann sehe ich mich wieder vor mir, wie ich stundenlang heulend aus dem Fenster starrte und in mir keinen Funken Kraft zum Weitergehen mehr fand. Nicht etwa, weil ich mir meinen BMW nicht mehr leisten konnte – welche Mama will denn schon einen BMW? – nein, weil ich mich vor lauter Schlafmangel und Schmerzen kaum mehr auf den Füssen halten konnte und von der Ärztin bloss zu hören bekam, ich sollte mich doch hin und wieder ein wenig hinlegen. Ich erinnere mich an die einsamen Waldspaziergänge, bei denen ich meine Not zum Himmel schrie. Nicht die Not, dass ich nicht auf die Malediven jetten konnte, sondern die Not, dass ich am Ende meiner Kräfte war und keine Hilfe bekommen konnte, weil ich „nicht berufstätig“ war und unser Budget eine bezahlte Hilfe nicht zuliess. Beim Lesen sehe ich auch die verzweifelten Gesichter ausgebrannter Freundinnen vor mir. Frauen, die wie ich, oft nicht wissen, wie sie wenigstens fünf Minuten am Tag entspannen können. Frauen, die sich nicht einfach eine Woche Wellness-Urlaub leisten können, wenn sie übermüdet sind. Frauen, die alles geben und ausser dem Lächeln ihrer Kinder und – wenn sie ganz viel Glück haben –  der Liebe ihres Ehemannes keinen Lohn bekommen. Und so überlebenswichtig die zwei Dinge auch sind, sie reichen nicht, um einen vor dem Ausbrennen zu schützen.

Die Gründe für das Ausbrennen sind bei jeder Frau anders: Finanzielle Engpässe (und zwar nicht, weil man auf die Malediven gereist ist und mit dem BMW herumkurvt), kranke Kinder, Verlust der Stelle, komplizierte Schwangerschaften, Krankheiten, Eheprobleme und was man sich sonst noch nie im Leben wünschen würde. Eines aber haben alle Frauen gemeinsam: Sie wollen nicht zu viel, sie geben zu viel.

Jawohl, Moll bleibt Moll

Hätte ich die blöde Zeitung doch heute früh ins Altpapier geschmissen! Dann müsste ich mir jetzt nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob es mit der Bildung endgültig bergab geht. Aber weil ich Sonntagszeitungen allein schon wegen ihrer Dicke liebe, habe ich mir die „NZZ am Sonntag“ aufgespart, bis ich endlich Zeit finde, sie zu lesen. Zwischen Essen kochen, Kinder chauffieren, Windeln wechseln und Telefonwerbung abwimmeln schaffte ich heute so einige Artikel, bis ich  am späten Nachmittag beim Kulturbund angelangt war. Und wen muss ich da sehen, auf Seite 53 unten? Papa Moll!

Papa Moll in der „NZZ am Sonntag“? Gehörte der nicht eher in die „Schweizer Familie“? Es bleibt aber nicht beim Bild. Und ich bekomme auch keine spöttische Kritik am langweiligsten Papa der Schweiz zu lesen. Nein, ich muss Sätze lesen wie diese hier: „Moll bleibt Moll, und Frau und Kinder und Dackel Tschips haben ihre Rollen. Aber was am Rand der Streiche, in den Kulissen und teils auch in der Handlung an Fakten transportiert wird, das überrascht.“

Nun, mich überrascht eher, dass Oberbünzli Moll der NZZ Kulturredaktion solche Zeilen Wert ist. Wie, frage ich, wie soll ich da meinen Kindern gegenüber noch rechtfertigen können, dass es in unserer Hausbibliothek bei dem einen Papa Moll-Band bleiben wird, den ich in der Eile vor der Abreise nach Chamonix auf Druck des FeuerwehrRitterRömerPiraten gekauft habe?

Ich weiss nicht mehr ein noch aus. Soll ich mein „NZZ am Sonntag“-Abo künden? Muss ich meine Meinung über Papa Moll revidieren, dem Kerl noch eine Chance geben? Oder soll ich ganz einfach tun, als hätte ich die Zeilen nie gelesen? Ich glaube, ich wähle die letzte Variante. Denn auch für mich bleibt der Moll, was er schon immer war: Ein unerträglicher Bünzli. Und sei die „NZZ am Sonntag“ noch so positiv überrascht von ihm.

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Beunruhigende Nachrichten

Nach einer laaaangen Abwesenheit von einer Woche weiss man ja gar nicht mehr, was so alles läuft in der Schweiz. So hatten wir zum Beispiel von der Diskussion um die Minarett-Plakate überhaupt nichts mitbekommen. Um unsere Wissenslücken wieder aufzufüllen, schauten „Meiner“ und ich deswegen zu später Stunde die Spätausgabe der Tagesschau. Die Stunde war so spät, dass „Meiner“ nach fünf Minuten laut vor sich hin schnarchte. Ich aber habe durchgehalten bis zum bitteren Ende.

Was auch gut war, denn sonst hätte ich die wirklich beunruhigenden Nachrichten verpasst: Drei Spieler der Fussball-Nationalmannschaft sind an einer Magen-Darm-Grippe erkrankt. Das sind wirklich schlechte Nachrichten! Mit besorgter Miene spricht Trainer Othmar Hitzfeld – so heisst er doch, oder? – über den Zustand seiner Spieler. Und was man zu hören bekommt, ist wirklich hart: Einer der drei hat doch tatsächlich das Spiel gegen Luxemburg bestreiten müssen, als ihm bereits schlecht war. Und den drei Männern ging es wirklich gaaaanz gaaaaanz schlecht. Doch es gibt auch einen Hoffnungsschimmer: Einer ist bereits auf dem Weg der Besserung und die anderen werden bis zum nächsten Spiel auch wieder fit sein. Ach, was sind wir doch erleichtert! Wo doch die medizinische Versorgung von Fussballspielern äusserst dürftig ist.

Was aber im ganzen Beitrag keiner erwähnt hat, ist der wirklich beunruhigende Aspekt: Was, wenn die drei Fussballer Noroviren in die Schweiz geschmuggelt haben? Dann sind wieder wir Eltern die Leidtragenden, müssen unseren Alltag mit dem Aufputzen von Erbrochenem und  mit Teekochen bestreiten. Und das alles, währenddem uns speiübel ist. Viel schlimmer, als so ein kleines Länderspiel. Ist nämlich nach neunzig Minuten noch lange nicht vorbei. Und hat den fiesen Nebeneffekt, dass man die Krankheit beliebig oft wiederholen kann. Und auf der Ersatzbank sitzt keiner,  der für uns einspringen kann, wenn wir erbrechen müssen. Das, meine Damen und Herren der Tagesschau, das sind die schlechten Nachrichten.

Deshalb meine Forderung: Sperrt um Himmels Willen diese Fussballspieler ein, solange sie das Virus noch verbreiten können! Und erfindet endlich virtuelle Fussballspiele, damit die elende Reiserei, bloss um einem Ball nachzurennen, endlich aufhört! Wir wollen doch nicht schon wieder kotzen, bloss weil die Schweizer sich um alles in der Welt bei dieser WM blamieren wollen. Am Ende bringen die von Südafrika doch keinen Pokal nach Hause, dafür aber wieder viele kleine Noroviren und dann geht alles wieder von Vorne los. Bei uns zu Hause natürlich.

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Hausfrauenträume

Das Bild von der selbstreinigenden Toilette, das neulich bei „10 vor 10“ gezeigt wurde,  will mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Okay, selbstreinigende Toilettenkabinen gibt es schon länger, aber früher hat mich das ziemlich kalt gelassen. Jetzt aber weckt diese Einrichtung bis anhin unbekannte Sehnsüchte. Wäre es nicht schön, denke ich, wenn man den ganzen Haushalt so einrichten könnte? Mal schnell aufräumen, alle Türen schliessen, das Ganze reinigt sich von selbst und ich könnte mich Wichtigerem widmen. Wäre doch grossartig, nicht wahr? Obschon ich mir nicht sicher bin, ob bei uns alles sauber würde. Die Leimlache, mit der heute der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat ihr Kunstwerk auf dem Küchenboden befestigt haben, müsste ich wohl immer noch selber wegputzen.

Übrigens ist mir der oben genannte „10 vor 10“-Bericht aus einem weiteren Grund in Erinnerung geblieben: Wie da mit ernsten Mienen von „Wildpinklern“ und Leuten, „die auswärts pinkeln“ geredet wurde, ist einfach unvergesslich. Zwei wunderbare Ausdücke, die ich unbedingt in mein Vokabular aufnehmen muss! Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat wiedermal zu faul sein wird, das nächstgelegene WC aufzusuchen, werde ich ihn ermahnen können: „Mein lieber Sohn, weisst du denn nicht, dass Wildpinkeln in der Schweiz strengstens verboten ist?“

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Satire?

Die Frau am Telefon versteht die Welt nicht mehr. „Fünfundneunzig Prozent unserer Leser finden, der ‚Nebelspalter‘ sei heute viel lustiger als früher. Und jetzt kommen Sie und sagen, Ihnen hätte unser Blatt früher viel besser gefallen. Dabei können Sie noch gar nicht so alt sein.“ Es habe eben nicht jeder den gleichen Sinn für Humor, tröste ich sie und verzichte auf ein Abo.

Wie sollte ich auch ein Heft abonnieren, das mir bei vier Probenummern gerade  zwei mal ein müdes Lächeln entlockt hat? Einige der Witze erzählte mein Vater schon vor dreissig Jahren. Nur dass die Bundesräte in seinen Witzen noch nicht Maurer und Leuenberger, sondern Furgler und Minger hiessen.

Und überhaupt: Wenn ich Satire will, bin ich mit der Tageszeitung bereits bestens bedient. Sogar Promis hätten auf das Präparat geschworen, wundert sich ein Journalist in einem Artikel über ein dubioses Heilmittel. Ja, da kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sogar Promis, die sich doch allesamt durch Intelligenz und überlegtes Handeln hervortun, sind nicht davor gefeit, einem Scharlatan auf den Leim zu kriechen. Wenn schon unsere „Elite“ so naiv ist, wie steht es dann erst um uns Normalsterbliche?

Oder kann man die folgende Forderung wirklich ernst nehmen: Die Glückskette soll eine Spendenaktion durchführen, um die gebeutelte Industrie zu unterstützen? Wir Schweizer sollten uns solidarisch zeigen mit der Exportindustrie, findet Nationalrat Otto Ineichen. Ach, was sind wir doch für Egoisten! Wir verschleudern unsere Spendengelder für Tsunamiopfer, Erdbebengeschädigte und Menschen, die bei einer Überschwemmung solche Lappalien wie ihr Häuschen verloren haben. Und wenn dann mal einer wirklich Not leidet, haben wir keinen roten Rappen mehr übrig. Ein bisschen freigiebiger dürften wir schon sein.  Insbesondere da es der Industrie nie und nimmer in den Sinn käme, uns in unserem Elend sitzen zu lassen, sollte es uns einmal nicht so gut gehen.

Solange die Zeitungen voll sind mit solchen Meldungen braucht kein Mensch ein Satiremagazin. Und sollte die Tageszeitung für einmal nichts zum Lachen bieten, habe ich zum Glück noch den Zoowärter. Der fordert mich mit dem  ganzen Ernst eines Zweijährigen dazu auf, endlich meinen Federschmuck zu holen, um diese lästige Fliege zu beseitigen. Wahrscheinlich hat der Zoowärter den „Nebelspalter“ gelesen, der auch zwei Monate nach Steinbrücks Attacken über nichts anderes witzeln kann als über Indianer und Kavalleristen. Deshalb glaubt der Zoowärter jetzt, jeder Schweizer habe einen Federschmuck. Oder er hat einfach noch nicht begriffen, dass das Ding, mit dem man die Fliegen totschlägt, Fliegenklatsche heisst.

Weitere Stilfragen

War das wieder ein Sonntagnachmittag! So richtig gemütlich. Ein bisschen Beerenpflücken, ein bisschen im Internet surfen und Geschenke suchen, ein bisschen Zeitung lesen. Dabei bin ich auf einige Kuriositäten gestossen, die ich ihrer Schönheit wegen nicht für mich behalten will.

Da ist zum Beispiel das ganzseitige Cablecom-Inserat in der „NZZ am Sonntag“. Eine gewisse Gina Hagmann aus St. Gallen hält ein angeblich handgeschriebenes Plakat mit der folgenden Aufschrift in der Hand: „Bei cablecom sind die Installationen sogar für mich Bubi einfach.“ Nun, wie ein Bubi sieht die doch ziemlich ältliche Gina Hagmann nicht aus, doch beim heutigen Jugendlichkeitswahn ist es wohl schmeichelhafter, sich selber als Bubi zu outen, als zu seinen Falten zu stehen.

Ein anderer schöner Satz aus der heutigen Sonntagspresse: „Religion in der Schule hat seinen Platz, aber nicht als eine Einweisung in einen bestimmten Glauben, sondern als Unterricht über alle Religionen.“ Ist doch schön, dass der Religion nicht ganz aus die Schulzimmern verbannt werden soll. Es ist ja schon traurig genug, dass der grammatikalische Geschlecht in das NZZ keinen Platz mehr hat.

Ob ich wohl nächsten Donnerstag nach Zürich fahren soll? Dort findet nämlich der „Tag des Zahnes für alle“ statt. So ganz nach dem Motto „Einer für alle, alle für Einen.“ Vielleicht aber ersteigere ich mir lieber die „Schweinebequem-Pluderhose“, auf die ich heute bei Ricardo gestossen bin. Die gefällt mir nämlich wirklich. „Meiner“ ist zwar dagegen. Dabei ist sie doch bloss schweinebequem und nicht schweineteuer. Und ausserdem würde sie meinen Bauch gut verstecken. Damit ich  beim nächsten Einkauf nicht wieder gefragt werde, ob ich schon wieder schwanger sei. Nun ja, meine Bauchdecke ist auch sieben Monate nach der fünften Schwangerschaft noch nicht besonders straff. Aber ich hatte ja auch noch keine Zeit für den Mommy Makeover. Obschon der doch heute genauso zum Muttersein gehört wie morgendliche Übelkeit, durchwachte Nächte und Schwangerschaftsstreifen.