Haushaltehre

Heute war ich mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, dem Zoowärter und dem Prinzchen alleine und da habe ich gedacht, ich könnte sie ja mal in die Geheimnisse der korrekten Mithilfe im Haushalt einführen, da sie in dieser Hinsicht ein wenig, na ja, wie soll ich sagen…unkooperativ? bequem? denkfaul? sind. Also habe ich…

…ihnen erklärt, welche Funktion der Deckel einer Zahnpasta-Tube hat und warum ich darauf bestehe, dass der immer brav zurück auf die Tube kommt, wenn man sich Zahnpaste rausgedrückt hat.

…ihnen gezeigt, wie man „Kinetic Sand“ wieder wegräumt, nachdem man ihn sich genüsslich durch die Finger hat rieseln lassen.

…ihnen klare Anweisungen gegeben, wie ich den Tisch abgeräumt haben will, nämlich so: Teller sauber in der Küche aufstapeln, noch einmal zurück ins Esszimmer, um Pfannen und Getränke abzuräumen, Gläser leer trinken und ebenfalls in die Küche bringen.

…ihnen klargemacht, dass ich nach Feierabend keine herumliegenden Schuhe, Jacken, Legos und Schalen von Clementinen mehr dulde. 

…ihnen vorgeschrieben, die abgebrannten Zündhölzer, die sie zum Anzünden der Duftlampe verwenden haben, zu entsorgen. 

…ihnen die Unterschiede zwischen Staubsauger und Besen aufgezeigt. 

…ihnen gesagt, sie dürften ein Bad nehmen, wenn sie das Badezimmer danach wieder in Ordnung bringen. 

…ihnen auch sonst noch zwei oder drei Dinge zu vermitteln versucht und da ich irgendwo mal gelernt habe, man solle beim Unterrichten unterschiedliche Methoden wählen, habe ich mal sanft gesäuselt, mal unfreundlich geknurrt, mal laut gebrüllt, mal vorgezeigt, mal vormachen lassen, mal einen Dialog geführt, mal den Zeigefinger erhoben und mal einen auf Kumpel gemacht. Und was hat das alles gebracht? Nichts, ausser der Erkenntnis, dass Söhne im Alter von sieben bis elf Jahren offenbar nicht in der Lage sind, mütterliche Anweisungen zu verstehen, egal in welcher Form sie vorgetragen werden. 

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Die Leiden eines Home Office Computers

Da gehen wir also zusammen zur Sitzung, meine Besitzerin und ich, der Computer, auf dem die meisten dieser Texte entstehen. Ich bin ja so ein richtiges Home Office-Gerät, eines, dem man ansieht, dass sie sich mal mit ihrem Frühstück vor mich hinsetzt, mal neben dem Kochherd ein paar Mails checkt, mal die Kinder neben mir basteln lässt. Eigentlich bin ich ja wirklich stolz auf diese Spuren, mich dünkt, sie unterstreichen meine Wandlungsfähigkeit, aber das, was sie mir heute angetan hat, führt zu weit. 

Da macht sie sich also für diese Sitzung bereit, stellt sich unter die Dusche, sucht sich die saubersten Klamotten aus dem Schrank, anstatt bis kurz vor Mittag im Pyjama vor mir rumzuhängen, steckt sich einen halbwegs zur Kleidung passenden Ring an den Finger und schmiert sich gar mit Lippenstift voll, obschon sie von solchen Dingen nun wirklich keine Ahnung hat. Ich sitze daneben, schaue zu und denke, sie werde sich jetzt dann gleich mit dem Lappen an mir zu schaffen machen, weil wir ja schliesslich gemeinsam aus dem Haus gehen und einen guten Eindruck machen sollen. Aber sie tut nichts dergleichen, packt mich nur zusammen mit dem von der Babykatze angenagten Kabel in eine lausige Stofftasche und rennt zum Bahnhof. 

Tja, und im Sitzungszimmer stehe ich dann natürlich wieder blöd da mit meinen Krümeln zwischen den Tasten, den Fingerabdrücken und den Kaffeespritzern auf dem Bildschirm und dem undefinierbaren, eingetrockneten Zeugs auf dem Gehäuse. Zu Hause macht mir das ja wie gesagt nichts aus, aber hier in diesem piekfeinen Sitzungszimmer in Gesellschaft all dieser anderen Geräte ist mir das schon etwas peinlich. Meiner Besitzerin offenbar auch, denn sie fängt vor den Augen aller anderen damit an, wild an mir herum zu putzen und verschmiert dabei nur die Kaffeespritzer. Sie macht sich mit den Krümeln zu schaffen, kratzt Spuren vom Gehäuse und in mir steigt die Angst hoch, dass sie mir demnächst mit Spucke zu Leibe rückt, aber das traut sie sich Gott sei Dank nicht in dieser Umgebung. 

Am liebsten hätte ich mich an ihr gerächt, einen gewaltigen Absturz produziert oder mitten im Meeting irgend einen peinlichen Song aus der Playlist zum besten gegeben, aber   so etwas verbietet mir mein Arbeitsethos. Natürlich aber habe ich es mir nicht nehmen lassen, mit den anderen im Raum anwesenden Geräten so richtig vom Leder zu ziehen, als die Sitzungsteilnehmer in die Mittagspause verschwanden. Meine Kolleginnen behaupteten doch tatsächlich, ihnen ginge es keinen Deut besser als mir, aber ich weiss nicht, ob sie das nur gesagt haben, damit ich mich besser fühle. Mein Bildschirm war nämlich vor lauter Fingerabdrücken so blind, dass ich an den anderen nicht die geringsten Home Office-Spuren erkennen konnte. 

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Fühlt euch bitte, als wäret ihr unsere Gäste

Zu Hause:

„FeuerwehrRitterRömerPirat, Zoowärter, Prinzchen, räumt bitte eure Zimmer auf.“ 

Zwanzig Minuten später: „Ich will, dass ihr jetzt eure Zimmer aufräumt.“

Eine halbe Stunde später: „Okay, ich sehe, dass ihr angefangen habt, aber fertig seid ihr noch lange nicht.“ 

Vierzig Minuten später: „Nein, ihr dürft jetzt nicht ans iPad. Eure Zimmer sind noch immer nicht fertig.

Eine Stunde später: „Okay. Eine halbe Stunde raus in den Schnee, austoben und dann weitermachen.“

Noch eine Stunde später: „Ja, ihr müsst weitermachen. Ja, ich weiss, dass ihr keine Lust habt dazu, aber das Zimmer muss jetzt einfach gemacht werden.“

Und so immer weiter, bis irgendwann, gefühlte hundert Tage später, alle drei Zimmer soweit aufgeräumt sind, dass man ohne Schneepflug durchkommt. 

Bei Freunden und Verwandten:

„Meiner“ & Ich: „FeuerwehrRitterRömerPirat, Zoowärter, Prinzchen, wir gehen in einer halben Stunde nach Hause. Räumt bitte die Spielsachen weg, mit denen ihr gespielt habt.“

Die drei im Chor: „Ist schon erledigt! Wir haben alles wieder weggeräumt.“

Und wenn einer hochgeht, um nachzusehen, ob sie wirklich getan haben, was man von ihnen erwartet, ist tatsächlich alles wieder dort, wo es hingehört. 

Ich glaube, ich sagen denen jetzt dann mal, sie sollen sich zu Hause bitte so fühlen, als wären sie unsere Gäste, vielleicht klappt’s ja dann.  

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Die Zaubermaus und der Filzstift

Da bunkert man sich einmal einen ganzen Tag lang in seinem Büro ein, hängt abends noch eine Sitzung an und am nächsten Morgen findet man im Kinderzimmer ein Prinzchen mit violetter Filzstift-Kriegsbemalung im Gesicht. Gewöhnlich habe ich ganz und gar nichts gegen Filzstift-Kriegsbemalungen, meistens nehme ich sie nicht mal mehr zur Kenntnis, weil sie halt einfach entstehen, wo Kind, Filzstift und Fantasie sich treffen. Mit der Zeit wäscht sich das ja schon wieder aus und wenn ich mir Karlsson ansehe, der früher gerne mit blauen Sams-Wunschpunkten am ganzen Körper experimentiert hat, kann ich getrost sagen, dass sich die Faszination für temporäre Körpermalereien irgendwann auch auswächst.  

Mitten im Gesicht eines kleinen Jungen, der demnächst auf einem Pausenhof aufkreuzen soll, auf dem man dem Mobbing keineswegs abgeneigt ist, erscheinen mir Filzstiftverzierungen aber doch etwas gewagt, also beschliesse ich, den Prinzen ein wenig sauber zu machen. Bloss wie? Stahlwolle geht ja kaum und Nagellackentferner – so ich denn welchen hätte – erscheint mir auch nicht unbedingt besonders hautfreundlich. Also konsultiere ich Dr. Google und lande in einem „Du meine Güte, was soll ich bloss tun?!“-Forum. Dort berichtet eine panische Mama, sie hätte ihre kleine Zaubermaus – vielleicht war es auch die Zuckerbohne oder die Zimtprinzessin, auf alle Fälle etwas Weibliches – über und über mit Filzstiftspuren verziert im Bett vorgefunden und möchte nun zu gerne wissen, wie sie das Kindchen wieder zart und rosig kriegt. 

Die Erste, die sich zu Wort meldet, kann leider nur sagen, wie man es nicht machen soll, denn die erinnert sich noch lebhaft daran, wie ihre Mutter ihr mal mit Wundbenzin, Seife und Nagelbürste  zu Leibe gerückt ist, als sie es mit den Filzern zu bunt getrieben hatte. Nach so einer schlimmen Geschichte kann man natürlich keine brauchbaren Tipps mehr erwarten, denn jetzt müssen sich die Mamas erst mal darüber auslassen, wie schrecklich herzlos man mit unserer Generation noch umgesprungen ist und  wie sie es nie übers Herz brächten, ihre Sahnetrüffelchen, Schnuffelbären und Herzkäferchern derart lieblos zu behandeln. Gut, die eine oder andere  merkt vielleicht nebenbei an, man könne es ja mal mit Babyöl oder Feuchttüchern ausprobieren, aber so richtig überzeugend kommen diese Ratschläge nicht rüber. 

Dies ist aber nicht weiter schlimm, denn die Mama, die eigentlich wissen wollte, wie sie ihr Töchterchen wieder rosig kriegt, hat jetzt ein anderes Anliegen. Es würde sie so furchtbar wundernehmen, wie denn diejenige, die sich mit Nagelbürste, Seife und Wundbenzin behandeln lassen musste, ihr Leben so gemeistert hat in den vergangenen vierzig Jahren. Eine astrologisch bewanderte Person habe nämlich schon kurz nach der Geburt vorausgesagt, die Zaubermaus – oder Zuckerbohne oder Zimtprinzessin – werde mal viele Flausen im Kopf haben, das würden die Sterne ganz deutlich sagen und es wolle ihr fast so vorkommen, als hätte die Wundbenzin-Nagelbürsten-Seifen-Schreiberin als Kind auch viele Flausen im Kopf gehabt und da möchte sie doch zu gerne wissen, wie sich das im Laufe der Zeit so weiter entwickelt, ob da vielleicht später mal was Kreatives draus werden könnte.

Ich habe dann nicht mehr weitergelesen, denn das Prinzchen war ja noch immer kriegsbemalt, die Zeit weit fortgeschritten und ein brauchbarer Tipp war weit und breit nicht in Sicht. Bevor ich zu einer Seite mit echten Hausmitteln wechselte, bekam ich aber noch mit, dass die Zaubermaus – oder Zuckerbohne oder Zimtprinzessin – unbedingt wieder sauber werden musste, weil die Mama der Modelagentur neue Bilder ihres Töchterchens liefern sollte und zwar so schnell als möglich, aber vielleicht sei die Aktion mit den Filzstiften ja auch eine unterbewusste Rebellion gegen das Modeln gewesen. Wer weiss? 

Ich hab dann das Prinzchen mit Olivenöl und Zucker halbwegs sauber gepeelt und mich dabei in Grund und Boden geschämt, weil andere Mütter alles tun, um ihrem Kind eine anständige Karriere zu ermöglichen, während ich den Filzstiftspuren nur dann zu Leibe rücke, wenn Gefahr besteht, dass mein Sohn ihretwegen auf dem Pausenhof eins auf den Deckel bekommt. 

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Rätsel

Die Ausgangslage: Zoowärter war es gestern Nachmittag speiübel, weshalb er zu Hause blieb. Nach Schulschluss bekamen zwei Mitschüler den Auftrag, ihm den Schulsack mit den Hausaufgaben zu bringen. Die Kinder kamen zu unserem Haus, sahen Zoowärters Grossmama im Garten und überreichten ihr den Schulsack, der dann still und unbemerkt bei uns im Treppenhaus darauf wartete, bis sich Zoowärter wieder wohl fühlte. Von alldem bekamen wir nichts mit, da die Kinder nicht daran dachten, meine Mutter darauf aufmerksam zu machen, dass da noch Hausaufgaben zu erledigen wären.

Heute Morgen war die Übelkeit wie weggeblasen, Zoowärter und Schulsack gingen zur Schule, kamen bald darauf aber wieder nach Hause zurück, denn die Hausaufgaben, von denen wir ja nichts wussten, waren nicht erledigt. Also griff ich zu Papier und Stift, um der Lehrerin den Sachverhalt zu erklären. Zoowärter und Schulsack gingen wieder zur Schule, ein paar Minuten später klingelte das Telefon. Natürlich hätten die Kinder die Hausaufgaben vorbei gebracht, sagte die Lehrerin, der Zoowärter hätte also sehr genau gewusst, was zu erledigen gewesen wäre. „Ich war aber den ganzen Tag im Haus und geklingelt hat keiner“, erklärte ich trotzig, worauf Zoowärters Schulkameraden, die offenbar beim Telefongespräch mithören durften, der Lehrerin die Sache mit meiner Mutter und dem Schulsack erzählten. Damit war Zoowärter aber noch nicht aus dem Schneider, warum, habe ich nicht ganz verstanden. 

Soweit der Sachverhalt. Da mich die Angelegenheit ziemlich verunsichert hat, möchte ich von euch, liebe Mitlesende wissen, wer eurer Meinung nach dafür verantwortlich ist, dass der Zoowärter seine Hausaufgaben nicht gemacht hat:

Ratschläge

Begegnung Nr. 1

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige…“

„Ihr müsst unbedingt zum Osteopathen mit ihr. Bei meiner Schwägerin hat das wahre Wunder gewirkt.“

Begegnung Nr. 2

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige….“

„Ich sag dir, Akupunktur ist einfach das Beste in diesem Fall. Alles andere kannst du vergessen.“

Begegnung Nr. 3

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige…“

„Also, wenn ich euch wäre, hätte ich es schon längst mit Bachblüten probiert.“

Begegnung Nr. 4

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige…“

„Ich kenne einen guten Chiropraktiker. Der bringt das in Nullkommanix wieder in Ordnung. Willst du seine Nummer?“

Begegnung Nr. 5

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige….“

„Massage! Ich sag dir, Massage ist das Allerbeste in so einem Fall.“

Begegnung Nr. 6

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige…“

„Ich habe gute Erfahrungen mit Cranio-Sacral-Therapie gemacht. Müsst ihr unbedingt auch ausprobieren.“

Begegnung Nr. 7

Die findet hoffentlich nie statt, denn die würde vermutlich so verlaufen:

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Komm mir bloss nicht mit irgendwelchen Sch….ratschlägen, wir hängen auch so schon genug in Wartezimmern rum!“

Und dabei weiss ich doch, dass sie es alle nur gut meinen.

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Fragerunde

Wie kommt es, dass Karlssons „neuer“ Plattenspieler, Herstellungsjahr ca. 1961, mehr Power hat als jedes moderne Gerät? Jetzt windet sich Edith noch lauter durch meine Gehörgänge…

Was für ein Unmensch kommt auf die Idee, die Weihnachtsferien vom 24. Dezember um 12 Uhr bis zum 11. Januar um 7:00 Uhr festzulegen? Und welcher Bildungsdirektor ist blöd genug, eine solche Schnapsidee auch noch abzusegnen? Ich meine, erst schleppen sich die Kinder todmüde unter den Tannenbaum, wo sie vor lauter Erschöpfung fast einschlafen und dann schlagen sie einander eine Woche lang die Köpfe ein, weil nach Silvester nichts mehr kommt als gähnende Leere und eine Mama, die wieder arbeiten müsste und möchte, dies aber nie ungestört tun kann, weil andauernd einer heult. 

Reicht eine tief sitzende Abscheu gegen eine Garage aus, um das Gebäude abzureissen, oder braucht man dazu auch handwerkliches Geschick und gutes Werkzeug? Tief sitzende Abscheu hätte ich nämlich mehr als genug, aber „Meiner“ meint, damit könne man das Ding unmöglich erledigen, immerhin habe es schon vielen Stürmen getrotzt. 

Ich möchte zu gerne wissen, ob der FeuerwehrRitterRömerPirat wirklich weiss, wie man Schach spielt, oder ob er einfach den Jargon gut genug beherrscht, um uns alle glauben zu machen, er verstehe das Spiel. Um das herauszufinden müssten wir aber das Schachspiel erlernen, anstatt uns nur immer als hilflose Gegner zur Verfügung zu stellen. Irgendeiner da draussen, der sich zur Verfügung stellt? Mein Gehirn weigert sich nämlich seit Jahren standhaft, das Spiel zu verstehen. 

Für wen soll ich Partei ergreifen: Für das Prinzchen, der mit endloser Geduld ein Haus aus UNO-Karten gebaut hat, oder für den Zoowärter und den FeuerwehrRitterRömerPiraten, die endlich mal mit den Karten spielen möchten? (Nein, ich kaufe dem Frieden zuliebe kein zweites Kartenset. Das Prinzchen würde daraus bloss ein noch grösseres Kartenhaus bauen wollen.)

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Dreikönigstag nach Memmenart

Meine Schwester meinte ja zuerst, sie müsse sich schämen, weil sie den Dreikönigskuchen fertig kauft, während ich den Kindern morgen einen Selbstgebackenen serviere. Dann aber erklärte ich ihr, dass ich diejenige bin, die vor Scham erröten sollte. Sie bringt es nämlich problemlos übers Herz, dabei zuzusehen, wie ein einziges Mitglied ihrer Familie sich morgen die Krone aufsetzen darf. Ja, sie nimmt gar in Kauf, dass ihr vielleicht diese Ehre zuteil wird, während Kinder und Ehemann leer ausgehen. So sei das nun mal am Dreikönigstag, meint sie schulterzuckend und ich bewundere sie für ihre Gelassenheit.

Ich wünschte, ich wäre wie sie. Dann stünde ich jetzt nämlich nicht in der Küche um zwei Kuchen mit insgesamt vier Königen und einer Königin drin zu backen. Ich müsste auch nicht zu später Stunde  meinen Schrank nach den fünf Kronen durchwühlen, die ich vor einiger Zeit bestellt habe. Und morgen könnte ich ganz cool der Dinge harren, die da kommen, anstatt zu bibbern, ob auch wirklich jeder seinen König bekommt, oder ob einer alles abräumt, während die anderen leer ausgehen. 

Tja, das hat man eben davon, wenn man dem Irrglauben verfallen ist, es gebe eine gerechte Form der Monarchie. 

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Zwist unter Brüdern

Aus dem Badezimmer, wo der FeuerwehrRitterRömerPirat in der Badewanne sitzt, ertönt ein fürchterliches Geheul, verursacht durch eine fiese Attacke des Zoowärters. Der müsste eigentlich damit beschäftigt sein, den Esstisch zu putzen, stattdessen aber schleicht er sich ins Badezimmer, um den viel zu nassen Lappen über dem Kopf seines badenden Bruders auszuwringen. Obschon der Lappen seine Schicht in der Küche erst vor ein paar Stunden angetreten hat und deswegen noch relativ sauber ist, können wir eine solche Gemeinheit natürlich nicht einfach durchgehen lassen, weshalb wir den Zoowärter zu Überstunden im Küchendienst verdonnern. 

„Meiner“ und ich finden, diese Sanktion sei ganz und gar gerechtfertigt, der Zoowärter aber weint darob bittere Tränen. Ob wir denn vergessen hätten, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat ihn gestern ganz übel getreten hätte? Ob man sich denn in diesem Hause nicht mal mehr angemessen rächen dürfe? Nein, rächen dürfe er sich nicht, das würde den Konflikt nur in eine weitere Runde gehen lassen, erklären „Meiner“ und ich, aber der FeuerwehrRitterRömerPirat habe sich gestern tatsächlich total daneben benommen. 

Der Zoowärter ist damit halbwegs besänftigt, der FeuerwehrRitterRömerPirat aber findet, er hätte seinen Bruder gestern vollkommen zu Recht angegriffen, wo dieser ihm doch vorgestern Zahnpaste aufs Haar geschmiert habe. 

Diesen Einwand können wir natürlich nicht einfach so beiseite wischen, also sagen wir dem Zoowärter, das mit der Zahnpaste sei nicht nett gewesen und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten erklären wir die Sache mit der Rache, die wir ein paar Minuten zuvor seinem kleinen Bruder dargelegt haben. 

Für den FeuerwehrRitterRömerPiraten wäre die Sache damit erledigt, für den Zoowärter geht es jetzt aber erst richtig los. Die Zahnpasta-Attacke habe er doch nur durchgeführt, weil der FeuerwehrRitterRömerPirat ihm immer die Legos klaue. „Welche Legos hat er dir denn geklaut?“, will ich wissen. „Hast du das schon wieder vergessen?“, fragt unser Zweitjüngster entrüstet zurück. „All die Legos, die er mir weggenommen hat. Und danach hat er frech behauptet, sie würden ihm gehören. Und dann hat Papa auch noch gelacht, weil wir uns so heftig darum gestritten haben. Und dann…“ Weiter kommt der Zoowärter nicht mehr, denn jetzt wird der ob der himmelschreienden Ungerechtigkeit von einem heftigen Weinkrampf gepackt.

Ich bin ziemlich verwirrt, denn an den geschilderten Vorfall kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, darum frage ich erneut: „Welche Legos hat er dir denn geklaut?“ Unter vielen Schluchzern presst der Zoowärter hervor, wo der Ursprung des Dauerkonfliktes, in den er mit seinem Bruder verwickelt ist, seiner Meinung nach liegt: „In Frankreich war es“, heult er. „Dort hat er mir meine Legos geklaut. Und seither hat er mir sie nie mehr zurückgegeben. Und darum ist er ganz selber Schuld, dass ich heute das mit dem Lappen gemacht habe. Und vorgestern das mit der Zahnpaste…“

In Frankreich? In Frankreich! Das ist jetzt mehr als ein halbes Jahr her…

Ich hatte ja geglaubt, nur in der Weltpolitik und bei „Asterix auf Korsika“ seien sie in der Lage, einen Konflikt so lange am Köcheln zu halten, aber offenbar sind unsere Söhne ebenso talentiert in dieser Hinsicht. 

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Alte Fotos

Erst wenn man allmählich alt und hässlich wird, erkennt man, dass man damals, als man sich jung und hässlich gefühlt hat, eigentlich jung und schön war.

Unglaublich, wie jung meine Mutter auf den Fotos aussieht, die in einer Zeit entstanden sind, als ich sie für schrecklich alt und altmodisch hielt.

So ein überbelichtetes Bild hatte halt schon auch seinen Reiz.

Nichts lässt eine junge Mutter so müde und abgekämpft aussehen wie ein taufrisches, pausbackiges Baby.

In jedem Kind steckt eine Vielzahl von Tanten, Grossonkeln, Brüdern und Cousinen.

Rückblickend erstaunt es schon, wie wir unser einst so knappes Budget so weit ausdehnen konnten, dass sogar noch Ferien darin Platz fanden.

Sogar Ferien, die so ereignislos und langweilig waren, dass man sie längst vergessen hätte, wären da nicht ein paar unglaublich langweilige Fotos von ereignislosen Tagen.

Luise findet, wir hätten in den Neunzigern alle viel zu grosse Kleider getragen. (Wenn die wüsste, wie gerne die Modemacher in der Mottenkiste vergangener Jahrzehnte wühlen, um den Leuten etwas „Neues“ anzudrehen. Allzu lange kann es nicht mehr dauern…)

Die Posen auf meinen Teenager-Fotos lassen leider darauf schliessen, dass ich auch Selfies gemacht hätte, wenn es das damals schon gegeben hätte.

Und jetzt erkläre mal einer einem kleinen Digital Native, was es mit diesen Negativstreifen auf sich hat.

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