Warum Erziehung Social Media braucht

Erörterungen, warum es in Sachen Social Media Erziehung braucht, gehören schon längst zum Kanon der pädagogischen Literatur. Zu Recht natürlich, denn so ganz ohne Leitplanken würde die heranwachsende Generation wohl noch gebannter aufs Display starren als ihre Erzeuger es fast den ganzen Tag tun. Weil wir aber zwischen drei Facebook-Nachrichten und acht Tweets gerne so tun, als fänden wir die sozialen Medien ganz furchtbar böse und verwerflich, übersehen wir Eltern leicht, welch ein Segen das Zeug sein kann. Wie, ihr findet, ich würde mal wieder übertreiben? Mitnichten. Es ist nämlich so:

Mama-Teenager-Beziehung ohne Social Media:

Mama: „Du bist ein wunderbarer Mensch.“

Teenager grunzt irgend etwas Unverständliches.

Mama: „Komm, lass dich umarmen!“

Teenager grunzt wieder, lässt sich widerwillig Mamas Arm um die Schulter legen.

Mama: „Ich hab dich soooo lieb!“

Teenager zuckt peinlich berührt die Schultern und schüttelt damit auch gleich Mamas lästigen Arm ab.

Mama (seufzend): „Manchmal habe ich das Gefühl, du magst mich überhaupt nicht mehr.“

Teenager (genervt): „Mama, wo sind meine Converse?! Immer versteckst du sie.“

Mama (beleidigt): „Bin ich für dich eigentlich nur noch das Dienstmädchen? Immerhin bin ich die Frau, die dich geboren hat…“

Mama-Teenager-Beziehung mit Social Media, hier zum Beispiel WhatsApp am späten Abend:

Teenager: Hallo Mama! 😍

Mama: Alles gut bei dir? 💖

Teenager:👌💐😘

Mama: 😊 Schlaf gut!

Teenager schickt Mama ein irrwitziges Selfie.

Mama: 😂😂😂

Mama schickt auch irgend ein schräges Bild.

Teenager: 😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂

Mama: Hab dich lieb! 😍🌟⭐️😘😘💖💖

Teenager: Ich dich auch!🌹💚💛💜💙💞💕💖💝💝😍😍

Mama: 💞💚⭐️🌟😘

Teenager: 💞🌼💖💖💖💖💖🎀🎀 …. und so weiter, bis beide wieder wissen, wie viel sie einander bedeuten und bis zur nächsten Krise viel entspannter miteinander umgehen können. 

 

Piano, wenn ich bitten darf!

Die erste Frage des Tages: „Meinst du, es ist noch zu früh, um Klavier zu spielen?“ – „Ja, meine ich. Es ist gerade mal Viertel vor sieben.“ Ein enttäuschtes „Okay“, dann bricht „Je ne regrette rien“ nach nur zwei oder drei Takten ab. 

Mittags ist meist das Prinzchen zuerst. Wohnungstür auf, Jacke und Leuchtsteifen in die Ecke und ab ans Klavier. Improvisationen, verziert mit Bruchstücken von „My heart will go on“, „Du käre lilla snickerbo“ und „Freude schöner Götterfunken.“ Mit Verve haut unser Jüngster in die Tasten, bis plötzlich ein empörter Karlsson in der Tür erscheint. „Lass mich, ich durfte heute Morgen schon nicht!“ Kurzes Gerangel, lautes Geheul, dann endlich das am Morgen unvollendet gebliebene „Je ne regrette rien“, gefolgt von „Milord“, wenn ich nicht vorher zum Essen rufe. 

Mit etwas Glück schaffe ich es, meinen Teller leer zu essen, ehe Karlsson schon wieder mit der Piaf loslegt. Was ja nicht so schlimm wäre, stünde das Klavier nicht gerade mal zwei Meter neben dem Esstisch. Besonders lustig wird es, wenn „Meiner“ etwas später zum Mittagessen kommt. Dann sitzen wir einander gegenüber und brüllen uns gegenseitig an, um wahlweise unseren Ältesten oder unseren Jüngsten zu übertönen. Und wehe, wir bitten um Ruhe. Dann sind wir Kunstbanausen, Spielverderber oder einfach nur doof. 

Eigentlich ist „Meiner“ aber ohnehin nicht berechtigt, dem Spiel ein Ende zu setzen. Ist unser altes, verstimmtes Klavier nämlich ausnahmsweise mal frei, traktiert er das arme Ding mit alten Weisen aus dem Bündnerland und zwar nicht minder laut als seine Söhne. So begehrt ist das Instrument inzwischen, dass meine Gehörgänge zu rebellieren anfangen. Sie beklagen sich, ich hätte damals, als wir die Wohnung umstellten, darauf bestehen sollen, das Klavier in einem entlegenen Winkel der Wohnung zu platzieren.

Man muss sie auch verstehen, meine Gehörgänge. Sie haben zwar ganz und gar nichts gegen den musikalischen Eifer unserer Familienmitglieder, aber sie würden es schon bevorzugen, wenn die Lieben „the piano“ spielen würden und nicht „il pianoforte“.

Irgendwo muss sich die italienische Herkunft halt auch Ausdruck verschaffen. 

le maquillage; prettyvenditti.jetzt

le maquillage; prettyvenditti.jetzt

Schlafverschwendung

Früh aufstehen ist eine Qual, darin sind wir uns hoffentlich einig. (Nein, bitte lasst es mich NICHT wissen, wenn ihr das anders seht. Es würde meinem positiven Bild, das ich von euch da draussen habe, einen schlimmen Kratzer verpassen und ich weiss nicht, ob ich eure Kommentare danach noch freundlich beantworten könnte.) Also, früh aufstehen ist eine Qual und jede Sekunde, die man länger im Bett bleiben darf, ist ein kostbares Geschenk, das es mit Schnarchen und Kuscheln gebührend zu würdigen gilt. Lässt man seine Knöpfe also jeden Morgen so lange schlafen, wie es nur irgend möglich ist, ohne dass sie zu spät zur Schule kommen, erweist man ihnen einen wunderbaren Dienst, für den sie einem gefälligst auf den Knien danken sollen. 

So sehe ich das und darum war meine Erklärung für das allmorgendliche „Ich will nicht zur Schule“-Theater, das uns der FeuerwehrRitterRömerPirat seit Jahr und Tag aufführt, naheliegend: Das Kind hasst die frühen Morgenstunden ebenso sehr wie ich. Lassen wir ihn also so lange schlafen, wie es nur geht, dann kommt das schon gut. Es kam…na ja, wie soll ich sagen? Nicht so gut. Immer nur antreiben, mit Belohnungen ködern, drohen, neben ihm sitzen, damit er sich endlich anzieht… Das volle Programm, das im Erziehungsratgeber allerhöchstens unter der Rubrik „Auf gar keinen Fall so!“ auftaucht. Ein elender Teufelskreis, aus dem wir alle erst ausbrechen konnten, als „Meiner“ beschloss, nicht mehr mitzuspielen.

„Dann sieh doch selber, wie du in die Schule kommst“, sagte er eines Tages und weckte den Jungen fortan frühmorgens um sechs, also ganze neunzig Minuten bevor er aus dem Haus muss. (Wenn ihr mich fragt, grenzt so etwas an Kindesmisshandlung, aber mich fragt ja mal wieder keiner…) Und was tat unser bis anhin so störrische Dritte? Trödelte am Frühstückstisch. Trödelte beim Anziehen. Trödelte auf dem Sofa rum. Trödelte beim Zähneputzen. Trödelte neunzig Minuten lang fröhlich vor sich hin (und zog sich dabei mein „GEO Epoche“ über die RAF rein, weshalb er mich jetzt andauernd nach Menschen fragt, die er sich auf gar keinen Fall zum Vorbild machen soll). Trotzdem war er früher aus dem Haus als je zuvor, aufgedreht und fröhlich wie sonst noch nicht mal am ersten Schultag.

Bedenklich, finde ich, aber ich muss wohl lernen, damit zu leben, dass es Menschen gibt, die fröhlich auf fünfundvierzig Minuten kostbaren Schlafes verzichten, nur um eine geschlagene Viertelstunde damit vergeuden zu können, sich zwei Socken über die Füsse zu ziehen. 

l' heure bleue; prettyvenditti.jetzt

l‘ heure bleue; prettyvenditti.jetzt

Kleinigkeiten

Denkwürdiges hat sich ereignet an diesem letzten Erstklässler-Schnuppermorgen, den ich als Mutter im Hintergrund miterlebe. Nach aussen hin sah alles aus wie immer schon. Kurz nach acht verliess ein kleines Prinzchen mit stolzgeschwellter Brust und dem viel zu grossen Schulsack am Rücken das Haus, kurz vor zwölf kam er noch etwas stolzer, mir vor Aufregung glühenden Wangen und einer übergrossen Leuchtweste wieder zurück. Aus dem Schulsack zauberte er, was seine Geschwister an diesem wichtigen Tag jeweils ebenfalls gezaubert hatten: Die erste Hausaufgabe, einen Elternbrief und den Stundenplan. Soweit also nichts Besonderes. 

Ich stellte ein paar interessierte Fragen, sah mir die Blätter genauer an und dann stockte mir der Atem. Was sah ich da? Ein kleines, buntes Clipart auf dem Stundenplan. Gar zwei kleine, bunte Cliparts auf dem Hausaufgabenblatt, dazu noch die Worte „Ich freue mich auf Dich!“ Noch nie – ich schwöre es – noch gar nie in meiner Karriere als Mutter habe ich nach einem Schnuppermorgen in der ersten Klasse solche Dinge gesehen. In der Dritten schon, in der Fünften auch, ab und zu sogar in der Oberstufe, nicht aber in der Ersten. Dort gab es bis jetzt nur nüchterne Tabellen in Schwarzweiss, der Begleitbrief für Kinder und Eltern sogar noch nüchterner. Die Kleinen hätten sonst ja noch auf die Idee kommen können, in der Schule gehe es so bunt und fröhlich weiter wie im Kindergarten.

„Alles nur Äusserlichkeiten“, brummt jetzt vielleicht der eine oder andere Zyniker und ich wünschte, es wäre so. Doch die Nüchternheit herrschte nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Unterricht. Auch in Situationen, wo eine Prise Empathie oder ein Hauch von Humor nicht geschadet hätten. So war das nicht nur bei Karlsson, Luise, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und dem Zoowärter, sondern auch bei vielen anderen Kindern, die schnell einmal die Begeisterung des Schnuppermorgens ablegten und sich mit mehr oder weniger Verbissenheit durch die ersten zwei Schuljahre kämpften. 

„Du gibst dich aber mit wenig zufrieden. So ein Clipart sagt doch noch überhaupt nichts aus“, mögen mir andere entgegenhalten und das stimmt natürlich. Dennoch lassen mich diese Kleinigkeiten hoffen, dass das Prinzchen etwas fröhlicher in die Schule einsteigt als seine grossen Geschwister. 

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Geschäftstüchtig, Teil II

Wie geschäftstüchtig das Prinzchen ist, haben wir in Frankreich ja bereits erfahren, wie sehr er sich von ungewöhnlichen Verkaufsmethoden beeindrucken lässt, zeigt sich allerdings erst jetzt. Dehillerin, den berühmten Küchenladen in Paris, hat er zwar nur von aussen gesehen, weil ich keine Lust hatte, meine ganze Brut durch die engen Gänge zu schleusen, meinen Erklärungen, wie das dort drinnen läuft, hat er aber offenbar sehr aufmerksam gelauscht. „Dort drinnen hat jeder Artikel seine Nummer“, sagte ich, als ich wieder draussen war, „und wenn man wissen will, wie viel etwas kostet, muss man im Katalog nach dieser Nummer suchen.“ Während die anderen Kinder wissen wollten, warum in aller Welt die das so kompliziert machen, sagte das Prinzchen überhaupt nichts. Damals fiel mir das nicht auf, heute aber weiss ich, dass er wohl mit Nachdenken beschäftigt war.

Heute Nachmittag war Eröffnung in Prinzchens neuem Geschäft. Schneckenhäuser, Muscheln, Muschelfragmente, Strandgut aus der Grossstadt – also ein ähnliches Sortiment wie schon in Frankreich. Jetzt aber sind die Artikel nicht mehr mit einem Preisschild versehen, sondern mit einer Nummer. Zu jeder Nummer gibt es ein Kapla-Hölzchen, auf dem der Preis notiert ist und diese Kapla-Hölzchen werden in einer Schublade gelagert. Sagt man nun also „Ich hätte gern die Nummer 18. Wie viel kostet die denn?“, verschwindet das Prinzchen unter seinem Schreibtisch, kramt endlos lange in seiner Schublade und verkündet irgendwann – wenn man schon fast in Versuchung gerät, irgend einen überrissenen Preis zu bezahlen, nur damit man wieder aus seinem Laden rauskommt -, was man ihm schuldig ist. 

Wirklich beeindruckend, wie er das Dehillerin-System kopiert hat. Am Tempo muss er allerdings noch ein wenig arbeiten. Das Geschäft in Paris verliess ich nämlich mit leeren Händen, weil es mir irgendwann zu blöd wurde, darauf zu warten, bis die Amerikanerin vor mir endlich zu jeder gewünschten Nummer einen Preis hatte. 

prettyvenditti.jetzt

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Gääääääähn! 

Heute zehn Stunden lang in Gesellschaft von unzähligen begeisterten Italienern, mit vier Kindern und ohne „Meinen“ – dafür mit einer Schere, die ich ganz ohne böse Absicht an der Sicherheitskontrolle vorbei geschmuggelt habe – bei Mickey, Donald & Co. Need I say more? 

  

Tischgespräch mit Teenagern

Wenn wir ausnahmsweise mal nur zu viert essen, Karlsson, Luise, „Meiner“ und ich, dann bekommen wir Eltern Folgendes zu hören: „Ihr müsst halt die Kleinen an die kurze Leine nehmen. Abends eine Stunde lang Hörbuch und wenn dann keine Ruhe herrscht, am nächsten Abend keine Geschichte…“ „Genau! Und jeder in sein eigenes Bett, wenn sie nicht ruhig sind. So, wie bei uns früher.“ „Und am nächsten Tag keine Glace, wenn sie nicht parieren!“ „Ihr seid einfach zu wenig streng mit ihnen. Bei uns wusstet ihr noch, wie man den Tarif durchgibt. Aber die Kleinen, die machen bis spätabends Party.“  Das alles nicht etwa vorwurfsvoll, sondern im Tonfall eines besorgten Familienbegleiters, der einen Erziehungsratgeber verschluckt hat. Gerade so, als stünden wir am Rande des Nervenzusammenbruchs, weil wir unseren jüngeren Kindern nicht mehr beizukommen wissen.  Dabei sind wir nicht etwa verzweifelter als früher, unsere Grossen sind inzwischen einfach dem Glauben verfallen, als sie noch klein waren, hätte noch so etwas wie Zucht und Ordnung geherrscht in dieser Familie. Vermutlich behaupten sie demnächst, sie hätten jeweils jeden Abend um acht tief und fest geschlafen.  

Wenn Mama Venditti nicht unter die Leute kommt…

…dann geht das anfänglich ganz gut. Gar nicht so schlimm, mal etwas weniger Zeit zu verquatschen, denkt sie. Und überhaupt: Alleine ist man in dieser Familie ja nie, da gibt’s immer jemanden, der Lust auf ein Gespräch hat, manchmal auch spät abends, wenn Mama Vendittis Bedarf an sozialer Interaktion längst gedeckt wäre. Nach einer Weile aber fängt sie an, ihre Freunde zu vermissen und sie ist dankbar für die Erfindung von Social Media, wohl wissend, dass die kurzen Kommentare einen tiefschürfenden Meinungsaustausch nie und nimmer ersetzen können. 

Spätestens jetzt wäre es Zeit für ein paar Stunden mit Freunden, doch während einer Auszeit gestalten sich solche Dinge bekanntlich etwas schwierig, also fängt sie an, mit jedem zu quatschen, der naiv genug ist, sich auf ein Gespräch einzulassen. Mit der deutschen Touristin, die bei der Schafparade zufällig an der gleichen Strassenecke steht, wird erörtert, warum es so viele Menschen in die Provence zieht. Mit dem Auswanderer, der auf dem Markt edle Kaffeekannen verkauft, unterhält man sich über Waldorf-Schulen in Frankreich. Mit dem Iren, der seit Menschengedenken mit handgefertigten Holzschwertern und Ritterkostümen handelt, redet man erst mal über Homeschooling, dann von Flüchtlingspolitik, schliesslich stünde man kurz davor, die Welt zu retten, würde nicht Mama Vendittis Familie deutliche Anzeichen von Ungeduld erkennen lassen. Sogar mit der blasierten Verkäuferin im Delikatessengeschäft tauscht sie sich eifrig über Vorlieben beim Kochen aus und stünde nicht demnächst das Ende der Auszeit bevor, sie würde wohl anfangen, die Bäume zu belästigen…
Seid also vorgewarnt, liebe Freunde, wenn Mama Venditti wieder zu Hause ist, hat sie ganz schrecklich viel Nachholbedarf.

  

Wortgefechte

Grossen Geschwistern ist es eigentlich egal, wie sie in Gegenwart ihrer kleinen Geschwister reden. Das theoretische Wissen, was angemessen wäre, wird verdrängt durch den unbändigen Drang, die elterliche Sprachregelung zu brechen.

Väter, so scheint es mir zumindest, mögen sich irgendwann, nach vielen Jahren der verbalen Zurückhaltung, auch nicht mehr an die gemeinsam vereinbarten Verbote halten. Gewisse Ausdrücke schleichen sich zurück in den Sprachgebrauch, obschon noch immer Ohren mithören, die solches nicht hören wollen. Oder zumindest nicht sollen.

Diese Mutter hier aber will partout nicht einsehen, weshalb ein achtsamer Umgang mit Sprache plötzlich nicht mehr zählt, bloss weil inzwischen zwei Teenager mitreden. Also sprach diese Mutter neulich: „Himmel, wie redet ihr eigentlich, ihr drei? Merkt ihr denn nicht, dass das Prinzchen mithört? Solche Wörter sind nichts für das Kind.“

Kleine Jungs nehmen solche Konflikte offenbar gelassen: „Ich kenne doch diese Wörter schon längst aus dem Kindergarten und ich weiss ganz genau, dass man so nicht redet, also reg dich nicht auf, Mama.“

dried colors; prettyvenditti.jetzt

dried colors; prettyvenditti.jetzt

Geschäftstüchtig

Absolut unfair sei es, wie das Prinzchen sich sein Taschengeld aufbessere, schimpften die grossen Geschwister. „Das kann doch jeder: Schneckenhäuser auf Hölzchen kleben und die Hölzchen mit einem Gesicht verzieren. Sowas kann der doch nicht einfach verkaufen“, beklagten sie sich. Der Aufruhr flaute erst ab, als Prinzchens Schnecken-Business aufgrund mangelnder Kundschaft ins Stocken geriet. Doch das Prinzchen begriff schnell: Wenn Eltern und Geschwister nicht ewig kaufen mögen, muss man auf anderem Wege an ihr Geld rankommen. Also machte er sich an die Arbeit, malte Bilder, verzierte Steine, klebte fantastische Gebilde und als das alles fertig war, lud er zur Vernissage. Ein Euro pro Person kostete der Eintritt, wer laut genug über Geldmangel klagte, kam auch für 50 Cent rein, wer noch lauter jammerte, sogar für 20. Prinzchen ist da nicht so stur, Hauptsache, sein Portemonnaie fühlt sich in der Hosentasche angenehm schwer an. Es dauerte nicht lange, bis die Geschwister wieder motzten: Absolut unfair sei das, wie er Eintrittsgeld einsacke, damit wir uns sein Gebastel ansehen. „Das kann doch jeder“, maulten sie schon wieder, aber genau in diesem Punkt irren sie gewaltig. Wer sein Gebasteltes und Geklebtes mit so viel Hingabe und Liebe zum Detail präsentiert, dass die Eltern aus Überzeugung und nicht aus Mitleid bares Geld springen lassen, der ist ein wahrer Könner.