ICH – WILL – ABER – JETZT!!!

Karlsson will ein neues Handy. Am besten schon vorgestern und natürlich das Beste, das derzeit auf dem Markt ist. Oder zumindest das Zweitbeste.

Luise will einen neuen Koffer. Sie braucht einen Skihelm, eine Skibrille und Skistöcke. Dann noch neue Finken. Und zwei Paar Handschuhe. Und neue Hosen. Und wenn sie das alles nicht jetzt gleich bekommt, zeigt sie uns, wie gut sie schon pubertieren kann. 

Der FeuerwehrRitterRömerPirat muss sein Taschengeld loswerden, bevor er es bekommen hat, denn Geld wird bekanntlich sehr schnell schlecht, wenn man es nicht rechtzeitig loswird. Und dann hat er noch ein oder zwei Bücher zugute. Einen Gutschein sollte er auch noch endlich einlösen, der liegt doch tatsächlich schon einige Wochen unberührt rum.

Der Zoowärter muss diesen Lego-Roboter haben. Vor drei Tagen noch wusste er nichts von dessen Existenz, aber jetzt kann er keine Stunde länger mehr ohne sein, sonst verliert er seine ganze Lebensfreude.

Das Prinzchen braucht einen Haufen Süssigkeiten. Nicht etwa, um sie jetzt zu essen, sondern um sie in den Kindergarten zu schleppen, wo die Kinder während der Fastenzeit alles Süsse, das sie bekommen, in ein Säcklein legen. An Ostern bekommen sie dann den ganzen Haufen zurück, aber weil Prinzchen eine Mutter hat, die nicht einfach so Süssigkeiten kauft, ist er der Einzige, der noch keinen anständigen Haufen beisammen hat. Mit dem staubtrockenen Caramel-Gebäck, das ihm der alte Nachbar jeweils zusteckt, lässt sich natürlich nicht auftrumpfen, also muss das Prinzchen jetzt ganz dringend auch mal etwas mehr Zuckerzeug haben. 

Und was will ich? Keine Ahnung. Bei dem andauernden „ICH WILL ABER JETZT!!!!“-Geschrei (nicht nur von Seiten der Kinder) kann ich meine eigenen Gedanken schon längst nicht mehr hören. 

azione; prettyvenditti.jetzt

azione; prettyvenditti.jetzt

Déformation maternelle

Auf dem Einladungszettel fürs Kasperlitheater lese ich den Satz „Kinder unter 8 Jahren bitte nur in Begleitung eines Erwachsenen, Dankeschön.“ und vor meinem inneren Auge sehe ich, wie die Organisatorinnen des Anlasses bei Kaffee und trockenen Guezli am Sitzungstisch sitzen und darüber diskutieren, wie man es hinkriegen soll, dass die faulen Mütter nicht einfach ihre Kinder deponieren, um sich einen schönen Nachmittag zu machen:

„Also letztes Jahr ist das gar nicht gut gelaufen“, spricht die Erste das Thema an. „Da gab es doch tatsächlich Mütter, die ihre Kinder bei uns abgegeben haben und dann verschwunden sind. Sowas geht nicht, wir sind doch hier nicht der Kinderhütedienst.“

„Sonjas Kleiner hat ja andauernd geschrien, der hatte so schreckliche Angst vor dem bösen Wolf. Man kann doch so ein kleines Kind nicht einfach alleine im Theater lassen. Ist doch vollkommen verantwortungslos“, pflichtet eine andere bei.

„Na ja, Sonjas ‚Kleiner‘ ist auch schon sechs. Wenn ihr mich fragt, ist mit dem Kind etwas nicht in Ordnung. In dem Alter fürchtet man sich doch nicht mehr vor dem bösen Wolf“, zickt eine Dritte.

„Okay, Sonjas Sohn ist wohl ein wenig speziell. Aber Brigitte hat ihre Goofen auch einfach hier abgeladen und ist shoppen gegangen. Die hat das noch ganz stolz rumerzählt, als sie nach der Vorstellung mit zwanzig Minuten Verspätung endlich kam, um die Kinder abzuholen. Sowas geht doch einfach nicht“, gibt diejenige, die das Thema angeschnitten hat, zurück.

„Und Sara hat es nicht mal für nötig gehalten, auszusteigen. Die hat ihre Brut einfach aus dem Auto gejagt und ist weggefahren. Ich durfte dann dafür schauen, dass die ihre Eintrittskarten bekommen und zu ihren Plätzen finden. Und dann haben die ja auch immer die Aufführung gestört…“, schaltet sich eine Vierte ein.

„Hast du ihr eigentlich mal gesagt, dass du das nicht so okay findest?“, will ihre Sitznachbarin wissen. „Du wolltest doch mal noch mit ihr darüber reden.“

„Ich hab’s versucht, aber dann hat sie wieder davon angefangen, dass mein Ramon mal angeblich ihrer Svenja das Trottinett kaputt gemacht haben soll….“

„Ach so, jetzt war’s also dein Ramon, der das gemacht haben soll. Eben erst war es noch meine Lia. Dabei weiss jeder, dass Svenja wie eine Irre im Quartier rumflitzt und alles kaputt macht“, wirft ein anderes Mitglied der Runde ein.

„Ladies, wir kommen vom Thema ab“, mahnt diejenige, die Erste. „Wie wollen wir das jetzt hinkriegen, dass wir nicht als billiger Kinderhütedienst missbraucht werden?“

„Ich schlage vor, wir lassen Kinder nur in Begleitung Erwachsener rein“, meint eine Anwesende. 

„Also das kannst du jetzt auch nicht verlangen“, protestiert eine Mehrfachmutter. „Glaubst du, ich will meinen Drittklässler zu Kasperli begleiten?“

„Und wie willst du das dann mit dem Eintritt handhaben? Sollen Mütter bezahlen müssen, die eigentlich nur da sind, weil ihr Kind nicht alleine kommen darf?“, pflichtet ihr eine andere bei.

„Dann schreiben wir eben, Kinder unter sechs Jahren dürften nur in Begleitung eines Erwachsenen rein“, schlägt jemand vor.

„Saras Kinder sind alle älter als sechs und wissen trotzdem nicht, wie man sich benimmt…“, meint Ramons Mutter, die eigentlich ganz gerne noch ein wenig länger über die Sache mit dem Trottinett geredet hätte. 

„Dann eben Kinder unter acht Jahren“, sagt die Erste.

„Das finde ich jetzt ziemlich extrem“, kritisiert die Mehrfachmutter. „Achtjährige wollen doch nicht mehr ins Kasperlitheater…“

„Meine ist elf und liebt den Kasperli noch immer heiss und innig“, bemerkt ihre Sitznachbarin spitz.

„Echt jetzt?“, fragt eine andere mit nur schlecht kaschiertem Spott in der Stimme. „Mein Kleiner findet das jetzt schon zum Gähnen und er wird erst vier.“

„Dürfen Kinder denn nicht mehr Kinder sein, solange sie wollen?“, fragt die Mutter der Elfjährigen beleidigt.

„Laaaaaadies, zurück zum Thema“, mahnt die Erste mit ungeduldigem Singsang. Die Mutter der Kasperli-liebenden Elfährigen und die Mutter des Kasperli-verachtenden Vierjährigen tuscheln weiter, die Stimmung zwischen ihnen spürbar angespannt, aber die übrigen Sitzungsteilnehmerinnen sind wieder beim ursprünglichen Thema.

„Also, wir schreiben jetzt einfach, Kinder unter sieben…“ sagt die Erste.

„Kinder unter acht“, unterbricht eine.

„Okay, Kinder unter acht müssten in Begleitung eines Erwachsenen sein“, fährt die Erste fort.

„Das klingt jetzt aber etwas gar fordernd“, kritisiert eine Letzte, die noch immer nicht genug hat und so kommt es, dass der Forderung auf der Einladung noch ein „Dankeschön“ hinterhergeschoben wird. Inzwischen ist es kurz vor elf Uhr abends und endlich können die Frauen zu Traktandum Nummer 6 (Rückblick auf die Fasnacht) übergehen.

Warum ich so genau weiss, wie dieser Satz zustande gekommen ist? Glaubt mir, ich war dabei. Nicht bei dieser Sitzung, aber bei vielen anderen, wo genau solche Dinge in abendfüllender Länge diskutiert wurden. 

un; prettyvenditti.jetzt

un; prettyvenditti.jetzt

Musikkritik

Seit Jahren schwelt zwischen „Meinem“ und mir ein nicht offen ausgetragener Streit um die Frage, was schöne Musik ist. Ohne es zu wissen, hat das Prinzchen diesen Streit heute entschieden. Zu meinen Gunsten:

Prinzchen: „Mama, was ist klassische Musik?“

Ich (nach kurzem Überlegen, wie ich das kurz zusammenfassen soll): „Damit meint man die Musik, die zum Beispiel von einem Orchester gespielt wird und die….“

Prinzchen (unterbricht mich): „Du meinst also, schöne Musik.“

Ich: „Ja, also…“

Prinzchen: „Diese schöne Musik, die du jeweils hörst?“

Ich: „Ja, also…“

Prinzchen: „…und nicht diese hässliche Musik, die Papa gefällt?“

Na ja, wenn du’s so sagst, werde ich dir bestimmt nicht widersprechen. 

trois; prettyvenditti.jetzt

trois; prettyvenditti.jetzt

Schulsystemkonform

Ein letztes Mal trabte ich heute Nachmittag im Kindergarten an, um mich mit der Lehrerin über die schulische Zukunft eines unserer Kinder zu unterhalten und dieses letzte von vielen Kindergarten-Elterngesprächen war ein absolutes Novum für mich. Da war kein Hauch von „Ein liebes Kind, aber leider fast ein wenig zu schüchtern“, keine Spur von „In diesem Bereich müssen Sie unbedingt mit ihm arbeiten, sonst wird es schwierig“, keine Andeutung in Richtung „Eventuell könnte da mal eine Therapie nötig werden.“ Nein, nichts dergleichen, einfach nur: „Er macht das wirklich toll, bringt alles mit, was er für die Schule braucht und ist voll und ganz bereit für den nächsten Schritt.“ 

„Warum freust du dich so über dieses Gespräch? Das Prinzchen kommt ja ohnehin in die Schule, egal, ob er bereit ist oder nicht“, meinte Luise, als ich völlig beschwingt nach Hause kam. „Du kannst dir ja nicht vorstellen, wie schön es ist, wenn mal nicht an deinem Kind rumgemäkelt wird“, gab ich zur Antwort. Und wie ich das sagte, dämmerte mir, dass“Meiner“ und ich im fünften Anlauf doch noch ein schulsystemkonformes Kind zustande gebracht haben. (Nicht dass ich dies für besonders erstrebenswert erachte, aber es macht die Dinge deutlich einfacher…)

la dignità; prettyvenditti.jetzt

la dignità; prettyvenditti.jetzt

Werkzeugkasten

Heutzutage, das weiss jedes Kind, kann man nicht mehr einfach so davon ausgehen, dass Frau zu Hause am Herd auf Anweisungen wartet, was sie mit ihrer Zeit und ihren Fähigkeiten anfangen soll. In der Theorie zumindest ist das so und ich hoffe sehr, dass sich in Lebenswelten, in denen sich meine Geschlechtsgenossinnen bewegen, die Gleichberechtigung in irgend einer Weise bemerkbar macht. In meiner Lebenswelt, die sich derzeit trotz Berufstätigkeit vorwiegend in den eigenen vier Wänden abspielt, ist alles noch irgendwie so, wie es war, als Frauen noch nichts anderes zu tun hatten, als für Mann und Kinder zu sorgen. Dies nicht etwa, weil „Meiner“ ein übler Pascha wäre, der mir keine Freiheiten gönnt, sondern weil eine Frau, die zu Hause ist, von vielen noch immer als eine Art Werkzeugkasten angesehen wird, der nach Belieben dahin geschoben werden kann, wo es im Familiensystem gerade klemmt. Wenn Frau zu Hause ist, kann das, was sie tut, so wichtig ja nicht sein, denn sonst hätte sie einen „richtigen“ Job bekommen, so scheint man noch immer zu denken. 

Mal ist es die Aushilfslehrerin des FeuerwehrRitterRömerPiraten, die darauf besteht, meinen Sohn nach Hause zu schicken, obschon ich ihr schon hundertmal erklärt habe, dass a) unser Dritter ganz gerne die Sache mit dem Bauchweh bringt, wenn er keinen Bock hat auf Schule und b) ich am Arbeiten bin und deshalb genau so wenig verfügbar bin wie eine Mutter, die einen Job ausser Hause hat. Mal ist es Zoowärters Lehrerin, die mich jetzt gleich in der Schule sehen will, weil mein Sohn mal wieder etwas vergessen hat. Auf meine Kolumnen-Deadline kann sie keine Rücksicht nehmen, denn nachher muss sie mit der Klasse ins Turnen. (Sagt jetzt bitte nicht, ich solle halt nicht ans Telefon gehen. Wenn auf dem Display „Schule“ steht, spult mein Gehirn sämtliche Horrorszenarien ab und ich kann gar nicht anders, als ranzugehen.) Wenn es nicht die Schule ist, die meine Dienste wünscht, dann ist es ein Arzt, der mich ganz dringend ins Spital bestellt, weil es Schwiegermama nicht gut geht und intern gerade niemand verfügbar ist, der ihr auf Italienisch erklären kann, was los ist. Eine halbe Woche später wiederum ist es ein anderer Arzt, der mir erklärt, Schwiegermama gehe es viel besser, man könne den Spitalaustritt ins Auge fassen, ich solle doch so rasch als möglich vorbeikommen, damit man die Details besprechen könne. Wenn die italienische Verwandtschaft vom verbesserten Zustand erfährt, steht sogleich die Erwartung im Raum, dass Schwiegermama bei uns einziehen kann, weil ich ja Zeit habe, sie zu pflegen. Und während ich mir noch den Kopf zerbreche, wie wir die Differenz zwischen Ansprüchen und Realität überbrücken sollen, ohne einen epochalen Familienstreit vom Zaun zu brechen, kommt ein freudenstrahlender Zoowärter angerannt, der mir berichtet, die Lehrerin sei krank, der Unterricht falle aus. Das Brieflein, in dem stehen würde, wer keine Betreuungsmöglichkeit habe, könne sein Kind in die Schule schicken, händigt er mir leider nicht aus, denn ich bin ja zu Hause…

Bitte versteht mich nicht falsch. Wenn meine Lieben in der Tinte sitzen, will ich für sie da sein, keine Frage. Was mich an der Sache stört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der man sich an mich wendet, wenn es irgendwo brennt. So wurde zum Beispiel „Meiner“ noch nicht ein einziges Mal herbeizitiert, seitdem seine Mutter erkrankt ist, man ruft ganz selbstverständlich mich. Und als er letze Woche mal von sich aus alles stehen und liegen liess, weil es wirklich nicht gut aussah, wurde das von gewissen Menschen mit Kopfschütteln quittiert. „Warum rennst du denn?“, fragten sie ihn, „deine Frau schaut doch zu deiner Mutter.“ 

prettyvenditti.jetzt

prettyvenditti.jetzt

Wie gut verstehst du deine Mutter? – Ein kleines Quiz

Meine lieben Mütter-Kolleginnen

Ich hätte da einen kleinen Hinweis: Wenn eure Kinder sich andauernd am Hinterkopf kratzen, vielleicht auch hinter den Ohren und manchmal auch oben auf dem Kopf, wenn sich dann auf der Kopfhaut auch noch so kleine, schwarze Punkte zeigen und ihr am Ende sogar noch einen Brief der Schulleitung bekommt, dann könnte es vielleicht sein, dass eure Familie Opfer von Läusen geworden ist. Ja, ich weiss, sowas hört man gar nicht gern und ich möchte auch nicht felsenfest behaupten, dass eure Kinder wirklich Ungeziefer auf dem Kopf haben, aber es könnte vielleicht, unter gewissen Umständen, wenn man die Dinge als Ganzes betrachtet, so sein.

Und wisst ihr, was man tut, wenn es vielleicht, unter gewissen Umständen, wenn man die Dinge als Ganzes betrachtet, sein könnte, dass eure Kinder Läuse haben? Dann greift man als Erstes mal zum Lauskamm und kämmt den Kindern brav die Haare aus. Oh ja, bei manchen wird es ein ziemliches Geschrei geben, aber das ist mir egal. Mit etwas Glück bleibt im Kamm nichts Weiteres hängen als ein paar Fusseln, mit ziemlich viel Pech finden sich darin winzig kleine, weisse Dinger, die Fachleute zweifelsfrei als Nissen erkennen können. Mit noch mehr Pech hängen da auch ein paar hässliche Viecher mit vielen Beinen drin. Diese Viecher nennt man Läuse und die gehören eigentlich nicht auf Kinderköpfe, auch wenn sie sich dort ausgesprochen wohl fühlen. Und wenn es auf den euch anvertrauten Kinderköpfen von dem weissen Zeug oder gar ein paar von diesen hässlichen Viechern gibt, dann gibt es nur eins: Lauskur und zwar so lange, bis keine einzige Laus, keine einzige Nisse mehr zu finden ist. Zugegeben, das ist ziemlich Scheisse, aber anders geht’s nicht.

Nein, kommt mir jetzt nicht mir der Ausrede, ihr hättet keine Zeit, stundenlang zu behandeln, zu kämmen, zu waschen und wieder zu kämmen. Ich habe auch keine Zeit und muss trotzdem. In diesem Winter bereits zum dritten Mal und weil ich die Hand dafür ins Feuer legen kann, dass Prinzchen & Co. nach der letzten Kur voll und ganz läusefrei waren, muss eine von euch Schuld daran sein, dass ich jetzt schon wieder Abend für Abend im Badezimmer sitze und kämme. 

bonjour, je m' appelle Jean; prettyvenditti.jetzt

bonjour, je m‘ appelle Jean; prettyvenditti.jetzt

Schneeneidisch

Winter ist nicht so mein Ding. Klar, ich finde Schnee wunderschön und ich liebe es, den fallenden Flocken zuzuschauen oder das reine Weiss im Sonnenlicht zu bewundern. Mein Bedürfnis, mich in dem kalten Zeug zu tummeln oder irgendwo in einer Skihütte bei Ländlermusik abzuhängen ist jedoch mikroskopisch klein. Das Geld für eine anständige Skiausrüstung und Ferien im Schnee – so ich es denn habe – gebe ich lieber für andere Dinge aus. Für Krankenkassenrechnungen, zum Beispiel, oder für die Reparatur des undichten Fensters im Wohnzimmer. 

Dennoch packt mich in diesen Tagen der blanke Neid, wenn ich – zwischen Krankenbesuch (momentan gerade auf der Intensivstation), Arztgespräch, Streit schlichten, weil Luise beim „Monopoly“ wieder mehr einheimst als alle anderen und Mittagessen kochen – einen Blick auf mein Facebook-Profil werfe. Dort sieht es nämlich so aus, als tummle sich gerade alle Welt vollkommen sorgenfrei auf verschneiten Bergen, währenddem bei uns mal wieder alles aus dem Ruder läuft. Filmchen von putzigen Missgeschicken bei ersten Versuchen auf Skiern und glückliche Gesichter in der virtuellen Welt, sorgenvolle Mienen und gelangweilte Kinder in dem, was wir unser echtes Leben nennen. Und jetzt sind auch noch die Läuse zurückgekehrt….

Klar, mein Kopf sagt mir, dass das alles gar nicht so schlimm ist, dass das Dasein andernorts auf diesem Planeten wirklich elend ist, während wir nur eine Phase durchstehen, die halt eben zum Leben gehört. Mein Kopf sagt mir auch, dass ich eigentlich nicht die geringste Lust hätte, mir den Hintern am Rande einer Skipiste abzufrieren. Aber tief in mir drinnen haust auch ein kleiner Jammerlappen und der führt sich in diesen Tagen auf wie Rumpelstilzchen. „Alle haben Spass“, schimpft er, „nur wir müssen mal wieder am Rande stehen und zuschauen, wie sich die anderen vergnügen. Ich will auch in den Schnee!“ Und auch wenn er vollkommen stumpfsinniges Zeug von sich gibt, dieser Jammerlappen, zum Schweigen bringen lässt er sich halt doch nicht so leicht.

l' infanzia è finita; prettyvenditti.jetzt

l‘ infanzia è finita; prettyvenditti.jetzt

Fragt bitte nicht, wie das gehen soll

Wenn ich gefragt werde, wie wir das mit fünf Kindern hinkriegen, murmle ich irgend etwas wie „Geht halt irgendwie“. Solche Fragen sind mir nämlich peinlich, weil a) das für uns ganz normaler Alltag ist, b) ich Familien kenne, die mehr Kinder mit weniger Chaos managen und c) ich oft denke, wir könnten besser, wenn wir es nur richtig anpackten. Blicke ich aber auf die kommenden drei Tage, dann frage ich mich für einmal auch, wie das gehen soll.

Es ist nämlich so: „Meiner“ beginnt morgen seine halbjährige Weiterbildung mit drei Tagen erzwungenem Fastnichtstun ausser Hause. Mir bleibt derweilen das Vergnügen, fünf Schulferienkinder zu bespassen, was theoretisch so aussähe, dass wir drei tolle Tagesausflüge machten, wenn denn nicht der FeuerwehrRitterRömerPirat fiebernd auf dem Sofa läge. Und auch wenn das Fieber sinken würde, wäre das mit den Ausflügen nicht ganz so einfach, wie ich es mir letzte Woche noch ausgemalt hatte. Morgen früh steht nämlich erst mal ein Arzttermin, den ich vor Monaten in Unkenntnis des morgigen Programms vereinbart habe, auf meinem Programm, was zur Folge hat, dass wir spätestens um elf Uhr weg könnten, wenn wir denn könnten.

Nehmen wir mal an, der FeuerwehrRitterRömerPirat wäre morgen wider Erwarten fieberfrei, würde es trotzdem nicht zu einem ausgedehnten Ausflug reichen, weil ich irgendwann noch zu Schwiegermama sollte, weil ein ärztlicher Bericht zu erwarten ist, den ich übersetzen muss, was ich streng genommen nicht dürfte, weil ich mich mit einer grippeartigen Sache rumschlage, die Schwiegermama jetzt nicht brauchen kann. Aber wer ausser mir kommt denn als Übersetzerin in Frage, wenn „Meiner“ weg ist? (Dass meine Schwedischlektion schon wieder ins Wasser fallen wird, sei nur am Rande erwähnt. Und die Frage, wann ich denn meine Artikel schreiben soll, verdränge ich einmal mehr.) 

Na ja, wenn’s morgen nicht hinhaut, klappt es vielleicht am Dienstag. Falls dann nicht Schwiegermama vorübergehend aus dem Spital entlassen wird, was natürlich absolute Priorität hätte. Und falls wir früh genug aus dem Haus kommen, damit wir um halb sieben wieder zu Hause sind, weil der FeuerwehrRitterRömerPirat zum Fechten muss. So er denn fieberfrei ist. 

Aber am Mittwoch sollte es klappen mit dem Ausflug. Gleich nach dem Einkauf, der bis dahin ganz sicher fällig sein wird, weil mittwochs immer der Kühlschrank leer ist. Und falls sich der Käfer des FeuerwehrRitterRömerPiraten bis dahin nicht an andere Familienmitglieder rangemacht hat.  

la pianta di guatemala; prettyvenditti.jetzt

la pianta di guatemala; prettyvenditti.jetzt

Bankkartenzoff

Der eheliche Frieden ist ein fragiles Ding. Manchmal braucht es nichts weiter als eine Bankkarte, um ihn ins Wanken zu bringen. Eine Bankkarte, die eigentlich in mein Portemonnaie gehörte, aber wieder mal bei „Meinem“ gelandet ist, weil der den Code für seine Karte noch immer nicht aktiviert hat. Weil „Meiner“ gerade in einer ganz anderen Ecke der Schweiz unterwegs ist, kann ich dieser Karte nicht habhaft werden, weshalb ich dann bei Eiseskälte mit vier unternehmungslustigen Kindern am Bahnhof stehe, den geplanten Ausflug abblasen muss und mir irgendwie vorkomme, wie eine unterdrückte Frau, der man Auto und Bankkarte wegnimmt, damit sie nicht zu weit von zu Hause weggeht. 

Wie um alles in der Welt soll ich da die eiserne Regel einhalten, nicht bei den Kindern über den Papa zu schimpfen, wie nicht zum Handy greifen, um ihm gehörig die Meinung zu sagen, wie nicht noch lauter zetern, weil er mal wieder nicht rangeht? Aber „Meiner“ kennt mich inzwischen gut, er weiss, dass ein Rückruf, ein „Stimmt, ich habe Mist gebaut“und ein paar nette Mitbringsel ausreichen, um mich zu besänftigen.

Nun ja, eigentlich würde das „Stimmt, ich habe Mist gebaut“ vollends reichen, aber sagt ihm das bitte nicht, die Mitbringsel sind nämlich auch ganz nett. 

prettyvenditti.jetzt

prettyvenditti.jetzt