Einem geschenkten Gaul, oder Kamel, oder Papagei, oder was auch immer…

Was hätte ich denn tun sollen? Das Geschenk ausschlagen? Ich meine, das sind immerhin 180 Franken, die man uns da einfach so geschenkt hat, weil der Zoowärter bei einem Wettbewerb mitgemacht hat. Klar wollen die, dass wir im Gegenzug zu ihrer Krankenkasse wechseln, aber die werden uns ohnehin nicht nehmen, mit all unseren Asthmatikern. Also doch ein Geschenk, auch wenn es eigentlich eine Bestechung hätte sein sollen.

Und die Kinder hatten uns ja schon seit Jahren in den Ohren gelegen. „Wir wollen auch mal in diesen Zirkus. Alle anderen waren schon dort…“ Sie meinten den Grössten, den Teuersten, den mit den Tieren und den Akrobaten aus China. „Irgendwann werden wir dann schon gehen. Wenn das Geld reicht…“, antworteten „Meiner“ und ich und hofften, dass sie bald dem Zirkusalter entwachsen würden. Ich meine, das sind immerhin 180 Franken, die man liegen lässt, um mit fünf Kindern die Vorstellung zu besuchen, Popcorn und Zuckerwatte nicht inbegriffen. Als wir dann diese Gutscheine zugeschickt bekamen, war klar, dass wir gehen müssen. Ja, wir hätten sie verfallen lassen können, aber ihr glaubt doch nicht etwa, dass unsere Kinder uns das je verziehen hätten. Noch wenn wir im Altersheim unser Püriertes löffeln, würden sie uns vorwerfen, dass wir nicht ein einziges Mal mit ihnen in diesem Zirkus waren, im Grössten, Teuersten mit den vielen Tieren und den Akrobaten aus China. „Und dabei hättet ihr die Tickets gratis haben können“, würden sie sagen. „Was wart ihr doch für miese Eltern. Geizig und vollkommen versessen auf eure engstirnigen Prinzipien…“

Nein, so etwas wollten wir auf gar keinen Fall riskieren, also holten wir endlich die Tickets für die Vorstellung in Thun. Natürlich hatte der Zirkus auch bei uns in der Gegend gastiert, aber da waren wir gerade nicht in der Gegend und darum mussten wir eben warten, bis er wieder halbwegs in der Nähe ist. Na ja, so nah ist Thun auch  nicht, darum lärmten unsere Kinder ja gestern Abend um Viertel vor zehn noch im Familienwaggon, aber immerhin nah genug, damit man ohne grosse Umstände hinfahren kann. 

Den Kindern hat es natürlich gefallen, keine Frage. Okay, Luise empfand ziemlich viel Mitleid mit den Pferden und den Elefanten, der Zoowärter brauchte eine Weile, um zu begreifen, dass der Komiker der Clown war und das Prinzchen wäre auch mit der ersten Halbzeit zufrieden gewesen, aber alles in allem war es das, was Zirkus für Kinder sein sollte: Staunen, Nervenkitzel, Gelächter, Träumerei. Der Stoff, aus dem die schönsten Kindheitserinnerungen gemacht sind. 

Und ich? Ich war glücklich, dass wir den Kindern diese Erinnerung schenken konnten, ohne Geld auszugeben. Natürlich staunte ich auch, lachte, bangte und applaudierte. Die Fragen, ob Zirkuselefanten glücklich sein können, ob den Papageien die überlaute Musik nicht zusetzt, ob das, was ich in diesem schlimmen Dokumentarfilm über Artisten aus China gesehen habe, auch wirklich stimmt, ob das Kamel die Verachtung, die in seinem Blick liegt, auch tatsächlich empfindet, diese Fragen konnte ich nicht ganz aus meinem Kopf verbannen, obschon ich es versuchte. Ich bin nun mal kein Kind mehr, das vorbehaltlos geniessen kann, was es präsentiert bekommt. Immerhin aber bin ich anständig genug, einem geschenkten Gaul – oder Kamel oder was auch immer – nicht vor allen anderen ins Maul zu schauen und darum habe ich meine kritischen Gedanken für mich behalten. Zumindest solange mich die Kinder nicht fragten, ob mir die Tiere nicht auch ein wenig Leid getan hätten…

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Keine Rücksicht

Wir leben in einem Land, in dem es dir abends um Viertel vor zehn passieren kann, dass du grob angefahren wirst, weil deine übermüdeten Kinder nach einem Ausflug, der ausnahmsweise etwas länger gedauert hat, im Familienwaggon des Zuges laut sind. Oh ja, sie waren wirklich laut, „Meiner“ und ich haben sie mehrmals darum gebeten, etwas leiser zu sein. Aber sie waren die einzigen Kinder, die Rutschbahn und Holzboot in Anspruch nahmen, es hatte genügend freie Plätze im Zug, so dass man unseren Kindern aus dem Weg gehen konnte, FeuerwehrRitterRömerPirat, Zoowärter und Prinzchen tobten nur dort herum, wo herumtoben ausdrücklich erlaubt ist und wir sassen gerade mal fünfundzwanzig Minuten lang in diesem Zug.

Darum antwortete ich, als ein junger Schnösel gehässig fragte, ob ich denn meinen Kindern nicht endlich sagen könne, sie sollten ruhig sein, dass ich dies weder tun könne noch wolle, weil wir hier im Familienwaggon seien. Wenn ihm der Kinderlärm nicht passe, solle er sich eben anderswo hinsetzen. Es sei ihm egal, ob das hier der Familienwaggon sei, es sei jetzt schliesslich abends um zehn und meine Kinder gehörten ins Bett, nicht in den Familienwaggon, schnauzte er mich an, doch für einmal weigerte ich mich, Rücksicht zu nehmen.

Weil wir an allen anderen Orten Rücksicht nehmen, oder es zumindest versuchen. Im Bus, im Laden, im gewöhnlichen Zugabteil, im Museum, beim Öffnen einer schweren Tür,an der Bushaltestelle, im Schuhgeschäft, auf dem Trottoir, auf dem Waldweg, im Café, im Schwimmbad, ja, sogar auf dem Spielplatz, wenn andere Kinder dort spielen – überall sind wir pausenlos damit beschäftigt, unsere Kinder zur Rücksichtnahme aufzufordern. „Geh zur Seite, da möchte jemand mit seinem Pferd durch“, tönt es auf dem Waldweg. „Nein, du kannst diese Türe nicht alleine öffnen, die Leute hinter uns werden schon ungeduldig“, erklären wir, wenn ein kleiner Mensch beweisen möchte, wie stark er ist. „Spring nicht ins Wasser! Die Frau dort drüben möchte nicht, dass ihr Haar beim Schwimmen nass wird“, ermahnen wir im Schwimmbad. Und wehe, wir weisen unsere Kinder nicht rechtzeitig in die Schranken!

Obschon es mich zuweilen gewaltig nervt, die Kinder pausenlos an der kurzen Leine halten zu müssen, so akzeptiere ich doch, dass es in einem kleinen, dicht besiedelten Land oft nicht anders geht. Wenn unsere Kinder sich aber an einem eigens für Kinder eingerichteten Ort wie Kinder aufführen, fühle ich mich nicht zur Rücksichtnahme verpflichtet. Auch dann nicht, wenn einer, der vor wenigen Jahren selber noch Kind war, felsenfest davon überzeugt ist, dass der Familienwaggon nur ein Familienwaggon ist, solange es draussen noch hell ist.

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Welche Weltanschauung darf’s denn heute sein?

Schlenderst du an einem sonnigen Samstagnachmittag durch die Innenstadt, wird dir spätestens nach fünf Minuten eine Weltanschauung angeboten. Mal sind es die Scientologen, die dich dazu bewegen wollen, dein Lebensglück bei ihnen zu kaufen, mal sind es Zeugen Jehovas, die dir den „Wachtturm“ schenken möchten, dann wieder sind es Politiker jeder Couleur, die dir sagen wollen, was du bei der nächsten Abstimmung auf den Zettel schreiben sollst. Heute warben wenige Schritte voneinander entfernt Moslems für mehr Interesse am Islam und konservative Christen für mehr Interesse am Christentum. Es war ganz unterhaltsam, zu beobachten, wie verschleierte Frauen und Frauen in langen Röcken einander gegenseitig zu bekehren versuchten. Wenn ich mich nicht irre, waren sie gerade dabei, Traktate auszutauschen, als das Prinzchen und ich an ihnen vorbeigingen.

Währenddem wir in Richtung Bushaltestelle gingen, sinnierte ich darüber nach, ob die beiden Frauengruppen sich nicht ähnlicher sind, als ihnen lieb sein kann und ob ich als aktive Kirchgängerin überhaupt so etwas denken darf über andere Christinnen. Vor lauter Nachdenken merkte ich nicht, dass ich einem Unterschriftensammler direkt in die Arme lief. Er sei gegen die Sexualerziehung an den Schulen, erklärte er mir, als ich ihn fragte, worum es denn gehe. Es könne doch nicht sein, dass der Staat überall seine Finger drin habe und das würde ja auch Millionen kosten und… Ich unterbrach seinen Redeschwall und erklärte ihm, dass in meiner idealen Welt, von der ich jeweils träume, die Eltern für eine sorgfältige und kindergerechte Sexualerziehung zuständig seien und dass „Meiner“ und ich diese Verantwortung auch wahrnehmen, dass es aber in der realen Welt, in der ich lebe, leider auch Fünfjährige gebe, deren Sexualerziehung darin bestehe, dass ihnen der grosse Bruder einen Porno zeige. Das sei aber gar nicht gut, fand der Mann, aber der böse Staat und die bösen Lehrer und die verdorbene Welt…

Wieder sah ich mich dazu gezwungen, den Redeschwall zu unterbrechen. Es sei doch keine Lösung, nur zu schimpfen, man müsse doch Wege finden, wie Kinder, deren Eltern sich nicht um die Sexualerziehung kümmern, auf eine angemessene Art aufgeklärt werden. Es wäre ja schön, wir hätten lauter intakte, glückliche Familien in der Schweiz, doch leider sei ich schon zu vielen Eltern begegnet, die nichts auf die Reihe kriegen. „Na, dann sollen diese Leute eben keine Kinder bekommen“, schnauzte mich der Unterschriftensammler an und wandte sich einem neuen – hoffentlich weniger widerspenstigen – Opfer zu.

Gerne hätte ich den Mann darauf hingewiesen, dass eine anständige Sexualerziehung vielleicht im einen oder anderen Fall verhindert hätte, dass junge Menschen Eltern werden, ehe sie reif dazu sind. Stattdessen nahm ich das Prinzchen an der Hand und ging. Auf dem Weg zur Bushaltestelle machte ich einen weiten Bogen um alle, die mit Klemmbrettern und Handzetteln herumstanden.

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Schmeicheleinheiten

Meine Nerven lagen gerade ziemlich blank: Wocheneinkauf mit Karlsson – „Ich will aber Blutwurst!“ – und Prinzchen – „Wann sind wir endlich in der Spielwarenabteilung?“ – und unzähligen anderen Einkäufern, die am Zahltag vom einmaligen 10% – Rabatt profitieren wollten. In der Hand eine ellenlange Einkaufsliste, im Hinterkopf die Sorge, ob wir es nach Hause schaffen, ehe Zoowärter, FeuerwehrRitterRömerPirat und Luise von der Schule nach Hause kommen, zu Hause ein angefangener Artikel, der zu Ende geschrieben sein wollte und obendrein ein selbstverschuldetes Schlafmanko. Ein typischer „Mama Venditti hat’s mal wieder nicht ganz im Griff“-Nachmittag eben.

Ich war gerade dabei, meine 18 Liter Milch so im Einkaufswagen zu platzieren, dass noch Raum für all das andere Zeug auf meiner Liste blieb, als eine Mutter mit einem etwa fünfjährigen Mädchen auf uns zugesteuert kam. Zuerst glaubte ich, sie wolle mir den Platz am Milchregal streitig machen, doch dann hörte ich sie zu ihrem Töchterlein sagen: „Also, was willst du der Lady-Frau jetzt sagen?“ Das Mädchen sah mich ein wenig verlegen an und murmelte etwas, was ich im Lärm des Einkaufsrummels nicht ganz verstand. „Sie will Ihnen sagen, dass sie Sie so wunderschön findet mit Ihren Blumen im Haar“, erklärte die Mutter.

Ich weiss nicht, wer mehr gestrahlt hat, das Mädchen oder ich. Ich weiss nur, dass ich mich in diesem Augenblick trotz all meiner Unzulänglichkeiten fühlte, als wäre ich etwas ganz Besonderes. Kaum etwas bringt mich so sehr zum Schmelzen wie ein wildfremdes kleines Mädchen, das in mir nicht die gehetzte, ungeduldige Mutter sieht, sondern eine „Lady-Frau“, der man mitten im Getümmel den Tag mit einem hinreissenden Kompliment versüssen muss.

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Was mir zu meinem Glück noch alles fehlt

Es gab eine Zeit, da war jedem klar, dass man erdverbundenen Menschen das Geld nicht so leicht aus dem Sack ziehen kann, weil sie bei jeder Anschaffung zuerst überlegen, was Mama Erde wohl dazu sagen würde. Inzwischen sieht das etwas anders aus. Ich weiss nicht, ob die erdverbundenen Menschen einen Weg gefunden haben, Mama Erde zum Schweigen zu bringen, wenn sie mal wieder den mahnenden Zeigefinger hebt, oder ob clevere Geschäftsleute entdeckt haben, wie man in einem Menschen, der eher dem Feinstofflichen zugetan ist, materielle Gelüste weckt. Auf alle Fälle gibt es inzwischen ein beeindruckendes Angebot an Produkten, die einen guten Menschen zu einem noch besseren machen sollen. Hier eine Auswahl aus einem Katalog, der mir neulich in die Finger geraten ist:

Da gibt es zum Beispiel das Waffeleisen „Blume des Lebens“, dank dessen Hilfe Waffeln nicht nur gut schmecken und sichtbare Spuren auf den Hüften hinterlassen, sondern zugleich mit ganz viel Lebensenergie aufgeladen werden. Wie das gehen soll? Nun, ganz einfach: Die Waffeln kommen nicht in der üblichen profanen Herzchenform aus dem Gerät, sondern in der Form der „Blume des Lebens“, dem Symbol, das „seit 5000 Jahren für Lebensenergie“ steht, wie es im Katalog heisst. Und das für gerade mal 90 Franken. Ja, diese Blume des Lebens muss es wirklich in sich haben. Es gibt sie nämlich auch auf Fussmatten, Matratzenbezügen und Hausschuhen, natürlich alles mit sattem Preisaufschlag, weil ein mit Lebensenergie aufgeladener Artikel eben viel mehr Wert ist. Wer jetzt denkt, ich würde dies nur wegen meiner christlichen Gesinnung schreiben, dem sei gesagt, dass ich es ebenso lächerlich finde, wenn man überteuerte Fussabtreter mit Kreuzsymbol verkauft.

Ganz toll ist auch der „Yoga-Frosch“. Ich hätte ja auf den ersten Blick gedacht, da wolle sich einer über Yoga lustig machen, denn das Ding sieht aus wie etwas, was ein Teenager im Zweifrankenshop kaufen würde, doch der Begleittext klärte mich darüber auf, dass der Yoga-Frosch Heiterkeit verbreitet und den Betrachter an die wichtigsten Übungen erinnert. Vielleicht müsste ich mit Yoga anfangen, damit ich die Botschaft des Frosches verstehen könnte. Und damit ich dazu bereit wäre, 26 Franken zu bezahlen, um ihn zu bekommen.

Die haben übrigens auch Fixleintücher in diesem Katalog. Die gleichen hässlichen Farben wie überall, das gleiche Material, die gleiche Verarbeitung, aber doppelt so teuer. Vermutlich, weil die Dinger einen Haufen Lebensenergie getankt haben, als sie im Lagerregal zwischen Waffeleisen und Yoga-Frosch lagen.

Wahrscheinlich sollte ich mir auch das Buch „Die Schnurr-Therapie – Wie Katzen heilen“ mit integrierter CD kaufen. Für nur gerade 30 Franken erfahre ich alles über die „von Katzen beim Schnurren ausgestrahlten Wellen“, die „einen positiven Einfluss auf den menschlichen Körper und Geist“ haben. So wenig Geld für einen „mächtigen Anti-Stress-Faktor“, einen „Verstärker der Abwehrkräfte“ und obendrein „eine wertvolle Unterstützung der Psychomotorik“. Und ich arme, unerleuchtete Närrin habe geglaubt, mein kleiner roter Kater hätte sein volles Potential bereits ausgeschöpft, wenn er sich mit Schnurren und Schmusen bei mir einschmeichelt, nachdem er unter unser Bett gekackt hat.

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Gefühlsmensch

Beim Prinzchen weiss man meist, woran man ist. Ist er wütend, knallt er die Tür, bekommt er nicht das Essen, das ihm passt, droht er mit Hungerstreik, ist die Welt ungerecht, schreit er Zetermordio. Seit einiger Zeit kommen aber auch neue, zartere Töne hinzu.

Vor einigen Tagen traten Luise, der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter im Kinderzirkus auf, das Prinzchen und ich standen im Publikum. Gegen Ende der Vorstellung wollte das Prinzchen plötzlich auf den Arm genommen werden, etwas, was ich nur noch schaffe, weil er so spindeldürr und federleicht ist. Als er oben war, kuschelte er sich eng an mich und flüsterte mir ins Ohr: „Ich muss fast weinen.“ „Warum denn? Hast du Angst?“, fragte ich. „Nein, ich muss fast weinen, weil es so unglaublich schön ist“, gab der kleine Romantiker zur Antwort.

Heute ein weiterer Gefühlsausbruch der anderen Art: Morgen feiert das Prinzchen zusammen mit den anderen Oktoberkindern im Kindergarten Geburtstag, weshalb wir heute Nachmittag fleissig am Backen waren. Mit Inbrunst stach das Prinzchen Sterne aus Marzipan aus, währenddem ich den Teig rührte. Als schliesslich ein Küchlein nach dem anderen mit Sternen verziert war, begann unser Jüngster Küchenhocker zusammen zu schieben. Auf meine verwunderte Frage, was er denn da tue, antwortete er: „Ich bin so glücklich, dass ich jetzt einfach einen Handstand machen muss.“ Sprach’s und stellte sich auf seine Hände, die Füsse an die Hocker gelehnt.

Ich war so gerührt, dass ich gleich einen Blogpost darüber verfassen musste, denn das mit dem Handstand will bei mir nicht mehr so recht klappen. Auch dann nicht, wenn ich Küchenhocker zu Hilfe nehme. 

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Nur eine kleine Erklärung. Bitte, bitte, bitte!

Es ärgert mich ja selber, dass es mich noch immer ärgert, aber es ist wohl das Los von uns Mehrfachmüttern, uns alle paar Jahre über den gleichen Mist zu ärgern. Da nimmst du dir fest vor, deinen Jüngsten nach den Herbstferien allmählich in die Selbständigkeit zu entlassen, instruierst die grossen Kinder in den Prinzchen-Abholdienst und schärfst dem Prinzchen auf dem Weg ein, dass er heute nach dem Kindergarten nicht auf dich warten muss, sondern auf Luise, die heute dran ist mit Abholen. Dann kommst zum Strassenübergang Primarschulhaus – Kindergarten und stellst fest, dass die mal wieder exakt auf das Ende der Herbstferien eine Baustelle so platziert haben, dass die kleinen Kindergärtner unmöglich die Strasse überqueren können, wie es der Verkehrspolizist vorgezeigt hat.

Ja, und dann kannst du einfach nicht anders, als dich zu ärgern. Weil es beileibe nicht das erste Mal ist, dass sie exakt zum Ende der Schulferien die Baumaschinen auffahren. Weil sie während der Herbstferien vor allem beim Oberstufenschulhaus gearbeitet haben, so dass die Teenager, die ja halbwegs eigenständig sind, jetzt ganz gefahrlos zu ihrem Schulhaus kommen. Weil sie noch immer nicht begriffen haben, dass kleine Kinder und grosse Baumaschinen nicht miteinander klarkommen und man deshalb wenn möglich die Schulferien dazu nutzen sollte, dort zu baggern, wo die Kleinen gewöhnlich vorbei müssen. Weil sie nicht einsehen wollen, dass man ein Kind unmöglich alleine gehen lassen kann, denn wie soll es auch sicher über die Strasse kommen, wenn der Zebrastreifen, auf den Fünfjährige nun mal fixiert sind, nicht begehbar ist. 

Ja, natürlich bin ich dankbar, dass die jetzt endlich etwas unternehmen, um die Strasse für Fussgänger sicherer zu machen. Aber warum, warum, warum, warum, warum müssen die immer exakt auf das Ferienende dort arbeiten, wo die Kleinsten durchmüssen? Wäre es denn so schwierig, andersrum zu planen, so dass bei den Grossen gearbeitet wird, wenn die Schule wieder anfängt?

Ich meine, vielleicht gibt es ja eine plausible Antwort auf diese Fragen. Eine Antwort, die eine aufgebrachte Glucke wie mich zufrieden stellen würde. Vielleicht gibt es ja wirklich einen Grund für dieses Vorgehen und wüsste ich den Grund, würde ich meine Klappe halten und den anderen Müttern, die sich beklagen, altklug erklären, dass es eben nicht anders geht, weil….

 Ja, weil? Sagt mir doch warum es nicht anders geht! Dann kann ich vielleicht endlich aufhören, mich aufzuregen.

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Herzliche Einladung

Wer…

  • am Samstag, 9. November um 17 Uhr gerade in unserer Region ist,…
  • gerne einmal die einmalige Atmosphäre im Kreuzgang unserer Stiftskirche geniessen möchte,…
  • einen gemütlichen Abend mit netten Menschen verbringen möchte,…
  • den Beweis braucht, dass es „Meinen“, Karlsson, Luise, den FeuerwehrRitterRömerPiraten, den Zoowärter und das Prinzchen wirklich gibt,…
  • Lust auf Kürbissuppe hat,…
  • sehen will, wie ich ins Rotieren gerate,…
  • „Meinem“ zu seinen gelungenen Illustrationen gratulieren möchte,…
  • sich auf die Adventszeit einstimmen möchte,…
  • mich lesen hören will,…
  • ein signiertes Exemplar meiner Bücher kaufen möchte,…
  • sonst irgend einen Grund findet, vorbeizuschauen,…

…ist herzlich zur Lesung beim offenen Bücherregal eingeladen. Hier geht’s zum Einladungsflyer mit allen nötigen Angaben: Flyer Lesung 9.11.13.

Ich freue mich riesig!

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Und hier noch ein Bild vom Kreuzgang, zur Verfügung gestellt von Eulenkling:

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„Meiner“ kauft ein

„Meiner“ war auf einer Weiterbildung in Deutschland. Bevor er sich auf die Heimfahrt machte, rief er an, um zu fragen, ob er noch einkaufen solle. „Bring doch einfach ein paar Dinge, die man in der Schweiz nicht bekommt“, antwortete ich. Hier die Liste der Spezialitäten, die er mitgebracht hat:

  • 1 Kilo Paniermehl
  • 1 Kilo Kakao
  • Butterkekse, hierzulande besser bekannt unter dem Namen Petit Beurres
  • 1 Beutel grüne Oliven
  • Vanillinzucker
  • Backpulver
  • Aufbackbrötchen für heute Morgen
  • 1 Kilo Gnocchi
  • Eine Flasche Buntwaschmittel
  • 1 Liter Essigreiniger
  • Parkettreiniger
  • 2 Pack grüne Servietten
  • 3 Flaschen Pepsi Max (habe ich bestellt, weil mein Koffeinpegel gerade bedenklich tief stand, als „Meiner“ anrief)

Gut, er hat auch noch ein paar Dinge speziell für mich mitgebracht, darunter so alltägliche Dinge wie ein Kokosnuss-Brotaufstrich und zweifarbige Flämische Waffeln. Aber ich gehe mal lieber nicht ins Detail, sonst glaubt ihr noch, „Meiner“ würde mich nicht lieben. 

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Die Kohl-Affäre

„Ein Weisskohl wird ja wohl reichen. Ausser mir und dem Zoowärter wird kaum einer essen davon“, sagte ich zu mir selber, als ich heute Abend zum Gemüsemesser griff, um eine Beilage zu den Ofenkartoffeln zuzubereiten. Das Rezept aus meinem neuen Schweden-Kochbuch war so simpel, dass ich nichts Besonderes davon erwartete: Weisskohl in Bouillon weich dämpfen, in Butter anbraten, Doppelrahm, Salz und Pfeffer hinzu und dann alles kurz köcheln lassen. So einfach, aber das Resultat war köstlich.

„Zoowärter, das musst du probieren“, rief ich unseren Gemüseliebhaber herbei. Der Zoowärter probierte, verdrehte genüsslich die Augen und versprach, wenn er ganz viel von diesem Kohl essen dürfe, würde er ohne Widerstand sein Zimmer aufräumen und brav zu Bett gehen. Drei Portionen später war der Zoowärter halbwegs satt, die Pfanne nahezu leer. „Probiert doch auch noch ein bisschen“, sagte ich zu den anderen Kindern. Erst rümpften sie die Nase, doch dann liessen sie sich einen Löffel voll aufschwatzen.

Augenblicke später brach ein Tumult los: „Warum hast du nicht mehr davon gekocht?“, wollte Karlsson wissen. „Das musst du morgen noch einmal machen“, forderte Luise. „Kann ich noch mehr haben?“, bat die Cousine unserer Kinder, die mit uns ass. „Wenn ich keinen ganzen Teller voll davon kriegen kann, esse ich überhaupt nichts heute Abend“, protestierte das Prinzchen. Ja, genau, das gleiche Prinzchen, das gewöhnlich nur Verachtung übrig hat für Kohl und anderes Gemüse. Einzig der FeuerwehrRitterRömerPirat blieb stumm, aber wohl nur, weil er gerade wegen irgend einer Sache sehr eingeschnappt war und unter dem Esstisch schmollte. Sonst hätte er bestimmt gejammert, der Zoowärter hätte viel mehr Kohl bekommen als er und das sei ganz schrecklich unfair. Erst als ich versprach, ich würde morgen noch einmal genau das Gleiche kochen und dann so viel, dass es für alle reicht, beruhigte sich die aufgebrachte Meute wieder. 

Was bin ich froh, dass die Kohl-Affäre zwei Stunden später wieder vergessen war. Sonst wäre bestimmt erneut ein Tumult ausgebrochen, als der von mir in Sachen Kohl schamlos bevorzugte Zoowärter sein ganzes Abendessen wieder von sich gab. 

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