Wo sind all die Wolken, wenn man sie mal dringend braucht?

Es ist frustrierend. Den ganzen Tag schafft man es, das Unmögliche möglich zu machen, und dann, kurz nach Feierabend kommt der Zoowärter und verlangt allen Ernstes eine Wolke. Zuerst bringt er sein Anliegen bei seiner Schwester vor. Diese kann aber leider nicht behilflich sein und deshalb gelangt er an uns mit seinem Wunsch: „Mami, Papa, ich wele e wolche!“ All unser gutes Zureden hilft nichts, unsere Erklärungen, wir könnten ihm keine Wolke bringen, führen nur dazu, dass er lauter brüllt, noch mehr Wolken will.

Nun, wie gesagt, wir haben heute schon mehrmals das Unmögliche möglich gemacht. Wir haben zum Beispiel den Nachbarjungen überzeugt, dass Apfelrösti eine Delikatesse ist. Und weil der Junge glaubt, bei uns sei das Essen immer gut (gestern gab es Cervelats), ass er am Ende drei Teller leer, obschon das Gericht aussah, als hätte es bereits jemand vorgekaut.

Wir brachten es auch fertig, Luise zum Stillsitzen zu bringen, obschon sie während des Essens die neusten Ballettschritte vorführen wollte, dringend wissen musste, was bei Nachbars im Garten gerade so läuft, eine Stand-up- Comedy Nummer zum Besten geben wollte und  gleichzeitig noch ihrem Bruder die Mayonnaisetube  zu entreissen versuchte.

Ja, wir haben es sogar geschafft, vier Kinder mit Erdbeercornets zu versorgen, ohne dass nur ein einziges Eis auf dem Fussboden landete. Aber jetzt, wo wir auf die Schnelle ein paar Wolken herbeischaffen sollten, müssen wir kapitulieren. Wolkenmachen haben wir in unserer Elternkarriere noch nicht gelernt. Vielleicht ist wiedermal eine Weiterbildung fällig.

Solidarität

Für alle die nachgefragt haben: Nein, dem Knie geht’s leider nicht besser, sondern schlechter. Aber was soll’s? Es ist Frühling, der Kirschbaum blüht und nächste Woche geht’s ab in die Röhre. Und ausserdem habe ich einen, der sich wunderbar mit mir solidarisiert. Wann immer der Zoowärter sich weh tut, sei es im Gesicht, an den Fingern oder am Fuss, jammert er laut „Aua, tuet so weh mini Chnüü! Muesch blase.“  Jammere ich, fragt er fürsorglich nach: „Tuet so weh dini Chnüü?“

So bauen wir uns durch gemeinsames Jammern immer wieder auf.  Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid.

Versagt

Okay, ich geb’s ja zu. Ich habe versagt. Zwar habe ich bis heute dem Süssen fast widerstehen können, aber eben nur fast. Schuld ist nicht der Besuch von vergangenem Samstag, der mit zuckerüssen, mit Blümchen verzierten Küchlein aufgekreuzt war. Ich hatte ja angekündigt, dass ich dann nicht würde widerstehen können. Und daran habe ich mich auch gehalten.

Nein, Schuld ist, einmal mehr, der Osterhase. Da zerbricht man sich den Kopf, wie man der Patentochter eine Freude machen könnte, bestellt im Internet diesen sündhaft teuren, zuckersüssen und handgemachten Hasen mit Hüppensplittern, freut sich darüber, dass er die Reise von Basel nach Schönenwerd heil überstanden hat und schafft es sogar, das Tier vor den Kindern zu verstecken. Glaubt man. Denn als man den Hasen für den Transport zur Patentochter bereit machen will, findet man nur noch einen mit Schleifchen verzierten Sack voller Schokoladensplitter in der Schachtel.

Was soll man da tun? Es gibt nur eine Lösung, nämlich die, den Frust so rasch wie möglich in sich hinein zu fressen. Und dazu eignet sich bekanntlich nichts so gut, wie himmlisch duftende Schokolade mit Hüppensplittern. Innert Minuten ist der ehemalige Hase in meinem Mund verschwunden, das Versprechen gebrochen und das schlechte Gewissen ins Unendliche gewachsen.

Die Patentochter bekommt den Hasen, der eigentlich für „Meinen“ vorgesehen gewesen wäre, „Meiner“ bekommt zu Ostern eine Barbamama-Tasse und mein Versprechen wird auf unbestimmte Zeit verlängert. Mal schauen, wie lange ich es diesmal schaffe…

Der Hase ist aus dem Sack

So, einen Mythos haben wir erledigt. Den Klapperstorch und den Samichlaus sind wir zwar noch nicht losgeworden, aber immerhin müssen wir jetzt  nicht mehr vom Osterhasen reden; zumindest nicht mehr, bis das Prinzchen zu reden beginnt. Der FeuerwehrRitterRömerPirat war der Erste, der skeptisch wurde. Herausfordernd schaute er mir gestern in die Augen und meinte: „Der Osterhase bist du.“ Offenbar wurde sein Verdacht dadurch geweckt, dass die Mama, die seit dem ersten April kaum mehr einen Schritt vor die Haustür getan hatte, nun plötzlich trotz Krücken in die Stadt musste, weil sie „eine Sitzung mit dem Osterhasen hatte“.

Während der FeuerwehrRömerRitterPirat bereit war für diese Entdeckung, wollten die grossen Geschwister noch nichts davon wissen. Doch dann, heute Morgen bei der Eiersuche,  belauschte ich Karlsson vom Dach. „Die Sachen haben Mama und Papa versteckt“, dämmerte es ihm, als er für jedes Kind ein passendes Buch im Garten fand. „Mama und Papa sind sooooo liebe Osterhasen.“ Leider waren dann aber auch wir daran Schuld, dass ihm sein Osterhase nicht gefiel. Wo ist denn der Osterhase, wenn man ihn mal braucht? Da kauft man extra einen Fahrrad-fahrenden Hasen für Karlsson, weil dieser so gerne Fahrrad fährt. Und was will das undankbare Kind? Einen Hasen mit Blümchen, genau so einen, wie Luise hat. Und was tut die sooooo liebe Osterhäsin, früh morgens um halb neun, wenn man sich eigentlich für den österlichen Kirchgang bereit machen sollte? Sie färbt Marzipan, formt Blümchen und freut sich darüber, das Karlsson wieder strahlt.

Den definitiven Todesstoss bekam der Osterhase dann von der Nachbarin versetzt. Die Kinder zeigen ihr stolz ihre Hasen, die Nachbarin bewundert die verschiedenen Tiere gebührend und will dann von mir wissen: „Wo hast du nur so viele verschiedene Hasen aufgetrieben?“ Damit hat auch für Luise der Glaube an den Osterhasen ein Ende gefunden.

Jetzt müssen wir nur noch dafür sorgen, dass die Grossen die beiden Kleinen nicht über die wahre Identität des Osterhasen aufklären, bevor diese reif sind für die ganze Wahrheit.

Ja, was will sie denn?

Vier von fünf Kindern sind im Bett, das Prinzchen trinkt noch seine Abendmahlzeit und reibt sich schon die Äuglein, langsam kehrt Ruhe ein im Hause Venditti. Plötzlich dringt ein Aufschrei aus Luises Bett: „Ich will eine Schwester! Ich will jetzt eine Schwester!“. Es zerreist uns fast das Herz, zu hören wie das Kind seinen Schmerz aus sich herausschreit. Das Weinen dauert an, bald stimmt auch der Zoowärter, der im gleichen Zimmer schläft, ins Gejammer ein:  „Ich wele au e Swöster!“, brüllt er. Dies aber passt Luise überhaupt nicht: „Ich bin deine Schwester“, raunzt sie, dreht sich auf die andere Seite und schläft ein.

Am Morgen dann sieht alles ganz anders aus. Luise hat einen Prospekt entdeckt. Wer Kinderkleider bestellt, bekommt eine Sporttasche und ein Badetuch mit einem Snoopy-Aufdruck, wahlweise in rosarot oder hellblau. Luise studiert den Prospekt eingehend, überlegt, wie man es anstellen könnte, dass man beide Sets bekommt, das Rosarote für sie und das Hellblaue für ihre Brüder. Plötzlich strahlt sie übers ganze Gesicht: „Zum Glück bin ich das einzige Mädchen in der Familie. Dann muss ich das Badetuch mit niemandem teilen.“

Was denn nun, liebe Luise? Willst du jetzt eine Schwester oder lieber doch nicht?

Glaubensfragen

Ursprünglich hatten wir ja mal geplant, unsere Kinder vor all den Ammenmärchen zu verschonen und ihnen von Anfang an reinen Wein einzuschenken, wenn es um die grossen Fragen des Lebens wie Weihnachtsmänner, Ostern und die Herkunft der Babies geht. Anfangs ging dies eigentlich noch ganz gut. Der Samichlaus war einfach ein verkleideter Mann, von Christkind, Osterhase & Co. war schon gar nicht die Rede.

Dann jedoch kam der denkwürdige 6. Dezember, an dem ein Onkel der Kinder als Samichlaus auftauchte und erzählte, sein Esel habe leider dieses Jahr nicht mitkommen können. Und weil die lieben Kleinen den Onkel trotz seines starken  Baslerdialekts nicht erkannten, gibt es jetzt eben den Samichlaus. Er wohnt, wie bei den meisten anderen Familien auch, tief im dunklen Tannenwald, bäckt Grittibänzen und verteilt Geschenke.

Nun ja, damit könnte man leben. Doch vor zwei Jahren kam dann noch der Osterhase dazu. Unsere Kinder sind der festen Überzeugung, dass es dieses Eier-anpinselnde Geschöpf gibt und wenn sie kurz vor Ostern ein Haarbüschel im Garten liegen sehen, sind sie sicher, dass der Osterhase auf seiner Tour ist. Da hilft alle Skepsis von Seiten der Eltern nichts, der Osterhase ist genauso real wie der Pöstler.

Seit heute jedoch bevölkert noch ein anderer den Götterhimmel unserer Kinder. Da begrüsst mich heute früh unser ältester, seinem Alter entsprechend bestens aufgeklärte und für gewöhnlich sehr vernünftige Sohn allen  Ernstes mit der Frage: „Mama, wie hat der Storch ausgesehen, der mich gebracht hat?“ Und Luise, die genau weiss, dass  Babies aus Mamas Bauch kommen, wollte wissen, ob der Storch sie in dem Tuch getragen habe, das beim Mittagessen die Kartoffeln warm hält.

Wenn die Knöpfe demnächst auch noch von Bienchen und Blümchen zu faseln beginnen, dann weiss ich mir auch nicht mehr zu helfen.

Üble Nachrede

Dem Zoowärter gerät beim Baden das Wasser in den falschen Hals, die Mama klopft ihm auf den Rücken, der Kleine speit und prustet. Kaum hat er sich beruhigt, meint er trocken: „Hät mi weder abgschlage Mama!“.

Einen Tag später wird der Zoowärter vom FeuerwehrRitterRömerPiraten angerempelt. Der Kleine schreit empört auf. Doch anstatt dem grossen Bruder eine überzubraten wendet er sich entrüstet an die Mama: „Hät mi weder gschopft de Papa!“

Das ist doch einfach die Höhe! Da schenkt man dem kleinen Kerlchen das Leben, umsorgt ihn liebevoll und schützt ihn vor den Attacken der grossen Geschwister. Und was ist der Dank? Falsche Anschuldigungen.

Sollte der Kleine demnächst berichten, die Mama oder der Papa habe ihn in den Schrank gesperrt oder man gebe ihm nichts zu essen, zeigen Sie die Eltern bitte nicht beim Sozialamt an, sondern verklagen Sie unseren Sprössling wegen übler Nachrede.

Das perfekte Timing

Gibt es einen besseren Moment, sich eine Magen-Darm-Grippe aufzulesen, als dann, wenn Mama ein lädiertes Knie hat? Natürlich nicht, und deshalb hat sich Linus mit der Schmusedecke, der übrigens seit einigen Tagen nicht mehr Linus mit der Schmusedecke, sondern Zoowärter heisst, weil er nur noch mit einer ganzen Ansammlung von Stofftieren, vom Waschbären bis zum Gummi-Waran herumläuft. Also eben, dieser Zoowärter hat sich sofort eine Magen-Darm-Grippe zugelegt, sobald er merkte, dass die Mama jetzt immer mit diesen sonderbaren Stöcken unterwegs ist. Denn gibt es etwas witzigeres, als zuzusehen, wie die Mama ins Schwitzen kommt, weil sie nicht schnell genug zur Stelle ist, wenn der Mageninhalt wieder hochkommt? 

Gibt es einen besseren Zeitpunkt zum Zahnen, als dann, wenn die Mama einem nicht herumtragen kann? „Natürlich nicht“, hat sich das Prinzchen gesagt, und darum ist er jetzt fleissig dabei, sich die Zähnchen wachsen zu lassen. Natürlich sieht man noch keinen Zahn, aber schreien, wenn man normalerweise friedlich im Bettchen liegen würde, ist zur Abwechslung gar nicht so schlecht.

Gibt es einen besseren Zeitpunkt, mit Mamas Stöcken Gewehr zu spielen, als dann, wenn die Mama ohnehin gerade dabei ist, das Gleichgewicht zu verlieren? Nein, sagt sich der FeuerwehrRitterRömerPirat und rast fröhlich mit den Stöcken durch die Wohnung. Die Mama, die auch sonst nicht die Schnellste ist, kommt ihm jetzt garantiert nicht nach.

Gibt es einen besseren Zeitpunkt, mit drei Decken auf dem Fussboden zu campieren, als dann wenn die Mama ihre Füsse kaum heben kann, ohne vor lauter Schmerz laut aufzuheulen? Natürlich nicht und deshalb kuschelt sich Luise am frühen Morgen wohlig in ihre Decken und zwar vorzugsweise bei der Türschwelle. Einfach, um ein bisschen Spannung in den grauen Alltag zu bringen.

Gibt es einen besseren Zeitpunkt, der kleinen Schwester so richtig eins überzubraten, als dann, wenn die Mama nicht schnell genug ist, dazwischenzukommen? Nein, sagt sich Karlsson vom Dach und piesackt seine Schwester wo er nur kann. Die Mama könnte sich sonst noch langweilen, wo sie doch jetzt kaum mehr aus dem Haus kommt.

Vielleicht war es doch nicht die beste Idee, sich das Knie ausgerechnet jetzt zu verletzen…

Aprilscherz?

Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, dass die Hausärzte heute gestreikt haben. Der Couchepin ist ja wirklich unmöglich, oder, wie meine Tante schon vor Jahren festgestellt hat, „ein Büffel“. Aber hätten die Hausärzte nicht vorgängig mein rechtes Knie über ihren Aktionstag ins Bild setzen können? Mein Gehirn wusste ja davon, doch hätte mein rechtes Knie gewusst, dass heute kein Arzt zur Verfügung steht, hätte es bestimmt noch einen Tag länger damit gewartet, mir das Leben zu erschweren. Aber eben, mein rechtes Knie hat von Gesundheitspolitik keine Ahnung und deshalb verbrachte ich den Mittwochnachmittag nicht in der Badewanne oder beim Ostergeschenkeshopping, sondern auf der Notfallstation des Kantonsspitals.

Und ich kann nicht mal viel dafür. Ein falscher Schritt beim Kochen und zack! ist das Knie im Eimer. Es frage mich niemand, wie ich es mit diesen höllischen Schmerzen geschafft habe, mich vom Boden aufzurappeln, die Wähe in den Ofen zu schieben, das Prinzchen zu beruhigen, die grossen Jungs mit dem Auto in der Spielgruppe abzuholen und die kleinen Jungs in den dritten Stock zu hieven. Ich weiss es nämlich selber nicht. Irgendwann machte mich meine Mutter darauf aufmerksam, dass es ja noch Schmerzmittel gebe. Zum Glück verlieren Grossmütter nicht so schnell den Überblick wie Mütter…

Tja und dann begann die Suche nach medizinischer Versorgung. Und irgendwann blieb nur noch die Notfallstation, weil der diensthabende Arzt kein Röntgengerät hat. Nach endlosem Warten war der Fall dann klar: Krücken und vier Wochen ohne Sport, dann wird man weitersehen.

Fragt sich nur, wie ausgerechnet ich es vier Wochen ohne Sport aushalten soll. Immerhin absolviere ich, wie fast alle Mütter, täglich zwischen sieben Uhr früh und neun Uhr spät einen Halbmarathon.

Das Prinzchen wird zum Prinzen

Das Prinzchen ist im Stress. Vier Monate und fünfundzwanzig Tage hat er es ruhig angehen lassen, hat die Beschaulichkeit des Babylebens genossen und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Doch vor einigen Tagen hat er entdeckt, dass wir etwas tun, ohne ihn teilhaben zu lassen. Wir alle essen, nur er darf nicht. So eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Da dürfen sich alle Löffel und Gabeln in den Mund schieben, nur er muss sich mit der Brust zufrieden geben.

Ein anderes Kind würde sich vielleicht mit dieser Ungleichbehandlung abfinden und warten, bis die Zeit für feste Nahrung gekommen ist, aber ein Prinzchen doch nicht. Das bis anhin friedlichste Baby der Welt schreit, dass die Wände wackeln und gibt nicht eher Ruhe, bis dass er auf einer Banane rumkauen darf. Da mögen Kinderärzte, Stillberaterinnen und andere Experten noch so lange predigen, ein Baby dürfe erst nach sechs Monaten feste Nahrung zu sich nehmen. Wenn das Prinzchen feste Nahrung will, dann bekommt er sie auch, egal, ob das den Experten passt oder nicht.

Und wenn er schon dabei ist, seine kleine Welt umzugestalten, kann er sich auch gleich vom Rücken auf den Bauch drehen, die ersten Sitzversuche unternehmen und sich mit den Füssen von der Wand abstossen, um zu schauen, was passiert.

So ganz allmählich wird das Prinzchen zum Prinzen…