Es kommt ja zuweilen vor, dass man bei der Auswahl eines Buches so richtig daneben greift. Man liest den Klappentext und denkt, man habe eine gute Wahl getroffen, doch dann, bei der Lektüre merkt man, dass das Oeuvre der reinste Schund ist. Was tun? Man kann ein Buch nicht ungelesen weglegen, und sei es noch so schlecht. Im Büchergestell will man das Ding aber auch nicht aufbewahren. Es könnte ja sein, dass mal jemand darin stöbert und einen völlig falschen Eindruck von einem bekommt, bloss weil sich da und dort Schund eingeschlichen hat. Es bleibt nur eine Lösung: Die Lektüre so schnell als möglich hinter sich bringen und ab ins Altpapier damit. Bei der nächsten Papiersammlung wird das Buch diskret zwischen "NZZ am Sonntag" und einer alten Ausgabe des "Spiegels" versteckt und die Sache ist vergessen. An den seichten Inhalt kann man sich bis dahin ohnehin nicht mehr erinnern.
Archiv des Autors: Tamar
Performance
Stimme 1: "Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang,…" Stimme 2, setzt leise ein, wird dann lauter: "Ausgang, Ausgang, Ausgang,…". Stimme 3, laut: "Ausgang, Ausgang, Ausgang, …" Stimme 1, sehr laut "Untergang!". Stimmen 2 und 3, als Echo "Untergang, Untergang." Stimme 1: "Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang,…". Stimme 2, schreiend: "Übergang!". usw.
Grrrrrrrrrrrrrrr
"Wenn Sie berufstätig wären, würde ich Sie krank schreiben." Der Nächste, der es wagt, diesen Satz zu mir zu sagen, muss sich warm anziehen. Ist man denn weniger krank, bloss weil man am Ende des Monats kein Gehalt bezieht? Schmerzt der Rücken weniger, wenn man den ganzen Tag zu Hause schuftet, anstatt im Büro zu sitzen? Hat man weniger Anspruch auf Erholung, bloss weil man momentan gerade keinen Arbeitsvertrag hat?
Aufklärung
Das war mal wieder ein Tischgespräch heute. „Können Vierzehnjährige schon Kinder bekommen?“, will die Fünfjährige wissen. „Ja.“ „Wie? Wenn sie Tabletten schlucken?“ Auftritt grosser Bruder: „Nein, weisst du, da steckt ein Mann sein Schnäbi in die Frau und dann drückt er die Samen heraus und dann gibt es ein Baby.“ Nun ja, für einen Siebenjährigen keine schlechte Antwort, oder? Doch die Schwester versteht noch nicht so recht und fragt, ob sie Mama und Papa nicht einmal zuschauen dürfe. Das wiederum findet der grosse Bruder völlig daneben, denn wer keine Kinder mehr will, macht sowas auch nicht mehr, oder?
Und damit wären wir beim Thema Unterbindung angelangt. „Hat sich der Papa schon die Adern durchschneiden lassen, damit ihr kein Baby mehr bekommt?“, will der Älteste wissen. Nun gilt es zu erklären, dass man bei der Sterilisation nicht die Adern, sondern die Samenleiter durchschneidet. Und zwar möglichst so, dass man icht auch noch beim Thema Suizid hängen bleibt. Man muss den Kindern ja nicht alles aufs Mal auftischen. Aber als verantwortungsvolle Eltern müssen wir natürlich auch verhindern, dass unser Sohn demnächst auf dem Schulhof erzählt, sein Papa habe sich die Adern durchgeschnitten, damit er keine weitern Kinder mehr bekomme. Nur weil er kein weiteres Leben mehr zeugen will, heisst das ja noch lange nicht, dass ihm das Leben verleidet ist.
So läuft das Geschäft
Manchmal wundern sich die Leute, warum in kleineren Gemeinden die Läden sterben. Nach einem kurzen Gang duch unser Dorf wundert einem gar nichts mehr. Da sind zum Beispiel bei der vor wenigen Monaten eröffneten Bäckerei die Rolläden geschlossen. Ein Zettel an der Tür informiert die Kundschaft: "Das Geschäft ist geschlossen. Grund: Die Maschinen sind defekt". Und dies seit mindestens zwei Wochen. Einen Monteur, der die Maschinen wieder in Gang bringt, sieht man nie.
Freizeit
Was tut man eigentlich, wenn man plötzlich drei freie Tage zur Verfügung hat? Was hat man getan, als Freizeit noch etwas völlig Alltägliches war? Kann man so etwas Banales wie freie Zeit zu geniessen überhaupt verlernen?
Jawohl. Man kann. Man begleitet die Familie zum Bahnhof, hilft beim Einsteigen in den Zug und weg sind sie. Drei von vier Kindern vergiessen nicht einmal Tränen. Selber muss man sich zurückhalten, um nicht schon auf dem Bahnsteig loszuheulen. Auf dem Heimweg fasst man den mutigen Entschluss, die nächsten drei Tage nicht mit Heimweh nach Mann und Kindern zu versauen.
Und dann? Was macht man mit der Zeit, wenn man sie plötzlich zur Verfügung hat? Nun ja, es gäbe genug zu tun im Haus. Wäsche falten, bügeln, aufräumen, Kleider sortieren, die Küche gründlich putzen. Aber das alles hat wenig mit Erholung zu tun. Und erholen sollte man sich ja. Muss man sogar. Die Ärztin hat's befohlen.
Doch wie erholt man sich am besten? So dass man am Ende der drei Tage nicht den Eindruck hat, man hätte mehr aus der Zeit herausholen sollen. Schlafen? Lesen? Essen? Shoppen? Sich mit Leuten treffen, für die man sonst wenig Zeit hat? Schwimmen? Oder vielleicht doch besser aufräumen, damit man nachher, wenn der Alltag wieder losgeht, weniger Stress hat?
Nun, es wird nicht möglich sein, all die in den letzten acht Jahren verpasste Erholung innert drei Tagen nachzuholen. Doch wenn man sich in der Abenddämmerung in aller Ruhe Gedanken über das Leben machen kann, ist dies immerhin schon mal ein Anfang.
Nächtliche Ruhestörung
Normalerweise schläft der Kleine ja in seinem eigenen Bett, doch weil er seine Matratze mit Exkrementen beschmiert hat, – auf weitere Details verzichten wir an dieser Stelle – nächtigt er im Elternschlafzimmer, bis die Matratze wieder trocken ist. Aber daran denkt Mama natürlich nicht mehr, als sie nachts um eins wegen eigenartiger Motorengeräusche erwacht. Sind die Nachbarn jetzt vollkommen durchgedreht, dass sie mitten in der Nacht ihre Motorsäge laufen lassen? Oder lässt da ein Teenager den Motor seines Rollers aufheulen? Aber nein, das Geräusch kommt nicht von draussen. Es ist der Kleine, der bereits im zarten Alter von 18 Monaten dermassen laut schnarcht, dass die Mutter in Versuchung gerät, wegen nächtlicher Ruhestörung die Polizei zu rufen. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie der Junge jemals eine Frau finden soll, wenn er mit seinem Schnarchen bereits jetzt die Wände zum Wackeln bringt. Ihm bleibt nur zu hoffen, dass der Trend der getrennten Schlafzimmer bis dahin anhält…
Zurück auf Feld 53!
Manchmal ist das Leben eben doch wie ein Brettspiel. Da glaubt man, man komme vorwärts und plötzlich landet man auf einem Feld, das einem ganz weit zurück schickt. „Zurück auf Feld 53!“, wird einem da zum Beispiel befohlen. Und auf Feld 53 wird man dann aufgefordert: „Du bekommst noch ein Kind. Kauf dir einen Geschwisterwagen und bezahle dafür einen beliebigen Betrag zwischen 10 und 1000 Franken.“
Kultur
Wann haben wir diese Sätze zum letzten Mal gehört? „Wahnsinn! Ihr seid ja echt zu beneiden! Können wir nicht tauschen mit euch?“ Es ist lange her, seit uns jemand um etwas benieden hat. Mal abgesehen von der Frauenärztin, die ganz furchtbar gerne einen Haufen Kinder gehabt hätte und leider zu spät damit angefangen hat und jetzt das Grossfamilienleben in etwas allzu rosaroten Tönen malt. Aber echter Neid? Jemand, der mit uns tauschen möchte? Momentan sind eher mitleidiges Kopfschütteln und schweres Seufzen die Reaktionen, wenn wir jemandem aus unserem Leben erzählen.
Kleine Absurditäten
Gibt es etwas Beschaulicheres als Ferien in einem Österreichischen Kaff? Die kulturellen Unterschiede zur Schweiz sind so minim, dass man sich nicht gross auf die Reise vorbereiten muss. So kann man sich vor Ort eingehend mit den kleinen Absurditäten befassen.