Schund

Es kommt ja zuweilen vor, dass man bei der Auswahl eines Buches so richtig daneben greift. Man liest den Klappentext und denkt, man habe eine gute Wahl getroffen, doch dann, bei der Lektüre merkt man, dass das Oeuvre der reinste Schund ist. Was tun? Man kann ein Buch nicht ungelesen weglegen, und sei es noch so schlecht. Im Büchergestell will man das Ding aber auch nicht aufbewahren. Es könnte ja sein, dass mal jemand darin stöbert und einen völlig falschen Eindruck von einem bekommt, bloss weil sich da und dort Schund eingeschlichen hat. Es bleibt nur eine Lösung: Die Lektüre so schnell als möglich hinter sich bringen und ab ins Altpapier damit. Bei der nächsten Papiersammlung wird das Buch diskret zwischen "NZZ am Sonntag" und einer alten Ausgabe des "Spiegels" versteckt und die Sache ist vergessen. An den seichten Inhalt kann man sich bis dahin ohnehin nicht mehr erinnern. 

So war das zumindest, bevor Amazon erfunden wurde. Es ist ja eigentlich ganz angenehm, online mal schnell ein paar Bücher zu besorgen. Aber müssen einen die Kerle wirklich bei jedem Einkauf an sämtliche Fehlgriffe der Vergangenheit erinnern? Kaum hat man sich eingeloggt, werden einem die neusten Vorschläge, genau auf die bisherigen Einkäufe abgestimmt, präsentiert. Und wehe, du hast nur einmal Schund bestellt! Noch fünf Jahre später werden dir weder Klassiker noch Kochbücher noch intelligente Kinderbücher vorgeschlagen. Nur noch Schund, Schund und nochmals Schund. Bleibt zu hoffen, dass nie einer dein Passwort knackt. Denn würde er deine Amazon-Vorschläge sehen, dein Ruf wäre für immer ruiniert. 

Performance

Stimme 1: "Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang,…" Stimme 2, setzt leise ein, wird dann lauter: "Ausgang, Ausgang, Ausgang,…". Stimme 3, laut: "Ausgang, Ausgang, Ausgang, …" Stimme 1, sehr laut "Untergang!". Stimmen 2 und 3, als Echo "Untergang, Untergang." Stimme 1: "Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang,…". Stimme 2, schreiend: "Übergang!". usw.

Wie lange die Performance dauerte, lässt sich schwer sagen. Auf jeden Fall war sie sehr inspirierend. Leider wird uns der tiefere Sinn des Ganzen auf immer verschlossen bleiben. Die Akteure waren für ein nachträgliches Interview leider nicht mehr ereichbar, da sie sich, kaum von der Bühne verschwunden, in ihre Betten zurückzogen. Eine Widerholung des Auftritts am Küchentisch ist ausgeschlossen. Welcher Künstler tritt denn schon zweimal am selben Ort vor dem gleichen spärlichen Publikum auf?

Grrrrrrrrrrrrrrr

"Wenn Sie berufstätig wären, würde ich Sie krank schreiben." Der Nächste, der es wagt, diesen Satz zu mir zu sagen, muss sich warm anziehen. Ist man denn weniger krank, bloss weil man am Ende des Monats kein Gehalt bezieht? Schmerzt der Rücken weniger, wenn man den ganzen Tag zu Hause schuftet, anstatt im Büro zu sitzen? Hat man weniger Anspruch auf Erholung, bloss weil man momentan gerade keinen Arbeitsvertrag hat?

Die Krankenkassen unterstützen diese Ungerechtigkeit noch. Da nützt kein Arztzeugnis, kein ausführlicher Bericht. Erst wenn die Mutter zusammengebrochen ist, wird bezahlt. Man sei nicht zuständig für sozial belastende Situationen, heisst es so schön. Und die Mutter darf sich weiter den Rücken ruinieren, bis er dereinst so kaputt sein wird, dass er die Krankenkasse einiges mehr kosten wird, als die paar Wochen Haushalthilfe. 

Nun, für Gerechtigkeit in diesen Belangen ist es wohl etwas zu früh. Da müssen erst noch ein paar Brangelina-Babies her, bevor sich die Gesellschaft wieder daran gewöhnt, dass Mutterschaft ein Knochenjob sein kann. Bis dahin soll sich bloss niemand wundern, dass die realen Mütter wenig gemeinsam haben mit den strahlenden Frauen in der Werbung. 

Aufklärung

Das war mal wieder ein Tischgespräch heute. „Können Vierzehnjährige schon Kinder bekommen?“, will die Fünfjährige wissen. „Ja.“ „Wie? Wenn sie Tabletten schlucken?“ Auftritt grosser Bruder: „Nein, weisst du, da steckt ein Mann sein Schnäbi in die Frau und dann drückt er die Samen heraus und dann gibt es ein Baby.“ Nun ja, für einen Siebenjährigen keine schlechte Antwort, oder? Doch die Schwester versteht noch nicht so recht und fragt, ob sie Mama und Papa nicht einmal zuschauen dürfe. Das wiederum findet der grosse Bruder völlig daneben, denn wer keine Kinder mehr will, macht sowas auch nicht mehr, oder? 

Und damit wären wir beim Thema Unterbindung angelangt. „Hat sich der Papa schon die Adern durchschneiden lassen, damit ihr kein Baby mehr bekommt?“, will der Älteste wissen. Nun gilt es zu erklären, dass man bei der Sterilisation nicht die Adern, sondern die Samenleiter durchschneidet. Und zwar möglichst so, dass man icht auch noch beim Thema Suizid hängen bleibt. Man muss den Kindern ja nicht alles aufs Mal auftischen. Aber als verantwortungsvolle Eltern müssen wir natürlich auch verhindern, dass unser Sohn demnächst auf dem Schulhof erzählt, sein Papa habe sich die Adern durchgeschnitten, damit er keine weitern Kinder mehr bekomme. Nur weil er kein weiteres Leben mehr zeugen will, heisst das ja noch lange nicht, dass ihm das Leben verleidet ist.

So läuft das Geschäft

Manchmal wundern sich die Leute, warum in kleineren Gemeinden die Läden sterben. Nach einem kurzen Gang duch unser Dorf wundert einem gar nichts mehr. Da sind zum Beispiel bei der vor wenigen Monaten eröffneten Bäckerei die Rolläden geschlossen. Ein Zettel an der Tür informiert die Kundschaft: "Das Geschäft ist geschlossen. Grund: Die Maschinen sind defekt". Und dies seit mindestens zwei Wochen. Einen Monteur, der die Maschinen wieder in Gang bringt, sieht man nie. 

Gegenüber hat vor kurzer Zeit mal wieder jemand einen Neuanfang gewagt. Eine Frau bietet "Mani -und Peedicure" an. Da fragt man sich schon, wie kompetent die Dame ist, wenn sie noch nicht mal ihre Berufsbezeichnung korrekt schreiben kann. Nebenan hat der Wirt "SPecial Bier" im Sonderangebot und man überlegt sich, ob auch Nicht-Sozialdemokraten das Bier trinken dürfen, oder ob Grüne, Bürgerliche und die noch weiter rechts durstig bleiben müssen. Den Schlusspunkt des kleinen Rundgangs bildet der Club, der samstags jeweils zur "After-Shoping-Party". Zwar weiss kein Mensch was "shoping" sein soll, aber vielleicht bleibt doch von Zeit zu Zeit einer hängen, der ganz geschafft vom Shopping nach Hause kommt. 

Freizeit

Was tut man eigentlich, wenn man plötzlich drei freie Tage zur Verfügung hat? Was hat man getan, als Freizeit noch etwas völlig Alltägliches war? Kann man so etwas Banales wie freie Zeit zu geniessen überhaupt verlernen?

Jawohl. Man kann. Man begleitet die Familie zum Bahnhof, hilft beim Einsteigen in den Zug und weg sind sie. Drei von vier Kindern vergiessen nicht einmal Tränen. Selber muss man sich zurückhalten, um nicht schon auf dem Bahnsteig loszuheulen. Auf dem Heimweg fasst man den mutigen Entschluss, die nächsten drei Tage nicht mit Heimweh nach Mann und Kindern zu versauen. 

Und dann? Was macht man mit der Zeit, wenn man sie plötzlich zur Verfügung hat? Nun ja, es gäbe genug zu tun im Haus. Wäsche falten, bügeln, aufräumen, Kleider sortieren, die Küche gründlich putzen. Aber das alles hat wenig mit Erholung zu tun. Und erholen sollte man sich ja. Muss man sogar. Die Ärztin hat's befohlen.

Doch wie erholt man sich am besten? So dass man am Ende der drei Tage nicht den Eindruck hat, man hätte mehr aus der Zeit herausholen sollen. Schlafen? Lesen? Essen? Shoppen? Sich mit Leuten treffen, für die man sonst wenig Zeit hat? Schwimmen? Oder vielleicht doch besser aufräumen, damit man nachher, wenn der Alltag wieder losgeht, weniger Stress hat?

Nun, es wird nicht möglich sein, all die in den letzten acht Jahren verpasste Erholung innert drei Tagen nachzuholen. Doch wenn man sich in der Abenddämmerung in aller Ruhe Gedanken über das Leben machen kann, ist dies immerhin schon mal ein Anfang.

Nächtliche Ruhestörung

Normalerweise schläft der Kleine ja in seinem eigenen Bett, doch weil er seine Matratze mit Exkrementen beschmiert hat, – auf weitere Details verzichten wir an dieser Stelle – nächtigt er im Elternschlafzimmer, bis die Matratze wieder trocken ist. Aber daran denkt Mama natürlich nicht mehr, als sie nachts um eins wegen eigenartiger Motorengeräusche erwacht. Sind die Nachbarn jetzt vollkommen durchgedreht, dass sie mitten in der Nacht ihre Motorsäge laufen lassen? Oder lässt da ein Teenager den Motor seines Rollers aufheulen? Aber nein, das Geräusch kommt nicht von draussen. Es ist der Kleine, der bereits im zarten Alter von 18 Monaten dermassen laut schnarcht, dass die Mutter in Versuchung gerät, wegen nächtlicher Ruhestörung die Polizei zu rufen. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie der Junge jemals eine Frau finden soll, wenn er mit seinem Schnarchen bereits jetzt die Wände zum Wackeln bringt. Ihm bleibt nur zu hoffen, dass der Trend der getrennten Schlafzimmer bis dahin anhält…

Zurück auf Feld 53!

Manchmal ist das Leben eben doch wie ein Brettspiel. Da glaubt man, man komme vorwärts und plötzlich landet man auf einem Feld, das einem ganz weit zurück schickt. „Zurück auf Feld 53!“, wird einem da zum Beispiel befohlen. Und auf Feld 53 wird man dann aufgefordert: „Du bekommst noch ein Kind. Kauf dir einen Geschwisterwagen und bezahle dafür einen beliebigen Betrag zwischen 10 und 1000 Franken.“

Tja, der Geschwisterwagen. Den hatte man in einem Anflug von Übermut verschenkt. Und als die Freunde anboten, das Ding auf E-Bay zu versteigern, war man sogleich einverstanden. Kein Problem, das Ding brauchen wir nie mehr.
Und jetzt ist man also wieder auf der Suche nach einem Geschwisterwagen. Während man selber auf der Stelle tritt, hat sich wenigstens die Welt weiterentwickelt. Im Gegensatz zum letzten Mal gibt es jetzt all die tollen Auktionen und man bekommt die Gefährte zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises. Nun, eigentlich müsste es heissen „bekäme man“, denn nun hat uns schon zum zweiten Mal jemand wenige Sekunden vor Auktionsende den heiss begehrten Wagen weggeschnappt. Tagelang interessiert sich keiner für das Ding und dann, wenn man die Auktion schon für gewonnen hält, schlägt irgendeiner zu, bezahlt den Sofort-Kaufen-Preis und weg ist der Wagen.

Das passiert uns sonst bei keiner Auktion. Was beweist, dass Eltern einander nichts gönnen. Da sitzt bestimmt irgend eine gelangweilte Tussi den ganzen Tag vor dem Computer und wartet darauf, bis sie einer überbeschäftigten Mutter den Wagen wegschnappen kann. Wahrscheinlich braucht sie den Wagen nicht einmal, aber es macht nun mal so viel Spass, anderen die Freude zu verderben. In drei Monaten wird der Wagen wieder in einer Auktion zu haben sein, denn inzwischen hat die Tussi gemerkt, dass die Übelkeit, die sie für die Morgenübelkeit der zweiten Schwangerschaft gehalten hatte, bloss eine Lebensmittelvergiftung war. Es bleibt nichts anderes übrig: Das nächste Mal arbeiten wir auch wieder mit dem Sofort-Kaufen-Preis.

Zwei Dinge bleiben noch anzumerken, um Missverständnissen vorzubeugen:
1. Dieser Eintrag ist nicht gegen Familien gerichtet, die ein Kind haben, nicht gegen solche, die ein Zweites bekommen, nicht gegen Mütter, die vor lauter Übelkeit kaum mehr den Tag überstehen. Er richtet sich gegen überhaupt niemanden,  als einzig und allein gegen blöde Tussis, die uns immer wieder die Kinderwagen vor der Nase wegschnappen.
2. Dieser Eintrag ist erst recht kein Aufruf, uns mit nicht mehr gebrauchten Babysachen einzudecken. Wo immer der Irrtum herkommt, kinderreiche Familien seien dankbare Abnehmer für nicht mehr gebrauchte Babybettchen, Kleidchen und nervige Lärmspielsachen, er bleibt ein Irrtum. Ausserdem soll unser letztes Kind in einem richtig coolen Wagen ausfahren dürfen. Denn wenn wir schon nochmals Nachwuchs bekommen, soll das Kind, genau wie die anderen vier, sich als etwas ganz Besonderes fühlen dürfen.

Kultur

Wann haben wir diese Sätze zum letzten Mal gehört? „Wahnsinn! Ihr seid ja echt zu beneiden! Können wir nicht tauschen mit euch?“ Es ist lange her, seit uns jemand um etwas benieden hat. Mal abgesehen von der Frauenärztin, die ganz furchtbar gerne einen Haufen Kinder gehabt hätte und leider zu spät damit angefangen hat und jetzt das Grossfamilienleben in etwas allzu rosaroten Tönen malt. Aber echter Neid? Jemand, der mit uns tauschen möchte? Momentan sind eher mitleidiges Kopfschütteln und schweres Seufzen die Reaktionen, wenn wir jemandem aus unserem Leben erzählen.

Der Grund für den Neid waren zwei Eintrittskarten. „Silo 8“ von „Karls Kühne Gassenschau“. Offenbar möchte jeder das gesehen haben und deshalb sind die Leute auch gerne bereit, 64 Franken für ein Ticket hinzublättern. Wir haben die Tickets geschenkt bekommen. Das heisst, „Meiner“ hat sie bekommen. Grosszügig, wie die Geber waren, hatten sie auch an den Anhang gedacht, was mehrfach betont wurde. Als ob man an einem lauen Sommerabend alleine in den Ausgang gehen würde…
Nun, so machen wir uns voller Vorfreude auf den Weg. Endlich mal wieder Kultur! Und zwar live, nicht aus der Konserve. Und wenn man weiss, dass andere voller Neid an einen denken, wird der Abend gleich noch etwas schöner. Über den Inhalt des Programms muss an dieser Stelle nichts gesagt werden, darüber haben andere genug geschrieben. Anfangs ist man noch amüsiert über die Handlung, doch bald schon kommt der Eindruck auf, dass über all den ausgeklügelten Effekten die Handlung etwas allzu kurz kommt. Und als es dann losgeht mit den wilden Töfffahrten, mit den Staubwolken, dem Knallen und dem Feuer, beginnt das Kind im Bauch zu rebellieren. Irgendwann ist der Bauch steinhart und man ist nur noch froh, dass das Stück jetzt zu Ende ist, weil man fürchtet, sonst mit frühzeitigen Wehen im Spital zu landen. 
Da sitzt man nun, die Hände schützend um den Bauch gelegt, während alle anderen frenetisch applaudieren. Die grosse Spielverderberin, die nicht mehr fähig ist, das zu geniessen, was alle anderen so toll finden. Wie soll man nachher über den Abend diskutieren, ohne dem anderen die Freude am Erlebten zu trüben? Ein Blick nach rechts beruhigt fürs Erste. „Meiner“ sitzt genauso verdattert da und weiss nicht recht, wohin mit den Händen. Er hat ja kein Baby im Bauch, das er beruhigend streicheln könnte. 
Etwas später sitzen wir im Strassencafé. Erinnerungen an einen anderen lauen Sommerabend kommen auf. Es waren die alten Lokaljournalisten-Zeiten, als fast jedes Wochenende mindestens ein Kulturanlass auf dem Programm stand. Wann war das genau? Vor acht oder schon vor zehn Jahren? Und wie hiessen nochmals die Künstler? Ein Blick ins Artikelarchiv würde Klarheit schaffen. Doch damit würde man einen Asthmaanfall riskieren und so einen braucht man nicht schon wieder, nach all den Staubwolken bei „Silo 8“. Wir erinnern uns an diesen urkomischen Abend, als vielleicht zwanzig oder dreissig Verrückte sich auf einen Platz in der Zofinger Altstadt verirrt hatten, um ein paar irren Strassenkünstlern dabei zuzusehen, wie sie auf Pocket Bikes um die Ecke furzten. Wie eine Schauspielerin so hinreissend komisch die italiensiche Immigrantin spielte, die über ihr „gratis mangiare“ auf der Ferienreise in Verzückung gerät. Noch heute freuen wir uns ihretwegen kindlich über jedes „gratis mangiare“, und sei es noch so schlecht. Vieles von dem, was uns damals so zum Lachen brachte, dass wir fast von den Gartenstühlen gefallen wären, sehen wir in „Silo 8“ wieder. Nur dass es hier viel plakativer daherkommt, mit weniger zarter Ironie und mehr Getöse. 
Nachdem wir damals ein paar Münzen in den Hut geworfen hatten, bedauerten wir all jene, die diesen Abend voller Witz und Ironie verpasst hatten. Und heute wundern wir uns, warum alle Welt „Silo 8“ sehen will, wo es doch so wunderbare Kleinkunst gibt. Oder gibt es sie gar nicht mehr und wir haben es nicht mitbekommen, weil wir zu beschäftigt waren mit Kinderkriegen? Egal. Hauptsache, es gibt noch einen anderen Menschen auf diesem Planenten, der versteht, warum man sich gar nicht als so beneidenswert fühlt, wenn man den Kulturanlass besuchen darf, den alle besuchen wollen. 

Kleine Absurditäten

Gibt es etwas Beschaulicheres als Ferien in einem Österreichischen Kaff? Die kulturellen Unterschiede zur Schweiz sind so minim, dass man sich nicht gross auf die Reise vorbereiten muss. So kann man sich vor Ort eingehend mit den kleinen Absurditäten befassen.

Da betreibt zum Beispiel eine gewisse Maria ein kleines Café im Ort. Tja, und diese Maria hat ein ernsthaftes Problem mit Apostrophen. Die Frau sollte dringend einen Germanisten aufsuchen, doch das wagt ihr wohl keiner zu sagen. Ihr Lokal heisst „Maria’s s’Café“ und während der Sommermonate sind bei Maria „Milchshak’s“ der Renner.
Auch der Spitalalltag bietet für uns Schweizer einiges an Absurditäten. Ärzte sind hier noch echte Autoritäten. Nur sie haben die Berechtigung, Infusionen zu stecken. Als unserem Sohn bereits der zweite Schlauch herausgefallen ist, muss ein Neuer her. Die erste Ärztin versucht ohne Erfolg, eine passende Stelle für den Einstich zu finden. Sie holt eine andere Ärztin. Diese stochert ohne Erfolg in Arm des inzwischen etwas panischen Kindes herum. Also muss eine weitere Ärztin her. Als auch diese nichts ausrichten kann, murmelt sie: „Mal schauen, ob ich einen Oberarzt erreichen kann“. Wie bitte? Soll jetzt noch einer auf unser Kind losgelassen werden? Bei uns hätte man wohl schon längst eine Hebamme geholt, weil die angeblich am besten Infusionen stecken können. Und hier soll ein Oberarzt her, der bis jetzt das Kind kaum eines Blickes gewürdigt hat. Doch zum Glück hat der Mann viel zu tun und so steht ein paar Miunten später eine Ärztin mit einem Löffel da. Das Kind darf die Medikamente ab sofort schlucken. Was den Oberarzt nicht daran hindert, am nächsten Morgen bei der Visite zu verkünden, heute bekäme der Junge seine letzte Infusion. Dass der Bub schon längst keinen Schlauch mehr im Arm hat, bemerkt er nicht. Wie auch, wo doch der Arzt den Jungen auch heute keines Blickes würdigt?
Nicht bloss absurd sondern geradezu erschreckend ist die Gewohnheit gewisser Österreicher, die Leute mit einem fröhlichen „Heil!“ zu verabschieden. Mag sein, dass die Leute hier nicht automatisch an Hitler denken, wenn sie diesen Gruss hören. Aber es hat doch ziemlich viele Touristen hier in der Gegend. Und da sind wir wohl nicht die einzigen, die zusammenzucken, wenn uns einer beim Verlassen eines Geschäftes ein überschwengliches „Heil!“ hinterherschickt.