Das schaffe ich doch mit links…

Meine Naivität scheint einfach keine Grenzen zu kennen. Da reise ich mit drei Kindern, einem Kinderwagen und drei Taschen im Zug nach Chamonix – „Meiner“ fährt mit dem Prinzchen und Karlsson im Auto –  und glaube allen Ernstes daran, ich könne unterwegs noch Zeitung lesen. Okay, gewöhnlich bin  ich mit fünf Kindern unterwegs, und drei Kinder sind zwei weniger als sonst, aber es sind dennoch drei Kinder und nicht drei Bücher, oder drei Einkaufstaschen, oder drei Velos. Entsprechend ist der Stress auch nicht gerade klein. Und dass wir fünfmal umsteigen müssen, erleichtert die Sache nicht unbedingt.

Es fängt schon beim Einkaufen des Proviants an. Das heisst, der Proviant ist schnell erledigt. Die Auswahl der Reiselektüre ist da schon schwieriger. Doch weil wir bis vorgestern noch nicht sicher waren, ob der Zoowärter überhaupt reisen darf, verliefen die Vorbereitungen etwas überstürzter als sonst. Und so stehe ich vor dem Regal, schaue entnervt auf die Uhr und warte, bis sich Luise und der FeuerwerRitterRömerPirat entschliessen können. Weil die Zeit drängt, verlasse ich den Laden mit einem Papa Moll-Buch und einem Disney-Schinken. Himmel, wie tief kann man denn noch sinken? Aber ich habe keine Zeit, mir weiter über mein gesunkenes Niveau den Kopf zu zerbrechen, denn jetzt müssen wir zum Bahnhof rennen.

Die Reise ist dann das Übliche: Kinderwagen in den Zug hieven, schimpfen wie ein Wald voller Affen, weil sich das Vorderrad verkeilt hat und einem keiner hilft, Sandwiches auspacken und von den Sitzen kratzen, wenn sie runtergefallen sind, aufs WC rennen mit dem Zoowärter, während Luise auf den FeuerwehrRitterRömerPiraten aufpasst, Kakao aufwischen,  der in der Tasche mit den Stofftieren ausgelaufen ist, den Zoowärter zurechtweisen, weil er im überfüllten Familienwagen ein Mädchen gebissen hat, die Mutter des Mädchens ankeifen, ich würde mich selber um die Erziehung des Zoowärters kümmern, sie müsse ihm keine Sanktionen androhen, Saft aufwischen, den  FeuwerwehrRitterRömerPiraten daran hindern, auf dem Polster herumzuhüpfen, die Sitznachbarin anlächeln, weil sie die Kinder so süss findet, Luise trösten, weil ihr geliebter Stoffhase im Auto reist und zwischendurch mal immer wieder tiiiiieeeef seufzen.

Erstaunlicherweise bringen wir die Reise dennoch ohne grössere Zwischenfälle hinter uns, wenn man mal davon absieht, dass wir beinahe in Vallorcine gestrandet wären, weil für die SBB das Überqueren der Schweizergrenze gleichbedeutend ist mit Umsteigen in einen anderen Zug.  Aber eben, wir sind nur beinahe gestrandet und deshalb habe ich jetzt endlich Zeit und Musse, die gestrige Zeitung zu lesen, die im Zug aus mir völlig unverständlichen Gründen ungelesen geblieben ist.

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Von Bildung und Liebe

„Das Einzige, das Eltern ihren Kindern dauerhaft vermachen können, ist gute Bildung“, muss ich in der aktuellen Ausgabe des „Spiegels“ lesen. Mit dieser Aussage will der Leiter einer elitären Privatschule erklären, weshalb teure Bildungsangebote sinnvoll seien. Seine Aussage macht mich stutzig.  Bis anhin hatte ich nämlich ganz naiv geglaubt, das Einzige, was wir Eltern den Kindern dauerhaft vermachen könnten, sei Liebe. Und damit hatte ich mich auf der sicheren Seite gewähnt. Denn während unser Bankkonto nicht ausreichend gepolstert ist, um unseren Kindern eine elitäre Privatschule zu ermöglichen, mangelt es bei uns nicht an Liebe zu den Kindern. Im Gegenteil: Sie wächst sogar täglich, trotz aller Widrigkeiten, denen man im Familienalltag so begegnet.

Bei der Bildung hatte ich bis anhin immer geglaubt, die nütze nur etwas, wenn das Kind seinen eigenen Beitrag dazu leiste, sich selber an die Arbeit mache um zu lernen, was es nur könne. Und wenn das Kind sich verweigere, nütze auch die beste Privatschule nichts. Doch jetzt muss ich mir sagen lassen, dass unsere Kinder von uns nur gute Bildung wollen und nicht so etwas Diffuses wie elterliche Liebe. Mist! Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir all den Stress mit den fünf Kindern sparen können. Dann wäre ich besser Lehrerin an einer elitären Privatschule geworden. Da würde ich wenigstens anständig bezahlt für meinen Job.

Fragt sich bloss, wohin ich mit all der Liebe soll, wenn die doch gar nicht gefragt ist…

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Expertenrunde

Kaum sind der Zoowärter und ich wieder zu Hause, bekommen wir die Meinungen von Experten zu hören. Das was vorgefallen sei, sei  alles gar nicht weiter schlimm, sagt eine Bekannte zu „Meinem“ am Telefon, nachdem „Meiner“ sich wegen der durchwachten Nacht geweigert hatte, all ihrem Gequassel zuzuhören. Sie habe als Kind genau das Gleiche erlebt und deshalb müsse er sich überhaupt keine Sorgen machen, sagt sie und quasselt weiter über Dinge, die für uns momentan gar nicht weiter schlimm sind.

Die nächste Expertin meldet sich ein paar Stunden später. Auch sie hat irgend einen Ratschlag für uns parat, den ich Gott sei Dank vergessen habe, weil ich zu müde bin, um in meinem Gehirn Unwichtiges zu speichern. Schliesslich meldet sich dann auch noch die Schwiegermutter zu Wort, selbsternannte Expertin in sämtlichen Gesundheitsfragen. Die weiterführenden Untersuchungen seien komplett unnötig, versichert sie. Eine Epilepsie könne man ausschliessen. Aber gegen Schweinegrippe müssten wir den Kleinen impfen. Das sei der Grund, weshalb er gestern diesen Zusammenbruch erlitten habe.

Zum Glück gibt es auch noch Leute, die einfach so anrufen, um zu fragen, wie es dem Zoowärter gehe, die Verständnis haben, dass man nach so einem Erlebnis leicht erschüttert und ziemlich durcheinander ist. Das sind eindeutig meine Lieblingsexperten…

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Schämen Sie sich, Frau Venditti

Das war dann wohl die Strafe dafür, dass ich mich darüber beklagt habe, dass ich beim Zahnarzt im Wartezimmer nicht lange genug warten durfte. Keine acht Stunden später sitze ich mit einem quietschfidelen Zoowärter in der Notaufnahme des Kantonsspitals und warte darauf, ob die Ärzte herausgefunden haben, ob das, was den Kleinen in der Ikea von Stuhl gehauen hat, tatsächlich bloss ein Fieberkrampf gewesen war. Da sitzen wir also und warten und warten und warten und endlich, als Mitternacht schon vorbei ist, bringt man uns in einem Zimmer unter, wo wir weiter warten dürfen. Völlig erschöpft sinken wir beide ins Bett und versuchen, uns vom Schrecken des Abends zu erholen.

Am Morgen dann ist der Zoowärter nicht wach zu kriegen. Kein Wunder nach all dem Trubel von gestern. Also habe ich Zeit, die Infos für die Eltern durchzulesen. Der einzige Lesestoff im Zimmer. Bei der Lektüre finde ich heraus, dass ich so ziemlich alles falsch gemacht habe, was man falsch machen kann: Ich habe die Toilette im Zimmer benützt, ohne den Pflegedienst um Erlaubnis zu bitten, habe es verpasst, mein Feldbett pünktlich um 8:30 Uhr auf den Balkon zu schieben, damit der Reinigungsdienst ungehindert putzen kann und ich habe mir das Frühstück ins Zimmer bringen lassen, anstatt es draussen auf dem Gang selber zu holen.

Um meine Versäumnisse so rasch als möglich wieder gut zu machen, beschliesse ich, von nun an alles richtig zu machen. Doch schon beim ersten Versuch treffe ich auf  unüberwindbare Hindernisse: Als ich meine Blase auf der für mich vorgesehenen Toilette entleeren gehen will, hindert mich ein Hinweisschild am Verlassen des Zimmers. „Liebe Begleitpersonen, zu Ihrer eigenen Sicherheit und zum Schutz vor ansteckenden Krankheiten bitten wir Sie, das Zimmer nicht zu verlassen.“, steht da sinngemäss.

Was soll ich jetzt tun? Benutze ich das Patienten-WC im Zimmer, verstosse ich gegen die Regel des Spitals, nässe ich das Bett, verstosse ich gegen meine gute Kinderstube. Und warten, bis wir nach Hause entlassen werden, kann ich nicht, denn bis wir endlich eine Ärztin zu Gesicht bekommen, die uns sagt, dass wir morgen wieder kommen müssen, dauert es noch einmal eine halbe Ewigkeit. So bleibt mir nichts anderes übrig, als mit schlechtem Gewissen noch einmal ein Regel zu brechen und dankbar zu sein dafür, dass der Zoowärter und ich uns selbst überlassen sind, so dass keiner etwas merkt von meinem unverschämten Regelverstoss.

Hoffentlich lassen die uns morgen überhaupt noch rein…

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Zahnarztbesuche machen einfach keinen Spass mehr

Was ist bloss aus dem guten alten Zahnarztbesuch geworden? Zwei Stunden im Wartezimmer sitzen und lesen, fünf Minuten im Behandlungszimmer auf dem Stuhl liegen, wo die Dentalhygienikerin einen kurzen Blick auf die Zähne wirft, darüber jammert, mit dieser Mundhygiene mache man die Zahnärzte arbeitslos und einen wieder nach Hause schickt? Das waren die Zeiten, als ein Zahnarztbesuch noch Spass machte.

Aber heute ist das alles gar nicht mehr lustig. Kaum hast du es dir im Wartezimmer bequem gemacht und dich in die Lektüre vertieft, wirst du auch schon ins Behandlungszimmer gerufen. Vorbei die Zeiten, als Ärzte ihren Terminplan derart überfrachteten, dass du dich als Patientin auf eine gemütliche Auszeit im Wartezimmer freuen konnte. Okay, dafür hast du auch keine Zeit mehr, während der endlosen Wartezeit schon wieder Mundgeruch zu entwickeln. Und die Parkuhr musst du zwischendurch auch nicht mehr nachfüttern gehen.

Und dann erst die Behandlung. Die Dentalhygienikerin findet zwar auch heute noch, da sei alles in bester Ordnung. Was aber nicht mehr bedeutet, dass du nach Hause gehen kannst, sondern, dass du die Zähne nur mit Ultraschall gereinigt bekommst und nicht mit der Stahlbürste. Dass das Blut nur fliesst, weil die Zahnseide etwas zu tief ins Zahnfleisch eingeschnitten hat und nicht, weil man Zähne heraus operiert hat. Dass die Zahnärztin, die zur Begutachtung herbeigerufen wird, nicht gleich zum Bohrer greift, sondern nur androht, man werde dann vielleicht nächstes Jahr mal etwas machen müssen. Nach etwas mehr als einer Stunde verlässt du die Praxis mit schmerzendem Kiefer und wundem Zahnfleisch.

Und fragst dich, wie das die Leute überstehen, die auch noch einen Eingriff über sich ergehen lassen müssen.

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Das geht mich alles gar nichts an

Früher hatte ich immer gedacht, zu Hause zu arbeiten sei eine unglaublich mühsame Sache. Ich stellte mir vor, dass es ein Ding der Unmöglichkeit sei, den Alltag hinter der geschlossenen Bürotür zu lassen und sich voll und ganz der Arbeit zu widmen, die da ansteht. Unmöglich ist dies auch heute noch, zumindest solange „Meiner“ nicht zu Hause ist. Schwingt aber „Meiner“ das Zepter, wird der Heimarbeitsplatz zum Besten, den man sich nur vorstellen kann.

Karsslon schreit mal wieder? Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat zanken sich um ein Bilderbuch? Der Zoowärter hat das Töpfchen neben dem WC ausgeleert? Das Prinzchen will nicht schlafen? Das, was mich sonst zum Wahnsinn treibt, lässt mich völlig kalt, wenn „Meiner“ Hausmann ist. Geht mich alles gar nichts an, ich muss die Probleme ja nicht lösen. Sollen die mal schauen, wie sie selber zurecht kommen. Ich kann dann morgen wieder Streit schlichten, herumliegende Socken in den Wäschekorb befördern, Telefonwerbung abwimmeln, Speisereste entsorgen, den Geschirrspüler ausräumen, Tränen trocknen, aufgeschlagene Knie verarzten, Bilderbücher erzählen. Würde ich ausser Hause arbeiten, müsste es ja auch ohne mich gehen, also geht es auch, wenn ich zwar  physisch anwesend, in Gedanken aber irgendwo bin. Und ich komme in den Genuss all der kleinen und grossen Dramen, ohne mich darüber aufregen zu müssen. Ja, zuweilen inspirieren sie mich gar in meiner Arbeit.

Ob ich bei all dem Chaos überhaupt arbeiten kann? Aber klar doch. Ausblenden zu können ist das Erste, was man als Mutter lernen muss, sonst dreht man früher oder später durch. Würde ich auswärts arbeiten, bekäme ich von all dem Trubel nichts mit. Ich würde also auch nicht so deutlich den Kontrast erleben zwischen dem  konzentrierten Arbeiten am Bürotisch und dem Hexenkessel, in dem ich mich normalerweise bewege.

Ist es nicht schön, wie ich mich jetzt mit ein paar überzeugenden Argumenten darüber hinweggetröstet habe, dass ich noch immer keine bezahlte Arbeit gefunden habe und wohl in naher Zukunft auch keine finden werde? Es sei denn, ich würde putzen gehen.  Aber ich kann ja nicht auswärts tun, was ich zu Hause um alles in der Welt meide.

Ach und überhaupt: Bei welchem Job wird man denn so umsorgt, wie hier? In regelmässigen Abständen kommt „Meiner“ ins Büro, fragt, ob ich etwas brauche und bringt mir das Gewünschte, egal ob Tee, Latte Macchiato oder eine Duftkerze. Ich glaube, an dieses Leben könnte ich mich gewöhnen, obschon ich zurzeit noch gratis arbeite…

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Werd‘ wieder erwachsen, Mama!

So langsam naht der Tag, an dem ich die letzte Packung „Bimbosan Bio-Milch“ für das Prinzchen kaufen werde. Noch vier Wochen und der Kleine wird ganz gewöhnliche Milch trinken dürfen, wird seinen ersten Geburtstag feiern und dann dauert es gar nicht mehr lange bis zum Stimmbruch. Dabei kommt es mir vor, als wäre es erst ein paar Wochen her gewesen, als ich mit Schrecken auf die zwei Linien auf dem Schwangerschaftstest gestarrt hatte und mich gefragt hatte, wie um alles in der Welt ich es schaffen sollte, ein weiteres Kind zu bekommen. Und jetzt kann ich schon zurückschauen und sagen: Ich habe es geschafft, trotz aller Erschöpfung, trotz aller Überforderung, trotz aller Angst. Ein weiterer wunderbarer Mensch bereichert unsere Familie, zeigt  jeden Tag deutlicher, wie einzigartig er ist, bringt mich zum Lachen und beweist mir, dass es das Grossartigste auf der Welt ist, ein kleines Wesen begleiten zu dürfen, und sei man noch so erschöpft.

Jetzt, wo er grösser und eigenständiger wird, zeigt mir das Prinzchen aber auch, dass es langsam Zeit wird für Mama, den Windeln, den Schoppenflaschen und der Wundschutzsalbe zu entwachsen. Wie oft habe ich mir ausgemalt, wie das dann mal sein wird, so ganz ohne Kinderwagen, ohne weitere geplante Schwangerschaften, ohne ein kleines Wesen, das voll und ganz von mir abhängig ist? Wie oft habe ich von mehr Freiheit geträumt?

Und jetzt, wo dieses Ziel so langsam in Sichtweite kommt, wird mir mulmig. Kann ich das überhaupt noch? Kann ich mich noch frei unter Menschen bewegen, ohne den schützenden Kinderwagen vor mir? Weiss ich noch, welche Regeln in der Welt ohne Kinder gelten.

Okay, durch die Kinder habe ich auch ein ganz neues Selbstbewusstsein gewonnen, ich weiss, dass ich etwas schaffen kann, auch wenn ich zuweilen kaum mehr weiss, woher ich die Kraft nehmen soll. Ich habe auch herausgefunden, was ich von Leben will und was nicht. Doch in den vergangenen neun Jahren hat sich mein Leben pausenlos um Windeln, Schlafliedchen und Babyrasseln gedreht und ich habe vergessen, wie das Leben ohne ist.

Zum Glück wird mir das Prinzchen noch ein wenig Zeit lassen, bevor ich ganz ohne diese Dinge auskommen muss. Am besten wird es wohl sein, wenn ich mich von dem kleinen Kerlchen an die Hand nehmen und mich ganz langsam, Schritt für Schritt aus der Babywelt führen lasse.

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Halt endlich die Klappe, Papa Moll!

Uns Eltern bleibt einfach nichts erspart. Als ob Jörg Schneiders Räuber Hotzenplotz, Pingu und die katzfalschen Gesänge von „Paddingtons Englisch-Lieder“ nicht genug wären! Jetzt foltert man uns auch noch mit Papa Moll. Wie der Kerl zu uns ins Haus gekommen ist? Durch die Schulbibliothek. Da schützt du deine Kinder in den ersten Lebensjahren vor allen erdenklichen schlechten Einflüssen, dann kommen sie in die Schule und schon bringen sie Papa Moll nach Hause.

Wer noch nie Papa Moll hat hören müssen, weiss nicht, was das bedeutet. Allein schon die schrille Stimme von Mama Moll ist eine wahre Zumutung: Eine Mischung aus der FDP-Fraktionspräsidentin Gabi Huber und mir, wenn ich kreische, weil das Prinzchen eine Schnecke in den Mund nehmen will. Und das Schlimmste daran ist, dass sich diese penetrante Stimme nach zehnmal Hören so sehr in den Gehörgängen festgesetzt hat, dass ich jedesmal, wenn ich den Mund aufmache Mama Moll zu hören glaube und deshalb lieber gar nichts mehr sage.

Und dann diese dämlichen Dialoge!

Mama Moll: „Papi bisch sicher, dass d Türe abgschlosse häsch?“

Papa Moll: „Ja, Mami, ganz sicher.“

Mama Moll: „Ganz sicher?“

Papa Moll: „Ich glaub scho Mami. Aber ich gang lieber namal hei go luege.“

Mama Moll: „Nei Papi, es wird scho alles i de Ornig sii.“

Hä? Hat sie ihrem Papi nicht eben erst unterstellt, er habe die Tür nicht abgeschlossen? Und überhaupt: Warum nennen die einander Mami und Papi? Das ist ja noch schlimmer, als wenn man den Ehepartner „Meiner“ nennt!

Das Allerschlimmste an dieser Sache ist allerdings etwas, worauf ich bis anhin immer besonders stolz gewesen war: Kalsonns brillantes Gedächtnis. Schweigt nämlich ausnahmsweise der CD-Player für eine Viertelstunde, rezitiert Karlsson fehlerfrei den ganzen Mist auswendig. Und er lässt nichts weg, nicht einmal den dämlichen Akzent des bekloppten italienischen Zollbeamten, der sich von Eveli und Fritzli um die Finger wickeln lässt, weil „mir Italiener liebe i Bambini“.

Offenbar weiss Papa Moll noch nicht, dass die Italiener die niedrigste Geburtenrate Europas haben.

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Mein Sohn, ein Bürgerlicher?

So langsam mache ich mir Sorgen um den FeuerwehrRitterRömerPiraten. Wie er am Aarauer Bachfischet dastand und die Verbindungsbrüder bewunderte, war beängstigend. Während Karlsson sich, wie er es von Mama und Papa gelernt hat, angewidert abwendet, bekommt der FeuerwehrRitterRömerPirat glänzende Augen, staunt über die polierten Stiefel, die Fackeln,  den Degen – oder ist es ein Säbel? -, die Gesänge, die so gar nicht zu Rest des stimmungsvollen Lichterumzugs passen wollen. Noch Tage später löchert er uns mit Fragen, was es denn mit diesen Studentenverbindungen auf sich habe.

Oder nehmen wir das Militär. Rollen, wie neulich, Panzer durch die Strassen, schwört Karlsson hoch und heilig, dass er nie Militärdienst leisten wird. Luise fleht ihre vier Brüder auf Knien an, dass sie allesamt den Dienst verweigern  und Zivildienst leisten werden, wenn sie erwachsen sind. Der FeuerwerRitterRömerPirat steht derweil stumm da und staunt und man hat den Eindruck, dass er innerlich die Jahre zählt, bis er endlich auch Panzer fahren darf. Das sind dann die Momente, in denen ich mich gedrängt fühle, ihm zu sagen, dass ich ihn auch dann über alles lieben werde, wenn er sich dereinst einmal für das Militär entscheidet.

Doch ein wenig graut mir ja schon vor dem Tag, an dem unser Dritter im Vollwichs vor uns stehen wird und sagen wird: „Mama, Papa, ich muss euch etwas gestehen. Ich bin jetzt Mitglied bei der FDP.“

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Undankbares Prinzchen

Wenn das die Frau Hutter gesehen hätte. Oder eine andere jener Frauen, die mit tiefster Überzeugung verkünden, die Mutter sei die wichtigste Bezugsperson eines Kindes und niemand könne besser zu einem Kind schauen. Das Prinzchen hat heute mal wieder das Gegenteil bewiesen und das kam so: Der Kleine lässt sich gerade die Eckzähne wachsen und weil Blaublütige besonders sensibel sind, hilft alles nichts, was bei anderen Kindern hilft: Kein Herumtragen und Trösten,  keine kühlen Schnitze von Bio-Zitronen, kein Zäpfchen. Das Baby leidet, brüllt die halbe Nacht und ist am Morgen mies gelaunt. Als ich ihn aus dem Bett hole, ist er noch immer untröstlich. Und wie das so ist bei Kindern: Natürlich ist mal wieder die Mama Schuld am ganzen Elend. Zumindest schliesse ich dies aus dem bösen Blick und dem heftigen Treten gegen meinen Bauch.

Das alles könnte ich problemlos verkraften. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich Krisen mit meinen Kindern durchstehe. Doch was dann folgt, lässt mich langsam an mir zweifeln: Kaum sieht das Prinzchen die Grossmama, strahlt er übers ganze Gesicht und will nichts wie weg von mir. Dummerweise muss er gleich nochmals zurück zu mir, was er mit einem herzzerreissenden Brüllen quittiert. Wie war das nochmals mit dem Fremdeln? Als dann auch noch die Tante auftaucht, zeigt das Prinzchen noch deutlicher, zu wem er gehören will. Er streckt die Ärmchen nach ihr aus, schmiegt sich an sie und lächelt selig. Das Gleiche nachher wieder bei der Grossmama. Und bei mir brüllt er weiterhin, als hätte ich ihn geschlagen.

Das also ist der Dank dafür, dass ich ihn neun Monate lang in meinem Bauch herumgetragen und unter Schmerzen geboren habe!

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