Transformer

Eigentlich kaufe ich ja keine „Transformers“. Weil ich sie hässlich finde. Und doof. Und zu teuer. Und überhaupt. Nein, eigentlich kaufe ich sie wirklich nicht. 

Es sei denn, das Prinzchen bekäme von einem Klassenkameraden einen geschenkt, ein ausnehmend hässliches Exemplar in Grün und Schwarz. Freudenstrahlend käme das Prinzchen nach Hause gerannt, bald schon würden er und der Zoowärter glücklich mit dem Kerl spielen. „Bist du dir sicher, dass er dir das Ding geschenkt und nicht geliehen hat?“, würde ich fragen. „Ja, ganz sicher“, würde mein Sohn antworten. „Er hat gesagt, ich dürfe ihn für immer behalten.“Na ja, wir werden ja sehen“, würde ich sagen und das Mittagessen auf den Tisch stellen. Kaum hätten wir uns alle hingesetzt und Essen geschöpft, würde das Telefon klingeln. Es wäre die Mutter des Klassenkameraden. „Das Prinzchen kann nichts dafür“, würde sie sagen, „aber mein Sohn will seinen Transformer zurückhaben. Er hat ihn zwar tatsächlich verschenkt, aber jetzt ist er so furchtbar traurig und will ihn wieder haben.“ „Okay“, würde ich sagen, das Gespräch beenden und dann dem Prinzchen erklären, dass das halt doch nicht ganz so ernst gemeint war mit dem Geschenk. Mein Herz würde schwer, wenn ich sähe, wie er tapfer die Tränen runterschluckt, obschon er doch ungehemmt heulen dürfte. Prinzchens grosse Geschwister wären empört und würden mich dazu auffordern, für die Rechte des kleinen Bruders zu kämpfen. Aber ich würde mich nicht mit einer anderen Mutter um einen blöden „Transformer“ streiten wollen, aber meinem kleinen Jungen dabei zusehen, wie er gegen seine Enttäuschung kämpft, würde ich eben auch nicht wollen. Also würde ich sobald als möglich in die Migros rennen und meinem Sohn den gleichen hässlichen „Transformer“ kaufen, den er morgen wieder zurückgeben muss. Und weil ich beim Einkauf auch noch den Zoowärter dabei hätte, würde ich es nicht übers Herz bringen, ihm zu sagen, er dürfe keinen haben und dann würde ich am Ende mit zwei „Transformers“ an der Kasse stehen, im Hinterkopf eine leise Stimme, die mir zuflüstert, der FeuerwehrRitterRömerPirat werde dann wohl auch noch einen haben wollen. Nur wenn das geschehen würde, könnte ich mich dazu überwinden, so ein hässliches Monster zu kaufen.

Und weil genau dies gestern geschehen ist, wohnen bei uns jetzt halt auch noch zwei ausnehmend hässliche“Transformers“. 

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Lehrerfortbildung

„Meiner“ befindet sich derzeit bekanntlich in einer längeren Lehrerweiterbildung und da mir in den letzten Jahren ein kritischer Blick auf die Schule zur Gewohnheit geworden ist, kann ich mir eine gewisse Belustigung nicht verkneifen, wenn der Herr Gemahl mir abends von seinem „Schultag“ berichtet. (Von den Bastelarbeiten, die er nach Hause bringt, reden wir an dieser Stelle nicht. Ich frage mich einfach, ob man die auch über Jahre aufbewahren muss, weil sie – na ja, wie soll ich sagen? – sich nur geringfügig von Prinzchens Kindergartenbasteleien unterscheiden.) Am Dienstag zum Beispiel werden die gestressten Lehrkräfte jeweils mit Entspannungsmethoden bekannt gemacht, die ihnen helfen sollen, im Schulzimmer kühlen Kopf zu bewahren und nicht auszubrennen. Heute früh auf dem Programm: Yoga.

Gerade so, als wäre das eine revolutionäre neue Sache, von der hierzulande noch keiner je gehört hat. Als würde sich nicht bereits jetzt die Hälfte aller Lehrkräfte nach der wöchentlichen Endlossitzung ins Yogastudio flüchten. Als würden die alten Hasen nicht vor Langeweile einschlafen, wenn sie einen Vormittag lang so tun müssen, als wären sie blutige Anfänger. Als wüssten die Organisatoren nicht, dass heutzutage einzig die Menschen kein Yoga machen, die kein Yoga machen wollen

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Lesemotivation

Zum Lesen motivieren wollte ich sie, also schnappte ich mir den Roman, den ich in ihrem Alter mehrmals mit Begeisterung verschlungen habe. „Désirée“ von Annemarie Selinko, ein historischer Schinken über die Frau, die als junges Mädchen von Napoléon sitzen gelassen und später Königin von Schweden wurde. Das Buch hat alles, was Luise ansprechen sollte, meinte ich: Eine weibliche Hauptfigur, Liebe, Intrigen, eine erträgliche Dosis Spannung, Bezüge zu Frankreich – wo wir bald sein werden – und Schweden – wo wir schon zweimal waren.

Um ihr den Einstieg zu erleichtern, las ich nach dem Mittagessen das erste Kapitel vor. Erst sassen nur Luise und ich am Tisch, doch als ich zu der Stelle kam, wo Désirées Bruder abgeführt wird, gesellte sich das Prinzchen zu uns. Soooooo spannend sei das, meinte er. Ob denn der Bruder wieder freikomme, oder ob er geköpft werde? Wenig später, als von der Guillotine und den Blutlachen die Rede war, stiess der FeuerwehrRitterRömerPirat zu uns, auch er voller Fragen, wie es denn weitergehe. Und sogar der Zoowärter, der zwar Wichtigeres zu tun hatte, als mit uns am Tisch zu sitzen, liess sich aus dem Nebenzimmer vernehmen: „War das jetzt der Bruder, dem sie den Kopf abgehauen haben, oder war das ein anderer?“ Einzig Luise, die ich ja eigentlich dazu motivieren möchte, die weiteren 600 Seiten zu verschlingen, sass gelangweilt da und wollte wissen, wann sie endlich ins Bad gehen dürfe, sie müsse noch ganz dringend ihren Pferdeschwanz binden, bevor die Schule anfange. 

Ich schätze mal, ich werde nach einem Buch suchen müssen, das mir ganz und gar nicht zusagt, um Luise zum Lesen zu motivieren. Unsere Söhne haben sich offensichtlich so viel von meiner Leidenschaft für Historisches geschnappt, dass für Luise nicht mal ein Krümel übrig geblieben ist. 

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Dringend gesucht: Perlen

Immer die gleichen Geschichten, tagein tagaus. Schule. Haushalt. Liegengebliebene Arbeit. Schwiegermama. Einkaufen. Eine Zeit lang mag so ein Gehirn das ja aushalten, aber auf die Dauer wird das alles so langweilig, dass ich mir schon selbst nicht mehr zuhören mag. Höchste Zeit also für eine neue Herausforderung. Bloß, woher die Zeit nehmen, wenn die Tage schon übervoll sind mit den immer gleichen Geschichten? Wissen täte ich ja schon, was ich täte, um meinem Kopf wieder etwas Nahrung zu verschaffen, doch so, wie es derzeit aussieht, muss das noch warten.

Bleibt also noch Plan B: Lesen, lesen, lesen und zwar nicht den allzu leicht verdaulichen Fast Food, mit dem ich mich in den Kleinkinderjahren über Wasser gehalten habe, sondern Futter fürs Gehirn. Perlen also, anständig geschrieben, eine nicht ab der ersten Seite vorhersehbare Handlung, dick genug, dass man sich für ein paar Tage darin verlieren kann und wenn möglich auf Papier gedruckt. Um brauchbare Vorschläge wird an dieser Stelle ausdrücklich gebeten. 

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Im Jahr geirrt?

Wir schreiben das Jahr 2015, Herr und Frau Venditti sitzen eines schönen Morgens am Esstisch und lesen die Tageszeitung. „Das musst du dir ansehen“, sagt er in die für Grossfamilienverhältnisse ungewöhnliche Stille. Sie seufzt ein wenig, denn sie möchte jetzt eigentlich gerne den Artikel über die Banlieues von Paris fertig lesen, doch weil sie die kurze Stunde der Ruhe nicht mit unnötigen Diskussionen um Störungen bei der Zeitungslektüre verderben will, hört sie zu, was „Ihrer“ über einen Frauenmorgen in einer Kirchgemeinde vorliest:

„Mit ihrem Staubsauger schwebt sie durch den Kirchensaal. Wie eine Putzfee, so leicht führt sie ihn über den Boden.“
oder:
„Das Putzen muss vom Kopf ins Gesäss gehen.“
oder:
„Putzwerkzeuge dürfen auch farbig bemalt und gestaltet werden (zum Beispiel ein Loch in einen Teil des Handschuhs schneiden, damit der Ehering zum Vorschein kommt, oder den Besen als Schiff bemalen).“
oder:
„Schlagen Sie bei der Hausarbeit keinen gereizten Ton an, sondern motivieren Sie Ihren Mann, Dinge sauber zu machen, die ihm Spass bereiten.“
oder:
„‚Wie viel Arbeit darf ich meinem Mann nach einer Arbeitswoche überhaupt zumuten?‘, fragt eine Besucherin.“
und noch viele andere Sätze ähnlichen Inhalts.

Erst einmal lachen Herr und Frau Venditti schallend über die Idee mit dem Ehering und dem Besen. Dann versuchen sie herauszufinden, ob die im Artikel genannte „Putzfee“ eine Stand-up-Comedienne war, doch offenbar war die Komik ganz und gar unfreiwillig. Darum überlegen sie sich, ob der Pöstler vielleicht fälschlicherweise eine Zeitung von 1954 in den Briefkasten gelegt hat, doch das Datum auf der Titelseite zeigt: Das Presseerzeugnis ist druckfrisch. Womit Herr und Frau Venditti nur noch die ernüchternde Feststellung bleibt, dass Frauen offenbar auch im Jahr 2015 in die Kirchensäle strömen, um sich sagen zu lassen, wie sie richtig putzen müssen. 

Na ja, etwas hat sich vielleicht schon geändert. Heute erfährt frau an einem solchen Morgen nicht nur, wie sie es richtig macht, sondern auch, wie sie die Drecksarbeit mit Lust erledigt. 

falling; prettyvenditti.jetzt

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Mama Krokodil

Treffender hätte Karlsson meinen – oder allgemein den mütterlichen? – Sinn für Humor nicht beschreiben können. „Bei dir weiss man nie, woran man ist“, erklärte er. „Wie bei diesem Spiel mit dem Krokodil, das Zahnschmerzen hat. Man drückt ein Zahn nach dem anderen und irgendwann schnappt das Krokodil zu. Du bist genau gleich: Man macht einen Witz, du lachst, man macht den nächsten Witz, du lachst wieder und irgendwann – man weiss nicht wann – kriegt man – zack! – eins auf den Deckel.“

Irgendwie fühlte ich mich nach dieser Erklärung ertappt. Gerade so, als hätte das Krokodil für einmal bei mir zugeschnappt. 

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Interkultureller Dialogversuch, Teil III

Dialog Nr. 3

Daran beteiligt: Schwiegermama und ich. Wir unterhalten uns darüber, was aus Karlsson nach der obligatorischen Schulzeit werden soll.

Ich: „Er ist halt eher ein Kopfmensch, ich denke also, er wird noch ein paar Jahre Schule anhängen.“

Schwiegermama: „Es muss ja nicht jeder Nägel einschlagen.“

Ich: „Tja, allzu praktisch veranlagt ist er wirklich nicht. Das hat auch die Berufsberaterin gesagt.“

Schwiegermama: „‚Deiner‘ war als Kind auch eher so. Nicht so praktisch, mehr mit dem Kopf.“

Ich: „So war ich auch. Habe lieber gelesen, als etwas mit den Händen gemacht. Karlsson hat das also gleich von uns beiden.“

Schwiegermama: „Tja, wenn gleich beide nichts können, dann werden Kinder eben so wie Karlsson.“

expectations; prettyvenditti.jetzt

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Nahtlos

Was uns gestern (oder so) noch beschäftigte:

Krippe und wenn ja, wie viel darf es kosten? Oder vielleicht doch lieber auf ein zweites Einkommen verzichten? Läuft das finanziell etwa aufs Gleiche hinaus? Und abgesehen von den Finanzen: Wie viele Stunden in der Woche sollen die Kinder fremdbetreut sein? Oder könnte man mit geschicktem Jobsharing die Fremdbetreuung gänzlich umgehen? Und wie steht’s mit den Kräften? Liegt noch Freizeit drin neben Kindern, Job und Haushalt? Zeit für uns, Zeit für die ganze Familie, die nicht verplant ist? Und wo ist die Notbremse, falls es mal zu viel wird?

Viel Zeit ist noch nicht vergangen seither, und schon lauten die Fragen:

Geht’s noch eine Weile in ihren eigenen vier Wänden? Oder bei uns? Oder vielleicht doch ins Pflegeheim und wenn ja, für wie lange? Vorübergehend? Für immer? Was ist gut für sie? Gesundheitlich? Finanziell? Und was ist gut für uns? Wo braucht sie uns und wo müssen andere einspringen? Wo liegt ihre Schmerzgrenze, wo die unsere? Wann ist ein Ja gefordert, wann ein Nein erlaubt? Liegt noch Familienleben drin, oder muss jetzt alles andere hintanstehen? Und wo ist die Notbremse, falls es mal zu viel wird? 

Mein liebes Leben, ich weiss, dir ist ziemlich egal, was ich denke, aber manchmal wünschte ich mir, du hättest uns zwischen diesen beiden Phasen eine etwas längere Verschnaufpause gegönnt. 

broken dreams; prettyvenditti.jetzt

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Albtraum im Handyzeitalter

Zu unseren Zeiten war so ein Albtraum noch richtig furchteinflössend. Mit rasendem Herzen lag man schweissgebadet und stocksteif im Bett, flach atmend, damit das Böse, dem man im Traum begegnet war, einen nicht bemerken würde. Nachdem der schlimmste Schrecken vorbei war, begann man zu überlegen, ob man es wagen konnte, das schützende Bett zu verlassen, um die Eltern oder zumindest die ältere Schwester zu alarmieren. Zaghaft streckte man schliesslich den grossen Zeh unter der Bettdecke hervor, zog ihn aber wegen eines verdächtigen Geräusches im Gebälk sogleich wieder zurück. Alleine und verängstigt im Bett liegen zu bleiben erschien unerträglich, noch unerträglicher aber erschien der Gedanke, auf der Suche nach Trost durch den kalten, dunklen und von allerlei imaginären Schreckgestalten bevölkerten Flur zu tapsen. Also blieb man liegen, presste die Augen zu und sehnte den Schlaf herbei, der irgendwann wieder zurückkam, diesmal hoffentlich ohne albtraumhafte Begleitung. 

Heute geht sowas anders, zumindest, wenn man alt genug ist, ein Handy sein eigen zu nennen. Oder wenn man in der Nähe eines mit Handy ausgerüsteten Teenagers schläft. Dann läuft das so: Man wird durch den Albtraum aus dem Schlaf gerissen, greift zum Handy und alarmiert die Eltern, die sofort zwei Treppen hochgerannt kommen, um einen ins sichere Elternbett zu geleiten. Die bösen Geister sind vertrieben, der Schlaf kann zurückkommen. 

Jetzt muss es nur noch den Eltern gelingen, die Horrorszenarien, die sich wegen des Anrufs zu später Stunde vor ihren inneren Augen abgespielt haben, wieder zu vertreiben und die Nachtruhe ist gerettet. 

pasta e formaggio; prettyvenditti.jetzt

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Prinzchen goes pacifist

„Byte keynen Krieg“ – so lautet Prinzchens Antikriegsbotschaft, wenn man merkt, dass man von links unten nach links oben lesen muss und die zwei letzten Buchstaben zu interpretieren weiss. Ich würde sagen, unser Jüngster ist auf gutem Wege, die hoffentlich eines Tages wieder erwachende Friedensbewegung kreativ zu bereichern. Und nein, ich habe ihm das nicht diktiert, er hat bloss meine alten „Geo Epoche“ in die Finger gekriegt und der Fall war für ihn klar: Nie wieder Krieg!