Bruderliebe

Theoretisch gilt bei Vendittis die Regel, dass man am Esstisch sitzen bleibt, bis alle gegessen haben, es sei denn, der FeuerwehrRitterRömerPirat lässt sich mal wieder so viel Zeit mit dem Essen, dass selbst „Meiner“ und ich genug Pause gemacht haben. Die Regel gilt allerdings erst theoretisch, da das Prinzchen und der Zoowärter noch nicht so ganz begriffen haben, dass eine Regel nicht zum Brechen da ist und so gestatten wir unseren zwei Jüngsten jeweils eine Ausnahme, worauf sie sich dann jeweils ein paar Dummheiten erlauben, währenddem wir den Rest der Mahlzeit in relativer Ruhe geniessen.

Heute stand ein Ausflug ins Badezimmer auf dem Programm. Zuerst einmal hörte man nicht viel, dann Wasserrauschen, schliesslich ein dumpfes Geräusch und danach lautes Prinzchen-Gebrüll. „Meiner“ und ich brachen natürlich sofort die Tischregel, und stürzten ins Badezimmer, wo wir ein aus dem Mund blutendes Prinzchen und einen verschämt dreinblickenden Zoowärter vorfanden. Da zuerst das Prinzchen zu trösten und zu verarzten war, verschoben wir die Zoowärter-Standpauke auf später.

Nachdem unser Jüngster sich beruhigt hatte und vor lauter Erschöpfung gar ohne das momentan übliche Schlaflieder-Konzert in tiefen Schlaf gefallen war, fand ich endlich Zeit für das Verhör unseres Zweitjüngsten. „Was hast du denn mit dem Prinzchen gemacht?“, fragte ich streng. „Ich habe ihn geschubst“, gestand der Zoowärter unumwunden und mir schien, dass er sich für seine Untat nicht im Geringsten schuldig fühlte. „Warum hast du ihn denn geschubst?“, fragte ich noch eine Spur strenger, denn mangelndes Schuldbewusstsein bringt mich in Rage. Bei der doch ziemlich unerwarteten Begründung für die Gewaltanwendung mit blutigen Folgen war es allerdings sehr schwer, ernst zu blieben:  „Ach Mama, ich wollte dem Prinzchen doch ‚Heile heile Segen‘ singen und da musste ich ihn eben zuerst umschubsen, damit er weint.“

Spielverderber oder nicht?

Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass mir der 1. August, der Schweizer Nationalfeiertag, herzlich wenig bedeutet. Zwar darf man dies in einer Zeit, in der man sich wieder auf Heimatgefühle besinnt, kaum laut sagen, aber ich kann meine Gefühle auch nicht ändern. Zwar bin ich von Herzen dankbar, dass ich in einem Land zur Welt kam, in dem es den Menschen mehr als gut geht, dass ich nicht die leiseste Ahnung davon habe, wie sich Krieg anfühlt, dass man uns alle paar Monate zur Abstimmungs-Urne ruft, auch wenn ich meistens nicht zu den Abstimmungsgewinnern gehöre. Ich finde es grossartig, dass ich mich nicht verschleiern muss, dass ich als Frau zumindest auf dem Papier gleiche Rechte habe wie ein Mann, auch wenn es mit der Umsetzung zuweilen noch hapert. Ich lebe gerne hier, schätze die Sprachenvielfalt, die verschiedenen Regionen, die unterschiedlichen Mentalitäten. Man sieht also, auch wenn ich nicht gerne in Hurra-Patriotismus mache und auch wenn ich an meiner Heimat durchaus den einen oder anderen Makel ausmachen kann, auf meine Art und Weise liebe ich das Land, in dem ich geboren wurde dennoch. Bloss das mit dem Nationalstolz kriege ich nicht hin, denn was habe ich schon dazu beigetragen, dass ich hier und nicht in Darfur oder in Afghanistan zur Welt gekommen bin? Und weil mir das mit dem Nationalstolz nicht so recht gelingen will, würde ich eigentlich auch nicht zu jenen Menschen gehören, die am 1. August mit Raketen und Knallfröschen um sich schiessen.

Wenn ich denn keine Kinder hätte.

Aber ich habe Kinder, Gott sei Dank, und weil ich weiss, dass Kinder die leuchtenden Sterne am Nachthimmel lieben, gibt’s eben auch bei uns ein Mini-Feuerwerk. Das darf zwar nicht mehr als fünfzig Franken kosten – unser sauer verdientes Geld ist doch nicht zum Verbrennen da – und mein grünes Gewissen muss ich jeweils auch für ein paar Tage in die Ferien schicken, aber das alles kann  ich noch ganz knapp verantworten, ohne das Gefühl zu haben, ich würde Wasser predigen und Wein trinken. Und so zählten unsere Kinder seit Mitte Juli die Tage bis zum ersten August und seit heute Morgen die Stunden bis zum Eindunkeln. Doch dann, eine halbe Stunde vor dem Eindunkeln, zog ein Gewitter auf. Was „Meinen“ natürlich sofort hoffen liess, wir könnten das Zündeln bleiben lassen. Was aber auch die Kinder bangen liess, das Feuerwerk würde ins Wasser fallen, was ganz fürchterlich wäre, denn „morgen ist ja nicht mehr August“, wie Luise zu sagen pflegt, auch wenn wir ihr schon unzählige Male erklärt haben, dass der August mit dem Ersten erst anfängt.

Was also sollten wir tun? Die Kinder heulend ins Bett schicken? Abwarten und damit riskieren, dass wir die Kinder einfach eine Stunde später dennoch heulend ins Bett schicken? Schliesslich hatte Luise die zündende Idee: Wir könnten ja beten, dass der Liebe Gott den Regen abstellt. Was natürlich sogleich eine theologische Diskussion auslöste: „Meinst du wirklich, dass der Liebe Gott das macht, wo doch Feuerwerk die Umwelt zerstört?“, meinte Karlsson nachdenklich, worauf Luise auch vorübergehend an der theologischen Richtigkeit ihres Vorhabens zweifelte. Schliesslich einigten sich die zwei, man könnte es ja versuchen, man werde dann ja anhand des Resultats sehen, ob der Liebe Gott eher Spielverderber und Umweltschützer oder Kinderfreund und Patriot sei. Das haben die Kinder natürlich nicht so gesagt, aber ziemlich genau so gemeint.

Und siehe da: Der Regen hörte fast sofort auf und fing exakt fünf Minuten, nachdem unser letztes Kind in tiefen Schlaf gefallen war, wieder an. Was wohl die Frage nach dem Kinderfreund eindeutig mit Ja, die nach dem Spielverderber eindeutig mit Nein beantworten würde. Es sei denn, dem Lieben Gott wäre die ganze Angelegenheit mit unserem Nationalfeiertag ohnehin nicht so wichtig, weil er nämlich weitaus dringendere Fälle zu behandeln hat, woraus man den Schluss ziehen könnte, dass das mit dem Regen reiner Zufall war. Was uns zu einer Frage führt, die seit Jahrtausenden kontrovers diskutiert wird und ich masse mir nicht an, zu behaupten, Vendittis hätten heute, am 1. August 2010, eines der grössten theologischen Rätsel gelöst.

Wie dem auch sei, dankbar waren unsere Kinder heute Abend allemal. Und sei es nur, weil das Feuerwerk so wunderschön war.

Mein Geständnis

Wer mich kennt oder wer regelmässig hier vorbeiliest, der weiss, wie sehr ich Hausarbeit liebe. So sehr, dass ich sie an eine Putzfrau delegiert habe. So sehr, dass ich, wenn die Putzfrau in den Ferien weilt, oder wenn jemand unter der Woche etwas verschüttet, ganz dringend aufs WC muss, bevor man mir den Putzlappen in die Hand drücken kann. So sehr auch, dass ich mich inzwischen damit abgefunden habe, dass fast jeder, der unsere Wohnung betritt, vom dringenden Bedürfnis gepackt wird, ein wenig beim Aufräumen behilflich zu sein, auch wenn mir dies furchtbar peinlich ist. Man sieht also, meine Begeisterung für Hausarbeit kennt keine Grenzen.

Und doch habe ich heute, als ich mit dem Staubsauger durch die Wohnung düste – die Putzfrau weilt gerade sehr sehr lange in den Ferien, so lange, dass ich den Dreck nicht liegen lassen kann, bis sie wieder zurück kommt -, bemerkt, dass Hausarbeit erträglich sein kann. Also, natürlich nur, wenn die Bedingungen stimmen. Und die Bedingungen wären

a) Alle Kinder sind aus dem Haus, weil man sonst gleich wieder von Vorne anfängt, kaum ist man fertig geworden.
b) Das Chaos ist so schlimm, dass selbst ich mich nicht mehr wohl fühle darin.
c) Das Chaos ist so schlimm, dass der Vorher-Nachher-Effekt so grossartig ist, dass selbst eine wenig ambitionierte Hausfrau, wie ich eine bin, sich am Ende anerkennend auf die Schulter klopft.
d) Das Chaos ist so schlimm, dass selbst der Zoowärter, wenn er nach dem Spielen wieder reinkommt merkt, dass da etwas anders geworden ist, nämlich dass es plötzlich wieder so sauber ist, dass man jeden seiner Fingerabdrücke auf dem Salontisch erkennen kann, wo sie doch vorhin im Gewirr der vielen Fingerabdrücke einfach verschwunden waren.
e) Ich will gerade ein paar Kilos loswerden und mache rein zufällig bei einem Abnehm-Programm mit, bei dem sich Putzen als Fitness abbuchen lässt. Denn es gibt nur eine Sache, die ich
noch mehr liebe als Hausarbeit und diese Sache nennt sich S-P-O-R-T.
f) In meinem Kopf schwirren gerade so viele Gedanken herum, dass ich sie zuerst wieder ordnen muss, bevor ich mich wieder an den Schreibtisch setzen kann.

Sind alle diese Bedingungen erfüllt, dann steht einer fröhlichen Putzaktion eigentlich nichts mehr im Wege und es macht mir nichts aus, für einmal den Job der Putzfrau zu machen. Wer jetzt denkt, er könne „Meinem“ melden, es gebe da durchaus noch Sparpotential in unserem Haushaltsbudget – „Meiner“ führt sich derzeit geradezu bürgerlich auf in seiner Sparwut -, der irrt gewaltig. Denn die Tage, an denen alle oben genannten Bedingungen erfüllt sind, sind äusserst rar. Und wenn nicht alle erfüllt sind, dann rühre ich keinen Putzlappen an.

Das sehen wir doch gleich, oder?

Wer heutzutage in den Zoo geht, geht nicht in erster Linie, um Tiere zu beobachten. Die sind nämlich inzwischen derart artgerecht gehalten, dass man sie nur noch mit ganz viel Glück zu Gesicht bekommt. Wenn sie denn überhaupt im Zoo logieren und nicht vorübergehend ausquartiert sind, weil sie gerade ein noch artgerechteres Gehege gebaut bekommen. Da ich ein tierliebender Mensch bin, begrüsse ich diese Entwicklung und ich kann endlich ungehindert das tun, was ich im Zoo schon immer am liebsten getan habe: Die Menschen beobachten. Was in Zeiten eines kleineren Babybooms bedeutet, hochschwangeren Frauen dabei zuzusehen, wie sie sich mühselig durch den Zoo schleppen, an der einen Hand einen Dreikäsehoch, an der anderen Hand ein Kindergartenkind, das in Richtung Giraffengehege drängt, während Mama mit letzter Kraft versucht, einen Sitzplatz auf der letzten freien Parkbank am Schatten zu ergattern.

Sehe ich solche Szenen, wird mir ganz warm ums Herz. Vor sechs Jahren, als „Meiner“ und ich eben geraden den Schritt von der Kleinfamilie zur Grossfamilie wagten – in der Schweiz ging man damals mit drei Kindern bereits als Grossfamilie durch -, tuschelte man hinter unserem Rücken: „Schau mal, das Zweite kann noch kaum laufen und schon ist das Dritte unterwegs!“. Heute entspricht das Bild, das damals noch exotisch war, der Norm. Und so schaue ich mit leiser Wehmut dabei zu, wie Mama den Kampf gegen das Kindergartenkind verliert und sich zum Giraffengehege schleppt, wo sie es trotz ihrer Erschöpfung fertigbringt, die Begeisterungsstürme ihrer Kinder zu teilen. Und wie ich so meine eigene Kinderschar mustere, – Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat schon so gross, dass der Zoobesuch sie schon fast langweilt, der Zoowärter und das Prinzchen auch schon so selbständig und Karlsson gar nicht erst dabei, weil er schon eigene Wege zu gehen beginnt – da kommt sie in mir hoch, die leise Sehnsucht nach einem weiteren Kind. „Ach, wäre das schön! Nur noch einmal so ein klitzekleines Baby zu haben….“, seufzt die Urmutter in mir und schon will ich mich mit schmachtendem Blick „Meinem“ zuwenden und ihn daran erinnern, wie schön es doch war, als wir noch schwanger sein konnten. Vielleicht können wir ja zusammen ein wenig in alten Erinnerungen schwelgen.

Doch bevor ich etwas sagen kann, wendet sich „Meiner“ mir zu und meint: „Weisst du, was ich so unglaublich toll finde? Dass ich weiss, dass du nie mehr schwanger sein wirst. Dass du dich nie mehr so durch den Zoo schleppen musst, an der einen Hand ein Dreikäsehoch, an der anderen ein Kindergartenkind, das dich mit sich zerrt.“

Okay, dann sehen wir die Vergangenheit eben nicht ganz gleich  verklärt, „Meiner“ und ich.

Zum Glück können „Meiner“ und ich uns wenig später den Mund zerreissen über eine Hochschwangere, die sich am Eingang zum Aquarium eine Zigarette anzündet. Man sieht, in gewissen Dingen bleiben wir uns einig, selbst wenn es um Schwangerschaft geht….

Schöne Ferien, Karlsson!

Karlsson ist heute verreist. Alleine, ohne Mama, Papa und Geschwister, ohne David, den Stoffeisbären, oder zumindest fast ohne David, aber das ist eine andere Geschichte, eine ganz private, die unter Vendittis bleibt. Zum ersten Mal in den fast zehn Jahren seines Lebens ist Karlsson ohne uns, sind wir ohne Karlsson. Zum ersten Mal muss die Glucke in mir darauf verzichten, stets zu wissen, wo ihr Küken ist, was es gerade tut und ob es ihm gut geht. Zum ersten Mal darf die Freiheitsliebende in mir ein wenig aufatmen, sich ausmalen, wie die Sommer werden, wenn alle Kinder gross genug sind, ins Ferienlager zu fahren. Ich kann euch versichern: Diese zwei können sich ganz schön in die Haare geraten, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, wie eben zum Beispiel heute. Das sieht dann etwa folgendermassen aus:

Glucke: „Karlsson, hast du auch ganz bestimmt alles eingepackt? Und bist du sicher, dass du alleine zurechtkommen wirst? Du wirst sehen, sechs Tage sind schnell vorbei und dann darfst du auch schon wieder nach Hause kommen….“

Die Freiheitsliebende unterbricht die Glucke: „Jetzt hab‘ dich doch nicht so! Der Junge kommt schon ein paar Tage ohne dich zurecht. Stell dir vor wie schön das wird: Einer weniger, der streitet, einer weniger, der den ganzen Tag für Radau sorgt. Und es dauert gar nicht mehr so lange, bis alle Kinder im Sommer ins Lager gehen können….“

Die Glucke, ziemlich schrill:Alle Kinder? Bist du wahnsinnig geworden. Es ist schlimm genug, dass Karlsson jetzt schon ohne uns verreist! Du weisst ja, was in einem solchen Ferienlager alles passieren kann.“

Die Freiheitsliebende, träumerisch: „Oh ja, ich erinnere mich…. Ganze Nächte durchquatschen, den Leitern Streiche spielen, vielleicht zum ersten Mal verliebt sein, … nun ja, dafür ist Karlsson vielleicht noch etwas zu jung, aber vielleicht eine Brieffreundschaft mit einem netten Mädchen, das gerne mit stillen, nachdenklichen Jungs befreundet ist,…. ach, war das schön, als man noch so jung und unbeschwert war!“

Die Glucke, zurechtweisend: „Wenn ich an Ferienlager denke, kommen mir eher andere Dinge in den Sinn. Bienenstiche zum Beispiel, oder verstauchte Fussgelenke, Heimweh, Tränen, weil man ausgeschlossen wird, schlechtes Essen, oder, schlimmer noch, zu wenig essen…. Ach ja, ich muss unbedingt gleich heute Abend noch ein Fresspaket für Karlsson zurechtmachen, damit ich es morgen früh auf die Post bringen kann…“

Die Freiheitsliebende: „Du mit deiner Schwarzmalerei! Du hast doch den Menuplan gesehen. Karlsson wird das Essen dort lieben. Und das Haus ist auch perfekt, so sauber, er wird nicht mal Asthma kriegen dort, weil es eines der einzigen Lagerhäuser ist, die nicht völlig verstaubt sind. Und dann liegt das Haus ja auch so schön abseits….“

Die Glucke: „Ha, von wegen abgelegenes Haus! Hast du denn vergessen, dass Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat genau dort, vor diesem Lagerhaus einmal beinahe von einem Lastwagen überfahren worden wären? Was, wenn mit Karlsson das Gleiche passiert?“

Die Freiheitsliebende: „Natürlich habe ich das nicht vergessen. Aber du weisst auch, dass die Beiden damals noch winzig waren und keine Ahnung davon hatten, wie gefährlich so ein Lastwagen ist. Karlsson ist gross und vernünftig…“

Die Glucke: „Karlsson meint, er sei gross und vernünftig. Aber er ist doch noch so klein. So alleine und verloren in einem Lager. Der arme Junge….“
Die Glucke ist den Tränen nahe.

Die Freiheitsliebende: „Nun, so alleine ist er nun auch wieder nicht. Immerhin hat er seinen besten Freund dabei. Und die Schwester des besten Freundes ist auch dort. Und dann sonst noch ein paar Kinder, die er kennt. Und sein Gruppenleiter macht einen ganz guten Eindruck.“

Die Glucke: „Ja, aber der Gruppenleiter ist erst siebzehn. Wie soll der für meinen armen kleinen Jungen sorgen können? Der ist ja selber noch fast ein Kind. Was soll bloss aus meinem Kind werden? Ich glaube, ich hole ihn gleich wieder nach Hause. Der arme, arme Junge….“
Die Glucke bricht in Tränen aus.

Die Freiheitsliebende: „Du scheinst vergessen zu haben, dass der ‚arme arme Junge‘ sich freiwillig ins Lager angemeldet hat, dass er sich monatelang auf diese Woche gefreut hat, dass er die Zeit ohne dich geniessen wird….“

Die Glucke, heftig schluchzend: „Das…. i-i-i-h-h-h-st ja…. das Schli-h-i-h-i-mmste an der Sa-ha-ha-che, dass Karlsson …. ga-ha-ha-nz gu-hu-hu-hu-t ohne mi-hi-hi-ch zurechtkommen…. wird….“

Während die Glucke heulend auf dem Sofa liegenbleibt, geht die Freiheitsliebende frohgemut in die Küche, holt sich etwas zu Trinken und murmelt vor sich hin: „Das ist ja das Schöne, dass Karlsson ganz gut ohne mich zurechtkommen wird.“

Im Luxemburgerli-Himmel

Samstagmorgen vor zwei Wochen. Mama Venditti sitzt mit Karlsson, Luise und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten im Zug nach Zürich. Man ist unterwegs in die Ferien, die Stimmung ist bestens und Mama Venditti, naiv wie sie auch nach Jahren der Mutterschaft noch immer ist, stellt sich auf eine friedliche Zugfahrt ein und ist dankbar, dass „Ihrer“ mit den zwei Kleinen und dem Gepäck im Auto sitzt und nicht sie. Dann, völlig unerwartet, schlägt die Stimmung um: Der Zug fährt bei der Firma „Sprüngli“ vorbei, wo die Lastwagen mit riesigen, unwiderstehlichen Luxemburgerli verziert sind. Was Karlsson daran erinnert, dass am Vorabend, als er zu Bett ging, noch nicht alle Luxemburgerli, welche die Gäste mitgebracht hatten, aufgegessen waren. „Was habt ihr mit den restlichen Luxemburgerli gemacht?“, fragt er streng und als er erfährt, dass Mama und Papa diese einfach aufgegessen haben, weil sie der Meinung waren, das delikate Dessert werde mit der Zeit auch nicht besser – immerhin steht auf der Packung „Bitte sofort geniessen“ -,  ist es vorbei mit dem Frieden. Karlsson tobt, findet, seine Eltern seien ganz furchtbar gemein und er wolle jetzt gleich neue Luxemburgerli haben.

Mama Venditti, die weiss, dass in solchen Momenten Erklärungen sinnlos sind, geht gar nicht gross auf das Drama ein. Was einer  Zugpassagierin nicht passt. Ob das Kind denn nicht endlich Ruhe geben könne, mault sie. Mama Venditti erklärt ihr, dass sie mit ihrem Gemaule die ohnehin nicht ganz einfach Situation unnötig erschwere, weshalb sie ich froh wäre, wenn sie sich aus der Sache raushalten würde. Was sie zur Bemerkung veranlasst, Kinder seien ohnehin das Letzte, sie hätte sich als Kind nie so aufgeführt und Mama Venditti  hätte nie und nimmer so viele Kinder haben sollen. Wenn die wüsste, wie viele kleine Vendittis es in Wirklichkeit sind….  Irgendwann platzt Mama Venditti der Kragen, weil sie jetzt mit zwei Unzufriedenen im Kampf steht, und so wird sie ziemlich unhöflich mit der Dame. So unhöflich, dass Karlsson darob seine Luxemburgerli vergisst und Mama erschreckt anstarrt. So unhöflich auch, dass die Dame sich plötzlich auf die Seite der eben noch so verabscheuten Kinder schlägt und findet, die armen Kinder könnten einem ja Leid tun mit einer solchen Mutter.

Nun, diese Mutter ist tatsächlich nicht immer das beste Vorbild, aber zumindest schafft sie es jetzt endlich, ihren Ältesten zu beruhigen: „Karlsson, ich verspreche dir, dass es wieder einmal Luxemburgerli geben wird. Ganz bestimmt.“ Und innerlich fügt sie hinzu: „Spätestens dann, wenn das Konto diesen Ferienaufenthalt verdaut hat, die Rechnung der Musikschule, die Steuerrechnung, die nächsten Monsterwocheneinkäufe, die Kinderschuhe für den Herbst, das E-Bike, das „Meiner“ für den Arbeitsweg braucht…“ Also irgendwann, in zehn Jahren vielleicht, gibt’s wieder Luxemburgerli bei uns.“An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Luxemburgerli ein halbes Vermögen kosten – und Luxemburgerli für eine Grossfamilie ein Ganzes.

Zwei Wochen später, wieder ein Samstagmorgen, diesmal aber zu Hause. Alle sind schon wach, nur Mama Venditti schläft noch tief und fest auf dem Sofa, wohin sie sich nachts zurückgezogen hat, weil sie keinen Platz mehr fand im Bett, da Karlsson noch einmal im Elternbett übernachten wollte, bevor er endgültig zu gross ist. Zu irgend einer unchristlichen Zeit  – Mama Venditti würde sagen, es sei etwa um vier Uhr morgens gewesen, aber in Wirklichkeit war es wohl so gegen halb acht – klingelt es an der Haustüre. Schlaftrunken macht sie sich auf zur Haustüre, denn obschon alle anderen schon längst wach sind, ist offenbar keiner wach genug, um sich aus dem Bett zu quälen. Vor der Haustüre steht der Postbote mit einer Eilsendung. Was kann das bloss sein? Ausnahmsweise hat Mama Venditti nun wirklich keine offenen Bestellungen, auf deren Lieferung sie wartet. Bald schon ist klar, was da morgens in aller Frühe seinen Weg zu Vendittis gefunden hat: Die einzige Sache, die einem nicht die Laune verdirbt, sondern schlagartig verbessert, wenn man ihretwegen am Samstag aus den Federn geholt wird, nämlich eine Riesenpackung Luxemburgerli.

Wäre ich katholisch, ich würde sagen, dass Linders sich mit dieser guten Tat soeben die Eintrittskarte für den Himmel erstanden haben….

Anschauungsunterricht

Gibt es einen geeigneteren Ort als eine Feriensiedlung,  wenn man den Kindern die Welt und all die verschiedenen Menschen, die sie bevölkern, zeigen möchte? Zumindest dann, wenn Studienreisen zu fremden Kulturen noch nicht möglich sind, weil einer noch in die Windeln macht, ein anderer nicht ohne seinen geliebten Stoffeisbären verreisen will und alle zusammen auch mit Durchfall darniederliegen, wenn sie nicht irgendwo, in einem abgelegenen Winkel dieser Erde unreines Wasser getrunken haben. Wer nicht in die weite Welt hinausziehen mag, muss sich eben in der Nähe einen Ort suchen, an dem sich die Welt trifft. Findet man den richtigen Ort, dann lässt sich ganz bequem vom Balkon aus beobachten, wie unterschiedlich die Menschen sind, die unseren Planeten bevölkern.

Da sieht zum Beispiel Luise eines Tages, dass es Mädchen gibt, die bei grösster Hitze mit langen Hosen und Kopftuch bekleidet neben Mama auf der Parkbank sitzen müssen, während ihre Brüder sich halb nackt auf den Spielgeräten vergnügen dürfen. Später sieht sie eines der Mädchen, wie sie nur mit langen Hosen und T-Shirt ins Wasser gehen darf, was bei Luise zur Frage führt, ob denn das arme Kind nicht ertrinke mit dem vielen nassen Stoff am Leib. Als sie dann auch noch mitbekommt, wie die Mama des Mädchens erst spät abends und noch immer voll verschleiert das Haus verlassen darf, während die Männer der Familie sich den ganzen Tag frei auf dem Gelände bewegen durften, ist der Groschen bei unserer Tochter endgültig gefallen: Das, was Mama und Papa immer predigen, nämlich dass Frauen und Mädchen in vielen Kulturen benachteiligt werden, ist nicht irgend ein Märchen, das sie erzählen, wenn ihr Töchterchen mal wieder nicht einsehen will, dass Schulbesuch ein Privileg und nicht eine Strafe ist. Nein, die Sache ist bitterer Ernst und wenn das Kind jetzt auch noch begreift, dass unter dem Kopftuch ein liebenswerter Mensch steckt, dann hat sich der Ferienaufenthalt mehr als ausbezahlt. Wobei, bis Luise – und auch wir – unsere Vorurteile abgebaut haben, werden wohl noch ein paar Aufenthalte mehr nötig sein.

Ein weiteres Forschungsfeld, das sich hier auftut, sind die Senioren, die sonst ja meistens in einer anderen Welt leben als wir.  Ich meine jetzt nicht die kinderliebenden, sich nach Enkelkindern verzehrenden alten Menschen, die jedes kleine Menschlein am liebsten in die Arme schliessen würden. Nein, ich meine die nach Entspannung lechzenden, gut situierten rüstigen Rentner, die es als ihr erstes Recht ansehen, überall zuerst zu sein. Menschen, die vergessen haben, wie es war, als ihre Kinder noch klein waren, als die Tage noch bis obenhin angefüllt waren mit Haushalten, Erziehen, Arbeiten und Zusammenbrechen. Menschen, die kein Problem damit haben, einer Mutter, die bei grösster Hitze einen Sack Wäsche zur Waschmaschine schleppt, zwei quengelnde Kinder im Schlepptau, den Weg zu versperren und so lange nicht zur Seite zu weichen, bis die Mama einen weiten Umweg gehen muss. Auf all das könnte ich gerne verzichten, aber vermutlich muss es so sein, damit die Kinder lernen, dass nicht jeder, der graue Haare auf dem Kopf trägt, ein netter Mensch ist; dass nicht jeder, der etwas langsamer zu Fuss ist, den ganzen Tag auf den Moment wartet, wo ein kleines Kind vorbeikommt, dem er ein Lächeln und ein Bonbon schenken kann.

Was man hier auch in Natura erlebt und nicht nur am Fernsehen beobachten kann, sind amerikanische Teenager in freier Wildbahn. Man braucht nicht mal einen Feldstecher zur Hand zu nehmen, so nah wagen sie sich zu den Ferienwohnungen der Bekinderten. Es ist ein einmaliges Schauspiel, das sich da beim Eindunkeln bietet, kaum sind die Kleinkinder in ihren Betten verschwunden: Lautes Gekreische, aufdringliches Flirten, verzweifelte Versuche, dazuzugehören und ebenso verzweifelte Versuche, den auszuschliessen, der nicht dazugehören sollte,  ungeniertes sich-in-Szene-Setzen, stilles Schmachten. Auf den ersten Blick nicht anders als bei unseren Teenagern auch, auf den zweiten Blick aber deutlich anders: Kein Alkohol und Tabak, dafür deutlich mehr Gezicke und sexuell aufgeladene Avancen. Nicht ganz jugendfrei, das Spektakel und deshalb zum Glück von unseren Kindern nur am Rande registriert. Für uns Eltern aber ein guter Weiterbildungskurs, der uns auf das vorbereitet, was uns in wenigen Jahren beschäftigen wird.

Eine der rührendsten Lektionen dieser Forschungsreise aber hat unser Zoowärter gelernt. Er, der am Anfang der Ferienwoche noch in jedem fremden Kind einen Feind sah, er, der hemmungslos Grössere angriff und Kleinere von der Schaukel zu stossen versuchte, er, der schon einen anderen Dialekt als Provokation verstand, erkannte im Laufe der Tage, dass Fremde, wenn man sie kennen lernt, gar nicht mehr so fremd sind. Und so fragte er mich auf der Heimfahrt plötzlich: „Mama, wie heisst denn schon wieder mein Bruder?“ „Das weisst du doch“, gab ich erstaunt zurück. „Deine Brüder heissen Karlsson, FeuerwehrRitterRömerPirat und Prinzchen.“ „Nein, ich meine nicht die Brüder. Ich meine den Bruder, mit dem ich heute Morgen auf dem Spielplatz gespielt habe.“

Wenn ein Dreijähriger in so kurzer Zeit lernt, dass ein Fremder innert vierzig Minuten – länger haben die zwei nicht miteinander gespielt – zu einem Bruder werden kann, dann darf man wohl sagen: Die Forschungsreise war ein Erfolg. Wir buchen sogleich die nächste.

Reiseandenken

Nein, besonders einfallsreich sind wir nicht, wenn’s darum geht, Souvenirs mit nach Hause zu bringen: Ein paar unbeschriebene Postkarten, jedem Kind ein überteuertes Andenken nach Wahl, ein neues Hemd für „Meinen“ und eine neue Fliegenklatsche für mich. Vollkommen ideenlos aber sind wir, wenn es darum geht, etwas für die ganze Familie mit nach Hause zu nehmen. Etwas, was alle zusammen auch nach dem Urlaub noch an die schönen Tage erinnert. Meistens beginnen wir ja schon am ersten Tag mit der Suche nach dem einzigartigen Souvenir, stöbern ein wenig hier, suchen ein wenig da. Doch spätestens in der Mitte der Woche tun wir das, was wir fast jedes Mal tun: Wir schauen, was Familie x aus Appartement Nummer 381 auswählt, woran sich Familie y noch lange erfreuen wird. Und schliesslich nehmen wir das, was die anderen auch nehmen: Einmal Magen-Darm-Grippe für alle! Auf dass wir beim Würgen über der Kloschüssel unsere entspannten Ferientage noch lange in verklärter Erinnerung behalten mögen.

Einer dieser Tage

Man sollte ja eigentlich meinen, in den Ferien würde auch das Leben einem zur Abwechslung mal eine  Verschnaufpause gönnen, würde einen verschonen mit Alltagskram, würde dafür sorgen, dass von den sieben Ferientagen keiner zu einem dieser Tage wird. Was für einen Tag ich meine? Na eben, einen dieser Tage….

die schon mitten in der Nacht damit beginnen, dass das Prinzchen eine volle Windel hat und die Feuchttücher spurlos verschwunden bleiben, auch wenn man die ganze Ferienwohnung danach absucht.

Einer dieser Tage, die damit weitergehen, dass der Zoowärter noch vor acht Uhr früh einen Tobschutanfall kriegt, weil er nicht mit Karlsson und  Luise zum Spielplatz gehen darf, weil er noch nicht angezogen ist und ausserdem drei Unterhosen übereinander trägt.

Einer dieser Tage, an denen schon vor dem Frühstück drei Trinkgläser in die Brüche gehen.

Einen dieser Tage, an denen der Zoowärter nicht nur einmal oder zweimal, sondern dreimal das Betadine-Bad verschüttet, in dem er seine eitrige Wunde, die er sich am Finger zugezogen hat, baden soll.

Einen dieser Tage, an denen man sich irgendwann dazu entschliesst, Wäsche zu waschen, weil der Tag ohnehin im Eimer zu sein scheint.

Einen dieser Tage, an denen gleich beide Waschmaschinen belegt sind und man sich schliesslich dazu gezwungen sieht, die frisch gewaschene Wäsche von wildfremden Menschen sorgfältig aus der Maschine zu nehmen und fein säuberlich hinzulegen, weil auch nach  langem Warten noch keiner gekommen ist, um die Waschmaschine wieder freizugeben. Und man kann ja nicht ewig warten. Irgendwann, solange das Prinzchen noch schläft, der Zoowärter mit „Meinem“ im Wald ist und Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat ihren „grossen Piratentag“ haben, müsste man doch wenigstens ein klein wenig des verpassten Schlafes nachholen.

Einen dieser Tage, an denen dich, kaum bist du eingeschlafen, die Kinderbetreuung anruft, um dich zu bitten, du mögest doch bitte Karlsson abholen kommen. Dem armen Jungen sei ganz schlecht geworden.

Einen dieser Tage, an denen du einmal mehr nicht weisst, wie du dein enttäuschtes Kind trösten sollst, wie du ihm erklären sollst, dass Viren keine Ferien machen, wie du ihm helfen sollst, möglichst schnell wieder gesund zu werden, damit nicht der ganze Spass ohne ihn stattfindet.

Einen dieser Tage, an denen der Zoowärter findet, er müsse jetzt endlich herausfinden, ob man auch aufwärts pinkeln kann und danach auf der Sauerei, die er angerichtet hat, ausruscht.

Einen dieser Tage, an denen du das Leben anflehst, es möge doch bitte berücksichtigen, dass man in den Ferien sei und deshalb keine Lust habe, sich mit Alltagskram herumzuschlagen.

Einen dieser Tage, die man am besten so schnell als möglich wieder vergisst.

Dienstag, 13. Juli 2010

Heute nach dem Mittagessen sind wir mit dem Bus nach Brunnen gefahren. Im Bus hatte es sehr viele alte Leute, die uns böse angeschaut haben. In Brunnen haben wir mit dem Motorschiff „Schwyz“ eine Rundfahrt auf dem Urnersee gemacht. Wir haben das Rütli gesehen und ganz viele gelbe Fahnen mit einem schwarzen Stierenkopf. Mama hat gesagt, das sei der Uristier. Mama hat uns von Wilhelm Tell und Friedrich Schiller erzählt und sie hat gesagt, dass es den Wilhelm Tell nicht richtig gegeben hat und dass sie das Rütli zwar schön findet, dass sie aber all den patriotischen Kram blöd findet und da hat ein alter Mann sie ganz böse angeschaut. Auf dem Schiff war es sehr schön.

Vielleicht war es aber auch ganz anders, nämlich so: Heute Nachmittag habe ich, Diego Benaglio, Torhüter der Schweizer Nationalmannschaft, mit meiner Familie, die mich aus unerfindlichen Günden immer Zoowärter nennt, eine Schiffsrundfahrt gemacht. Unser Schiff hiess „Die grausige Marianne“ und ich  habe ganz viele Piratenschiffe und gelbe Piratenflaggen mit schwarzen Totenköpfen gesehen. Später, als wir in Brunnen auf den Bus warteten, habe ich Maria und Josef gesehen. Mama hat zwar behauptet, das wären Nonnen gewesen, aber ich bin mir ganz sicher, dass das Maria und Josef waren.

Es könnte aber auch so gewesen sein: Im Bus hatte es viel zu viele Leute und ich durfte nicht neben Papa sitzen. Auf dem Schiff, das nicht einmal ein Dampfschiff war, windete es ganz furchtbar und weil ich das irgendwann fast nicht mehr ausgehalten habe, musste ich innen sitzen und ich habe fast die ganze Fahrt verpasst. Auf der Rückfahrt im Bus hätte ich lieber neben Mama sitzen wollen, aber die sass neben dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und erzählte ihm noch einmal von Wilhelm Tell und ich konnte nichts davon verstehen. Das ist so unfair. Immer erzählt sie den anderen Geschichten. Und dann durften wir heute nicht mal ins Schwimmbad gehen, dabei haben Mama und Papa doch versprochen, wir dürften jeden Tag baden gehen. Und dann hat Papa auch noch ganz lange mit uns geschimpft, weil wir immer motzen würden. Dabei motzt hier doch gar keiner.

Vielleicht aber hört sich die Geschichte auch so an: Heute habe ich sechsmal die Windeln nass gemacht und zweimal auf den  Fussboden gepinkelt. Mama will einfach nicht verstehen, weshalb ich mir jedes Mal die Windel ausziehe, wenn ich gepinkelt habe. Weiss die denn nicht, wie unangenehm es ist, im Nassen zu sitzen? Und dann hat sie doch allen Ernstes versucht, mich aufs Töpfchen zu setzen. Ach ja, dann habe ich auch noch ein Schiff gesehen und Enten und Spatzen und Schwäne. Und ein Eis habe ich auch gegessen. Aber das mit den Windeln war mir heute eigentlich wichtiger.

Vielleicht aber könnte man den Tag auch so zusammenfassen: Heute war ein wunderschöner Tag. Ich kann gar nicht sagen, was mir am besten gefallen hat. Es war einfach alles grossartig. Und dann habe ich mir erst noch ein Souvenir aussuchen dürfen und meine Geschwister auch.

Wie es wirklich war? Das kommt ganz darauf an,welchen Venditti man fragt. Wenn ihr mich fragen würdet, würde ich sagen, es sei eine perfekte Mischung von allem gewesen. Aber mich fragt ja keiner…..