Verschwenderisch

Verschwenderisch sind wir beide, „Meiner“ und ich, bloss nicht in den gleichen Bereichen. Währenddem ich unser sauer verdientes Geld gerne mit vollen Händen ausgebe, geht „Meiner“ mit den vierundzwanzig Stunden, die uns täglich zur Verfügung stehen mehr als grosszügig um. Und natürlich findet jeder von uns beiden, der andere solle sich doch bitte ein bisschen mehr am Riemen reissen. Er findet, das Planschbecken, das ich bei Ricardo ersteigert habe, sei nun wirklich vollkommen nutzlos, währenddem ich ihm hundertmal unter die Nase reibe, dass wir nun wirklich keine Zeit gehabt hätten, so lange mit der Nachbarin zu quasseln. Er rechnet mir vor, wie viel wir sparen könnten, wenn ich Budget statt Bio kaufen würde und wenn ich mir diese umwerfende Bluse nicht bestellt hätte und ich jammere ihm die Ohren voll, dass es mir zu viel werde zweimal pro Wochenende Gäste zu haben. Er will nicht begreifen, dass ein bisschen Retail Therapy hin und wieder ganz wichtig ist für die frustrierte Hausfrau, ich kann nicht verstehen, weshalb man jede Minute des Tages mit Aktivitäten füllen muss.

Würden wir hier stehen bleiben, unsere Ehe wäre wohl die Hölle auf Erden. Aber interessanterweise scheinen wir uns perfekt zu ergänzen. Denn nachdem ich den ganzen Tag gemotzt habe, dass ich ganz gerne ein wenig Freizeit gehabt hätte, anstatt stundenlang am Herd zu stehen, bin ich diejenige, die fast in Tränen ausbricht, wenn der schöne Abend mit den Gästen so schnell zu Ende gegangen ist und ich ertappe mich dabei, wie ich all die lieben Menschen am liebsten darum bitten würde, jetzt gleich bei uns einzuziehen, damit ich sie nicht gehen lassen muss. Im Gegenzug kann „Meiner“ ohne Gesichtsverlust dazu stehen, dass ich diese wunderschöne Bluse wirklich unbedingt habe kaufen müssen, weil meine Augen damit so schön zur Geltung kommen. Einzig von den Vorzügen des Planschbeckens habe ich ihn noch nicht überzeugen können. Vielleicht lasse ich ihn demnächst an einem sehr sehr heissen Nachmittag mit allen fünf Kindern alleine ins Schwimmbad gehen. Danach wird er mir auf Knien danken, dass ich dieses wunderbare Planschbecken ersteigert habe.

Wann wird es denn endlich heiss hierzulande?

Kopfball

Fussball ist nicht gerade Karlssons allerliebste Freizeitbeschäftigung. Im Gegenteil: Bis vor einigen Monaten hat er um jeden Ball einen weiten Bogen gemacht. Deshalb waren wir auch sehr erstaunt, dass der Junge sich freiwillig zum Schülerturnier angemeldet hat und bis heute früh waren wir nicht sicher, ob er auch tatsächlich auf dem Rasen stehen würde, wenn es ernst gilt. Kam er doch mehr als einmal völlig frustriert vom Training nach Hause. Erstaunlicherweise liess er es sich dennoch nicht nehmen, schon im Morgengrauen ins Elternschlafzimmer zu schleichen, um uns zur Eile anzutreiben, weil das erste Spiel doch „schon in zwei Stunden“ beginnen würde.

Trotz viel zu kurzer Nacht liessen es „Meiner“ und ich es uns nicht nehmen, abwechslungsweise die Spiele unseres Ältesten durch unsere Anwesenheit zu würdigen. Man weiss ja nie, ob Karlsson je wieder Lust haben wird, einem Ball nachzurennen, da er weder väterlicher- noch mütterlicherseits Fusballergene vererbt bekommen hat. Nun ja, als ich noch sehr sehr jung war, habe ich mich hin und wieder an Grümpelturnieren beteiligt, aber bloss, weil es mir so viel Spass machte, wenn die Jungs aufheulten vor Schmerz, weil ich konsequent gegen ihre Schienbeine trat, wenn ich eigentlich den Ball hätte treffen sollen.

Nun, Karlsson trat niemanden gegen die Schienbeine, aber er trat auch nicht gegen den Ball. Sobald dieser nämlich in seine Nähe kam, suchte er das Weite und so schaffte er es, an einem Fussballturnier dabei zu sein, ohne Fussball zu spielen. Aber er war glücklich dabei und darum waren wir es auch. Am Ende hatte ich aber dennoch eine Frage: „Karlsson, weshalb weichst du denn eigentlich dem Ball immer aus?“, wollte ich wissen. „Weil ich Kopfbälle machen muss, wenn der Ball zu mir kommt“, antwortete er mir. Als ich wissen wollte, ob er denn Angst vor Kopfbällen habe, meinte er ganz ernsthaft: „Nein, natürlich nicht. Aber bei jedem Kopfball geht eine Gehirnzelle kaputt und ich will doch mein Gehirn nicht kaputt machen.“

Kluges Kerlchen. Er weiss, dass es sich nicht lohnt, sich wegen eines doofen Balls das Gehirn zerstören zu lassen. Wobei zwei oder drei Kopfbälle seinem Gehirn ganz bestimmt nicht geschadet hätte. Er hat ja nicht bloss zwei oder drei Gehirnzellen….

Troubleshooter-Mama

Wenn es ums Aufwachen und Aufstehen geht, ist Troubleshooter-Mama noch immer auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen, dann aber schlüpft sie in ihr unsichtbares Superwoman-Kostüm und macht sich auf, den Widrigkeiten des Tages den Kampf anzusagen. Die erste Widrigkeit des heutigen Tages: Eine zerbrochene Schale. Genauer gesagt: Eine vormals mit Reibkäse gefüllte zerbrochene Schale. Noch genauer gesagt: Eine vormals mit Reibkäse gefüllte zerbrochene Schale, die aussen mit roten Herzen verziert war und die Luise „Meinem“ zum fünfunddreissigsten Geburtstag geschenkt hatte und die Karlsson, als er sein Joghurt aus dem Kühlschrank nehmen wollte, zu Boden fallen liess, weil sie im Wege stand, weil Troubleshooter-Mama gestern Abend zu später Stunde zu faul gewesen war, die Schale an einem sicheren Ort unterzubringen.

Alles klar? Nicht? Macht nichts. Es ist ja auch nicht eure Aufgabe, den heulenden Karlsson – „Papa wird so enttäuscht sein! Ich bin so uuuhhhuuungeehhhhschiiihhhhckt!“ – und die tieftraurige Luise – „Die Schale habe ich Papa zum Geburtstag geschenkt! Ich werde ihm nie mehr so eine schöne Schale schenken können!“ – zu beruhigen. Das ist ein Job für Troubleshooter-Mama und der geht so: Karlsson und Luise heulen, machen sich schlimme Vorwürfe und geraten einander schliesslich fast in die Haare, aber nur fast, denn jetzt greift Troubleshooter-Mama ein und nimmt alle Schuld auf sich: „Ich war ja so blöd, die Schale am falschen Ort hinzustellen, also bin ich Schuld.“ Karlsson will etwas einwenden, aber Troubleshooter-Mama kommt ihm zuvor: „Nein Karlsson, du bist nicht zu ungeschickt, ich habe den Fehler gemacht. Luise, wir werden für Papa eine neue Schale kaufen. Und ich bezahle, denn es war ja meine Schuld. Und ich werde auch mit Papa reden, denn es war ja nicht euer Fehler…“

Problem Nummer eins ist kaum gelöst, da steht schon Problem Nummer zwei an: Ein nicht mehr eingefasstes Zahlenbuch, das Karlsson unbedingt noch heute Morgen einfassen will, weil sonst die Lehrerin so böse wird. Aber Troubleshooter-Mama weigert sich, das Buch jetzt auf der Stelle einzufassen, denn a) sie hat gar kein geeignetes Papier im Haus, b) sie hat keine Geduld dazu, denn Karlsson wird das Buch selber einfassen wollen und danach doch nicht ohne Mamas Hilfe auskommen und c) sie hat jetzt keine Zeit dazu, denn Probleme Nummer drei, vier und fünf warten schon darauf, gelöst zu werden. Während Troubleshooter-Mama sich Problem Nummer 3 annimmt, – Luise kann die seit Wochen vermissten Bibliotheksbücher nicht mehr finden und ist deshalb in Tränen aufgelöst – heult sich Karlsson fast die Seele aus dem Leib, weil er Angst hat vor dem Zorn der Lehrerin. Warum bloss hat das Kind Angst vor dem Zorn der Lehrerin, lebt er doch immerhin seit mehr als neun Jahren mit einer emotional ziemlich wechselhaft veranlagten Mama?

Troubleshooter-Mama gerät ob der beiden zusammentreffenden Probleme beinahe ins Strudeln, besinnt sich dann aber auf ihr Allheilmittel in schwierigen Situationen: Sie greift zu Stift und Papier. Ein Briefchen für Luises Lehrerin, in dem steht, dass die Bücher nicht mehr auffindbar sind und deshalb von Vendittis ersetzt werden, ein Briefchen für Karlssons Lehrerin, in dem steht,  dass gestern zu später Stunde der Einband des Zahlenbuches kaputt gegangen sei und dass dieser Fehler selbstverständlich übers Wochenende behoben werde. Beide Briefchen mit „Besten Dank für Ihr Verständnis“ abgeschlossen und auf zu Problem Nummer vier, das da heisst „FeuerwehrRitterRömerPirat davon überzeugen, dass er noch keine Kindergartendispens erhalten hat – und diese auch nie erhalten wird – und dass er deshalb in die Kleider schlüpfen soll und zwar schnell, weil sonst all der Kuchen, den heute zwei Geburtstagskinder mitbringen werden, ohne ihn aufgegessen wird.“

Danach muss sich Troubleshooter-Mama nur noch um ein paar kleinere Problemchen kümmern: Luise trösten, die heult, weil Karlsson und sein Freund ohne sie abgezogen sind, dem Prinzchen die laufende Nase putzen, obschon sie ihm wehtut, weil sie vor ein paar Tagen eine unangenehme Begegnung mit einer Schaukel hatte, dem Au-Pair einen Glassplitter aus dem Finger entfernen und sie beruhigen, dass ihre Angst, dass der nicht mehr vorhandene Splitter in die Blutbahn geschwemmt und in ihre Herzaorta geraten und ihren Tod verursachen könnte, völlig unbegründet sei.

Dann wird es ruhiger und Troubleshooter-Mama darf sich endlich ins Büro zurückziehen, wo ein ganzer Berg Arbeit auf sie wartet. Aber der Berg Arbeit muss leider noch etwas länger warten, denn Troubleshooter-Mama muss sich mal ernsthafte Gedanken machen darüber, ob es pädagogisch sinnvoll sei, den Kindern immer und immer wieder aus der Patsche zu helfen.

Ein Ende in Sicht…

Wann hat’s das zum  letzen Mal gegeben? Ich weiss es nicht, zu lange ist es schon her, so lange, dass es schon fast einem historischen Ereignis gleichkommt: Bei Vendittis gibt’s nur noch ein einziges Wickelkind. Der Zoowärter ist seit heute nämlich auch nachts windelfrei. Ein ein einziges Wickelkind, kann man sich so etwas vorstellen? Das heisst, nur noch vier bis fünfmal am Tag am Wickeltisch zu stehen. Das heisst, nur noch etwa zweimal in der Woche zur Dusche greifen zu müssen, weil man in der Windel eine riesige Sauerei vorgefunden hat. Das heisst, beim Sonderangebot nur noch drei Pack Windeln in den Einkaufswagen zu laden. Das heisst, nur noch einen Windeleimer im Badezimmer stehen zu haben. Das heisst, nur noch bei einem Kind regelmässig die Nase an den Po zu halten – gibt es eine andere Tätigkeit auf dieser Welt, die für Nichteltern abstossender ist? -,  um zu riechen, ob es in der Windel riecht.

Ich habe zwar nie verstehen können, was die Menschheit am Wickeln so schlimm findet. Für mich gehört das zum Kinderhaben einfach dazu und ob wir nun ein Wickelkind hatten, zwei oder zeitweise gar drei, „Meiner“ und ich haben damit leben können. Klar, es gab peinliche Momente. Zum Beispiel, als wir mal mit drei Kleinkindern aber ohne Windeln auf eine Alp gondelten, wo die übervolle Windel des FeuerwehrRitterRömerPiraten ausgerechnet im Bergrestaurant den Geist aufgab. Klar wäre ich schon hundertmal froh gewesen, wenn ich keine Windeln hätte kaufen müssen, was aber nicht möglich war, weil die Verdauung unserer Kinder sich buchstäblich einen Dreck schert um unser Budget. Klar gab es zuweilen ganz böse Überraschungen. Zum Beispiel, als der damals etwa zweijährige FeuerwehrRitterRömerPirat zugleich Windpocken und Durchfall hatte und aus lauter Verzweiflung seine Exkremente grossflächig an die Wand schmierte. (Als der Durchfall dann vorbei war, fing er damit an, seine Exkremente im Zimmer herumzuschmeissen, aber auf weitere Details verzichte ich lieber.)

Ja, die Windeln gehören für uns einfach dazu, seit bald zehn Jahren schon und es gäbe da noch ein paar Anekdoten, über die man Jahre später lauthals lacht und ich bin mir sicher, dass die eine oder andere Geschichte in die Familiengeschichte eingehen wird. Aber ich bin dennoch froh, dass das Ende des Windelkapitels absehbar wird. Ich glaube, so langsam haben wir genug gewickelt.

Bleibt nur noch ein Problem: Womit fülle ich denn jetzt  bloss den zweiten, nur noch dreiviertelvollen 60-Liter-Kehrichtsack? (Nein, ich kaufe noch keine 30-Liter-Säcke; ein Wickelkind haben wir ja noch.)

Es wird alles noch viel lustiger

Das Prinzchen kann jetzt nämlich nicht bloss au dem Bett klettern – inzwischen gar ohne die Hilfe seines Riesenbären -, er hat jetzt auch herausgefunden, wie man den Trip Trap zweckentfremdet, um zum Wasserhahn zu gelangen. Und zur Herdplatte. Und zum Fenstergriff. Weil das alles noch nicht spannend genug ist, versucht unser Jüngster mit ziemlich beachtlichem Erfolg, frisch angezogen in die volle Badewanne zu klettern, wenn der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat ein Bad nehmen. Als jüngstes Kind hat der Kleine natürlich auch noch einen besonders starken Drang, die Eltern mit unerwarteten Fähigkeiten zu überraschen – ich rede da aus eigener Erfahrung – und deshalb bringt es unser Prinzchen schon im zarten Alter von 18 Monaten fertig, eine geschlagene halbe Stunde zu toben, wenn die böse Mama ihm den Zutritt zum Badezimmer und damit zur vollen Badewanne verwehrt. Wenn er dann voller Zorn seinen Nuggi (Für meine Leser aus Deutschland: Das ist das Ding, das man den Babys in den Mund stopft, damit sie aufhören zu brüllen) in die Ecke schmeisst und mit den Füssen stampft, dann sehe ich dass das Trotzalter im Anzug ist. Jetzt schon.

Oh ja, das Prinzchen zieht alle Register, um zu verhindern, dass mir langweilig wird. Er denkt sich wohl, dass ich mit meinem letzten Baby noch einmal so richtig viel Spass haben soll. Oder vielleicht hat er ja neulich mein sentimentales Gesülze gelesen und will jetzt mit allen Mitteln verhindern, dass ihm eines Tages ein kleines schreiendes Bündel den Platz streitig macht.

N-E-I-N

Mama Venditti dreht mal wieder im roten Bereich. Termine beim Kinderarzt, Elterngespräche, Konzepte verfassen, Kindern zeigen, wie sehr man sie liebt, weiterbilden, Newsletter schreiben, gute Ehefrau sein, vollwertig kochen, Wäscheberge abtragen, Vorsprechen bei Parteien und Gemeinderat, Freundschaften pflegen, Buchprojekt vorantreiben, Kindern zeigen, wie zermürbend es ist, wenn sie nicht gehorchen wollen, Hüpfburg organisieren, Mails beantworten… und der Tag hat noch immer bloss 24 Stunden. Was zur Folge hat, dass es nicht ganz ohne Getöse abgeht, wenn Mama Venditti einen der Bälle fallenlässt, mit denen sie tagtäglich jongliert. Was wiederum zur Folge hat, dass Personen, die Mama Vendittis Zusammenbruch vor zwei Jahren miterlebt haben, schüchtern fragen: „Hast du nicht gesagt, du würdest jetzt kürzer treten?“

Wenn Mama Venditti mit solchen Fragen konfrontiert wird, dann geht sie in sich, und zwar ganz tief. „Genügt es, wenn ich nur noch die Dinge tue, die ich mit Leidenschaft tun kann?“, fragt sie sich zum Beispiel. „Oder zehrt am Ende die Leidenschaft ebenso sehr an den Kräften, wie das halbherzige Durchbeissen?“ Sie forscht nach, ob sie sich selbst belügt, wenn sie behauptet, sie würde sich jetzt mehr Zeit zur Erholung nehmen. Sie überlegt, ob sie tatsächlich mehr Zeit zum Schreiben findet, oder ob die neuen Verpflichtungen schon Überhand gewonnen haben. Und das alles mündet in der überlebenswichtigen Frage: „Bin ich noch auf gutem Wege, oder bin ich schon wieder dabei, den Weg für einen nächsten Zusammenbruch zu bahnen?“

Manchmal zweifelt Mama Venditti, ob sie es schaffen wird, ob sie stark genug ist, die Aufgaben zu meistern. Doch dann fällt ihr wieder ein, dass sie ein neues Wort gelernt hat, ein Wort mit nur vier Buchstaben, aber mit einer unglaublichen Macht. Das Wort heisst N-E-I-N und Mama Venditti versucht, es dann anzuwenden, wenn jemand mit einer Bitte an sie herantritt, die sie nicht erfüllen kann oder nicht erfüllen will. Immer gelingt ihr das natürlich nicht, denn was man ein Leben lang nicht geschafft hat, lernt man nicht von heute auf morgen. Doch immer öfter kommt es vor, dass Mama Venditti nicht sagt: „Lass mich mal sehen. Vielleicht kann ich ja auf meinen freien Abend mit ‚Meinem‘ verzichten…“, sondern dass sie sagt: „Tut mir leid, im Moment bin ich vollkommen ausgelastet. Mit mir kannst du in nächster Zeit nicht rechnen.“ Und sie sagt es nicht nur dann, wenn tatsächlich jeder Abend ausgebucht ist, sondern auch dann, wenn sie nicht auf ihre Freiräume verzichten will. Denn Mama Venditti hat gelernt, dass man im Leben auch Zeit zum Erholen braucht, wenn man überleben will.

Manchmal ist Mama Venditti gar so verwegen, dass sie Nein sagt, wenn der Wäscheberg mit seinen Forderungen an sie tritt, oder der leere Kühlschrank, oder der unaufgeräumte Bürotisch. Aber bitte sagt „Meinem“ nichts davon. Der findet nämlich, bei uns sehe es momentan ziemlich schlimm aus und die Hauptverantwortung im Haushalt trägt leider noch immer Mama Venditti…

Jetzt wird’s lustig

Bis heute um 19:55 Uhr habe ich mich über jedes kleinste Fortschrittchen des Prinzchens gefreut. Das Kerlchen zeigt zum ersten Mal auf eine Tanne und sagt „Bam“. Mama strahlt. Das Kerlchen sieht seine Geschwister Schokolade essen und sagt „i au!“ Mama stopft aus lauter Freude das Kind mit Schokolade voll. Das Kerlchen türmt bei der Kinderärztin Bauklotz auf Bauklotz. Mama kriegt sich fast nicht mehr ein vor lauter Stolz. Ist er nicht ein Genie, unser Jüngster?

Seit heute Abend um 19:55 Uhr aber ist alles anders: Nichts Böses ahnend erzähle ich den Grossen eine Gutenachtgeschichte, währenddem „Meiner“ das Prinzchen zu Bett bringt. Bald wird der Feierabend Einzug halten im Hause Venditti. Hach, wie idyllisch! Plötzlich aber hört man Prinzchenschritte im Korridor und wenige Momente später steht er da mit seinem riesigen Bären im Arm. Wie hat er das bloss geschafft? Immerhin schläft er noch im Gitterbett und aus Gitterbetten entweicht man erst, wenn man älter als zwei ist. Da gibt es bestimmt irgend eine Kinderschutzregelung, die dies vorschreibt. Aber wenn man ein Prinz ist, schert man sich einen Dreck um Vorschriften. Man steigt auf den grossen Bären – Wer war bloss so dumm, ihm diesen zu schenken? – schwingt sich über das Gitter und schon ist man wieder frei.

Ich nehme mal an, dass  „Meiner “ und ich uns den Feierabend für die nächsten fünf Monate streichen können….

Vorsicht! Bissig!

Ob mit mir etwas nicht mehr stimmt? Da träume ich doch neulich von so einer Besserwissermama. Ihr wisst schon, die Frauen, die zu allem und jedem ihren Senf dazu geben müssen. Die Frauen, die vielsagend die Augenbrauen hochziehen, wenn man ihnen vom neuesten Versagen erzählt und bemerken, sie hätten die Situation ganz anders und natürlich viel besser gemeistert. Die Frauen, die man gerne mit versteckter Kamera überwachen möchte, um sie endlich dabei zu erwischen, wie sie ihren Kindern Big Macs und Pommes servieren und selber drei oder vier Bierchen kippen. Kurz: Ich träumte vom Albtraum aller Mütter.

Dieser Albtraum aller Mütter liess mich wissen, dass es doch keine Sache sei, morgens die Kinder ohne Stress, ohne Geschrei und ohne Chaos aus dem Haus zu bringen. Zum Glück habe ich ein paar gute Freundinnen, auf die ich sogar im Traum zählen kann und so sprang eine meiner Freundinnen in die Bresche und liess die Besserwissermama wissen, ich hätte ja immerhin fünf Kinder zu erziehen, während sie nur eines habe. Aber eine echte Besserwissermama lässt sich von solchen Kleinigkeiten nicht beirren und deshalb liess mich wissen, auch mit fünf Kindern sei es möglich, den Tag in Ruhe und Frieden zu starten. Und zwar jeden Tag.

Im realen Leben würde ich wohl eine spitze Bemerkung fallen lassen und der Besserwissermama die kalte Schulter zeigen. Im Traum aber tat ich, was ich wohl schon öfters gerne getan hätte: Ich sprang der Besserwissermama an die Gurgel und biss ihr in den Oberarm. Und zwar so richtig heftig. Wie ein Rottweiler, oder so.

Vielleicht sollte ich diesen Traum mal analysieren lassen…

Aha!

Tja, mein guter alter Papst, du wirst wohl einpacken müssen. Deine Tage als Stellvertreter Gottes auf Erden sind gezählt. Ich gehe nämlich in eine Kirche, in welcher der Liebe Gott persönlich predigt. Woher ich das weiss? Nun, der Zoowärter hat mir’s offenbart. Als nämlich gestern der Pastor im Familiengottesdienst allen Kindern ein Eis schenkte, um ihnen vor Augen zu führen, wie unerwartet Gottes Segen sei, war der Zoowärter natürlich selig. Eis im Gottesdienst, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Als das Eis fertig gelutscht war, durften die Kinder auf einem Blatt zeichnen oder aufschreiben, womit Gott sie gesegnet hat. Eine Aufgabe, die für den kleinen Zoowärter noch ein bisschen schwierig war und deshalb half ich ihm. „Hat dir der liebe Gott schon einmal etwas Gutes geschenkt?“, fragte ich. „Ja“, sagte der Zoowärter und schwieg. „Was hat er dir denn Gutes geschenkt?“, hakte ich nach, denn es sollte ja etwas auf dem Papier erscheinen. Der Zoowärter überlegte eine Weile, dann strahlte er und sagte: „Ein Eis“.

Eigentlich habe ich mir den lieben Gott ja etwas anders vorgestellt, aber er ist wirklich sehr nett.

Ätsch! Reingelegt!

Da erscheint auf beautifulvenditti wie gewohnt jeden Tag ein neuer Post mitsamt Bild von „Meinem“ und ihr alle glaubt, ich hätte über die Auffahrtstage nichts anderes zu tun als zu bloggen. Dabei bin ich mit Kind, Kegel und was man braucht, um Kind, Kegel und Eltern einigermassen zufrieden zu halten, also mit Schmusetierchen, Zahnbürsten, Duschgel und Handy, verreist. Aber als pflichtbewusste Bloggerin weiss ich natürlich, was ich meiner Leserschaft schuldig bin und deshalb habe ich „vorgebloggt“. Habe ich in meiner Zeit als Vollzeithausfrau gelernt: Wenn du keine Zeit zum Kochen hast, kochst du eben vor, wenn du keine Zeit zum Bloggen hast, bloggst du vor. Blog-Konserven, sozusagen.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und ab morgen wird wieder frisch gekocht, ääähm.., ich meine gebloggt.