Ist das Kind mal auf der Welt, erwartet keiner, dass die Eltern ausgeschlafen sind. Auch wir selber haben eigentlich nicht damit gerechnet, dass wir in den nächsten Wochen zu viel Schlaf kommen würden. Was aber, wenn der Neugeborene nachts volle acht Stunden schläft und man dennoch am Morgen kaum die Augen offen bekommt? Darf man dann noch jammern? Wohl kaum.
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Die Sternstunden des Familienlebens
Performance
Stimme 1: "Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang,…" Stimme 2, setzt leise ein, wird dann lauter: "Ausgang, Ausgang, Ausgang,…". Stimme 3, laut: "Ausgang, Ausgang, Ausgang, …" Stimme 1, sehr laut "Untergang!". Stimmen 2 und 3, als Echo "Untergang, Untergang." Stimme 1: "Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang,…". Stimme 2, schreiend: "Übergang!". usw.
Aufklärung
Das war mal wieder ein Tischgespräch heute. „Können Vierzehnjährige schon Kinder bekommen?“, will die Fünfjährige wissen. „Ja.“ „Wie? Wenn sie Tabletten schlucken?“ Auftritt grosser Bruder: „Nein, weisst du, da steckt ein Mann sein Schnäbi in die Frau und dann drückt er die Samen heraus und dann gibt es ein Baby.“ Nun ja, für einen Siebenjährigen keine schlechte Antwort, oder? Doch die Schwester versteht noch nicht so recht und fragt, ob sie Mama und Papa nicht einmal zuschauen dürfe. Das wiederum findet der grosse Bruder völlig daneben, denn wer keine Kinder mehr will, macht sowas auch nicht mehr, oder?
Und damit wären wir beim Thema Unterbindung angelangt. „Hat sich der Papa schon die Adern durchschneiden lassen, damit ihr kein Baby mehr bekommt?“, will der Älteste wissen. Nun gilt es zu erklären, dass man bei der Sterilisation nicht die Adern, sondern die Samenleiter durchschneidet. Und zwar möglichst so, dass man icht auch noch beim Thema Suizid hängen bleibt. Man muss den Kindern ja nicht alles aufs Mal auftischen. Aber als verantwortungsvolle Eltern müssen wir natürlich auch verhindern, dass unser Sohn demnächst auf dem Schulhof erzählt, sein Papa habe sich die Adern durchgeschnitten, damit er keine weitern Kinder mehr bekomme. Nur weil er kein weiteres Leben mehr zeugen will, heisst das ja noch lange nicht, dass ihm das Leben verleidet ist.
Nächtliche Ruhestörung
Normalerweise schläft der Kleine ja in seinem eigenen Bett, doch weil er seine Matratze mit Exkrementen beschmiert hat, – auf weitere Details verzichten wir an dieser Stelle – nächtigt er im Elternschlafzimmer, bis die Matratze wieder trocken ist. Aber daran denkt Mama natürlich nicht mehr, als sie nachts um eins wegen eigenartiger Motorengeräusche erwacht. Sind die Nachbarn jetzt vollkommen durchgedreht, dass sie mitten in der Nacht ihre Motorsäge laufen lassen? Oder lässt da ein Teenager den Motor seines Rollers aufheulen? Aber nein, das Geräusch kommt nicht von draussen. Es ist der Kleine, der bereits im zarten Alter von 18 Monaten dermassen laut schnarcht, dass die Mutter in Versuchung gerät, wegen nächtlicher Ruhestörung die Polizei zu rufen. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie der Junge jemals eine Frau finden soll, wenn er mit seinem Schnarchen bereits jetzt die Wände zum Wackeln bringt. Ihm bleibt nur zu hoffen, dass der Trend der getrennten Schlafzimmer bis dahin anhält…
Zurück auf Feld 53!
Manchmal ist das Leben eben doch wie ein Brettspiel. Da glaubt man, man komme vorwärts und plötzlich landet man auf einem Feld, das einem ganz weit zurück schickt. „Zurück auf Feld 53!“, wird einem da zum Beispiel befohlen. Und auf Feld 53 wird man dann aufgefordert: „Du bekommst noch ein Kind. Kauf dir einen Geschwisterwagen und bezahle dafür einen beliebigen Betrag zwischen 10 und 1000 Franken.“
Ave Caesar
Papa ist im Klassenlager und heute ist Tag drei. Das bedeutet, dass die Nerven inzwischen ziemlich blank liegen. Besonders jetzt, abends um 10, wenn die Abfallsäcke sich irgendwie vom dritten Stock aufs Trottoir bewegen sollten, ohne die Nachbarn aufzuwecken. Wenn sich die trockene Wäsche noch von selbst zusammenfalten müsste, um wieder Platz für die nasse Wäsche zu schaffen. Wenn zwei von vier Kindern noch immer nicht schlafen und einen im Minutentakt davon abhalten, endlich zur Ruhe zu kommen. Gibt es Mütter, die in einer solchen Situation nicht ausrasten? Doch das Schreien macht das Ganze nur noch schlimmer.
Nun, die Kinder wissen inzwischen, wie sie eine solche Situation entschärfen müssen. Plötzlich steht er da, der fast Vierjährige, grinst und sagt in fehlerfreiem Latein: „Ave Caesar. Morituri te salutant!“. Sieg für die Kinder: Die Mutter lacht! Für heute können wir sie getrost in Ruhe lassen, sie hat das Lachen noch nicht verlernt.
Drei Minuten später herrscht in den Kinderzimmern absolute Ruhe.
Panini
Gestern waren Panini noch Brötchen, heute sind es Bildchen. Hunderte von Bildchen, die meisten mit einem hässlichen Fussballer drauf, sündhaft teuer und völlig unnütz. Und dennoch überlebenswichtig, wenn der Siebenjährige während der nächsten zwei Monate nicht allein auf dem Pausenplatz herumstehen will. Es gibt ja alle Arten von Tauschbildchen, mit denen man den Kindern das Geld aus dem Sack ziehen kann. Doch während man bei all den Monstern, Diddls und was es sonst noch alles geben mag, immer jemanden in der Nachbarschaft findet, der sie seinem Kind verbietet, stösst Panini bei allen auf Akzeptanz. Bei allen anderen Sammelbildchen wird das Kind einen Verbündeten finden, der diese ebenfalls blöd findet, doch bei den Fussballbildchen steht es plötzlich ganz alleine da.
Fussballer taugen schelcht als Feindbild. Früher konnte man wenigstens noch behaupten, die Kerle hätten alle ihr Hirn in den Waden, doch heute verfügen auch Fussballer über Universitätsabschlüsse oder haben zumindest eine kaufmännische Lehre absolviert. Zudem soll Sport ja gesund sein.
So kommt es, dass die Mama verschämt am Kiosk aufkreuzt und nach Panini-Bildchen fragt. So elend müssen sich Teenager fühlen, wenn sie zum ersten Mal den Playboy kaufen. Zu Hause stürzen sich die Kinder begeistert auf die Bildchen. Nachdem alle Briefchen aufgerissen und die ersten Fussballer schief eingeklebt sind, verflüchtigt sich die Begeisterung. Irgendwer muss dem Chaos wieder Herr werden. Und so verbringt die Mama den Rest des Tages mit dem säuberlichen Einkleben von Magnin, Henry und wie sie alle heissen. Und irgendwann packt sie der Ehrgeiz: Das Album muss voll werden! Denn wo sonst kann man als Mutter noch die längst verdrängte Sehnsucht nach Perfektion und Ordnung so ungehemmt ausleben?
Touristenfalle
Nach ein paar kinderfreien Tagen, die man krankheitsbedingt zwischen Bett, Speisesaal und Sauna verbracht hat, ist es wohl normal, dass einem die Decke auf den Kopf fällt. Irgendwie ist alles ganz anders, als man es sich vorgestellt hatte, man mag die fetten alten Männer in der Sauna nicht mehr sehen. Diese Männer, die noch nicht begriffen haben, dass ihr Anblick nicht mehr besonders ästhetisch ist und dass sie deswegen beim Saunagang ruhig etwas mehr Diskretion walten lassen dürften. Immerhin begegnet man sich ein paar Stunden später wieder beim Buffet.
So nimmt man nach drei Tagen den Bus, um etwas anderes zu sehen. Man könnte wieder mal Shoppen. Die Kinder warten ja auch auf Souvenirs. Nach zwanzig Minuten Busfahrt kommt man im nächst gelegenen Städtchen an. Städtchen? Wohl eher eine Touristenfalle, die den Besuchern eine heile Schwarzwälder Welt vorgaukeln soll. Souvenirshop reiht sich an Souvenirshop, dazwischen Kaffeehäuser mit riesigen Torten in der Auslage, ab und zu ein "Fremdenzimmer", für die Fremden, die hier bitte ihr Geld abgeben sollen, sonst aber fremd bleiben sollen. Der ganze Ort ist überlaufen von Schweizern der übelsten Sorte: Ältere Semester auf der Suche nach dem billigsten Schnaps, dem schönsten Dirndl, dem grössten Schnitzel. Dazwischen ein paar Japaner, die auch nicht besser sind, die man aber zum Glück nicht versteht.
Nach fünfzehn Minuten hat mans gesehen, der nächste Bus fährt aber erst in einer Stunde. Immerhin erstehen wir zwei Souvenirs für die Kinder: Eine Glitzerkugel mit einem Clown drin und einen Holzsäbel, der den kampfbegeisterten Dritten in helle Aufregung setzten wird. Leider vergisst die Verkäuferin, das Ding in eine Tüte zu stecken. So ziehen wir säbelschwingend durch die Idylle und träumen davon, all die Souvenirshops kurz und klein zu schlagen.
Vielleicht wird man unvernünftig, wenn keine Kinder da, sind, die einen dazu zwingen, erwachsen zu sein?
Ach du selige Ignoranz
Es gibt Momente, da wünscht man sich, einfach nur dumm zu sein. Nichts zu wissen, keine Zusammenhänge zu kennen. Kein Hintergrundwissen, das einen stört. Einfach nur selige Ignoranz.
Diese Momente spielen sich meistens vor dem Regal mit den Fertigmenus ab. Da ist man gestresst, will ausnahmsweise mal ein Fertiggericht auf den Tisch bringen und dann stürmt es auf einen ein, all das Wissen, das man über die Jahre angehäuft hat.
Wie wär’s mit diesen Pouletkugeln, die mit der Currysauce drin. Nicht dass sie gut wären, aber eben, man ist ja gestresst. Doch halt, das Pouletfleisch kommt aus Brasilien. Brasilien? Werden dort die Hühner in Auslaufhaltung gehalten? Und wie steht’s mit der CO2-Bilanz des Produkts? Vielleicht könnte man auch Fischstäbchen nehmen. Aber halt, die Weltmeere sind überfischt und erst neulich hat man lesen können, dass das Label, das umweltschonenden Fischfang verspricht, alles andere als vertrauenswürdig ist. Dann eben Fertigpizza. Aber die Dinger sind horrend teuer und so unglaublich klein, dass für eine sechsköpfige Familie mindestens vier Packungen her müssen. Auch mit bescheidenen mathematischen Kenntnissen muss man zum Schluss kommen, dass man zum gleichen Preis schon fast im Restaurant speisen könnte. Vom Abfallberg ganz zu schweigen. So geht es weiter. Das eine Produkt fällt weg wegen des zu hohen Fettgehalts, das andere wegen seiner unsinnigen Verpackung. Wieder andere kommen nicht in Frage, weil man mit dem Kauf irgend einen multinationalen Konzern ünterstützen würde, den man unbedingt meiden sollte, auch wenn einem im Moment gerade entfallen ist, warum.
So vergeht die Zeit, während der man in Ruhe ein vollwertiges Mittagessen hätte kochen können. Schliesslich verlässt man das Geschäft mit einem Salatkopf, der zwar immerhin aus der Schweiz stammt, allerdings wegen seiner Herkunft aus dem Treibhaus auch nicht wirklich akzeptabel ist. Man hetzt nach Hause, schnauzt die Kinder an, weil man gestresst ist, bringt irgendwie etwas halbwegs Gesundes auf den Tisch, bringt die ganze Küche durcheinander und vergisst in der Eile ganz, den Salat zu rüsten.
Und wünscht sich, man hätte nur fünf Minuten lang richtig dumm sein können. . .
Kranke Mütter gibt es nicht
„Soll ich Sie krank schreiben?“, will die Ärztin wissen. Krank schreiben? Man lässt sich den Gedanken kurz durch den Kopf gehen. Ist doch kein Problem. Der hausinterne Kinderhort wird zwar von einer 72-jährigen betreut, die selber sieben Kinder grossgezogen hat. Doch sie hat bestimmt nichts dagegen einzuwenden, vier lebhafte Knirpse zu betreuen, bis Papa nach Hause kommt. Dann gäbe es noch das klitzekleine Problem mit der Wäsche und dem Putzen. Mal abklären, wer die Putzfrau bezahlen würde, wenn sie statt der üblichen zwei Stunden pro Woche plötzlich einen Full-Time-Job im Haushalt übernehmen würde. Das Kochen könnte ja der Pizzakurier übernehmen. Geht zwar ein bisschen ins Geld und ist auf Dauer ungesund, aber was soll’s? Dann wären da noch ein paar andere Kleinigkeiten zu regeln, wie zum Beispiel das Einkaufen, das Ausfüllen der Steuererklärung, das Chauffieren der Kinder, wenn sie mal nicht zu Fuss gehen können, das Betreuen der Hausaufgaben, etc. Aber das sind wirklich alles nur Kleinigkeiten. Irgend jemand wird sich ihrer schon annehmen.
Nun gut, nach längerem Überlegen muss man zugeben dass es zu viele Hindernisse gibt. „Ich bin vierfache Mutter. Da geht das wohl nicht so einfach“, antwortet man schweren Herzens der Ärztin. „Ach so, ich dachte, Sie seien berufstätig.“ Damit ist das Thema abgehakt. Mütter schreibt man nicht krank. Die finden immer wieder einen Weg, auf die Beine zu kommen, auch wenn die Batterien schon längst leer sind.