Nur einmal möchte man so sein wie die anderen. Die Muffins perfekt, keines, bei dem die Glasur heruntertropft, keines, das deformiert ist. Die letzten Vorbereitungen laufen glatt. Es braucht kein Antreiben, kein Ermahnen, schon gar kein Anschreien, damit die Kinder sich bereit machen. Sie sind alle sauber angezogen, Gesichter gewaschen. Alle rechtzeitig bereit, für den grossen Auftritt. Dann pünktlich raus aus dem Haus und ohne Hetze auf in den Kindergarten zur Geburtstagsfeier, auf die sich die Tochter seit Wochen schon freut.
Stattdessen das Gleiche wie immer: Der eine weiss nicht, was er zum Znüni will, der andere weigert sich, sich anzuziehen, die Haare der Tochter sind verklebt und lassen sich kaum kämmen, die Muffins kleben auf dem Blech, der Jüngste ist krank und brüllt, wenn man ihn aus dem Bett holt. Knapp zehn Minuten vor Kindergartenbeginn sind endlich alle auf der Strasse. Die Muffins rutschen gefährlich auf dem Tablett, während man verzweifelt versucht, gleichzeitig den Kinderwagen zu schieben, das Tablett zu balancieren, den Kleinen zur Eile anzutreiben und die Begeisterung des Geburtstagskindes zu teilen. Nach zehn Minuten, die einem vorkommen wie eine halbe Stunde, kommt man nassgeschwitzt und mit den Nerven am Ende im Kindergarten an.
Wieder hat man es nicht geschafft, dem Kind einen Moment der ungetrübten Freude zu bieten. Wieder stand der Stress im Weg, das Unvorhersehbare, die eigene Beschränktheit. Wie schaffen das bloss die anderen Mütter? Schaffen sie es überhaupt?
Zumindest die Kindergärtnerin sieht keinen Unterschied: „Das ist mal wieder perfekt. Wie immer bei dir“, ist ihre Reaktion, als sie die Muffins entgegennimmt. Perfekt? Das sind doch die anderen. Oder sieht in den Augen der anderen alles ein wenig anders aus?
Archiv der Kategorie: Familienglück
Die Sternstunden des Familienlebens
Gibt es ihn, oder gibt es ihn nicht? Natürlich gibt es ihn nicht, und in der grauen Vorzeit, als man noch keine Kinder hatte, war man sich sicher, dass man ihnen nie und nimmer einen solchen Mist erzählen würde. Die Kleinen sollten zu nüchtern denkenden Menschen erzogen werden, die nicht irgendwann, etwa im Alter von 14 Jahren, entsetzt feststellen sollten, dass ihre Eltern sie schamlos angelogen hatten. Kinder wollen ernst genommen werden, so dachte man, und deshalb lieben sie es gar nicht, wenn man ihnen etwas vormacht.
Am Anfang ging dies tatsächlich noch gut. Es gab ihn nicht, aber man kaufte trotzdem einen, und zwar einen aus Schokolade, keinen aus Nougat. Dann aber kam das „magische Alter“, oder wie die Pädagogen dies auch immer nennen mögen. Die Zeit, in der die Kinder alles mögliche glauben wollen. Und mit dem magischen Alter kam der Kindergarten mit all den wunderbaren Geschichten, die die Kinder dort erzählt bekommen. Ja, und plötzlich gab es ihn, ob man wollte, oder nicht. Er brachte die bunten Eier, die Überraschungen, die Süssigkeiten.
Und jetzt kommt das grosse Dilemma: Während die einen Kinder erst gerade im „magischen Alter“ angekommen sind, ist der ältere Bruder bereits wieder daran, für alles eine Erklärung zu suchen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Der Jüngste hat von allem noch gar keine Ahnung, ist glücklich, solange er das grösste Stück Schokolade bekommt. Richtet man sich nun nach dem Ältesten und sagt, es gebe ihn nicht, zerstört man die Träume der Kleineren. Natürlich sind diese bloss Illusionen, aber verleihen nicht gerade diese der Kindheit ihren Zauber? Richtet man sich nach den Jüngeren, fühlt sich der Älteste für dumm verkauft. Richtet man sich nach dem Jüngsten, dann artet die Sache in ein grosses Fressen aus, was ja auch nicht gerade der Sinn der Sache ist.
Und so stehen sie, die Eltern, vor der grossen Frage: Gibt es ihn bei uns, den Osterhasen? Wenn nein, wie sag ich’s meinem Kinde? Wenn ja, wie können wir uns selbst noch treu bleiben?
Gratis abzugeben
Gratis abzugeben: Magen-Darm-Grippe. Hilft beim Entschlacken, deshalb ideal für die Frühlingszeit. Besonders beliebt bei Grossfamilien, da man sie von einem Familienmitglied zum anderen reichen kann. Es gibt garantiert genug für alle, keiner geht leer aus! Bietet einen idealen Zeitvertrieb für Hausfrauen und -männer, die gerne auch zwischendurch mal die Fussböden reinigen. Verhindert zudem, dass die Waschmaschine zu oft unbeschäftigt in der Ecke steht (Man will das Ding ja auch mal amortisieren). Interessenten mögen sich bitte sofort melden, da das Datum der nächsten Lieferung noch nicht bekannt ist.