Vom Freitag, der lieber ein Sonntag gewesen wäre

„Ich glaube, ich will heute ein Sonntag sein“, sprach der Freitag, als er aus dem Fenster blickte und sah, dass es draussen kühl, grau und regnerisch war. „Kerzenschein, viel Tee und guten Lesestoff, das ist es, was die Menschheit heute braucht.“ „Vergiss es“, knurrte der Alltag. „Heute wird aufgeräumt, geputzt, chauffiert, gestritten, korrespondiert, eingekauft und im Wartezimmer gesessen. So ein gewöhnlicher, alter Freitag kann doch nicht einfach daherkommen und behaupten, er sei ein Sonntag, bloss weil es vom Wetter her gerade passen würde.“ Der Freitag fügte sich, seufzend zwar und mit einer gewissen Trägheit, aber er tat, was Freitage eben tun müssen und seufzte nur gelegentlich: „Ach, wäre ich doch bloss ein Sonntag.“

image

Umleitung

Wer lesen möchte, was ich heute geschrieben habe, muss sich auf die swissmom-Seite bequemen, denn ich war ganz und gar mit meiner Kolumne – und ein paar Wichtelgeschenken, die unsere Kinder ganz dringend auftreiben mussten – beschäftigt. 

 

Verstehen wir uns jetzt, Herr Hamchiti?

Also, Herr Hamchiti, buchstabieren wir das noch einmal miteinander durch, damit Sie endlich verstehen: Beim Ackermann-Versand können Sie von mir aus weiterhin Ihre alte Nummer, die seit ein paar Jahren die Unsere ist, angeben, denn da ich dort nie bestelle ist die Sache jeweils relativ schnell geklärt. Dass Ihre Oma aus dem Kosovo noch immer die alte Zahlenkombination eingibt, wenn sie mit Ihnen plaudern will, stört mich auch nicht. Im Gegenteil, ich finde es ganz unterhaltsam, aus ihrem Geschwätz, von dem ich kein Wort verstehe, herauszuhören, dass auch Sie mit einer Frau vom Schlage meiner Schwiegermama klarkommen müssen. Die vielen Telefonverkäuferinnen, die eigentlich Ihre Frau und nicht mich suchen, will ich Ihnen auch nicht übel nehmen, weiss ich doch aus eigener Erfahrung, wie hartnäckig diese Damen gewöhnlich sind. Und dass Ihnen hin und wieder beim Arzt die alte Telefonnummer rausrutscht, erfüllt mich mit Sorge. Wie schlimm muss es um Sie stehen, wenn Sie nicht mal Ihre Personalien fehlerfrei herunterbeten können? 

Mit all dem könnte ich leben, mein lieber Herr Hamchiti, wenn Sie sich endlich an die eine Bedingung halten könnten, die ich Ihnen stelle, nämlich die, bei Scherereien mit der Polizei nie – aber auch wirklich gar nie – Ihre alte Nummer anzugeben. Sie müssen verstehen, Herr Hamchiti, auch ich werde älter und ängstlicher, weshalb meine Begeisterung über frühmorgendliche Anrufe der Gesetzeshüter allmählich schwindet. Ich muss das nicht alles wiederholen, wir haben vor ziemlich genau einem Jahr schon mal ausführlich darüber geredet und darum möchte ich bloss noch einmal in aller Klarheit festhalten: Wenn Sie wollen , dass wir Freunde bleiben, ziehen Sie mich gefälligst nicht in Ihre Konflikte mit der Polizei hinein. 

IMG_0499 

Zukunft gesichert

Geschäfte zu machen ist heute nicht mehr so einfach wie früher mal. Franz Carl Weber kann sich die Zürcher Bahnhofstrasse nicht mehr leisten, Modeketten verschwinden vom Markt, „Meiners“ allerliebste Brocki machte neulich den Laden dicht und heute malte auch das Prinzchen ein düsteres Zukunftsbild. Wenn nicht bald ein paar Kunden in seinen Laden kämen, warnte er, müsse er demnächst schliessen. Erst wollte ich ihn nicht so recht ernst nehmen. So schlimm könne es um seine Geschäfte ja nicht stehen, meinte ich, immerhin verlangten wir für die Ladenfläche keine Miete, für seine Grundbedürfnisse sei bestens gesorgt und ausserdem müsse er keine Löhne entrichten, aber genau in diesem letzten Punkt irrte ich. Ob ich denn vergessen hätte, dass er neulich den Zoowärter als Verkäufer eingestellt habe, wollte das Prinzchen wissen. Der verlange doch sage und schreibe eine Gewinnbeteiligung von 50%, das sei nicht ganz ohne.

Weil aber das Prinzchen keiner ist, der jammert, fügte er sogleich an, er hätte da ein paar Neuheiten im Sortiment, die mich interessieren könnten. Zudem biete er jetzt Hauslieferungen an, auch sonntags habe er bis 21 Uhr geöffnet und Karlsson bekomme als verspätetes Geburtstagsgeschenk einen Rabattgutschein. Solchen Angeboten kann man natürlich nur schwer widerstehen und nachdem nun auch der FeuerwehrRitterRömerPirat einen grosszügigen Preisnachlass auf eine doppelt vorhandene Legopackung versprochen bekommen hat, kann man davon ausgehen, dass die Existenz von Prinzchens Laden bis auf Weiteres gesichert ist. 

img_8314

found pasta 1; prettyvenditti.jetzt

 

Adventsferien

„Meiner“ hat für dieses Jahr fertig aufgeklärt, der Adventsmarkt liegt hinter uns, ein einziger kleiner Auftrag ist noch zu erledigen und dann steht für ein paar Wochen nichts als ganz normaler Alltag auf dem Programm. Fast schon Ferien also. Was mich zur Schlussfolgerung verleitet, dass sich die Adventszeit ganz entspannt angehen lässt, wenn man im November für einen richtig vollen Terminkalender sorgt. 

 

So ein Tag halt…

Okay, eigentlich müsste ich es inzwischen wissen: Ein Tag, der damit beginnt, dass der Zoowärter noch vor dem Frühstück seinen Mageninhalt von sich gibt, weil er dermassen herzzerreissend über seine unverschämten Eltern heulen muss, die allen Ernstes von ihm verlangen, an ein und demselben Morgen eine frische Hose und einen frischen Pullover anzuziehen, so einen Tag sollte man ganz einfach ignorieren. Die Decke über den Kopf ziehen, Augen zu und warten, bis der nächste Tag kommt, das sollte man eigentlich.

Aber natürlich macht man das nicht, man ist ja pflichtbewusst und so, also versucht man, den übellaunigen Stier – ich meine den Tag, nicht den Zoowärter – bei den Hörnern zu packen und ihn irgendwie zur Vernunft zu bringen. Doch dazu ist es bereits zu spät, denn inzwischen ist der FeuerwehrRitterRömerPirat auf die Idee gekommen, ein wenig Ohrenschmerzen wären heute ganz praktisch, man könnte so den endlosen Schultag deutlich verkürzen. Der Lehrer glaubt’s, die Eltern eher nicht so, also muss am Nachmittag trotz Krankheit das Zimmer aufgeräumt werden, was an einem Tag wie heute ganz besonders schön ist, denn „Meiner“ ist mal wieder von der grossen Aufräumwut gepackt worden und lässt keine Gnade walten, auch nicht bei den Dingen, die man ach so sorgsam unter das Bett gewurstelt hat. Also noch einmal lautes Geheul, diesmal einfach ohne Mageninhalt und dann später noch einmal, weil die bösen Eltern keine iPad-Zeit genehmigen und dann noch einmal, weil Luise und „Meiner“ sich ins Gehege geraten. Dazwischen ich, wie eine Furie durchs Haus rasend, lauthals schimpfend, weil die Aufräumenden in der Waschküche einen Wäscheberg von der Höhe des Matterhorns deponiert haben – unsortiert, versteht sich. Da ich mich aber bekanntlich dem Frieden verschrieben habe, herrsche ich meine Liebsten an, sie sollten sich doch endlich wieder einkriegen und gefälligst lieb sein miteinander, was aber irgendwie nicht so richtig wirken will, weshalb wir abends alle ziemlich grummlig auseinander gehen. Dies die Kurzversion eines Tages, der sich in Wirklichkeit noch viel unausstehlicher gebärdet hat.

Ein Tag halt, an dem ich mich abends frage, was die anderen Mamas, die immer so selbstzufrieden sanftmütig lächelnd ihren Nachwuchs durchs Leben geleiten, eigentlich heimlich schlucken.

img_8020-0

pane e fagioli; prettyvenditti.jetzt

 

 

Sternenzauber-Vorfreude

Zwischen Karlsson-Geburtstag, Prinzchen-Geburtstagsparty, Luises Arztterminen, Zoowärters Erkältung und Hausaufgabenbergen des FeuerwehrRitterRömerPiraten versuchen „Meiner“ und ich, kreativ zu sein. Wir haben nämlich die grosse Ehre, wieder am Sternenzauber-Adventsmarkt bei uns im Dorf dabeisein zu dürfen. Na ja, am Stand werde nur ich anzutreffen sein, da „Meiner“ an diesem Tag in der Ostschweiz eine Gruppe Jungs aufklären darf, aber in unserem Sortiment wird man ihn sehr wohl auch finden. Zu kaufen gibt es sein Buch, unser Buch und meine Bücher, Gipsbildchen und bunt Bemaltes von ihm, Kaffeesirup, Gestricktes und Gebackenes von mir sowie ein paar weitere schöne Dinge. Am Nachmittag erzähle ich zweimal eine Geschichte für Kinder, am Abend eine für Erwachsene. Und dann sind da natürlich ganz viele talentierte, kreative Menschen, deren Stände einen Besuch wert sind. Wer alles mitmacht, könnt ihr hier nachlesen. Falls ihr also übernächsten Samstag in der Gegend von Schönenwerd seid, solltet ihr euch einen Besuch in unserem wunderschönen Kreuzgang auf gar keinen Fall entgehen lassen. 

IMG_8271 IMG_8279

Wieder so ein Abend…

Wieder mal einer dieser Abende: Der Zoowärter liegt mit Halsschmerzen und fiebernd auf dem Sofa, „Meiner“ hat Einsatz an der Erzählnacht seiner Schule und ich stehe bei uns auf dem Pausenplatz rum, versuche das Prinzchen und den FeuerwehrRitterRömerPiraten zwischen Laternenumzug und Erzählnacht im Auge zu behalten, was gar nicht so einfach ist, da der FeuerwehrRitterRömerPirat keine Ahnung hat, wo er seine Klasse treffen soll und ich keinen Schimmer habe, was auf all den Programmzetteln, die mir die Kinder in den letzten Tagen in die Hände gedrückt haben, draufstand. Luise taucht auf, will wissen, wie sie in die Stadt zu ihrem Teenie-Anlass kommen soll, wo ihr Papa doch immer nur die Arbeit im Kopf hat und die Mama die kleinen Geschwister. Karlsson kocht sich derweilen zu Hause Spaghetti, was man später, als ich endlich wieder alle mehr oder weniger beisammen habe, der Küche ansehen wird. Wieder so ein Abend halt, an dem ich grummle und motze und lästere, weil ich einfach nicht begreifen kann, warum man uns Müttern solche Sachen zumutet.

Tja, und dann kommt man nach so einen Abend nach Hause, startet den Computer auf, liest von Paris, ist zutiefst erschüttert und plötzlich wieder von Herzen dankbar, in dieser herrlich kleinkarierten, nervtötenden Welt leben zu dürfen. 

IMG_8273

Flügge?

Die Glucke heute Abend zu mir, den Tränen nahe: „Hast du gehört? Er will ausziehen! Einfach so, mit Sack und Pack. Dabei haben wir ihm doch eben erst sein Zimmer neu eingerichtet, haben die Wände neu gestrichen und alles so schön gemütlich gemacht für ihn. Wie kann er da auf so eine Idee kommen?“ Ich schaue die Glucke verständnislos an, habe keine Ahnung, was sie da wieder faselt. „Nun sag schon was! Du kannst ihn doch nicht einfach so ziehen lassen“, jammert sie. „Also, äääähm, ich weiss nicht so recht…“, fange ich an, aber sie fällt mir ins Wort. „Bricht es dir denn nicht fast das Herz, wenn er dir sagt, dass er weg will? Er ist doch noch so klein und hilflos. Er kann doch nicht einfach gehen.“ Ich habe noch immer keinen Schimmer, was das soll, aber ich kann gar nicht erst fragen, denn die Glucke jammert weiter: „Du musst ihm das ausreden. Er kann das noch nicht. Denk nur, wie einsam und elend er sich in der Nacht fühlen wird. Er wird nicht mehr schlafen können, nicht mehr essen und elendiglich verkümmern, der arme Kleine…“ Bei diesen letzten Worten kann die Glucke nicht mehr, sie heult hemmungslos. Da endlich gelingt es mir, meine Frage zu stellen: „Von wem redest du eigentlich? Wer will denn ausziehen?“ „Na, wer wohl?“, fragt sie zwischen zwei Schluchzern zurück. Einmal mehr schaue ich verständnislos, denn ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass einer davon geredet hat, das Nest zu verlassen. Also frage ich erneut, wen sie denn meine. „Das Prinzchen natürlich“, presst sie unter Tränen hervor und da endlich dämmert mir, was los ist. Unser Jüngster hat heute Abend nämlich durchblicken lassen, dass er sein Zimmer nicht mehr länger neben Mama und Papa haben möchte, sondern lieber nach oben zu den Grossen ziehen will. Und während ich bei dieser Nachricht höchstens murmelte: „Bitte nicht schon wieder Kinderzimmer umräumen!“,  brach die Glucke in Panik aus und sah ihr Prinzchen flügge werden. 

Tja, so verschieden sind wir eben, die Glucke und ich. 

luna piena; prettyvenditti.jetzt

luna piena; prettyvenditti.jetzt

Rattenschwanz

Der Kühlschrank steigt aus, ein Neuer muss her und wo man schon einen Neuen braucht, schafft man am besten einen an, der genügend Platz bietet, der passt aber nicht in die Einbauküche, also muss ein Möbel weichen und dahinter kommt eine hässliche Wand zum Vorschein, damit die gemacht werden kann, muss die ganze Schrankwand weichen, denn die gibt ohnehin allmählich den Geist auf, das Geschirr muss also zwischengelagert werden, darum holt man ein Regal aus dem Büro, dessen Inhalt nun eben im Keller zwischengelagert werden muss, wobei auffällt, dass die Kellertreppe auch mal einen neuen Anstrich bekommen sollte, was aber erst erledigt werden kann, wenn die Zimmerdecke in der Küche erneuert ist, denn beim Herausreissen der Schrankwand hat sich gezeigt, dass da eine Lücke klafft und wo wir schon bei der Lücke sind, schauen wir uns doch mal an, wie denn der Fussboden aussieht, was man aber eigentlich lieber nicht so genau wissen möchte, weil der nämlich auch lückenhaft ist, dort, wo vorher die Möbel standen und da muss man sich natürlich überlegen, ob man einfach ein neues Möbel drüber stellt, oder ob man sich auch noch um den Fussboden kümmert und während du noch am überlegen bist, sendet der Geschirrspüler schon wieder eine Fehlermeldung, die hundertfünfzigste oder so in den vergangenen drei Tagen und du ahnst, dass auch seine Tage gezählt sind, oder dass du dich zumindest mal wieder mit einem Monteur wirst zanken müssen und ehe du den Gedanken noch fertig gedacht hast, piepst der Herd Alarm und sagt dir damit, dass er es allmählich satt hat, in deinen Diensten zu stehen, also flüchtest du aus der Küche, was aber auch nicht viel hilft, denn im Flur siehst du, dass die Wand dringend einen neuen Anstrich bräuchte und im Esszimmer fällt dein Blick zuerst auf die hässliche Lampe, die schief von der Decke hängt, im Bad weigert sich die Klospülung zu tun, was sie eigentlich tun müsste und du wünschtest, du könntest vor all dem davonrennen, aber im Treppenhaus fällt dir auf, dass ein Kind ein Loch in die Tapete gerissen hat….

Und plötzlich kommt dir dieser Satz über die Lippen, den du nie hattest sagen wollen: „Ach, so ein altes Haus gibt halt immer irgend etwas zu tun, da wird man nie fertig.“

uccello morto; prettyvenditti.jetzt

uccello morto; prettyvenditti.jetzt