Hobbygärtner 

Es ist noch nicht allzu lange her, als ich in den Weiten des Internets nach Rat in Sachen Kinderkriegen und Kinderhaben suchte. Gab ich zum Beispiel „Hausmittel Milchstau“ ein, landete ich mitten in einer hitzigen Diskussion, die so anfing: „Hilfe!!!! Ich habe Milchststau!!!! Tut weh wie Sau!!!! GG sagt, ich soll aufhören, Stumpelchen mit MuMi zu füttern, aber das finde ich herzlos. Brauche dringend ein Hausmittel!!!!“ Dann folgten zehn Seiten Zank, der sich hauptsächlich um die Frage drehte, ob die arme Mama lieber den herzlosen GG in die Wüste schicken, oder Stumpelchen durch verfrühten Abbruch der MuMi-Zufuhr dem Verderben ausliefern wolle. Brauchbare Rezepte für Hausmittel gingen in der Flut der nicht immer korrekt geschriebenen Wörter leider unter.

Heute befrage ich das Internet nicht mehr zum Thema Milchstau, heute will ich wissen, ob ihm etwas zu den Begriffen „Sanddorn Rhizomsperre“ einfällt. Natürlich fällt ihm etwas ein und was ich lese ist nicht minder unterhaltsam als das, was ich zu „Hausmittel Milchstau“ zu lesen bekam. Das sieht dann etwa so aus:

Petunia: „Hallo Leute, kann mir jemand helfen? Ich möcht so gerne Topinambur in meinm Garten pflanzen weil ich die so mag, aber jetzt sagt mein Freund, die wuchern so schlimm, da bekomme ich Krach mit den Nachbarn.“

Naturbursche: „Willst du mit deinem Nachbarn in Frieden leben, lass die Finger von Topi. Kommt nicht gut. Ich rede da aus Erfahrung…“

Lavendelkönigin: „Sorry, Petunia, aber im Naturgarten haben Topis nichts verloren!“

Petunia: „Warum nicht? Ich verzichte auf Kunstdünger und verwende auch keine Schneckenkörner.“

Lavendelköniging: „Schon mal nachgelesen, woher die Topis kommen? Also, wenn du die für eine einheimische Pflanze hältst, hängst du dein Gartenwerkzeug besser an den Nagel.“

Naturbursche: „Ich lach mich schlapp! Du willst Topis düngen?! Willst du denn für den Rest deines Lebens nichts anderes mehr fressen?! Nette Grüße an deine Verdauung….“

Grüner Daumen: „Hast du nicht mehr alle, Naturbursche? Dürfen Anfänger denn nicht mal mehr ihre Fragen stellen, ohne dass du sie in deinen Spott ersaufen lässt?“

Petunia: „Ich bin keine Anfängerin!!! Ich ziehe seit Jahren erfolgreich Basilikum im Balkonkistchen!!!!“

Lavendelkönigin: „Ich ziehe meinen Hut vor dir, du Gartenexpertin….“

Petunia: „Das wird mir echt zu doof hier!“

Grüner Daumen: „Krieg dich wieder ein, Petunchen. Wenn du Topis pflanzen willst, baust du am besten eine Rhizomsperre ein, dann wuchern sie vielleicht nicht ganz so schlimm.“

Petunia: „Eine was?“

Naturbursche: „Tja, sowas braucht man halt nicht beim Basilikum….“

Grüner Daumen: „Halt mal die Fresse, Naturbursche. Eine Rhizomsperre ist so ein Ding, das man in den Boden eingräbt, damit die Wurzeln sich nicht im ganzen Garten verbreiten. Kriegst du im Baumarkt oder im Gartencenter.“

Lavendelkönigin: „Kannst auch Teichfolie nehmen. Kommt billiger.“

Grüner Daumen: „Vergiss den mit der Teichfolie! Hab ich bei meinem Bambus gemacht und jahrelang bitter bereut….“

Lavendelkönigin: „Also bei meinem Sanddorn hat sich die Teichfolie bestens bewährt.“

Naturbursche: „Teichfolie für Bambus?!?!?! Ich hab gemeint, das hier sei ein Forum für echte Gärtner und nicht für hirnverbrannte Vorgartenzwerge, die ein bisschen im Dreck wühlen.“

So geht es endlos weiter, weil aber keine brauchbaren Angaben zum Thema „Rhizomsperre Sanddorn“ zu erwarten sind, breche ich hier ab. Immerhin weiß ich jetzt, dass Hobbygärtner ebenso rechthaberisch sind wie Mamas. 

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GLAUB IA NICHT…

Sie ist wieder zu Hause, ein bisschen lädiert zwar noch und mit Gips, aber immerhin wieder dort, wo sie hingehört. Sie hat sie wieder, ihre Freundinnen, ihre Katzen und ihre Brüder. Die Brüder, die ihre Schwester vermisst haben, kaum war ihnen klar, dass das jetzt wirklich nicht lustig ist. So sind sie, unsere Kinder: Geraten sich wegen jedem kleinen Mist in die Haare, missgönnen einander jedes Stücklein Schokolade und dann, wenn’s mal einem dreckig geht, zerfliessen sie vor lauter Mitgefühl und basteln Willkommensschilder. Drei Stück hat der FeuerwehrRitterRömerPirat gemalt, der Zoowärter brachte ein hübsches Bild aus der Schule nach Hause und das Prinzchen hängte eine Zeichnung an die Haustüre.

Ein überaus herzlicher Empfang also, wenn auch einer mit Seitenhieb: „GLAUB IA NICHT DAS DU JETZ EIN NOIES HANDY BEKOMST“, schrieb das Prinzchen in wackligen Buchstaben neben seine hübsche Zeichnung. Könnte ja sein, dass die grosse Schwester ihre missliche Lage schamlos ausnützt und eine Entschädigung für erlittene Schmerzen fordert. 

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Stammkunden

Okay, jetzt haben wir endgültig den Stammgast-Status erreicht. „Waren Sie nicht auch schon hier?“ „Sie kommen mir so bekannt vor?“ „Ich glaube, Sie habe ich schon mal gesehen, aber war nicht ein anderes Kind dabei?“, fragen sie. Aber klar war letztes Mal ein anderes Kind dabei. Nur die Mutter, die stundenlang daneben sitzt, Sirupbecher reicht, Kissen aufschüttelt und auf die Klingel drückt, wenn die Schmerzen zunehmen, ist seit Jahren schon die gleiche. Wüsste ich im Voraus, wann es jeweils wieder soweit ist, könnte ich ja schon mal das Zimmer reservieren, aber eben, das mit der Planbarkeit müssen wir noch ein wenig üben. Bis jetzt kommen die Aufenthalte im Kinderspital immer genau dann, wenn wir sie am wenigsten brauchen können.

Diesmal ist Luise dran. Schuld ist eine Ampel, die zulässt, dass Autofahrer und Fussgänger gleichzeitig grün haben. Schlimm ist es Gott sei Dank nicht, nur eine Gehirnerschütterung und ein verstauchter Fuss, aber im Spital finden sie halt doch, Luise müsse noch ein wenig beobachtet werden. Seit gestern Abend beobachten sie also fleissig, Luises Schädel brummt weiter und ich vertrödle meine Zeit mit Kleinkram, der zu Hause immer liegen bleibt, weil sich die grossen, wichtigen Dinge stets vordrängen. Wie immer halt, wenn der medizinische Notfall meine Routine durcheinander bringt. So normal kommt mir das inzwischen alles vor, dass ich mich frage, wann die hier endlich ein Treuprogramm mit netten Prämien für Stammkunden wie uns einführen.

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Ist das vielleicht fair?

Mein ganzes Leben schon schlage ich mit dem A rum, das am Ende meines Vornamens nicht vorhanden ist, nach Auffassung meiner Landsleute da aber unbedingt hingehörte, weil sie sonst nicht recht wissen, ob sie mich bei den Weiblein oder den Männlein einordnen müssen. Dieses A, das der Grund war, weshalb ich keine Sekunde zögerte, den Nachnamen von „Meinem“ anzunehmen. In Kombination mit meinem ehemaligen Nachnamen – Martin – entfaltete das fehlende A nämlich eine ziemlich unangenehme Wirkung. 

So fand ich es ganz und gar nicht lustig, dass man mich in meinem ersten Ferienlager mit den folgenden Worten begrüsste: „Ach so, du bist ein Mädchen. Das ist jetzt aber blöd, wir haben dich nämlich bei den Jungs ins Zimmer eingeteilt.“ Glaubt mir, es war ganz und gar nicht witzig, als Zehnjährige die ersten zwei Wochen weit weg von meiner Familie als fünftes Rad am Wagen einer Mädchengruppe zu verbringen, die mich nur schon deshalb nicht mochte, weil sie wegen meines nachträglich ins Zimmer gezwängten Bettes noch enger zusammenrücken mussten. Auch der Zahnarztbesuch, bei dem man mit Erstaunen feststellte, dass kein gesetzter Herr Martin Tanner, sondern ein eingeschüchterter Teenager mit einem eigenartigen Namen im Wartezimmer sass, ist mir nicht in bester Erinnerung geblieben. Ach ja, und dann war da noch der Brüller, als eine stockkonservative Organisation einen Brief an das Ehepaar „Martin und ‚Meiner‘ Venditti“ schickte. 

Noch heute, in Zeiten, in denen doch jedes zweite Kind, das das Licht der Welt erblickt, irgendwie exotisch und doch vertraut heisst, hören die Episoden nicht auf und die Post, die Herr Tamar Venditti fast täglich bekommt, würde sich wohl längst bis zur Zimmerdecke stapeln, wäre ich nicht jeweils so frech, sie zu öffnen, obschon sie eigentlich nicht an mich adressiert ist.

Schlimm ist das nicht, ich weiss, aber nerven tut’s trotzdem. Und seit heute Nachmittag bin ich sogar ein ganz klein wenig eingeschnappt. Da landete gestern eine Mail in meinem Postfach, adressiert an Frau Karlsson Venditti. Die Mail war von einem Geschäft, in dem Karlsson in grauer Vorzeit mal etwas bestellt hat, als er noch keine eigene Mailadresse hatte und sich mit dem Gedanken trug, einer jener verschrobenen Modelleisenbahn-Fanatiker zu werden. Dieser Gedanke ist zum Glück längst verflogen, geblieben ist einzig die Adresse von „Frau Karlsson Venditti“ in irgend einer Datei des Modelleisenbahn-Ladens. Aus mangelndem Interesse löschte ich die Mail, ohne sie durchzulesen und mir wäre nichts daran aufgefallen, wäre nicht heute eine weitere Mail in meinem Postfach gelandet: Bitte vielmals um Entschuldigung! Falsche Anrede! Natürlich war Herr Karlsson Venditti gemeint. Bitten untertänigst um Verzeihung. Bla bla bla. Das ganze Theater wegen eines einzigen kleinen Verschreibers, von dem Karlsson nicht mal erfahren wird, weil er sich ja jetzt nicht mehr für das Modelleisenbahn-Zeugs interessiert, weshalb ich die Mail nicht weiterleite.

Nicht mal vierundzwanzig Stunden hat es gedauert, bis man Karlsson auf Knien um Verzeihung anfleht, weil man einen kurzen Augenblick an seiner Männlichkeit gezweifelt hat. Und wann bekomme ich endlich dieses Entschuldigungsschreiben? Ich warte schon seit Jahren darauf. (Na ja, und wenn das nicht kommt, könnten mir meine Eltern vielleicht endlich mal erklären, was sie sich dabei gedacht haben, mir diesen Namen zu verpassen.)

cercare i fili per terra; prettyvenditti.jetzt

cercare i fili per terra; prettyvenditti.jetzt

ÖV-Eindrücke

Nach einer längeren Pause war ich heute mal wieder ganz alleine mit dem Zug unterwegs und wie immer, wenn ich ohne Begleitung unter Menschen bin, habe ich ein paar Eindrücke gesammelt:

  • Wenn eine Vierzigjährige im Bus pausenlos in voller Lautstärke „Meins! Meins!“ und „Bananaaa!“ kräht und sich selber ganz furchtbar witzig findet, wünschte ich mir, ich hätte Zoowärters Plüsch-Minion zur Hand, um ihr damit das Maul zu stopfen. 
  • Eine Mutter, die zu ihren Kind sagt: „Nein, Stefanie, du trägst deinen Rucksack selber, so, wie wir das vorhin vereinbart haben. Du musst dich an unsere Abmachung halten“, dürfte eigentlich nicht so aussehen, als wäre sie ein Hippie.
  • Väter, die während der Stosszeiten mit ihren Kleinkindern durch den Bahnhof hetzen und laut werden, weil etwas schief gelaufen ist, werden ebenso schräg angesehen wie Mütter, die während der Stosszeiten mit ihren Kleinkindern durch den Bahnhof hetzen und laut werden, weil etwas schief gelaufen ist. Wenigstens in einer Sache werden Männer genau gleich behandelt wie Frauen. 
  • Was hilft es eigentlich, wenn die einem in sämtlichen Journalismuslehrgängen beibringen, es müsse heissen „Die SBB sind…“ und „Die SBB haben….“, wenn es bei der Begrüssung im Zug heisst: „Die SBB begrüsst Sie…“?
  • Wer nicht mehr zum Pendlervolk gehört, verlernt ein paar wichtige Dinge. Zum Beispiel, ein Sandwich zu essen, wenn man dicht an dicht in ein Viererabteil gepfercht ist.

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Autofragen

Dass die Tage unseres kleinen, himmelblauen Autos gezählt sind, vermutete ich schon seit einiger Zeit, aber deswegen fühle ich mich noch längst nicht bereit, mich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie es weitergehen soll, wenn es eines Tages nicht mehr mitmacht bei unserem nervenaufreibenden Wettlauf gegen den Terminkalender. Autos sind mir ja generell nicht sehr sympathisch, darum verdränge ich den Gedanken, mich irgendwann eingehender mit der Materie auseinandersetzen zu müssen, so weit es nur geht. Und doch war ich diejenige, die heute Nachmittag, als das Zeitfenster zwischen zwei Terminen mal wieder besonders schmal war, irgend einen Mist mit der Bremse anstellte, was zu einer äusserst unangenehmen Begegnung mit einem Bauamtsfahrzeug führte.

Fragt mich bitte nicht nach Details, ich weiss bloss, dass das Gefährt mit einer fürchterlich fiesen Geheimwaffe ausgerüstet war. Wie sonst hätte es unser armes Wägelchen derart übel zurichten können, obschon ich im Schritttempo unterwegs war und der Aufprall kaum zu spüren war? Der Mann von der Garage – keine Ahnung, wie man den heutzutage nennt – war der Meinung, unserem Auto sei nur noch mit sehr viel Geld zu helfen, was „Meiner“ und ich aber ablehnen, da eine aufwändige Operation das bittere Ende nur herauszögern, nicht aber verhindern würde. Die Nachbarin sagte, sie kenne einen, der einen kenne, der jeweils für relativ wenig Geld das Auto eines entfernten Bekannten repariere, der würde sich der Sache bestimmt annehmen. Das ist natürlich viel besser, schiebt die Frage um unsere automobile Zukunft aber nur ein wenig weiter hinaus.  

Ich wünschte mir, ich könnte ganz leichthin verkünden, es ginge auch ohne Auto, doch das traue ich uns nicht zu, so sehr ich das auch möchte. Zu schwer wiegen die Einkäufe, die ich Woche für Woche ins Haus schleppe; zu oft schon wären wir ohne unser Fahrzeug noch aufgeschmissener gewesen, als wir es ohnehin schon waren. Car Sharing – eine Sache, die ich auch ganz toll finde – ist mir in unserer heutigen Lebenslage auch nicht ganz geheuer, denn ich tendiere dazu, in Notfallsituationen den Kopf zu verlieren und ich zweifle daran, ob ich dann noch in der Lage wäre, mir zu überlegen, wo sich das geteilte Auto gerade rumtreibt. Und Notfallsituationen beschert uns unser Alltag eindeutig noch zu oft. Ich fürchte also, die Frage lautet nicht, ob unser himmelblaues Auto einen Nachfolger bekommt, sondern nur, wie wir das wieder anstellen sollen.

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Weider mal so ein Home-Office-Morgen…

Der erste Satz des Tages hätte mich eigentlich vorwarnen sollen: „Da sind Maden im Abfallsack!“ Mehr bräuchte ein Mensch ja wirklich nicht zu hören, um zu wissen, dass er den Tag gar nicht erst in Angriff zu nehmen braucht, sondern sich am besten gleich die Decke über den Kopf zieht und weiterschläft. Krankhaft naiv, wie ich nun mal bin, kroch ich trotzdem aus dem Bett und half „Meinem“, dem Ungeziefer den Garaus zu machen. Noch irgendwelche Fragen, weshalb ich den Rest des Tages für einmal nicht barfuss, sondern mit Schuhen an den Füssen im Haus unterwegs war?

Nach den Maden kam der Telefontechniker, der sich der „Fremdspannung“ annahm, die für mehrere Tage unser Telefon lahm gelegt hatte. Na ja, ich behaupte ja, die Telefongesellschaft habe das mit der Fremdspannung mit Absicht gemacht, weil ich die Hotline schon so lange nicht mehr angerufen habe und die mir doch endlich das neue TV-Internet-Festnetz-Handy-Sparpaket andrehen wollten, aber beweisen kann ich natürlich nichts. Der Techniker kam also, behob den Mangel und rauschte wieder ab.

Ich hätte die Zeit seiner Anwesenheit ja dazu genützt, das Mittagessen in den Slow Cooker zu schmeissen, wenn denn nicht eine gewisse Diskrepanz bestanden hätte zwischen dem Menüplan und den real existierenden Lebensmittelvorräten im Kühlschrank. Also kam vor der Arbeit noch die Migros und nach der Migros kam nicht die Arbeit, sondern der Stromausfall. Und weil ich glaubte, die Ursache des Stromausfalls wäre beim Sicherungskasten zu finden, begab ich mich eben treppab in den Keller, anstatt treppauf ins Büro. Im Keller war aber kein Stromausfall zu finden, dafür dichter Rauch, der Gott sei Dank nicht aus dem Heizungskeller drang, wie ich zuerst befürchtet hatte, sondern von draussen in den Heizungskeller geweht wurde. Ich folgte also meiner Nase in den Garten und landete schliesslich bei der Feuerstelle, wo noch immer einer der Wurzelstöcke, die „Meiner“ gestern in Brand gesetzt hatte, vor sich hin rauchte. 

Also keine Feuerwehrübgung, dafür aber eine Rettungsaktion in der Küche, denn der Slow Cooker fand das mit dem Stromausfall ganz und gar nicht lustig und weigerte sich rundheraus, dort weiterzumachen, wo er aufgehört hatte, als der Strom wieder da war. Und das wiederum hatte zur Folge, dass „Meiner“ mich mit einem vorwurfsvollen „Was hast du am Herd zu suchen, du solltest doch arbeiten?“ begrüsste, als er am Mittag nach Hause kam und mich in der Pfanne rühren sah. 

Hab doch gesagt, es wäre besser gewesen, im Bett zu bleiben…

mademoiselle orsay; prettyvenditti.jetzt

mademoiselle orsay; prettyvenditti.jetzt

Garagen-Igel (oder vielleicht auch Igel-Garage)

Menschen wie wir, die ihr Auto als Gebrauchsgegenstand betrachten, brauchen keine Garage, finde ich. Darum sehne ich den Tag herbei, an dem ich das potthässliche, nutzlose Ding gegen ein anständiges Gewächshaus mit Geräteschuppen eintauschen kann. Besonders jetzt, wo unser Grundstück von Tag zu Tag kahler wird, kann ich es kaum mehr ertragen. „Hier ist kein Leben mehr weit und breit, nur diese hässliche Garage“, klage ich, wenn es mir mal wieder nicht schnell genug vorwärts geht mit der Gartengestaltung.

„Hier ist kein Leben mehr weit und breit, nur diese hässliche Garage“, hat sich auch der Igel gesagt, der ab und zu bei uns vorbeischaut, um sich die paar Nacktschnecken zu schnappen, die der Hitze getrotzt haben. „Aber Menschen, die ihr Auto als Gebrauchsgegenstand betrachten, brauchen keine Garage, da könnte ich doch eigentlich einziehen“, sprach er weiter, schlüpfte durchs halb geöffnete Tor und und machte es sich drinnen gemütlich. Jetzt haben wir also einen Garagen-Igel – oder vielleicht auch eine Igel-Garage – und ich bin bis auf Weiteres versöhnt mit dem Schandfleck auf unserem Grundstück. So als Provisorium, bis wir endlich ein anständiges Igelhotel eingerichtet haben, kann die Garage von mir aus noch ein paar Monate stehen bleiben.

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An die Wetterverwirrten,…

…die nach dem zweiten nicht ganz sonnigen Wochenende in Folge nicht mehr ein und aus wissen und deswegen in diversen sozialen Medien den Jammergesang „So ein mieses Wetter und das mitten im August!“ angestimmt haben…

Ich möchte euch etwas erklären: Das, was seit einigen Stunden auf eure ach so empfindlichen Köpfchen herab tropft und eure noch empfindlicheren Seelchen in tiefste Trauer stürzt, nennt sich Regen. Die Tröpfchen fühlen sich gar kalt an auf der nackten Haut, ich weiss, und sollten eure zarten Füsschen in einem Pfützchen landen, holt ihr euch am Ende noch einen Schnupfen und dann ist es aus mit dem Sommerfeeling. Ach, so ganz ohne Sonnenschein will einfach keine rechte Lebensfreude aufkommen. Vierundzwanzig kostbare Sommerstunden vergeudet! Womit haben wir das verdient? Wo doch schon bald der Herbst vor der Tür steht und dann dauert es wieder sooooooo lange, bis endlich wieder Sommer wird. 

Meine lieben Wetterverwirrten, ihr nervt und zwar gewaltig. Schaut ihr denn eigentlich nie aus dem Fenster? (Ich meine, jetzt mal abgesehen von eurem sorgenvollen Blick, mit dem ihr überprüft, ob der Himmel „endlich“ wieder blau werden will?) Seht ihr denn nicht, wie die Natur förmlich nach Flüssigkeit lechzt? Glaubt ihr wirklich, das Wetter habe einzig und alleine die Aufgabe, euch fröhlich zu stimmen und euch das Gefühl zu vermitteln, ihr wäret am Strand und nicht zu Hause in der langweiligen Schweiz? Hat eure Mama euch nie erklärt, dass eitel Sonnenschein ziemlich schnell eine trostlose Wüste entstehen lässt?

Falls nein, dann solltet ihr vielleicht mal im Estrich euer altes Schulmaterial ausgraben, dort findet ihr bestimmt noch irgendwo die Zeichnung mit dem Wasserkreislauf und dann versteht ihr vielleicht, was ich meine.

(Und sonst könntet ihr euch wenigstens ein Beispiel am Prinzchen nehmen. Der hat heute, als die Lehrerin wissen wollte, worüber sich die Kinder freuen, gesagt, er sei glücklich, weil es endlich mal wieder regne.)

will I be happy?; prettyvenditti.jetzt

will I be happy?; prettyvenditti.jetzt

Wenn dein Garten an der Strasse liegt,…

…und du dich irgendwann dazu entschliesst, dem Gehölz den Garaus zu machen, um aus der Einöde etwas Schönes entstehen zu lassen, dann kommst du mit jedem, der am Haus vorbeigeht, ins Gespräch. 

Der eine – ein netter Kerl, leicht handicapiert – erzählt dir, wie er jeweils zu Hause, in den Bergen oben, mit seinen Blumen plaudert und wie gut das beiden Seiten tut.

Der Nächste lässt dich ganz unverblümt wissen, es sei wirklich höchste Zeit, dass du das mit dem Garten mal endlich anpackst. So, wie das ausgesehen habe, sei es ja wirklich nicht mehr schön gewesen. 

Der Dritte sagt dir, mit der von euch angewendeten Methode würdet ihr die Wurzelstöcke nie und nimmer aus dem Boden kriegen und er bleibt auch bei seiner Meinung, als du erklärst, auf diese, Wege hättet ihr bereits ohne grossen Aufwand fünf hartnäckige, lästige Dinger ausgegraben. 

Ein älteres Ehepaar freut sich, dich mit „Deinem“ im Garten anzutreffen, findet, es sei doch besser, einen neuen Garten anzulegen, anstatt sich einen neuen Mann zu suchen und erzählt dann voller Stolz die eigene Liebes- und Lebensgeschichte.

Eine übellaunige Alte sagt zwar nichts, verzieht aber angewidert das Gesicht, weil auf der Feuerstelle gerade ein paar Wurzelstöcke, die zu gross sind für den Häcksler, ziemlich viel Rauch produzieren.

Manch einer meint nur: „Lieber du als ich“ und lässt zur Motivation ein paar Tipps zurück, nach denen du nicht gefragt hast.

Einige wollen wissen, was denn werden soll und sind erstaunt, wenn du dir deinen zukünftigen Garten ganz anders vorstellst, als sie es machen würden. 

Und dann gibt es noch so nette Menschen wie dein Nachbar und sein Kollege, die mit sinnvollen Tipps und Tricks, Werkzeugverleih und beherztem Anpacken dafür sorgen, dass die Arbeiten mit bedeutend weniger Schwielen und Schweissausbrüchen als erwartet vorangehen.

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