Fast bereit – oder auch nicht

DONE

  • Geschenke gekauft
  • 88 % (oder so) der Geschenke eingepackt
  • Tannenbaumstamm abgeschliffen, damit er in den Ständer passt und dabei zum ersten Mal überhaupt mit einer Schleifmaschine hantiert. Das war ein Bild: Ich von Kopf bis Fuss in Pink auf dem orangefarbenen Sofa mit dem Baumstamm auf dem Schoss und der Schleifmaschine in der Hand. Damit unsere Kinder später etwas zum Lachen haben, wenn sie über die guten alten Zeiten reden.
  • Stall für die Wachteln soweit fertig gebaut, dass die Tierchen ihre erste Nacht im Hause Venditti katzensicher versorgt sind. 
  • Patenkind beschenkt
  • Nachbarn beschenkt
  • Geschenke für die Patenkinder von „Meinem“ eingekauft
  • 7 Guezlisorten gebacken
  • Vorweihnachtliches Chaos angerichtet, damit wir alle noch ein wenig nervöser werden: Schaffen wir es, die Wohnung aufzuräumen, bevor es mit all dem Geschenkpapier noch schlimmer wird?
  • To Do – Liste geschrieben
  • Eine E-Saite für Karlssons Geige gekauft (und zu Hause erst gemerkt, dass die uns eine A-Saite mitgegeben haben)

TO DO

  • Endlich entscheiden, was ich zur Familienfeier mit meinen Eltern, Geschwistern & Co.  morgen Abend zum Essen mitbringen werde
  • Endlich das Weihnachtsmenü planen. „Meiner“ wäre für Paella oder asiatisch aber wir anderen finden, dass so etwas überhaupt nicht geht. Und er findet, wir seien alle stockkonservativ und langweilig, weil wir lieber Suppe im Brot, Morcheln und Bûche de Noël wollen.
  • Wirklich einmal früh aufstehen und nicht nur davon reden. Damit ich die Erste bin in der Migros, um endlich das Essen für die Festtage einzukaufen. Und dann vor lauter Weihnachten das Katzenfutter, die Feuchttücher und den Essigreiniger nicht vergessen
  • Herausfinden, ob der Geigenbauer morgen noch offen hat, damit wir doch noch eine E-Saite auftreiben können. Karlsson will morgen vor der gesamten Verwandtschaft auftreten, was ohne E-Saite relativ schwierig sein dürfte. Und ein Karlsson, der nicht vor der ganzen Verwandtschaft auftreten darf, dürfte ebenfalls etwas schwierig sein. 
  • Endlich entscheiden, ob die Katzen auch etwas zu Weihnachten bekommen. Und wenn die Katzen etwas bekommen, warum dann die Wachteln nicht? Oder reicht es, wenn die armen Tierchen zu Weihnachten einen eigenen Stall, ein Futtergeschirr und sieben Vendittis bekommen?
  • Die restlichen 12 % (oder so) der Geschenke einpacken
  • Geschenke, die im Trubel der Vorweihnachtszeit ihr Papier schon wieder verloren haben,  wieder einpacken.
  • Weitere Geschenke für Nachbarn und Freunde verteilen
  • Tannenbaum gerade richten
  • Nicht vergessen, dass wir noch weitere Kerzenhalter kaufen müssen. „Meiner“ hat ausnahmsweise mal einen grossen Baum gekauft.
  • Tannenbaum schmücken
  • Den Stall für die Wachteln fertig bauen und endlich entscheiden, ob er vorerst mal auf den Balkon kommt, oder bereits in den Garten
  • Einstreu für den Stall kaufen
  • Mit „Meinem“ ausdiskutieren, wer sich sich morgen Abend frühzeitig davonmachen darf, um bei der Christanchtfeier zur Ruhe zu kommen 
  • Aufräumen, aufräumen und nochmals aufräumen
  • Putzen, putzen und nochmals putzen
  • Eine Strategie entwickeln, wie wir die Kinder motivieren können, damit sie mitmachen beim Aufräumen, aufräumen und nochmals aufräumen. Das Putzen, putzen und nochmals putzen dürfte einfacher sein, denn das machen sie gern.
  • Scharf nachdenken, ob wir beim Geschenkekauf wirklich niemanden vergessen haben und Notfallszenario entwickeln, falls uns doch noch jemand in den Sinn kommt
  • Endlich in Festtagsstimmung kommen, damit ich nicht wieder erst an Ostern Zeit finde, über den tieferen Sinn des Weihnachtsfestes nachzudenken
  • Endlich begreifen, dass morgen wirklich schon der Heilige Abend ist und nicht der 24. Juli 2011

Und falls mir dann noch etwas Zeit bleibt, können wir ja noch die Spitzbuben backen, bevor der Teig, der schon längst im Kühlschrank wartet, vor lauter Kummer schlecht wird.

Unerwartete Ruhe

Wohin geht man, wenn man kurz vor Weihnachten mal einige Momente der Ruhe geniessen möchte? In den Wald bestimmt nicht, denn wenn man nicht unversehens in eine Waldweihnachtsfeier hineinstolpert, dann trifft man bestimmt auf einen, der sich heimlich einen Gratis-Tannenbaum schlägt oder auf so viele andere Ruhesuchende, dass aus der Ruhe nichts wird. Auch all die netten Cafés sind nicht zu empfehlen, denn da findet man kaum einen freien Platz mehr, erstens, weil sich all die Leute zu weiteren Einkaufsorgien stärken wollen und zweitens, weil da so viele Einkaufstaschen zwischen Tischen und Stühlen stehen, dass der Weg zum letzten freien Platz blockiert ist. Und wer denkt, im trauten Heim könnte es ruhiger sein, der irrt. Zumindest, wenn im trauten Heim auch Kinder leben, die keine Sekunde länger warten mögen, bis sie endlich das Papier von den Päckchen reissen können.

Der Ruheort par Excellence, musste ich heute Abend feststellen, ist in diesen Tagen die Ikea in Spreitenbach. Ich hatte mich ja regelrecht vor diesem Einkauf gefürchtet, aber weil das Patenkind nicht alle Jahre zwanzig wird und in die WG zieht, nahm ich die Sache eben auf mich. Und wurde freudig überrascht. Das Parkhaus halbleer, kein Gedränge und an der Kasse keine Schlange. Und das Schönste am Ganzen: Weder „Last Christmas“ noch „All I want for Christmas is you“. Der reinste Frieden an einem Ort, wo ich ihn weder gesucht noch erwartet hatte. Warum, so fragte ich mich, kann ich hier vollkommen entspannt quatschend durch den Laden schlendern, wo doch alles über Weihnachtsstress klagt? Vielleicht, weil jeder denkt: „Ich bin doch nicht so doof und fahre am 22. Dezember in die Ikea.“ Vielleicht auch, weil die alle auf den Ausverkauf warten, der übrigens schon längst begonnen hat. Vielleicht aber auch, weil kein Mensch im Möbelhaus Geschenke kauft.

Was auch immer der Grund war, wir haben die unerwartete entspannte Zeit genossen. Einen Nachteil hatte die Sache aber schon: Bei so wenig Kundschaft war der Zugang zu den Regalen bedeutend einfacher als im üblichen Gedränge. Der Betrag auf der Quittung war dann eben auch etwas höher als erwartet.

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Inkonsequent

Am Vormittag bei der Zeitungslektüre ärgere ich mich über die Schweizer, die ihre Weihnachtsgeschenke im benachbarten Ausland einkaufen und damit Arbeitsplätze in der Schweiz gefährden. Ich rege mich auf über die SBB, die diesen Irrsinn auch noch mit Extrazügen unterstützen. Wie kann man bloss? Wir würden so etwas nie tun.

Doch was tun wir am Abend des gleichen Tages? Wir buchen eine Woche Skiferien in Österreich, weil es dort zur Unterkunft gleich noch den Skikurs, Bergbahnbillett und die Ausrüstung für die Kinder gibt. Weil man dort auch mit fünf Kindern eine bezahlbare Unterkunft findet, was hierzulande zwar nicht unmöglich, aber doch nicht ganz einfach ist. Weil wir uns Skiferien in der Schweiz nur schwerlich leisten könnten und unsere Kinder allmählich Skifahren lernen sollten, da schon bald das erste Skilager auf dem Programm steht. Ich persönlich tue das auch, weil mir Wintersport so unwichtig ist, dass ich das Geld lieber für Dinge ausgebe, die mir mehr am Herzen liegen.

Alles mehr oder weniger ehrenwerte Gründe und doch kann man uns zu Recht vorwerfen, dass wir genau das Gleiche tun wie jene, über die ich mich bei der morgendlichen Zeitungslektüre so sehr geärgert hatte.

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Mehr als erträumt

Wenn unsere Kinder auf der Bühne ihr Bestes geben, dann erfüllt uns Mütter das mit Stolz, auch wenn wir das nicht gerne offen zugeben. Man möchte ja nicht zu den Müttern gezählt werden, die überall Talente und Erfolge ihrer Sprösslinge zur Schau stellen müssen. Solche Mütter sind nicht nur peinlich, sie stürzen auch andere Eltern in tiefe Zweifel. Warum kann mein Kind nicht, was das andere, das offenbar ein Genie ist, mit Leichtigkeit schafft? Haben wir etwas falsch gemacht? Müssten wir sie mehr fördern? Wenn ich also heute von einer für mich ganz besonderen Sternstunde erzähle, dann nur deshalb, weil es einer der schönsten Momente meines Mutterseins war und nicht, weil ich sagen will „Schaut mal her wie grossartig wir doch sind…“.

Es ist nämlich so, dass heute gleich fünf meiner Kinder einen grossen Auftritt hatten. Karlsson mit seiner Geige und als Opa im Theaterstück, Luise als eine der Hauptrollen im Katzenkostüm, der FeuerwehrRitterRömerPirat als Feuerwehrmann, der Zoowärter zum ersten Mal überhaupt als Teil einer fröhlich singenden Kindergruppe und schliesslich – der Grund für all diese Auftritte – „Leone & Belladonna“ als Theaterstück.

Als ich vor ein paar Jahren als überforderte Mutter von drei Vorschulkindern im Morgengrauen am Computer sass, um die Geschichte der beiden Katzen für eben diese drei Vorschulkinder zu schreiben, hätte ich mir das nie und nimmer träumen lassen. Ein ganzer Trupp begeisterter Kinder – darunter vier eigene – die auf der Bühne umsetzen, was in meinem Kopf entstanden ist, nein, damit hätte ich nie gerechnet und so verwundert es wohl nicht, dass mir am Ende fast die Tränen der Rührung kamen. Es ist nicht Stolz im Sinne von „Hach, bin ich nicht toll?“ sondern einfach Freude, dass da etwas herangewachsen ist, worauf ich sehr wenig Einfluss hatte, was aber dennoch nur werden konnte, weil ich einmal etwas angefangen habe. Das gilt für die Kinder und für die Geschichte, die ja auch irgendwie mein Kind ist.

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Wieder da

Heute Morgen kam sie wieder nach Hause, die von allen schmerzlich vermisste Henrietta. Der Jubel war gross, Kater Leone beschnupperte seine Schwester von hinten bis vorn, Luise und der Zoowärter stritten sich den ganzen Vormittag darum, wer sie nun halten dürfe. Fast hätte ich das arme Tier wieder nach draussen geschickt, dort, wo es von Kindern ungestört den Tag geniessen könnte. Sie blieb drinnen, stillte ihren grossen Hunger und bekam Krach mit ihrem Bruder. Was Luise ziemlich erschreckte: „Mama, komm schnell. Leone hat Henrietta angefaucht. Warum macht er das? Mama, ich mache mir Sorgen…“

Warum er das macht, meine liebe Luise? Nun, ich muss dir leider sagen, dass sich Geschwister nicht während jeder Sekunde des Tages innig lieben. Es gibt da so eine Sache, die sich Streit nennt. Ja, ich weiss, davon hast du noch nie etwas gehört und natürlich hast du keine Ahnung, wie man so einen Streit austrägt. Aber weisst du, mein Kind, die Welt da draussen ist böse und kalt und man sagt, dass sich die Menschen dort ziemlich oft streiten. Aber du brauchst dich nicht zu fürchten, denn hier bei uns kommt so etwas natürlich nie vor.

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Wo steckt sie bloss?

Als Erwachsene sage ich mir, dass unsere Katze Henrietta den Heimweg bestimmt bald wieder finden wird, dass sie sich wohl einfach irgendwo vor Joachim in Sicherheit gebracht hat und wieder nach Hause kommt, wenn es endlich ruhiger wird. Ich beruhige mich damit, dass die meisten Katzen mal für ein paar Tage verschwinden. Und ausserdem hat sie den Heimweg auch bei den anderen Ausflügen wieder gefunden, wenn auch schneller.

Als Mutter von fünf Kindern, die miterleben muss, wie die Kinder weinen, weil Henrietta seit gestern Vormittag nicht mehr aufgetaucht ist, kann ich dennoch nicht ruhig bleiben. Was, wenn sie doch nicht mehr zurückkommt? Klar, es gibt noch viele Katzen auf der Welt, aber die sind eben nicht Henrietta. Und wenn die Kinder nervös werden, überträgt sich das auch auf uns Eltern. Denn sie fehlt ja nicht nur den Kindern, auch wir vermissen es, wie sie frühmorgens an unseren Zehen knabbert.

Ja, und dann ist da noch Henriettas Bruder Leone, der kläglich miauend nach seiner Schwester ruft. So traurig wirkt er, dass unsere Kinder, die sich seit Tagen nur noch in den Haaren liegen, nur noch staunen, wie sehr sich Bruder und Schwester lieben könnten, wenn sie denn wollten. Da behaupte noch einer, Haustiere hätten keinen pädagogischen Nutzen…

Henrietta

Prinzchens Grosseinkauf

Ein sehr überdrehtes Prinzchen und eine sehr übermüdete Mama gehen am Donnerstagabend eine knappe Stunde vor Ladenschluss einkaufen. Hauptziel dieses Einkaufs: Das Prinzchen so richtig müde zu machen, damit der Feierabend endlich kommen kann. Weitere Ziele: Den ziemlich leeren Kühlschrank wieder auffüllen, Koffeinnachschub besorgen, den einen oder anderen kleinen Frustkauf tätigen, weil das Leben gerade so anstrengend ist. Nun ja, das zumindest sind die Ziele aus mütterlicher Sicht, diejenigen des Prinzchens sehen etwas anders aus: Möglichst alles, was Mama sonst nie kauft, in den Einkaufswagen schmuggeln, dabei alles ohne Mamas Hilfe schaffen und so ganz nebenbei noch all die „Ach, ist der Kleine aber süss“-Kommentare  ernten, die es so kurz vor Feierabend noch zu holen gibt. Dreimal raten, wer seine Ziele zuerst erreicht hat…

Man muss aber auch sagen, dass das Prinzchen alles gegeben hat und seinen Sieg voll und ganz verdient hat. Das soll ihm zuerst mal einer nachmachen, wie er wagemutig vom Einkaufswagen auf den Rand des Kühlers kletterte und mich dabei konstant beschwatzte, bis ich ihm seufzend erlaubte, die Vanille- und Schokoladencrème, zu der er sich so hartnäckig hochgekämpft hatte, in den Wagen zu legen. Seine Parodie auf sämtliche einkaufenden Mamas war schon nahezu bühnenreif. Da stand der Dreikäsehoch vor dem Wurstregal und brummte: „Wurst haben wir auch keine mehr. Dann nehmen wir doch die und dann noch die…“ Ich weiss nicht, wann wir zuletzt so viel Wurst gekauft haben, aber kann man denn einem, der mit so viel Eifer bei der Sache ist, die Wurst verbieten? Und dann erst sein Versuch, aus der ganzen Spielwarenauslage das perfekte Geschenk für jeden herauszupicken: „Das hier wünsche ich mir und das auch und das auch und das auch, nein, das nicht, das wünscht sich bestimmt Luise, aber das wünsche ich mir und das und das und das wünscht sich der Zoowärter und ich natürlich auch und der FeuerwehrRitterRömerPirat auch und das wünsche ich mir und das auch noch und das ist für Karlsson und das für mich und das auch für mich und das auch noch…“ Damit zauberte er auch noch der griesgrämigsten, abgekämpftesten und ungeduldigsten Hausfrau, die an diesem trüben Donnerstagabend ihren Einkauf so schnell als möglich hinter sich bringen wollte, ein Lächeln ins Gesicht. Also auch seiner eigenen Mutter…

 

Prävention oder so

Die Frage, die mich heute umtreibt: Wie ernst kann man eine erwachsene Frau nehmen, die sich zum Mittagessen mit ihren Arbeitskollegen ein Happy Meal bestellt und zuerst das Spielzeug auspackt? Nun mag man sich natürlich fragen, wie ich als gesundheitsbewusste Mutter, die ihren Kindern auch eine Art ökologisches Bewusstsein einpflanzen möchte, überhaupt dazu komme, eine solche Beobachtung zu machen. Und da muss ich gestehen, dass „Meiner“ und ich heute dem Prinzchen zuliebe unser allwöchentliches fast-kinderloses Mittagessen bei McDonald’s eingenommen haben. Verwerflich aber dennoch  Teil unseres pädagogischen Konzepts, wenn wir denn je eines niedergeschrieben hätten. 

Es ist nämlich so, dass wir ziemlich überzeugt sind davon, dass alles, was verboten ist, umso reizvoller wird für die Kinder und dass sie eine Sache bald einmal uninteressant finden, wenn man nicht allzu viel Geschrei darum macht. Bei Luise und Karlsson hat das ganz gut funktioniert, nicht nur bei Fast Food. Auch Barbie haben wir so mehr oder weniger schadlos überstanden und ich hoffe, dass wir es dereinst beim Alkohol ähnlich werden handhaben können. Nicht verteufeln, aber klar aufzeigen, weshalb man nicht einfach bedenken- und grenzenlos dazu ja sagen kann. Natürlich dürfen solche erziehungsbedingten (Fast Food-)Eskapaden nicht allzu oft vorkommen, denn sonst besteht die Gefahr der Gewöhnung und das wollen wir natürlich auf gar keinen Fall. 

Nun gut, mir ist natürlich auch bewusst, dass dieser Grundsatz spätestens dann versagt, wenn es um Dinge wie Kokain und dergleichen geht und man kann mir auch jetzt schon vorwerfen, dass mein Verhalten nicht ganz konsequent ist. Aber nachdem ich sehr viele Jugendliche gekannt habe, die vor lauter Verboten erst recht über die Stränge geschlagen haben, sehe ich nicht allzu viele andere Wege, mit dem Problem von wollen und besser nicht sollen umzugehen. Am Ende verfolge ich doch nur das Ziel, dass die Kinder den faulen Zauber von Happy Meal & Co. durchschaut haben werden, bevor sie erwachsen sind. Denn die Frage, ob man einen erwachsenen Menschen, der sich zum Mittagessen ein Happy Meal bestellt und zuerst das Spielzeug auspackt, muss ich eindeutig mit Nein beantworten. 

Wie ausgewechselt

Eben noch hast du dich heiser gebrüllt, weil keiner auf dich hören wollte. Du hast erfolglos mit Dessertenzug gedroht, hast dir den Mund fusselig geredet, um ihnen beizubringen, dass es so nicht weitergehen kann, weil sie dir sonst noch den letzten Nerv ausreissen. Du hast geklagt, geseufzt, nach Ursachen geforscht und manchmal, wenn sie sich ganz quer stellten, warst du den Tränen nahe. Wann ist sie endlich vorbei, diese elende Vorweihnachtszeit, die aus deinen sonst so umgänglichen Kindern quengelnde, ungehorsame kleine Monster macht, die dich in den Wahnsinn treiben?

Und dann, wenn du glaubst, es könne nicht mehr schlimmer kommen, sind sie plötzlich wie ausgewechselt. Du willst wie üblich den Dritten zur Eile antreiben, damit er nicht zu spät zur Schule kommt, aber da steht er schon vor dir, geputzt und gestriegelt, bereit zu gehen und rechtzeitig anzukommen. Du kommst mittags von der Arbeit nach Hause und stellst erstaunt fest, dass der Älteste den Tisch gedeckt hat und allen schon Saft eingeschenkt hat. Keiner hat sich mit Joghurt und Bananen den Appetit verdorben, weil er nicht warten konnte, bis Mama und Papa da sind und nach dem Essen helfen alle widerspruchslos, den Tisch abzuräumen. Abends, als die Wäsche dran ist, noch einmal das gleiche Bild: Alle helfen brav mit, als hätte noch nie eine Diskussion um die Frage „Warum müssen ausgerechnet wir bei der Wäsche helfen? Wir haben sie ja nicht gewaschen“ gegeben. Ja, und dann kommt es doch noch zu einem kleinen Krach, weil deine Tochter den Tisch ganz alleine decken und dekorieren will, was der grosse Bruder nicht einfach so hinnehmen will. Das geht doch nicht, dass jemand die ganze Arbeit an sich reisst. Abends, als bereits um Viertel nach neun himmlische Ruhe herrscht, reibst du dir verwundert die Augen und du fragst dich, ob da jemand heimlich deine widerspenstigen Kinder gegen diese wunderbar netten Geschöpfe aus dem Erziehungsratgeber ausgetauscht hat.

Du fragst dich natürlich auch, ob du selbst vielleicht etwas zu diesem Wandel beigetragen hast. „Hoffentlich habe ich sie mit meinem ewigen Genörgel der letzten Tage nicht eingeschüchtert“, sagst du zu dir selbst. Nun, in einem Punkt kannst du dich beruhigen. Die Mär von „Santa Claus bringt dir keine Weihnachtsgeschenke, wenn du nicht spurst“ kennen deine Kinder nicht. Weihnachtsgeschenke dürfen nicht an Bedingungen geknüpft werden, denn derjenige, der an Weihnachten gefeiert wird, liebt auch bedingungslos. Ein Dessert kann man schon mal verweigern, aber ein Weihnachtsgeschenk? An der Angst, dass sie an Weihnachten leer ausgehen könnten, kann es also nicht liegen, dass die Kinder wie verwandelt sind. Aber was ist es dann? Die Vorfreude? Das gute Gefühl, dass schon bald ganz viele Träume wahr werden? Oder liegt es nur daran, dass der Mond wieder abnimmt?

Du kannst dir den Kopf zerbrechen, soviel du willst, die Antwort wirst du kaum finden und schon gar nicht den Schalter, mit dem du deine Kinder von „Ich stelle mich aus Prinzip quer“ auf „Ich bin ein kooperatives Wesen, das sich aktiv dafür einsetzt, dass in der Familie alles rund läuft“ umschalten kannst. Am besten hörst du so schnell wie möglich auf mit dem Grübeln und freust dich stattdessen an dem völlig unerwarteten Frieden. Die anderen Tage werden auch wieder kommen und dann darfst du dich getrost fragen, was du jetzt schon wieder falsch gemacht hast.

Der Zeit voraus

Okay, in unserer Wohnung herrscht wie immer das pure Chaos, die Weihnachtsguetzli sind noch immer nicht gebacken und auch die Sommerkleider sind noch längst nicht weggeräumt, aber zumindest in einer Sache habe ich in diesem Jahr die Nase vorn: Die Weihnachtsgeschenke für unsere Kinder sind eingepackt. Gewöhnlich erledige ich dies irgendwann zwischen Tannenbaumschmücken und dem Rühren der Morchelsauce am Weihnachtstag und ich stelle mir die Frage, ob sich das überhaupt noch lohnt, wo das Papier ohnehin in einer halben Stunde zerfetzt wird. In diesem Jahr aber warten alle Geschenke perfekt verpackt auf ihren grossen Tag.

Selbstverständlich gibt es einen guten Grund dafür, denn gewöhnlich renne ich dem Leben hinterher und versuche verzweifelt, es an seinem Rockzipfel zu erwischen. Vorsprung auf die Pflichten des Alltags kommt äußerst selten vor, wie man an unserem Haushalt auf den ersten Blick erkennt. Dass die Geschenke bereits verpackt sind, war reine Notwehr. Das Prinzchen und der Zoowärter spürten nämlich jedes einzelne Geschenklein auf und was nicht weihnächtlich verpackt war, wurde zum Inventar des Spielzimmers erklärt und zum Spielen eingesetzt. Also blieb mir nichts anderes übrig, als alles so schnell wie möglich zu verpacken und damit auch für einen Dreijährigen unmissverständlich als Weihnachtsgeschenk zu deklarieren. Wenn es mir jetzt noch gelingt, die Katzen von dem verlockend raschelnden Papier fern zu halten, dann kann ich zumindest mal in einem Bereich so tun, als wäre ich bestens auf das Fest der Feste vorbereitet.

Es braucht ja keiner zu wissen, dass die Geschenke für Gotten und Göttis noch nicht mal angefangen sind…

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