Dicke Post

Dicke Couverts mit dem Absender der Krankenkasse verheissen nie etwas Gutes. Sie verkünden einem nämlich gegen Ende Jahr, wie viel man im kommenden Jahr bei der Krankenkasse abzuliefern hat. Nächstes Jahr wird es sehr viel sein, das weiss man ja bereits seit dem Frühjahr. Und deshalb blieb das dicke Couvert bei uns vorerst mal liegen. Weder „Meiner“ noch ich hatten das Bedürfnis zu wissen, wie viel man uns ab Januar aus der Tasche zieht. Doch weil man nicht ewig die Augen verschliessen kann vor der Realität, habe ich heute früh doch mal einen Blick auf die neue „Familiengruppierung“, wie das unsere Krankenkasse so schön nennt, geworfen.

Nun, umgehauen hat mich die Summe in der unteren rechten Ecke der „Familiengruppierung“ nicht. Es könnte schlimmer sein. Und dennoch: Die Erhöhung der Kinderzulagen, die am Anfang dieses Jahres endlich in Kraft getreten ist, wird nächstes Jahr von der Krankenkassenprämie wieder weggefressen. Soviel zu der Behauptung gewisser Leute, die Erhöhung der Kinderzulage sei „Abzockerei par excellence“ gewesen. Und wer jetzt findet, hohe Krankenkassenprämien seien für Unsereins kein Problem, da wir ja Prämienvergünstigung bekämen, darf nicht vergessen, dass die Vergünstigung frühestens im Juni ausbezahlt wird und dass wir, zusammen mit allen anderen Familien, bis dahin werden schauen müssen, wie wir durchkommen.

Ich mache mir keine Sorgen, dass wir die Krankenkassenprämien nächstes Jahr nicht werden bezahlen können. Irgendwie schafft man es immer, dass das Geld reicht. Manchmal staune ich ja selbst darüber, woher plötzlich im richtigen Moment wieder das Geld kommt, das wir gerade benötigen. Aber auch wenn das Geld immer reicht, so reicht es mir dennoch langsam, dass in diesem Land bestraft wird, wer es wagt, Kinder auf die Welt zu stellen.

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Montagmorgen

Kaum waren heute Morgen Karlsson, Luise und der FeuwerwherRitterRömerPirat aus dem Haus, schnappte ich mir den Zoowärter und das Prinzchen und machte mich aus dem Staub, was durchaus wörtlich zu verstehen ist. Nichts wie weg aus diesem Chaos! Nach der vergangenen Woche, in der ich rund um die Uhr damit beschäftigt gewesen war, die Unordnung einzudämmen und die Kinder davon abzuhalten, sich die Köpfe einzuschlagen, musste ich einfach wieder mal weg. Und weil ich inzwischen ziemlich sicher bin, dass des Prinzchens schlaflose Nacht durch Kälte hervorgerufen wurde, das arme Kind aber über keinen ganzen Schlafsack mehr verfügt, war ein Spontanausflug zu H & M das Einzige, was den Montagmorgen noch retten konnte. Dazu muss man noch wissen, dass montags sonst immer die Putzfrau kommt. Doch diese Woche macht sie Ferien. Weswegen ich heute Putzdienst hatte, was doch eindeutig zu viel ist für  einer Vollzeithausfrau, nicht wahr?

Also ab zu H & M. Dort herrscht am Montagmorgen bestimmt himmlische Ruhe. Dachte ich. Doch nichts da: Die Kinderabteilung war voller Eltern  mit quengelnden Babys und Kleinkindern. Meine Putzfrau ist wohl nicht die Einzige, die derzeit Ferien macht. Andere Eltern mussten wohl auch vor dem Chaos flüchten. Dennoch wurde es ein ganz vergnüglicher Einkauf. Weil ich ausnahmsweise nur zwei Kinder zu beaufsichtigen hatte, die ausserdem völlig friedlich im Wagen sassen, hatte ich mal wieder Zeit, Eltern zu belauschen. Folgende Szene hat mich besonders amüsiert:

Mama sucht eine Winterjacke für das anderthalbjährige Töchterlein, das sich nicht im Geringsten für das Thema interessiert. Papa scheint auch nicht gerade mit Feuereifer bei der Sache zu sein.

Mama, zuckersüss: „Willst du die hier?“

Töchterlein schüttelt trotzig den Kopf, Papa steht gelangweilt daneben.

Mama, etwas weniger süss: „Und die hier?“

Töchterlein schüttelt wieder trotzig den Kopf, Papa steht noch immer gelangweilt daneben.

Mama, etwas ungeduldig: „Und die hier? Die ist doch schön.“

Töchterlein schüttelt noch immer trotzig den Kopf, Papa schaut sich jetzt auch Jacken an, unterhält sich mit Mama.

Mama und Papa, leicht genervt: „Aber die hier ist wirklich schön. Willst du die?“

Töchterlein schüttelt weiterhin trotzig den Kopf.

An diesem Punkt musste ich das Geschäft fluchtartig verlassen, sonst hätte ich gebrüllt: „Um Himmels willen, kauft dem Kind die Jacke, die euch gefällt! Jetzt ist ihr nämlich noch völlig egal, was sie trägt. Doch bald schon wird sie bestimmen, was sie anzieht. Also kauft, solange ihr euer sauer verdientes Geld noch nicht für ‚Hello Kitty‘, ‚Disney Princesses‘ und ‚Hannah Montana‘ ausgeben müsst!“

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Noch einmal Glück gehabt

Seit einem Jahr schiebt Luise das Problem vor sich her, doch langsam drängt die Zeit. Das Kind, das im Nu auf jeden Baum klettert, ohne mit der Wimper zu zucken Regenwürmer küsst und im Wasser Purzelbäume schlägt, als wäre dies die natürlichste Sache der Welt, fürchtet sich nämlich davor, vom Sprungbrett zu springen. Schon unzählige Male war sie oben, aber immer, wenn sie springen sollte, macht sie einen Rückzieher. Im Sommer konnte sie sich noch damit trösten, dass ihr ja noch Zeit bleibe bis zum nächsten Schwimmkurs, doch jetzt hat der Schwimmkurs begonnen und Luise weiss genau, dass sie das Abzeichen nur bekommt, wenn sie springt. Ausserdem ist der FeuerwehrRitterRömerPirat auf Aufholjagd und Luise hasst nichts so sehr, wie vom kleinen Bruder überholt zu werden. Also muss sie springen, und zwar bald.

Was bedeutet, dass ich sie motivieren sollte. Und so wartete ich heute im Sprungbecken mit ausgebreiteten Armen auf meine mutige Luise, bereit, notfalls nach ihr zu tauchen, aber innerlich wohl wissend, dass tauchen nicht nötig sein würde, da sie es ohnehin schaffen würde. Wenn sie denn den entscheidenden Schritt ins Leere wagen würde. Doch mit jedem Anlauf wuchs Luises Angst, nach drei abgebrochenen Versuchen wagte sie nicht einmal mehr, vom Rand aus ins Wasser zu hüpfen.

Was bleibt Mama da anderes übrig, als selber zu springen, um dem Töchterlein zu beweisen, dass das alles gar nicht so schlimm ist? Und um ihr das Versprechen abzuringen, dass sie dann auch springt. Zu dumm nur, dass Mama schon von Höhenangst geplagt ist, wenn sie auf dem Trottoirrand geht. Aber was soll’s: Mütter sind zu allem fähig, wenn es unbedingt sein muss. Und so wage ich mich, zum ersten Mal seit etwas zwanzig Jahren, wieder auf ein Sprungbrett. Verdränge die Angst vor der Höhe, die Panik vor dem letzten, entscheidenden Schritt, den Horror vor dem Aufprall. Und ich springe. Zweimal. Und finde es cool!

Das muss Luise unbedingt auch erleben. Weil sie sich aber immer mehr versteift, greife ich zur Bestechung. Falls sie springe, bekomme sie die sündhaft teure Handpuppe, die sie sich schon so lange wünscht. Luise strahlt – und springt nicht. Währenddem sie danach im Schwimmkurs alles schön brav macht, wie es die Lehrerin will, zerbreche ich mir den Kopf: Wie soll ich „Meinem“ beibringen, dass die Not so gross war, dass ich Luise diese Puppe einfach versprechen musste? Welchen Betrag muss ich wöchentlich auf die Seite legen, um das Geld zusammenzubekommen, ohne das Haushaltsbudget zu sehr zu belasten? Wie kann ich verhindern, dass Luise jetzt doch noch springt? Sie könnte ja noch ein Jahr warten, dann hätte ich das Geld vielleicht zusammen.

Schliesslich erlöst mich Luise aus meinem Dilemma. „Mama“, fragt sie mit sehnsüchtigem Blick, „wann bekomme ich endlich dieses Haarband, das ich mir schon so lange wünsche?“ „Wenn du springst.“, schlage ich vor. Und bevor Luise etwas einwenden kann, erkläre ich ihr, dass es doch viel besser wäre, sich die Puppe zu Weihnachten zu wünschen, weil man ja da die ganz grossen Geschenke bekomme. Luise lässt sich auf mein Spiel ein, aber ich muss ihr hoch und heilig versprechen, dass sie die Puppe zu Weihnachten bekommt.

Wann liegen endlich diese Spielwarenprospekte mit den Wunschzetteln im Briefkasten? Die Zeit drängt, wenn ich Luise noch vor Weihnachten einen billigeren Herzenswunsch schmackhaft machen will…

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Hier steh‘ ich nun…

… und darf nicht anders. Darf mich nicht setzen und schon gar nicht hinlegen. Denn wenn ich das tue, geht das Gebrüll wieder los. Dann schreit er wieder, windet sich auf meinem Arm, schlägt um sich und weckt am Ende noch die ganze Familie. Und dann bekäme meine afrikanische Zimmernachbarin  doch noch Recht. Die herzensgute Frau, an die ich mich immer gern erinnere, weil sie die erste wirklich interessante Gesprächspartnerin war, mit der ich nach meinen Geburten im Spital das Zimmer teilte,  hatte mir nämlich vor bald einem Jahr prophezeit, das Prinzchen werde ein „Petit Prince“, der die ganze Familie ermüden würde.

Dass „Meiner“ und ich des Prinzchens wegen seit drei Wochen auf dem Zahnfleisch gehen stimmt, aber der Rest der Familie hat davon zum Glück noch nichts mitbekommen. Die schlafen auch so zu wenig, weil sie zu später Stunde noch spielen müssen, oder streiten, oder die Mama etwas gaaaaanz Wichtiges fragen.

Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, die vergangene Nacht sei, abgesehen von den Nächten, in denen ich geboren habe, die anstrengendste Nacht meiner Karriere als Mutter gewesen. Das Prinzchen mochte noch so verzweifelt nach Schlaf suchen, er blieb ohne Erfolg. Er schrie und wimmerte und jammerte dass es uns fast das Herz brach. Und um den Verstand brachte. Denn wir konnten einfach keinen Grund für sein Verhalten finden. Wir hatten alles abgecheckt, wie dies frischgebackene Eltern eben tun. Doch einen Grund fanden wir nicht.

Und so stand ich da, mit dem übermüdeten Prinzchen auf dem Arm, vor lauter Müdigkeit nicht einmal mehr im Stande, mich aufzuregen. Was ein Segen war. Denn früher hätte ich bei solcher Gelegenheit Schoppenflaschen an die Wand geschmissen oder Türen geknallt. Jetzt aber empfand ich nur noch Mitleid mit dem kleinen Menschlein auf meinem Arm. Und mit mir selber, die ich nicht einmal sitzen durfte, weil sonst das Prinzchen wieder entrüstet aufschreien würde. Und mit „Meinem“, der irgendwann angefangen hatte, Prüfungen seiner Schüler zu korrigieren, weil er bei dem Gebrüll nicht schlafen konnte und das Prinzchen seine Hilfe noch heftiger ablehnte als meine.

Irgendwann, gegen sechs Uhr, schlief das Menschlein endlich ein auf meinem Arm. Da lag er, unschuldig wie ein kleiner Barockengel. Als wäre nie etwas gewesen. Endlich durfte ich mich hinsetzen, was er zwar auch im Tiefschlaf mit einem heftigen Zappeln quittierte. Doch das war mir jetzt egal. Irgendwann war er dann so weggetreten, dass ich ihn in sein Bettchen legen konnte. Aber da war auch schon der Tag angebrochen, vier weitere übermüdete Kinder warteten auf uns.

Schönen Sonntag allerseits!

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Ein kleines bisschen weiser geworden

Heute stand mal wieder eine Kundgebung gegen den Klimawandel auf dem Programm. Die Kinder sollen ja frühzeitig für das Thema sensibilisiert werden. Neben vielen guten Eindrücken, einem klitzekleinen schlechten Gewissen, weil wir immer noch Mineralwasser trinken und schönen Erinnerungen an eine gute Zeit mit Freunden, bringe ich auch einige Einsichten von Bern mit nach Hause:

1. Wenn „Meiner“ vor der Abfahrt sagt, der FeuerwehrRitterRömerPirat dürfe sein Römerschwert mitnehmen, das Ding sei ja so klein und leicht, dann gebe ich in Zukunft nicht mehr nach. Denn wer ist schliesslich den ganzen Nachmittag mit dem doofen Plastikschwert über den Bundesplatz gezogen? Na, wer wohl! Und ich kann Ihnen versichern: Schwerterschwingende Mütter sind in linksgrünen Kreisen nicht sonderlich gern gesehen.

2. Zu einer Kundgebung nimmt man einen Rucksack mit und keine Handtasche. Der Regenschirm mag dort drin zur Not ja noch Platz finden, Karlssons Mütze auch noch. Aber wenn die Kinder dann  Prospekte anschleppen, Jo-Jos von Greenpeace, Schlüsselanhänger vom VCS, wenn dann noch die afrikanischen Kochbananenspiesschen an mir hängen bleiben, dann wird es in der Handtasche definitiv zu eng.

3. Zu einer Kundgebung mitten im Oktober, wenn es trotz Klimaerwärmung schon empfindlich kalt ist, trägt man keine grünen Ballerinas. Auch nicht Rote, oder Gelbe, oder Blaue. Und schon gar nicht trägt Luise Schwarze. Das Gejammer über kalte Füsse ist einfach zu viel. Und man darf das Kind nicht mal zurechtweisen, weil man selber kein anständiges Schuhwerk trägt.

4. Mag mein Herz noch so sehr links schlagen, meine Einstellung noch so grün sein, mein Musikgeschmack bleibt klassisch. Mögen die anderen sich noch so sehr für Stille Hasen, Waterlilies und dergleichen begeistern, mir selber dröhnt nur der Schädel. In diesem Bereich werde ich wohl immer ein Outsider bleiben an solchen Anlässen.

5. Vor Coop hast du nirgendwo deine Ruhe. Nicht mal am Klimafest. Auch dort muss eine Sprecherin des Unternehmens auf der Bühne stehen und aller Welt erzählen, wie absolut umweltfreundlich Coop sei. Dass für die hochgelobte  Minergie-Coopfiliale in unserem Dorf zwei andere in der Region geschlossen wurden, so dass jetzt die Kunden mit dem Auto kommen müssen, darf man ja getrost ausblenden…

6. Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat sagt, er wolle beim WWF auch Wasser degustieren, dann will er das wirklich. Und zwar aus einem eigenen Becher und nicht aus dem von Luise. Wer sich also wundert, woher die tiefen Schleifspuren quer über den Bundesplatz stammen,  weiss jetzt, dass sie von einem ziemlich starrköpfigen Fünfjährigen verursacht wurden, der sich unter den teils belustigten, teils verärgerten Blicken der andern Anwesenden von seiner Mama vom Platz zerren lassen musste, weil wir sonst den Zug verpasst hätten.

Trotz allem: Der Ausflug hat sich gelohnt. Karlsson hat seine Botschaft zur Rettung der Eisbären nach Kopenhagen gesandt (ab morgen unter  www.rechtaufnahrung.ch zu sehen), ich habe eine Initiative unterschrieben und wir alle sind uns einmal mehr bewusst geworden, dass es auf dieser Welt so nicht weitergehen kann. Und heute Nacht werde ich gut schlafen. Ich habe nämlich dem WWF versprochen, dass ich zwar nicht auf Mineralwasser verzichten werde, mir aber sonst etwas ausdenken werde, um meinen ökologischen Fussabdruck zu verkleinern.

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Kriegsbemalung

Wenn „Meiner“ sehr sehr müde ist, hat er die Angewohnheit, sich spät abends, bevor er ins Bett geht, etwas ins Gesicht zu malen. Einen blauen Streifen auf die Nase zum Beispiel, oder schwarze Linien am Kinn, oder einen grossen, grellroten Punkt zwischen die Augenbrauen. Weshalb er dies tut, habe ich auch nach mehr als elf Ehejahren noch nicht herausgefunden, aber das ist nicht weiter schlimm. Die kleinen Mysterien sind es ja, die eine Partnerschaft auch nach Jahren noch spannend halten. Und so habe ich mich eben daran gewöhnt, ab und zu mal neben einem Indianer in voller Kriegsbemalung einzuschlafen.

Die Sache hat nur einen Haken: Weil „Meiner“ die Bemalung jeweils in Halbtrance anbringt, erinnert er sich nächsten Morgen nicht immer daran, sie wegzumachen. Und so kam es, dass er heute früh, als er Luise zu einem Ferienkurs bei der Feuerwehr brachte, noch immer einen grellroten Punkt zwischen den Augenbrauen hatte. Und zwar einen riesigen, unübersehbaren. Von seiner Kriegsbemalung nichts ahnend, unterhielt sich „Meiner“ angeregt mit diversen Müttern und Vätern, und weil diese „Meinem“ nicht zu nahe treten wollten, machten sie ihn auch nicht darauf aufmerksam. Diese Aufgabe blieb mir überlassen. Mal sehen, ob die anderen Eltern ihre Kinder je wieder bei uns spielen lassen, wenn „Meiner“ zu Hause ist.

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Prioritäten

Vielleicht hat sich nach meinem gestrigen Beitrag der eine oder die andere LeserIn gefragt, weshalb ausgerechnet ich zuständig sein soll für herumliegendes Spielzeug und partnersuchende Schuhe. Und es stimmt ja auch: Meistens bin nicht ich diejenige, welche die Sachen liegen lässt. Aber es ist nun mal so, dass auch meine Kinder Prioritäten setzen. Und sonderbarerweise steht Aufräumen ziemlich weit unten auf ihrer Prioritätenliste, gleich nach den Posten „Impfungen“, „Zähne ziehen“ und „Rosenkohl essen“. Düstere Aussichten für unseren Haushalt also.

Noch düsterer sieht es aus, wenn man bedenkt, dass Karlsson und Luise mir jetzt schon in den Ohren liegen, sie möchten auch „endlich“ bloggen. Was, wenn wir dereinst alle unser Dasein hinter dem Bildschirm fristen?

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Welcher Haushalt denn?

In letzter Zeit werde ich öfters gefragt, wie ich es überhaupt schaffen würde, so viel zu bloggen. Ich hätte daneben ja noch eine ziemlich grosse Familie zu versorgen. Nun, die Frage müsste eigentlich nicht lauten, wie ich es schaffe, soviel zu schreiben. Sie müsste lauten: „Wie sieht denn dien Haushalt aus?“ Worauf ich zurückfragen würde: „Welcher Haushalt denn? Ach so, du meinst jenes endlose Chaos aus herumliegenden Spielsachen, gefalteter Wäsche, die darauf wartet, endlich im Schrank zu verschwinden, Schuhen, die im Treppenhaus auf Partnersuche sind und Grünabfällen, die auf dem Balkon vor sich hin gammeln.“ Wenn mich der Fragende dann fragend ansehen würde, würde ich sagen: „Tja weisst du, als Hausfrau muss man eben Prioritäten setzen. Lieber ein chaotischer Haushalt mit einer halbwegs zufriedenen Hausfrau als ein perfekt aufgeräumter Haushalt mit einer Kratzbürste.“

Wobei: Eine Kratzbürste bin ich auch dann, wenn ich halbwegs zufrieden bin…

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Vollzeithausfrauenfrusttag

Heute war mal wieder Vollziethausfrauenfrusttag. Einer jener Tage, an denen du es so satt hast, fünfmal das gleiche Geschirr in die Finger zu nehmen, mal schmutzig, mal sauber. Einer jener Tage, an denen du mit dem Besen mehr Körperkontakt hast als mit deinem Mann, weil du unzählige Male die gleichen Böden sauber machen musst. Einer jener Tage, an denen du die Kinder anbrüllst, sie sollten endlich aufhören zu brüllen, weil du sonst dein eigenes Gebrüll nicht mehr verstehen kannst. Kurz: Ein wunderbarer Tag. Ein Tag, um dir Gedanken zu machen, was du an deinem Leben ändern könntest, damit es besser wird.

Du könntest zum Beispiel damit anfangen, die Duplosteine der Kinder in der Waschmaschine zu waschen. Muss anscheinend ziemlich befriedigend sein. Ich jedenfalls werde nie das Strahlen in den Augen der jungen Mutter vergessen, die mir vor Jahren einmal erzählt hat, sie wasche die Duplosteine ihres Sohnes regelmässig. Mache zwar ein wenig Lärm, aber die Steine seien danach wirklich wieder sauber.

Oder du könntest ab morgen sämtliche Unterwäsche deiner Kinder bügeln. Wenn du noch weisst, wo das Bügeleisen ist und wie es zu bedienen ist. Und wenn du schon am Bügeln bist, könntest du gleich noch durchsetzen, dass die ganze Familie auf die Grippesaison hin nur noch Stofftaschentücher benützt. Damit du noch etwas mehr zum Bügeln hast, falls dir die Unterwäsche ausgehen sollte.

Oder du könntest damit anfangen, Adventsdekorationen zu basteln. Und wenn du schon am Basteln bist, gleich noch für Ostern vorbereiten und  für den nächsten Kindergeburtstag.

Wie, meine Vorschläge sind doof? Aber natürlich sind sie das. Doch wenn ich mir die Frauen ansehe, die in ihrer Rolle als Vollzeithausfrau völlig aufgehen, sehe ich, dass sie all dies und noch viel mehr tun. Und sie sind glücklich dabei. Vielleicht wäre ich das ja auch, wenn ich mich nur endlich dazu durchringen könnte, eine richtige Hausfrau zu werden. Vielleicht aber auch nicht…

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Was darf’s denn sein, mein Prinzchen?

Des Prinzchens erster Geburtstag naht und so langsam wird es Zeit, dass ich mich mal bei Ricardo umschaue. Nur so als Inspiration. Ich habe ja keine Ahnung, was man einem Einjährigen schenken könnte…

Tja, bei Ricardo gäbe es da so einiges. Zum Beispiel das „Hüpfpferd, Hüpf-Pferd. Hüpf Pferd“. Ist in perfektem Zustand, aber wenn das Ding genauso sprunghaft ist wie die Orthographie des Verkäufers ist das wohl nichts für unser Prinzchen. Der steht ja noch nicht einmal ganz sicher auf seinen Beinchen. Vielleicht wäre der „Winnie the Pooh auf fahrende Schildkröte“ besser geeignet, da bestimmt etwas langsamer. Sieht aber nicht nur langsam, sondern auch langweilig aus. Noch langsamer ist bestimmt der „Spielzeug schneck“. Aber vielleicht kriegt das Prinzchen einen Schreck, wenn wir ihm einen Schneck schenken. In der Menagerie der Spieltiere gibt es auch noch das „Lernlauf Hündli“. Was aber, wenn das Lauflern-Tier einen Leerlauf hat und das Prinzchen auf wackeligen Beinchen stehen lässt? Lassen wir’s lieber bleiben, suchen wir weiter.

Da wäre ein „Schwein mit Lärm“ günstig abzugeben. Normalerweise wird Lärm bei Spielzeugen ja so wunderbar euphemistisch umschrieben: „Spielt zehn verschiedene Melodien“, oder „lustige Töne auf Knopfdruck“, oder „fördert die musikalische Früherziehung“. Wenn aber der Verkäufer das Ding bereits „mit Lärm“ anbietet, muss es wirklich laut sein. Also nichts für unsere sonst schon eher laute Familie. Dann kaufe ich vielleicht doch lieber „viele spielzeug für kleine kind“. Oder was halten Sie von folgendem Angebot: „Kinder bis 36 Mte. Fr. 1.-, gebraucht“? Da erzählt man den Kindern immer, sie wären unbezahlbar und ein anderer bietet seine für einen Franken bei Ricardo an? Nein, so schlimm ist es nicht. Wenn man ganz genau hinsieht, findet man den Vermerk „wagen den man zusammenklappen kann (barbiespielzeug)“.

Nun, mitten in all dem Kram finde ich dann doch noch einige Angebote, die mir zusagen. Pessimistisch, wie ich nun mal bin, biete ich auf alle. Bleibt zu hoffen, dass ich beim einen oder anderen überboten werde. Sonst ersäuft das Prinzchen am ersten Geburtstag in seinen Geschenken.

Wobei. Eigentlich möchte ich nicht überboten werden. Denn das Babyzeug ist so unglaublich hübsch (hätte fast „süss“ geschrieben, aber ganz so schlimm steht’s noch nicht um mich), dass ich unbedingt alles haben muss.

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