Teenager-Sorten

Bis jetzt haben wir zwei Sorten Teenager im Hause.

Die eine Sorte geht voll auf Konfrontation. Nicht böswillig oder mit dem Ziel, Regeln zu brechen, sondern eher aus einem übermässigen Drang, gross sein zu wollen. Meist ist sich dieser Teenager nicht bewusst, dass die Türen, die er einrennen will, eigentlich offen stünden und so kommt es hin und wieder zu einem Knall, weil irgendwo, weit hinter der offenen Tür, halt doch eine Wand steht, gegen die man prallt, wenn man mit voller Geschwindigkeit angestürmt kommt. Eine Wand, die da heisst: „Eigentlich hätten wir ja nichts dagegen, aber so geht das nicht. Schon gar nicht in diesem Ton.“ Nicht selten kommt es vor, dass ein auf diese Weise erstrittener Wunsch seinen Reiz verliert, sobald er theoretisch gewährt wäre und so sitzen Eltern und Teenager bald wieder in seliger Eintracht beieinander. 

Die zweite Sorte hält wenig von Auseinandersetzungen und darum wird jeder Wunsch mit vielen nachvollziehbaren Begründungen vorgebracht. Es sieht ganz danach aus, als würde an diesen Begründungen so lange im stillen Kämmerlein gefeilt, bis es keine Lücke mehr gibt, durch die ein elterliches Nein schlüpfen könnte. So richtig streiten muss man sich auf diese Weise natürlich nicht, allerdings merken die Eltern oft erst spät, dass sie um den Finger gewickelt worden sind. Eine Wand gibt es allerdings auch hier, aber die macht vor allem der Glucke zu schaffen, die gelegentlich mit mir durchbrennen will. „Ich kann das wirklich alleine, du brauchst dich nicht weiter darum zu kümmern“, heisst diese Wand und sie steht so bestimmt im Raum, dass die Glucke, die dagegen angerannt ist, sich beleidigt die Beule an der Stirne reibt, während ich hämisch grinsend bemerke: „Hab‘ dir doch gesagt, dass du nicht mehr gefragt bist.“

Man darf gespannt sein, wie sich die dritte Sorte entwickelt. 

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Zoff mit der Glucke

„Wie geht es dir denn so?“, fragte mich neulich eine entfernte Bekannte und wie man eben sagt, wenn Menschen, die einem nicht besonders nahe stehen, antwortete ich: „Ganz gut, danke“ und obschon das sehr oberflächlich klingt, meinte ich es mehr oder weniger so, wie ich es sagte. Nach ein paar Minuten Smalltalk trennten sich unsere Wege, aber ich blieb nicht lange alleine, denn die Glucke gesellte sich zu mir.

Glucke: „Bist du von Sinnen? Du behauptest, dir gehe es gut, dabei sind doch da die Kinder…“

Ich (ungeduldig, denn ich hatte gerade absolut keine Lust auf die Glucke): „Die Bekannte hat nach meinem Befinden gefragt, nicht nach dem Befinden der Kinder.“

Glucke (verständnislos): „Und wo ist da der Unterschied? Geht es den Kindern gut, geht es dir auch gut, geht es den Kindern schlecht, geht es dir auch schlecht. Ist doch ganz einfach.“

Ich: „Na ja, oberflächlich betrachtet, hast du bestimmt recht. Die Sorge um die Kinder kann einen tatsächlich ganz schön in Beschlag nehmen. Bei genauerem Hinsehen, kann ich aber sagen, dass mein Leben momentan viel näher an dem dran ist, was ich schon immer angestrebt habe. Ich bin also ganz zufrie…“

Glucke (unterbricht mich empört, schreit beinahe): „Zufrieden? Wolltest du wirklich zufrieden sagen? Ist dir Zoowärters Bauchweh denn egal? Und Luises Kopfweh? Karlssons Prüfung? Die Sorgen des FeuerwehrRitterRömerPiraten? Prinzchens Grippe? Geht dir das alles am A… vorbei?“

Ich: „Himmel, nein, natürlich ist mir das alles nicht egal und es beschert mir auch mehr als genug schlaflose Nächte, aber die Frage lautete nicht, wie es den Kindern geht, es ging ausnahmsweise mal um mein Befinden und das ist momentan eigentlich ganz gut. Mal abgesehen davon, dass mein Schreiben unter den aktuellen Umständen leidet und ich manchmal ziemlich gestresst bin wegen der vielen Arzttermine…“

Glucke: „Mir wird gleich schlecht vor so viel Egoismus. Die jammert doch tatsächlich über Arzttermine und mangelnde Zeit, um sich selbst zu hätscheln. Und dann klagt sie auch noch, die Leute würden zu wenig nach ihr fragen.“

Ich: „Wann, bitte sehr, habe ich mich beklagt, die Leute würden zu wenig nach mir fragen?“

Glucke: „Na, gerade eben. Dieses ‚ausnahmsweise‘, das du da eingeschoben hast, hat Bände gesprochen. Du möchtest also lieber gefragt werden, wie denn das Befinden der verwöhnten Prinzessin sei, die wegen ihrer Brut vom Schreiben abgehalten wird?“

Ich: „Nun hör schon auf, mir Dinge in den Mund zu legen, die ich so nicht gesagt habe. Dieses ‚ausnahmsweise‘ sollte nur darauf hinweisen, dass ich derzeit sehr viel Zeit damit verbringe, mit anderen Leuten über die Sorgen meiner Kinder zu sprechen. Manchmal muss ich da einfach wieder etwas Abstand gewinnen, um dankbar sagen zu können, dass das Leben trotz aller Schwierigkeiten, die wir derzeit zu meistern haben, eigentlich ganz gut ist. Man wird ja wohl noch differenzieren dürfen, ohne gleich als Rabenmutter abgestempelt zu werden.“

Glucke (mit Tränen in den Augen): „Differenzieren? Wenn dein eigen Fleisch und Blut schwierige Zeiten durchmacht, wird nicht differenziert, dann wird gefälligst mitgelitten und zwar so, dass du, wenn du nach deinem Befinden gefragt wirst, nur noch in Tränen ausbrechen kannst. So macht man das, wenn man ein Herz in seiner Brust hat.“

An diesem Punkt wurde mir einmal mehr bewusst, wie unmöglich es ist, mit der Glucke ein halbwegs vernünftiges Gespräch zu führen. Ich liess sie links liegen, wandte mich dem Zoowärter zu und fragte: „Wie geht es dir denn heute?“ „Meinem Bauch überhaupt nicht gut“, antwortete er, „aber ich könnte platzen vor Freude, wenn ich daran denke, dass mich morgen mein bester Freund besuchen kommt.“

Da siehst du mal, meine liebe Glucke, wie gut das geht mit dem Differenzieren…

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Gleich um die Ecke

Das Spannende an der Schweiz ist ja, dass man nur ein paar Kilometer reisen muss, um in eine ganz und gar andere Welt zu gelangen. Diesmal bin ich an einem Ort gelandet,

  • wo es Menschen gibt, die sich offiziell Wisel nennen und gäbe es Google nicht, wüsste man nicht, ob das ein ernst gemeinter Vorname oder eine ziemlich schräge Verballhornung ist. (Glaubt bloss nicht, ich würde euch die Antwort liefern, selber denken macht schlauer.)
  • wo Frauen in Netzstümpfen, hochhackigen Stiefeln und ultrakurzem Mini am Brunnen vor dem Kloster das (in meinen Augen angeblich) heilige Wasser gleich kanisterweise abfüllen.
  • wo Anzugsträger zwischen zwei Terminen das gleiche (in meinen Augen angeblich) heilige Wasser gierig vom Brunnen trinken. 
  • wo am Sonntagmorgen alle Richtung Klosterkirche strömen, du als einzige gegen den Strom gehst und deshalb andauernd vom Trottoir gedrängt wirst, was dir auch ganz recht geschieht, wo du dich mit deinem gegen den Strom-Gehen zweifelsfrei als Ketzerin entlarvst.
  • wo ein gestandener, elegant gekleideter Herr ein riesiges Goldkreuz an einer Halskette spazieren führt.  
  • wo man es sich trotz offensichtlicher Frömmigkeit nicht nehmen lässt, am vierten Advent sämtliche Geschäfte offen zu haben. 
  • wo die Einwohner offenbar nicht nur einander mit Vornamen kennen, sondern auch noch wissen, wie der Hund an der Leine heisst.

Wahrlich ein spannender Ort für eine, die gerne beobachtet, ohne dazu zu gehören und darum habe ich mich von „Meinem“ dazu überreden lassen, eine Nacht länger zu bleiben. Die Glucke weiss noch nichts davon. Ich schätze mal, das gibt ein Donnerwetter, wenn ich am Dienstag um die Mittagszeit nach Hause komme.

Ich habe ihr zur Besänftigung schon mal ein paar Lebkuchen gekauft. Die sind hier nämlich besonders schön. 

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Batterien aufladen

Ich: „Ich brauche ganz dringend Ferien…“

Glucke: „Ferien? Spinnst du? Du kannst doch deine Kinder jetzt nicht im Stich lassen.“

Ich: „Ich lasse sie doch nicht im Stich. Ich brauche nur mal ein paar Tage Ruhe nach diesem anstrengenden Jahr.“

Glucke: „Du liebst sie nicht mehr!“

Ich: „Natürlich liebe ich sie, aber ich bin einfach hundemüde und möchte wieder mal einen klaren Kopf bekommen.“

Glucke: „Müde, müde, müde… Immer dieses Gejammer. Du hast keinen einzigen Grund, müde zu sein.“

Ich: „Natürlich habe ich einen Grund…oder vielmehr Gründe. Schwiegermama, die mich in den ersten Monaten des Jahres voll in Anspruch genommen hat, die viele Arbeit, die ich dann nachholen musste, Frankreich…“

Glucke: „Frankreich war doch herrlich. Den ganzen Tag mit den Kindern.“

Ich: „Klar war es herrlich, aber im Gegensatz zu ‚Meinem‘ und den Kindern hatte ich keine Ferien, sondern einfach mein übliches Familien- und Berufsleben an einem anderen Ort mit unfreundlicheren Nachbarn.“

Glucke: „Aber du hattest deine Kinder um dich…“

Ich: „Ja, das hatte ich und ich habe es genossen. Zeit, um mal ein wenig nachdenken hatte ich trotzdem nicht. Und nach Frankreich kam der Garten, dann Luises Unfall und jetzt sind sie alle krank…“

Glucke: „Genau, sie sind krank und du willst sie einfach ihrem Schicksal überlassen.“

Ich: „Ich überlasse sie nicht ihrem Schicksal, ich überlasse sie ihrem Vater.“

Glucke: „Ihrem Vater, der selber ganz dringend Ferien braucht. Und der sie übers Wochenende von einem Termin zum andern karren muss. So ein Stress…“

Ich: „Der gleiche Stress wie immer und ich muss das ja auch immer wieder ohne ihn schaffen, wenn er am Unterrichten ist.“

Glucke: „Mag sein, aber du verpasst das Weihnachtstheater, in dem Karlsson und Luise mitmachen. Das muss dir doch das Herz brechen…“

Ich: „Wie viele Weihnachtstheater habe ich in meiner Mütterkarriere schon gesehen?“

Glucke: „Man kann nie genug bekommen von Weihnachtstheatern, in denen die eigenen Kinder mitspielen.“

Ich: „Meiner kann’s ja für mich filmen.“

Glucke: „Nur ein herzloses Miststück wie du kann eine Filmaufnahme als gleichwertigen Ersatz ansehen.“

Ich: „Himmel, ich bin kein herzloses Miststück, ich will nur mal wieder ein paar Tage schlafen, lesen, schreiben und in Museen herumirren.“

Glucke: „Ein herzloses, egoistisches Miststück…“

Ich: „Nein, eine verantwortungsvolle Mutter, die weiss, dass sie hin und wieder die Batterien aufladen muss, wenn…“

Glucke: „Oh ja, genau, verantwortungsvoll… Und das am vierten Advent…“

Ich: „Genau, am vierten Advent. Das mit den freien Tagen vor Weihnachten hat bei mir ja schon fast Tradition.“

Glucke: „Du hattest auch mal die Tradition mit dem Weihnachtsstollen. Davon habe ich dieses Jahr noch nichts mitbekommen…“

Ich: „Dann warst du offensichtlich nicht aufmerksam genug. Gerade vor zehn Minuten habe ich die kandierten Früchte eingelegt.“

Glucke: „Das ist aber reichlich spät…“

Ich: „Spät, aber nicht zu spät.“

Glucke: „Trotzdem: Dein Egoismus ist schon fast Programm. „

Ich: „Noch einmal, das ist kein Egoismus. Ich gönne mir die Pause ja nur, damit ich an Heilig Abend mit frisch aufgeladenen Batterien meine Kinder nach Strich und Faden verwöhnen mag.“

Glucke: „Seit wann verwöhnst du die Kinder? Das ist mein Job.“

Ich: „Du hast ja keine Ahnung, wie gut ich mit frisch aufgeladenen Batterien verwöhne…“

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Flügge?

Die Glucke heute Abend zu mir, den Tränen nahe: „Hast du gehört? Er will ausziehen! Einfach so, mit Sack und Pack. Dabei haben wir ihm doch eben erst sein Zimmer neu eingerichtet, haben die Wände neu gestrichen und alles so schön gemütlich gemacht für ihn. Wie kann er da auf so eine Idee kommen?“ Ich schaue die Glucke verständnislos an, habe keine Ahnung, was sie da wieder faselt. „Nun sag schon was! Du kannst ihn doch nicht einfach so ziehen lassen“, jammert sie. „Also, äääähm, ich weiss nicht so recht…“, fange ich an, aber sie fällt mir ins Wort. „Bricht es dir denn nicht fast das Herz, wenn er dir sagt, dass er weg will? Er ist doch noch so klein und hilflos. Er kann doch nicht einfach gehen.“ Ich habe noch immer keinen Schimmer, was das soll, aber ich kann gar nicht erst fragen, denn die Glucke jammert weiter: „Du musst ihm das ausreden. Er kann das noch nicht. Denk nur, wie einsam und elend er sich in der Nacht fühlen wird. Er wird nicht mehr schlafen können, nicht mehr essen und elendiglich verkümmern, der arme Kleine…“ Bei diesen letzten Worten kann die Glucke nicht mehr, sie heult hemmungslos. Da endlich gelingt es mir, meine Frage zu stellen: „Von wem redest du eigentlich? Wer will denn ausziehen?“ „Na, wer wohl?“, fragt sie zwischen zwei Schluchzern zurück. Einmal mehr schaue ich verständnislos, denn ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass einer davon geredet hat, das Nest zu verlassen. Also frage ich erneut, wen sie denn meine. „Das Prinzchen natürlich“, presst sie unter Tränen hervor und da endlich dämmert mir, was los ist. Unser Jüngster hat heute Abend nämlich durchblicken lassen, dass er sein Zimmer nicht mehr länger neben Mama und Papa haben möchte, sondern lieber nach oben zu den Grossen ziehen will. Und während ich bei dieser Nachricht höchstens murmelte: „Bitte nicht schon wieder Kinderzimmer umräumen!“,  brach die Glucke in Panik aus und sah ihr Prinzchen flügge werden. 

Tja, so verschieden sind wir eben, die Glucke und ich. 

luna piena; prettyvenditti.jetzt

luna piena; prettyvenditti.jetzt

Letzter erster Schultag

Natürlich hat sie ein wenig geheult. Jede Glucke heult ein wenig, wenn sie ihren Jüngsten in die Klauen der Schule übergeben muss. In solchen Momenten ist es der Glucke egal, dass ihr Jüngster durchaus willig und bereit ist, endlich offiziell zu lernen, was er schon längst von den grossen Geschwistern abgeschaut hat. Sie blendet auch aus, dass die Schule heute die Erstklässler nicht mit dem bei den grossen Geschwistern üblichen Kasernenhofton, sondern mit einem freundlichen Lächeln und einem Glückskäfer empfing. Ja, nicht einmal die Tatsache, dass ich mir diesen Tag seit Wochen herbeigesehnt habe, weil endlich etwas Ruhe im Haus einkehrt, vermag sie daran zu hindern, ein paar Tränen zu verdrücken und auf dem Heimweg über diese „unbeschreibliche Leere“, zu klagen, die sich in ihr breit macht. 

Ich finde ja, die Glucke übertreibe mal wieder gewaltig. Noch nie konnten wir einem ersten Schultag so unbesorgt entgegen sehen. Eine neue Lehrerin, die ihre Schützlinge mit Herzlichkeit empfängt und über die noch kein grosser Bruder und keine grosse Schwester je ein böses Wort hat verlieren können, weil sie in der Familie noch gänzlich unbekannt ist. Ein vor Selbstbewusstsein strotzendes Kind – Hat man schon je zuvor einen Venditti gesehen, der sich am allerersten Schulmorgen freiwillig zu Worte meldet? -, das seine Mutter ermahnt, sie solle dann bitte nicht stören, wenn die Eltern noch kurz im Schulzimmer bleiben dürfen. Eine Mutter, die überreif ist, endlich mal wieder so etwas wie ein eigenes Leben zu leben. Viel besser könnten die Startbedingungen nun wirklich nicht sein. 

Aber für eine wahre Glucke spielen solche Dinge keine Rolle. Sie sieht nur, wie ihr kleines, zartes Prinzchen oben auf der grossen Schulhaustreppe steht und schon fliessen die Tränen. Dass dieses kleine, zarte Prinzchen dabei ein ziemlich freches „Nun krieg dich wieder ein, Mama“-Grinsen auf dem Gesicht hat, macht die Sache für sie nicht einfacher…

best mom award; prettyvenditti.jetzt

best mom award; prettyvenditti.jetzt

Gluckenfreie Zone

Bei Luise hat die Glucke nichts zu melden, das weiss ich schon, lange und spüren tue ich es noch viel länger, vielleicht schon seit jenem Tag, an dem sie wie ein Champagnerkorken aus mir rausgeflogen kam und mit wachem Blick aus grossen, himmelblauen Augen den Gebärsaal inspizierte. Klar, auch Luise ist Sentimentalitäten gegenüber nicht ganz abgeneigt, aber den Zeitpunkt für solche Dinge bestimmt sie und dann sind wir gefälligst gemeinsam sentimental. Aber dass Mama einfach so ein wenig die Glucke loslässt, bloss weil Töchterchen für ein paar Tage ins Ski- oder Jungscharlager fährt, sowas geht bei Luise nicht. Und weil man bei so einer Glucke nie ganz sicher sein kann, ob sie nicht doch noch im dümmsten Moment angerannt kommt, tanzt Luise in den Tagen von der Abreise so gekonnt auf meinen Nerven rum, dass sie am Vorabend ganz vergnügt zu mir sagen kann: „Mama, bist du nicht froh, mich für ein paar Tage los zu werden?“ und offen gestanden wäre mir das eine oder andere Mal schon fast ein „Ja, eigentlich schon“ rausgerutscht. Dieses Verhalten bringt durchaus auch Vorteile mit sich, denn ist es Luise erst mal gelungen, die Glucke in ihre Schranken zu weisen, darf ich meine Tochter nicht nur zum Reisecar begleiten – etwas, was mir Karlsson nie erlaubt hätte -, ich darf sie sogar vor den Augen ihrer versammelten Schulklasse umarmen. 

Was Luise nicht weiss und was ich ihr auch ganz bestimmt nie sagen werde: Die Glucke ist sehr wohl dabei, wenn ich meine Tochter verabschiede, sie hält sich einfach so lange wie nötig still. „Du lässt zu, dass Luise mit einem Reisecar verreist?“, fragte sie heute früh ganz entsetzt. „Du weisst aber schon, was passieren kann, wenn so ein Chauffeur nicht richtig gut aufpasst?“

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