Seit drei Wochen nun schon das gleiche Muster: Montag bis Freitag das übliche Karussell mit kranken Kindern, Arbeit, Haushalt und nahezu verpassten Terminen, am Samstag der aufrichtige Versuch, trotz Aufräumwut und anderen Pflichten das Familien- und Eheleben zu geniessen, am Sonntag von Käfern belagert im Bett oder auf dem Sofa. Am Montag dann wieder aufrappeln, denn Dinge liegen lassen geht nun mal nicht. Okay, ich sehe ja durchaus auch die positiven Seiten an dieser Routine. Immerhin schaffe ich es so, die Sonntagspresse von vorne bis hinten durchzuackern. Und meiner Linie bekommt es auch nicht schlecht, wenn ich kaum einen Bissen herunterkriege. Aber wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat vom Kindergottesdienst nach Hause kommt und seine schlafende Mama an die Stirn tippt um herauszufinden, ob sie noch lebt, dann ist das für mich ein Zeichen, dass es jetzt endlich reicht mit diesen elenden Seuchen. Also, meine lieben Käferchen, sucht euch endlich ein anderes Opfer, vorzugsweise eines ausserhalb meines Familienkreises, denn wenn ihr während der Woche meine lieben Kinderlein oder „Meinen“ attackiert, dann kann ich mir den Platz auf dem Sofa für nächsten Sonntag heute schon reservieren.
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Und sie lieben sich doch…
Oh ja, sie wissen, wie man sich streitet, unsere fünf. Ein schräger Blick, ein falsches Wort und schon fliegen die Fäuste, oder es fliessen die Tränen, je nach Temperament und Tagesform. Ziemlich nervenaufreibend das Ganze, vor allem, weil sich das Spiel Tag für Tag in unterschiedlicher Besetzung und in variierender Heftigkeit wiederholt. Doch dann gibt es diese Tage, die so ganz anders sind. Tage, an denen die fünf zusammenhalten wie Pech und Schwefel.
Zum Beispiel heute, als für Luise so ziemlich alles schief ging. Es begann am frühen Morgen damit, dass ihr heiss geliebter Wachtel-Hahn namens Waldemar Leopold seine vier Hennen verliess und das Weite suchte. Schuld daran war Karlsson, der das Türchen einen Augenblick zu lange offen gelassen hatte. An normalen Tagen hätte Luise versucht, ihrem grossen Bruder den Hals umzudrehen und er hätte die Schuld an der Flucht weit von sich gewiesen. Aber heute war kein normaler Tag und darum machten sich die zwei sofort auf die Suche nach dem flüchtigen Waldemar Leopold. Nun ist es leider so, dass es auf dieser Welt Erwachsene gibt, die der festen Überzeugung sind, dass freilaufende Kinder immer Böses im Schilde führen. Einem solchen Erwachsenen begegneten unsere Kinder bei der Suche. Luise, für die dieser Erwachsene nur unter dem Titel „der böse Mann“ läuft, suchte entsetzt das Weite, als sie ihn sah, Karlsson aber stellte sich ihm tapfer entgegen und erklärte, dass sie nur einen entlaufenen Wachtel-Hahn suchen würden. Es nützte nichts, der Mann machte die Kinder trotzdem zur Schnecke, was zur Folge hatte, dass nun auch der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter sich in die Suche einschalteten. Soll doch kein Erwachsener glauben, er könne die Jungs daran hindern, ihrer Schwester zu helfen…
Nun, die Suche war leider erfolglos, Waldemar Leopold blieb verschwunden und hätte sich kein Unfall ereignet, so wäre Luise wohl doch noch auf den Gedanken gekommen, Karlsson mit Vorwürfen zu überschütten. Aber es ist hinlänglich bekannt, dass ein Unglück nicht gerne alleine bleibt und so war es eigentlich nicht erstaunlich, dass die Nachbarin nach dem Abendessen mit einer weinenden Luise, welcher das Blut über die linke Wange strömte, in der Küche stand. Das arme Kind hatte beim Velofahren nicht mehr bremsen können, ausgerechnet heute, wo sie keinen Helm trug. Luises Gehirn war erschüttert, ihre Brüder ebenso. Der FeuerwehrRitterRömerPirat griff sogleich zu Papier und Bleistift, um den Unfall bildlich festzuhalten, danach streichelte er seine weinende Schwester liebevoll und holte ihr ohne Murren alles, was sie von ihm brauchte. Der Zoowärter erinnerte sich indessen an das Bibelwort, dass man mit den Weinenden weinen solle und das Prinzchen berichtete ganz verstört dass „meine Schwester ganz fest blutet“. Am schlimmsten aber erwischte es Karlsson, der es kaum ertragen konnte, dass Luise, die er an gewöhnlichen Tagen so gerne piesackt, heute so viel einstecken musste. Wieder und wieder entschuldigte er sich unter Tränen für seine Unachtsamkeit, wieder und wieder beruhigte ihn Luise, die vor lauter Schmerzen kaum reden konnte.
Als abends später als gewöhnlich endlich Ruhe eingekehrt war, hätte man eigentlich erwarten können, dass „Meiner“ und ich ziemlich geschafft wären. Waren wir auch, aber nicht ganz so schlimm wie sonst, denn wenn die fünf zusammenhalten ist das Leben eindeutig leichter, als wenn man alle drei Minuten den Schiedsrichter machen muss.
Was soll der Kleine bloss denken von uns?
Nach einer Woche, in der ich gut das Doppelte meiner vorgesehenen ausserhäuslichen Arbeitszeit geleistet habe, sieht unser Haushalt entsprechend aus. „Meiner“ hat sich zwar dem Chaos mutig entgegengestemmt, aber alleine hatte er keine Chance, dagegen anzukommen. Zumal Luises Wachteln am Dienstag vom Balkon in den Garten umgezogen sind, was in der ganzen Wohnung Spuren von Hanfstreu und Wachtelfutter hinterlassen hat, die dem Besen hartnäckig trotzen. Dass das Prinzchen gestern Abend aus einer Familienpackung WC-Papier ein Gefängnis aufgebaut hat, welches der Zoowärter wenig später respektlos dem Erdboden gleich machte, verpasste dem ohnehin schon überbordenden Chaos den letzten Schliff.
Eigentlich habe ich mich ja inzwischen damit abgefunden, dass man unserem Haushalt die fünf Kinder, die zwei Jobs, die Haustiere und die leidenschaftslose Hausfrau ansieht, doch auch für mich gibt es eine Schmerzgrenze. Dass diese erreicht ist, erkenne ich jeweils an meinen Schamgefühlen, wenn eines unserer Kinder morgens von einem Schulkameraden abgeholt wird. Heute Morgen war es mal wieder soweit: Da stand ein sechsjähriger Knirps in unserem von Pyjamas übersäten Flur und wartete darauf, bis der Zoowärter bereit war, mit ihm die Welt zu erobern. In der Küche stapelte sich das schmutzige Frühstücksgeschirr, im Esszimmer lagen noch immer die Trümmer des WC-Papier-Gefängnisses und auf dem Küchenboden verteilte sich eine Lache von Katzenmilch, weil der FeuerwehrRitterRömerPirat in der Eile den Trinknapf umgestossen hatte. Irgendwo in diesem heillosen Durcheinander versteckte sich eine zutiefst beschämte Mama Venditti – noch immer im Pyjama, die Haare ungekämmt – vor diesem kleinen Jungen, der ihren Sohn abholen wollte. „Was soll das Kind bloss denken von uns?“, schoss es mir durch den Kopf. „Der wird unseren Zoowärter nie mehr abholen wollen, weil es bei uns so schrecklich aussieht. Und wenn er heute nach Hause geht, wird er seiner Mama bestimmt erzählen, dass Vendittis Fenster ganz dringend geputzt werden müssen und dass bei denen endlich mal einer für Ordnung im Schuhregal sorgen müsste.“
Wie? Ihr haltet mich für paranoid, weil ich mich darum sorge, was ein Sechsjähriger von unserem Haushalt hält? Nun gut, die meisten Kindergartenkinder scheren sich wohl einen Dreck um den Dreck der anderen – und auch um den Dreck in ihrem eigenen Zuhause -, aber seitdem mal eine Fünfjährige mit vorwurfsvollem Unterton zu mir sagte „Meine Mama hat nie so eine Sauerei im Haus wie du“, bin ich leicht traumatisiert. Vor allem, weil ich damals erst zwei Kinder und im Vergleich zu heute eine perfekte Ordnung im Haus hatte. Meine Scham ist also nicht ganz unbegründet. Und sie führt dazu, dass ich ganz dringend etwas gegen das Durcheinander unternehmen will. Meiner Ansicht nach habe ich drei Möglichkeiten zur Auswahl:
- Eine Vollzeit-Haushälterin anheuern, die sich im Rahmen eines humanitären Einsatzes unseres Haushalts annimmt
- Die Schaufel holen und den ganzen Dreck aus dem Fenster schmeissen
- Mit der ganzen Familie einen qualvollen Samstag lang aufräumen, putzen und polieren
Nun gut, es gäbe da noch Option Nummer 4: Eine Zuppa Inglese zubereiten, die ganze Familie in den Garten schleppen und mich am schönen Wetter freuen.
Streitkultur
Der FeuerwehrRitterRömerPirat, der Zoowärter und das Prinzchen sitzen im Eingang und diskutieren über eine Duplo-Blume.
Zoowäter: „Diese Blume gehört mir, die habe ich einmal zu Weihnachten bekommen.“
Prinzchen: „Nein, diese Blume gehört mir. Sie gehört zu meinem Duplo-Haus. Ich habe sie zum Geburtstag bekommen.“
Zoowärter: „Nein, ich habe sie bekommen. Sie gehört zu meinen Duplos!“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Nein, Zoowärter, diese Blume gehört dem Prinzchen. Deine Blume ist nicht pink.“
Zoowärter: „Diese Blume ist nicht pink, sie ist rosarot.“
Prinzchen: „Ja, sie ist rosarot.“
FeuwerwhrRitterRömerPirat: „Nein, sie ist pink.“
Zoowärter und Prinzchen: „Nein, rosarot, nicht pink!“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Pink! Pink! Pink! Pink!…“
Zoowärter und Prinzchen: „Nein, sie ist rosarot und sie gehört mir!“
Prinzchen: „Nein, mir!“
Zoowärter: „Nein, mir!“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Sie ist pink und gehört dem Prinzchen.“
Zoowärter: „Sie ist rosarot und gehört mir!“
Prinzchen: „Sie ist nicht pink und gehört mir!“
Vermutlich wären sie noch immer am Diskutieren, hätte nicht der Älteste der drei irgendwann die Fäuste sprechen lassen. Wem die Blume gehört und ob sie nun pink oder rosarot ist, bleibt weiterhin unentschieden, aber dass der FeuerwehrRitterRömerPirat die schlagendsten Argumente hat, daran zweifelt jetzt keiner mehr.
So schwer kann das doch nicht sein, oder?
Eigentlich hätten „Meiner“ und ich uns ja eine Schnulze reinziehen wollen, aber dann sind wir bei „Fast Food Nation“ gelandet und schon verspüre ich wieder diesen inneren Drang, ab morgen alles anders zu machen. Das Fleisch für die Fleischesser in der Familie nur noch beim Bauern kaufen, nur noch so viel kochen, dass keine Resten bleiben, noch genauer darauf achten, dass nur Saisongerechtes im Einkaufswagen landet, mein Konto bei der Grossbank auflösen und das Geld in Zukunft unter der Matratze verstecken, „Made in China“ boykottieren, eine eigene Bienenzucht aufbauen, eine Kuh in den Garten stellen, das Hausdach mit einer Photovoltaik-Anlage versehen, das Auto nur noch in wirklich dringenden Notfällen brauchen, wobei „mir tun die Füsse weh und ich mag jetzt nicht zu Fuss gehen“ nicht mehr als Notfall durchgeht, die eigene Zeit nur noch für Sinnvolles einsetzen, endlich genügend Geld verdienen, damit wir uns in allen Lebensbereichen einen nachhaltigen Lebensstil leisten können und ausschliesslich ethisch und politisch korrekte Gespräche führen. Der ganze Mist, den wir als „Lebensqualität“ preisen, der uns aber in Wirklichkeit zu stressgeplagten, umweltzerstörenden, asozialen Monstern werden lässt, hängt mir heute Abend noch mehr als gewöhnlich zum Hals heraus.
Da sitzen wir auf dem Sofa, „Meiner“ und ich, diskutieren über den Film und einmal mehr kommen wir zu dem Schluss, dass sich in unserem Leben gar nicht so viel ändern müsste, damit wir unseren Idealen zumindest einige Schritte näher kämen. Hier ein wenig Umdenken, da ein wenig konsequenter sein, dort die eine oder andere schlechte Gewohnheit ablegen und dann nur noch den Rest der Welt davon überzeugen, dass sie es uns gleichtun sollen. So wenig müsste getan werden, damit wir endlich wieder mit einem ruhigeren Gewissen einschlafen könnten.
Wochenendpläne
Dieses Wochenende hauen wir mal wieder so richtig auf den Putz. Wir lassen es krachen, wie es nur Grossfamilien krachen lassen können. Zum Aufwärmen hatten wir heute Abend schon einmal eine fliegende Übergabe, als ich zu spät von der Arbeit nach Hause kam und „Meiner“ gleich wieder weg musste, danach eine sich übergebende Luise – farblich perfekt abgestimmt auf das frisch bezogene Elternbett -, ein Prinzchen mit Durchfall und einen streitlustigen Karlsson, der sich nach fünf Tagen Kranksein endlich wieder ins Familienleben einbringt. Nach dieser Einstimmung kommt auch bei mir allmählich Partystimmung auf, mein Magen grummelt bereits verheissungsvoll.
Ob wir uns heute Abend überhaupt schlafen legen, oder ob wir die ganze Nacht durchfeiern, ist noch offen. Klar ist, dass es bereits in den frühen Morgenstunden weitergehen wird. „Meiner“ wird von dem ganzen Spass zwar wenig mitbekommen, da er den ganzen Tag unterwegs ist, dafür aber werde ich umso mehr davon abbekommen. Zuerst einmal ein Auftritt mit der Musikgrundschule für den FeurwehrRitterRömerPiraten, danach der heldenhafte Versuch, ihm ebenso viel Zeit beim Ausprobieren der verschiedenen Musikinstrumente zu schenken wie damals seinen beiden grossen Geschwistern. Ob die anderen einander währenddessen auf dem Spielplatz die Köpfe einschlagen, oder ob sie zu Hause über der Kloschüssel hängen werden, haben wir noch nicht entschieden, aber es wird ganz bestimmt lustig. Vor allem, weil ich um halb zwölf noch einen netten kleinen Termin habe.
Wie wir den Rest des Wochenendes verbringen, ist noch nicht ganz klar, aber ich denke mal, dass wir uns einfach von einem Vergnügen zum nächsten treiben lassen. Um die Gäste, die wir am Sonntag eingeladen haben oder den Menschenstrom gegen Atom, der ebenfalls im Kalender eingetragen ist, werden wir uns nicht kümmern müssen, denn im Rausche der Schwindelanfälle und der Aufwisch-Orgien werden wir alles andere um uns herum vergessen. Sicher werden wir auch die eine oder andere Auseinandersetzung geniessen, denn gesundheitlich leicht angeschlagen streitet es sich am schönsten.
Was immer die kommenden zwei Tage noch bringen werden, am Montag werden wir mit dunklen Augenringen zur Arbeit erscheinen und verkünden: „Dieses Wochenende war echt der Hammer! Mir brummt noch heute der Schädel…“ Ich bin mir bloss nicht so sicher, ob die anderen uns beneiden werden…
Jetzt müssten nur noch die Kinder mitziehen…
Nachdem ich schon viel darüber gelesen hatte und hin und wieder gefragt worden bin, wie ich sie denn finde, hatte ich gestern endlich Gelegenheit, die neue Kinderkasse der Migros auszuprobieren. Das Prinzip ist einfach: Breiter, kinderwagentauglicher Zugang, keine Süssigkeiten, keine Werbung, dafür aber hinten und vorne ein Treppchen, damit die Kinder beim Aus- und Einpacken helfen können. So wenig braucht es, um uns Mütter glücklich und unseren Familienalltag entspannter zu machen. Da fragt man sich bloss, warum so etwas nicht längst Standard in allen Geschäften ist.
Wobei die Kinder offenbar weniger begeistert sind davon, dass sie beim Bezahlen nicht mehr in Versuchung geführt werden und ihre Eltern nicht mehr mit „Ich will jetzt ein Gummibärchen“-Gebrüll in den Wahnsinn treiben können. „Die schleppen die Süssigkeiten jetzt einfach von den benachbarten Kassen an“, erklärte mir die Verkäuferin. Und zerplatzt war mein Traum vom stressfreien Einkauf mit kleinen Kindern.
So kauft man Schuhe
Schuhe kaufen mit unseren Söhnen ist wirklich die einfachste Sache der Welt: Den Sinn für guten Stil ausschalten, auf das Regal mit den grässlichsten aller mit Blinklichtern ausgerüsteten Schuhe zusteuern, die richtige Grösse suchen und die Sache ist erledigt. Das Preisschild braucht man gar nicht erst zu konsultieren, denn die Dinger sind so stinkbillig, dass dich die Gewissensbisse teurer zu stehen kommen als das Schuhwerk für die drei Jüngsten. Bei Karlsson war es da deutlich komplizierter, zumindest solange er noch Grösse 38 trug. Elegant für Jungs, das gibt es einfach nicht im gewöhnlichen Schuhladen und für den aussergewöhnlichen fehlt uns das Kleingeld. Und elegant muss es sein, sonst macht der Herr nicht mit. Zum Glück ist er quasi über Nacht in die kleinste Herrenschuhgrösse hineingewachsen und seither ist auch der Schuhkauf für ihn innert Minuten abgewickelt: Herrengrösse 40 ansteuern, ein bezahlbares Paar in schwarz, poliert und elegant auswählen und schon ist unser Ältester der glücklichste Mensch auf Erden. Nach zwanzig Minuten sind die vier neu beschuht und solange keiner der Schuhe frühzeitig aus dem Leben scheidet, ist die Sache für die nächsten Monate wieder erledigt.
Ganz praktisch, ich geb’s ja zu, aber Schuhe kauft man doch eigentlich anders ein. Zuerst einmal sieht man sich eine halbe Stunde lang im Laden um, schlüpft in die grässlichsten High Heels, damit man endlich mal wieder Tränen lachen kann, macht sich lustig über den letzten Schrei der Saison und stülpt sich einen Moon Boot über den Kopf. Hat man all dies mit Erfolg getan – der Erfolg wird in diesem Fall an der Zahl der missbilligenden Blicke der Verkäuferin gemessen -, kommt die Schwerstarbeit: Die Auswahl für die engere Wahl. Dafür rechnet man eine bis unendlich viele Minuten, je nach Sortiment. Nach einer ersten Runde der Anprobe scheidet ein Grossteil der gewählten Modelle aus und dann wird es wirklich schwierig. Man kann nämlich nicht alle nehmen und deshalb beginnt der schmerzhafte Prozess des Aussortierens. „Dich kann ich leider nicht nehmen, weil du zu teuer bist. Würdest du die Hälfte kosten, ich hätte dich schon längst gekauft, aber mein Budget sagt leider nein. Du wärest auch ganz nett, aber leider verträgt sich dein Absatz nicht mit meinem Fersensporn und dir muss ich leider mitteilen, dass deine Schleife nicht ganz so hübsch ist, wie ich sie gerne hätte…“ So wandert ein Paar nach dem anderen zurück ins Regal und wenn man Glück hat, bleibt am Ende noch ein Paar, das mit nach Hause kommen darf. Wenn man Pech hat, wandert alles zurück ins Regal, aber zumindest hat man eine Menge Spass gehabt und im nächsten Laden geht der Spass in die zweite Runde.
So, meine Herren, kauft man Schuhe ein und nicht zack zack, damit man sich möglichst schnell vor die Flimmerkiste in der Kinderabteilung setzen kann. Zum Glück versteht zumindest eure Schwester etwas von der Sache und die schnappe ich mir morgen Nachmittag, damit wir zusammen all das nachholen können, was heute Nachmittag mit euch zu kurz gekommen ist. Wobei es eigentlich ganz gut ist, dass ihr euch schnell entschieden habt, denn etwas Langweiligeres als Schuhe für Jungs gibt es wohl nicht.
Leseförderung oder so ähnlich
Prinzchen (ziemlich nörgelig, weil er frühzeitig aus dem dringend benötigten Mittagsschlaf gerissen wurde): Ich will nicht aufstehen, es ist viel zu kalt. Ich will schlafen.
Mama: Du musst ja nicht aufstehen, du kannst einfach im Bett liegen bleiben. Aber schlafen darfst du nicht mehr, weil du sonst abends zu lange wach bleibst.
Prinzchen (noch nörgeliger): Ich will aber schlafen!
Mama: Schau dir doch ein Buch an, das ist so gemütlich, wenn man unter der warmen Decke liegt.
Prinzchen (schreit): Will schlafen!
Mama: Ich hol dir mal einen Stapel Bilderbücher. (Mama geht aus dem Zimmer, Prinzchen sitzt schreiend im Bett. Nach einer Weile kommt Mama mit einer bunten Auswahl zurück.)
Mama: Welches Buch willst du zuerst? Schau, hier habe ich die Pipi Langstrumpf, hier den Jim Knopf, die Weihnachtsgeschichte, das…
Prinzchen (laut schluchzend): Ich will nicht so viele Bücher! Ich will nur eines!
Mama (mit einem Hauch von Ungeduld in der Stimme): Dann wähl dir doch einfach eines aus und den Rest legen wir hier aufs Nachttischchen. Willst du das hier mit den Klappen?
Prinzchen (noch lauter schluchzend): Will nicht so viele Bücher! Will nur eines! Warum hast du mir so viele mitgebracht? Hol mir ein anderes! Hol mir sofort ein anderes!
Mama (streng): Hör mal, mein Sohn, so nicht mit mir. Wenn dir keines dieser Bücher passt, dann kannst du dir selber eines holen.
Prinzchen (zornig): Nein, du musst mir ein anderes bringen. Ich will nicht aus dem Bett kommen, es ist kalt.
Mama (so geduldig wie möglich): Du könntest wirklich eines von diesem Stapel nehmen. Die Pipi ist doch so lustig. Und der Valentin gefällt dir doch auch…
(Je länger die Mama redet, umso lauter schreit das Prinzchen. Am Ende gibt die Mama entnervt auf.)
Mama: Also, hör mal. Ich gebe dir noch eine letzte Chance. Ich bringe diese Bücher zurück, hole dir ein anderes und dann ist Ruhe. Wenn dir das nicht passt, dann rutsch mir den Buckel hinunter.
Einige Augenblicke später: Die Mama bringt dem Prinzchen ein Wimmelbuch. Die schaut er sich jeweils stundenlang an.
Prinzchen (heult, als hätte man ihn geschlagen): Nein! Nicht dieses Buch! Ich will ein anderes! Bring mir ein anderes! Ich will dieses Buch nicht! Dieses Buch ist doof!
Mama (sehr sehr unfreundlich): Jetzt ist endgültig Schluss. Wenn du heulen willst, dann heul alleine. Ich bin dann mal oben am Computer.
Während sie am Tippen ist, hört die Mama, wie ihr Jüngster unten noch eine ganze Weile lang weiter heult und sie denkt sich, dass auch viele Jahre Erziehungserfahrung nichts daran ändern, dass ein dreijähriger Trotzkopf durch mütterliches Zureden nicht zu gewinnen ist. Warum bloss lässt sie sich trotzdem immer wieder auf das Spiel ein?
Vorboten
„Mama, was ist denn eigentlich die Pubertät?“, wollen heute beim Mittagessen unsere zwei nahezu vorpubertären Kinder wissen. „In der Pubertät passieren ganz verschiedene Dinge“, beginne ich möglichst schonend zu erklären. „Euer Körper, zum Beispiel, der wird sich verändern und wird allmählich so, wie bei einem Erwachsenen…“ Entsetzt starren die zwei mich an, aber ich fahre fort: „Ihr werdet vieles von dem, was Papa und ich gut finden, plötzlich doof finden, ihr werdet anfangen, euren eigenen Weg zu suchen und ihr werdet auch die eine oder andere Dummheit machen…“ „Aber Mama, ich will doch keinen Kokos-Schnaps aus der Flasche trinken“, unterbricht mich Karlsson entsetzt und spielt damit auf eine meiner Jugendsünden an, die ich den Kindern in einem schwachen Moment gestanden hatte. „Du musst auch keinen Kokos-Schnaps trinken“, beschwichtige ich ihn. „Du wirst deine ganz eigenen Dummheiten machen und Papa und ich werden wohl grosse Mühe haben, dich zu verstehen. Das ist auch so eine Sache in der Pubertät: Kinder und Eltern geraten öfters mal aneinander und verstehen einander nicht…“ Eigenartig, warum widersprechen die beiden mir nicht? Warum beteuern sie mir nicht, dass ihre Bewunderung für uns keine Grenzen kennt und nie kennen wird? Und weshalb habe ich das Gefühl, in Luises Blick zu lesen, dass sie sich sehr wohl vorstellen kann, wie wir ihr auf die Nerven fallen werden?
Ich beschliesse, Luises Blick zu ignorieren und komme zum Schluss mit meiner Unterweisung: „Vermutlich werdet ihr euch auch zum ersten Mal bis über beide Ohren verlieben…“ Mist! Jetzt habe ich zu viel gesagt. Beide schreien entsetzt auf. Wie kann ich es wagen, ihnen eine solche Abscheulichkeit zu unterstellen? Ein klarer Beweis, dass ich zu weit gegangen bin. Und dass die Pubertät wohl nicht mehr allzu fern ist.
Jetzt bloss nicht die Nerven verlieren, Mama.









