Nein, ich muss nicht…

Kaum bleibe ich mal in einem Gespräch hängen, wenn ich mit den Kindern unterwegs bin, geht das Theater los: „Komm schon, Mama, ich will jetzt endlich nach Hause!“ „Musst du immer so lange reden? Das ist ja sooooooo langweilig.“ Und wenn ich nicht darauf eingehe: „Mamaaaaaaaaaaa! Komm jetzt endlich! Es reicht!!!!! Ich hab‘ Hunger!!!!!!“ Rede ich unbeirrt weiter, haben meine Gesprächspartner bald einmal Mitleid mit den Kindern. „Musst du nicht…?“, fragen sie vorsichtig, aber ich lasse mich nicht unterbrechen. „Nein, ich muss nicht.“ „Warum nicht?“ „Weil…

  • …ich sie gestern zehn Mal dazu aufgefordert habe, den Tisch zu decken und keiner hat einen Wank getan.“
  • …sie meine Ermahnungen, sich endlich auf den Schulweg zu machen oder die Hausaufgaben zu erledigen Tag für Tag geflissentlich überhören.“
  • …ich meine Knöpfe fast täglich in allen Himmelsrichtungen suchen gehen muss, weil sie nicht zur vereinbarten Zeit nach Hause kommen.“
  • …sie abends partout keine Ruhe geben wollen, auch dann nicht, wenn ich sie ausdrücklich darum gebeten habe, meinen Wunsch nach Feierabend zu respektieren.“
  • …ich immer und immer wieder warten muss, bis sie bereit sind, zu tun, was ich von ihnen erwarte.“

Solange unsere Kinder sich um jede kleinste Handreichung tausendmal bitten lassen, sehe ich keinen Grund, meine Gespräche abzukürzen. Ich fühle mich auch nicht als Rabenmutter, wenn ich ihnen mit meinem Geschwätz mal ein paar Minuten ihrer kostbaren Zeit raube. Sie gehen ja auch nicht gerade rücksichtsvoll mit meiner kostbaren Zeit um. 

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Kantine, meine Vrouw

Zuerst haben sie tagelang über meinen „Haarschnitt“ – der letzte Coiffeurbesuch liegt eine Weile zurück – gespottet, haben spitze Bemerkungen über meine grauen Haare gemacht und schliesslich, als ich einfach nicht reagieren wollte, frech behauptet, ich hätte einen Vokuhila. Das hat mein in Schönheitsangelegenheiten ohnehin nicht ganz stabiles Selbstbewusstsein natürlich gehörig erschüttert, aber wenn ich keine Lust auf eine neue Frisur habe, kann ich ziemlich störrisch sein. Also wies ich meine Liebsten auf unser Budget hin, das derzeit nicht gerade erfreut wäre über Coiffeurbesuche und hoffte, damit sei die Diskussion beendet.

Blöd nur, dass „Meiner“ die Zeiten, als er mir regelmässig die Haare schnitt und färbte, nicht vergessen hat; noch blöder, dass unsere Kinder die Vorstellung, wie Papa die Mama verschönert, ziemlich romantisch finden. Also fingen sie an, mich Abend für Abend zu bedrängen: „Lass dir jetzt endlich von Papa die Haare schneiden. Du weisst doch, er macht das ganz toll.“ Doch ich wollte nicht, denn offen gestanden fürchte ich mich ein wenig vor meiner Coiffeuse. Okay, sie ist die netteste Coiffeuse, die ich je hatte, aber genau darum will ich sie nicht enttäuschen, indem ich ihr in der Migros mit einer neuen Frisur, an der sie nicht gearbeitet hat, über den Weg laufe. Wie sollte sie mir da noch glauben, dass sie die Einzige ist, die ich an meine Haare lasse? Sie wäre zu Recht eingeschnappt und würde sich bei meinem nächsten Besuch – den ich für November oder Dezember vorgesehen habe – mit einem fürchterlichen Haarschnitt für meine Treulosigkeit rächen. 

Natürlich sagte ich meiner Familie nichts von meiner Angst und das war wohl ein Fehler, denn so konnten sie nicht begreifen, wie ernst es mir mit meinem Nein war und zerrten mich heute Nachmittag vor das Regal mit den Haarfärbemitteln. „Welche Farbe willst du?“, fragten „Meiner“ und Karlsson. „Gar keine“, sagte ich störrisch, doch sie taten, als hätten sie nichts gehört und hielten mir eine Packung nach der anderen vor die Nase, eine Farbe hässlicher als die andere. Was anderes hätte ich da tun sollen, als die Flucht nach vorn zu ergreifen, in der Hoffnung, sie dermassen zu erschrecken, dass sie von mir ablassen würden? „Wenn schon Haare färben, dann orange“, sagte ich und um dem Ganzen noch eins aufzusetzen, fügte ich hinzu: „Orange und dann richtig kurz schneiden, vielleicht sogar mit Stirnfransen.“ Das sagte ich natürlich nur, weil ich mich damit auf der sicheren Seite wähnte, denn erstens hatte es im Regal keine orange Haartönung und zweitens hatten meine Liebsten mich ja jetzt seit Wochen nicht mehr ernst genommen, also würden sie nicht ausgerechnet jetzt auf mich hören.

Ach, was bin ich doch für ein unendlich naives Stück Mensch. „Meiner“ und Karlsson liessen das Prinzchen und mich stehen, rannten in den nächsten Laden – angeblich, um dort aufs WC zu gehen – und kehrten mit einer Haartönung in knalligem Orange zurück. Ja, und dann kam es, wie es früher oder später kommen musste: „Meiner“ schnitt mir genau die Frisur, die ich ihm angedroht hatte, und jetzt sehe ich ziemlich genau so aus:

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Also ja, natürlich nicht blond, sondern orange und mit Brille. Und wer nicht weiss, wer diese Frau ist: Unbedingt „Asterix bei den Belgiern“ lesen. 

 

 

 

Wo treibt er sich bloss wieder rum?

„Unmöglich ist er, dieser kleine Schlingel“, schimpfte ich, als ich heute im Garten meine Mutter antraf. „Kaum drehst du ihm den Rücken zu, macht er sich aus dem Staub. Neulich ist er doch schon wieder ohne Erlaubnis in die Migros abgehauen. Hat sich einfach seine zwei Franken Taschengeld geschnappt und ist losgezogen, um sich Panini-Bildchen zu kaufen. Dabei hat er mir hoch und heilig versprochen, das nie wieder zu machen. Ich hab‘ ihm gesagt, dass er nie ohne seine grossen Geschwister gehen darf und er hat so getan, als hätte er verstanden. Und jetzt ist er schon wieder spurlos verschwunden. Bei Nachbars ist er nicht, hinter dem Haus ist er nicht, mit dem Zoowärter ist er auch nicht mitgegangen. Ich hoffe einfach, er ist nicht auf dem Sportplatz. Das hat er neulich auch gemacht. Einfach ab, ohne etwas zu sagen und als er wieder zurück war, hat er geheult, weil die Grossen gemein waren zu ihm. Er kann sich doch nicht einfach im Dorf herumtreiben…“ 

Nachdem ich fertig gezetert hatte, zog ich weiter laut rufend ums Haus, um das Prinzchen zu finden. Ich fand ihn dann auch. Tief schlafend in seinem Bett. Manchmal treibt er sich halt auch ganz gern im Land der Träume herum, ohne mir vorher Bescheid zu sagen. 

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Ein paar kleine Absurditäten

Da hat vor ein paar Tagen ein – gelangweilter? – Journalist ein altes Bild von Angelina Jolie hervorgekramt und festgestellt, dass die „schon als 15-Jährige“ „unverkennbar grosse blaue Augen“ hatte. Unglaublich! Die Augen der gewöhnlichen Menschenjungen öffnen sich ja erst so etwa um den 18. Geburtstag herum und natürlich bleibt auch die blaue Farbe nur bei den Allerwenigsten erhalten. Wenn Angelina Jolie also bereits im zarten Teenager-Alter grosse, blaue Augen hatte und diese sogar behalten hat, grenzt dies an ein Wunder und ich frage mich, weshalb es diese Nachricht nicht auf die Frontseite geschafft hat.

Vorletzte Woche brachte der Zoowärter einen Elternbrief nach Hause. Am nächsten Tag gehe es auf die Schulreise, wir sollten dafür sorgen, dass das Kind gutes Schuhwerk trage. Warum, so fragte ich mich, informieren die so weit im Voraus. Es würde doch auch reichen, am Morgen fünfzehn Minuten vor Abmarsch ein Rundtelefon zu starten. Da Kinderfüsse kaum wachsen, hat bestimmt jede Familie ein gut eingelaufenes Paar Wanderschuhe, in die das Kind schlüpfen kann. Und der mit Leckereien vollgestopfte Rucksack steht selbstverständlich auch jederzeit bereit.

Neulich ging ich mit Karlsson an einem Lokal vorbei, dessen Besitzer mit grossen Plakaten auf eine Neuerung hinwies: „Neu! Fumoir für Raucher!“ Wie gut, dass die Raucher nicht länger im Fumoir der Nichtraucher sitzen müssen, denn dort stinkt es bestimmt ganz gewaltig nach Nichtrauch.

Vor einiger Zeit verspürte ich das grosse Bedürfnis, ein wenig zu jammern und da ich zufälligerweise gerade jemandem in die Arme lief, legte ich los mit meinem Geklöne. Nachdem ich mein Problem geschildert hatte, meinte meine Gesprächspartnerin: „Oh je, das war bei mir auch mal so. Glaub mir, es hat Jahre gedauert, bis ich das hinter mir lassen konnte. J-A-H-R-E! Das war die mühsamste Zeit meines Lebens.“ Hach, wie hat mir dieses Gespräch doch gutgetan. So frisch entmutigt liess es sich gleich wieder viel beschwingter leben.

Da lässt sich doch heute ein Politiker in der Tageszeitung mit dem Satz zitieren, die Familien in der Schweiz würden schon mehr als genug Vergünstigungen erhalten, da müsse man nicht auch noch die Kinderzulage von der Bundessteuer befreien. Seitdem ich diesen Satz gelesen habe, suche ich mein Familienleben verzweifelt nach den vielen Vergünstigungen ab, von denen der geschätzte Herr Politiker faselt, doch bisher habe ich noch keine einzige gefunden. Na ja, vielleicht kann ich die Chips für Prinzchens Kindergartenreise, die ich in der Migros zum halben Preis erstanden habe, als Vergünstigung ansehen, damit ich mich nicht so schrecklich unvergünstigt fühlen muss.

Kaum zu glauben, aber der FeuerwehrRitterRömerPirat nimmt es mir tatsächlich übel, dass er erst dann ein Eis bekommt, wenn es wieder gefroren und nicht mehr von der Autofahrt aufgeweicht ist. Dabei kann er doch während der Wartezeit so schön seine Hausaufgaben erledigen…

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Ende der Geschmacksverirrung

Lange Zeit habe ich mir eingeredet, so schlimm könne es doch nicht sein, doch seit heute gibt es keinen Zweifel mehr: Ich werde alt. Es ist noch gar nicht so lange her, da war klar, dass am Ende eines Tages wie heute ein Teller Pasta mit Mayonnaise und Käse stehen würde. Ein Tag, der wegen einer Mischung aus Hormonen und unbezahlten Rechnungen mit einem Heulkrampf beginnt, der damit weitergeht, dass wildfremde Kinder in unserem Garten auftauchen und das Prinzchen piesacken, ein Tag, der gewürzt ist mit diversen kleineren und grösseren Dramen und der mit dem vierten Musikschulkonzert innerhalb von drei Wochen und quälenden Bauchkrämpfen endet. Ein Tag also, den man nicht gelebt, sondern mehr schlecht als recht hinter sich gebracht hat. Ein Pasta-mit-Mayonnaise-Tag eben. 

Wenn ich es denn noch über mich brächte, Pasta mit Mayonnaise zu essen. Doch der Comfort-Food, der mich bei Teenager-Liebeskummer, schlechten Mathenoten, endpubertären Streitereien mit „Meinem“, Hochzeitsstress, Schwiegermutter-Dramen, Schwangerschafts-Elend, Babyblues und endlosen Tagen mit störrischen Kleinkindern getröstet hatte, schmeckt mir nicht mehr. Einfach so, ohne jegliche Vorwarnung, sind meine Geschmacksnerven erwachsen geworden und tolerieren keine derartigen Geschmacksverirrungen mehr. 

Gut, ich hab‘ festgestellt, dass Pasta mit Butter und Käse auch ganz tröstlich sind, aber irgendwie riecht das halt nicht gleich wohlig nach Selbstmitleid. Vielleicht liegt’s daran, dass man mit zunehmendem Alter nicht mehr so ungeniert im Selbstmitleid baden darf, weil man ja weiss, dass es anderen viel dreckiger geht. 

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Und, hat sich was getan?

Kein Zweifel, über die Bedürfnisse von uns Familien wird deutlich mehr geredet, geschrieben und diskutiert als auch schon. Man macht Datenerhebungen, analysiert, verfasst Berichte, erstellt bunte Grafiken, um Missstände für alle verständlich zu erklären. Man trommelt Expertenrunden zusammen, jedes Medium, das etwas auf sich gibt, veröffentlicht hin und wieder einen grossen Sonderteil zum Thema Familie, in dem dann auch ein paar Mütter und Väter von den Herausforderungen erzählen dürfen. Und natürlich hat man unzählige Produkte und Angebote entwickelt, die uns Familien das Leben – und das Portemonnaie – erleichtern sollen. 

Auch im Alltag sind Familien präsenter als früher. Hatte ich zu Beginn meiner Mutterkarriere noch den Eindruck, man müsse den Leuten das Wort „Kinderfreundlichkeit“ buchstabieren, so ist es heute für fast jeden klar, dass das irgendwie wichtig ist. Wir Eltern dürfen auch mal ungeniert sagen, dass uns unsere Aufgabe zuweilen an die Grenze treibt und nur noch die wahrhaft griesgrämigen Zeitgenossen wagen es, uns daraus einen Strick zu drehen. Faltprospekte für Anlaufstellen, Beratungsangebote, Treffpunkte, Kurse etc. wirft man uns regelrecht hinterher. Und ja, inzwischen findet man an vielen Orten auch Familienparkplätze, verkehrsberuhigte Zonen, süssigkeitenfreie Supermarktkassen, kinderwagentaugliche Wanderwege, Fläschchenwärmer und Wickeltische, die sowohl für Mütter als auch für Väter zugänglich sind – früher waren die ja immer im Damen-WC untergebracht oder vielleicht im Behinderten-WC, wofür man eigens irgendwo einen Schlüssel auftreiben musste. 

Ist es also besser geworden für uns Familien? In einigen Punkten ganz bestimmt und doch frage ich mich zuweilen, ob das alles nur eine nett aufgebaute Fassade ist, um davon abzulenken, dass man die grossen Brocken weiterhin ignoriert: Das Geld, das auch bei anständig verdienenden Familien immer knapper wird. Die Kinderzulage, die den meisten Familien nichts weiter bringt, als dass sie bei den Steuern etwas höher eingestuft werden und deshalb mehr abliefern dürfen. Die berühmte (Nicht)Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das allzu löchriger Auffangnetz, wenn eine Familie mal wirklich arg in Bedrängnis gerät. Das Schulsystem, das denen eine Chance bietet, die zu Hause Unterstützung bekommen. Und noch ein paar Dinge mehr…

Wenn ich, wie heute, diesen bitteren Realitäten mal wieder im eigenen Alltag in die Augen sehen muss, überkommt mich die grosse Wut über das ganze familienfreundliche Geschwätz, das derzeit so beliebt ist. „Hört doch endlich auf zu quatschen und bringt mal ein paar echte Verbesserungen“, möchte ich denen zurufen, die es in der Hand hätten, etwas zu ändern. Ich will  nämlich nicht, dass meine Kinder, wenn sie mal Eltern sind, noch an den gleichen Brocken meisseln müssen, die uns im Wege liegen. Die Hoffnung, dass diese Brocken weggeräumt werden, solange wir noch davon profitieren, habe ich schon fast begraben. 

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10 Dinge, die mir auf den Geist gehen

  • Hysterische Haushaltgeräte. Ihr wisst schon, diese Herdplatten, die beim kleinsten Tropfen Feuchtigkeit auf dem Schaltfeld hysterisch zu piepsen anfangen und erst wieder damit aufhören, wenn man sie zuerst mit einem leicht feuchten Lappen, dann mit einem frischen Küchentuch und schliesslich – wenn man nichts anderes mehr zur Hand hat – mit dem Rockzipfel oder dem Pulloverärmel trocken reibt. 
  • Wenn „Meiner“, der als Siebenjähriger offenbar zu anständig und zu schüchtern war, den Mitschülerinnen den Rock hochzuziehen, glaubt, er müsse diese prägende Erfahrung bei mir nachholen. Ich habe ihm dann zu verstehen gegeben, dass ich auf diesem Gebiet ganz und gar keinen Nachholbedarf habe, da ich im Alter zwischen drei und dreizehn ausschliesslich Röcke getragen habe und damit zur Zielscheibe sämtlicher Siebenjähriger wurde, die weniger schüchtern und anständig waren als „Meiner“ damals. 
  • Okay, damit mache ich mich jetzt unbeliebt: Dieses doofe „Happy, happy, happy“-Gedudel, dem man in diesen Tagen permanent ausgesetzt ist. Was, um alles in der Welt, gefällt euch allen so an diesem Lied? Mich treibt es auf die Palme.
  • Fruchtfliegen, die sich mangels anderer Alternativen auf dem Küchenlappen niederlassen. Muss ich jetzt meine Lappen wirklich mehr als einmal täglich wechseln?
  • Leute, die es nicht mal nötig haben, mir ein kurzes „Danke für die Anfrage, aber ich habe keine Zeit“ zukommen zu lassen, wenn ich sie höflich frage, ob sie mir allenfalls, wenn es ihnen nicht zu viele Umstände macht, ein paar Auskünfte für einen Artikel geben würden, den sie selbstverständlich vor der Publikation gegenlesen dürften, damit alles in ihrem Sinne wäre. 
  • Samstage, die vorgeben, sie wären nahezu kinderfrei, dabei verbringt man den halben Tag damit, die verschiednen Kinder zu verschiedenen Terminen zu karren. 
  • Schädlinge, die an sämtlichen Gemüsesorten ihre Spuren hinterlassen, aber nicht die Grösse haben, dazu zu stehen und sich zu zeigen. 
  • Die Peperoni-Sucht unserer Kinder. Ich meine, ist ja toll, dass sie Peperoni lieben, aber egal, ob ich das Doppelte, Drei- oder Vierfache der in den Rezepten vorgesehenen Menge kaufe, am Ende ist doch nichts mehr da, wenn ich am Herd stehe. Und dabei habe ich doch immer so ein furchtbar schlechtes Gewissen, wenn ich vor der Peperoni-Saison das Zeug aus Spanien oder Holland kaufe. 
  • Dass es mir nicht gelingt, mein Lachen zu verbergen, wenn das Prinzchen einen Mist gebaut hat und ich ihm eigentlich ganz ernst ins Gewissen reden möchte. Muss der seinen Unfug immer so charmant anstellen?
  • Haushaltgeräte, die dann, wenn man auf ihr Piepsen angewiesen wäre, weil dieses das Ende der Kochzeit anzeigen würde, plötzlich verstummen, so dass alles verkocht. Noch ärger sind nur noch Haushaltgeräte, die mal stumm bleiben und sich wenige Augenblicke später wieder hysterisch gebärden. Also zum Beispiel unser Kochherd. 

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Weshalb ich gestern nichts geschrieben habe

Gewollt hätte ich ja schon, aber nicht gekonnt, weil ich den ganzen Tag eine Zweijährige gehütet habe. Eine sehr selbständige, unternehmungslustige, aber auch äusserst friedfertige Zweijährige, die einem mit Blicken und Händedruck klar macht, was sie will. Eine Zweijährige, die so lange auf dem Trampolin hüpft, wie es ihr passt, die nicht länger als 45 Minuten Mittagsschlaf macht, die schelmisch lächelt, wenn sie etwas im Schilde führt, die unsere Jungs mit Leichtigkeit dazu bringt, ihr die volle Aufmerksamkeit zu schenken, die sofort Vertrauen zu mir gefasst hat, auch wenn sie mich nicht besonders gut kennt und darum liess sie sich willig von mir an der Hand nehmen, herumtragen, auf dem Schoss halten, auf die Schultern nehmen…  Eine ganz wunderbare Zweijährige, die schon bei unserer ersten Begegnung mein Herz erobert hat und die jederzeit herzlich willkommen ist bei mir. 

Wenn sie das nächste Mal kommt, muss ich vorher einfach gedanklich ein paar Jahre zurückreisen, um wieder in den „Allzeit bereit für den nächsten verrückten Einfall“-Modus zu kommen, den ich irgendwie verlernt habe, seitdem das Prinzchen im Kindergarten ist. Wie konnte ich bloss vergessen, dass so ein kleines Menschlein mindestens 59 von 60 Minuten für sich in Anspruch nimmt und das erst noch mit Charme? Wie konnte ich bloss vergessen, wie müde man nach einem wunderbaren Tag mit einem kleinen Menschlein ist?

Und wie haben wir das bloss geschafft, als bei uns zu Hause noch mehrere von diesen hinreissenden kleinen Menschlein gleichzeitig auf verrückte Einfälle kamen?

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Liebe Nachbarn

Es könnte durchaus sein, dass in den kommenden Wochen hin und wieder die drei kleinsten Vendittis bei Ihnen an der Türe klingeln und frisch gebackene Brötchen verkaufen wollen. Die drei werden Ihnen vermutlich sagen, ein Brötchen koste einen Franken, auch wenn wir ihnen eingeschärft haben, sie dürften allerhöchstens fünfzig Rappen verlangen. Damit wissen Sie auch gleich, dass wir Eltern von dem Brötchenverkauf wissen. Wir wissen nicht nur davon, wir haben unsere Söhne regelrecht dazu angestiftet. Nein, nicht weil wir am Hungertuch nagen und deshalb mit unserem letzten Mehl Brötchen backen, um unsere ausgehungerten kleinen Jungs damit zum Betteln auf die Strasse zu schicken. Auch nicht, weil wir glauben, Sie, geschätzte Nachbarn, könnten nicht selber Brot backen und wären deswegen auf den Hauslieferservice unserer Söhne angewiesen.

Nein, wir hatten es schlicht und einfach satt, jeden zweiten Tag um Geld angegangen zu werden, weil FeuerwehrRitterRömerPirat, Zoowärter und Prinzchen noch immer nicht begreifen wollen, dass es am Ende des Taschengeldes von uns nichts mehr gibt. „Wenn ihr mehr Geld wollt, dann müsst ihr es euch verdienen“, sagte ich eines nachmittags, als sie mich wieder mal unablässig angebettelt hatten. „Aber wie denn, Mama“, fragten die Drei verdutzt. „Backt Brötchen und verkauft sie im Quartier“, sagte ich und sie machten sich an die Arbeit. Offensichtlich war die erste Verkaufsaktion ein Erfolg, denn heute waren sie bereits zum zweiten Mal mit ofenfrischen Brötchen unterwegs. Offenbar auch diesmal erfolgreich, denn sie kamen ohne Brötchen, dafür aber mit ziemlich viel Geld zurück. (Dass die zwei Grösseren den naiven kleinen Bruder beim Aufteilen des Geldes übers Ohr gehauen haben, ist eine andere Geschichte.)

Ich weiss, meine lieben Nachbarn, es ist nicht ganz fair, dass Sie nun das Geld locker machen müssen, welches wir unseren Kindern aus pädagogischen Gründen nicht geben mögen. Nehmen Sie es bitte nicht zu schwer, immerhin bekommen Sie ein Brötchen als Gegenleistung. Gebe ich den Dreien Geld, bekomme ich gar nichts zurück, ausser vielleicht die Frage: „Wie viele Panini-Bildchen kann ich mir damit kaufen?“

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Orakel

Das Prinzchen und sein bester Freund versuchen herauszufinden, ob der beste Freund bei uns baden darf. Dazu befragen sie das Lavabo-Orakel. Schwimmt Prinzchens Gummi-Hai auf dem Wasser, steht dem gemeinsamen Bad in unserer Badewanne nichts im Wege. Schwimmt der Hai nicht, bedeutet dies, dass die Mama des besten Freundes etwas gegen das Bad hat. Gar nicht so einfach, auf die drängende Frage eine Antwort zu finden, denn weil das Prinzchen baden will – und muss -, sein Freund aber nicht, interpretieren die zwei Jungs die Antwort des Orakels ganz unterschiedlich.

Um doch noch eine eindeutige Antwort zu bekommen, könnte man natürlich kurz über die Strasse rennen und die Mama fragen gehen, doch dann wäre einer der beiden gezwungen, nachzugeben. Um das zu verhindern, diskutiert man lieber weiter, ob der Hai nun schwimmt oder nicht.

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