Ist das vielleicht fair?

Mein ganzes Leben schon schlage ich mit dem A rum, das am Ende meines Vornamens nicht vorhanden ist, nach Auffassung meiner Landsleute da aber unbedingt hingehörte, weil sie sonst nicht recht wissen, ob sie mich bei den Weiblein oder den Männlein einordnen müssen. Dieses A, das der Grund war, weshalb ich keine Sekunde zögerte, den Nachnamen von „Meinem“ anzunehmen. In Kombination mit meinem ehemaligen Nachnamen – Martin – entfaltete das fehlende A nämlich eine ziemlich unangenehme Wirkung. 

So fand ich es ganz und gar nicht lustig, dass man mich in meinem ersten Ferienlager mit den folgenden Worten begrüsste: „Ach so, du bist ein Mädchen. Das ist jetzt aber blöd, wir haben dich nämlich bei den Jungs ins Zimmer eingeteilt.“ Glaubt mir, es war ganz und gar nicht witzig, als Zehnjährige die ersten zwei Wochen weit weg von meiner Familie als fünftes Rad am Wagen einer Mädchengruppe zu verbringen, die mich nur schon deshalb nicht mochte, weil sie wegen meines nachträglich ins Zimmer gezwängten Bettes noch enger zusammenrücken mussten. Auch der Zahnarztbesuch, bei dem man mit Erstaunen feststellte, dass kein gesetzter Herr Martin Tanner, sondern ein eingeschüchterter Teenager mit einem eigenartigen Namen im Wartezimmer sass, ist mir nicht in bester Erinnerung geblieben. Ach ja, und dann war da noch der Brüller, als eine stockkonservative Organisation einen Brief an das Ehepaar „Martin und ‚Meiner‘ Venditti“ schickte. 

Noch heute, in Zeiten, in denen doch jedes zweite Kind, das das Licht der Welt erblickt, irgendwie exotisch und doch vertraut heisst, hören die Episoden nicht auf und die Post, die Herr Tamar Venditti fast täglich bekommt, würde sich wohl längst bis zur Zimmerdecke stapeln, wäre ich nicht jeweils so frech, sie zu öffnen, obschon sie eigentlich nicht an mich adressiert ist.

Schlimm ist das nicht, ich weiss, aber nerven tut’s trotzdem. Und seit heute Nachmittag bin ich sogar ein ganz klein wenig eingeschnappt. Da landete gestern eine Mail in meinem Postfach, adressiert an Frau Karlsson Venditti. Die Mail war von einem Geschäft, in dem Karlsson in grauer Vorzeit mal etwas bestellt hat, als er noch keine eigene Mailadresse hatte und sich mit dem Gedanken trug, einer jener verschrobenen Modelleisenbahn-Fanatiker zu werden. Dieser Gedanke ist zum Glück längst verflogen, geblieben ist einzig die Adresse von „Frau Karlsson Venditti“ in irgend einer Datei des Modelleisenbahn-Ladens. Aus mangelndem Interesse löschte ich die Mail, ohne sie durchzulesen und mir wäre nichts daran aufgefallen, wäre nicht heute eine weitere Mail in meinem Postfach gelandet: Bitte vielmals um Entschuldigung! Falsche Anrede! Natürlich war Herr Karlsson Venditti gemeint. Bitten untertänigst um Verzeihung. Bla bla bla. Das ganze Theater wegen eines einzigen kleinen Verschreibers, von dem Karlsson nicht mal erfahren wird, weil er sich ja jetzt nicht mehr für das Modelleisenbahn-Zeugs interessiert, weshalb ich die Mail nicht weiterleite.

Nicht mal vierundzwanzig Stunden hat es gedauert, bis man Karlsson auf Knien um Verzeihung anfleht, weil man einen kurzen Augenblick an seiner Männlichkeit gezweifelt hat. Und wann bekomme ich endlich dieses Entschuldigungsschreiben? Ich warte schon seit Jahren darauf. (Na ja, und wenn das nicht kommt, könnten mir meine Eltern vielleicht endlich mal erklären, was sie sich dabei gedacht haben, mir diesen Namen zu verpassen.)

cercare i fili per terra; prettyvenditti.jetzt

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Weshalb ich bis heute geschwiegen habe

Die Welt versinkt im Chaos, an Europas Grenzen spielen sich Dramen ab und Mama Venditti weiss nichts Besseres, als ein wenig aus ihrer winzig kleinen heilen Welt zu plaudern. So dachte ich immer mal wieder in letzter Zeit und so dachte vielleicht auch der eine oder andere Leser. Dennoch brachte ich es nicht fertig, mich zum Thema zu äussern. Warum nicht?

Nun, zum einen, weil es mir ob des Grauens schlicht und ergreifend die Sprache verschlägt. Sehe ich Bilder wie dasjenige des kleinen Aylan, dann formen sich in meinem Kopf für einmal keine Sätze, dann fliessen nur die Tränen. „Mein Gott, wie erträgst du eine Welt, in der kleine Kinder auf diese Art zu Tode kommen?“, sind die einzigen Worte, zu denen ich dann noch fähig bin. Ja, und dann vielleicht noch zu der Frage: „Was kann ich denn schon tun?“ Ohnmacht, Trauer, Wut, Scham und auch ein wenig Angst, wie das weitergehen soll mit diesem Planeten – diese Gefühle lähmen mich.

Ich habe aber auch geschwiegen, weil ich keine Plattform bieten wollte für jene, die es gar beim Anblick von toten Kindern noch immer nicht lassen können, ihr Gift zu verspritzen. Wo auch immer etwas zum Thema geschrieben wird, sind sie als erste da, um ihre Mäuler aufzureissen und ich kann sie nicht länger ertragen. Inzwischen aber weiss ich, was ich tun werde, falls sie auch hier herumbrüllen wollen: Ich werde Zensur walten lassen. Ja, ich weiss, das widerspricht ganz und gar meiner üblichen Haltung, aber die Widerlinge haben genügend andere Orte, wo sie ihre hasserfüllten Worte unters Volk bringen können.

Oaky, ich wollte nicht nur wüste Kommentare verhindern, ich hatte auch keine Lust, über die Sache zu diskutieren und das war vielleicht feige. Diskutieren will ich aber auch jetzt noch nicht, denn ich sehe die Sache so: Steht es mir etwa zu, zu urteilen, ob jene, die kommen, auch wirklich ein Anrecht hatten, sich aufzumachen, um einen neuen Anfang zu suchen? Ich mag nicht urteilen, mag nicht debattieren über Beweggründe, die ich nie kennen werde, sofern ich nicht mit diesen Menschen bei einer Tasse Tee darüber geredet habe, was sie dazu bewogen hat, alles hinter sich zu lassen. Mir ist klar, dass diese Angelegenheit sehr viele unterschiedliche Aspekte hat und je nachdem, von welchem Standpunkt aus man sie beleuchtet, kann man die Dinge so oder so sehen. Aber ich finde es schlicht anmassend, zu behaupten, ich hätte anders gehandelt als sie, wo ich doch keinen Schimmer habe, welche Entscheidungen ich für richtig ansähe, wäre ich dazu verdammt gewesen, ein Leben zu leben, wie sie es müssen. Diskutieren finde ich also müssig, es sei denn, man suchte ernsthaft nach Lösungen, immer im Bewusstsein, dass wir es hier mit ganz vielen einzelnen Menschen und ihren Geschichten zu tun haben und nicht mit irgendwelchen diffusen Massen.

Ja, und dann treibt mich natürlich auch die Frage um, wie wir unsere eigenen Kinder lehren, zu teilen und nicht zu verurteilen.  

Dies ist es, was ich momentan zu den Tragödien zu sagen habe, die sich in diesen Tagen abspielen. Und jetzt überlege ich mir, ob ich nicht nur gross daherschwätzen kann, sondern ob ich nicht doch wenigstens einen winzig kleinen Beitrag leisten kann, um dieses elende Dreckloch namens Welt ein ganz klein wenig besser zu machen.

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ÖV-Eindrücke

Nach einer längeren Pause war ich heute mal wieder ganz alleine mit dem Zug unterwegs und wie immer, wenn ich ohne Begleitung unter Menschen bin, habe ich ein paar Eindrücke gesammelt:

  • Wenn eine Vierzigjährige im Bus pausenlos in voller Lautstärke „Meins! Meins!“ und „Bananaaa!“ kräht und sich selber ganz furchtbar witzig findet, wünschte ich mir, ich hätte Zoowärters Plüsch-Minion zur Hand, um ihr damit das Maul zu stopfen. 
  • Eine Mutter, die zu ihren Kind sagt: „Nein, Stefanie, du trägst deinen Rucksack selber, so, wie wir das vorhin vereinbart haben. Du musst dich an unsere Abmachung halten“, dürfte eigentlich nicht so aussehen, als wäre sie ein Hippie.
  • Väter, die während der Stosszeiten mit ihren Kleinkindern durch den Bahnhof hetzen und laut werden, weil etwas schief gelaufen ist, werden ebenso schräg angesehen wie Mütter, die während der Stosszeiten mit ihren Kleinkindern durch den Bahnhof hetzen und laut werden, weil etwas schief gelaufen ist. Wenigstens in einer Sache werden Männer genau gleich behandelt wie Frauen. 
  • Was hilft es eigentlich, wenn die einem in sämtlichen Journalismuslehrgängen beibringen, es müsse heissen „Die SBB sind…“ und „Die SBB haben….“, wenn es bei der Begrüssung im Zug heisst: „Die SBB begrüsst Sie…“?
  • Wer nicht mehr zum Pendlervolk gehört, verlernt ein paar wichtige Dinge. Zum Beispiel, ein Sandwich zu essen, wenn man dicht an dicht in ein Viererabteil gepfercht ist.

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Autofragen

Dass die Tage unseres kleinen, himmelblauen Autos gezählt sind, vermutete ich schon seit einiger Zeit, aber deswegen fühle ich mich noch längst nicht bereit, mich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie es weitergehen soll, wenn es eines Tages nicht mehr mitmacht bei unserem nervenaufreibenden Wettlauf gegen den Terminkalender. Autos sind mir ja generell nicht sehr sympathisch, darum verdränge ich den Gedanken, mich irgendwann eingehender mit der Materie auseinandersetzen zu müssen, so weit es nur geht. Und doch war ich diejenige, die heute Nachmittag, als das Zeitfenster zwischen zwei Terminen mal wieder besonders schmal war, irgend einen Mist mit der Bremse anstellte, was zu einer äusserst unangenehmen Begegnung mit einem Bauamtsfahrzeug führte.

Fragt mich bitte nicht nach Details, ich weiss bloss, dass das Gefährt mit einer fürchterlich fiesen Geheimwaffe ausgerüstet war. Wie sonst hätte es unser armes Wägelchen derart übel zurichten können, obschon ich im Schritttempo unterwegs war und der Aufprall kaum zu spüren war? Der Mann von der Garage – keine Ahnung, wie man den heutzutage nennt – war der Meinung, unserem Auto sei nur noch mit sehr viel Geld zu helfen, was „Meiner“ und ich aber ablehnen, da eine aufwändige Operation das bittere Ende nur herauszögern, nicht aber verhindern würde. Die Nachbarin sagte, sie kenne einen, der einen kenne, der jeweils für relativ wenig Geld das Auto eines entfernten Bekannten repariere, der würde sich der Sache bestimmt annehmen. Das ist natürlich viel besser, schiebt die Frage um unsere automobile Zukunft aber nur ein wenig weiter hinaus.  

Ich wünschte mir, ich könnte ganz leichthin verkünden, es ginge auch ohne Auto, doch das traue ich uns nicht zu, so sehr ich das auch möchte. Zu schwer wiegen die Einkäufe, die ich Woche für Woche ins Haus schleppe; zu oft schon wären wir ohne unser Fahrzeug noch aufgeschmissener gewesen, als wir es ohnehin schon waren. Car Sharing – eine Sache, die ich auch ganz toll finde – ist mir in unserer heutigen Lebenslage auch nicht ganz geheuer, denn ich tendiere dazu, in Notfallsituationen den Kopf zu verlieren und ich zweifle daran, ob ich dann noch in der Lage wäre, mir zu überlegen, wo sich das geteilte Auto gerade rumtreibt. Und Notfallsituationen beschert uns unser Alltag eindeutig noch zu oft. Ich fürchte also, die Frage lautet nicht, ob unser himmelblaues Auto einen Nachfolger bekommt, sondern nur, wie wir das wieder anstellen sollen.

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Therapiefeuer

Ausgelöst wurde das Ganze durch den Elternabend. Der erste Erstklässler-Elternabend, den ich rundum glücklich verliess. Ein Abend, an dem Sätze fielen, die einer Mama das Gefühl geben, dass hier Menschen unterrichten, die ihren Beruf und die Kinder, mit denen sie arbeiten, von Herzen mögen. Ein Abend auch, der mir schmerzlich bewusst werden liess, wie anders dies bei Karlsson, Luise, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und dem Zoowärter gewesen war. Ihnen blies in den ersten zwei Schuljahren ein steifer Wind um die Ohren und Standortgespräche waren in erster Line dazu da, den Kindern vor Augen zu führen, in welchen Bereichen sie nicht genügen. Keine optimalen Bedingungen, um die Freude am Lernen zu kultivieren.

Tja, und dann sprachen wir halt am Familientisch darüber, wie minderwertig sich unsere vier grösseren Kinder jeweils gefühlt hatten, wenn mal wieder nichts gut genug war. Wie es der Zufall wollte, brannte gerade ein Feuer im Garten und bald schon brannten da nicht nur Äste, die zu dick waren für den Häcksler, sondern alte Rechenaufgaben, Schönschreibblätter (die natürlich nie schön genug geschrieben waren), Prüfungen, ja, sogar ein ganzes Übungsbuch. Je höher die Flammen loderten, umso ausgelassener tanzten der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter ums Feuer herum, befreit von dem Ballast der Jahre, in denen sie nie genügen konnten, so sehr sie sich auch bemüht hatten.

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Weider mal so ein Home-Office-Morgen…

Der erste Satz des Tages hätte mich eigentlich vorwarnen sollen: „Da sind Maden im Abfallsack!“ Mehr bräuchte ein Mensch ja wirklich nicht zu hören, um zu wissen, dass er den Tag gar nicht erst in Angriff zu nehmen braucht, sondern sich am besten gleich die Decke über den Kopf zieht und weiterschläft. Krankhaft naiv, wie ich nun mal bin, kroch ich trotzdem aus dem Bett und half „Meinem“, dem Ungeziefer den Garaus zu machen. Noch irgendwelche Fragen, weshalb ich den Rest des Tages für einmal nicht barfuss, sondern mit Schuhen an den Füssen im Haus unterwegs war?

Nach den Maden kam der Telefontechniker, der sich der „Fremdspannung“ annahm, die für mehrere Tage unser Telefon lahm gelegt hatte. Na ja, ich behaupte ja, die Telefongesellschaft habe das mit der Fremdspannung mit Absicht gemacht, weil ich die Hotline schon so lange nicht mehr angerufen habe und die mir doch endlich das neue TV-Internet-Festnetz-Handy-Sparpaket andrehen wollten, aber beweisen kann ich natürlich nichts. Der Techniker kam also, behob den Mangel und rauschte wieder ab.

Ich hätte die Zeit seiner Anwesenheit ja dazu genützt, das Mittagessen in den Slow Cooker zu schmeissen, wenn denn nicht eine gewisse Diskrepanz bestanden hätte zwischen dem Menüplan und den real existierenden Lebensmittelvorräten im Kühlschrank. Also kam vor der Arbeit noch die Migros und nach der Migros kam nicht die Arbeit, sondern der Stromausfall. Und weil ich glaubte, die Ursache des Stromausfalls wäre beim Sicherungskasten zu finden, begab ich mich eben treppab in den Keller, anstatt treppauf ins Büro. Im Keller war aber kein Stromausfall zu finden, dafür dichter Rauch, der Gott sei Dank nicht aus dem Heizungskeller drang, wie ich zuerst befürchtet hatte, sondern von draussen in den Heizungskeller geweht wurde. Ich folgte also meiner Nase in den Garten und landete schliesslich bei der Feuerstelle, wo noch immer einer der Wurzelstöcke, die „Meiner“ gestern in Brand gesetzt hatte, vor sich hin rauchte. 

Also keine Feuerwehrübgung, dafür aber eine Rettungsaktion in der Küche, denn der Slow Cooker fand das mit dem Stromausfall ganz und gar nicht lustig und weigerte sich rundheraus, dort weiterzumachen, wo er aufgehört hatte, als der Strom wieder da war. Und das wiederum hatte zur Folge, dass „Meiner“ mich mit einem vorwurfsvollen „Was hast du am Herd zu suchen, du solltest doch arbeiten?“ begrüsste, als er am Mittag nach Hause kam und mich in der Pfanne rühren sah. 

Hab doch gesagt, es wäre besser gewesen, im Bett zu bleiben…

mademoiselle orsay; prettyvenditti.jetzt

mademoiselle orsay; prettyvenditti.jetzt

An die Wetterverwirrten,…

…die nach dem zweiten nicht ganz sonnigen Wochenende in Folge nicht mehr ein und aus wissen und deswegen in diversen sozialen Medien den Jammergesang „So ein mieses Wetter und das mitten im August!“ angestimmt haben…

Ich möchte euch etwas erklären: Das, was seit einigen Stunden auf eure ach so empfindlichen Köpfchen herab tropft und eure noch empfindlicheren Seelchen in tiefste Trauer stürzt, nennt sich Regen. Die Tröpfchen fühlen sich gar kalt an auf der nackten Haut, ich weiss, und sollten eure zarten Füsschen in einem Pfützchen landen, holt ihr euch am Ende noch einen Schnupfen und dann ist es aus mit dem Sommerfeeling. Ach, so ganz ohne Sonnenschein will einfach keine rechte Lebensfreude aufkommen. Vierundzwanzig kostbare Sommerstunden vergeudet! Womit haben wir das verdient? Wo doch schon bald der Herbst vor der Tür steht und dann dauert es wieder sooooooo lange, bis endlich wieder Sommer wird. 

Meine lieben Wetterverwirrten, ihr nervt und zwar gewaltig. Schaut ihr denn eigentlich nie aus dem Fenster? (Ich meine, jetzt mal abgesehen von eurem sorgenvollen Blick, mit dem ihr überprüft, ob der Himmel „endlich“ wieder blau werden will?) Seht ihr denn nicht, wie die Natur förmlich nach Flüssigkeit lechzt? Glaubt ihr wirklich, das Wetter habe einzig und alleine die Aufgabe, euch fröhlich zu stimmen und euch das Gefühl zu vermitteln, ihr wäret am Strand und nicht zu Hause in der langweiligen Schweiz? Hat eure Mama euch nie erklärt, dass eitel Sonnenschein ziemlich schnell eine trostlose Wüste entstehen lässt?

Falls nein, dann solltet ihr vielleicht mal im Estrich euer altes Schulmaterial ausgraben, dort findet ihr bestimmt noch irgendwo die Zeichnung mit dem Wasserkreislauf und dann versteht ihr vielleicht, was ich meine.

(Und sonst könntet ihr euch wenigstens ein Beispiel am Prinzchen nehmen. Der hat heute, als die Lehrerin wissen wollte, worüber sich die Kinder freuen, gesagt, er sei glücklich, weil es endlich mal wieder regne.)

will I be happy?; prettyvenditti.jetzt

will I be happy?; prettyvenditti.jetzt

Alles nur eine Frage der Disziplin?

Montag backen, Dienstag arbeiten, Mittwoch Garten, Donnerstag arbeiten, Freitag putzen – So ist das geplant und so habe ich das in den vergangenen zehn Tagen auch mehr oder weniger durchgezogen. „Ist es am Ende doch nur eine Frage der Disziplin, ob man es schafft, die Dinge zu tun, die man sich vorgenommen hat?“, fragte ich mich selbst heute früh, als ich mal kurz meinem Spiegelbild begegnete. Mein Spiegelbild zog die Augenbrauen hoch. „Hast du die Sache mit Schwiegermama schon wieder vergessen?“, fragte es mich. „Und die Lehrerin, die dich fast jeden Mittwochvormittag angerufen hat, weil der FeuerwehrRitterRömerPirat über Bauchweh klagte? Und Luise, die so viel krank war? Und deine eigenen Käferchen? Und all die Stundenplanänderungen? Und…“ „Schon gut“, unterbrach ich ungeduldig, denn im Garten warteten ein paar hartnäckige Wurzeln auf mich, „ich habe verstanden: Solange alles mehr oder weniger rund läuft, ist es eine Frage der Disziplin, aber wenn Schwiegermütter, Lehrerinnen und Käfer die Finger im Spiel haben, kann ich wollen, soviel ich will, es wird trotzdem nicht klappen.“ „Schlaues Mädchen“, antwortete mein Spiegelbild. Jetzt war es an mir, die Augenbrauen hochzuziehen. „Mädchen? Hast du uns zwei in letzter Zeit schon mal etwas genauer angesehen?“ „Wie sollte ich?“, fragte mein Spiegelbild zurück, „du rennst ja andauernd wie ein aufgescheuchtes Huhn durch Haus und Garten, da bekomme ich dich kaum je zu Gesicht.“ „Ach ja, ich soll hier vor dem Spiegel rumhängen, wenn meinen Plänen endlich mal nichts im Wege steht?“, raunzte ich. „Und wenn ich dir das nächste Mal begegne, wirfst du mir vor, ich sei ein undiszipliniertes Miststück, das nichts auf die Reihe kriegt.“ Eine Antwort wartete ich nicht mehr ab, denn die Wurzeln brauchten mich jetzt wirklich. Man weiss schliesslich nie, wann der nächste Käfer kommt… 

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Diebstahl!

Vor vielen Jahren gab es in unserem Leben eine Sache, die wirklich kostbar war, aber da sie uns in rauen Mengen zur Verfügung stand, wussten wir ihren Wert nicht richtig zu schätzen, weshalb wir sie oft für unsinnige Dinge wie Endlossitzungen, Pflichteinladungen und Streitigkeiten verschwendeten. Als die Kinder kamen, begannen wir zu erkennen, was wir vergeudet hatten, aber da die Sache nur umkämpft, nicht aber verschwunden war, lernten wir mit der Zeit, sie zu geniessen. Jetzt erkannten wir erst, wie unglaublich wertvoll sie war und wir schätzten uns ausserordentlich glücklich, sie zu besitzen. Okay, an gewissen Tagen sah es so aus, als hätten wir sie verloren, aber je grösser die Kinder wurden, umso seltener war dies der Fall. Ja, zwischenzeitlich fühlten wir fast wieder so sicher wie zu kinderlosen Zeiten, so dass wir uns gar verstiegen, zu glauben, die Sache stünde uns zu. 

Tja, und dann wurden aus unseren Kindern Teenager und auf einmal war die Sache weg. Einfach so, mochten wir auch noch so lange danach suchen, sie war fort. Erst dachte ich ja, wir hätten sie einfach am falschen Ort versorgt und müssten nur mal gründlich unser Leben auf den Kopf stellen, um sie wieder zu finden. Doch seitdem Luise auch an der Oberstufe ist, gibt es keinen Zweifel mehr: Man hat uns beraubt, hat uns den Feierabend, der uns im Laufe der Jahre so kostbar geworden ist, brutal entrissen und ich fürchte, es wird eine Ewigkeit dauern, bis der Dieb gefasst ist und wir zurückbekommen, war wir so schmerzlich vermissen. 

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Kahlschlag

Die Sträucher so verdurstet, dass sich Äste ohne grossen Kraftaufwand abbrechen lassen. 

Der Löwenzahn schlapp, seine Wurzeln saft- und kraftlos. Fast ohne Widerstand gibt er das Terrain frei, das er sich im Frühling so selbstbewusst erobert hat. 

Regenwürmer nur in getrockneter Form.

Das Erdreich so krümelig, dass Prinzchen, sein bester Freund, Zoowärter und FeuerwehrRitterRömerPirat den ganzen Nachmittag Archäologen spielen können und sogar eine fast schon historische 200-Lire-Münze zu Tage fördern.

Sogar das lästige Efeu vermag sich nicht richtig gegen unsere Rodungsarbeiten zu wehren. 

Die Gurken kraftlos, unmotiviert und ohne Ertrag. Ohne nur den leisesten Hauch von Wehmut räumen wir das Beet jetzt schon. 

Auch die Nacktschnecken haben sich rar gemacht. 

Keine Frage, der Hitzesommer hat dem Garten ziemlich zugesetzt. Und dadurch beste Bedingungen geschaffen, damit wir mit unserem Kahlschlag viel schneller vorwärts kommen als geplant. Darum gleicht unser Garten nach wenigen Stunden Arbeit bereits einer Wüste. Im Kopf gedeihen deshalb die Träume für zukünftige Gartentage umso üppiger. 

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