Werkzeugkasten & Ehemann beim Onkel Doktor

Heute war der Werkzeugkasten in Begleitung des Ehemanns beim Onkel Doktor, um zu besprechen, wie es mit Schwiegermama weitergeht. Der Onkel Doktor war zwar erst einmal der Meinung, ein solches Gespräch sei nicht nötig, wo sich doch der Spitalaustritt am Horizont abzeichnet, aber sowohl der Ehemann als auch der Werkzeugkasten sind da anderer Meinung, da ganz offensichtlich ist, dass alleine leben für Schwiegermama in den kommenden Wochen nicht in Frage kommt. Der Onkel Doktor kam also ins Krankenzimmer, begrüsste alle Anwesenden freundlich und drehte von da an dem Werkzeugkasten konsequent den Rücken zu und redete einzig mit dem Ehemann. Der Werkzeugkasten fand dies irgendwie nicht in Ordnung, denn erstens war er bis anhin bei fast sämtlichen Arztgesprächen anwesend gewesen und wusste deshalb deutlich besser Bescheid und zweitens wird wohl auch in Zukunft zuerst einmal er herbeigerufen, falls es wieder kritisch werden sollte. Also beschloss der Werkzeugkasten, sich mit gezielten Fragen ins Gespräch einzubringen, was aber den Onkel Doktor nicht weiter beeindruckte, die Antworten richtete er weiterhin an den Ehemann. Mit der Zeit wurde es dem Werkzeugkasten zu bunt und er fing an zu zicken. Nicht heftig, nur ein ganz klein wenig, weil er es nicht ausstehen kann, wenn er nicht ernst genommen wird. In pointierten Worten schilderte er Onkel Doktors Rücken, wie die Lage aus Sicht der Angehörigen aussieht und bat ihn darum, den Sozialdienst ins Spiel zu bringen. Nach einigem Hin und Her hatte der Onkel Doktor endlich ein Einsehen und versprach dem Ehemann, er werde mit dem Sozialdienst Kontakt aufnehmen. Sowohl der Ehemann als auch der Werkzeugkasten bedankten sich und der Werkzeugkasten fügte an, er sei morgen den ganzen Tag erreichbar, man könne sich bei ihm melden, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Jetzt endlich wandte sich der Onkel Doktor dem Werkzeugkasten zu, allerdings mit ziemlich verwirrtem Blick. „Ja, wer von Ihnen ist denn eigentlich zuständig? Mit wem soll der Sozialdienst Kontakt aufnehmen?“ „Wir sind beide zuständig, wir gehören zusammen und sind die engsten Angehörigen“, antwortete der Werkzeugkasten, „aber morgen bin ich besser erreichbar.“

Und wer jetzt denkt, der Onkel Doktor sei halt irgend so ein alter Chauvinist gewesen, der nicht mit Werkzeugkästen redet, der irrt. Der war gerade mal alt genug, dass man ihn nicht für den Sohn des Werkzeugkastens und des Ehemanns halten konnte. 

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Werkzeugkasten

Heutzutage, das weiss jedes Kind, kann man nicht mehr einfach so davon ausgehen, dass Frau zu Hause am Herd auf Anweisungen wartet, was sie mit ihrer Zeit und ihren Fähigkeiten anfangen soll. In der Theorie zumindest ist das so und ich hoffe sehr, dass sich in Lebenswelten, in denen sich meine Geschlechtsgenossinnen bewegen, die Gleichberechtigung in irgend einer Weise bemerkbar macht. In meiner Lebenswelt, die sich derzeit trotz Berufstätigkeit vorwiegend in den eigenen vier Wänden abspielt, ist alles noch irgendwie so, wie es war, als Frauen noch nichts anderes zu tun hatten, als für Mann und Kinder zu sorgen. Dies nicht etwa, weil „Meiner“ ein übler Pascha wäre, der mir keine Freiheiten gönnt, sondern weil eine Frau, die zu Hause ist, von vielen noch immer als eine Art Werkzeugkasten angesehen wird, der nach Belieben dahin geschoben werden kann, wo es im Familiensystem gerade klemmt. Wenn Frau zu Hause ist, kann das, was sie tut, so wichtig ja nicht sein, denn sonst hätte sie einen „richtigen“ Job bekommen, so scheint man noch immer zu denken. 

Mal ist es die Aushilfslehrerin des FeuerwehrRitterRömerPiraten, die darauf besteht, meinen Sohn nach Hause zu schicken, obschon ich ihr schon hundertmal erklärt habe, dass a) unser Dritter ganz gerne die Sache mit dem Bauchweh bringt, wenn er keinen Bock hat auf Schule und b) ich am Arbeiten bin und deshalb genau so wenig verfügbar bin wie eine Mutter, die einen Job ausser Hause hat. Mal ist es Zoowärters Lehrerin, die mich jetzt gleich in der Schule sehen will, weil mein Sohn mal wieder etwas vergessen hat. Auf meine Kolumnen-Deadline kann sie keine Rücksicht nehmen, denn nachher muss sie mit der Klasse ins Turnen. (Sagt jetzt bitte nicht, ich solle halt nicht ans Telefon gehen. Wenn auf dem Display „Schule“ steht, spult mein Gehirn sämtliche Horrorszenarien ab und ich kann gar nicht anders, als ranzugehen.) Wenn es nicht die Schule ist, die meine Dienste wünscht, dann ist es ein Arzt, der mich ganz dringend ins Spital bestellt, weil es Schwiegermama nicht gut geht und intern gerade niemand verfügbar ist, der ihr auf Italienisch erklären kann, was los ist. Eine halbe Woche später wiederum ist es ein anderer Arzt, der mir erklärt, Schwiegermama gehe es viel besser, man könne den Spitalaustritt ins Auge fassen, ich solle doch so rasch als möglich vorbeikommen, damit man die Details besprechen könne. Wenn die italienische Verwandtschaft vom verbesserten Zustand erfährt, steht sogleich die Erwartung im Raum, dass Schwiegermama bei uns einziehen kann, weil ich ja Zeit habe, sie zu pflegen. Und während ich mir noch den Kopf zerbreche, wie wir die Differenz zwischen Ansprüchen und Realität überbrücken sollen, ohne einen epochalen Familienstreit vom Zaun zu brechen, kommt ein freudenstrahlender Zoowärter angerannt, der mir berichtet, die Lehrerin sei krank, der Unterricht falle aus. Das Brieflein, in dem stehen würde, wer keine Betreuungsmöglichkeit habe, könne sein Kind in die Schule schicken, händigt er mir leider nicht aus, denn ich bin ja zu Hause…

Bitte versteht mich nicht falsch. Wenn meine Lieben in der Tinte sitzen, will ich für sie da sein, keine Frage. Was mich an der Sache stört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der man sich an mich wendet, wenn es irgendwo brennt. So wurde zum Beispiel „Meiner“ noch nicht ein einziges Mal herbeizitiert, seitdem seine Mutter erkrankt ist, man ruft ganz selbstverständlich mich. Und als er letze Woche mal von sich aus alles stehen und liegen liess, weil es wirklich nicht gut aussah, wurde das von gewissen Menschen mit Kopfschütteln quittiert. „Warum rennst du denn?“, fragten sie ihn, „deine Frau schaut doch zu deiner Mutter.“ 

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Wie gut verstehst du deine Mutter? – Ein kleines Quiz

Valentin oder so

Da heute mal wieder ein kleiner Auftritt auf dem Programm stand, nur ein kleiner Ausschnitt aus dem, was „Meiner“ und ich vorgetragen haben. Wer will, kann es als Beitrag zum Valentinstag sehen:

Man trifft sich.
Es funkt.
Es kribbelt.
Es stimmt.
Es passt.
Es ist schön.
Es ist richtig.
Es funktioniert.
Es gehört sich halt so, oder auch nicht.
Es läuft nicht immer wie geplant.
Es kriselt.
Es stimmt nicht mehr so richtig.
Es gäbe auch andere.
Es nervt.
Es ist zum Verzweifeln.
Es tut weh.
Ist es aus?

Doch da steht ein Ja.
Ja, es funkt.
Ja, es kribbelt.
Ja, es stimmt.
Ja, es passt.
Ja, es ist schön.
Ja, es ist richtig.
Ja, es funktioniert.
Ja, es gehört sich halt so, oder auch nicht.
Ja, es läuft nicht immer wie geplant.
Ja, es kriselt.
Ja, es stimmt nicht mehr so richtig.
Ja, es gäbe auch andere.
Ja, es nervt.
Ja, es ist zum Verzweifeln.
Ja, es tut weh.

Das alles gehört dazu.
Das Es und das Ja.
Jeden Tag.
Immer wieder neu. 

today I am forty; prettyvenditti.jetzt

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Wo bleibt bloss mein Verständnis?

Neulich unterhielt ich mich mit jemandem darüber, wie schwer wir uns damit tun, zu verstehen, was einen Menschen dazu treibt, sich vegan zu ernähren. „Ich meine, ein Leben so ganz ohne Käse und Eier, das kann ich mir schlicht nicht vorstellen“, sagte ich und plötzlich kam mir das, was ich sagte, ganz bekannt vor. „Ich meine, ein Leben so ganz ohne Steaks und Würste, das kann ich mir schlicht nicht vorstellen…“ Wie oft habe ich diesen Satz gehört, seitdem ich als Zehnjährige dem Fleisch abgeschworen habe? 

Fleisch hatte ich noch nie besonders gerne gegessen, erst recht nicht, als die Schafe, die wir mit der Schoppenflasche aufgepäppelt hatten, auf dem Teller landeten. Als wir mit der Schulklasse den Jägern einen Besuch abstatteten, standen da Eimer voller Blut herum und das gab mir den Rest. Damit begann der Kampf ums Verständnis. „Das machst du nur, um aufzufallen“, behaupteten die einen, „Das ist total ungesund“, die anderen, „Das ist nur eine Phase“, die Dritten. Es war keine Phase und nur um Aufmerksamkeit zu bekommen, zog man sowas in den frühen Achtzigern nicht durch. Da galt man nämlich noch als unglaublich schüchtern, wenn man beim Metzger die Wurstscheibe dankend ablehnte und bekam deshalb gleich zwei. Im Ferienlager wurde man als „schnäderfrässig“ beschimpft, wenn man auf Fleisch verzichtete und es konnte durchaus vorkommen, dass ein sadistisch veranlagter Lagerleiter einen dazu zwang, einen Landjäger runterzuwürgen, weil „gegessen wird, was auf den Tisch kommt“. In der Kochschule war man als Letzte fertig mit dem Essen, weil es überall Speckwürfel oder Schinkenstücke drin hatte, die man mühselig rausklauben musste und später, als die ersten Vegi-Menüs aufkamen, hatte man die Wahl zwischen Tortellini (Ricotta und Spinat) im Alltag und Auberginen-Schnitzel beim Festessen, weil Köche damals noch glaubten, ein Vegetarier brauche etwas Schnitzelförmiges auf dem Teller, damit er am Tisch nicht unangenehm auffällt. (Fragt nicht, auf wie vielen Hochzeiten um die Jahrtausendwende ich Auberginen-Schnitzel gegessen habe. Ich habe sie nicht gezählt. Aber glaubt mir, meine lieben Freunde, ich habe euch inzwischen verziehen.)

In jenen fernen Tagen fragte natürlich noch niemand „Esst ihr alles, oder ist jemand von euch Vegetarier?“ wenn man eingeladen wurde und so kam es öfter mal vor, dass ich mit Todesverachtung und möglichst ohne zu kauen Schinkengipfel oder Chicorée im Schinkenmantel runterwürgte, weil die Gastgeber ausser ein paar welken Salatblättern nichts Fleischloses auf den Tisch gebracht hatten. Der Satz „Tut mir Leid, ich bin Vegetarierin, ich esse lieber nichts“, war in jenen Tagen noch nicht überall salonfähig und hätte eine aufkeimende Freundschaft ernsthaft gefährden können. Aussergewöhnlich rücksichtsvolle Gastgeber dachten natürlich schon damals an die Bedürfnisse der Fleischverächter und kochten deshalb für die Vegetarier etwas mit Poulet. Wie hätte man bei so viel Rücksichtnahme sagen sollen, dass Poulet genau so wenig geht wie Schwein oder Rind?

Besonders schwierig wurde es, als ich Schwiegermama kennen lernte. „Du isst kein Fleisch?“, fragte sie ungläubig. „Na, dann nimm doch wenigstens ein bisschen Salami.“ „Ääääähm, Salami ist auch Fleisch…“ „Dann eben Rohschinken?“ „Auch Fleisch….“ „Aber Aufschnitt isst du doch bestimmt?“ „Leider nein….“ Noch irgendwelche Fragen, warum Schwiegermama und ich uns nicht auf Anhieb bestens verstanden haben? Um des lieben Familienfriedens Willen rang ich mich schweren Herzens dazu durch, wenigstens Poulet zu essen, was so lange halbwegs gut ging, bis mir Schwiegermamas Schwester Hühnerhälse vorsetzte. Von da an war ich wieder strikte Vegetarierin – bis auf die paar Bissen Fisch, die ich hin und wieder aus Vernunftgründen esse, weil Fisch ja bekanntlich klug macht – , auch wenn es Jahre brauchte, bis Schwiegermama sich daran gewöhnen konnte, mir kein Poulet mehr anzubieten und es nicht persönlich zu nehmen, wenn ich ablehnte. 

Inzwischen ist es natürlich längst kein Problem mehr, überall anständiges bis sehr gutes vegetarisches Essen zu bekommen. Die Frage, ob man Vegetarier ist, gehört bei jeder Einladung standardmässig dazu, ebenso wie das Aufatmen, wenn man sagt „Ja, aber nur Vegetarier, nicht vegan. Ich esse eigentlich alles, ausser Fleisch und Fisch.“ Vielleicht füge ich noch an. „Aus Überzeugung und weil ich es nicht mag, aber ich würde nie jemanden dazu zwingen, auf Fleisch zu verzichten. Und ja, für meine Kinder koche ich Fleisch“, weil ich genau weiss, dass diese Fragen folgen werden. Vegetarier sind inzwischen so alltäglich, dass sie schon fast langweilig sind. Heute ist sollte man mindestens vegan sein, vielleicht noch ein wenig laktoseintolerant oder Gluten-unverträglich obendrein.

Und wenn ich diesen letzten Satz so schreibe, schäme ich mich ein wenig, denn wer, wenn nicht ich, sollte Verständnis haben, wenn jemand aus Überzeugung seine Ernährung umstellt, obschon die anderen das irgendwie seltsam finden? 

essere collegato; prettyvenditti.jetzt

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Schneeneidisch

Winter ist nicht so mein Ding. Klar, ich finde Schnee wunderschön und ich liebe es, den fallenden Flocken zuzuschauen oder das reine Weiss im Sonnenlicht zu bewundern. Mein Bedürfnis, mich in dem kalten Zeug zu tummeln oder irgendwo in einer Skihütte bei Ländlermusik abzuhängen ist jedoch mikroskopisch klein. Das Geld für eine anständige Skiausrüstung und Ferien im Schnee – so ich es denn habe – gebe ich lieber für andere Dinge aus. Für Krankenkassenrechnungen, zum Beispiel, oder für die Reparatur des undichten Fensters im Wohnzimmer. 

Dennoch packt mich in diesen Tagen der blanke Neid, wenn ich – zwischen Krankenbesuch (momentan gerade auf der Intensivstation), Arztgespräch, Streit schlichten, weil Luise beim „Monopoly“ wieder mehr einheimst als alle anderen und Mittagessen kochen – einen Blick auf mein Facebook-Profil werfe. Dort sieht es nämlich so aus, als tummle sich gerade alle Welt vollkommen sorgenfrei auf verschneiten Bergen, währenddem bei uns mal wieder alles aus dem Ruder läuft. Filmchen von putzigen Missgeschicken bei ersten Versuchen auf Skiern und glückliche Gesichter in der virtuellen Welt, sorgenvolle Mienen und gelangweilte Kinder in dem, was wir unser echtes Leben nennen. Und jetzt sind auch noch die Läuse zurückgekehrt….

Klar, mein Kopf sagt mir, dass das alles gar nicht so schlimm ist, dass das Dasein andernorts auf diesem Planeten wirklich elend ist, während wir nur eine Phase durchstehen, die halt eben zum Leben gehört. Mein Kopf sagt mir auch, dass ich eigentlich nicht die geringste Lust hätte, mir den Hintern am Rande einer Skipiste abzufrieren. Aber tief in mir drinnen haust auch ein kleiner Jammerlappen und der führt sich in diesen Tagen auf wie Rumpelstilzchen. „Alle haben Spass“, schimpft er, „nur wir müssen mal wieder am Rande stehen und zuschauen, wie sich die anderen vergnügen. Ich will auch in den Schnee!“ Und auch wenn er vollkommen stumpfsinniges Zeug von sich gibt, dieser Jammerlappen, zum Schweigen bringen lässt er sich halt doch nicht so leicht.

l' infanzia è finita; prettyvenditti.jetzt

l‘ infanzia è finita; prettyvenditti.jetzt

Fragt bitte nicht, wie das gehen soll

Wenn ich gefragt werde, wie wir das mit fünf Kindern hinkriegen, murmle ich irgend etwas wie „Geht halt irgendwie“. Solche Fragen sind mir nämlich peinlich, weil a) das für uns ganz normaler Alltag ist, b) ich Familien kenne, die mehr Kinder mit weniger Chaos managen und c) ich oft denke, wir könnten besser, wenn wir es nur richtig anpackten. Blicke ich aber auf die kommenden drei Tage, dann frage ich mich für einmal auch, wie das gehen soll.

Es ist nämlich so: „Meiner“ beginnt morgen seine halbjährige Weiterbildung mit drei Tagen erzwungenem Fastnichtstun ausser Hause. Mir bleibt derweilen das Vergnügen, fünf Schulferienkinder zu bespassen, was theoretisch so aussähe, dass wir drei tolle Tagesausflüge machten, wenn denn nicht der FeuerwehrRitterRömerPirat fiebernd auf dem Sofa läge. Und auch wenn das Fieber sinken würde, wäre das mit den Ausflügen nicht ganz so einfach, wie ich es mir letzte Woche noch ausgemalt hatte. Morgen früh steht nämlich erst mal ein Arzttermin, den ich vor Monaten in Unkenntnis des morgigen Programms vereinbart habe, auf meinem Programm, was zur Folge hat, dass wir spätestens um elf Uhr weg könnten, wenn wir denn könnten.

Nehmen wir mal an, der FeuerwehrRitterRömerPirat wäre morgen wider Erwarten fieberfrei, würde es trotzdem nicht zu einem ausgedehnten Ausflug reichen, weil ich irgendwann noch zu Schwiegermama sollte, weil ein ärztlicher Bericht zu erwarten ist, den ich übersetzen muss, was ich streng genommen nicht dürfte, weil ich mich mit einer grippeartigen Sache rumschlage, die Schwiegermama jetzt nicht brauchen kann. Aber wer ausser mir kommt denn als Übersetzerin in Frage, wenn „Meiner“ weg ist? (Dass meine Schwedischlektion schon wieder ins Wasser fallen wird, sei nur am Rande erwähnt. Und die Frage, wann ich denn meine Artikel schreiben soll, verdränge ich einmal mehr.) 

Na ja, wenn’s morgen nicht hinhaut, klappt es vielleicht am Dienstag. Falls dann nicht Schwiegermama vorübergehend aus dem Spital entlassen wird, was natürlich absolute Priorität hätte. Und falls wir früh genug aus dem Haus kommen, damit wir um halb sieben wieder zu Hause sind, weil der FeuerwehrRitterRömerPirat zum Fechten muss. So er denn fieberfrei ist. 

Aber am Mittwoch sollte es klappen mit dem Ausflug. Gleich nach dem Einkauf, der bis dahin ganz sicher fällig sein wird, weil mittwochs immer der Kühlschrank leer ist. Und falls sich der Käfer des FeuerwehrRitterRömerPiraten bis dahin nicht an andere Familienmitglieder rangemacht hat.  

la pianta di guatemala; prettyvenditti.jetzt

la pianta di guatemala; prettyvenditti.jetzt

Mitgehört im Zug

Junge Frau greift zum Handy:

„Guten Tag, ich habe heute einen Termin bei Ihnen, aber ich komme etwas verspätet.“

Schweigen

„Ich musste eben gestern Abend bis elf Uhr durcharbeiten und jetzt sind heute die Zugverbindungen etwas schlecht.“

Schweigen

„Wie viel später? Ja, ich denke, etwa eine halbe Stunde später oder so.“

Schweigen

(ungehalten): „Ja, wann haben Sie denn den nächsten freien Termin für mich?“

Schweigen

(spöttisch): „Das sollte ja wohl noch reichen, oder? Braucht ja nicht sooooo viel Zeit.“

Schweigen

(aufgebracht): „Ja, was kann ich denn dafür, dass ich bis elf durcharbeiten musste und erst um zwei in die Federn konnte?“

Schweigen

(sarkastisch): „Dann bestellen Sie mir doch einen Helikopter und sorgen Sie dafür, dass ich in vier Minuten pünktlich zum Termin erscheine!“

Schweigen

(als wäre nie ein unfreundliches Wort gefallen): „Danke, Ihnen auch einen schönen Tag.“

Ich glaube, die junge Frau wird’s mal wirklich weit bringen in ihrem Leben.

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Schreibblockade der anderen Art

Nicht meine Diagnose.

Nicht meine Krankheit.

Nicht mein Leben.

Nicht meine Geschichte.

Nicht meine Verwandtschaft, die alles noch viel komplizierter als nötig macht. 

Nicht meine Pläne für diese Schulferien, in denen wir gerade stecken.

Und doch so dominierend, dass kaum mehr Raum zum Schreiben bleibt. Weder im Kopf noch im Blog. 

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Aufräumsamstag

Prinzchen sitzt fast den ganzen Tag im Zimmer und räumt auf. Na ja, unabhängige Beobachter würden eher sagen, er baue seine Legos zusammen, aber unabhängige Beobachter wissen eben nicht, dass für Prinzchen die Ordnung in der Legokiste anfängt. Ich weiss das zwar, finde aber trotzdem, die Schmutzwäsche müsse auch endlich aus dem Zimmer, das Bett brauche ein frisches Laken und der Abfall gehöre in den Sack. Nach einer kleinen Konfrontation erklärt sich das Prinzchen bereit, meinen Aufräumstil zu akzeptieren, was zur Folge hat, dass ich den ganzen Kram mache und er weiter mit Engelsgeduld seine Legokiste aufräumt. 

Für den Zoowärter geht aufräumen so: Alles, was rumliegt, wird in Schränke und Regale gestopft und danach knallt man sich provokativ mit einem „Lustigen Taschenbuch“ aufs Bett. Eine halbe Stunde später dann Sirenengeheul, weil der Papa – dieser Tyrann – der Meinung ist, Schmutzwäsche gehöre in den Wäschekorb, nicht in den Schrank und „Lustige Taschenbücher“ würden sich im Bücherregal besser machen als auf einem grossen Haufen unter dem Bett. 

Im Prinzip sieht der FeuerwehrRitterRömerPirat die Sache mit dem Aufräumen ganz ähnlich wie der Zoowärter, um nicht das Misstrauen seiner Eltern zu erwecken, gibt er aber vor, er wolle ganz dringend noch das Badezimmer putzen. Was a) zu einer Überschwemmung führt, weil er den Putzlappen nicht auswringt und b) nicht funktioniert, weil Papa ihm doch auf die Schliche kommt und der arme Junge nach dem Badezimmer noch einmal sein Zimmer machen muss. Höchste Zeit also, mal wieder den sterbenden Schwan zu geben.

Luise gibt sich top motiviert, wenn es ums Aufräumen geht. Sie weiss genau, wie ihr Zimmer aussehen soll, welche Deko sich gut machen würde, wie sie ihre Kleider auf der Stange aufhängen will, welches Möbelstück auch noch toll wäre, wie sie die Wände streichen möchte, wo das Bett besser stehen würde, auf welchem Regal ein Blumenstrauss oder eine Kerze hingehörte,… Wenn doch nur ihre Eltern endlich mal den ganzen Kram, der rumliegt, aufräumen würden, dann könnte sie loslegen und ihrem gestalterischen Talent Ausdruck verleihen. 

Karlsson hat sein Zimmer vor zwei Wochen perfekt aufgeräumt und sich geschworen, von nun an Ordnung zu halten. Das reicht. Jetzt kann er ganz getrost wieder alles zuwachsen lassen, bis man keinen Zentimeter Fussboden mehr sieht. Dafür aber erledigt er klaglos all die kleinen Aufträge im Haushalt, die „Meiner“ und ich ihm auftragen und philosophiert beim Binden der Altpapierbündel darüber, wie lächerlich es doch ist, dass seine Geschwister immer so ein Geschrei machen, wenn saubermachen angesagt ist.

„Meiner“ putzt, räumt auf, wechselt Lampen aus, kümmert sich um die Heizung, die schon wieder aussteigen will, räumt Schränke leer, treibt die Kinder an und moralisiert am laufenden Band, weil die anderen sechs Familienmitglieder einfach nicht so richtig mitmachen wollen bei seinem bevorzugten Samstagsprogramm.

Ich tue erst mal so, als würde ich putzen, dann aber fange ich an, mir die Rosinen aus dem grossen Aufräumkuchen zu picken: Noch schnell ein paar dringend benötigte Putzmittel kaufen, Wäsche aufhängen, Möbel polieren, Geschirrspüler ein- und ausräumen, Essen kochen für die übermüdete Putzmannschaft,… Weil dann aber nach und nach einer nach dem anderen aus dem Rennen um das sauberste Zimmer aussteigt, bleibt mir am Ende nichts anderes übrig, als mit „Meinem“ zusammen den ganzen Rest fertig zu machen. Er weiterhin hoch motiviert, ich hingegen in grosser Versuchung, auch mal die Nummer mit dem sterbenden Schwan zu probieren. Ob ich das so meisterhaft hinkriegen würde wie der FeuerwehrRitterRömerPirat?

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