Stimmbürger in den Startlöchern

Prinzchen schaut sich eine alte Ausgabe des „Nebelspalters“ an. Ein wiederkehrendes Thema ist die Volksabstimmung „Ja zur grünen Wirtschaft“, die damals gerade aktuell war.

Prinzchen: „Grüne Wirtschaft? Soll man da Ja oder Nein stimmen?“

Ich: „Ich habe Ja gestimmt, denn ich finde es wichtig, dass wir die Umwelt schützen.“ 

Prinzchen: „Dann ist diese Abstimmung also schon vorbei?“

Ich: „Ja und die Mehrheit hat Nein gestimmt.“

Prinzchen (zu sich selber): „Dann hätte ich hier unbedingt Ja stimmen müssen, wenn ich schon abstimmen dürfte.“

Nur noch zehn Jahre, dann darf er…

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Ein ganz normaler Bünzli halt

Wenn ich am frühen Morgen drei wildfremde Menschen dabei ertappe, wie sie mit Schaufel und Pickel bewaffnet durch unseren Garten stiefeln, meine eben erst erblühenden Schneeglöckchen zertreten und den im Herbst neu angepflanzten Heidelbeerbüschen gefährlich nahe kommen, geraten meine Grundsätze ins Wanken. Was hilft mir da mein Wissen, dass im direkt an unser Grundstück grenzenden Haus umgebaut wird, weshalb mit solchen Vorkommnissen zu rechnen war? Was hat die Stimme der Vernunft zu melden, die mir leise ins Ohr flüstert, die Kerle seien ja in dem Teil des Gartens unterwegs, den wir in diesem Frühjahr ohnehin neu gestalten wollen, da könnten sie keinen namhaften Schaden anrichten? Rein gar nichts, denn die Kleinkarierte in mir registriert nur „Schaufel. Pickel. Zertretene Schneeglöckchen. Heidelbeerbüsche in Gefahr!“ und schon reisst sie – noch im Pyjama – das Fenster auf, um in Erfahrung zu bringen, was dieses frevelhafte Tun auf unserem Grundstück zu bedeuten habe. 

Wenn es um meinen Garten geht, kommt leider auch bei mir der stinknormale Bünzli zum Vorschein, der halt auch irgendwo, zwischen Weltoffenheit und Toleranz, in mir drin hockt. 

Ich fürchte, der Umbau im Nachbarhaus wird meinen Entschluss, allen Menschen erst einmal unvoreingenommen zu begegnen und sie anständig zu behandeln, noch öfter auf eine harte Probe stellen. 

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Wie ich unseren Käse verraten habe

Heute Abend nach langer Zeit wieder einmal Marktforschung am Telefon.

Nachdem man die üblichen Dinge über mich in Erfahrung gebracht hat – Alter, Geschlecht, Nationalität – die Frage aller Fragen:

„Frau Venditti, mögen Sie Schweizer Käse?“

Und weil ich diese Frage mit „Ja, natürlich“ beantworte, folgen weitere Fragen, die meine Liebe zum Schweizer Käse fassbarer machen sollen.

Ob ich der Meinung sei, Schweizer Käse sei würziger als alle anderen Käsesorten auf der Welt. Ob ich denke, inländischer Käse werde mit mehr Sorgfalt hergestellt als ausländischer Käse. Ob ich finde, nur Schweizer Käse bestehe ausschliesslich aus naturbelassenen Zutaten. Ob ich die Überzeugung vertrete, Schweizer Käse werde in einer intakten Umwelt produziert. Und noch ein paar weitere Fragen, die ich als gebürtige Schweizerin natürlich allesamt ohne zu zögern mit einem kräftigen Ja hätte beantworten müssen.

Aber was tue ich schlechter Mensch stattdessen? Denke an die dampfenden Nudeln, die man mir im Piemont aus einem ausgehöhlten Parmiggiano serviert hat. Erinnere mich daran, wie ich den Cheddar lieben gelernt habe. Muss aufpassen, dass ich bei den Fragen bleibe, anstatt in Gedanken abzuschweifen zu der wunderbaren Käseauswahl in Frankreich. Gestehe ausländischen Käsern das gleiche Berufsethos zu wie den einheimischen. Weigere mich standhaft, meiner Liebe zum Käse eine Landesgrenze zu setzen. Und behaupte am Ende gar, weder unser Käse noch irgend ein anderer werde in einer intakten Natur hergestellt, weil es sowas auf unserem Planeten kaum mehr gebe. Also Verrat auf der ganzen Linie.

Am Ende der Befragung weiss ich einmal mehr: Ich tauge definitiv nicht zur Nationalistin. Auch nicht in Sachen Käse.

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Nur schnell einen Termin vereinbaren

Es liegt mir fern, zu behaupten, früher sei alles besser gewesen (auch wenn man sich in diesen trüben Tagen unbeschwertere Zeiten herbeisehnt), aber wenn ich mir überlege, was man heute alles auf sich nehmen muss, um einen ganz banalen Arzttermin zu bekommen, sehne ich mich schon fast ein wenig nach dem griesgrämigen, hochnäsigen Hausarzt aus Kindertagen. Nun gut, ihn wünsche ich mir eigentlich nicht zurück, denn er war wirklich ein ausgesprochen unsympathischer Zeitgenosse, aber das simple Prozedere, das damals noch möglich war, um zu ihm zu gelangen, das fand ich eigentlich ganz nett.

Das ging damals nämlich so:

Waren wir krank, blieben wir im Bett, bis wir wieder gesund waren. Waren wir sehr krank, überlegte meine Mutter so lange, ob wir zum Arzt gehen sollten, bis die Sache ausgestanden war und sich der Besuch erübrigte. Waren wir sehr sehr krank, liess sie sich einen Termin geben, ein paar Stunden später sassen wir eingeschüchtert im Untersuchungszimmer, wo wir aufs Gründlichste durchgecheckt und ausgeschimpft wurden, weil wir ja bestimmt irgend etwas falsch gemacht hatten, um so krank zu werden, dann gab es ein Rezept und damit war die Sache erledigt.

Heute hingegen geht das so:

Bist du krank, bleibst du im Bett, bis du wieder halbwegs im Stande bist, deiner täglichen Arbeit nachzugehen. Also etwa drei Stunden oder so. Bist du sehr krank, schmeisst du Medikamente ein, bleibst etwas länger im Bett und fragst Dr. Google, ob du dir Sorgen machen musst. Weil dein Arbeitgeber ein Arztzeugnis verlangt – oder weil du einer der Menschen bist, die sich von Dr. Google nervös machen lassen -, entschliesst du dich, zum Arzt zu gehen.

Als verantwortungsbewusster Bürger, der nicht unnötig dazu beitragen will, die Krankenkassenprämien in noch schwindelerregendere Höhen zu treiben, rufst du natürlich nicht direkt in die Praxis an, sondern fragst erst mal beim telemedizinischen Dienst um Erlaubnis. Wie das genau gehen soll mit dem Kostensparen durch Telemedizin, erschliesst sich mir leider nicht, denn in meiner Erfahrung sind diese Dienste so hysterisch, dass sie dich sogar dann zum Arzt schicken, wenn Dr. Google noch lässig in seinem Sessel lehnt und brummt: „Wegen diesem Mückenschiss brauchst du dich nun wirklich nicht gleich so aufzuregen.“

Nun, sie mögen hysterisch sein, diese Telemediziner, das heisst aber noch lange nicht, dass du sogleich zum Telefon greifen darfst, um beim Hausarzt einen Termin zu vereinbaren. Erst wollen die netten Leute nämlich noch ein paar Bilder von deinem Leiden sehen. Bilder, die gefälligst gut belichtet sein sollen und die dein Gebrechen von unten, von oben, von hinten, von vorne und dann noch einmal von unten, aber diesmal bitte schräg zeigen. Also kämpfst du dich mit letzter Kraft von deinem Krankenlager hoch, um in deiner Wohnung die Stelle zu finden, die perfekte Lichtverhältnisse für das Shooting bietet. Weil du diese Stelle nie auf Anhieb findest, bist du vollkommen entkräftet, wenn du endlich mit dem Fotografieren loslegen kannst. Und jetzt geht der Stress erst richtig los. Versuch mal, beispielsweise deine Zunge – von unten, von oben, von hinten, von vorne und dann noch einmal von unten, aber diesmal bitte schräg – so ins Bild zu bekommen, dass die Leute, die sich das ansehen müssen, wirklich nur deine Zunge zu sehen bekommen und nicht auch noch dein Gesicht, das bei den ganzen Verrenkungen, die du anstellen musst, gar nichts anderes sein kann, als eine hässliche Fratze. Man wird sich ja wohl noch einen letzten Funken Eitelkeit bewahren dürfen, auch wenn man krank ist. Zudem weiss man nie, wer die Bilder zu sehen bekommt. Am Ende lachen sich ein paar schnöselige Lackaffen in der Kaffeepause ob deiner Horror-Selfies schlapp.

Nun, irgendwann sind die Bilder gemacht. Jetzt brauchst du also nur noch die App, die man neuerdings für das Einsenden solcher Fotos benötigt, zu installieren, deine Krankenkassendaten einem undurchsichtigen System anzuvertrauen und die Bilder hochzuladen, bis du wieder ins Bett gehen kannst, um auf den Rückruf der Telemediziner zu warten.

Im besten Fall sind deine Symptome gänzlich abgeklungen, bis man dich endlich zurückruft und du kannst dem Teledoktor bescheiden, du bräuchtest den Termin, den er dir hätte bewilligen sollen, nicht mehr. Im schlechtesten Fall lässt der Rückruf bis Freitagnachmittag, 16:57 Uhr auf sich warten, dir geht es so elend wie zuvor und so hast du die Wahl, bis Montag vor dich hin zu seuchen oder einer jener Deppen zu sein, die wegen einer nicht wirklich schlimmen aber halt doch ziemlich mühsamen Sache auf dem Notfall aufzukreuzen.

Und selbst wenn der Rückruf mal schnell und zu einem günstigen Zeitpunkt kommt, heisst das noch lange nicht, dass der Weg zum Hausarzt jetzt frei ist. In der Regel werden Hausärzte nämlich von feuerspeienden Vorzimmerdrachen bewacht und die wollen ganz genau wissen, ob du die Aufmerksam des Gottes in Weiss wirklich verdient hast, oder ob du nur wieder einer von denen bist, die sich von Dr. Google haben aufhetzen lassen. Und wag es bloss nicht, den Drachen mit der Bemerkung „Ich hatte schon einmal fast die gleichen Symptome, vielleicht ist es wieder eine ähnliche Geschichte wie beim letzten Mal“ zu besänftigen. Drachen mögen keine Patienten, die glauben, die Symptome, die sie am eigenen Leib spüren, hätten irgend eine Bedeutung für die Diagnosenstellung.

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Ende des Tunnels?

Nach zahllosen Elterngesprächen, bei denen wir am Ende wie geschlagene Hunde aus dem Schulzimmer schlichen, weil es ja nicht von nichts kommen kann, wenn es mit einem Kind nicht so läuft, wie die Schule das gerne hätte,…

Nach so manchem furchtbar peinlichen „Frau Venditti, wir müssen reden“-Anruf,…

Nach vielen Terminen mit Experten, bei denen wir gelegentlich vollkommen entspannt und aufnahmefähig rechtzeitig im Wartezimmer sassen, in der Regel aber verschwitzt, leicht gereizt und mit einem Trupp kleiner Kinder im Schlepptau angerast kamen,…

Nach stundenlangem Brüten über Abschlussberichten, Standortbestimmungen, Untersuchungsergebnissen, Verordnungen und Formularen,…

Nach gefühlten zehntausend Tagen, an denen wir nicht mehr ein und aus wussten, weil Kind und Schule einfach nicht kompatibel zu sein schienen,…

Nach endlosem Gejammer und Geklöne, das sich Freunde und Verwandte von uns anhören mussten,…

Nach wunderschönen, mutmachenden Worten von lieben Menschen, die unser Gejammer und Geklöne auch beim hundertsten Mal noch ernst nahmen,… 

Nach mehreren intensiven Expertenrunden, bei denen zwar alle Beteiligten sehr guten Willen zeigten, die Grenzen des Machbaren aber doch wenig Spielraum für echte Veränderungen boten,…

Nach zornigen Ausbrüchen, weil einen bei der Starre des Systems und dem ewigen Dreinfunken des Kantönligeistes ein Gefühl der Ohnmacht überfällt,…

…sieht es endlich so aus, als gebe es einen richtig guten Ausweg aus dieser miesen Sackgasse. Und jetzt, wo wieder Licht ins Dunkel fällt, erkennt man, dass es zwischen all den Paragraphen und Verordnungen des Volksschulgesetzes halt auch Menschen gibt, denen das Wohlergehen eines Kindes wirklich am Herzen liegt.

So etwas muss auch einmal gesagt sein. 

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Meine verehrten Schuhverkäufer

Mir ist bewusst, dass euer Leben in den vergangenen Jahren härter geworden ist. Der Versandhändler aus Deutschland macht euch die Kundschaft abspenstig, die Leute, die sich noch in eure Geschäfte verirren, kommen nur, um Schuhe anzuprobieren und dann doch im Netz einzukaufen und dann habt ihr auch noch andauernd Scherereien, weil die Biligware, die ihr verkauft, nicht lange hält, was den kleinen Rest an Stammkundschaft, der euch erhalten geblieben ist, vergrämt. Kein Wunder also, dass ihr allmählich nervös werdet.

Dennoch muss ich euch etwas fragen: Was denkt ihr, weshalb ich zu euch komme? Um mir Imprägnierspray  – „100 Prozent mehr Inhalt zum gleichen Preis!“ – aufschwatzen zu lassen? Um mich davon überzeugen zu lassen, dass ich ohne Wildlederbürste und Spezialpflege für dunkelblaue Schuhe nie ein wahrhaft glückliches Leben führen werde? Um mich vo euch beschwatzen zu lassen, nur mit einer Mitgliedschaft in eurem Schuhclub sei mein Leben noch lebenswert? Um festzustellen, dass eure Verkäuferinnen nicht in der Lage sind, den Satz „Ich habe jetzt leider keine Zeit, um mich mit Ihrem Schuhclub zu befassen und Zubehör brauche ich nicht“ zu verstehen.

Wisst ihr, liebe Schuhverkäufer, was ich tun werde, wenn ihr nicht damit aufhört, mich an der Kasse zu beschwatzen? Ich werde mir im Internet – natürlich nicht bei eurem grossen Konkurrenten aus Deutschland, sondern bei einem tollen Öko-Geschäft – die richtig coolen Öko-Schuhe, die ich bei euch vergeblich suche, bestellen. Ja, im Internet werde ich auch mit Werbung belästigt, aber die kann ich dezent wegclicken. Manche eurer Verkäuferinnen hingegen bringe ich nur zum Schweigen, wenn ich, nachdem ich mit meinem höflichen Nein gescheitert bin, so richtig unfreundlich werde.


 

Jugend und Kultur

Da klagen sie immer, Jugendliche würden sich nicht für Kultur interessieren. Anstatt sich in gepflegtem Rahmen eine Symphonie anzuhören, würden die sich lieber bekifft irgendwo an einem Open Air-Festival im Schlamm wälzen. Man könne sich noch so sehr um sie bemühen, mit klassischer Musik liessen sie sich einfach nicht hinter dem Ofen hervor locken.

Wenn dann aber ein Jugendlicher nichts lieber tut, als Symphonien, Oratorien, Variationen, Sonaten und dergleichen zu lauschen und du möchtest für ihn in einem der grösseren Konzerthäuser dieses Landes Karten reservieren, weil er nicht weiss, was er sich zum Sechzehnten wünschen soll, dann heisst es: „Natürlich bieten wir Studentenvergünstigungen an, aber reservieren? Das können Sie gleich vergessen. Wenn einer, der noch grün hinter den Ohren ist, wirklich glaubt, er sei in der Lage, Bachs Weihnachtsoratorium zu geniessen, soll er das gefälligst beweisen, indem er sein Ticket an der Abendkasse holt. Wird ja wohl kaum ausverkauft sein. Wer will denn schon Bach  hören?“

Nun gut, ganz genau so haben sie es natürlich nicht gesagt, aber die Botschaft war klar: Sitzplätze für junge Musikliebhaber gibt es in diesem Haus nur, wenn sich nicht genügend Gutbetuchte finden lassen, um die Reihen zu füllen.

(Ach ja, einem Jugendlichen würde es selbstverständlich auch nichts ausmachen, mehr als eine Stunde Reisezeit in Kauf zu nehmen, nur um an der Abendkasse zu erfahren, Bach sei nun wieder Erwarten doch ausverkauft. Die haben ja ohnehin zu viel Zeit, die Jungen und das Bahnbillett wird denen ja auch fast gratis hinterher geschmissen…)

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So ist er halt, der Kantönligeist

In diesem wunderbaren Land, in dem wir leben, kann es dir passieren, dass dir an einem Elterngespräch, bei dem es um die Zukunft deines auf spezielle Förderung angewiesenen Kindes geht, gesagt wird: „Ja, die Lösung, die wir jetzt skizziert haben, wäre wirklich ideal und wir denken, Ihrem Kind würde das sehr viel helfen, aber da zwischen Ihrem Wohnort und der drei Kilometer entfernten Schule die Kantonsgrenze liegt, können wir nicht garantieren, dass dies bewilligt wird.“ Die Alternative? Weiterhin irgendwie durchbeissen. Oder einen Schulweg von 40 Kilometern in Kauf nehmen. Oder selber irgend eine Lösung finden.

Manchmal könnte ich ihn erwürgen, diesen Kantönligeist. 

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Die Fragen bleiben

Hat man Kinder, die allmählich daran denken, erwachsen zu werden, stellen sich plötzlich ganz neue Fragen. Zum Beispiel diese hier:

  • Haben wir ihnen genügend Liebe mit auf den Weg gegeben, damit unsere Fehler, die sie nun allmählich zu analysieren beginnen, dadurch aufgewogen sind?
  • Sind wir schon alt genug, um hemmungslos peinlich sein zu dürfen, oder müssen wir uns noch anstrengen, uns halbwegs normal zu benehmen, wenn die Freunde unserer Kinder zugegen sind?
  • Wann sind sie gross genug, um zu erfahren, wie die Dinge zwischen Schwiegermama und mir wirklich stehen?
  • Wie offen dürfen wir darüber reden, warum die Dinge zwischen Schwiegermama und mir so stehen, wie sie jetzt stehen?
  • Wie detailreich dürfen jetzt, wo sie mehr verstehen, die Erzählungen über die Fehler unserer Jugendjahre ausfallen?
  • Ist es schon okay, wenn ich in Gegenwart der Teenager gewisse in Stein gemeisselte Regeln aus Kindertagen breche, oder beschädige ich dadurch noch meine Glaubwürdigkeit? (Ich meine jetzt nichts Gravierendes. Nur mit den Händen aus der Schüssel essen, mehr Schokolade nehmen als offiziell vereinbart und solche Sachen.) 
  • Darf ich jetzt endlich beleidigt sein, wenn die grösseren Kinder mich fragen, ob es schon das Frauenstimmrecht gab, als ich achtzehn war, oder muss ich ihnen immer noch ein kleines Stück Unwissenheit zugestehen?

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Die sind imfall schon fast erwachsen

Es ist zwar schon eine Weile her, aber die Sache geht mir trotzdem nicht aus dem Kopf. Da sitze ich mit Karlsson in dieser Infoveranstaltung. Scharenweise sind die Teenager gemeinsam mit ihren bereits leicht angegrauten Eltern in die Aula gekommen, um zu lauschen, was ein Lehrer über Auslandaufenthalte, Eigeninitiative und Projektarbeiten zu sagen hat. Wie bei solchen Veranstaltungen üblich, gibt es am Ende Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ein Vater hebt die Hand und will wissen: „Können Sie garantieren, dass die Kinder bis zum Ende ihrer Schulzeit mit den gleichen Gspänli in der Klasse bleiben werden?“

Himmel, diese „Kinder“ und „Gspänli“ stehen an der Schwelle zum Erwachsenenalter, einige von ihnen werden vielleicht schon bald für ein paar Monate alleine ins Ausland gehen, manche sind alt genug, um sich ganz legal Bier zu kaufen. Wäre es da nicht allmählich an der Zeit, nicht mehr über sie zu reden, als hätten sie eben erst ihren ersten Kindergartentag hinter sich?

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