Schulsack

Ein letztes Mal mit einem zukünftigen Erstklässler auf Schulsack-Suche. Ein letztes Mal „Nimm doch lieber den mit den Elefanten, der mit dem Flugzeug ist langweilig.“ Ein letztes Mal: „Nein, nimm den nicht. Mit dem schämst du dich, wenn du in der Dritten oder in der Vierten bist.“ Ein letztes Mal Gegensteuer geben, weil das Verkaufspersonal die Kinder mit grellen Extras ködern will, Extras, die im Schulalltag ganz schnell an Glanz verlieren und dann hat man ihn, den langweiligsten Schulsack aller Zeiten. Ein letztes Mal die Diskussion, ob man dazu auch noch ein Znüniböxli braucht, eine Trinkflasche und den passenden Turnsack. Ein letztes Mal „Möchtest du ein Sugus?“, bevor das Geld einkassiert wird. Ein letztes Mal Luft anhalten, weil das Zeug immer ein halbes Vermögen kostet. (Ja, ich hab‘ die Luft angehalten, auch wenn diesmal nicht unser Konto belastet wird.) Ein letztes Mal die Spannung der Geschwister: „Zeig her, was hast du gewählt?“ Ein letztes Mal der Gedanke, dass ich ja einen anderen genommen hätte, aber dass das Kind trotzdem ziemlich guten Geschmack bewiesen hat. 

Aber ganz bestimmt nicht zum letzen Mal der Gedanke: „Himmel, könnte mal bitte einer die Zeit anhalten? Mir geht das irgendwie alles zu schnell.“

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Schülerkonzertgedanken

Was mir an einem Schülerkonzert so alles durch den Kopf geht:

Ich glaube, das mit der Yellow Submarine haben sich die Beatles ein wenig anders vorgestellt.

Sind sie nicht wunderbar, meine musizierenden Kinder?

Eines Tages wird die Menschenrechtskonvention erkennen, dass die Musik von Ludovico Einaudi zu Folterzwecken missbraucht werden kann und deswegen verboten gehört.

Ich weiss, dass meine Kinder nicht wunderbarer sind als alle anderen Kinder auch, aber sind sie nicht wunderbar?

Gibt es einen herzerwärmenderen Anblick als ausgewachsene Teenager, die mit Begeisterung ihre Musikinstrumente traktieren?

Ist er nicht wunderbar, mein kleiner Prinz, der andauernd auf einem imaginären Klavier spielt, währenddem er zuhört, wie die anderen musizieren?

Gibt es einen herzerwärmenderen Anblick als ein Kleinkind, das bei jedem Musikvortrag – egal, ob klassisch, rockig oder sonst was -, vor lauter Begeisterung nicht mehr an sich halten kann?

Ist er nicht wunderbar, mein Zoowärter, der im Publikum sitzt und mir erklärt, die Musik, die da gespielt werde, sei der perfekte Soundtrack zu dem, was in seiner Phantasie gerade ablaufe?

Schon eigenartig, dass man bei solchen Anlässen seit Jahren schon immer die gleichen Familien sieht. Und andere Familien nie. 

Himmel, ja, sie sind wunderbar, deine Kinder, aber kannst du jetzt mal aufhören mit deiner Schwärmerei, du elende Glucke?

Gar nicht schlecht, die Idee, das Programm ein wenig zu straffen und das Publikum ins Dunkle zu setzen. So herrscht endlich mal Ruhe im Saal und die Kinder müssen nicht gegen das ewige Geschwätz anspielen. 

Schweig, Glucke, ich will dich nicht mehr hören!

Wäre das ein Sportanlass, hätte es bestimmt etwas mehr Dorfprominenz hier.

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Schulbesuchstag, 785. Ausgabe (oder so)

Eigentlich müsste ich ja gar nicht mehr hingehen. Ich kenne die Lehrer, die Lehrer kennen mich und der Unterricht ist wie er immer schon war, mal spannender, mal langweiliger. Prinzchen, Zoowärter und FeuerwehrRitterRömerPirat aber wünschen sehnlichst meine Anwesenheit, und sei sie noch so kurz, weil ich fünf Besuche in zwei Tage quetschen muss.

Luise hingegen will auf gar keinen Fall, dass ich komme. Der Besuch bei ihr ist also eine heilige Pflicht, denn die einzige Rolle, die sie mich in ihrem Leben noch spielen lässt, ist jene der peinlichen Mutter und dieses Engagement nehme ich sehr ernst. (Wie ernst? So ernst, dass ich im Englischunterricht beinahe aufgestreckt hätte, um einen Adverb-Fehler auf dem Arbeitsblatt zu korrigieren, aber ich hab’s dann bleiben lassen, weil die Lehrerin ihre Sache sonst ganz gut macht.)

Na ja, und Karlsson – der mir ganz gerne seine Lehrer präsentiert – hätte eigentlich gewünscht, ich wäre bereits am Montag gekommen, damit er seine lineare Erörterung nicht schreiben muss, aber diesen Gefallen konnte ich ihm beim besten Willen nicht tun, denn sonst würden unsere Gespräche noch länger im folgenden Muster verlaufen: „Welches Thema soll ich denn nehmen, Mama?“ – „Nimm doch….“ – „Nein, das ist Scheisse.“ – „Dann nimm halt…“ – „Nein, haben wir im Unterricht schon gemacht.“ – „Dann eben….“ – „Sicher nicht! Das machen schon alle anderen.“ – „Und warum nicht…?“ – „Auf gar keinen Fall. Ist ja total bescheuert.“

Man sieht also, meine Gründe für mein andauerndes Rumhängen in Schulzimmern sind so vielfältig wie unsere Kinder. Und wenn man erst mal dort ist, wird’s ganz amüsant, weil man endlich mal mit den Müttern quatschen kann, die man sonst nie sieht. Dann stehen wir in der Ecke rum, tratschen über dies und jenes und fragen uns, ob die Kinder es überhaupt noch wahrnehmen, wenn die Lehrerin alle zwei Minuten entnervt „Schhhhhhhh“ macht.

Okay, es hat eine Weile gedauert, bis ich einen auffälligen Zusammenhang zwischen ihrem „Schhhhhhhh“ und meinem Kichern erkannt habe. Ich bin dann ein Zimmer weiter gezogen, um den Unterricht nicht länger zu stören. 

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Transformer

Eigentlich kaufe ich ja keine „Transformers“. Weil ich sie hässlich finde. Und doof. Und zu teuer. Und überhaupt. Nein, eigentlich kaufe ich sie wirklich nicht. 

Es sei denn, das Prinzchen bekäme von einem Klassenkameraden einen geschenkt, ein ausnehmend hässliches Exemplar in Grün und Schwarz. Freudenstrahlend käme das Prinzchen nach Hause gerannt, bald schon würden er und der Zoowärter glücklich mit dem Kerl spielen. „Bist du dir sicher, dass er dir das Ding geschenkt und nicht geliehen hat?“, würde ich fragen. „Ja, ganz sicher“, würde mein Sohn antworten. „Er hat gesagt, ich dürfe ihn für immer behalten.“Na ja, wir werden ja sehen“, würde ich sagen und das Mittagessen auf den Tisch stellen. Kaum hätten wir uns alle hingesetzt und Essen geschöpft, würde das Telefon klingeln. Es wäre die Mutter des Klassenkameraden. „Das Prinzchen kann nichts dafür“, würde sie sagen, „aber mein Sohn will seinen Transformer zurückhaben. Er hat ihn zwar tatsächlich verschenkt, aber jetzt ist er so furchtbar traurig und will ihn wieder haben.“ „Okay“, würde ich sagen, das Gespräch beenden und dann dem Prinzchen erklären, dass das halt doch nicht ganz so ernst gemeint war mit dem Geschenk. Mein Herz würde schwer, wenn ich sähe, wie er tapfer die Tränen runterschluckt, obschon er doch ungehemmt heulen dürfte. Prinzchens grosse Geschwister wären empört und würden mich dazu auffordern, für die Rechte des kleinen Bruders zu kämpfen. Aber ich würde mich nicht mit einer anderen Mutter um einen blöden „Transformer“ streiten wollen, aber meinem kleinen Jungen dabei zusehen, wie er gegen seine Enttäuschung kämpft, würde ich eben auch nicht wollen. Also würde ich sobald als möglich in die Migros rennen und meinem Sohn den gleichen hässlichen „Transformer“ kaufen, den er morgen wieder zurückgeben muss. Und weil ich beim Einkauf auch noch den Zoowärter dabei hätte, würde ich es nicht übers Herz bringen, ihm zu sagen, er dürfe keinen haben und dann würde ich am Ende mit zwei „Transformers“ an der Kasse stehen, im Hinterkopf eine leise Stimme, die mir zuflüstert, der FeuerwehrRitterRömerPirat werde dann wohl auch noch einen haben wollen. Nur wenn das geschehen würde, könnte ich mich dazu überwinden, so ein hässliches Monster zu kaufen.

Und weil genau dies gestern geschehen ist, wohnen bei uns jetzt halt auch noch zwei ausnehmend hässliche“Transformers“. 

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Lesemotivation

Zum Lesen motivieren wollte ich sie, also schnappte ich mir den Roman, den ich in ihrem Alter mehrmals mit Begeisterung verschlungen habe. „Désirée“ von Annemarie Selinko, ein historischer Schinken über die Frau, die als junges Mädchen von Napoléon sitzen gelassen und später Königin von Schweden wurde. Das Buch hat alles, was Luise ansprechen sollte, meinte ich: Eine weibliche Hauptfigur, Liebe, Intrigen, eine erträgliche Dosis Spannung, Bezüge zu Frankreich – wo wir bald sein werden – und Schweden – wo wir schon zweimal waren.

Um ihr den Einstieg zu erleichtern, las ich nach dem Mittagessen das erste Kapitel vor. Erst sassen nur Luise und ich am Tisch, doch als ich zu der Stelle kam, wo Désirées Bruder abgeführt wird, gesellte sich das Prinzchen zu uns. Soooooo spannend sei das, meinte er. Ob denn der Bruder wieder freikomme, oder ob er geköpft werde? Wenig später, als von der Guillotine und den Blutlachen die Rede war, stiess der FeuerwehrRitterRömerPirat zu uns, auch er voller Fragen, wie es denn weitergehe. Und sogar der Zoowärter, der zwar Wichtigeres zu tun hatte, als mit uns am Tisch zu sitzen, liess sich aus dem Nebenzimmer vernehmen: „War das jetzt der Bruder, dem sie den Kopf abgehauen haben, oder war das ein anderer?“ Einzig Luise, die ich ja eigentlich dazu motivieren möchte, die weiteren 600 Seiten zu verschlingen, sass gelangweilt da und wollte wissen, wann sie endlich ins Bad gehen dürfe, sie müsse noch ganz dringend ihren Pferdeschwanz binden, bevor die Schule anfange. 

Ich schätze mal, ich werde nach einem Buch suchen müssen, das mir ganz und gar nicht zusagt, um Luise zum Lesen zu motivieren. Unsere Söhne haben sich offensichtlich so viel von meiner Leidenschaft für Historisches geschnappt, dass für Luise nicht mal ein Krümel übrig geblieben ist. 

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Mama Krokodil

Treffender hätte Karlsson meinen – oder allgemein den mütterlichen? – Sinn für Humor nicht beschreiben können. „Bei dir weiss man nie, woran man ist“, erklärte er. „Wie bei diesem Spiel mit dem Krokodil, das Zahnschmerzen hat. Man drückt ein Zahn nach dem anderen und irgendwann schnappt das Krokodil zu. Du bist genau gleich: Man macht einen Witz, du lachst, man macht den nächsten Witz, du lachst wieder und irgendwann – man weiss nicht wann – kriegt man – zack! – eins auf den Deckel.“

Irgendwie fühlte ich mich nach dieser Erklärung ertappt. Gerade so, als hätte das Krokodil für einmal bei mir zugeschnappt. 

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Prinzchen goes pacifist

„Byte keynen Krieg“ – so lautet Prinzchens Antikriegsbotschaft, wenn man merkt, dass man von links unten nach links oben lesen muss und die zwei letzten Buchstaben zu interpretieren weiss. Ich würde sagen, unser Jüngster ist auf gutem Wege, die hoffentlich eines Tages wieder erwachende Friedensbewegung kreativ zu bereichern. Und nein, ich habe ihm das nicht diktiert, er hat bloss meine alten „Geo Epoche“ in die Finger gekriegt und der Fall war für ihn klar: Nie wieder Krieg!

Bitte entschuldige, mein Kind

In meinem Leben gibt es einen einzigen Erziehungsgrundsatz, den ich – wenn ich mich recht erinnere und nicht die absoluten Tiefstpunkte ausblende – von Anfang an bis heute konsequent durchziehe. Es ist der Grundsatz, der da lautet: Entschuldige dich bei deinem Kind, wenn du Mist gebaut hast und mach dir das zur Gewohnheit, bevor du fürchten musst, dein Gesicht zu verlieren, wenn du endlich damit anfängst. Noch vor Karlssons Geburt fasste ich diesen Entschluss, denn als impulsiver und ziemlich launenhafter Mensch ahnte ich, dass ich wohl das eine oder andere Mal meinen hohen Idealen der Kindererziehung untreu werden könnte. (Das war lange bevor ich wusste, wie gewieft so ein kleiner Mensch die richten Knöpfe bei mir drücken kann, um meine Impulsivität und Launenhaftigkeit zu ihrer vollen Entfaltung zu bringen.)

So sass ich dann also – lange bevor der kleine Mensch der schweizerdeutschen Sprache mächtig war – jeweils abends an seinem Bettchen und sagte Dinge wie: “ Es tut mir leid, dass ich vorhin so laut geworden bin, als du so lange geschrien hast. Ich weiss, du kannst nicht anders, aber ich sollte anders können. Nur gelingt es mir leider nicht immer, wenn ich übermüdet bin.“ Glaubt mir, manchmal fühlte ich mich ziemlich doof, einem zahnlos lächelnden Baby ein Geständnis abzulegen, aber ich zog das durch, auch als weitere Kinder hinzukamen und auch als die Kinder anfingen, aktiv und bewusst zu den Alltagskrisen beizutragen. Meine Entschuldigungsreden lauteten dann etwa so: „Hört mal, dass ich euch vorhin angebrüllt und auf eure Zimmer geschickt habe, war ungerecht. Klar, ihr wart laut, aber ihr habt nichts Falsches gemacht. Ich bin heute furchtbar schlecht drauf und habe das an euch ausgelassen. Bitte verzeiht mir.“ Zuweilen meldete sich in solchen Momenten eine leise Stimme zu Wort, die flüsterte: „Versagermama! Erst baust du Mist und dann machst du dich auch noch vor deinen Kindern  zur Schnecke“, aber ich habe gelernt, dieser Stimme nicht allzu viel Gehör zu schenken, weil sie in meinen Augen schlicht Unrecht hat. 

Warum mir das mit dem Entschuldigen so wichtig ist? Nun, zum einen, weil bei uns Fehler erlaubt sein sollen. Dann auch, weil ich der Meinung bin, Kinder sollten nicht Schuld auf sich nehmen müssen, die nicht die Ihre ist. Kinder neigen ja bekanntlich dazu, sich für Dinge verantwortlich zu fühlen, die ein anderer verbockt hat und darum finde ich es wichtig, klar und deutlich zu meinem Versagen zu stehen. (Dafür nehme ich mir auch die Freiheit heraus, klar und deutlich mit ihnen zu reden, wenn sie Mist gebaut haben, den sie mir in die Schuhe schieben wollen.) Zudem sollen sich unsere Kinder nicht rechthaberischen, unnachgiebigen Eltern ausgeliefert sehen, die nie zu ihren eigenen Fehlern stehen. Wie schmerzhaft es sein kann, wenn empfundenes Unrecht von Eltern beschönigt und gerecht geredet wird, habe ich in meiner Schwiegerfamilie mehr als genug erlebt. Schliesslich hoffte ich insgeheim natürlich auch, unseren Kindern würde ein „Tut mir leid, das habe ich verbockt“ leichter über die Lippen kommen, wenn ich mit gutem Beispiel vorangehe.

Es hat ein wenig gedauert, bis diese Hoffnung in Erfüllung gegangen ist, doch neulich bekam ich doch tatsächlich das Geständnis „Das war ich, Mama. Es tut mir leid. Kann ich es wieder in Ordnung bringen?“ zu hören, als „der andere“ mal wieder sein Unwesen getrieben hatte. Karlsson ist inzwischen gar richtig gut darin, sich bei uns zu entschuldigen, wenn er  – ganz nach der Art seiner Mama – wegen einer Kleinigkeit ausgerastet ist. Dass er inzwischen auch auswärts auf die üblichen Teenager-Ausreden* verzichtet und seiner Lehrerin unumwunden gesteht, er habe bei einer grösseren Arbeit Zeit vertrödelt und sei deshalb ins Hintertreffen geraten, erfüllt mich insgeheim mit Stolz. (Na ja, ich habe ihm zwar nahegelegt, doch immerhin das Wenige, das er bereits geleistet hat, vorzuweisen, damit die Lehrerin nicht denkt, er hätte gar nichts gemacht aber Karlsson fand, das sei unehrlich.) 

Sieht also fast danach aus, als beginne mein einziger konsequent durchgezogener Erziehungsgrundsatz erste Früchte zu tragen. Allzu laut jubeln darf ich aber noch nicht, denn der härteste Brocken liegt noch vor mir. Prinzchen ist nämlich so perfektionistisch veranlagt, dass er sich selber nicht mal Rechtschreibfehler verzeiht und dies, bevor er offiziell lesen und schreiben können muss. Könnte also ein wenig dauern, bis er sich sich selber Fehler zugesteht und noch eine Weile länger, bis er auch den Mut aufbringt, dazu zu stehen. 

* Zum Beispiel: „Mir ist die blaue Tinte ausgegangen, weil mein Hamster alle Patronen angefressen hat und ich konnte keine Ersatzpatronen kaufen, weil meine Mutter zum Mittagessen so mies gekocht hat, dass ich ganz geschwächt war und keine Kraft hatte, mich aufs Velo zu schwingen.“

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Lehrgespräche unter Brüdern

Mal lehrt das Prinzchen den Zoowärter…

Prinzchen: „Mist! Ich glaube, das war Make-up, was ich mir da gerade ins Gesicht geschmiert habe.“

Zoowärter: „Was denn?“

Prinzchen: „Na, das Zeug da aus dieser sonderbaren Flasche.“

Zoowärter: „Lass mich auch mal.“

Prinzchen: „Nein, lass es lieber bleiben, ich glaube, das ist wirklich Make-up.“

Zoowärter: „Was ist Make-up?“

Prinzchen: „Ach, irgend so eine Crème, mit der man Pickel und solche Sachen zudeckt.“

Zoowärter: „Hä?“

Prinzchen: „Also, das gehört Mama, du nimmst es wirklich besser nicht. Ich glaube, Luise braucht das manchmal auch.“

Und jetzt endlich glaubt der Zoowärter, dass er wohl tatsächlich lieber die Finger von dem Zeug lassen sollte.

…mal lehr der Zoowärter das Prinzchen:

Zoowärter: „Schliess mal die Augen. Nur die Augen, nicht die Ohren.“

Prinzchen schliesst gehorsam die Augen, nicht aber die Ohren.

Zoowärter: „Und jetzt hörst du ganz gut hin. Liegen die Töne, die ich auf dem Cello spiele, nahe beieinander oder nicht?“

Prinzchen: „Hä?“

Zoowärter: „Du musst gut zuhören und mir sagen, ob die zwei Töne nahe beieinander liegen.“

Prinzchen: „Hä?“

Zoowärter: „Mach mal die Augen auf. Siehst du, du musst mir sagen, ob die Saiten der Töne nahe beieinander sind oder nicht. Verstanden? Dann schliess die Augen.“

Prinzchen schliesst wieder die Augen, Zoowärter spielt zwei Töne.

Zoowärter: „Und? Liegen die Töne nahe beieinander?“

Prinzchen: „Ja.“

Zoowärter: „Nein, aber kannst du mir jetzt noch sagen, wie die Saiten heissen, die ich gespielt habe?“

Das Prinzchen kann nicht, denn der Zoowärter hat vergessen zu sagen, dass die Saiten unterschiedlich heissen. 

la dignità; prettyvenditti.jetzt

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Karlsson verstehen, schwer gemacht

Okay, Karlsson, jetzt nochmal von vorn: Du hast mir keine Gartenhandschuhe aus der Migros gebracht, weil du mir eigentlich Hässliche in Schlammgrün hättest kaufen wollen, um dir einen Scherz zu erlauben. Aber es hatte keine Hässlichen in Schlammgrün, sondern nur Hübsche, geblümte, von denen du sicher warst, dass sie mir gefallen würden. Aber wenn du mir die gekauft hättest, wäre dein Scherz im Eimer gewesen, also hast du nur die von mir verlange Gartenschere gekauft. Und um mir den Wind aus den Segeln zu nehmen, hast du dir auf dem Nachhauseweg noch kurz das Argument mit der Rohstoffverschwendung ausgedacht, weil ich ja angeblich irgendwo noch tonnenweise Gartenhandschuhe horte.

Und wie, mein lieber Sohn, soll ich das jetzt meinen von Brombeerdornen geschundenen Fingern erklären?

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