Anschauungsunterricht

Gibt es einen geeigneteren Ort als eine Feriensiedlung,  wenn man den Kindern die Welt und all die verschiedenen Menschen, die sie bevölkern, zeigen möchte? Zumindest dann, wenn Studienreisen zu fremden Kulturen noch nicht möglich sind, weil einer noch in die Windeln macht, ein anderer nicht ohne seinen geliebten Stoffeisbären verreisen will und alle zusammen auch mit Durchfall darniederliegen, wenn sie nicht irgendwo, in einem abgelegenen Winkel dieser Erde unreines Wasser getrunken haben. Wer nicht in die weite Welt hinausziehen mag, muss sich eben in der Nähe einen Ort suchen, an dem sich die Welt trifft. Findet man den richtigen Ort, dann lässt sich ganz bequem vom Balkon aus beobachten, wie unterschiedlich die Menschen sind, die unseren Planeten bevölkern.

Da sieht zum Beispiel Luise eines Tages, dass es Mädchen gibt, die bei grösster Hitze mit langen Hosen und Kopftuch bekleidet neben Mama auf der Parkbank sitzen müssen, während ihre Brüder sich halb nackt auf den Spielgeräten vergnügen dürfen. Später sieht sie eines der Mädchen, wie sie nur mit langen Hosen und T-Shirt ins Wasser gehen darf, was bei Luise zur Frage führt, ob denn das arme Kind nicht ertrinke mit dem vielen nassen Stoff am Leib. Als sie dann auch noch mitbekommt, wie die Mama des Mädchens erst spät abends und noch immer voll verschleiert das Haus verlassen darf, während die Männer der Familie sich den ganzen Tag frei auf dem Gelände bewegen durften, ist der Groschen bei unserer Tochter endgültig gefallen: Das, was Mama und Papa immer predigen, nämlich dass Frauen und Mädchen in vielen Kulturen benachteiligt werden, ist nicht irgend ein Märchen, das sie erzählen, wenn ihr Töchterchen mal wieder nicht einsehen will, dass Schulbesuch ein Privileg und nicht eine Strafe ist. Nein, die Sache ist bitterer Ernst und wenn das Kind jetzt auch noch begreift, dass unter dem Kopftuch ein liebenswerter Mensch steckt, dann hat sich der Ferienaufenthalt mehr als ausbezahlt. Wobei, bis Luise – und auch wir – unsere Vorurteile abgebaut haben, werden wohl noch ein paar Aufenthalte mehr nötig sein.

Ein weiteres Forschungsfeld, das sich hier auftut, sind die Senioren, die sonst ja meistens in einer anderen Welt leben als wir.  Ich meine jetzt nicht die kinderliebenden, sich nach Enkelkindern verzehrenden alten Menschen, die jedes kleine Menschlein am liebsten in die Arme schliessen würden. Nein, ich meine die nach Entspannung lechzenden, gut situierten rüstigen Rentner, die es als ihr erstes Recht ansehen, überall zuerst zu sein. Menschen, die vergessen haben, wie es war, als ihre Kinder noch klein waren, als die Tage noch bis obenhin angefüllt waren mit Haushalten, Erziehen, Arbeiten und Zusammenbrechen. Menschen, die kein Problem damit haben, einer Mutter, die bei grösster Hitze einen Sack Wäsche zur Waschmaschine schleppt, zwei quengelnde Kinder im Schlepptau, den Weg zu versperren und so lange nicht zur Seite zu weichen, bis die Mama einen weiten Umweg gehen muss. Auf all das könnte ich gerne verzichten, aber vermutlich muss es so sein, damit die Kinder lernen, dass nicht jeder, der graue Haare auf dem Kopf trägt, ein netter Mensch ist; dass nicht jeder, der etwas langsamer zu Fuss ist, den ganzen Tag auf den Moment wartet, wo ein kleines Kind vorbeikommt, dem er ein Lächeln und ein Bonbon schenken kann.

Was man hier auch in Natura erlebt und nicht nur am Fernsehen beobachten kann, sind amerikanische Teenager in freier Wildbahn. Man braucht nicht mal einen Feldstecher zur Hand zu nehmen, so nah wagen sie sich zu den Ferienwohnungen der Bekinderten. Es ist ein einmaliges Schauspiel, das sich da beim Eindunkeln bietet, kaum sind die Kleinkinder in ihren Betten verschwunden: Lautes Gekreische, aufdringliches Flirten, verzweifelte Versuche, dazuzugehören und ebenso verzweifelte Versuche, den auszuschliessen, der nicht dazugehören sollte,  ungeniertes sich-in-Szene-Setzen, stilles Schmachten. Auf den ersten Blick nicht anders als bei unseren Teenagern auch, auf den zweiten Blick aber deutlich anders: Kein Alkohol und Tabak, dafür deutlich mehr Gezicke und sexuell aufgeladene Avancen. Nicht ganz jugendfrei, das Spektakel und deshalb zum Glück von unseren Kindern nur am Rande registriert. Für uns Eltern aber ein guter Weiterbildungskurs, der uns auf das vorbereitet, was uns in wenigen Jahren beschäftigen wird.

Eine der rührendsten Lektionen dieser Forschungsreise aber hat unser Zoowärter gelernt. Er, der am Anfang der Ferienwoche noch in jedem fremden Kind einen Feind sah, er, der hemmungslos Grössere angriff und Kleinere von der Schaukel zu stossen versuchte, er, der schon einen anderen Dialekt als Provokation verstand, erkannte im Laufe der Tage, dass Fremde, wenn man sie kennen lernt, gar nicht mehr so fremd sind. Und so fragte er mich auf der Heimfahrt plötzlich: „Mama, wie heisst denn schon wieder mein Bruder?“ „Das weisst du doch“, gab ich erstaunt zurück. „Deine Brüder heissen Karlsson, FeuerwehrRitterRömerPirat und Prinzchen.“ „Nein, ich meine nicht die Brüder. Ich meine den Bruder, mit dem ich heute Morgen auf dem Spielplatz gespielt habe.“

Wenn ein Dreijähriger in so kurzer Zeit lernt, dass ein Fremder innert vierzig Minuten – länger haben die zwei nicht miteinander gespielt – zu einem Bruder werden kann, dann darf man wohl sagen: Die Forschungsreise war ein Erfolg. Wir buchen sogleich die nächste.

Reiseandenken

Nein, besonders einfallsreich sind wir nicht, wenn’s darum geht, Souvenirs mit nach Hause zu bringen: Ein paar unbeschriebene Postkarten, jedem Kind ein überteuertes Andenken nach Wahl, ein neues Hemd für „Meinen“ und eine neue Fliegenklatsche für mich. Vollkommen ideenlos aber sind wir, wenn es darum geht, etwas für die ganze Familie mit nach Hause zu nehmen. Etwas, was alle zusammen auch nach dem Urlaub noch an die schönen Tage erinnert. Meistens beginnen wir ja schon am ersten Tag mit der Suche nach dem einzigartigen Souvenir, stöbern ein wenig hier, suchen ein wenig da. Doch spätestens in der Mitte der Woche tun wir das, was wir fast jedes Mal tun: Wir schauen, was Familie x aus Appartement Nummer 381 auswählt, woran sich Familie y noch lange erfreuen wird. Und schliesslich nehmen wir das, was die anderen auch nehmen: Einmal Magen-Darm-Grippe für alle! Auf dass wir beim Würgen über der Kloschüssel unsere entspannten Ferientage noch lange in verklärter Erinnerung behalten mögen.

Einer dieser Tage

Man sollte ja eigentlich meinen, in den Ferien würde auch das Leben einem zur Abwechslung mal eine  Verschnaufpause gönnen, würde einen verschonen mit Alltagskram, würde dafür sorgen, dass von den sieben Ferientagen keiner zu einem dieser Tage wird. Was für einen Tag ich meine? Na eben, einen dieser Tage….

die schon mitten in der Nacht damit beginnen, dass das Prinzchen eine volle Windel hat und die Feuchttücher spurlos verschwunden bleiben, auch wenn man die ganze Ferienwohnung danach absucht.

Einer dieser Tage, die damit weitergehen, dass der Zoowärter noch vor acht Uhr früh einen Tobschutanfall kriegt, weil er nicht mit Karlsson und  Luise zum Spielplatz gehen darf, weil er noch nicht angezogen ist und ausserdem drei Unterhosen übereinander trägt.

Einer dieser Tage, an denen schon vor dem Frühstück drei Trinkgläser in die Brüche gehen.

Einen dieser Tage, an denen der Zoowärter nicht nur einmal oder zweimal, sondern dreimal das Betadine-Bad verschüttet, in dem er seine eitrige Wunde, die er sich am Finger zugezogen hat, baden soll.

Einen dieser Tage, an denen man sich irgendwann dazu entschliesst, Wäsche zu waschen, weil der Tag ohnehin im Eimer zu sein scheint.

Einen dieser Tage, an denen gleich beide Waschmaschinen belegt sind und man sich schliesslich dazu gezwungen sieht, die frisch gewaschene Wäsche von wildfremden Menschen sorgfältig aus der Maschine zu nehmen und fein säuberlich hinzulegen, weil auch nach  langem Warten noch keiner gekommen ist, um die Waschmaschine wieder freizugeben. Und man kann ja nicht ewig warten. Irgendwann, solange das Prinzchen noch schläft, der Zoowärter mit „Meinem“ im Wald ist und Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat ihren „grossen Piratentag“ haben, müsste man doch wenigstens ein klein wenig des verpassten Schlafes nachholen.

Einen dieser Tage, an denen dich, kaum bist du eingeschlafen, die Kinderbetreuung anruft, um dich zu bitten, du mögest doch bitte Karlsson abholen kommen. Dem armen Jungen sei ganz schlecht geworden.

Einen dieser Tage, an denen du einmal mehr nicht weisst, wie du dein enttäuschtes Kind trösten sollst, wie du ihm erklären sollst, dass Viren keine Ferien machen, wie du ihm helfen sollst, möglichst schnell wieder gesund zu werden, damit nicht der ganze Spass ohne ihn stattfindet.

Einen dieser Tage, an denen der Zoowärter findet, er müsse jetzt endlich herausfinden, ob man auch aufwärts pinkeln kann und danach auf der Sauerei, die er angerichtet hat, ausruscht.

Einen dieser Tage, an denen du das Leben anflehst, es möge doch bitte berücksichtigen, dass man in den Ferien sei und deshalb keine Lust habe, sich mit Alltagskram herumzuschlagen.

Einen dieser Tage, die man am besten so schnell als möglich wieder vergisst.

Dienstag, 13. Juli 2010

Heute nach dem Mittagessen sind wir mit dem Bus nach Brunnen gefahren. Im Bus hatte es sehr viele alte Leute, die uns böse angeschaut haben. In Brunnen haben wir mit dem Motorschiff „Schwyz“ eine Rundfahrt auf dem Urnersee gemacht. Wir haben das Rütli gesehen und ganz viele gelbe Fahnen mit einem schwarzen Stierenkopf. Mama hat gesagt, das sei der Uristier. Mama hat uns von Wilhelm Tell und Friedrich Schiller erzählt und sie hat gesagt, dass es den Wilhelm Tell nicht richtig gegeben hat und dass sie das Rütli zwar schön findet, dass sie aber all den patriotischen Kram blöd findet und da hat ein alter Mann sie ganz böse angeschaut. Auf dem Schiff war es sehr schön.

Vielleicht war es aber auch ganz anders, nämlich so: Heute Nachmittag habe ich, Diego Benaglio, Torhüter der Schweizer Nationalmannschaft, mit meiner Familie, die mich aus unerfindlichen Günden immer Zoowärter nennt, eine Schiffsrundfahrt gemacht. Unser Schiff hiess „Die grausige Marianne“ und ich  habe ganz viele Piratenschiffe und gelbe Piratenflaggen mit schwarzen Totenköpfen gesehen. Später, als wir in Brunnen auf den Bus warteten, habe ich Maria und Josef gesehen. Mama hat zwar behauptet, das wären Nonnen gewesen, aber ich bin mir ganz sicher, dass das Maria und Josef waren.

Es könnte aber auch so gewesen sein: Im Bus hatte es viel zu viele Leute und ich durfte nicht neben Papa sitzen. Auf dem Schiff, das nicht einmal ein Dampfschiff war, windete es ganz furchtbar und weil ich das irgendwann fast nicht mehr ausgehalten habe, musste ich innen sitzen und ich habe fast die ganze Fahrt verpasst. Auf der Rückfahrt im Bus hätte ich lieber neben Mama sitzen wollen, aber die sass neben dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und erzählte ihm noch einmal von Wilhelm Tell und ich konnte nichts davon verstehen. Das ist so unfair. Immer erzählt sie den anderen Geschichten. Und dann durften wir heute nicht mal ins Schwimmbad gehen, dabei haben Mama und Papa doch versprochen, wir dürften jeden Tag baden gehen. Und dann hat Papa auch noch ganz lange mit uns geschimpft, weil wir immer motzen würden. Dabei motzt hier doch gar keiner.

Vielleicht aber hört sich die Geschichte auch so an: Heute habe ich sechsmal die Windeln nass gemacht und zweimal auf den  Fussboden gepinkelt. Mama will einfach nicht verstehen, weshalb ich mir jedes Mal die Windel ausziehe, wenn ich gepinkelt habe. Weiss die denn nicht, wie unangenehm es ist, im Nassen zu sitzen? Und dann hat sie doch allen Ernstes versucht, mich aufs Töpfchen zu setzen. Ach ja, dann habe ich auch noch ein Schiff gesehen und Enten und Spatzen und Schwäne. Und ein Eis habe ich auch gegessen. Aber das mit den Windeln war mir heute eigentlich wichtiger.

Vielleicht aber könnte man den Tag auch so zusammenfassen: Heute war ein wunderschöner Tag. Ich kann gar nicht sagen, was mir am besten gefallen hat. Es war einfach alles grossartig. Und dann habe ich mir erst noch ein Souvenir aussuchen dürfen und meine Geschwister auch.

Wie es wirklich war? Das kommt ganz darauf an,welchen Venditti man fragt. Wenn ihr mich fragen würdet, würde ich sagen, es sei eine perfekte Mischung von allem gewesen. Aber mich fragt ja keiner…..

So habe ich mir das nicht vorgestellt

Zugegeben, mit der Zeit hat mir das Ganze schon ein wenig zugesetzt, dieses ewige Schulterzucken, dieses Hochziehen der Augenbrauen, dieses „Na ja, wenn ihr meint. Als wir dort waren, da war es einfach furchtbar….“ wann immer wir jemandem erzählten, dass wir unsere einzige Ferienwoche dieses Sommers in Morschach verbringen würden. Jeder ist schon in Morschach gewesen und jeder weiss eine Schauergeschichte zu erzählen. Mit der Zeit wagte  ich kaum mehr, zu sagen, wohin wir fahren, weil ich die Reaktion fürchtete. Und dabei zähle ich mich nicht zu den Menschen, die glauben, nur Ferien am Meer oder an  exotischen Destinationen seien richtige Ferien. Im Gegenteil: Ich bin dankabr, dass wir uns überhaupt hin und wieder Ferien leisten können. Und wenn wir die schönsten Tage im Jahr nicht im Zelt verbringen müssen.

Deshalb haben mich die verhaltenen Reaktionen der anderen mit der Zeit nicht nur verunsichtert, sondern irgendwann auch genervt. Müssen die mir die Freude verderben, bloss weil ihnen die Destination nicht passt? Wenn mir jemand sagt, er fahre auf die Malediven, dann frage ich ja auch nicht, wie er es mit seinem Gewissen vereinbaren könne, seinen Urlaub in einem streng muslimischen Staat zuverbringen, der Andersgläubige aufs Strengste verfolgt, auch wenn mir genau die Frage auf der Zunge liegt.

Nach all den Reaktionen in unserem Bekanntenkreis fürchtete ich schon, die kommenden sieben Tage in einem staubigen, halb verfallenen Loch zu verbringen, ohne Sonnenschein, ohne Spass, ohne Komfort. Hätte ich die Zeit gehabt, ich hätte  zu Hause präventiv Cortison inhaliert, weil ich nach all den Horrorbeschreibungen mit einem schlimmen Asthmaanfall in den ersten drei Minuten unseres Aufenthalts gerechnet hatte. Ich hatte mich innerlich also auf das Schlimmste vorbereitet und vorsoglich schon mal einen Notfallplan ausgearbeitet: Ein Stapel Bücher, mit dem ich die schlimmen Tage hinter mich bringen könnte.

Ich hatte mich so sehr damit abgefunden, dass diese Ferien wohl ein riesiger Reinfall sein würden, dass ich jetzt fast ein wenig überfordert bin mit der Realität: Eine blitzsaubere, unlängst renovierte Wohnung mit dem nötigen Komfort ausgestattet, ein eingezäunter Spielplatz gleich vor der Haustüre, freier Eintritt ins Erlebnisbad, die Sauna fast gratis, Kinderwagen, Kinderbett und was des Prinzchens Sonderwünsche sonst noch wären, vorhanden, Ludothek, Bibliothek und und und.

Also wirklich, so habe ich mir das Ganze nicht vorgestellt. Ob ich mich beschweren soll? Also, ich meine natürlich bei den Schwarzmalern….

Reisefertig?

Ferienvorbereitungen im Hause Venditti:

1. Schichtschlafen
„Meiner“ von 8 bis 9 Uhr morgens, ich von 9 bis 10 Uhr morgens, dann ein kurzer Auftritt beim Kindergartenabschlussfest, ein Blitz-Mittagessen und wieder zwei Stunden schlafen. Wie? Ob wir in den Süden verreisen und deswegen für die lange Autofahrt vorschlafen müssen? Aber nicht doch! Wir finden es einfach nur schön, uns für einmal den Luxus ausgedehnter Nickerchen zu leisten. Ist doch egal, dass wir eigentlich anderes zu tun hätten….

2. Fünf Kilo Sauerkirschen einmachen
Nein, wir haben keinen Sauerkirschenbaum. Aber wenn die Nachbarin einem so grosszügig wunderbar reife Sauerkirschen in Hülle und Fülle anbietet, kann man doch unmöglich nein sagen, auch wenn man eigentlich Koffer packen sollte. Und wenn man da noch dieses wunderbare Rezept für Sauerkirschen-Schokoladen-Chili-Confiture zum Ausprobieren hat, dann müssen andere Dinge eben warten.

3. Kirschenentseiner kaufen
Was kann ich denn dafür, dass das uralte Modell, das wir uns bis letzen Sommer mit meiner Mutter geteilt haben, den Geist aufgegeben hat?

4. Lesen
Jedes Buch, das ich schon zu Hause fertig gelesen habe, nimmt weniger Platz im Koffer weg. Also schnell alles lesen, dann müssen wir nicht so viel einpacken. Ausserdem habe ich dann eine Ausrede, mir am Ferienort neue Bücher zu kaufen, denn was sind denn schon Ferien ohne Bücher?

5. Gäste bekochen
Wenn man für ganze sieben Tage verreist, dann
muss man doch einfach vorher Gäste einladen. Die erkennen einen ja sonst nicht mehr, wenn man nach so langer Abwesenheit wieder zurückkommt.

6. Nachrichten schauen
Wenn Moritz Leuenberger findet, er müsse ausgerechnet heute seinen Rücktritt erklären, wo es nach seinen 15 Jahren im Bundesrat nun wirklich nicht auf die eine Woche mehr angekommen wäre, dann können wir das nicht ignorieren. Ich weiss auch nicht, weshalb der gute alte Moritz seine Rücktrittsankündigung nicht besser mit unseren Ferienplänen abgestimmt hat.

7. Mit dem Zoowärter im Garten Fussball spielen
Wenn der Zoowärter sich entscheidet, dass er jetzt gleich Schweiz gegen Brasilien spielen will – ich bin die Schweiz, er ist Brasilien – dann muss das unverzüglich getan werden und dann spielt es überhaupt gar keine Rolle, dass beide Mannschaften schon längst ausgeschieden sind und dass die WM ohnehin fast vorbei ist. Dann zählt nur, wer wie viele Tore schiesst. Oder genauer gesagt: Dann zählen nur die Tore, die Brasilien schiesst, auch wenn die Schweiz viel öfter getroffen hat.

8. Fliegen töten
Und zwar möglichst viele. Ich will doch nicht in einer Woche in eine mit Maden verseuchte Wohnung zurückkehren…..

9. Luxemburgerli essen, welche die Gäste mitgebracht haben
Die Dinger müssen weg und zwar schnell. In einer Woche sind sie nicht mehr gut und für die Reise taugen sie auch nicht.

10. Kofferpackenzugbillettlösenpicknickpackenreiseunterlagensuchenfahrplanausdrucken
benzintankenstrassenkartestudierengrünabfalleerenkühlschränkeleerenundausschalten
wäscheaufhängengartenbewässernpoolabdeckenwohunungaufräumen

Aber morgen ist ja auch noch ein Tag, nicht wahr?

Beinahe hätte ich’s vergessen

Da war ich in den letzten Tagen so beschäftigt mit Kuchenbacken fürs Jugendfest, für die Kindergarten-Geburtstagsparty, für die Kinder-Geburtstagsparty, als Vorräte für den tatsächlichen FeuerwehrRitterRömerPiraten-Geburtstag Mitte Juli, mit Wohnungsputz – die Putzrau ist in den Ferien -, Kinderzimmer entrümpeln bevor sich noch einer ein Bein bricht, wenn er versucht, sich einen Weg durchs Chaos zu bahnen, Hochzeitstag feiern, Au-Pair kennen lernen und Schuljahr beenden. Wir alle hatten so viel um die Ohren, dass ich beinahe die Vorfreude vergessen hätte. Also ja, eigentlich nicht nur die Vorfreude, sondern auch den Grund für die Vorfreude, nämlich die Tatsache, dass wir am Samstag in die Ferien fahren. Nur für eine Woche zwar, dazu noch in der Innerschweiz, aber immerhin sind das die Tage, auf die wir seit Monaten sehnsüchtig gewartet haben und da sollte man eigentlich meinen, dass mir nicht irgendwann, mitten im Alltagsstress in den Sinn kommt, dass wir bis zur Abreise nur noch viermal schlafen müssen und dass wir uns deswegen vielleicht langsam aber sicher überlegen sollten, ob wir alle mit dem Zug fahren oder ob „Meiner“ oder ich das Gepäck mit dem Auto durch die Schweiz karrt. Vielleicht sollten wir auch mal abklären, ob wir für das Prinzchen ein Kinderbett mitnehmen müssen. Und ob es dort in der Nähe einen Laden gibt oder ob wir zu Hause schon alles einkaufen sollten. Und ob es dort auch einen Internet-Anschluss gibt, damit „Meiner“ und ich weiterhin ungestört bloggen können, oder ob wir noch ganz schnell, bevor wir dann weg sind, ein paar Blogkonserven einmachen müssen.

Vor allem aber sollten wir endlich wieder damit anfangen, uns vorzufreuen. Vor lauter Stress hätten wir nämlich beinahe vergessen, dass uns nur noch ein paar wenige Stunden von ausschlafen, Ausflügen, Souvenirjagd, Badespass, ausgiebigem Lesen und haushaltfreier Zeit trennen. Und weil das Schönste an den Ferien ja meistens die Vorfreude ist, habe ich beschlossen, dass ich mit der Vorfreude anfange und zwar genau …. JETZT.

Wie? Ob ich vergessen habe, dass da noch die Koffer für sieben Leute zu packen sind? Mist! Daran habe ich tatsächlich auch nicht mehr gedacht. Vielleicht bleiben wir doch lieber zu Hause…..

Ferienreif

Die Batterien sind leer. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern sehr. So sehr:

Mein Bürotisch (Ja, genau der Bürotisch, den ich vor etwa zwei Wochen perfekt aufgeräumt habe und von dem ich mir geschworen hatte, dass er aufgeräumt bleiben würde):

Meine nicht mehr ganz scharfe Sicht auf den Terminkalender:

Mein derzeitiger Drogenkonsum:

Wie, ihr wollt noch mehr Beweise? Na dann, da werde ich euch wohl Einblick in die untersten Schubladen meines Geschmacks gewähren müssen….

Meine derzeitige Lektüre:

Wie, ihr wollt noch mehr Beweise? Dann eben zum Schluss noch….

…. meine neueste Errungenschaft (Bitte tut so, als sähet ihr den überquellenden Abfalleimer daneben nicht. Die Müllabfuhr kommt morgen vorbei.):

Glaubt ihr mir jetzt endlich, dass ich wirklich ganz dringend Ferien nötig habe?

Ausgelaugt

Ich will mich ja nicht beklagen, aber diese intensive Entspannung übers Wochenende hat mich total ausgelaugt. Den ganzen Tag gähne ich und schleppe mich von Zimmer zu Zimmer, als hätte ich Schwerstarbeit verrichtet. Wie kann man bloss von all dem Nichtstun so müde werden, dass man am liebsten um acht Uhr ins Bett gehen möchte? Was ich auch getan hätte, wenn die lieben Kinderlein ebenso müde wären wie ich. Aber die haben sich ja übers Wochenende auch nicht entspannen müssen…

Das perfekte Wochenende

Zutaten für das perfekte Wochenende zu zweit:
– Ein ceylonesisches Mittagessen, spottbillig aber dennoch köstlich
– Ein Spaziergang durch Bern, besonders schön, wenn sich dabei noch ein Paar neue Schuhe  dazugesellen
– Den weltbesten Chai mit Scones (Nein, nicht das klebrige Zeug von Starbucks, sondern der echte Genuss von „Länggass Tee„)
– Eine urgemütliche, warme Jurte, die mit wunderschönen, bunten Möbeln eingerichtet ist
– Ein paar Esel, Schafe, Kamele und Lamas, die einen erstaunt anschauen, wenn man mal den Kopf aus der Jurte streckt
– Regen, der auf das Dach der Jurte prasselt und der einem das Gefühl gibt, man befinde sich am sichersten Ort der Welt
– Ein  Coop-Tankstelle (tut mir Leid, gab gerade keine Migros-Tankstele in der Nähe, aber wäre natürlich besser gewesen 🙂 ) wo man alles findet für ein romantisches Diner in der Jurte
– Ein Ehemann, der sogar daran gedacht hat, Kerzen einzupacken
– Eine gemütliche Autofahrt durchs verregnete und dennoch wunderschöne Emmental. Schadet übrigens nicht, wenn man dabei alte Eros Ramazzotti-Schnulzen hört
– Endlose Stunden in der Sauna. War zwar teuer, aber man entspannt sich ja nicht alle Tage bei Kerzenlicht oder in einer Salzgrotte. Das kleine Bisschen Kopfschmerzen, das die geballte Ladung Entspannung mit sich bringt, nimmt man da gerne in Kauf.

Die zwei allerwichtigsten Zutaten aber sind

a) Absolut verlässliche Babysitter, die auch bei fünf Venditti-Kindern nicht die Nerven verlieren
b) Ein Ehemann, mit dem man die kostbare Zeit zu zweit nicht zum Streiten, sondern zum Geniessen nützen kann

Stimmen all diese Bedingungen, dann macht es einem auch nichts aus, wenn man, kaum ist man zu Hause angekommen, dafür sorgen muss, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat, der Zoowärter und das Prinzchen wieder heil aus der Vorratskammer kommen, in die sie sich aus lauter Freude, dass die Eltern wieder da sind, eingeschlossen haben.