Krippenspiel-Karriereleiter

Wie fast überall im Leben, gibt es auch bei den Krippenspielen eine Karriereleiter. Im ersten Jahr startet man als Schaf, im zweiten Jahr darf man ein Hirte sein,  im dritten dürfen die Jungs einen der drei Könige sein, die Mädchen ein Engel und schliesslich folgt im vierten Jahr die Krönung, wenn man Maria oder Josef sein darf. So zumindest sieht die Karriere aus, wenn sie ohne Hindernisse verläuft.

Bei Luise nun ist die Karriere ins Stocken geraten. Eigentlich sollte sie schon längst die Maria machen dürfen, aber seit drei Jahren nun ist sie auf der Stufe Engel stehengeblieben. Was vielleicht an ihrem engelsgleichen Aussehen liegt. Luise findet es dennoch  ziemlich doof, dass es karrieremässig nicht vorwärts geht und man weiss ja, dass die Zeit drängt, wo sie doch in wenigen Jahren zu alt sein wird, um noch eine Rolle in einem Krippenspiel zu kriegen. Krippenspielregisseure sind da noch gandenloser als Hollywood-Regisseuere. Unter diesen Umständen ist es für Luise natürlich auch kein Trost, dass sie in diesem Jahr zumindest den Engel Gabriel machen darf. Sie findet, dass sie jetzt lange genug auf die Krönung ihrer Karriere gewartet hat und es tröstet sie auch  nicht, dass ihre Mama damals auch auf der Stufe Engel stehen geblieben war. Ob wir nächstes Jahr mit Bestechungsgeldern nachhelfen müssen?

Ernsthafte Sorgen machte ich mir, als der FeuerwehrRitterRömerPirat mir meldete, er sei in diesem Jahr als  Kartoffelsack zu sehen sein. Haben die jetzt tatsächlich weitere Hierarchiestufen eingeführt und unser armer kleiner Sohn muss noch einmal ganz unten anfangen, obschon er sich doch  einmal schon ganz leidlich durchgeschlagen hat? Wie kann ich mich denn damit brüsten, wenn ich den Leuten sagen muss: „Mein Sohn hat in diesem Jahr den Kartoffelsack so bravourös gespielt, dass er im nächsten Jahr ganz bestimmt die Eselsrolle bekommt.“? Nach mehrmaligem Nachhaken hat sich aber herausgestellt, dass ich ganz unbesorgt sein kann. Der FeuerwehrRitterRömerPirat ist ein Hirte, so wie es sich gehört, wenn man schon zum zweiten Mal dabei ist. Aber weil dieser Hirte einen alten Kartoffelsack trägt, war der FeuerwehrRitterRömerPirat offenbar anfangs ein wenig verwirrt, wer er denn nun sei.

Wieder Kind werden

Beim ersten Kind war es ja noch ganz einfach und beim Zweiten auch: All die Wunder der Kindheit, die man in bester Erinnerung hat, sind wieder da. Der erste Tannenbaum, unter dem ein echtes Baby liegt und nicht bloss eines aus Holz oder Maisstroh. Der erste Geschenkekatalog, der ins Haus flattert und der einen fast ebenso magisch anzieht wie damals, als man selber noch einen Wunschzettel zusammenkleistern durfte. Das erste Weihnachtsfenster, das endlich einmal so werden soll, wie man es sich als Kind immer erträumt hatte. Die Auferstehung all der Traditionen, die man als Kind so geliebt hatte, die sich aber ganz allmählich mit dem Grösserwerden der Kinder aus dem Leben geschlichen hatten, weil das, was für die Kinder so wunderbar, so magisch war, für die Eltern mehr und mehr zum Stress verkommen war.

Bei uns würde das natürlich ganz anders sein, das wussten wir, schon bevor wir Kinder hatten. Bei uns würde die heilige Zeit heilig bleiben, die Geheimnisse würden Geheimnisse bleiben, die Freude der Eltern jedes Jahr so echt und ungetrübt wie die Freude der Kinder. Und anfangs war dies, wie bereits erwähnt, noch sehr einfach. Mit den ersten Kindern wurden wir selber wieder ein bisschen Kind, machten uns voller Elan an das Umsetzen all der Träume, die wir schon als kleine Kinder hatten, die dann aber unsere Eltern nicht immer so erfüllen konnten oder wollten, wie wir dies erwartet hätten. Ja, bei uns würde das anders sein, zauberhafter, kindlicher, stressfreier.

Doch dann wurden der Kinder mehr und diejenigen, die schon da waren, wurden grösser, die Jahre jagten sich immer schneller und bald einmal ertappte man sich dabei, wie man seufzte: „Mist, wir sollten schon wieder den Samichlaus organisieren. Wo sollen wir  denn den noch in den Terminkalender quetschen?“ Den kleineren Kindern die Vorfreude auf den Samichlaus nicht zu verderben und den grösseren dennoch zu gestehen, dass unter dem roten Mantel und dem weissen Bart ein ganz gewöhnlicher Mann steckt, ist gar nicht so einfach. Noch schwieriger ist es, zu verhindern, dass die Grossen den Kleinen den Zauber ruinieren, bevor diese überhaupt eine Chance gehabt hatten, so richtig an den Samichlaus zu glauben. Und während man in den ersten Jahren des Familienlebens noch sehnsüchtig darauf gewartet hatte, endlich das Glöckchen läuten zu dürfen und sich an den glänzenden Augen der Kinder zu erfreuen, wenn sie zum ersten Mal den Tannenbaum sehen, so muss man heute aufpassen, dass das Ganze nicht zu der ewig gleichen Routine wird. Nicht, weil man dies will, sondern weil halt alles, was man mehrmals erlebt hat, zur Routine werden kann. Wenn wir nicht aufpassen, dann sind wir schon bald soweit, dass wir uns fragen, ob wir für einmal nicht auf den Samichlaus verzichten sollen, oder ob es den Kindern wohl etwas ausmachen würde, wenn sie in diesem Jahr ohne Adventskalender auskommen müssten….

So würden wir wohl denken, wäre ich in den vergangenen Tagen nicht wieder vermehrt dem Kind begegnet, das ich mal war. Da sass ich am Computer und verirrte mich schreibend in eine weihnächtliche Welt, die immer zauberhafter wurde, immer mehr so, wie ich mir das damals, als ich noch klein war, vorgestellt hatte. Und wenn ich wieder auftauchte aus meiner Weihnachstwelt, traf ich auf den Zoowärter, der gedankenverloren auf dem Sofa sass, das „Geschenkebuch“ der Migros von vorne nach hinten und wieder zurück durchblätterte und murmelte: „Das wünsche ich mir und das hier und dann natürlich noch das da oben…“ Plötzlich wurde mir wieder klar, dass die Weihnachtszeit für jedes Kind eine besondere Zeit ist, egal, wie oft die Familie schon Weihnachten gefeiert hat, egal, wie sehr man den ganzen Konsumwahn verteufeln mag, egal, wie sehr man sich darüber ärgert, dass der Sinn des Festes im ganzen Trubel verloren geht. Und so fasse ich heute den Entschluss, dass ich immer wieder Kind werden will. Denn ich ahne, dass nur wer Kind bleibt, es zustande bringt, in der guten alten Advents- und Weihnachtszeit einzig das Schöne zu sehen und das Schlechte auszublenden.

Und weiter geht’s…

Noch ist der letzte Krümel der Prinzchen-Geburtstagstorte nicht verschwunden, sein letztes Geschenk hat er vor einer guten Stunde ausgepackt, einige Luftballons leben noch, und schon bin ich mit dem nächsten Geburtstag beschäftigt. In etwas mehr als zwei Wochen ist Karlsson dran und so verbrachte ich gestern, nachdem die Spuren des Geburtstagsfestes beseitigt waren, einen grossen Teil des Abends damit, das perfekte Geschenk für Karlsson zu finden. Ich kann euch versichern, es war nicht einfach. Wer schon mal versucht hat, einem fast Zehnjährigen weis zu machen, dass ein antikes Trichtergrammaphon nicht ganz in der für die Schweizerische Durchschnitts-Grossfamilie erschwinglichen Preisklasse liegt, der kann sich vorstellen, was „Meiner“ und ich alles sagen mussten, bevor unser Ältester endlich einlenkte. Nach langem Erklären unsererseits und noch längerem Schmollen seinerseits konnten wir uns auf einen Plattenspieler einigen. Ja, genau so ein Ding, für das wir uns damals geschämt hatten, weil unsere Eltern uns keinen CD-Player schenken mochten, weil der „nicht ganz in der für die Schweizerische Durchschnitts-Grossfamilie erschwinglichen Preisklasse“ lag. Das Ding scheint heute wieder chic zu sein, zumindest bei Nostalgikern, wie unser Karlsson einer ist.

Nun, irgendwann fand ich in den Weiten des Internets einen halbwegs tauglichen Plattenspieler, der a) nicht zu teuer, b) „fabrikneu und originalverpackt“ ist und c) in nostalgischem Design daherkommt. Jetzt muss ich nur noch die Meistbietende bleiben für den Stapel „gebrauchter, aber kaum zerkratzter“ Klassik-Schallplatten und Karlssons Geburtstagsgeschenk ist gekauft. Das heisst, wenn er es schafft, sich den Wunsch nach einer echten Puderperücke aus dem Kopf zu schlagen. Im Moment arbeiten wir noch dran. Von der Barockgeige, die er sich eigentlich auch noch wünschen würde, hat er zum Glück schon länger nichts mehr gesagt, so dass ich annehmen kann, dass wir für einmal ganz günstig wegkommen. Zumindest wenn man die Kosten für die kulinarischen Wünsche ausklammert. Und sollte Karlsson nach seinem Geburtstag noch unerfüllte Wünsche hegen, kann ich ihn ja auf Weihnachten vertrösten.

Wie, habe ich Weihnachten gesagt? Das dauert ja auch nicht mehr lange…. Und noch wissen nicht alle Kinder, was sie sich wünschen. Also kann ich auch noch keine Einkäufe tätigen. Nun gut, für die Füllung des Adventskalenders ist gesorgt, aber wo um Himmels Willen finde ich die Zeit, all die anderen Geschenke zu besorgen? Und dann wollte ich mir ja noch überlegen, ob ich für unsere Kinder eine neue Adventsgeschichte schreiben soll. Ach ja, den Samichlaus müssten wir wohl auch in den nächsten Tagen bestellen, damit wir noch einen bekommen. Und dann hat ja auch der Zoowärter schon bald Geburtstag….

Sieht ganz so aus, als müsste ich mich in den kommenden Wochen nicht vor Langeweile fürchten. Das beruhigt mich. Ich hatte nämlich schon Angst bekommen, die Gründung des Familienzentrums, die Lesung und das Novemberschreiben alleine würden nicht ausreichen, um die letzen weissen Flecken im Terminkalender zum Verschwinden zu bringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich hab’s gesehen!

Es ist fast wie Kinderkriegen: Zuerst einmal liegt es in weiter Ferne, vielleicht wird man mal, vielleicht auch nicht. Dann, irgendwann, wird der Traum konkreter, man überlegt sich, ob man den Job aufgeben würde für ein Kind, wo man das Kinderzimmer einrichten würde, wie es heissen würde, wenn es ein Mädchen wäre, wie, wenn es ein Junge wäre. Und dann, eines Tages nimmt man allen Mut zusammen, geht das Risiko ein und wenn alles läuft, wie man sich das gemeinhin vorstellt, dann entsteht ein neues Menschlein. Anfangs ist das alles noch ziemlich irreal, man sieht nichts, spürt nichts, man hat nur einen Teststreifen mit zwei Linien drauf. Mit der Zeit dann wird die Sache konkret, der Bauch wölbt sich, man sieht erste Ultraschallbilder, spürt erste Bewegungen. Und dann, gegen Ende der Schwangerschaft, werden die Ultraschallaufnahmen immer klarer, man erkennt Gesichtszüge, kann sich vorstellen, wie das kleine Menschlein aussehen wird, wenn es erst mal aus dem Bauch kommt. Und plötzlich weiss man, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis man das Kind im Arm halten wird. Ein heiliger Moment.

Einen ähnlich heiligen Moment habe ich soeben erlebt: „Meiner“, Luise, der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter kamen von Karlssons Konzert nach Hause – ich werde dann morgen gehen und meinen Ältesten danach endlich wieder mit nach Hause nehmen – und brachten ein Programmheft mit. Was soll denn an einem Programmheft so besonders sein, mögt ihr euch fragen. Nun, für mich ist es ein ganz besonderes Programmheft, denn auf Seite 60 findet sich der Beweis, dass die Sache mit dem Kinderbuch nicht irgend ein Hirngespinst war, sondern dass es das Buch geben wird, ja, dass es nur noch wenige Tage dauern wird, bis ich es in den Händen halten werde. Das letzte Ultraschallbild, sozusagen. Das Bild, das mir bestätigt, dass der Traum, den ich schon als Kind geträumt habe, der Traum, den ich lange nicht in die Tat umzusetzen wagte, der Traum, bei dem es keine Garantie auf Erfüllung gab, der Traum, der mir neben dem Traum von einer gesunden Familie der Allerwichtigste ist, wahr wird. Nach Jahren des „Was wäre wenn…“, nach Monaten des „Trau‘ ich mich, oder lasse ich es bleiben?“, nach Wochen des „Ist mein Text gut genug? Machen die ein Buch draus?“ habe ich nun die Bestätigung: Ja, es ist ein Buch! Und eine CD dazu! Und der Name ist „Leone und Belladonna – Eine Adventsgeschichte in 24 Kapiteln“.

Und wie bei den Kindern die Sache erst richtig losgeht, wenn das Kind mal geboren ist, so fängt es auch bei einem Buch erst richtig an, wenn es gedruckt ist. Erst dann weiss man mit Sicherheit, ob das Kind gesund, das Buch gut genug ist. Erst dann weiss ich, ob Leone  und Belladonna den Weg von meinem Kopf in die Herzen der Leser finden werden.

Ist es eigentlich normal, dass ich in diesem Moment nicht nur beinahe platze vor lauter Freude, sondern auch beinahe zittere vor lauter Angst?

Alle Jahre wieder…..

…. das gleiche Lied: Am ersten verregneten Sommerferientag versammeln sich die kleinen Vendittis in seltener Eintracht auf dem Sofa, um sich auf Weihnachten einzustimmen. Aus vollen Kehlen singen sie mit, wenn Andrew Bond seine Lieder von verschneiten Bergen, Geschenken unter dem Tannenbaum, Grittibänzen-Bäckerei und dem Samichlaus singt.

Da wäre sie also wieder, die alljährliche pränatale Euphorie im Hause Venditti. Eine Euphorie, die einfach so kommt, wie ein Virus, das sich breit macht, ohne dass man es eingeladen hätte. Allerdings frage ich mich langsam, ob die Sache vielleicht genetisch ist. Einen derart voraussehbaren Terminplan bringt kein Virus zustande.

Schwiegermamas Weihnachtsfest

Die Schwiegermama wollte doch noch Weihnachten feiern mit uns und zwar auf ihre Art: Sich ins Ausverkaufs-Getümmel stürzen und den Kindern etwas kaufen, was sie dringend brauchen. Eine Winterjacke zum Beispiel. Oder einen Pullover und eine Hose. Eigentlich hätte sie schon vor Weihnachten gehen wollen, aber da haben „Meiner“ und ich nur auf den vollen Kalender geschaut und losgebrüllt vor lauter Lachen. Dann haben wir probiert, ihr die Sache auszureden, denn meistens schonen solche Einkaufstouren zwar unser Budget, nicht aber unsere Nerven und die sind bei uns meist noch knapper als das Geld. Aber Schwiegermama bestand auf ihrem Vorschlag und so haben wir ihr Traum-Weihnachtsfest eben heute nachgeholt: Morgens um halb neun die Kinder aus dem Bett gezerrt, sie schnell schnell verköstigt und in die Kleider gezwängt. Dann mit dem Zoowärter eine Ewigkeit darüber diskutiert, warum I-Ah nicht mitkommen könne und schliesslich doch nachgegeben, weil der Kleine so geheult hat. Irgendwann standen sie da, die fünf: geputzt, gestriegelt und vollkommen lustlos. Ich kann gar nicht verstehen, warum sie sich nicht aufs Kleiderkaufen freuten…

Auf dem letzten Zacken schafften wir es, den Bus zu erwischen und in die Stadt zu fahren, wo Schwiegermama bereits wartete. Dann also mal ab in die Läden. Im ersten schnappte sich der FeuerwehrRitterRömerPirat einen „Wickie“-Pyjama und damit war die Sache für ihn erledigt, mochte die Schwiegermama ihn noch so sehr anflehen, doch noch einen Pullover, eine Grosspackung Unterhosen oder ein Paar Socken auszuwählen. Luise konnte sich derweilen nicht zwischen der rosaroten und der geblümten Hose entscheiden und war überhaupt eingeschnappt, dass sie sich Hosen kaufen musste und nicht eines jener gerüschten Kleidchen. Der Zoowärter heulte, weil er  einen Winnie the Pooh haben wollte, aber nicht konnte, weil sein kleines gelbes Idol bei „C & A“ bloss Dekoration war. „Meiner“ und ich wühlten uns derweilen durch einen Haufen Baby-Bodies, um für das Prinzchen die passende Grösse zu finden, die aber leider praktisch ausverkauft war.

Irgendwie schafften wir es, fast alle Wünsche zu befriedigen und zogen danach weiter zum Warenhaus, wo Karlsson sich eine Winterjacke auswählen durfte. Während Karlsson in aller Seelenruhe Jacken anprobierte, verkrochen sich der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat unter die Regale und das Prinzchen, das bei Papa in der Rückentrage sass, begann, die oberen Regale leer zu räumen. Irgendwann hatte die Schwiegermama eine zündende Idee: Sie lotste den Zoowärter und den FeuerwehrRitterRömerPiraten an einen Ort, wo sie keinen Schaden anrichten konnten, nämlich in die Spielzeugabteilung! Wo ich sie beiden mit hunderttausend Versprechen, dass sie sich den singenden Winnie the Pooh und das Spiel mit den Rittern und den Lerncomputer und die Playmobil-Pyramide ganz bestimmt zum Geburtstag wünschen dürften. Während Karlsson und „Meiner“ sich weiter um die Jacke kümmerten und die Schwiegermama das ganze Treiben gleichmütig beobachtete, mutierte ich so langsam aber sicher zu einer jener Albtraum-Mütter, wie man sie in Warenhäusern so gerne sieht: „Komm sofort her, Zoowärter! Und fass mir ja nichts mehr an! Nein, Prinzchen, nicht die Dekoration herunterreissen! Hierher, FeuerwehrRitterRömerPirat, und zwar Dalli! Nein, das kaufe ich euch nicht. Das ist zu teuer. Wo bist du jetzt schon wieder, Luise? Zowääääääärter, neeeeeiiiiiiiiin!“ Irgendwann wusste ich mir nicht mehr anders zu helfen, als den Rabauken Zuckerstangen zu kaufen. Worauf der Streit losging, wer welche Farbe bekommen sollte. Worauf ausgerechnet die  Zuckerstange, die alle haben wollten, zerbrach. Worauf noch einmal eine neue Zuckerstange hermusste, weil zerbrochene Zuckerstangen bekanntlich ungeniessbar, ja, sogar giftig sind.

Irgendwann waren die Einkäufe geschafft, „Meiner“, die Kinder und ich auch. Nur Schwiegermama stand ganz entspannt daneben und meinte, das sei doch jetzt alles ganz glatt gelaufen. Ach ja, und wer hat sich eigentlich die ganze Zeit über liebevoll um I-Ah gekümmert und ihn mitgeschleppt, wenn er zwischen den Regalen liegenblieb?

Na, wer wohl?

Soll ich? – es bleiben lassen?

Weihnachten 2009 ist Geschichte, das Jahr liegt in den letzten Zügen und völlig unerwartet schleichen sich da ein paar gute Vorsätze aus dem Hinterhalt an. Wie wär’s mit weniger essen? Vielleicht gar mit ein wenig abnehmen? Nur die zehn Kilos, die du noch immer mit dir rumschleppst von der letzten Schwangerschaft, mehr nicht. Oder du könntest bis Ostern auf Süsses verzichten. Hat doch letztes Jahr bestens geklappt und an den Geburtstagen der Kinder könntest du ja eine Ausnahme machen. Und dann steht da auf dem Dachboden noch dieser Hometrainer, den du dir im Sommer angeschafft hast. Wie wär’s wenn du den in Zukunft etwas öfter benützen würdest? Nicht jeden Tag. Zwei-, dreimal die Woche wäre immerhin schon besser als gar nie…

Was soll ich bloss tun? Die Vorsätze klingen ja ganz vernünftig. Aber ist es nicht grundsätzlich so, dass man gute Vorsätze nie einhält und sie deshalb am besten gar nicht erst fasst? Andererseits kann man nie wissen, was man schaffen könnte, wenn man es gar nicht erst probiert. Ich glaube, ich mache mich jetzt erst mal mit all den Christstollen und „After Eight“ zu schaffen, die noch in der Küche vor sich hingammeln. Sollte ich mich danach unwohl fühlen, kann ich mir ja den einen oder anderen Vorsatz etwas genauer anschauen…

Stephanstag

Was macht man am Stephanstag, wenn sich einfach keiner mehr findet, der mit Vendittis noch ein wenig Weihnachten feiern möchte? Nicht mal die Schwiegermutter, die sonst immer froh ist um ein wenig Aufmerksamkeit, hatte Lust, mit uns die Weihnachtstage ein wenig zu verlängern. Und so bleib uns heute nichts anderes übrig, als den halben Tag im Pyjama herumzuhhängen, uns mit Guetzli vollzustopfen, ein wenig zu lesen, den Kindern beim Spielen zuzuschauen, zu dösen und in der Blogstatistik zu stöbern.

Und zum Beispiel herauszufinden, dass man beautifulvenditti heute mit der Suche nach der Antwort auf die immens wichtige Frage „Wieso gibt es das Feldschiessen?“ gefunden hat. Als ob ich schon je in meinem Leben etwas über Feldschiessen geschrieben hätte. Nun ja, habe ich vielleicht auch schon, damals, als ich noch Lokalredaktorin war. Aber falls ich mir je näher Gedanken gemacht habe über das Thema, dann eher, weil ich mich krank gelacht habe über so schöne Wörter wie „Behördenschiessen“ oder „Gemeinderatsschiessen“. Weil ich mir vorgestellt habe, wie sich die Behörden und Gemeinderäte hinter den Bäumen verstecken, während die Schützen versuchen, einen von ihnen vor die Flinte zu kriegen. Und nicht etwa, weil ich mich im Allgemeinen fürs Schiessen interessieren würde. Dazu bin ich viel zu pazifistisch eingestellt. Deshalb bin ich auch etwas erstaunt, dass die Suchmaschine glaubt, man finde bei mir eine Antwort auf die Frage nach dem Ursprung des Feldschiessens.

Ich weiss auch nicht, warum man mich findet, wenn man die Eingabe „strippen gegen den Hausfrauenfrust“ macht. Okay, über Hausfrauenfrust schreibe ich viel, aber doch nicht übers Strippen. Davon habe ich nun wirklich keine Ahnung und ich will davon auch gar keine Ahnung haben. Ist mir nämlich einfach zu doof. Auch auf das Problem „ich trage Frauenkleider und bin verheiratet“ habe ich herzlich wenige Antworten obschon ich sowohl verheiratet bin, als auch Frauenkleider trage, aber von mir erwartet man ja nichts anderes.

Dass man mich gleich dreimal mit der Suche „nacktschnecken zu treten“ gefunden hat, gibt mir ebenfalls zu denken. Muss man denn gleich so aggressiv werden gegen Nacktschnecken? Nicht, dass ich diese Tiere besonders lieben würde, aber muss man sie denn treten deswegen? Die können ja auch nichts dafür, dass sie so hässlich sind.

Und dann gibt es noch jemanden, der bei mir „bilder der perfekte hausmann“ sucht. Ich glaube, ich muss sofort alle Bilder von „Meinem“ löschen. Den perfekten Hausmann, den teile ich nämlich mit niemandem. Der gehört mir allein.

Du merkst, dass du langsam alt wirst, wenn….

… du diejenige bist, die an Heilig Abend hundertmal sagt, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis es Geschenke gibt und dass die Kinder sich doch jetzt bitte noch ein wenig gedulden sollen.

… du diejenige bist, die an Heilig Abend das Glöcklein läutet, um die Kinder ins Wohnzimmer zu rufen.

… du von „Deinem“ zu Weihnachten vier Tage Erholungsferien im „Ländli“ geschenkt bekommst. 🙂

… du diejenige bist, die an Heilig Abend länger aufbleiben darf, um den Gottesdienst zu besuchen. 🙂

… du in diesem Gottesdienst zum ersten Mal in diesem Jahr überhaupt ein paar Momente der Ruhe findest, um darüber nachzudenken, was dieses kleine Kind in der Krippe alles bewegt hat auf dieser Welt.

… du an Weihnachten eine volle Stunde zu spät zur Familienfete kommst, weil du noch so viele Windeln, Desserts, Bilderbücher, Schoppenflaschen, Geschenke für Neffen und Nichten, Geschenke für Gotten und Göttis, etc. hast einpacken müssen.

… du von deinem Patenkind als Weihnachtsgeschenk zum Essen eingeladen wirst. 🙂

… dir deine halbwüchsigen Nichten und Neffen nicht glauben, dass du vor vielen vielen Jahren auch mal Mist gebaut hast.

… dein älterer Bruder über Hexenschuss klagt und du genau weisst, wie elend er sich fühlt.

… du beim Familienfoto Rückenschmerzen bekommst, weil du so lange auf dem Boden kauern musstest weil es gar nicht so einfach ist, siebzehn  Erwachsene, sechs Teenager, zehn Kinder und zwei Babys zum Stillsitzen zu bringen.

… sie dich am Weihnachtsabend in der Polizeikontrolle nach einem kurzen Blick in deinen Führerausweis durchwinken, weil du mit deinen altbackenen Kleidern und mit deinen drei übermüdeten Kindern so kreuzbrav aussiehst, dass die Polizisten gar nicht erst auf die Idee kommen, dass du etwas ausgefressen haben könntest.

… du diejenige bist, die das Geschenkpapier entsorgen muss, kaputtes Spielzeug wieder flicken muss, Speisereste verwerten muss und dafür sorgen muss, dass die Kinder mal wieder etwas Gesundes in den Magen bekommen.

… du froh bist, wenn Weihnachten vorbei ist, damit endlich wieder mal Ruhe einkehrt.

Weihnachtsmenu

Während andere Bloggerinnen bereits vor Wochen ihr Weihnachtsmenu bekannt gegeben haben, habe ich mal wieder bis zur letzten Minute gewartet, um mir den Kopf darüber zu zerbrechen, was heute Abend auf den Tisch kommt. Und weil ich zu faul war, Kochbücher zu wälzen und dennoch nicht Jahr für Jahr das Gleiche kochen will, habe ich meine Familie gefragt, was es denn geben soll. Und deshalb sieht unser Menu für heute so aus:

Erste Vorspeise: Crêpes mit Räucherlachs und Frischkäse und zwar in Form einer Torte, „weisst du, so eine wie Petterson für Findus macht, aber nicht mit Beeren sondern mit Lachs“ (Wunsch von Karlsson und Luise)

Zweite Vorspeise: Riesencrevetten (Wunsch von „Meinem“ und Karlsson) – Und ich habe die schwierige Aufgabe, die Dinger in Bio-Qualität und garantiert frei von Kinderarbeit und dergleichen aufzutreiben…

Hauptspeise: Hausgemachte Chnöpfli mit Käse (Wunsch des FeuerwehrRitterRömerPiraten)

Dazu: Morchelsauce, „weil ohne Morchelsauce nicht Weihnachten ist“ (Wunsch von Karlsson)

Dazu auch noch: „Nein lieber Champignonssauce. Ich hasse Morcheln!“ (Wunsch von Luise)

Dessert: Sahnetorteund zwar genau so eine, wie sie Karlsson vom Dach mag“ (Wunsch von Luise)

Das also ist unser Weihnachtsmenu. Passt doch alles perfekt. So perfekt, wie die Faust aufs Auge, nicht wahr?

Wie? Ob ich denn keine Wünsche angebracht habe? Aber klar doch. Ich habe mir gewünscht, was sich die Mamas immer wünschen: „Brave Kinder und dass ihr alle zufrieden seid.“ Das ist es doch, was sich Mamas zu wünschen haben, oder?