Ist der Ruf erst ruiniert…

Schon von Weitem ist das Geschrei zu hören, als Lusie und ich vom Arztbesuch zurückkommen. Was ist denn mit Karlsson los? Ist er von der Leiter gefallen, hat er sich etwas gebrochen oder ist er gar in ein Auto gerannt? Panisch renne ich die Treppe hoch. Dort treffe ich einen schreienden Karlsson an, der mit weit aufgerissenen Augen auf seinen blutenden Fuss starrt. Mein kleiner Karlsson, der vor einem Jahr zwei Tage lang ohne zu Klagen mit einem geplatzten Blinddarm unterwegs war, brüllt sich die Seele aus dem Leib, weil er auf eine Scherbe getreten ist.

Das Gebrüll ist so laut, dass sogar Karlssons Tante, die zufällig am Haus vorbeigeht, in Panik die Treppe hochgestürmt kommt. Offen gestanden erstaunt es mich, dass nicht auch gleich die Polizei, das Sozialamt und die Kinderschutzgruppe auf der Matte stehen. So ein Geschrei kann doch nur ein Kind machen, das aufs Gröbste misshandelt wird, würde man denken.

Doch bei uns ist es umgekehrt: Karlsson misshandelt uns, tritt nach jedem, der seinen Fuss nur anschauen will und brüllt, dass einem die Ohren gellen. Zuerst gibt die Tante auf. Sie muss ja auch schon längst dafür sorgen, dass ihre Familie etwas zwischen die Zähne bekommt. Dann zieht sich Luise zurück, die bei diesem Lärm nicht mal verkünden kann, dass der Augenarzt mit dem Heilungsprozess ihres Auges ganz zufrieden ist. Schliesslich wissen „Meiner“ und ich uns nicht mehr anders zu helfen, als das störrische Kind zu zweit zu bändigen. Als der Glassplitter nach einem schweisstreibenden Kampf endlich draussen ist, heult der Zoowärter aus Angst, der FeuerwehrRitterRömerPirat vor Wut und das Prinzchen, weil er aus dem Schlaf gerissen worden ist. „Meiner“ und ich sind ebenfalls den Tränen nahe. Nur Karlsson sitzt schweissüberströmt aber vollkommen zufrieden auf dem Sofa. Eigentlich war die „Operation“  ja gar nicht so schlimm, findet er.

Fragt sich bloss, wie wir nach diesem Geschrei unseren guten Ruf in der Nachbarschaft wieder aufbauen können.

Widersprüche

Zugegeben, die Beiträge von gestern und vorgestern stehen schon ein bisschen im Widerspruch zueinander. Vorgestern zeige ich mit dem Finger auf Eltern, die ihren Kindern nichts beibringen und sie vor der Glotze vergammeln lassen. Gestern will ich meine Kinder mit Glotzen vom Schwimmen abhalten, nur weil ich zu faul bin, mich am Sonntagnachmittag zum Fleischmarkt, auch Schwimmbad genannt, zu begeben.

Das ist es doch genau, womit wir Eltern immer wieder zu kämpfen haben. Wir wollen unseren Kindern beibrizungen, alles mit Bedacht anzugehen und sich nicht hetzen zu lassen. Gleichzeitig treiben wir sie den ganzen Tag an. Beeil dich! Mach vorwärts! Wir kommen zu spät. Wir predigen unseren Kindern, dass jedes Lebewesen wertvoll ist. Ist der Küchenboden dann mit Maden übersät, kreischen wir wie Teenager und töten die Biester mit dem Wallholz. Wir moralisieren, dass es immer das Beste sei, die Wahrheit zu sagen und zwei Tage später ertappen uns die Kinder dabei, wie wir die Geschichte, wie der Badezimmerspiegel in die Brüche geganen ist, beschönigen.

An dieser Stelle kann ich ja zugeben, dass es ein Wutanfall war. Und zwar einer von mir. Ach ja,  die zerbrochene Haarbürste geht auch auf mein Konto. Und dass das letzte Tafelservice nur zwei Jahre gehalten hat, liegt auch zu einem grossen Teil an meinem aufbrausenden Temperament. Ich sag’s meinen Kindern ja immer wieder:  Wütendwerden ist okay, in der Wut Gegenstände zerstören ist nicht okay. Warum nur glauben sie mir nicht?

Drückeberger

Gewöhnlich sind es ja die Kinder, die eine Ausrede nach der anderen bringen, wenn wir etwas von ihnen wollen. Räumt bitte das Zimmer auf! Geht nicht. Luise hat nämlich plötzlich so einen Juckreiz am Ohr, Karlsson muss dringend noch etwas im Garten suchen und der FeuerwehrRitterRömerPirat ist am Verhungern, obschon wir vor fünf Minuten fertig gegessen haben. Passt mir mal schnell einer fünf Minuten auf das Prinzchen auf? Aber Mama, siehst du denn nicht, dass wir gerade so schön am Spielen sind? Wenn wir jetzt unterbrechen müssen, wissen wir nachher nicht mehr, wer welche Rolle spielt. Aber Pelati aus dem Keller holen könnt ihr mir? Wie bitte? Sind wir denn deine Sklaven?

Heute war es für einmal umgekehrt. Schon um die Mittagszeit begannen die Kinder zu quengeln, weil sie ins Freibad wollten. Ins Freibad bei diesem Wetter? Wissen unsere Kinder denn nicht, dass bei dieser Hitze alles, was zwei Beine hat, sich ins Schwimmbad aufmacht? Es ist ja nicht so, dass wir grundsätzlich etwas gegen Schwimmbäder hätten. Im Gegenteil. Ich sehne mich schon lange danach, mal wieder einen ganzen Kilometer am Stück zu schwimmen. Doch Schwimmbad mit fünf Kindern bedeutet, dass Karlsson vom Sprungbrett springen will, Luise ihre Taucherbrille ausprobieren will, der FeuerwehrRitterRömerPirat plötzlich Angst vor dem Wasser bekommt, der Zoowärter sich mit nasser Badewindel im Sandkasten paniert und das Prinzchen brüllt, weil er sich als Herbstkind in dieser Hitze nicht wohlfühlt.

Keine sonderlich verlockenden Aussichten für einen Sonntagnachmittag. Deshalb beginnen „Meiner“ und ich, nach Ausreden zu suchen. Am Anfang ist es ja noch einfach. Nachmittags um drei hat es einfach zu viele Leute im Schwimmbad, also vertrösten wir die Kinder auf später. Doch sie lassen nicht locker. „Wollt ihr denn nicht lieber den Film schauen, den ihr gestern in der Bibliothek ausgeliehen habt?“ Nein, wollen sie nicht. Und überhaupt, für wie blöd halten wir unsere Kinder? Predigen wir doch schon seit Jahren, bei schönem Wetter sitze man nicht vor der Glotze. Und jetzt sollen sie glauben, dass wir ihnen eine Stunde glotzen so ganz ohne Hintergedanken gewähren. Das Gejammer geht weiter und fast werden wir weich. Doch da ziehen Wolken am Himmel auf. „Schaut Kinder, gleich beginnt es zu regnen. Wir bleiben zu Hause.“ Schreckt sie das ab? Nicht im Geringsten. Die paar Regentropfen halten doch keinen kleinen Venditti vom Baden ab. Jetzt fällt uns keine Ausrede mehr ein, die Taschen werden gepackt. Sieg für die Kinder!

Beinahe. Plötzlich kommt Wind auf, es wird wirklich kühl. Laut zugeben wollen es die Kinder zwar nicht, doch die Lust aufs Baden ist ihnen vergangen. Dreimal raten, wer Schuld daran ist, dass das Wetter so plötzlich umgeschlagen hat…

Achtung, Gefahr!

„WARNUNG: Flasche nur unter Aufsicht geben. Nie Dauernuckeln. (Gebrauchsanweisung beachten)“.  „Die Zecken treiben wieder ihr Unwesen. Vergessen Sie bitte nicht, Ihr Kind mit Zeckenspray einzusprühen und nur mit langen Hosen in den Wald zu schicken.“ „Achtung! Verschluckbare Kleinteile. Nicht für Kinder unter drei Jahren geeignet.“

An jeder Ecke lauert die Gefahr. In den Babyflaschen, im hausgemachten Babybrei, im Verpackungsmaterial des fertig gekauften Babybreis, in der Spielzeugkiste, an der Sonne, in der Sonnencrème, im Unterholz, auf den Bäumen, einfach überall. Wer überhaupt noch den Mut hat, bei all den Warnungen ein Kind auf die Welt zu stellen, soll dieses bitte rund um die Uhr in Watte verpackt halten, damit ihm nichts passieren kann.

Als Folge von all diesen Warnungen haben wir Heerscharen von panischen Müttern. Solche, die Angst haben, ihr Kind in eine Spielgruppe mit Aussenspielplatz zu schicken, weil ihm dort etwas passieren könnte. Solche, die ihr Kind in die Schule chauffieren, damit es nicht entführt wird. Solche, die verhindern, dass ihr Kind je schwimmen lernt, weil es dabei ertrinken  könnte.  Solche, die das Kind keine Glace schlecken lassen, weil es sonst fettleibig werden könnte.

Dass das Kind nur darum fettleibig wird, weil es nicht mehr im Wald herumstrolchen und nicht Velofahren darf, kommt keiner überbesorgten Mama in den Sinn. Forscher vermuten ja jetzt, an der Zunahme der Fettleibigkeit sei Bisphenol A schuld. Und das findet sich ja in Babyflaschen und Verpackungsmaterialien von Lebensmitteln. Folglich geben wir den Kindern am besten gar nichts mehr zu essen. Parkieren wir sie doch vor dem Computer oder dem Fernseher. Dort sind sie geschützt vor sämtlichen Gefahren, die in der Natur und in der Nahrung lauern.

Das Parkieren vor dem Computer hat ausserdem einen sehr nützlichen Nebeneffekt: Die Kinder können üben, wie man sich in der von allen Gefahren befreiten Welt am besten durchschlägt. Das ist viel wichtiger als Schwimmenlernen und Velofahren. Du musst auf deinem Computer nur das richtige Spiel installierern und schon weiss dein Kind, wie es in Zukunft seinem Gegner, früher Klassenkamerad genannt, begegnen soll. Und sollte dein Kind je auf die Idee kommen, einen seiner Gegner auf dem Schulhof an einem Baum aufzuknüpfen, ist das auch nicht so schlimm. Solch harmlose Bubenstreiche gehören doch einfach zur Kindheit, nicht wahr?

Es gibt ja auch Pessimisten, die behaupten, die Kinder kämen bloss auf solche Ideen, weil sie in den Computerspielen und im Fernsehen mit so viel Gewalt konfrontiert würden. Wie abwegig! Was könnte an diesem harmlosen Vergnügen so schlimm sein? Ist doch das ideale Spielzeug: Keine verschluckbaren Kleinteile. Im gut abgedunkelten Kinderzimmer scheint auch  nicht die ach so gefährliche Sonne und es gibt keine Zecken. Und in den Chips, die das Kind dabei isst, hats bestimmt kein Bisphenol A. Erstaunlich, dass all die Generationen vor uns noch nicht draufgekommen sind, wo die Kinder am sichersten sind.

Und überhaupt: Was kann an einem zünftigen Computerspiel oder einem actiongeladenen Film so gefährlich sein? Papa enstpannt sich ja auch so wunderbar vom täglichen Hahnenkampf im Büro, wenn er am Bildschirm mal so richtig drauflossballern darf, oder zumindest dabei zusehen darf, wie es andere tun. „Meiner“ übrigens nicht. Aber der arbeitet ja nicht im Büro, sondern bemüht sich Tag für Tag darum, in der Schule die in Watte verpackten Kinder auszupacken und ihnen Schwimmen und Velofahren beizubrinen.

Wie schaffen die das bloss?

Eiagentlich hatte ich mir ja den heutigen Feiertag etwas anders vorgestellt. Zwar bin ich, – obschon ein gläubiger Mensch, – mit keiner Faser meines Wesens katholisch. Ausserdem muss ich jedes Jahr aufs Neue nachlesen, was an Fronleichnam eigentlich gefeiert wird, weil ich es immer wieder vergesse. Dennoch achte ich streng darauf, diesen Feiertag würdig zu begehen, zumindest was das Nichtstun betrifft. Was gibt es Schöneres, als die Ruhe im Garten zu geniessen, wenn alle meine katholischen Nachbarn zur obligaten Einkaufs-Prozession nach Aarau gepilgert sind und die, die zu Hause geblieben sind, den Rasen nicht mähen dürfen?

Doch ausgerechnet heute musste „Meiner“ trotz seines freien Nachmittags nochmals zur Arbeit fahren. Im Ostaargau scheren die sich eben einen Dreck um unsere Feiertage. Wenigstens nahm „Meiner“ die drei Grossen mit. Dann eben Fronleichnam mit den zwei Kleinen. Könnte ganz entspannend sein, dachte ich.

Entspannend? Habe ich denn schon vergessen, wie es ist, mit einem Baby und einem Zweijährigen allein zu sein? Ganz ohne die grossen Geschwister, die als zuverlässige Wachposten jeden Fehltritt des Zoowärters melden. Kaum ist „Meiner“ mit den drei Grossen weggefahren, geht es los. Zuerst einmal ist das Telefon dran. Der Zoowärter rennt damit durch die ganze Wohnung und drückt wahllos Knöpfe.  Mit dem vollen Breilöffel des Prinzchens bewaffnet, renne ich dem Zoowärter nach, doch schon bald muss ich aufgeben, denn das Prinzchen  schreit herzerweichend seinem Brei hinterher. Das Telefon finde ich erst Stunden später wieder, als es leise unter des Prinzchens Bettdecke schellt.

Schnell wird mir klar, dass heute nichts wird mit Faulenzen im Garten. Also Kinderzimmerräumen. Aber ich habe nicht mit dem Prinzchen gerechnet, der seit einigen Tagen schon ziemlich weit herumkommt. All die kleinen Gegenstände, die vor einer Woche noch keine Gefahr waren für ihn, sind heute eine lebensgefährliche Falle. Somit ist auch die Aufräumaktion schnell beendet. Zumindest die aussortierte Ware in den Keller zu transportieren sollte jedoch möglich sein. Denkste! Als ich wieder oben angekommen bin, hat der Zoowärter den Küchenboden mit einer klebrigen Mischung aus Teigwarenmehl und Putzwasser verziert. Also ab zum Säubern. Der Kleine möchte aber lieber weiter schmieren, kriegt einen Wutanfall und erbricht vor lauter Schreien das ganze Mittagessen auf den Fussboden. Schreiendes Kind duschen, Boden putzen, schreiendes Kind in saubere Kleider stecken, Prinzchen wickeln und dann erschöpft aufs Sofa sinken. Für genau dreissig Sekunden. Denn inzwischen hat der Zoowärter einen Schmetterling aus rosarotem Seidenpapier in die Finger gekriegt. Unglaublich, was für schöne Flecken dieser Schmetterling auf den unversiegelten Holzboden  zaubert, wenn er nass ist! Dies zumindest findet der Zoowärter.

Nach drei Stunden mit den beiden Kleinen bin ich mit den Nerven am Ende. Und so erschöpft, dass ich am liebsten gleich ins Bett sinken würde. Doch der Tag ist noch lange nicht zu Ende. Wie schaffen das die anderen Mütter, frage ich mich? Diejenigen, die keine grösseren Kinder haben, die lauthals schreien, sobald der Kleine im Begriff ist, eine Dummheit zu begehen? Hätte ich „nur“ zwei Kinder, ich wäre wohl schon längst durchgedreht…

Und noch eine Frage bleibt: Wo um Himmels Willen hat der Zoowärter die elektrischen Zahnbürsten versteckt?!

Tag der frustrierten Hausfrau

Heute war der Tag der frustrierten Hausfrau. Das ist der Tag, an dem sich die Vollzeithausfrau einmal mehr bewusst wird, dass eine glückliche Mutter nicht automatisch auch eine glückliche Hausfrau ist. Der Tag, an dem sie ihrer Fähigkeiten gedenkt, die sie früher einmal einsetzen konnte, die ihr heute aber keiner mehr zutraut. Der Tag, an dem sie sich hundertmal sagt, dass die Kinder nicht Schuld sind daran, dass ihr manchmal einfach alles zuviel wird und sie diese trotzdem anschnauzt, weil sie mit ihrer Fröhlichkeit vom Trübsalblasen ablenken.

Ich weiss nicht, wie andere frustrierte Hausfrauen diesen Tag begehen. Bei mir beginnt er für gewöhnlich damit, dass Karlsson morgens um Viertel vor sieben brüllt, er wolle jetzt endlich aufstehen und mir mit seinem Gebrüll dreissig Minuten wertvollster Schlafenszeit raubt. Weiter geht so ein Tag mit einem Arzttermin, bei dem festgestellt wird, dass Luise auf dem rechten Auge nur halb so viel sieht wie auf dem Linken, weil sie am Montag einen Stecken ins Auge bekommen hat. Nächste Station ist der Schuhladen, wo wiedermal eine Umtauschaktion vorgenommen werden muss. Luises „Qualitätsschuh“ (Siehe „Immer diese Schuhe“) hat nun, nach bloss zwei Wochen, ebenfalls das Zeitliche gesegnet. Mit neuen „Qualitätsschuhen“ und einer Verspätung von vierzig Minuten hetzt man nach Hause, um ein versalzenes Mittagessen auf den Tisch zu zaubern.

Zur Feier des Tages gibt es am Nachmittag eine freie Stunde. Zeit, um sich in einen frustrierenden Roman zu vertiefen. Darin dreht sich alles um ein Frau, die noch keine frustrierte Hausfrau ist, die aber alles daran setzt, so schnell als möglich eine zu werden. Für das Sahnehäubchen sorgt schliesslich die Tageszeitung. Einmal mehr wird einem bei der Lektüre bewusst, dass man bei dieser Wirtschaftslage wohl noch länger die frustrierte Hausfrau bleiben wird.

Mehr von Kutteln und Buchstaben. Und von Zahlen

Okay, ich geb’s zu. Es war eine masslose Übertreibung, zu behaupten, ich wüsste schon, wie man ein störrisches Kind dazu bringt, Kutteln zu essen (Siehe „Was soll ich getan haben?“). Ich habe keinen blassen Schimmer und ich will auch keinen haben. Denn würden meine Kinder Kutteln essen, wer müsste dann wohl die Scheusslichkeit kochen? Und gewissen Scheusslichkeiten muss man trotz aller Weltoffenheit den Zutritt zur Küche verwehren. Immerhin bin ich überzeugte Vegetarierin. Sollte ich also je meine Kinder beim Kuttelnessen erwischen, werden sie sofort enterbt. Was sie allerdings nicht davon abhalten wird. Zu erben gibt es bei mir ohnehin bloss ein paar Mikrofasertücher, einen Stapel Bücher und ein paar Blogeinträge, die meine Kinder doof finden werden.

Was mich zum Thema führt, über das ich eigentlich schreiben wollte. Ich zerbreche  mir nämlich seit Stunden den Kopf, weshalb ich mir darüber den Kopf zerbrechen muss, wie man kleine Kinder das Alphabet lehrt. Man könnte doch meinen, dass jemand, der jede freie Minute mit Lesen und Schreiben zubringt, das einfach so mit Links tut. Doch es scheint, dass man das, was einem einfach so in den Schoss gefallen ist, nicht weitergeben kann. Man hat sich ja nichts erarbeiten müssen und deshalb weiss man auch nicht, auf welchem Weg man es sich angeeignet hat. Hat man sich hingegen etwas mit viel Mühe erkämpfen müssen, verfügt man über eine ganze Menge von Tricks, wie man sich das Unverständliche doch noch halbwegs verständlich machen kann.

Vielleicht sollte ich Mathematiklehrerin werden. Nur könnte ich dann nicht garantieren, dass die Resultate auch stimmen

Weitere Stilfragen

War das wieder ein Sonntagnachmittag! So richtig gemütlich. Ein bisschen Beerenpflücken, ein bisschen im Internet surfen und Geschenke suchen, ein bisschen Zeitung lesen. Dabei bin ich auf einige Kuriositäten gestossen, die ich ihrer Schönheit wegen nicht für mich behalten will.

Da ist zum Beispiel das ganzseitige Cablecom-Inserat in der „NZZ am Sonntag“. Eine gewisse Gina Hagmann aus St. Gallen hält ein angeblich handgeschriebenes Plakat mit der folgenden Aufschrift in der Hand: „Bei cablecom sind die Installationen sogar für mich Bubi einfach.“ Nun, wie ein Bubi sieht die doch ziemlich ältliche Gina Hagmann nicht aus, doch beim heutigen Jugendlichkeitswahn ist es wohl schmeichelhafter, sich selber als Bubi zu outen, als zu seinen Falten zu stehen.

Ein anderer schöner Satz aus der heutigen Sonntagspresse: „Religion in der Schule hat seinen Platz, aber nicht als eine Einweisung in einen bestimmten Glauben, sondern als Unterricht über alle Religionen.“ Ist doch schön, dass der Religion nicht ganz aus die Schulzimmern verbannt werden soll. Es ist ja schon traurig genug, dass der grammatikalische Geschlecht in das NZZ keinen Platz mehr hat.

Ob ich wohl nächsten Donnerstag nach Zürich fahren soll? Dort findet nämlich der „Tag des Zahnes für alle“ statt. So ganz nach dem Motto „Einer für alle, alle für Einen.“ Vielleicht aber ersteigere ich mir lieber die „Schweinebequem-Pluderhose“, auf die ich heute bei Ricardo gestossen bin. Die gefällt mir nämlich wirklich. „Meiner“ ist zwar dagegen. Dabei ist sie doch bloss schweinebequem und nicht schweineteuer. Und ausserdem würde sie meinen Bauch gut verstecken. Damit ich  beim nächsten Einkauf nicht wieder gefragt werde, ob ich schon wieder schwanger sei. Nun ja, meine Bauchdecke ist auch sieben Monate nach der fünften Schwangerschaft noch nicht besonders straff. Aber ich hatte ja auch noch keine Zeit für den Mommy Makeover. Obschon der doch heute genauso zum Muttersein gehört wie morgendliche Übelkeit, durchwachte Nächte und Schwangerschaftsstreifen.

Stilfragen und wie ich schon jetzt zu Gummistiefeln gekommen bin

Jahrelang spottet man über Männer, die sich von ihren Frauen Kleider kaufen lassen. Die nichts dagegen haben, wenn „Ihre“ beim Wocheneinkauf auch schnell noch ein Paket Hemden (Sonderangebot, drei für zwei) in den Einkaufswagen legen. Denen es piepegal ist, dass die Hemden ein Muster haben, als hätte jemand draufgekotzt und die nie und nimmer auf die Idee kämen, sich neue Kleider zu kaufen.

So spottet man, bis man merkt, dass man so anders gar nicht ist. Nicht dass ich es wagen würde, „Meinem“ Kleider zu kaufen. Nicht mal Unterwäsche würde ich ihm besorgen. Der Mann hat nämlich Stil und toleriert es nicht, dass man sich in seinen Kleiderschrank einmischt. Ich kaufe ihm also keine Kleider, er aber mir. Aufgefallen ist mir dies erst neulich, als er mich nach der Arbeit anrief um zu erfahren, ob ich T-Shirts in Fuchsia und Grau (Sonderangebot, zwei für eins) tragen würde. Immerhin aber besitze ich noch so viel Modebewusstsein, dass ich nicht alles trage, was er mir bringt. Die Bluse, die aussieht, als hätte jemand draufgekotzt, sieht das Tageslicht nur, wenn der grosse Putztag ansteht.

Ja, und dann wäre da noch die Sache mit den Gummistiefeln. Habe ich nicht neulich behauptet, Gummistiefel zum Gärtnern bekomme man erst mit Vierzig (siehe „Komm lieber Mai…)? Warum dann bin ich heute mit Rock und Gummistiefel durch den Garten gestapft? Nein, ich bin nicht Vierzig geworden. Aber Karlssons Füsse sind gewachsen. Und da ich Memme es nicht mag, mit nackten Füssen auf Nacktschnecken zu treten, habe ich mir mal schnell Karlssons Stiefel geborgt. Aber verraten Sie mich bitte nicht. Karlsson mag es nämlich nicht, wenn man sich seinen Sachen borgt.

Nicht so schnell, mein Prinzchen!

Beim ersten Kind geht ja alles noch unglaublich langsam. Tagelang sitzen die stolzen Eltern da, starren ihr Baby an und warten auf das erste Lächeln. Und wenn sie dieses endlich bekommen haben, warten sie auf das Zweite. Irgendwann wird das Lächeln zur Selbsverständlichkeit, doch das Warten geht weiter. Warten auf die erste Drehung, den ersten Zahn, die ersten Schritte, das erste Wörtchen. Von einem Entwicklungsschritt zum nächsten dauert es eine halbe Ewigkeit.

Beim zweiten Kind geht alles ein bisschen schneller, beim Dritten noch schneller und falls man bis dahin noch nicht aufgegeben hat, rennen die Eltern bei jedem weiteren Kind verzweifelt hinterher, um wenigstens noch ein paar wenige Momente der Babyzeit zu geniessen. Am Abend legst du ein Baby ins Bettchen, am Morgen ist daraus ein Krabbelkind geworden, zwei Tage später kommt es in die Schule und eine Woche später raunzt dich ein pickeliger Teenager an. Da nimmst du dir vor, jeden Tag mit deinem kleinen Prinzchen zu geniessen, ihn so lange wie möglich zu stillen und ihm alle Zeit in der Welt zu lassen mit dem Grosswerden.

Und was macht das Prinzchen? Nimmt er Rücksicht auf seine sentimentale Mama? Aber nicht doch! Warum stillen, wo Mama doch so gut kocht? Ach so, Mama hat Mühe damit, ihren Jüngsten loszulassen? Na dann, soll sie eben noch ein bisschen stillen, aber nur noch einmal am Tag und möglichst dann, wenn es dunkel ist. Sonst könnte es noch jemand sehen und ihn auslachen. Und überhaupt braucht er jetzt viel Energie, denn so langsam möchte er wissen, was es da noch alles zu entdecken gibt. Immer bei  Mama bleiben ist doch einfach langweilig.

Man sieht schon jetzt, auf was das Ganze hinausläuft. Das Prinzchen will gross sein, um mit den Geschwistern mitzuhalten; die Mama will ihn klein behalten, weil er doch ihr Jüngster ist. Und wenn er dereinst, im zarten Alter von fünfundzwanzig Jahren, von zu Hause ausziehen will, wird sie heulen und jammern, weil ihr Prinzchen sie verlassen will, obschon er doch noch so klein ist.