Familienzuwachs

Keine Angst, wir sind nicht schon wieder schwanger. Wir haben auch kein Kind adoptiert.Wir sind noch immer die gleichen sieben Leute, die einander auf etwas zu engem Raum immer wieder auf die Zehen treten. Dennoch haben wir Familienzuwachs bekommen.

Bei uns wohnen nicht mehr nur das Prinzchen, der FeuerwehrRitterRömerPirat, Luise aus dem "Doppelten Lottchen" sowie das Sams und Karlsson vom Dach in Personalunion. Vor ein paar Tagen hat sich unser Zweitjüngster ganz ohne Vorwarnung in Linus verwandelt.  Linus, der kleine Freund von Charlie Brown, der mit der Schmusedecke.

Plötzlich muss die Decke  immer und überall dabei sein. Zwar stolpert der Kleine ständig, aber er gibt sie nicht mehr her. Momentan beschränkt sich das Ganze zum Glück noch auf die Wohnung, doch es ist eine Frage der Zeit, bis die Decke auch mitkommen muss, wenn wir nach draussen gehen. Mal sehen, wie wir das dann meistern werden.

Bis dahin sagen wir nur: Herzlich willkommen, Linus!

Wer hat Angst vor einem Wiener Würstchen?

So ein blöder Deal. Ein Wiener Würstchen gegen drei Tage Ferien, allein mit dem Prinzchen. Ich und meine grosse Klappe! Warum nur habe ich in einer schwachen Minute behauptet, für ein paar Tage Ferien würde ich sogar eine Bratwurst essen. Eine Bratwurst zu essen ist so ziemlich das Übelste für eine überzeugte Vegetarierin. Also fangen wir mal mit einem Wiener Würstchen an.

Sollte eigentlich keine Sache sein. Immerhin habe ich schon öfters mal eines jener scheusslichen Vegi-Würstchen heruntergewürgt, um beim Hot-Dog-Essen nicht als Aussenseiterin dazustehen. Aber das hier ist etwas ganz anderes. Wie können unsere Kinder solche Dinger nur in sich hineinstopfen? Allein der Geruch haut einen fast vom Stuhl. Und da soll man reinbeissen können? Vor meinem inneren Auge erscheint das arme Schwein, das für diese Wurst hat leiden müssen. Oder war es eine Kuh? Ein Pferd? Egal, ich bringe es einfach nicht fertig, in das Ding zu beissen.
Langsam bekommen die Kinder Mitleid mit mir, die Tochter als Erste. Sie fangen an, Ausflüchte für mich zu suchen, damit ich den Kopf aus der Schlinge ziehen kann. Aber versprochen ist versprochen. Die Wurst muss in meinen Magen. Doch erst, als der Älteste den Küchentimer stellt und mir noch genau fünf Minuten Zeit gibt, schaffe ich es, das scheussliche Ding Stück für Stück ohne zu kauen mit viel Wasser herunterzuwürgen. Ich müsse ja ziemlich verzweifelt sein, dass ich mir sowas antue, mein "Meiner" trocken. Der hat gut reden. Immerhin hat er die Kinder immer und immer wieder an diesen doofen Deal erinnert. Zehn Sekunden bevor der Timer piepst ist das Ding endlich geschluckt, die Familie applaudiert und noch jetzt, drei Stunden später, plagt mich der scheussliche Wurstgeschmack. Die drei Ferientage habe ich mir redlich verdient.

Fragt sich bloss, welche Angst grösser war, die vor der Wurst oder die vor drei Tagen Alleinsein…

Erwartungen

Wenn man eine grosse Familie hat, wollen plötzlich alle etwas von einem. Jeder scheint irgend ein Bedürfnis befriedigen zu wollen. Da sind zum Beispiel gelangweilte Senioren. Sind wir zu siebt unterwegs, starren sie uns ungeniert an und beginnen zu tuscheln. „Meiner“ streckt ihnen dann provokativ fünf Finger entgegen und sagt: „Ja, es sind fünf. Sie haben richtig gezählt.“

Eltern, die die Familienplanung abgeschlossen haben, glauben, bei uns ihre nicht mehr gebrauchten Babysachen gratis entsorgen zu dürfen. Ständig bietet man uns alte Reisebetten, Kinderwagen und Winterjacken an. Wahrscheinlich glauben diese Menschen, ihre Angebote seien willkommene Spenden. Immerhin liest man ja alle zwei Tage, Kinder seien das grösste Armutsrisiko. Was die Wohltäter aber nicht bedenken: Wenn ihr Keller schon nach zwei Kindern überquillt mit Babysachen, wie muss dann erst unserer aussehen? Also nichts gewesen mit Gratis-Entsorgung bei Vendittis.
Neuerdings scheint man von uns auch zu erwarten, dass wir Arbeitsplätze schaffen. Nun ja, Arbeit hätten wir für mindestens drei Angestellte, doch leider reicht unser Einkommen nicht ganz, um der Wirtschaftskrise Herr zu werden. So musste ich leider die Frau abweisen, die mich händeringend darum bat, ihre Schwiegertochter doch bitte, bitte bei mir arbeiten zu lassen. Sie brauche ja wirklich nur „e chline bizteli Lohn“.
Jetzt, wo die Kinderzulagen angehoben werden, sind wir auch zu beliebten Hassobjekten geworden. Kinderlose empören sich in Leserbriefen über die kaltblütige Abzockerei, die wir Eltern betreiben. Ist ja auch wahr. Tausend Franken pro Monat für das bisschen Windeln wechseln und Wäsche waschen. Von solchen Summen konnten  Ospel und Konsorten auch zu den besten Zeiten nur träumen. Schämen sollten wir uns, wir Sozialschmarotzer! Während uns aber die einen als Abzocker verachten, sehen andere in uns die heldenhaften Retter der AHV. Es gibt tatsächlich Menschen, die sich bei uns bedanken, weil unsere Kinder ihre Rente sichern. Das rührt uns, stürzt uns aber auch in eine tiefe Identitätskrise. Was sind wir denn nun? Helden oder Abzocker?
Zum Schluss sind noch die Menschen zu erwähnen, die keine Familie haben. Auch sie suchen gerne die Nähe von grossen Familien und wir freuen uns darüber. Sie genissen das turbulente Leben bei uns, spielen mit den Kindern und finden es die tollste Sache der Welt, ein Baby zu wickeln; wir können mal wieder ein Gespräch führen, bei dem sich nicht alles um durchwachte Nächte und Streitereien zwischen Kindern dreht. Und beide Seiten finden es unglaublich interessant, zu erfahren, womit sich die anderen den ganzen Tag herumschlagen müssen.
Ach ja, und dann bat mich doch neulich eine Frau, ich solle für sie auch noch ein Kind gebären. Doch da musste ich leider abwinken. Meine Kinder mit anderen teilen, das geht ja noch. Aber verschenken kann ich sie leider nicht. Dazu sind sie mir zu sehr ans Herz gewachsen.

Vorsätze

Nein, gute Vorsätze gibts dieses Jahr nicht. Wo doch schon der Testvorsatz komplett in die Hose gegangen ist. Dabei war er doch ganz einfach: Jeden Tag während der Weihnachtsferien einen Spaziergang machen, die kalte Luft geniessen, ein wenig nachdenken und dem Prinzchen den Wald zeigen, auch wenn er noch gar nichts davon sieht. Manchmal könnte man ja auch die grossen Kinder mitnehmen. Das wäre doch eine gute Gelegehneit für tiefsinnige Gespräche. Sollte eigentlich machbar sein, oder?

Ein einziges Mal haben wir es geschafft, abends, bevor die Kinder ins Bett mussten. So richtig romantisch war es, mit Kerzen und Liedersingen im Wald. Doch das war's dann schon. Der nächste Ausflug an die frische Luft wurde mit einem heftigen Milchstau bestraft. Nichts da mit Waldspaziergängen, Bettruhe war angesagt. Und jetzt traue ich mich nicht mehr vor die Haustür, warte auf den Frühling und habe allen Vorsätzen abgeschworen. Frohes Neues Jahr?

Nachts

Nachts wird unser Schlafzimmer zum Bienenhaus. Eigentlich wäre es so vorgesehen, dass nur "Meiner" und ich dort schlafen. Doch weil das Prinzchen noch viel Nähe braucht und wir onehin kein freies Zimmer haben für ihn, schläft auch er bei uns. Seit einigen Wochen sogar im eigenen Bettchen. Wer Nacht für Nacht "Schmeiss die Mama aus dem Bett" spielt, hat sein Aufenthaltsrecht an meiner Seite rasch verspielt, auch wenn er ein Prinz ist.

Dies also wäre die Besetzung in unserem Schlafzimmer. Bis dann gegen zwei Uhr morgens die schlaflose Prinzessin ins Zimmer geschlichen kommt. Sie könne nicht schlafen. Immer wenn sie den Kopf zur Wand drehe, habe sie böse Träume. Schlaftrunken weist man sie an, sie solle es sich im Reisebett bequem machen. 
Was dann passiert, lässt sich am Morgen nicht mehr genau rekonstruieren. Aus unerfindlichen Gründen werde ich nicht von lautem Schnarchen geweckt, sondern von leisem Murmeln. Neben mir liegt nicht mehr der Mann, der gestern Abend noch da war, da liegt ein FeuerwehrRitterRömerPirat und schläft selig. Manchmal auch noch ein Karlsson vom Dach, ein Sams oder was gerade aktuell ist. 
Wo aber ist "Meiner"? Hat er mich jetzt verlassen? Bin ich ihm nicht mehr gut genug? Keine Sorge. Er schnarcht auf dem Sofa vor sich hin. Bei zwei kleinen Männern im Bett war kein Platz mehr für einen Grossen.
Mal schauen, ob unser Zweitjüngster sein Gitterbett hergibt. Vielleicht können "Meiner" und ich bei ihm unterkommen. 

Postnatale Depression

Keine Angst, jetzt geht nicht das grosse Jammern los. Und ja, es ist uns klar, dass eine richtige postnatale Depression eine sehr ernste Angelegenheit ist. Es gibt aber auch noch eine ganz andere Form, eine, bei der die Mama weder weint noch über mangelnde Gefühle ihrem Baby gegenüber klagen müsste. Nein, sie muss höchstens mal laut und deutlich sagen, dass es jetzt reicht. Denn an der postnatalen Depression leidet in unserem Haus nicht die Mama, es leiden die Kinder. 

Das Phänomen tritt jedes Jahr am 27. Dezember auf. Der Adventskalender ist schon seit ein paar Tagen leergeräumt, die Morcheln vom Weihnachtsessen verdaut, die Geschenke sind ausgepackt, alle Verwandten hat man gesehen und somit ist  definitiv klar, dass es keine weiteren Geschenke mehr geben wird. 
Und jetzt bricht sie voll aus, die nachweihnachtliche, oder italienisch angehaucht, die postnatale Depression. Die Symptome sind immer die Gleichen: Tobsuchtanfälle, bloss weil einem die Schwester auf den grossen Zeh getreten ist, Tränen, weil der Papa gesagt hat, man habe jetzt genug Guetzli gegessen, Türenknallen, weil die Zeichnung nicht so schön geworden ist, wie man sich das vorgestellt hatte. Natürlich, die Symptome treten gelegentlich auch an anderen Tagen auf, nie aber in einer solchen Häufung wie unmittelbar nach Weihnachten. 
Therapieren kann man die Krankheit nicht, man kann bloss auf den nächsten Geburtstag hoffen, das bringt wieder Freude ins Haus. Zum Glück feiert am 20. Januar unser Zweitjügster seinen zweiten Geburtstag. Und spätestens Mitte Jahr kommt dann wieder die grosse Vorfreude auf Weihanchten, auch pränatale Euphorie genannt. 

Erfolgserlebnis

So ällmählich, wenn die Kinder älter werden, beginnt sich abzuzeichnen, dass doch das eine oder andere von dem, was wir über die Jahre gepredigt haben, hängengeblieben ist. Zum Beispiel was den Besuch in Fastfood-Buden betrifft. In grauer Vorzeit, als wir noch ohne Kinderwagen und Wickeltasche durchs Land zogen, hatten wir uns geschworen, nie wieder einen Fuss in eine Mc Donald’s Filiale zu setzen. Dann, kurz bevor unser Ältester zu laufen begann, sahen wir den Film „About a Boy“. Der Vorpubertäre, der wegen der Strenge seiner körnchenpickenden Mutter glaubt, Mc Donald’s sei das Paradies, brachte unsere Überzeugung ins Wanken.

Schweren Herzens beschlossen wir, von Zeit zu Zeit alle unsere Bedenken über ungesundes Essen und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen zu verdrängen und die Tortur über uns ergehen zu lassen. Lange Zeit sah es ganz danach aus, als würde unsere Strategie nicht aufgehen. Ronald McDonald war der Grösste. Doch letzte Woche konnten wir endlich erste Erfolge sehen. Nach einem kurzen Abendausflug in die Stadt begaben wir uns mit der gesamten Meute zum Abendessen ins Mc Donald’s. Die Kinder verdrückten ihr Happy Meal, wir unsere lauwarmen (Vegi)-Burger. Nach dem „Essen“ schaut mich unser Ältester plötzlich traurig an: „Weisst du, als du gesagt hast, wir würden noch etwas essen, habe ich gemeint, wir gingen in ein richtiges Restaurant und nicht in eines, in dem es jedesmal den gleichen Frass gibt.“ Wunderbar, den ersten haben wir überzeugt. Bleiben nur noch vier zu bearbeiten. Fragt sich bloss, wo wir den Ältesten unterbringen, wenn wir bei den anderen die Überzeugungsarbeit in Angriff nehmen wollen.
Ach und übrigens: Die Erfolge beginnen sich auch in anderen Bereichen abzuzeichnen. „Hast du AKWs gerne?“, wollte unser Ältester neulich von unserer Praktikantin wissen. Er fragte ganz harmlos. Doch als sie antwortete, natürlich möge sie keine AKWs, fragte er spitz: „Warum lässt du dann überall das Licht brennen?“ Wenn wir da nur keinen kleinen Besserwisser heranzüchten…

Gespräch

Eine junge Frau steigt in den Bus, im Schlepptau ein etwa sechsjähriges Mädchen, die etwa zweijährigen Zwillinge im Doppelkinderwagen. Sie trifft auf eine Bekannte, die alleine unterwegs ist. „Und, wie läufts bei dir?“, fragt die Mutter. „Schlecht“, antwortet die andere mit bekümmertem Gesichtsausdruck. „Ich bin seit zwei Wochen ohne Katze. Das Tier ist einfach so verschwunden. Jetzt habe ich nur noch eine. Meiner ist fast ausgerastet, als ich ihm erzählt habe, dass Trixi verschwunden ist.“ Es folgt ein kurzes Gespräch über verschwundene Katzen, dann eine längere Pause. „Bei dir läuft sicher viel mit deinen zwei Kleinen?“, bricht die allein Reisende das Schweigen. „Ja, der Kevin redet im Moment nur noch von Babies“, erzählt die Mutter und lächelt vielsagend. „Und bei dir? Wann denkt ihr an Nachwuchs?“ „Nachwuchs? Noch lange nicht. Mit meinen vielen Schulden liegt Nachwuchs nicht drin.“ Damit ist das Gespräch beendet, die Busfahrt aber noch lange nicht. Es scheint, als würden alle im Bus Anwesenden die Luft anhalten ob der Peinlichkeit der Situation. Das war wohl eine intime Frage zuviel.

Einfach nur schön

Schon dass „Meiner“ und ich heute Morgen zusammen mit den kleinen Prinzen in Baden im Café Himmel sitzen durften, war ein Geschenk. Frische Croissants und heisse Schokolade anstelle von Unterricht und Wocheneinkauf. Ein grossartiges Geschenk von Arbeitskollegen, die wissen, dass für Eltern nichts so wertvoll ist wie Zeit zu zweit.

Und es sollte noch besser kommen. Wir hatten uns eine winzige gemütliche Ecke im Café ausgesucht. Wir unterhielten uns angeregt und liessen uns auch durch die ziemlich missmutige Dame gegenüber nicht stören. Nach einer Weile drängte sich ein ziemlich fülliger Herr auf den knappen Platz neben uns. Bevor er sich setzte, fragte er sein missmutiges Gegenüber höflich, ob der Platz noch frei sei. Er bekam keine Antwort. Offen gestanden waren auch wir nicht sonderlich begeistert darüber, unsere gemütliche Ecke teilen zu müssen. Nach einer Weile machte sich die missmutige Dame zum Gehen bereit. Höflich wünschte ihr der Mann einen schönen Tag. Wieder keine Reaktion. Als sie gegangen war, wandte sich der Mann an uns: „Vielleicht hört sie ja nichts.“ Er meinte es ernst.
So kamen wir mit dem Achtzigjährigen ins Gespräch. Er erzählte von seinen sechs erwachsenen Kindern und seinen zwölf Enkelkindern, freute sich, dass auch wir eine grosse Familie haben. Wir redeten ein wenig über die Geschichte der Römer, weil „Meiner“ bekanntlich in Windisch arbeitet. Dann wandte er sich wieder seiner NZZ zu, wir unserem Gespräch. Nach einer Weile suchte der Mann etwas in seiner Jackentasche, dann sagte er plötzlich zu uns: „Ob ich jetzt am Heiligen Abend in der Kirche etwas in die Kollekte gebe, oder ob ich jemand anderem eine Freude mache, spielt ja keine Rolle.“ und schob mir eine Fünfzigernote zu. Dann zitierte er in bühnenreifem Hochdeutsch – er stammte aus Deutschland – die Stelle aus dem Matthäusevangelium: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Er wollte sich nicht wichtig machen, er erwartete keinen überschwenglichen Dank. Er wusste einfach, womit man Eltern von kleinen Kindern eine Freude macht, weil er selber einmal das Gleiche erlebt hatte.
Als wir uns nach einer Weile verabschiedeten, rief er uns hinterher: „Wählt einfach den Blocher nicht, dann kommt alles gut!“ Ein Seelenverwandter…

Klischees

Die Reaktion ist unmissverständlich. Kaum hat man erwähnt, dass man ins Auge fasst, nach dem Mutterschaftsurlaub wieder ins Berufsleben einzusteigen, runzelt sich die Stirn des Gegenübers, die Augenbrauen ziehen sich nach oben, die Person schnappt hörbar nach Luft. Und dann kommt sie, die Frage: „Wie stellst du dir das vor? Du hast doch genug Kinder.“ Die Skepsis legt sich auch nicht, wenn man erklärt, dass der Papa sich gerne an zwei oder drei Tagen die Woche um die Kinder kümmern will, dass er die Möglichkeit hat, sein Pensum zu reduzieren. Wohlgesinnte meinen dann, wir seien mutig, andere sagen gar nichts mehr und runzeln noch einmal die Stirn.

Es sind nicht etwa die alten Leute, die so reagiern. Auch nicht Chefs, die ein Problem damit haben, dass Frauen wieder ins Berufsleben einsteigen wollen. Nein, es sind Gleichaltrige, Mütter von einem, zwei oder vielleicht drei Kindern. Frauen, die meistens selber berufstätig sind und deren Kinder von der Grossmama betreut werden, währenddem sie bei der Arbeit sind.
Das Problem ist also nicht, dass man berufstätig sein möchte. Das Problem ist, dass man auch als Mutter von vielen Kindern noch andere Wünsche hat, als Windeln zu wechseln und laufende Nasen zu putzen. Warum darf nur eine Mutter mit einem oder zwei Kindern offen sagen, dass sie sich als Vollzeitmutter nicht zu hundert Prozent ausgefüllt fühlt? Spielt es plötzlich eine Rolle, ob der Papa oder die Mama zu Hause ist, wenn mehr als zwei Kinder betreut werden müssen?
Die Botschaft ist deutlich: Wer sich bei der Kinderzahl im Bereich des Durchschnitts bewegt, darf noch sein eigenes Leben leben. Wer mehr Kinder hat, soll sich gefälligst ans Klischee halten und schön brav das Muttchen am Herd spielen.