Fühlt euch bitte, als wäret ihr unsere Gäste

Zu Hause:

„FeuerwehrRitterRömerPirat, Zoowärter, Prinzchen, räumt bitte eure Zimmer auf.“ 

Zwanzig Minuten später: „Ich will, dass ihr jetzt eure Zimmer aufräumt.“

Eine halbe Stunde später: „Okay, ich sehe, dass ihr angefangen habt, aber fertig seid ihr noch lange nicht.“ 

Vierzig Minuten später: „Nein, ihr dürft jetzt nicht ans iPad. Eure Zimmer sind noch immer nicht fertig.

Eine Stunde später: „Okay. Eine halbe Stunde raus in den Schnee, austoben und dann weitermachen.“

Noch eine Stunde später: „Ja, ihr müsst weitermachen. Ja, ich weiss, dass ihr keine Lust habt dazu, aber das Zimmer muss jetzt einfach gemacht werden.“

Und so immer weiter, bis irgendwann, gefühlte hundert Tage später, alle drei Zimmer soweit aufgeräumt sind, dass man ohne Schneepflug durchkommt. 

Bei Freunden und Verwandten:

„Meiner“ & Ich: „FeuerwehrRitterRömerPirat, Zoowärter, Prinzchen, wir gehen in einer halben Stunde nach Hause. Räumt bitte die Spielsachen weg, mit denen ihr gespielt habt.“

Die drei im Chor: „Ist schon erledigt! Wir haben alles wieder weggeräumt.“

Und wenn einer hochgeht, um nachzusehen, ob sie wirklich getan haben, was man von ihnen erwartet, ist tatsächlich alles wieder dort, wo es hingehört. 

Ich glaube, ich sagen denen jetzt dann mal, sie sollen sich zu Hause bitte so fühlen, als wären sie unsere Gäste, vielleicht klappt’s ja dann.  

IMG_8551

 

 

 

Die Zaubermaus und der Filzstift

Da bunkert man sich einmal einen ganzen Tag lang in seinem Büro ein, hängt abends noch eine Sitzung an und am nächsten Morgen findet man im Kinderzimmer ein Prinzchen mit violetter Filzstift-Kriegsbemalung im Gesicht. Gewöhnlich habe ich ganz und gar nichts gegen Filzstift-Kriegsbemalungen, meistens nehme ich sie nicht mal mehr zur Kenntnis, weil sie halt einfach entstehen, wo Kind, Filzstift und Fantasie sich treffen. Mit der Zeit wäscht sich das ja schon wieder aus und wenn ich mir Karlsson ansehe, der früher gerne mit blauen Sams-Wunschpunkten am ganzen Körper experimentiert hat, kann ich getrost sagen, dass sich die Faszination für temporäre Körpermalereien irgendwann auch auswächst.  

Mitten im Gesicht eines kleinen Jungen, der demnächst auf einem Pausenhof aufkreuzen soll, auf dem man dem Mobbing keineswegs abgeneigt ist, erscheinen mir Filzstiftverzierungen aber doch etwas gewagt, also beschliesse ich, den Prinzen ein wenig sauber zu machen. Bloss wie? Stahlwolle geht ja kaum und Nagellackentferner – so ich denn welchen hätte – erscheint mir auch nicht unbedingt besonders hautfreundlich. Also konsultiere ich Dr. Google und lande in einem „Du meine Güte, was soll ich bloss tun?!“-Forum. Dort berichtet eine panische Mama, sie hätte ihre kleine Zaubermaus – vielleicht war es auch die Zuckerbohne oder die Zimtprinzessin, auf alle Fälle etwas Weibliches – über und über mit Filzstiftspuren verziert im Bett vorgefunden und möchte nun zu gerne wissen, wie sie das Kindchen wieder zart und rosig kriegt. 

Die Erste, die sich zu Wort meldet, kann leider nur sagen, wie man es nicht machen soll, denn die erinnert sich noch lebhaft daran, wie ihre Mutter ihr mal mit Wundbenzin, Seife und Nagelbürste  zu Leibe gerückt ist, als sie es mit den Filzern zu bunt getrieben hatte. Nach so einer schlimmen Geschichte kann man natürlich keine brauchbaren Tipps mehr erwarten, denn jetzt müssen sich die Mamas erst mal darüber auslassen, wie schrecklich herzlos man mit unserer Generation noch umgesprungen ist und  wie sie es nie übers Herz brächten, ihre Sahnetrüffelchen, Schnuffelbären und Herzkäferchern derart lieblos zu behandeln. Gut, die eine oder andere  merkt vielleicht nebenbei an, man könne es ja mal mit Babyöl oder Feuchttüchern ausprobieren, aber so richtig überzeugend kommen diese Ratschläge nicht rüber. 

Dies ist aber nicht weiter schlimm, denn die Mama, die eigentlich wissen wollte, wie sie ihr Töchterchen wieder rosig kriegt, hat jetzt ein anderes Anliegen. Es würde sie so furchtbar wundernehmen, wie denn diejenige, die sich mit Nagelbürste, Seife und Wundbenzin behandeln lassen musste, ihr Leben so gemeistert hat in den vergangenen vierzig Jahren. Eine astrologisch bewanderte Person habe nämlich schon kurz nach der Geburt vorausgesagt, die Zaubermaus – oder Zuckerbohne oder Zimtprinzessin – werde mal viele Flausen im Kopf haben, das würden die Sterne ganz deutlich sagen und es wolle ihr fast so vorkommen, als hätte die Wundbenzin-Nagelbürsten-Seifen-Schreiberin als Kind auch viele Flausen im Kopf gehabt und da möchte sie doch zu gerne wissen, wie sich das im Laufe der Zeit so weiter entwickelt, ob da vielleicht später mal was Kreatives draus werden könnte.

Ich habe dann nicht mehr weitergelesen, denn das Prinzchen war ja noch immer kriegsbemalt, die Zeit weit fortgeschritten und ein brauchbarer Tipp war weit und breit nicht in Sicht. Bevor ich zu einer Seite mit echten Hausmitteln wechselte, bekam ich aber noch mit, dass die Zaubermaus – oder Zuckerbohne oder Zimtprinzessin – unbedingt wieder sauber werden musste, weil die Mama der Modelagentur neue Bilder ihres Töchterchens liefern sollte und zwar so schnell als möglich, aber vielleicht sei die Aktion mit den Filzstiften ja auch eine unterbewusste Rebellion gegen das Modeln gewesen. Wer weiss? 

Ich hab dann das Prinzchen mit Olivenöl und Zucker halbwegs sauber gepeelt und mich dabei in Grund und Boden geschämt, weil andere Mütter alles tun, um ihrem Kind eine anständige Karriere zu ermöglichen, während ich den Filzstiftspuren nur dann zu Leibe rücke, wenn Gefahr besteht, dass mein Sohn ihretwegen auf dem Pausenhof eins auf den Deckel bekommt. 

img_8555

Rätsel

Die Ausgangslage: Zoowärter war es gestern Nachmittag speiübel, weshalb er zu Hause blieb. Nach Schulschluss bekamen zwei Mitschüler den Auftrag, ihm den Schulsack mit den Hausaufgaben zu bringen. Die Kinder kamen zu unserem Haus, sahen Zoowärters Grossmama im Garten und überreichten ihr den Schulsack, der dann still und unbemerkt bei uns im Treppenhaus darauf wartete, bis sich Zoowärter wieder wohl fühlte. Von alldem bekamen wir nichts mit, da die Kinder nicht daran dachten, meine Mutter darauf aufmerksam zu machen, dass da noch Hausaufgaben zu erledigen wären.

Heute Morgen war die Übelkeit wie weggeblasen, Zoowärter und Schulsack gingen zur Schule, kamen bald darauf aber wieder nach Hause zurück, denn die Hausaufgaben, von denen wir ja nichts wussten, waren nicht erledigt. Also griff ich zu Papier und Stift, um der Lehrerin den Sachverhalt zu erklären. Zoowärter und Schulsack gingen wieder zur Schule, ein paar Minuten später klingelte das Telefon. Natürlich hätten die Kinder die Hausaufgaben vorbei gebracht, sagte die Lehrerin, der Zoowärter hätte also sehr genau gewusst, was zu erledigen gewesen wäre. „Ich war aber den ganzen Tag im Haus und geklingelt hat keiner“, erklärte ich trotzig, worauf Zoowärters Schulkameraden, die offenbar beim Telefongespräch mithören durften, der Lehrerin die Sache mit meiner Mutter und dem Schulsack erzählten. Damit war Zoowärter aber noch nicht aus dem Schneider, warum, habe ich nicht ganz verstanden. 

Soweit der Sachverhalt. Da mich die Angelegenheit ziemlich verunsichert hat, möchte ich von euch, liebe Mitlesende wissen, wer eurer Meinung nach dafür verantwortlich ist, dass der Zoowärter seine Hausaufgaben nicht gemacht hat:

Schulmüde

Individualisierung

„In diesem Alter muss er das einfach können. Da können wir jetzt keine Rücksicht mehr nehmen.“

Spezielle Förderung

„Wir haben leider nicht die Kapazität, jedem die Hilfe zu geben, die er bräuchte.“

Die Stärken stärken.

„Er kann dies nicht, macht jenes nicht gut genug und da liegt er ganz klar unter dem Durchschnitt. Ja, in diesem Bereich ist er sehr gut, aber das zählt leider nicht.“

Kompetenzen stärken

„Er hat da ein paar Blätter, die noch immer nicht ausgefüllt sind. Das muss bis Freitag erledigt sein, sonst hat er am Ende des Schuljahres Lücken im Ordner und das gibt einen Notenabzug.“

Sozialkompetenz ist wichtig

„Wenn das auf dem Schulweg passiert ist, geht uns das nichts an.“

Schule und Elternhaus sind Partner

„Da müssen Sie schon selber schauen.“

Ich weiss echt nicht, wie weit meine Geduld noch reicht…

IMG_0177

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ratschläge

Begegnung Nr. 1

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige…“

„Ihr müsst unbedingt zum Osteopathen mit ihr. Bei meiner Schwägerin hat das wahre Wunder gewirkt.“

Begegnung Nr. 2

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige….“

„Ich sag dir, Akupunktur ist einfach das Beste in diesem Fall. Alles andere kannst du vergessen.“

Begegnung Nr. 3

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige…“

„Also, wenn ich euch wäre, hätte ich es schon längst mit Bachblüten probiert.“

Begegnung Nr. 4

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige…“

„Ich kenne einen guten Chiropraktiker. Der bringt das in Nullkommanix wieder in Ordnung. Willst du seine Nummer?“

Begegnung Nr. 5

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige….“

„Massage! Ich sag dir, Massage ist das Allerbeste in so einem Fall.“

Begegnung Nr. 6

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige…“

„Ich habe gute Erfahrungen mit Cranio-Sacral-Therapie gemacht. Müsst ihr unbedingt auch ausprobieren.“

Begegnung Nr. 7

Die findet hoffentlich nie statt, denn die würde vermutlich so verlaufen:

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Komm mir bloss nicht mit irgendwelchen Sch….ratschlägen, wir hängen auch so schon genug in Wartezimmern rum!“

Und dabei weiss ich doch, dass sie es alle nur gut meinen.

image

Gigantische Partnervermittlung

Mangels leicht verfügbarer Alternativen habe ich mir jetzt auch mal einen Ken Follett reingezogen und ich muss gestehen: Ich bin tief beeindruckt. Wie viele Male bin ich während meiner Studienzeit im Morgengrauen aufgestanden und mit dem Zug nach Bern gefahren, um einen Sitzplatz in Professor Försters Vorlesung über den Kalten Krieg zu ergattern? Wie oft habe ich mir beim Notieren einen Schreibkrampf zugezogen, weil sich damals nur die pensionierten Gasthörer einen Laptop leisten konnten, auf dem sie für alle hörbar ihre Vorlesungsnotizen tippten?  Wie oft habe ich mich darüber aufgeregt, wenn der hochgebildete Professor das „tear“ in „Mr. Gorbachev, tear down this wall!“ falsch aussprach?

Und was hat mir das alles gebracht? Nichts, gar nichts, denn dass die Weltgeschichte nur eines ist, nämlich ein gigantisches Partnervermittlungsinstitut, das mit vielen Irrungen und Wirrungen dafür sorgt, dass die Tanja endlich mit dem Wassili und der George endlich mit der Maria und die Beep mit dem Boop – ach nein, der hiess ja Dave – in die Kiste springt, das hatte uns der Herr Professor verschwiegen. Kein Wort über die Macht der Liebe, die mit Leichtigkeit ein Loch in den eisernen Vorhang brannte, nichts darüber, wie gut so ein Dissident den Gulag überstand, wenn da nur die Liebe war, die ihn am Leben hielt, nicht mal ein Hinweis darauf, dass so ein pubertierender DDR-Flüchtling auch ein paar Mal unbeschadet hin und her flüchten konnte, wenn sich seine Liebste nicht ganz sicher war, ob sie mit ihm kommen, oder das gemeinsame Kind doch lieber im Sozialismus aufziehen wollte.

Das alles und noch viel mehr hat man uns verschwiegen. Stattdessen hat man uns immer erzählt, wie furchtbar schlimm das alles gewesen sei, wie sehr die Menschen darunter gelitten hätten, dass sie ihre Meinung nicht frei äussern durften und nie wussten, wem sie vertrauen konnten. Dabei wäre es doch so einfach gewesen, herauszufinden, wer gut und wer böse war. Die Bösen erkannte man nämlich mit Leichtigkeit an den minderwertigen, verschlagenen Frauen, die ihnen die Weltgeschichte als Gefährtin ausgesucht hatte. Hätten sich die Leute die Mühe genommen, etwas genauer hinzusehen, wer mit wem das Bett teilt, wären sie auch nicht auf fiese Denunzianten reingefallen. Die Guten hingegen lernten die Liebe ihres Lebens meist schon im Teenageralter kennen und wussten spätestens mit achtzehn, dass sich daran nie wieder etwas ändern würde, egal wie viele Knüppel ihnen das Weltgeschehen zwischen die Beine warf, um die wahre Liebe auf die Probe zu stellen. 

Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich dieses Prinzip schon in der Mitte meines ersten Folletts erkannt habe, sonst müsste ich mir nämlich noch mehr von seinen Büchern reinziehen und das wäre dann vielleicht doch etwas verwirrend, wo ich doch jetzt schon den Überblick verloren habe, wer mit wem in die Kiste gehört und wer sich irrtümlich ins falsche Bett verirrt hat und deshalb auf einer der nächsten Seiten von der Weltgeschichte eins auf den Deckel bekommen wird.

Schriebe der Herr Follett allerdings eines Tages ein Buch über das aktuelle Weltgeschehen, würde ich dieses natürlich sofort lesen. Zu gerne wüsste ich nämlich, welche Paare die Weltgeschichte mithilfe des ganzen IS-, Terror- und Nationalismuszeugs gerade zu verkuppeln sucht. 

IMG_0170

Fragerunde

Wie kommt es, dass Karlssons „neuer“ Plattenspieler, Herstellungsjahr ca. 1961, mehr Power hat als jedes moderne Gerät? Jetzt windet sich Edith noch lauter durch meine Gehörgänge…

Was für ein Unmensch kommt auf die Idee, die Weihnachtsferien vom 24. Dezember um 12 Uhr bis zum 11. Januar um 7:00 Uhr festzulegen? Und welcher Bildungsdirektor ist blöd genug, eine solche Schnapsidee auch noch abzusegnen? Ich meine, erst schleppen sich die Kinder todmüde unter den Tannenbaum, wo sie vor lauter Erschöpfung fast einschlafen und dann schlagen sie einander eine Woche lang die Köpfe ein, weil nach Silvester nichts mehr kommt als gähnende Leere und eine Mama, die wieder arbeiten müsste und möchte, dies aber nie ungestört tun kann, weil andauernd einer heult. 

Reicht eine tief sitzende Abscheu gegen eine Garage aus, um das Gebäude abzureissen, oder braucht man dazu auch handwerkliches Geschick und gutes Werkzeug? Tief sitzende Abscheu hätte ich nämlich mehr als genug, aber „Meiner“ meint, damit könne man das Ding unmöglich erledigen, immerhin habe es schon vielen Stürmen getrotzt. 

Ich möchte zu gerne wissen, ob der FeuerwehrRitterRömerPirat wirklich weiss, wie man Schach spielt, oder ob er einfach den Jargon gut genug beherrscht, um uns alle glauben zu machen, er verstehe das Spiel. Um das herauszufinden müssten wir aber das Schachspiel erlernen, anstatt uns nur immer als hilflose Gegner zur Verfügung zu stellen. Irgendeiner da draussen, der sich zur Verfügung stellt? Mein Gehirn weigert sich nämlich seit Jahren standhaft, das Spiel zu verstehen. 

Für wen soll ich Partei ergreifen: Für das Prinzchen, der mit endloser Geduld ein Haus aus UNO-Karten gebaut hat, oder für den Zoowärter und den FeuerwehrRitterRömerPiraten, die endlich mal mit den Karten spielen möchten? (Nein, ich kaufe dem Frieden zuliebe kein zweites Kartenset. Das Prinzchen würde daraus bloss ein noch grösseres Kartenhaus bauen wollen.)

IMG_0165

 

Resigniert?

Klar machen mich die Nachrichten aus Köln betroffen und wütend. Klar darf es nicht sein, dass Frauen als Freiwild betrachtet und behandelt werden. Klar muss man offen über die frauenfeindliche Grundhaltung der Täter reden dürfen, ohne gleich als fremdenfeindlich abgestempelt zu werden.

Wütend machen mich aber auch junge Frauen, die am Schweizer Fernsehen sagen, sexuelle Belästigungen gehörten halt einfach dazu, dagegen könne man nichts tun, man dürfe eben nicht alleine unterwegs sein, dann komme man schon irgendwie durch. Es sei zwar unangenehm, immer mal wieder begrapscht zu werden, aber frau müsse lernen, sowas zu ignorieren. Man könne ja so einem Ekel nicht einfach eine runterhauen.

Ignorieren? Sich damit abfinden? So tun, als wäre nichts dabei, wenn einer im Vorbeigehen mal schnell grapscht?

Irre ich mich, oder hat die Frauengeneration, die nach uns kommt, resigniert?

img_1186

Dreikönigstag nach Memmenart

Meine Schwester meinte ja zuerst, sie müsse sich schämen, weil sie den Dreikönigskuchen fertig kauft, während ich den Kindern morgen einen Selbstgebackenen serviere. Dann aber erklärte ich ihr, dass ich diejenige bin, die vor Scham erröten sollte. Sie bringt es nämlich problemlos übers Herz, dabei zuzusehen, wie ein einziges Mitglied ihrer Familie sich morgen die Krone aufsetzen darf. Ja, sie nimmt gar in Kauf, dass ihr vielleicht diese Ehre zuteil wird, während Kinder und Ehemann leer ausgehen. So sei das nun mal am Dreikönigstag, meint sie schulterzuckend und ich bewundere sie für ihre Gelassenheit.

Ich wünschte, ich wäre wie sie. Dann stünde ich jetzt nämlich nicht in der Küche um zwei Kuchen mit insgesamt vier Königen und einer Königin drin zu backen. Ich müsste auch nicht zu später Stunde  meinen Schrank nach den fünf Kronen durchwühlen, die ich vor einiger Zeit bestellt habe. Und morgen könnte ich ganz cool der Dinge harren, die da kommen, anstatt zu bibbern, ob auch wirklich jeder seinen König bekommt, oder ob einer alles abräumt, während die anderen leer ausgehen. 

Tja, das hat man eben davon, wenn man dem Irrglauben verfallen ist, es gebe eine gerechte Form der Monarchie. 

  1. image

Zwist unter Brüdern

Aus dem Badezimmer, wo der FeuerwehrRitterRömerPirat in der Badewanne sitzt, ertönt ein fürchterliches Geheul, verursacht durch eine fiese Attacke des Zoowärters. Der müsste eigentlich damit beschäftigt sein, den Esstisch zu putzen, stattdessen aber schleicht er sich ins Badezimmer, um den viel zu nassen Lappen über dem Kopf seines badenden Bruders auszuwringen. Obschon der Lappen seine Schicht in der Küche erst vor ein paar Stunden angetreten hat und deswegen noch relativ sauber ist, können wir eine solche Gemeinheit natürlich nicht einfach durchgehen lassen, weshalb wir den Zoowärter zu Überstunden im Küchendienst verdonnern. 

„Meiner“ und ich finden, diese Sanktion sei ganz und gar gerechtfertigt, der Zoowärter aber weint darob bittere Tränen. Ob wir denn vergessen hätten, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat ihn gestern ganz übel getreten hätte? Ob man sich denn in diesem Hause nicht mal mehr angemessen rächen dürfe? Nein, rächen dürfe er sich nicht, das würde den Konflikt nur in eine weitere Runde gehen lassen, erklären „Meiner“ und ich, aber der FeuerwehrRitterRömerPirat habe sich gestern tatsächlich total daneben benommen. 

Der Zoowärter ist damit halbwegs besänftigt, der FeuerwehrRitterRömerPirat aber findet, er hätte seinen Bruder gestern vollkommen zu Recht angegriffen, wo dieser ihm doch vorgestern Zahnpaste aufs Haar geschmiert habe. 

Diesen Einwand können wir natürlich nicht einfach so beiseite wischen, also sagen wir dem Zoowärter, das mit der Zahnpaste sei nicht nett gewesen und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten erklären wir die Sache mit der Rache, die wir ein paar Minuten zuvor seinem kleinen Bruder dargelegt haben. 

Für den FeuerwehrRitterRömerPiraten wäre die Sache damit erledigt, für den Zoowärter geht es jetzt aber erst richtig los. Die Zahnpasta-Attacke habe er doch nur durchgeführt, weil der FeuerwehrRitterRömerPirat ihm immer die Legos klaue. „Welche Legos hat er dir denn geklaut?“, will ich wissen. „Hast du das schon wieder vergessen?“, fragt unser Zweitjüngster entrüstet zurück. „All die Legos, die er mir weggenommen hat. Und danach hat er frech behauptet, sie würden ihm gehören. Und dann hat Papa auch noch gelacht, weil wir uns so heftig darum gestritten haben. Und dann…“ Weiter kommt der Zoowärter nicht mehr, denn jetzt wird der ob der himmelschreienden Ungerechtigkeit von einem heftigen Weinkrampf gepackt.

Ich bin ziemlich verwirrt, denn an den geschilderten Vorfall kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, darum frage ich erneut: „Welche Legos hat er dir denn geklaut?“ Unter vielen Schluchzern presst der Zoowärter hervor, wo der Ursprung des Dauerkonfliktes, in den er mit seinem Bruder verwickelt ist, seiner Meinung nach liegt: „In Frankreich war es“, heult er. „Dort hat er mir meine Legos geklaut. Und seither hat er mir sie nie mehr zurückgegeben. Und darum ist er ganz selber Schuld, dass ich heute das mit dem Lappen gemacht habe. Und vorgestern das mit der Zahnpaste…“

In Frankreich? In Frankreich! Das ist jetzt mehr als ein halbes Jahr her…

Ich hatte ja geglaubt, nur in der Weltpolitik und bei „Asterix auf Korsika“ seien sie in der Lage, einen Konflikt so lange am Köcheln zu halten, aber offenbar sind unsere Söhne ebenso talentiert in dieser Hinsicht. 

IMG_7059