Wetterkapriolen

Als es ihm Januar wärmer war, als für die Jahreszeit üblich, hat da vielleicht einer ausgerufen: „Himmel, wo bleibt denn in diesem Jahr das Glatteis? Noch nicht ein einziges Mal in diesem Winter bin ich so richtig bös ausgerutscht und auf dem Hintern gelandet. So kann das doch nicht weitergehen…“?

Als es im April sonnig, trocken und überdurchschnittlich warm war, hat da vielleicht einer mit Bedauern bemerkt: „Normalerweise um diese Jahreszeit haben wir ja so richtig herrliches Aprilwetter mit heftigen Schauern, ein bisschen Graupelregen und ein paar kurzen sonnigen Abschnitten. Aber dieses Jahr will es einfach nicht so richtig April werden…“?

Als im Juni die Schwimmbäder voll waren und wir uns einen Sonnenstich holten, wenn wir zu lange ohne Kopfbedeckung an der Sonne standen, hat da vielleicht einer geseufzt: „Ach, wie mir diese Schafskälte fehlt. Letztes Jahr um diese Zeit lief unsere Heizung auf Hochtouren, aber diesmal wird wohl nichts daraus…“?

Natürlich hat kein Mensch solche Dinge gesagt und zumindest in meinem Bekanntenkreis hat auch kaum einer davon geredet, wie schön es doch dieses Jahr ist mit der Wärme, dem Sonnenschein, dem blauen Himmel. Kaum aber ist es mal ein paar Tage nass und kühl, beginnt das Gejammer: „Was soll das? Wir haben Juli und draussen ist es kalt. Letztes Jahr um diese Zeit rannten unsere Kinder nackt im Garten herum, aber jetzt…“ 

Meine lieben Mitmenschen, die ihr an diesen Regentagen so sehr leiden müsst, darf ich euch etwas sagen? Nur ganz vorsichtig, ich möchte ja nicht eure ohnehin schon schlechte Laune noch verschlimmern. Aber sagen muss ich es dennoch: In unseren Breitengraden ist es ganz normal, dass es zwischendurch mal nass und kühl wird. Dafür haben wir es bei uns auch schön grün und üppig. Wenn ihr euch daran stört, solltet ihr vielleicht anderswo wohnen gehen. Vielleicht in der Sahara. Ich habe mir sagen lassen, dort sei es fast das ganze Jahr über warm und sonnig…

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Kraftakt

Nach anderthalb anstrengenden Tagen neigt sich ein Mammut-Wohnungsputz seinem Ende zu. Gestern waren wir zuerst alle sieben dran, dann nur noch „Meiner“ mit den vier jüngeren Kindern, weil bei Karlsson Musik auf dem Programm stand und ich mich um meinen sterbenden Computer kümmern musste. Abends dann nur noch „Meiner“, der manchmal einfach nicht genug kriegen kann vom Putzen und heute schliesslich ich ganz alleine, weil ich bekanntlich besser putze, wenn ich nicht auch noch andere motivieren muss zu dem, wozu ich mich selber kaum aufraffen kann. Von oben bis unten haben wir geräumt, weggeschmissen, geputzt und poliert, mit grossem Einsatz und insgesamt sehr viele Stunden lang. Und damit wir nicht andauernd die Küche verdrecken, versorgte uns Mama Ikea mit verwerflicher Tiefkühlkost aus dem frisch geputzten Tiefkühler. 

Naive Menschen wie ich neigen zu dem Glauben, nach einem solchen Kraftakt, der übrigens mit erstaunlich wenig Zoff über die Bühne gegangen ist, sei endlich mal alles sauber und ordentlich, doch leider ist dem nicht so. Wir sind jetzt gerade mal so weit, dass wir mit der Feinarbeit beginnen könnten, um uns anschliessend den ewigen Baustellen Wandschränke, Keller und Schlupfestrich zuzuwenden. Ich fürchte, soweit wird es gar nicht erst kommen, erstens, weil wir jetzt ganz dringend eine Putzpause brauchen und zweitens, weil wir morgen bereits wieder voll und ganz mit der Schadensbegrenzung beschäftigt sein werden. Damit dieser „Na ja, so halbwegs ordentlich ist es schon bei Vendittis“-Zustand anhält, bis wir in die Ferien fahren. 

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Bitte bitte bitte nicht jetzt!

Das ist mal wieder typisch: Nach Monaten des Zweifelns und Zauderns fasst sich Mama Venditti ein Herz, endlich wieder an ihren grossen Traum vom Schreiben zu glauben. Sie lässt an einem sonnigen Sonntagmorgen nach dem Gottesdienst ihre geliebte Familie warten und setzt sich ins Café, um den roten Faden der Geschichte, den sie fast verloren hätte, wieder aufzunehmen. Sie verzichtet auf ihren heiligen sonntagnachmittäglichen Mittagsschlaf, um voller Enthusiasmus in die Tasten zu hauen, was sie auf dem Papier skizziert hat. Diesen Sommer wird sie schreiben, das steht fest. Nichts auf der Welt wird sie mehr davon abhalten können.

Nichts, ausser ein treuloser Computer, der ebenso fest entschlossen zu sein scheint, diesen Sommer keinen Streich mehr zu arbeiten und deshalb den Zugriff auf sämtliche Programme – und somit auch auf sämtliche Texte – verweigert. Da helfen weder gutes Zureden noch Backup, der Computer bleibt stur. Nicht mal anständig ausschalten lässt er sich mehr, einzig Banalitäten im Blog und auf Facebook lässt er noch zu.

Okay, er stünde auch der Bestellung eines Nachfolge-Computers, der gegen die Schreiberei nichts einzuwenden hätte, nicht im Wege, doch da gibt es andere Hürden zu überwinden.

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Eifersüchtige Zicke

Wenn „Deiner“ vom Maienzug nach Hause kommt und dir ganz arglos davon erzählt, wie viele Komplimente er von wildfremden Frauen für seine elegante Erscheinung eingeheimst hat, dann weiss die kleine, eifersüchtige Zicke, die nach sechzehn Ehejahren noch immer in dir drin steckt, was du zu tun hast: Raus aus dem Bett, fiebersenkendes Medikament einwerfen, unter die Dusche, etwas Farbe ins Gesicht klatschen und mit Mann und Kindern ab auf den Festplatz. Dann ist der Moment gekommen, um den Damen zu zeigen, dass dieser „gut aussehende junge Lehrer“  – Himmel, so jung ist der Mann nun auch wieder nicht! – eine Frau an seiner Seite hat. Eine Frau, die zwar (nur heute?) etwas mitgenommen aussieht, die aber immerhin seit sehr vielen Jahren mit ihm durch sämtliche Höhen und Tiefen des Lebens geht. Okay, natürlich haben dich diese vielen Jahre auch gelehrt, dass „Deiner“ gar nicht auf der Suche nach einer Ersatzfrau ist, aber mach das mal deiner inneren Zicke weis. Die wird keine Ruhe geben, bis du nicht mit zittrigen Knien und Brummschädel auf dem Festplatz stehst. Und wo du schon dort bist, kannst du gleich noch ein paar Dummheiten begehen. Zum Beispiel deinen schwachen Magen mit Knoblauchbrot und Falafel überfordern und danach mit deinen Söhnen zwei irre Runden auf dem Calypso-Karussell drehen. Danach bleibt dir nichts anderes mehr übrig, als dich in einem Anflug von Schwäche an „Deinen“ zu klammern und wenn du das tust, wird dir die kleine, eifersüchtige Zicke hoch zufrieden ins Ohr flüstern: „Sehr gut so! Häng dich an ihn wie eine Klette, dann sieht jede, dass er nicht mehr zu haben ist.“ Dabei weisst du doch ganz genau, dass du ein solches Theater nicht nötig hast, weil dir „Deiner“ eben erst gesagt hat, wie froh und dankbar er ist, dich an seiner Seite zu haben. 

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Manchmal ist das Leben…

Gliederschmerzen, die so heftig sind, dass ich kaum die Teetasse halten mag, Luise, die mich stets dann aufweckt, wenn ich endlich am Wegdämmern wäre, Karlsson, der zum gefühlt hundertsten Mal mit Verve Mozarts „Türkischen Marsch“  – den ich gewöhnlich wirklich mag – in die Klaviertasten haut, elende Fliegen, die mir um den Kopf surren, ein Kätzchen, das auf der Jagd nach einer dieser Fliegen eine Tasse voller Tee auf meine Matratze kippt, ein Schädel, der dermassen brummt, dass ich nicht mal lesen mag, stechende Schmerzen beim Einatmen, ein Telefon, das stets dann klingelt, wenn es wieder jemand von meinem Nachttisch entfernt hat und dieser jemand sich ebenfalls so weit entfernt hat, dass ich ans Telefon gehen muss, die Aussicht auf einen sechzehnten Hochzeitstag im Bett anstatt beim romantischen Abendessen, ein „Kranke Mama im Haus“-Chaos, das sich fast unaufhörlich ausweitet… – Kurz: Ein Tag zum Vergessen.

Wäre da nicht Karlsson, der mit besorgter Miene zu mir sagt, vielleicht hätte ich die Besprechung von heute Morgen doch besser sausen gelassen. Das Prinzchen, der sich auch nach der zweiten Kronen-Lichtnelken-Lieferung nicht davon abhalten lässt, noch einmal fröhlich singend für mich in den Garten zu rennen, um doch noch die gewünschten Salbeiblätter zu finden. Dazwischen die rührende Beschreibung, wie gross die Schwalbenschwanzraupen bereits geworden sind. Ein ganzer Becher „Swiss Chilbi“-Glace, den ich mir ohne schlechtes Gewissen ganz alleine einverleiben darf, weil ich a) Halsschmerzen habe und Medizin brauche, b) heute noch kaum etwas gegessen habe und c) niemand aus meinem Becher essen darf, weil er sich sonst ansteckt. „Meiner“, der mir voller Stolz vorführt, wie elegant er morgen am Maienzug  – der zufällig auch unser Hochzeitstag ist – aussehen wird. Luise, die wieder gesund ist und fröhlich von ihren Erlebnissen in der Mädchengruppe, der sie sich neulich angeschlossen hat, plaudert. Der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat, die es für einmal fertig bringen, einen Krankheitstag auch wirklich schlafend im Bett und nicht zankend und streitend zu verbringen. Gesunde Kinder, die für einmal widerspruchslos helfen, das Chaos zu beseitigen. Die Zugtickets für die Schwedenreise, die „Meiner“ endlich am Bahnhof abgeholt hat. – Kurz: Ein Tag, der zwar zum Vergessen ist, der mir aber dennoch vor Augen führt, was für ein glücklicher Mensch ich doch bin. 

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Besser jetzt…

Besser jetzt, als in den Sommerferien. Und erst recht besser jetzt, als dann, wenn Karlsson in der Musikwoche ist oder Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat im Jungscharlager sind. Besser auch jetzt, wo keine Prüfungen mehr zu schreiben – und nachzuholen, wenn man sie verpasst – sind. Besser jetzt, wo das Jugendfest vorbei ist. Besser fast alle zusammen intensiv, als endlos, einer nach dem anderen. Besser hier, wo wir mit der Apotheke auf du und du sind, als in Schweden, wo du für jedes halbwegs wirksame Medikament zuerst zum Arzt gehen musst. Besser nicht am Geburtstag des FeuerwehrRitterRömerPiraten. Besser jetzt, wo es im Garten noch nicht viel zu ernten und in der Küche noch nicht viel zu verarbeiten gibt. Besser jetzt, wo „Meiner“ nicht mehr mit Terminen eingedeckt ist und deshalb auch zu anständigen Zeiten nach Hause kommt. Besser jetzt, wo kaum einer mehr etwas von einem will, in der Annahme, dass wir ohnehin schon auf dem Sprung in die Ferien sind.

Ich muss also zugeben, dass die Sommergrippe uns noch selten so rücksichtsvoll überfallen hat. Dennoch könnte sie mir gut und gerne gestohlen bleiben.

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Reichtum

Nach zahlreichen misslungenen Versuchen ist es mir endlich gelungen, unser Familienfotoarchiv auf dem Computer wieder zu öffnen und so verbrachten die Kinder und ich gestern viel Zeit damit, uns durch alte Fotos zu klicken.

Das Prinzchen begegnete dabei zum ersten Mal ganz bewusst seinem sehr viel kleineren Ich. Anhand der unzähligen „Jöööööö“-Rufe gehe ich davon aus, dass ihm dieses sehr viel kleinere Ich äusserst gut gefällt.

Dem Zoowärter ging es ganz ähnlich wie dem Prinzchen, er musste aber auch mit Entsetzen feststellen, dass ihn seine einzige Schwester während einiger Zeit für eine lebendige Puppe gehalten hatte.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat, Luise und Karlsson kramten beim Betrachten der Bilder in ihren Erinnerungen und zum ersten Mal erzählten sie nicht nur, was ich selber auch miterlebt hatte, sondern auch das, was bei diesen Erlebnissen in ihren Köpfen vorgegangen war, was sie bei dieser oder jener Gelegenheit gedacht, gefühlt, befürchtet, …. hatten. 

Mich überkam bei alldem das Gefühl, eine unglaublich reiche Mutter zu sein. So viele Erlebnisse mit doch ziemlich vielen kostbaren kleinen Menschen. Einfach überwältigend. Ich wurde aber auch von Wehmut ergriffen. Nicht nur, weil diese kleinen Menschen so schnell gross geworden sind, sondern auch, weil ein Teil dieser wichtigen Jahre in meinem Leben geprägt gewesen waren durch eine tiefe Erschöpfung, die mich daran gehindert hat, diesen unendlichen Reichtum auch wirklich wahrzunehmen und zu geniessen. 

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Lieblingslehrerin

Ein einziges Jahr hat der Zoowärter bei ihr den Unterricht besucht und das auch nur jede zweite Woche eine Doppellektion. Also eigentlich fast nie. Dennoch hat er die Frau ins Herz geschlossen und darum war er auch ganz fürchterlich traurig, dass er im nächsten Schuljahr nicht mehr zu ihr darf. „Sie hat so viel gesungen mit uns. Und so viel gelacht“, sagte er. Die meisten anderen Lehrerinnen seien eben viel strenger, da gebe es nicht viel zum Lachen, fügte er noch an. Wenn er im Januar Geburtstag habe, wolle er einen Schulbesuch bei dieser lieben Lehrerin machen, sagte er noch.

Da ich meinen Mund nie halte, wenn mir etwas nicht passt, beschloss ich, für einmal meinen Mund auch dann nicht zu halten, wenn ich zufrieden bin. Also schrieb ich der Lehrerin, wie glücklich der Zoowärter bei ihr gewesen sei und bedankte mich dafür, dass sie den Kindern Freude in den Schulalltag bringt. 

Die Antwort der Lehrerin berührte mich tief, denn aus ihren Zeilen las ich, dass sie den Zoowärter so mag, wie er ist. In den wenigen Stunden, in denen sie mit ihm gearbeitet hat, ist sie seinem Wesen näher gekommen als manch einer, der deutlich mehr Zeit mit ihm verbringt. Man spürte, dass die Frau nicht nur von ihrem Job begeistert ist, sondern auch von den Kindern, mit denen sie arbeitet. 

Wäre ich der Zoowärter, dann wäre ich auch traurig über den Abschied. (Ich brauche aber noch nicht traurig zu sein, denn im nächsten Schuljahr hat das Prinzchen bei ihr Unterricht.)

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Gespräch im Garten

„Äs gommt Rägen“, sagten meine Tomatenpflanzen heute zu mir, als ich kurz bei ihnen vorbeischaute, ehe der Jugendfestumzug begann.

„Erstens heisst das ‚Heute wird es regnen‘ und nicht ‚Äs gommt Rägen‘ und zweitens: Woher wollt ihr so genau wissen, dass es heute regnen wird? Diesen Sommer regnet es nie.“

„Erstens sagen wir ‚Äs gommt Rägen‘, weil du das immer so hinreissend lustig fandest, als Prinzchens bester Freund das so sagte und zweitens hast du gestern Abend das Fenster offen gelassen, als du die Wetterprognose geschaut hast und wir haben jedes Wort mitgehört. Der Wetterfrosch hat gesagt, es werde regnen und zwar heftig und darum möchten wir wissen, was du zu tun gedenkst, damit unsere empfindlichen Blättchen nicht nass werden.“

„Ach, ihr wollt doch nicht etwa glauben, was dieser Clown im Fernsehen sagt?“, entgegnete ich. „Der redet ja alle paar Tage eine mittelgrosse Sintflut herbei und am Ende bleibt es trocken wie immer. Ihr müsst froh sein, wenn ihr dieses Wochenende überhaupt nasse Würzelchen bekommt…“ „Was, wenn der Clown für einmal recht hat?“, unterbrachen die Pflanzen meinen Redeschwall.

„Ich hab‘ ja diese netten Röckchen aus Vlies, die ich euch überziehen kann…“, begann ich, doch die grösste der Tomatenstauden – ich glaube, es ist eine Saucey – unterbrach mich. „Du hast genau fünfzehn von diesen netten Röckchen, wir sind aber mindestens dreissig Pflanzen.“ „Unsere Kolleginnen auf dem Balkon nicht mitgezählt“, ergänzte die weisse Ochsenherz, die zwar partout nicht gross werden will, aber trotzdem immer das grosse Wort schwingt. Die weiss halt, dass sie etwas ganz Besonderes ist. 

„Nun beruhigt euch doch“, beschwichtigte ich die aufgebrachten Stauden. „Ich fahre jetzt gleich in die Landi und hole euch noch ein paar weitere Röckchen. Noch vor dem Jugendfestumzug, versprochen.“ „Okay, wir werden dann ja sehen“, meinte die Saucey mit leicht zynischem Unterton, doch ich hatte jetzt wirklich keine Zeit mehr, mich um sie zu kümmern, denn die Kinder mussten geputzt und gestriegelt werden. 

Am Nachmittag fielen dann tatsächlich ein paar Regentropfen, was mir eine willkommene Ausrede bot, die Kinder auf dem Rummelplatz einzusammeln und nach Hause zu gehen. Natürlich ging ich umgehend zu meinen Tomaten. Immerhin hatte ich ihnen ein Versprechen abgegeben. 

„Es regnet bereits“, sagte die Gelbe von Thun vorwurfsvoll, als ich mit meinem Vlies angerannt kam. „Es regnet nicht, es tröpfelt ein wenig. Wenn ich den Gartenschlauch mal etwas zu stark einstelle bekommen eure Blättchen mehr Wasser ab als bei diesem kleinen Regen“, entgegnete ich und machte mich daran, das Vlies zuzuschneiden. „Über diesen Gartenschlauch könnten wir uns auch mal unterhalten“, meinte das Baselbieter Röteli spitz. „Wo bist du überhaupt so lange geblieben?“ „Mutterpflichten“, antwortete ich knapp, denn ich war gerade dabei, ein widerspenstiges Stück Schnur zu bändigen. „Was für Mutterpflichten denn? Ich hab‘ gedacht, du wärest auf einem Fest gewesen“, fragte Black Seaman. „Kinder nach dem Umzug einsammeln, Schülerverpflegung abholen, versalzene Pommes Frites kaufen, Taschengeld austeilen, Begleitung auf dem Rummelplatz, Streit schlichten,… was man halt so macht auf einem Jugendfest“, erklärte ich. „Klingt nicht sehr festlich“, meinte Black Seaman, die anderen Pflanzen pflichteten ihm bei und für einmal an diesem Tag waren die Tomaten und ich uns einig. 

Die Einigkeit dauerte nicht lange, denn schon bald fing eine dieser gross gewachsenen Stauden – ich habe ihren Namen leider vergessen – an zu stänkern: „Kannst du mir nicht ein etwas grösseres Kleidchen überziehen? Du klemmst mir ja die Zweige ein.“ „Nun hab dich nicht so. Das Vlies muss für alle reichen“, gab ich zur Antwort. „Na, waren wir mal wieder knausrig?“, fragte das Baselbieter Röteli, das noch immer eingeschnappt war, weil es ein paar Regentropfen abbekommen hatte. „Knausrig? Fast 20 Franken habe ich ausgegeben, um euch vor einem Regen zu schützen, der vielleicht nicht mal kommt. Es hat bereits wieder aufgehört…“, sagte ich. 

„Es mag zwar für den Moment aufgehört haben“, sagte die Purpurkalebasse, „aber es wird wieder kommen.“ „Das will ich doch hoffen. Sonst hätte ich mich jetzt umsonst damit abgemüht, euch allen ein nettes kleines Röckchen überzuziehen, anstatt mich bei einem ausgiebigen Mittagsschlaf von den Feststrapazen auszuruhen“, erwiderte ich.

„Eines Tages wird diese Frau noch verfaulen“, hörte ich die Tigrella zu San Marzano sagen, als ich ins Haus ging, um den verpassten Mittagsschlaf nachzuholen. 

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Nur kurz zwischendurch…

Ich weiss jetzt auch, weshalb meine Erdnusspflänzchen immer so plattgedrückt aussehen…

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