Was mir an der Hitze gefällt

Kaum ist sie da, zieht alle Welt über diese arme Hitze her. Dabei hat sie doch auch ihre guten Seiten. Zum Beispiel:

  • Abends um halb neun sind die Kinder so geschafft, dass sie sich trotz Sommerferien und Helligkeit widerstandslos ins Bett verfrachten lassen.
  • Keiner kann dich dazu zwingen, mit den Kindern ins Schwimmbad zu gehen. Viel zu gefährlich, bei diesen Ozonwerten draussen zu sein. 
  • Putzen? Viel zu heiss! Jäten? Viel zu heiss! Kochen? Viel zu heiss! 
  • Wer seinem Computer ein verantwortungsvoller Arbeitgeber sein will, sieht sich geradezu gezwungen, ihm tagsüber hitzefrei zu geben. 
  • Nie blubbert der Sauerteigansatz schneller und schöner, als wenn es rund um die Uhr heiss ist. (Okay, ich will gar nicht dran denken, dass aus diesem Sauerteig in ein paar Tagen im 250 Grad heissen Ofen ein Brot werden soll…)
  • Der Wäscheberg schmilzt dahin, wie Eis an der Sonne, weil das Zeug trocken ist, kaum hast du es aufgehängt. 
  • Keiner jammert über Dauerregen.
  • Keiner kann dir am nächsten Morgen einen Vorwurf machen, wenn du dir die halbe Nacht Filme reingezogen hast. Hättest ja doch nicht schlafen können bei dieser Hitze, ein Schlafmanko hättest du dir also ohnehin zugezogen. 
  • Das altbekannte Klagelied der Eltern, das da heisst „Im Juni war das Wetter traumhaft und jetzt, wo endlich die Ferien da sind, giesst es andauernd wie aus Kübeln“ wird dieses Jahr nicht gesungen.
  • Der eine oder andere fängt vielleicht doch noch damit an, die Sache mit dem Klimawandel ernst zu nehmen.

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Einbauküchenzweifel

Eine Küche ist eine Einbauküche. Unverrückbare Möbel, Geräte dezent hinter Türchen verborgen, abwaschbare Oberflächen. So macht man das, nicht wahr? Okay, das Bankkonto liebt sie nicht unbedingt, diese fein säuberlich geplanten, auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmten Küchen. Einen fünfstelligen Betrag muss man schon entbehren können. Böse Zungen behaupten auch, die Qualität habe in den vergangenen Jahren nachgelassen, Abnützungserscheinungen würden sich immer früher bemerkbar machen. Aber was soll’s? Das Zeug ist praktisch.

Praktisch? Na ja… Wenn ich da an den Abfalleimer im Schrank unter dem Spültrog denke…Oder an die Regalböden im Auszugsschrank, die sich wohl kippen, nicht aber rausnehmen lassen…Oder an die Schiene, auf der dieser Auszugsschrank rollt, in der sich Haferflocken so wunderbar ansammeln, dass kein Staubsauger gegen sie ankommt…Oder an diesen Eckschrank, der so saublöd in die Ecke gebaut ist, dass man die hintere Hälfte entweder leer lassen muss, oder jedes Mal, wenn man etwas aus dieser hinteren Hälfte braucht, reinkriechen muss…Oder an die Türscharniere, die auch der Küchenbauer, der das ganze Zeug vor ein paar Jahren eingebaut hat, nicht mehr retten kann… Oder an das winzige Fach mit dem Klapptürchen in unerreichbarer Höhe…Oder an… Ach was, ich erspare euch weiteres Hausfrauengejammer, ihr habt ja selber alle eine ach so praktische Einbauküche, die im Alltag doch eine Tauglichkeitsprüfung nach der anderen versaut.

Darum tragen wir uns jetzt, wo die abwaschbaren Oberflächen, unverrückbaren Möbelchen und Geräte verbergenden Türchen ziemlich verlebt dastehen, mit dem Gedanken, uns von der Einbauküche zu verabschieden. Irgendwie dünkt uns, das gute alte Küchenbuffet, der Abfalleimer mit Deckel und der Arbeitstisch, der sich dorthin schieben lässt, wo er gerade gebraucht wird, passten besser zu unserem Küchenalltag, der ja nie und nimmer so starr und unbeweglich ist wie all die doofen Ober- und Unterschränklein. (Nein, der Umstand, dass so ein Küchenbuffet in der Brocki für einen zwei- bis dreistelligen Betrag zu haben ist, hat uns in keiner Weise beeinflusst.)

grow; prettyvenditti.jetzt

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Piano, wenn ich bitten darf!

Die erste Frage des Tages: „Meinst du, es ist noch zu früh, um Klavier zu spielen?“ – „Ja, meine ich. Es ist gerade mal Viertel vor sieben.“ Ein enttäuschtes „Okay“, dann bricht „Je ne regrette rien“ nach nur zwei oder drei Takten ab. 

Mittags ist meist das Prinzchen zuerst. Wohnungstür auf, Jacke und Leuchtsteifen in die Ecke und ab ans Klavier. Improvisationen, verziert mit Bruchstücken von „My heart will go on“, „Du käre lilla snickerbo“ und „Freude schöner Götterfunken.“ Mit Verve haut unser Jüngster in die Tasten, bis plötzlich ein empörter Karlsson in der Tür erscheint. „Lass mich, ich durfte heute Morgen schon nicht!“ Kurzes Gerangel, lautes Geheul, dann endlich das am Morgen unvollendet gebliebene „Je ne regrette rien“, gefolgt von „Milord“, wenn ich nicht vorher zum Essen rufe. 

Mit etwas Glück schaffe ich es, meinen Teller leer zu essen, ehe Karlsson schon wieder mit der Piaf loslegt. Was ja nicht so schlimm wäre, stünde das Klavier nicht gerade mal zwei Meter neben dem Esstisch. Besonders lustig wird es, wenn „Meiner“ etwas später zum Mittagessen kommt. Dann sitzen wir einander gegenüber und brüllen uns gegenseitig an, um wahlweise unseren Ältesten oder unseren Jüngsten zu übertönen. Und wehe, wir bitten um Ruhe. Dann sind wir Kunstbanausen, Spielverderber oder einfach nur doof. 

Eigentlich ist „Meiner“ aber ohnehin nicht berechtigt, dem Spiel ein Ende zu setzen. Ist unser altes, verstimmtes Klavier nämlich ausnahmsweise mal frei, traktiert er das arme Ding mit alten Weisen aus dem Bündnerland und zwar nicht minder laut als seine Söhne. So begehrt ist das Instrument inzwischen, dass meine Gehörgänge zu rebellieren anfangen. Sie beklagen sich, ich hätte damals, als wir die Wohnung umstellten, darauf bestehen sollen, das Klavier in einem entlegenen Winkel der Wohnung zu platzieren.

Man muss sie auch verstehen, meine Gehörgänge. Sie haben zwar ganz und gar nichts gegen den musikalischen Eifer unserer Familienmitglieder, aber sie würden es schon bevorzugen, wenn die Lieben „the piano“ spielen würden und nicht „il pianoforte“.

Irgendwo muss sich die italienische Herkunft halt auch Ausdruck verschaffen. 

le maquillage; prettyvenditti.jetzt

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Wunschliste

Eine treue Leserin hat mich gebeten, eine Wunschliste mit erwünschtem, alltagstauglichem Lehrerverhalten zu erstellen. Eine Bitte, der ich gerne nachkomme, obschon ich mich dabei auf dünnes Eis begebe, lebe ich doch selber mit einem Lehrer unter einem Dach. Ich muss also aufpassen, was ich sage… Bevor ich loslege, möchte ich noch die folgende Bemerkung vorausschicken:

Grundsätzlich bin ich der Lehrerschaft sehr wohlgesinnt und ich habe grossen Respekt vor einer Arbeit, die ich selber nie, aber auch wirklich gar nie, länger als drei Tage am Stück ausüben könnte, ohne in der Klapsmühle zu landen. Solange jemand die Kinder wirklich mag und in seinem Beruf mehr sieht als nur lästige Pflichterfüllung, fresse ich ihm oder ihr aus der Hand. Wisst ihr, was ich zu meinen Kindern sage, wenn sie sich bei mir über eine solche Lehrperson beklagen wollen? Ich sage: „Okay, das war vielleicht etwas ungeschickt von ihr/ihm. Aber die Frau/der Mann leistet unglaublich gute Arbeit, hat ein Herz aus Gold und schlägt sich den ganzen Tag mit dir rum, ohne sich zu beklagen. Also beklag dich nicht über sie/ihn.“ (Wenn die Liebe zu Kindern und Job nicht da ist, ist das natürlich eine ganz andere Geschichte, aber wir tun heute mal so, als gäbe es diesen Fall nicht.)

Um den Lehrpersonen mit Herz die Arbeit zu erleichtern, präsentiere ich im Folgenden also meine Wunschliste. (Die anderen dürfen natürlich auch mitlesen, aber wie ich in den vergangenen Jahren erfahren habe, sind denen meine Wünsche so ziemlich egal.) 

  • Schluss mit diesem Zettelkrieg! Himmel, wir leben im 21. Jahrhundert, alle haben Internet und kaum einer verbringt so viel Zeit am Smartphone wie wir Eltern. Also bitte, bitte, bitte liebe Lehrer tragt eure Infos täglich auf der Homepage eurer Schule ein, wo wir sie zu jeder Tages- und Nachtzeit abrufen können. Die Hausaufgaben könnt ihr auch gleich dort bekannt geben, unsere Kinder notieren sich ohnehin immer nur die Hälfte. Für die ganz wenigen Familien, die noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind, könnt ihr die Infos ja noch ausdrucken („Print Screen“), aber wir anderen wären ganz schrecklich dankbar, wenn nicht immer so furchtbar viel Papier ins Haus flatterte.
  • Wo wir schon bei den Infos sind: Bitte denkt daran, dass wir Eltern nicht den ganzen Tag untätig zu Hause sitzen und darauf warten, bis ihr uns eine Anweisung gebt. Wollt ihr also auf Schulreise gehen, könnt ihr uns dies nicht erst am Vortag, vorzugsweise am späten Nachmittag, mitteilen. Wenn unsere Kinder verreisen, müssen wir Essen einkaufen. Wir müssen Instrumentallehrer und Sporttrainer ins Bild setzen. Wir müssen unseren Chefs sagen, dass es etwas später wird, weil unser Kind später als üblich aus dem Haus geht. Wir müssen die Betreuungseinrichtung informieren, dass das Kind nicht kommt. Und dann gibt es noch so unverbesserliche Vendittis, die das ganze Haus nach Wanderschuhen in der richtigen Grösse absuchen müssen. All das braucht Zeit, die wir nicht mehr haben, wenn wir erst in letzter Sekunde erfahren, wohin es geht und was es dazu braucht. Das gleiche gilt übrigens für alle anderen ausserordentlichen Veranstaltungen wie Schulfeste, Sporttage, Theateraufführungen, etc.
  • Ich flehe euch auf Knien an: Arbeitet mit uns Eltern an einer Lösung für das „Der Schulweg ist nicht Sache der Schule“-Problem. Mobbing beginnt oft auf dem Schulweg und findet nur schleichend den Weg ins Klassenzimmer. Experten raten uns Eltern ja, wir sollten uns nicht einmischen, weil das Kind sonst noch mehr leidet. Wie aber sollen wir uns raushalten, wenn die Schule schulterzuckend sagt: „Ach so, das ist auf dem Schulweg vorgefallen? Na, dann ist das aber nicht unser Problem.“ Es ist sehr wohl euer Problem, genau so, wie es unser Problem ist, denn unser beider Arbeit wird erheblich erschwert, wenn ein Kind leidet. 
  • Kommen wir zu den Hausaufgaben: Müssen die so sein, wie sie jetzt sind? Ich meine, inzwischen weiss man ja, dass sie nur selten wirklich sinnvoll sind und nur wenig zum Lernprozess beitragen. Wie wär’s, wenn ihr den Kindern nur noch dann Hausaufgaben aufgebt, wenn ihr auch wirklich ein klares pädagogisches Ziel damit verfolgt? Stunde um Stunde füllen unsere Kinder Blätter aus, ohne je den Sinn dahinter zu begreifen. Stunde um Stunde korrigiert ihr diese Blätter, ohne je einen wirklichen Lernfortschritt zu erkennen. Ich will ja nicht gleich das ganze System revolutioniert sehen, aber wie wär’s wenn ihr euch auf der Lehrerfortbildung mal mit den Gedanken der Querdenker auseinandersetzet? Die liefern meist wertvollere Impulse als die weltfremden Schreibtischtäter in den Bildungsdepartementen.  
  • „C‘ est le ton qui fait…“: Glaubt mir, liebe Lehrer, ich weiss, wie sehr einen Kinder an den Nerven zerren können und auch bei mir kommt es ziemlich schief raus, wenn ich überreizt bin. Ich erwarte also keineswegs, dass ihr andauernd nur mit Säuselstimme Liebesbezeugungen von euch gebt, wenn euch die Blagen auf den Nerven herumtanzen. Wenn die Kinder aber mit schlotternden Knien zum Lehrerpult kommen und die Eltern beim Besuchstag strammstehen, dann stimmt etwas nicht mehr. Nur sparsam angewendet entfaltet der Kasernenhofton seine volle Wirkung. (Wie, ihr meint, ich könnte doch gar nicht wissen, wie ihr im Unterricht mit den Schülern redet, ich sei ja gar nicht da? Glaubt mir, die Stimmung unserer Kinder ist ein exaktes Messinstrument, auf dem ich bei der Heimkehr sehr genau ablesen kann, wie das Klima im Klassenzimmer war.)
  • Schulleitbilder: Ich weiss, ihr habt manche quälende Sitzung über euch ergehen lassen, bis das Papier endlich stand, vielleicht habt ihr euch wegen des einen oder anderen Punkts sogar ernsthaft mit eurer störrischen Kollegin überworfen und jetzt wollt ihr nie wieder etwas von diesem elenden Leitbild hören. Ich muss euch dennoch bitten, die Sache noch einmal zu überarbeiten. Warum nicht fünf, sechs Punkte, an denen man mit den Schülern auch wirklich arbeiten kann, anstelle dieses endlosen Katalogs, den doch keiner umsetzen mag, weil man sich schon längst nicht mehr dran erinnern kann, was alles drinsteht?  
  • Diese Einträge… Ich habe mir ja lange überlegt, ob ich es überhaupt noch einmal erwähnen soll, wo ich mich doch schon mehrmals ausführlich darüber ausgelassen habe, zum Beispiel hier. Eines muss ich aber zu dem Thema doch noch loswerden: Ich werde über jeden Fetzen Papier, den mein Kind zu Hause vergessen hat, ins Bild gesetzt und muss unterschreiben, dass ich die Sache zur Kenntnis genommen habe. Geht es meinem Kind aber wirklich dreckig, weil es in der grossen Pause angespuckt worden ist, oder weil es andauernd von den gleichen drei Kindern aufs Übelste gehänselt wird, herrscht grosses Stillschweigen. Nicht fair. Mehr kann ich dazu nicht sagen, es schmerzt zu sehr. 
  • Nach diesem Punkt ist Schluss, versprochen, aber der muss noch sein: Gruppen wählen im Sportunterricht. Muss ich euch wirklich dran erinnern, wie es sich angefühlt hat, immer der Letzte zu sein, der gewählt wurde? Ach so, ihr könnt euch ja gar nicht erinnern, wie das war, denn ihr habt wohl zu denen gehört, um die man sich beim Bilden der Teams geprügelt hat. Sonst hättet ihr schon längst begriffen, dass diese Art der Gruppenbildung verboten gehört. 

Jetzt, wo ich mir das von der Seele geschrieben habe, bleibt mir nur noch eins, nämlich den Lehrerinnen und Lehrern zu danken, die es gar nicht nötig haben, solche Wunschlisten durchzulesen, weil sie es einfach im Blut haben, die Kinder anständig zu behandeln. Solche Lehrer gibt’s,  und einige meiner Kinder haben sogar das grosse Glück, bei ihnen zur Schule zu gehen. 

power; prettyvenditti.jetzt

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Vor den Sommerferien…

  • Schulreiseproviant rechtzeitig einkaufen, aber nicht so früh, dass sich irgend ein Ausgehungerter sich darüber hermacht, wenn keiner hinschaut.
  • Instrumentallehrer frühzeitig vorwarnen, dass das Kind vielleicht auf Schulreise sein wird und dann im letzten Moment wieder dran denken, Bescheid zu geben, dass die Reise ins Wasser fällt und darum für die Instrumentallehrer bedeutungslos ist. 
  • Lehrer über den Arzttermin informieren, der leider während der Schulzeit stattfindet, was dir aber insgeheim gar nicht leid tut, weil es ja nicht deine Idee war, den Schülern in regelmässigen Abständen diese gelbe Ärztekarte abzugeben, die kurz vor Schuljahresende wieder zurück beim Lehrer sein muss und weil Kinderärzte dünn gesät sind, musst du eben die Termine nehmen, die man dir anbietet. (Und auf gar keinen Fall vergessen, die Ärztekarte zur Ärztin mitzubringen, ausfüllen zu lassen und wieder in die Schule mitzugeben, denn nur darum gehst du ja zur Ärztin, wenn die Kinder gar nicht krank sind.)
  • Blätter sammeln. Ein Mäppchen für Stundenpläne und Lehreradressen, die erst nach den Sommerferien relevant sein werden. Ein Stapelchen für Schulreisezettel, die dann doch wieder unauffindbar sind, wenn du wissen willst, wann du dein Kind abholen musst, weshalb es irgendwann mit vorwurfsvollem Blick in der Küche steht und wissen will, warum du die einzige Mama warst, die nicht am Bahnhof gewartet hat. Ein Stapelchen mit den Anweisungen für das Schulhausfest. Den Läusezettel aber, den lässt du gleich im Altpapier verschwinden. Erstens, weil du ganz und gar nicht gewillt bist, dich noch einmal auf Läuse einzulassen und zweitens, weil du inzwischen sämtliche Tricks, die sie dir noch verraten wollen, getestet und als untauglich verworfen hast. 
  • Mindestens einen halben Tag lang den kommenden Samstag (Schulhausfest) auf die Sekunde genau planen, weil Kind Nr. 5 sein Essen pünktlich um halb zwölf unter Aufsicht der Lehrperson einnehmen muss und genau dann wieder in deine Obhut entlassen werden soll, wenn Kind Nr. 3 in einem anderen Winkel des Geländes erwartet wird und Kind Nummer 4 zum Essen unter Obhut der Lehrperson erscheinen soll.  (Das ist nur ein winzig kleiner Ausschnitt aus dem Tagesprogramm.) Okay, ich weiss, drei von fünf sollten das allmählich alleine können, aber das Programm muss trotzdem in deinem Kopf abgespeichert sein, falls einer einen wichtigen Einsatz (z. B. Essen fassen) verpasst und deswegen heulend und hungrig dasteht. 
  • Irgendwie dafür sorgen, dass jedes Kind, das wegen eines Lehrerwechsels heimlich noch irgend einen Beitrag zum Klassengeschenk fertigstellen muss, diesen Beitrag auch wirklich rechtzeitig fertigstellt. (Und peinlich berührt erfahren, dass eines deiner Kinder, von dem du geglaubt hast, es hätte dies bereits getan, den Beitrag im Schulsack vergessen hat. Nein, du willst nicht wissen, in welchem Zustand dieser Zettel nach vier Tagen Schulsackaufenthalt ist.)
  • Endlich entscheiden, ob du allen Lehrpersonen, von denen sich deine Kinder Ende Schuljahr verabschieden, eine kleine Aufmerksam schenken sollst, oder nur jenen, die es auch verdient haben, die sich auch darüber freuen werden. 
  • Daran denken, wer wann Abschiedsfest oder sonst ein Spezialprogramm hat und deshalb nicht zum Mittagessen nach Hause kommt, damit du a) nicht andauernd zu viel kochst und b) nicht jeden Tag um Viertel nach zwölf wie ein kopfloses Huhn durchs Quartier rennst und nach deinen verloren geglaubten Kindern suchst. 

Und bitte auf gar keinen Fall alle diese Dinge durcheinanderbringen. 

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Schlafverschwendung

Früh aufstehen ist eine Qual, darin sind wir uns hoffentlich einig. (Nein, bitte lasst es mich NICHT wissen, wenn ihr das anders seht. Es würde meinem positiven Bild, das ich von euch da draussen habe, einen schlimmen Kratzer verpassen und ich weiss nicht, ob ich eure Kommentare danach noch freundlich beantworten könnte.) Also, früh aufstehen ist eine Qual und jede Sekunde, die man länger im Bett bleiben darf, ist ein kostbares Geschenk, das es mit Schnarchen und Kuscheln gebührend zu würdigen gilt. Lässt man seine Knöpfe also jeden Morgen so lange schlafen, wie es nur irgend möglich ist, ohne dass sie zu spät zur Schule kommen, erweist man ihnen einen wunderbaren Dienst, für den sie einem gefälligst auf den Knien danken sollen. 

So sehe ich das und darum war meine Erklärung für das allmorgendliche „Ich will nicht zur Schule“-Theater, das uns der FeuerwehrRitterRömerPirat seit Jahr und Tag aufführt, naheliegend: Das Kind hasst die frühen Morgenstunden ebenso sehr wie ich. Lassen wir ihn also so lange schlafen, wie es nur geht, dann kommt das schon gut. Es kam…na ja, wie soll ich sagen? Nicht so gut. Immer nur antreiben, mit Belohnungen ködern, drohen, neben ihm sitzen, damit er sich endlich anzieht… Das volle Programm, das im Erziehungsratgeber allerhöchstens unter der Rubrik „Auf gar keinen Fall so!“ auftaucht. Ein elender Teufelskreis, aus dem wir alle erst ausbrechen konnten, als „Meiner“ beschloss, nicht mehr mitzuspielen.

„Dann sieh doch selber, wie du in die Schule kommst“, sagte er eines Tages und weckte den Jungen fortan frühmorgens um sechs, also ganze neunzig Minuten bevor er aus dem Haus muss. (Wenn ihr mich fragt, grenzt so etwas an Kindesmisshandlung, aber mich fragt ja mal wieder keiner…) Und was tat unser bis anhin so störrische Dritte? Trödelte am Frühstückstisch. Trödelte beim Anziehen. Trödelte auf dem Sofa rum. Trödelte beim Zähneputzen. Trödelte neunzig Minuten lang fröhlich vor sich hin (und zog sich dabei mein „GEO Epoche“ über die RAF rein, weshalb er mich jetzt andauernd nach Menschen fragt, die er sich auf gar keinen Fall zum Vorbild machen soll). Trotzdem war er früher aus dem Haus als je zuvor, aufgedreht und fröhlich wie sonst noch nicht mal am ersten Schultag.

Bedenklich, finde ich, aber ich muss wohl lernen, damit zu leben, dass es Menschen gibt, die fröhlich auf fünfundvierzig Minuten kostbaren Schlafes verzichten, nur um eine geschlagene Viertelstunde damit vergeuden zu können, sich zwei Socken über die Füsse zu ziehen. 

l' heure bleue; prettyvenditti.jetzt

l‘ heure bleue; prettyvenditti.jetzt

Wir müssen reden…

„Frau Venditti, Ihr Sohn hat gestern…“

„Da müssen wir wirklich mal über die Bücher, Frau Venditti. Es läuft mit ihm einfach nicht, wie es sollte.“

„Frau Venditti, könnten Sie bitte dafür sorgen, dass er…“

„So kommen wir nicht weiter, Frau Venditti. Er sollte unbedingt…“

Was auch immer wir tun, die Sätze, die wir zu hören bekommen, ähneln sich alle irgendwie. Richten wir unser Augenmerk auf die eine Sache, läuft es in einem anderen Bereich schief und wenn wir glauben, jetzt sei mal alles in Butter, erfahren wir, dass dennoch etwas krumm gelaufen ist. Er fühlt sich schlecht, weil wir wieder schimpfen, wir fühlen uns schlecht, weil wir wieder dastehen, als würden wir uns nicht kümmern. Es will einfach nicht gelingen, weder ihm noch uns, darum fange ich an, sie zu fürchten, diese „Frau Venditti, wir müssen reden“-Sätze.

Was bin ich froh, dass in diesen Tagen vorzugsweise „Meiner“ ans Telefon geht. Irgendwie befreiend, wenn es zur Abwechslung mal heisst: „Herr Venditti, wir müssen reden…“

(Ach ja, was ich noch sagen wollte: Wir glauben trotzdem an ihn. Da gäbe es nämlich auch Qualitäten zu entdecken, nicht nur Probleme.)

 

Kleine Erkenntnis zum Feierabend

Man glaubt ja zuweilen, wenn die Kinder grösser seien, dann würde es etwas einfacher mit dem Nachtschlaf, aber dann kommt die Nacht, in dem die eine zu heiss hat, der andere sich vor einem schlecht bearbeiteten Bild fürchtet, der Dritte noch etwas auf eBay gefunden hat, das Mama bestellen soll, der Vierte sich mit Sack und Pack ins Elternbett schleicht… Dann dämmert dir, dass du, solange du mit deinem Nachwuchs unter einem Dach lebst, wohl nie ungestört schlafen wirst.

(Und die Geschichte mit „Wo bleibt er/sie bloss? Wir haben doch Mitternacht vereinbart“, hat noch gar nicht erst begonnen.) 

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Badezimmer-Renovation in 10 Schritten

Schritt 1: Beim Baden mal die Mischbatterie etwas genauer unter die Lupe nehmen. Vielleicht könnte man das hässliche Ding ja mal ersetzen, wenn es sich ergibt.

Schritt 2: Den Fussboden gründlich schrubben und feststellen, dass das rein gar nichts bringt.

Schritt 3: Die Wand anstarren und dich fragen, ob ein Putzschwamm noch reicht, oder ob der Farbroller her muss.

Schritt 4: Am Regal rütteln. Nicht fest, nur gerade so viel, um zu überprüfen, wie lange es noch stehen wird.

Schritt 5: Mit „Deinem“ darüber philosophieren, weshalb ihr beide dazu neigt, Widrigkeiten wie verkalkte Wasserleitungen, schief hängende Duschstangen und hässliche Spiegelschränke als unverrückbare Gegebenheiten zu akzeptieren. (Es muss da irgend einen geheimnisvollen Zusammenhang geben zwischen deiner Kindheit in einem Renovationsobjekt und seiner Kindheit in einer Bruchbude.)

Schritt 6: Möbelkataloge anschauen und denken, wie schön dies und jenes doch wäre. 

Für Schritte 1 bis 6 sollte man mindestens ein Jahr, vielleicht auch zwei einplanen. 

Schritt 7: Das Regal tüchtig ausmisten. Einfach so, ohne Hintergedanken, versteht sich.

Schritt 8: Vor einem längeren Auslandaufenthalt präventiv den hässlichen Spiegelschrank von der Wand reissen und den Rollenhalter ruinieren. Zwei neue Regale und einen neuen Spiegelschrank kaufen und demonstrativ vor den Wohnungseingang stellen, damit du bei der Heimkehr gar nicht erst auf die Idee kommst, das Bad wieder so zu nehmen, wie es ist.

Für Schritte 7 und 8 sollte man noch einmal mit ca. einem halben Jahr rechnen. 

Schritt 9: Nach einem längeren Auslandaufenthalt nach Hause kommen, das Bad betreten und einen Schreikrampf bekommen.

Schritt 10: Alles demolieren, was raus muss. Alles aufbauen, was rein muss. Farbe an die Wand, Bodenplatten hinklatschen, Fugen neu, alter Duschvorhang runter, neuer Duschvorhang rauf, potthässliche Rollos weg, neue Klobürste, neuer Abfalleimer, neuer Rollenhalter, neues Waschbecken, sogar an ein neues WC denken und das alles bitte schön ein bisschen dalli! 

Schritte 9 und 10 dürfen auf gar keinen Fall mehr als drei Tage in Anspruch nehmen. In diesem Dreckloch kann ja kein Mensch hausen!

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Potential

Nach acht Wochen Provence und einer Woche Paris heute Abend die Ankunft in der dritten Behausung. Viel kann ich noch nicht sagen, aber der erste Eindruck ist schon mal nicht schlecht. Ruhige Lage, breite Treppe, die nicht bei jedem Tritt knarrt, grosse, helle Räume, anständiger Umschwung, für jedes Kind ein Zimmer… Die Nachbarn, die ich bis jetzt getroffen habe, sind äusserst nett, mir scheint, sie mögen sogar unsere Kinder. Und es gibt Katzen hier. Drei Stück, hat man mir gesagt, obschon wir erst zwei getroffen haben. Ganz ansprechend, würde ich sagen. 

Gut, das Badezimmer ist etwas in die Jahre gekommen und müsste dringend renoviert werden. Im Garten gäbe es auch das eine oder andere zu tun. Die Küchenschränke dürften sie auch mal ausmisten hier und ein neuer Anstrich in den Zimmern könnte nicht schaden. Perfekt ist es nicht, das Haus, aber es hat durchaus Potential. Das sehe ich auf den ersten Blick. Würde es mir gehören, ich hätte da so die eine oder andere Idee.

Fällt mir ein: Es gehört ja mir…