Zuckerschaum und Milchschokolade

Das war mal wieder ein Spektakel. Das Prinzchen, der Zoowärter und ich in der Migros. Eigentlich nichts Aussergewöhnliches, aber offenbar für das Publikum dermassen anstrengend, dass am Ende alles erleichtert aufatmete, als wir den Laden endlich verliessen. Ich kann zwar nicht verstehen, warum das Publikum am Ende erschöpft war, den Stress hatten nämlich wir. Ich hatte mich vom Zoowärter weichklopfen lassen, ihn in eines jener unsäglichen Auto-Einkaufswägelchen zu setzen. Ist ja eigentlich nur etwas, worauf Neu-Eltern reinfallen, alle anderen wissen, dass man mit den Dingern unmöglich um die Regale kurven kann. Aber weil ich der Meinung bin, dass meine jüngeren Kinder nicht unter meiner Desillusionierung leiden sollen, habe ich eben für einmal nachgegeben. Und so hat mein Image schon von Anfang an einen Kratzer: Achtung, da kommt sie, die unerfahrene Mama, die nicht weiss, worauf sie sich eingelassen hat. Wann immer wir einer zittrigen alten Dame den Weg abschneiden oder einem gehetzten Rentner versehentlich das Auto in die Wade rammen, ernten wir böse Blicke. Aber was kann ich denn dafür, dass diese Autos eine komplette Fehlkonstruktion sind?

Während meine beiden Jüngsten anfangs recht brav sind, falle nur ich auf, wie ich schimpfend das Ungetüm durch den Laden zu manövrieren versuche. Irgendwann aber fängt sich das Prinzchen an zu langweilen und schnappt sich eine Schachtel, die mit „Zuckerschaum, Milchschokolade und Waffel“ angeschrieben ist. Das sind die Dinger,  die in der Schweiz politisch völlig inkorrekt noch immer „Mohrenkopf“ genannt werden. Fröhlich beisst das Prinzchen auf der Verpackung herum und mir käme nicht im Traum im Sinn, dass der blondgelockte Engel damit etwas im Schilde führt. Erst als er plötzlich so ein „Zuckerschaum, Milchschokolade und Waffel“-Dings in der Hand hält, dämmert mir, dass des Prinzchens unschuldige Spielerei nur Tarnung war und dass der Kleine sehr wohl wusste, warum er sich diese Schachtel geschnappt hat und nicht jene mit den Batterien drin. Und weil ich dem Kerlchen sein grossartiges Erfolgserlebnis nicht versauen will, lasse ich es schweren Herzens zu, dass er das klebrige Zeugs in sich reinstopft. Ich will ja nicht, dass er später mal völlig ohne Ambitionen vor sich hin gammelt, bloss weil ich ihm seinen ersten grossen Erfolg nicht habe gönnen mögen.

Bald schon sitzt das Kerlchen mit zuckerschaum- und milchschokoladeverschmiertem Gesicht im Wagen und der Zoowärter brüllt, weil er auf sein „Zuckerschaum, Milchschokolade und Waffel“-Dings warten muss, bis die Mama bezahlt hat. Die Leute drehen sich entsetzt nach uns um. So also sehen diese Unterschichten-Mamas aus, die ihre Kinder schon am frühen Morgen mit Süssigkeiten vollstopfen und unfähig sind, das Gebrüll ihrer Brut auf Knopfdruck abzustellen. Die ersten Zuschauer suchen verstohlen nach ihren Handys, um der Super-Nanny mitzuteilen, dass sie ein wahres Prachtsexemplar von einer schlampigen Mama in freier Wildbahn entdeckt haben.

Bei der Kasse dann kommt es zum Eklat: Das verschmierte Prinzchen ist in seinem Sitzchen aufgestanden und ich bemerke natürlich nichts davon, weil ich zu sehr damit beschäftigt bin, meine Einkäufe einzupacken. Um mich herum rufen Leute, aber ich habe keine Zeit, mich darum zu kümmern. Bis eine giftige Alte von der Kasse nebenan mich anschnauzt: „Das Kind könnte herunterfallen! Hören Sie denn nicht, dass die Leute schon rufen?“ Da stehe ich also, die gleichgültige Rabenmutter, die sich einen Dreck darum schert, wenn ihre Kinder vor die Hunde gehen. Die Menge geifert. Solche Mütter sieht man sonst nur bei RTL oder wie das heisst. Endlich haben sie mal wieder etwas, worüber sie beim Kaffeeklatsch lästern können.

Das nächste Mal, wenn ich einkaufen gehe, verlange ich Eintritt. Die Leute sollen nicht glauben, sie könnten sich gratis unterhalten, während ich und meine Kinder uns abmühen, ihnen eine perfekte Vorstellung zu liefern…

Liebe

Gestern war ich ja ziemlich benebelt beim Schreiben über die Nacht mit dem Norovirus. Heute bin ich zwar noch immer benebelt, aber nicht mehr ganz so schlimm wie gestern. Und darum muss ich da noch etwas klarstellen, bevor ich unter den Familien-Bloggerinnen als diejenige gelte, die wegen einer kleinen Magen-Darm-Seuche Zweifel bekommt, ob der Entscheid, eine Familie zu gründen, wohl richtig gewesen sei. Wenn ich meine noch kinderlosen Leser davor gewarnt habe, weiterzulesen, dann deshalb, weil mir auch schon Leute gesagt haben, sie hätten Zweifel bekommen, ob sie denn tatsächlich Kinder haben möchten, nachdem sie bei mir gelesen hätten, wie das Familienleben auch sein kann. Und andere davon abhalten, eine Familie zu gründen, ist nun wirklich nicht meine Absicht. Deshalb verkünde ich hier einmal mehr laut und deutlich: Ich vergöttere meine Familie. Ich möchte auf keinen Tag mit meiner Bande verzichten, auch wenn mein Leben bestimmt beschaulicher, planbarer und ordentlicher wäre. Aber wer will den schon ein beschauliches, planbares und ordentliches Leben? Ich nicht. Zumindest nicht vor der Pensionierung.

Das alles ist mir gestern mal wieder so deutlich bewusst worden, als ich mitten im Chaos völlig belämmert auf dem Sofa lag, umschwirrt von meinen Kindern. Mal kam Luise, um mich zu streicheln, mir Tee zu bringen und den lieben Gott zu bitten, dass er doch bitte die Mama ganz schnell wieder gesund machen würde. Dann wieder kam Karlsson, um mir zu sagen, dass ich die liebste Mama der Welt sei und dass er immer wisse, dass ich ihn liebe, auch wenn ich manchmal streng sei mit ihm. Zwischendurch legte das Prinzchen sein Köpfchen an meine Brust und rief liebevoll „Maaamma!“, der FeuerwehrRitterRömerPirat kam, um Händchen zu halten und der Zoowärter suchte mich immer wieder, um sicher zu sein, dass ich noch da war. Dann wieder wischte ich mit revoltierendem Magen das Erbrochene der Kinder auf und dachte bei mir, dass ich dazu nie fähig wäre, wenn ich die fünf nicht so unendlich lieben würde. Denn wenn es darum geht, Erbrochenes aufzuwischen, bin ich eine absolute Memme.

Ja, ich vergöttere die Bande, auch wenn sie mir mal wieder den Noro ins Haus geschleppt haben. Auch wenn ich ohne sie wohl nicht einmal wüsste, wer Noro überhaupt ist, weil ich von ihm verschont geblieben wäre, bis ich ins Altersheim eingeliefert worden wäre. Doch was würde ich im Altersheim bloss anfangen ohne all die Erinnerungen an die Turbulenzen mit meinen Knöpfen?

Eines muss ich aber trotz allem festhalten: So wie mir diese Seuche vor Augen geführt hat, wie sehr ich meine Bande liebe, so deutlich wurde mir auch bewusst, wie Recht doch der Zoowärter hatte, als er vor zwei Tagen mit in die Luft gereckter Faust und wildem Gesichtsausdruck die folgende Erkenntnis in die Welt hinaus schrie: „Chörble isch so schteigruusig!“, was zu gut Deutsch etwa so viel bedeuten soll wie „Sich erbrechen ist so furchtbar und abscheulich.“ Wo er Recht hat, hat er Recht…

Protokoll

7:00 Uhr: zum ersten Mal des Zoowärters Gekotztes aufgeputzt und nebenbei den anderen das Frühstück serviert

8:15 Uhr: Krach mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, der sich, anstatt in den Kindergarten zu gehen, hinter dem Kleiderständer versteckt hat

8:30 Uhr: Zoowärter in seine neue Winnie the Pooh-Latzhose gesteckt. Zoowärter sieht zum Anbeissen aus!

8:45 Uhr: Zoowärter wegen akuten Durchfalls wieder aus der Latzhose geschält. Zoowärter sieht jetzt nicht mehr zum Anbeissen aus.

8:50 Uhr: Zoowärter und Prinzchen nehmen ein „Dreckspatz-Bad“ mit Rose und Vanille. Hach, wie die zwei duften!

9:10 Uhr: Zoowärter kotzt. Duftet nicht mehr.

9:15 Uhr: Lese folgendes Zitat auf der Frontseite der Tageszeitung: „Unsere geschätzten Patientenzahlen waren zwar zu hoch, aber nicht völlig daneben.“ Patrick Mathys, Bundesamt für Gesundheit, über die eigenen Voraussagen zur Schweinegrippe vom vergangenen Sommer

9:20 Uhr: Während ich das frisch gebadete Prinzchen aus seiner eben noch sauberen Kleidung schäle und ihn danach dusche, um die Spuren seines akuten Durchfalls zu beseitigen, zerbreche ich mir den Kopf darüber, warum man ein solches Geschrei gemacht hat um H1N1, wo doch Noro viel mühsamer ist.

10:00 Uhr: Prinzchen schläft, Zoowäter schläft fast, ich lese  im „Beobachter“ folgende Sätze zum Thema Managerlöhne: „Genauso lehnt Hostettler fixe Obergrenzen ab. ‚Sie hinterlassen ein dumpfes Gefühl der Eingeschränktheit und durchbrechen das positive Prinzip des Mehrs.‘ Mehr zu wollen und sich nicht mit dem Status quo zufriedenzugeben sei schliesslich das Erfolgsmodell, auf dem unserer Wirtschaftsordnung fusse. Dieses Prinzip dürfe wergen der jüngsten Lohnexzesse nicht leichtfertig geopfert werden.“ Ich verdrücke ein paar Tränchen für die armen Manager, die darum fürchten müssen, an einem „dumpfen Gefühl der Eingeschränktheit“ leiden zu müssen.

11:00 Uhr: Der Zoowärter ist wieder fit und will singen. Das heisst, der Zoowärter wählt das Bild aus und ich singe dazu. 10 mal „Backe backe Kuchen“, fünf Mal „Heut‘ ist ein Fest bei den Fröschen am See“, drei Mal „Auf unsrer Wiese gehet was“, ein halbes Mal „Lobe den Herren“, acht Mal „Chämifäger schwarze Maa“ und dazwischen wird gekocht, aufgeräumt und gewickelt. Der Zoowärter ist traurig, dass der Winnie the Pooh auf der Windel nichts mehr sieht, wenn er in der Hose eingesperrt wird.

12:00 Uhr: Das Essen steht auf dem Tisch, Karlsson, Luise, das Prinzchen, der Zoowärter und ich starren hungrig auf die Schüsseln, doch der FeuerwehrRitterRömerPirat ist nicht da.

12:15 Uhr: Noch immer keine Spur von FeuerwehrRitterRömerPiraten. Karlsson und Luise gehen ihn suchen.

12:20 Uhr: Draussen heult der FeuerwehrRitterRömerPirat, weil Luise ihm eine übergebraten hat, weil er sich mit seinem Freund eine Schneeballschlacht geliefert hat, anstatt nach Hause zu kommen.

13:10 Uhr: Luise muss jetzt augenblicklich ein Tütü haben. Weil das alte tatsächlich zu klein ist, bestelle ich ihr jetzt augenblicklich eines und bezahle am Ende mehr fürs Porto als fürs Tütü

14:30 Uhr: Der FeuerwehrRitterRömerPirat landet für längere Zeit mit einem Buch auf dem Sofa, wo er bleiben muss, bis er sich beruhigt hat. Was er getan hat? Nun, die Reihenfolge weiss ich nicht mehr, ich weiss nur noch, dass das Prinzchen, Luise, Luises Freundin und der Zoowärter wegen ihm geheult haben. Und dann hat er noch eine Bastelarbeit von Luise zerstört und die Salontische umgechmissen. Das reicht.

16:00 Uhr: Karlsson will mit „Google Earth“ auf Reisen gehen. Ich bin „die beste Mama der Welt“, weil ich mitmache und mit ihm die Freiheitsstatue und Ayers Rock ansehe.

16:50 Uhr: Luise kotzt zum ersten Mal.

17:10 Uhr: „Meiner“ kommt nach Hause und überrascht mich mit einem Gutschein zum Kaffeetrinken. Damit ich morgen mal ausspannen kann.

18:00 Uhr: Abendessen. Luise will unbedingt Broccoli essen. Wir sagen ihr, sie solle es für einmal besser bleiben lassen.

18:05 Uhr: Wir haben kein Pepsi mehr und die Magen-Darm-Seuche ist gerade erst ausgebrochen

18:15 Uhr: Luise kotzt.

18:30 Uhr: Luise kotzt noch einmal.

18:45 Uhr: Luise kotzt noch einmal.

19:00 Uhr: Drei Kapitel „Kinder aus Bullerbü“. Der Zoowärter ist schon auf dem Sofa eingeschlafen.

19:30 Uhr: Ich erwache völlig benebelt auf dem Sofa. Wo sind all die Kinder? Und warum hat „Meiner“ die Küche ohne mich aufgeräumt? Und was für ein Tag ist heute überhaupt?

20:00 Uhr: Luise kotzt wieder.

20:10 Uhr: Der FeuerwehrRitterRömerPirat klagt über Bauchschmerzen.

20:15 Uhr: „Komm lieber Mai und mache“ für Karlsson, „Schlaf mein Kind, ich wieg‘ dich leise“ für den FeuerwehrRitterRömerPiraten

20:35 Uhr: Luise kotzt wieder.

20:55 Uhr: Mir ist kalt. Und übel. Und ich habe Bauchschmerzen. Was das wohl sein könnte?

Man muss nur wissen, was man will…

„Meiner“ und ich haben bekanntlich die Nase gestrichen voll von nächtlichen Kinderbesuchen in unserem Bett. Was dem FeuerwehrRitterRömerPiraten herzlich egal ist. „Ich träume heute so schlecht“, verkündete er gestern Abend, noch bevor er die Zähne geputzt hatte. „Darf ich auf eurem Bett einschlafen?“ Nein, darf er nicht. Denn es ist doch so: Schläft er oben, träumt er schlecht, wir hingegen sehr gut. Schläft er bei uns, träumt er gut, wir hingegen träumen gar nicht. Also schickten wir ihn in sein Bett. Zehn Minuten später stand er wieder da: „Ich träume so schlecht.“ „Dann hör eben die CD vom Zwergen ‚Gimli'“. Er zog ab mit dem CD-Player und dem Zwergen. Eine halbe Stunde später stand er wieder da: „Bei der zweiten Geschichte von ‚Gimli‘ habe ich schlecht geträumt.“ Wann bitte hatte das Kind überhaupt Zeit zum Träumen gefunden? Es war ja noch hellwach. „Soll ich mit dir beten?“ Eifriges Nicken und nach dem Gebet war dann endlich Ruhe.

Genau so lange, bis „Meiner“ und ich uns endlich für einen Film entschieden hatten, den wir beide nicht bloss entspannend, sondern auch unterhaltsam fanden. Kaum hatten wir es uns auf dem Sofa so richtig bequem gemacht, hörten wir, dass die Türe aufging. Und gleich wieder zu. Dann hörten wir schnelle Kinderfüsse auf der Treppe. Das Kerlchen hatte wohl geglaubt, er könne sich unbemerkt in unser Bett schleichen und war dann so erschrocken, dass wir noch wach waren, dass er die Flucht nach oben ergriff. Um eine halbe Stunde später wieder dazustehen: „Ich träume noch immer schlecht.“ Wie schafft man es bloss, so fröhlich auszusehen, wenn man schlecht träumt? Weil der Film jetzt aber richtig interessant geworden war, gaben wir es auf. Der FeuerwehrRitterRömerPirat legte sich in unser Bett und drei Sekunden später waren die schlechten Träume vergessen. Haben wir nicht ein wundervolles Bett?

Nach dem Film waren „Meiner“ und ich natürlich zu müde, um das Kerlchen noch nach oben zu schleppen. Und so schliefen „Meiner“ und der FeuerwehrRitterRömerPirat bald schon eng aneinander gekuschelt in unserem Bett, während ich mich noch kurz – es dauerte wirklich nicht viel länger als eine Stunde –  auf die Jagd nach Ferienhäusern für den Sommer machte. Der FeuerwehrRitterRömerPirat gab sich alle Mühe, diesmal kein Zitteraal zu sein und wäre nicht das Prinzchen gewesen, hätte die Nacht ganz gemütlich werden können. Wenn doch bloss das Prinzchen am sehr frühen Morgen nicht sein Fläschchen hätte haben wollen. Weil er noch eines im Bett hatte, reichte ich ihm dieses. Welches er verschmähte und zu brüllen anfing. Was hatte es bloss, das arme Kind? Verzweifelt suchte ich nach dem Knopf, um das Brüllen abzustellen, doch ich konnte ihn nicht finden. „Musst seine Milch warm machen“, murmelte „Meiner“, der auf diesem Gebiet Experte ist, im Halbschlaf. Das Kind werde doch wohl keinen Unterschied machen zwischen zimmerwarmer und handwarmer Milch, dachte ich bei mir. Dass die Milch lactosefrei sein muss, kann ich ja noch verstehen, aber die exakte Temperatur wird ja im zarten Alter von vierzehn Monaten und drei Tagen noch keine Rolle spielen. Doch weil ich eine folgsame Ehefrau bin, trottete ich in die Küche, um die Milch zu wärmen. Und siehe da. „Meiner“ hatte Recht gehabt: Zufrieden nuckelte das Prinzchen an seiner Flasche und es herrschte himmlische Ruhe.

Und jetzt wurde mir auch wieder schlagartig bewusst, warum gewöhnlich „Meiner“ aufsteht, um die Milch zu wärmen. Während er jeweils drei Sekunden später wieder schnarcht und am Morgen von allem nichts mehr weiss, muss ich erst mal eine Runde bloggen, bevor ich weiter träumen kann. Aber da ich in diesen Tagen auch in meinen Träumen blogge, macht das ja keinen grossen Unterschied.

Armer Mann?

„Meiner“ hat sich ein Ei gelegt. Hat meine vier Tage im Ländli gebucht, bevor er kontroliert hat, ob er und die Kinder zur gleichen Zeit Ferien haben. Haben sie nicht, aber mein Aufenthalt ist bereits gebucht und ich gebe ihn nicht mehr her. Was bedeutet, dass „Meiner“ Anfang Februar nicht mit den Kindern ausschlafen  und sie den ganzen Tag im Pyjama herumlümmeln lassen kann. Nein, er wird den ganzen Trubel des Schulalltags voll auskosten dürfen. Und zwar ohne dass er von mir abends entlastet wird. Weil ich ja nicht da sein werde. Offen gestanden: Er tut mir leid. Ich weiss ja, was auf ihn wartet: Endlose Tage von sieben Uhr früh bis irgendwann, wenn endlich Ruhe herrscht, zig Termine, die man nicht durcheinander bringen darf, das elende Gefühl, den ganzen Tag zu schuften wie ein Knecht ohne je einen Erfolg zu sehen. Und abends nicht einmal eine Schulter, an der er sich ausheulen darf. Klar, ich werde ihn anrufen, damit er mir sein Herz ausschütten kann. Aber es ist eben nicht dasselbe, als wenn man tröstend in den Arm genommen wird.

Ja, „Meiner“ tut mir leid und dennoch weiss ich, dass er es schaffen wird. Einiges wird ihm leichter fallen als mir, anderes wird er nicht hinkriegen. Er wird schimpfen, lachen, verzweifeln, sich wieder aufrappeln, den Überblick verlierern und Sekunden später wieder voll professionell die richtigen Entscheide fällen. Er wird sich vergeblich danach sehnen, zwischendurch mal die Füsse hochlegen zu können, doch als Entschädigung wird er gemütliche Kuschelstunden mit dem Zoowärter auf dem Sofa verbringen. Er wird sich die Haare raufen und sich kringeln vor lauter Lachen. Kurz: Er wird das tun, was ich schon seit Jahren mit zweifelhaftem Erfolg tue. Und am Ende dieser vier Tage wird er noch besser vertstehen, warum ich manchmal einfach genug habe von allem und ins Ländli fahren muss. Wenn er bloss nicht auf die Idee kommt, danach auch eine Auszeit zu fordern…

Was mich an dem Ganzen aber masslos ärgert: „Meiner“ muss nur erwähnen, dass er im Feburar vier Tage allein sein wird mit den Kindern, und schon bekommt er Hilfe angeboten. Nicht, weil er dies möchte, sondern weil man dem armen Mann doch nicht zumuten kann, dass er diesen Knochenjob für vier Tage alleine meistern muss, bloss weil seine Frau sich einfach so zum Vergnügen mal erholen will. Während Unsereiner zuerst einmal zusammenbrechen musste – okay, ich habe auch erst dann zugeben können, dass ich es alleine nicht schaffe -, bekommt „Meiner“ nicht einmal die Chance, zu erahnen, was es heissen kann, den ganz normalen Alltag zu meistern ohne den Verstand zu verlieren. Es sei denn, er lehne die Hilfsangebote ab. Doch wer  – ausser mir  –  wäre denn schon so blöd, dies zu tun?

Die letzten Absurditäten des alten Jahres

Bevor ich 2009 ad Acta lege, muss ich noch ein paar Absurditäten loswerden. Es wäre schade, sie mit ins neue Jahr zu nehmen. Hier also sind sie:

Da kaufe ich mir heute eine Amaryllis zum halben Preis und was muss ich auf der Verpackung lesen, als ich mir eine feine Mahlzeit daraus zubereiten will? „Achtung! Nicht zum Verzehr geeignet.“

Wie meine treuen Leserinnen und Leser wissen, ist der Zoowärter wieder auf Windeln umgestiegen, kaum dass er trocken war. Wochenlang habe ich mir  vergeblich den Kopf darüber zerbrochen, warum dies geschehen ist.  Schwiegermama hingegen schaut das Kind zwei Sekunden an und weiss den Grund: „Ha la schiena debole“ – Er habe eben einen schwachen Rücken. Aha, darum also habe ich wieder zwei Wickelkinder.

Bundespräsidentin Doris Leuthard habe ihre Neujahrsansprache mit schwarzen Nägeln und im dunklen Blazer gehalten, erfahre ich heute in der Tageszeitung. Seither zerbreche ich mir den Kopf darüber, welche Farbe die Fingernägel von Hans-Rudolf Merz hatten, als er letztes Jahr die Neujahrsansprache hielt. Auch an die Farbe von Pascal Couchepins Nagellack im Jahr davor kann ich mich nicht mehr erinnern. Oder könnte es gar sein, dass man auch am Ende der Nullerjahren noch immer alleine den Politikerinnen so genau auf die Fingernägel schaut?

In der Migros wollen sie, dass ich schon wieder Fasnachts-Chüechli kaufe. Und dabei habe ich noch immer zwei Christstollen, die darauf warten, verschlungen zu werden. Und die Weihnachtsguetzli sind auch noch nicht weniger geworden. Himmel, warum müssen die einen immer so hetzen?

Karlsson und Luise waren heute mit ihrer Tante bei Starbuck’s, wo es heisse Schokolade und Donuts gab. Danach waren sie noch im Süssigkeitenladen, wo sie auslesen durften, was ihr Herz begehrt. Der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat haben gestern bei Ikea ein winziges Stofftierchen auswählen dürfen. Ratet mal, wer wem aufs Dach gegeben hat, weil die anderen so viel mehr bekommen haben. Kleiner Tipp: Es waren nicht diejenigen, die tatsächlich weniger bekommen haben.

So, nun lasse mich meine geschätzten Leser in Ruhe für dieses Jahr. Es hat mir Spass gemacht, euch hin und wieder den Alltag zu versüssen und es war mir ein Vergnügen, zu lesen, dass ich nicht die einzige durchgeknallte Mama auf diesem Planeten bin. Ich freue mich darauf, auch im neuen Jahr wieder zu bloggen und von euch zu lesen. Allen Mamas & Papas wünsche ich, dass sie Silvester irgendwie hinter sich bringen, ohne von einer Tischbombe erschlagen zu werden, und allen zusammen, auch denen, die nicht Mamas & Papas sind, wünsche ich ein gesegnetes neues Jahr.

Schwiegermamas Weihnachtsfest

Die Schwiegermama wollte doch noch Weihnachten feiern mit uns und zwar auf ihre Art: Sich ins Ausverkaufs-Getümmel stürzen und den Kindern etwas kaufen, was sie dringend brauchen. Eine Winterjacke zum Beispiel. Oder einen Pullover und eine Hose. Eigentlich hätte sie schon vor Weihnachten gehen wollen, aber da haben „Meiner“ und ich nur auf den vollen Kalender geschaut und losgebrüllt vor lauter Lachen. Dann haben wir probiert, ihr die Sache auszureden, denn meistens schonen solche Einkaufstouren zwar unser Budget, nicht aber unsere Nerven und die sind bei uns meist noch knapper als das Geld. Aber Schwiegermama bestand auf ihrem Vorschlag und so haben wir ihr Traum-Weihnachtsfest eben heute nachgeholt: Morgens um halb neun die Kinder aus dem Bett gezerrt, sie schnell schnell verköstigt und in die Kleider gezwängt. Dann mit dem Zoowärter eine Ewigkeit darüber diskutiert, warum I-Ah nicht mitkommen könne und schliesslich doch nachgegeben, weil der Kleine so geheult hat. Irgendwann standen sie da, die fünf: geputzt, gestriegelt und vollkommen lustlos. Ich kann gar nicht verstehen, warum sie sich nicht aufs Kleiderkaufen freuten…

Auf dem letzten Zacken schafften wir es, den Bus zu erwischen und in die Stadt zu fahren, wo Schwiegermama bereits wartete. Dann also mal ab in die Läden. Im ersten schnappte sich der FeuerwehrRitterRömerPirat einen „Wickie“-Pyjama und damit war die Sache für ihn erledigt, mochte die Schwiegermama ihn noch so sehr anflehen, doch noch einen Pullover, eine Grosspackung Unterhosen oder ein Paar Socken auszuwählen. Luise konnte sich derweilen nicht zwischen der rosaroten und der geblümten Hose entscheiden und war überhaupt eingeschnappt, dass sie sich Hosen kaufen musste und nicht eines jener gerüschten Kleidchen. Der Zoowärter heulte, weil er  einen Winnie the Pooh haben wollte, aber nicht konnte, weil sein kleines gelbes Idol bei „C & A“ bloss Dekoration war. „Meiner“ und ich wühlten uns derweilen durch einen Haufen Baby-Bodies, um für das Prinzchen die passende Grösse zu finden, die aber leider praktisch ausverkauft war.

Irgendwie schafften wir es, fast alle Wünsche zu befriedigen und zogen danach weiter zum Warenhaus, wo Karlsson sich eine Winterjacke auswählen durfte. Während Karlsson in aller Seelenruhe Jacken anprobierte, verkrochen sich der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat unter die Regale und das Prinzchen, das bei Papa in der Rückentrage sass, begann, die oberen Regale leer zu räumen. Irgendwann hatte die Schwiegermama eine zündende Idee: Sie lotste den Zoowärter und den FeuerwehrRitterRömerPiraten an einen Ort, wo sie keinen Schaden anrichten konnten, nämlich in die Spielzeugabteilung! Wo ich sie beiden mit hunderttausend Versprechen, dass sie sich den singenden Winnie the Pooh und das Spiel mit den Rittern und den Lerncomputer und die Playmobil-Pyramide ganz bestimmt zum Geburtstag wünschen dürften. Während Karlsson und „Meiner“ sich weiter um die Jacke kümmerten und die Schwiegermama das ganze Treiben gleichmütig beobachtete, mutierte ich so langsam aber sicher zu einer jener Albtraum-Mütter, wie man sie in Warenhäusern so gerne sieht: „Komm sofort her, Zoowärter! Und fass mir ja nichts mehr an! Nein, Prinzchen, nicht die Dekoration herunterreissen! Hierher, FeuerwehrRitterRömerPirat, und zwar Dalli! Nein, das kaufe ich euch nicht. Das ist zu teuer. Wo bist du jetzt schon wieder, Luise? Zowääääääärter, neeeeeiiiiiiiiin!“ Irgendwann wusste ich mir nicht mehr anders zu helfen, als den Rabauken Zuckerstangen zu kaufen. Worauf der Streit losging, wer welche Farbe bekommen sollte. Worauf ausgerechnet die  Zuckerstange, die alle haben wollten, zerbrach. Worauf noch einmal eine neue Zuckerstange hermusste, weil zerbrochene Zuckerstangen bekanntlich ungeniessbar, ja, sogar giftig sind.

Irgendwann waren die Einkäufe geschafft, „Meiner“, die Kinder und ich auch. Nur Schwiegermama stand ganz entspannt daneben und meinte, das sei doch jetzt alles ganz glatt gelaufen. Ach ja, und wer hat sich eigentlich die ganze Zeit über liebevoll um I-Ah gekümmert und ihn mitgeschleppt, wenn er zwischen den Regalen liegenblieb?

Na, wer wohl?

Guten Abend, gut‘ Nacht, Teil II

Während „Meiner“ und ich die Nacht mit dem Zoowärter und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten als wenig erholsam in Erinnerung haben, scheinen die beiden Jungs sie genossen zu haben. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die zwei heute Nacht gegen vier Uhr wieder in unser Bett geschlüpft kamen. Ob I-Ah freiwillig wieder mitkam, ist mir nicht bekannt, aber ich nehme mal an, dass er keine andere Wahl hatte. Weil „Meiner“ und ich keine Lust hatten auf eine Wiederholung, es aber auch nicht übers Herz brachten, die zuckersüssen Kerlchen wieder nach oben zu schicken, beschlossen wir, ihnen noch eine Chance zu geben, diesmal einfach am Rande unseres Bettes. Und so kam es, dass ich schon bald dort lag, wo letzte Nacht I-Ah gelegen hatte: In der Mitte, eingekeilt zwischen „Meinem“, der mir möglichst viel Platz bieten wollte und den Kindern, die möglichst nahe bei mir sein wollten. Einfach perfekt. Vor allem für mich als Gelegenheits-Auf-dem Bauch-Schläferin. Versuch mal, dich auf den Bauch zu drehen, wenn du zu deiner Linken von zwei Jungs und einem depressiven Esel, zu deiner Rechten von einem dich beschützenden „Deinen“ bedrängt wirst.

Vergiss es!

Dann eben doch das Sofa. Wie ich es schaffte, aus diesem Bett herauszukommen, ohne einen meiner Bettgenossen platt zu treten, ist mir schleierhaft. Aber irgendwie gelang es mir, meine Kissen zu schnappen, im dunklen Treppenhaus nach oben zu schleichen, um mir die Globi-Decke des Zoowärters zu holen und danach unbeschadet den Weg zum Sofa zu finden. War gar nicht so leicht, mit all den Stillkissen, Winterstiefeln und Skijacken, die wir – als kleine Herausforderung, weil sonst dasLeben allzu gleichförmig wird – auf der Treppe liegen haben.

So machte ich es mir mit Globi auf dem Sofa bequem. Und konnte nicht mehr einschlafen. Denn inzwischen schwirrten mir schon die Sätze im Kopf herum, die ich hier niedergeschrieben habe. Und die musste ich erst einmal loswerden, bevor an Schlaf überhaupt zu denken war. Jetzt aber, wo das erledigt ist, ziehe ich mich wieder auf mein Sofa zurück.

Gute Nacht allerseits!

Du merkst, dass du langsam alt wirst, wenn….

… du diejenige bist, die an Heilig Abend hundertmal sagt, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis es Geschenke gibt und dass die Kinder sich doch jetzt bitte noch ein wenig gedulden sollen.

… du diejenige bist, die an Heilig Abend das Glöcklein läutet, um die Kinder ins Wohnzimmer zu rufen.

… du von „Deinem“ zu Weihnachten vier Tage Erholungsferien im „Ländli“ geschenkt bekommst. 🙂

… du diejenige bist, die an Heilig Abend länger aufbleiben darf, um den Gottesdienst zu besuchen. 🙂

… du in diesem Gottesdienst zum ersten Mal in diesem Jahr überhaupt ein paar Momente der Ruhe findest, um darüber nachzudenken, was dieses kleine Kind in der Krippe alles bewegt hat auf dieser Welt.

… du an Weihnachten eine volle Stunde zu spät zur Familienfete kommst, weil du noch so viele Windeln, Desserts, Bilderbücher, Schoppenflaschen, Geschenke für Neffen und Nichten, Geschenke für Gotten und Göttis, etc. hast einpacken müssen.

… du von deinem Patenkind als Weihnachtsgeschenk zum Essen eingeladen wirst. 🙂

… dir deine halbwüchsigen Nichten und Neffen nicht glauben, dass du vor vielen vielen Jahren auch mal Mist gebaut hast.

… dein älterer Bruder über Hexenschuss klagt und du genau weisst, wie elend er sich fühlt.

… du beim Familienfoto Rückenschmerzen bekommst, weil du so lange auf dem Boden kauern musstest weil es gar nicht so einfach ist, siebzehn  Erwachsene, sechs Teenager, zehn Kinder und zwei Babys zum Stillsitzen zu bringen.

… sie dich am Weihnachtsabend in der Polizeikontrolle nach einem kurzen Blick in deinen Führerausweis durchwinken, weil du mit deinen altbackenen Kleidern und mit deinen drei übermüdeten Kindern so kreuzbrav aussiehst, dass die Polizisten gar nicht erst auf die Idee kommen, dass du etwas ausgefressen haben könntest.

… du diejenige bist, die das Geschenkpapier entsorgen muss, kaputtes Spielzeug wieder flicken muss, Speisereste verwerten muss und dafür sorgen muss, dass die Kinder mal wieder etwas Gesundes in den Magen bekommen.

… du froh bist, wenn Weihnachten vorbei ist, damit endlich wieder mal Ruhe einkehrt.

Weihnachtsmenu

Während andere Bloggerinnen bereits vor Wochen ihr Weihnachtsmenu bekannt gegeben haben, habe ich mal wieder bis zur letzten Minute gewartet, um mir den Kopf darüber zu zerbrechen, was heute Abend auf den Tisch kommt. Und weil ich zu faul war, Kochbücher zu wälzen und dennoch nicht Jahr für Jahr das Gleiche kochen will, habe ich meine Familie gefragt, was es denn geben soll. Und deshalb sieht unser Menu für heute so aus:

Erste Vorspeise: Crêpes mit Räucherlachs und Frischkäse und zwar in Form einer Torte, „weisst du, so eine wie Petterson für Findus macht, aber nicht mit Beeren sondern mit Lachs“ (Wunsch von Karlsson und Luise)

Zweite Vorspeise: Riesencrevetten (Wunsch von „Meinem“ und Karlsson) – Und ich habe die schwierige Aufgabe, die Dinger in Bio-Qualität und garantiert frei von Kinderarbeit und dergleichen aufzutreiben…

Hauptspeise: Hausgemachte Chnöpfli mit Käse (Wunsch des FeuerwehrRitterRömerPiraten)

Dazu: Morchelsauce, „weil ohne Morchelsauce nicht Weihnachten ist“ (Wunsch von Karlsson)

Dazu auch noch: „Nein lieber Champignonssauce. Ich hasse Morcheln!“ (Wunsch von Luise)

Dessert: Sahnetorteund zwar genau so eine, wie sie Karlsson vom Dach mag“ (Wunsch von Luise)

Das also ist unser Weihnachtsmenu. Passt doch alles perfekt. So perfekt, wie die Faust aufs Auge, nicht wahr?

Wie? Ob ich denn keine Wünsche angebracht habe? Aber klar doch. Ich habe mir gewünscht, was sich die Mamas immer wünschen: „Brave Kinder und dass ihr alle zufrieden seid.“ Das ist es doch, was sich Mamas zu wünschen haben, oder?