Morgen, Sophie, wird’s was geben…

Morgen, meine liebe Sophie, gibt’s eine Überraschung für dich. Nein, keine neue Rührschüssel, zumindest keine für dich ganz alleine. Etwas viel besseres: Eine kleine Schwester. Ach, rümpf jetzt bitte nicht die Nase, Sophie. Kleine Schwestern sind wunderbar. Nicht, dass ich eine hätte. Aber immerhin bin ich selber eine, eine sechsfache. Und du willst doch nicht etwa behaupten wollen, ich sei nicht wunderbar, oder Sophie? Und falls dir dieser Grund nicht ausreicht, um dich zu freuen, dann frag mal Luise, ob man sich etwas auf dieser Welt sehnlicher wünschen kann, als eine kleine Schwester.

Morgen also wirst du sie bekommen, liebe Sophie. Ich habe sie eigens für dich aufgestöbert in den unendlichen Weiten des Internets, das letzte verkäufliche Exemplar deiner Art, nur wenig gebraucht und unglaublich sympathisch. Deine kleine Schwester sieht fast genau gleich aus wie du, nur etwas jünger, etwas weniger abgekämpft. Aber das haben kleine Schwestern eben so an sich. Dafür haben sie nicht so viel Lebenserfahrung. Natürlich kann sie auch ein paar Dinge, die du nicht kannst, aber das ist kein Grund, eifersüchtig zu werden. Ich bin mir sicher, dass du auch noch ein paar Tricks auf Lager hast, mit denen du die Kleine beeindrucken kannst. Und das mit der Schüssel die ihr euch teilen müsst,  werdet ihr schon miteinander aushandeln können.

Somit ist also alles wieder perfekt. Sophie die Zweite braucht nur noch einen neuen Namen und dann legen wir los mit der Weihnachtsbäckerei.

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Halten Sie die Klappe, Frau Klum!

Ach, wie schön! Wir dürfen uns mal wieder anhören, was Frau Klum zur Mutterschaft zu sagen hat, oder genauer gesagt dazu, wie man als Mutter so bald als möglich nach einer Geburt wieder durch die Gegend klappern kann. Diesmal will Frau Klum bereits mehr als zwanzig Kilos verloren haben, was gar nicht so einfach sei. Doch mit dem Stress einer Grossfamilie und einem Laufband im Haus schaffe man das, will sie uns weis machen.

Liebe Frau Klum, ich glaube Ihnen kein Wort. Zu lange schon stille ich meinen Hunger mit da einem Bissen aus dem Teller eines meiner Kinder, dort einem angebissenen Brötchen, das vergessen wurde. Zu lange schon überwinde ich meine unglaubliche Müdigkeit mit starkem Kaffee und einem Stück Schokolade. Zu oft habe ich mir vorgenommen, ab jetzt täglich dreissig Minuten Sport zu treiben, doch nach dem alltäglichen Herumrennen schaffe ich es nur noch, meine müden Knochen vor den Computer zu schleppen, um ein wenig zu schreiben. Meine zehn Kilo Übergewicht werde ich trotz meines erfüllten Lebens nur sehr zaghaft los. Wäre es wahr, was Frau Klum sagt, ich bestünde nur noch aus Haut und Knochen.

Also Frau Klum, hören Sie endlich damit auf, zu behaupten, es sei alles ganz eifach. Hören Sie auf, jungen Müttern das Leben schwer zu machen mit Ihrem kranken Schönheitsideal. Sehen Sie endlich ein, dass nur die privilegiertesten Mütter es sich leisten können, sich wenige Wochen nach der Geburt schon wieder nur um sich selber zu drehen. Und dann hören Sie endlich auf, ihre privilegierte Situation zum Mass aller Dinge zu machen.

Und überhaupt: Was ist so schlimm daran, wenn man einer Frau ansieht, dass sie ein paar Schwangerschaften hinter sich hat, dass sie wunderbaren Geschöpfen das Leben Geschenkt hat? Immerhin hätte Peter Paul Rubens seine wahre Freude daran, Frau Klum hingegen würde er links liegen lassen. Und Rubens Frauen hängen immerhin  heute noch in den Museen, während Heidi Klums Klone morgen schon vergessen sein werden.

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Da seid ihr ja wieder

Kaum ist die Elternabendsaison ohne nennenswerte Zwischenfälle wie vertauschte Daten, vergessene Unterschriften und fehlende Babysitter überstanden, geht es los. Die Tage werden kürzer, der Himmel wird grauer, der Wind weht kälter – und der Kalender füllt sich. Ballettproben für Luises ersten grossen Auftritt, Geigenproben für Karlssons fünften, sechsten und siebten grossen Auftritt, die grossen Auftritte, Karlssons Geburtstagsparty, Schwimmkurse, Einladungen bei Freunden, die man unbedingt noch in diesem Jahr einmal sehen will, Freunde, die man zu sich einlädt, weil man sie unbedingt noch in diesem Jahr einmal sehen will, Sitzungen, die unbedingt noch in diesem Jahr stattfinden müssen, Guetzli backen, Arzttermine, Geschenkekaufen und so weiter. Mal abgesehen von den Arztterminen und den Sitzungen lauter schöne Dinge, auf die man sich freut und die man unbedingt noch in diesem Jahr … Ach ich wiederhole mich?

Da seid ihr ja wieder, ihr Post-it-Tage! Eigenartig, ich habe euch gar nicht vermisst. Woran das liegen mag?

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Happy Birthday, mein Prinzchen!

Heute also ist der grosse Tag. Da liegt er, der kleine Geburtstagsprinz, eng umschlungen mit seinem Geburtstagsbären, und hat keine Ahnung davon, welch wichtiger Meilenstein dieser Tag für seine Eltern ist. Wie hatten wir uns davor gefürchtet, noch einmal Eltern zu werden. Wie habe ich geheult damals, als ich ungläubig auf den positiven Schwangerschaftstest starrte. Nicht, weil ich mich nicht auf das Kind freute. Kinder hätte ich noch unzählige haben können. Aber ich hatte keine Ahnung, wie ich das schaffen sollte, wie wir alle das schaffen sollten. Eine erschöpfte Mama, ein erschöpfter Papa, vier kleine Kinder, finanzielle Engpässe, aufgeschobene Träume  und noch einmal ein Baby. Kann das gut gehen?

Es kann! Das Prinzchen ist die grösste Überraschung, die uns in unserem Leben geschenkt wurde. Ein perfekter kleiner Mensch, der uns alle im Sturm erobert hat, der uns gezeigt hat, dass ein Kind nie falsch ist, auch dann nicht, wenn es zu einem schwierigen Zeitpunkt geboren wurde. Der uns gezeigt hat, dass man Vieles schaffen kann, wenn man den Mut hat, zu seinen Schwächen zu stehen, Hilfe anzunehmen und sich trotz aller Widrigkeiten zu freuen an dem neuen Leben. Und deshalb ist heute ein ganz besonderer erster Geburtstag. Wir sind so dankbar, dass du zu uns gehörst, kleiner Prinz!

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Wenn die Mama Hilfe braucht

Eigentlich ist es ja ganz gut, wenn man auch bei uns in der Provinz endlich erkennt, dass Mütter nach einer Geburt nicht automatisch glücklich sind. Und natürlich ist es auch gut, dass man dies in der lokalen Tageszeitung thematisiert, dass Psychologinnen für das Thema sensibilisieren wollen. Doch die Ratschläge, die sie erteilen, haben etwa so viel mit der Realität zu tun wie die Mär von der stets glücklichen Mutter, nämlich gar nichts. Wenn eine Mutter drei Wochen lang an Erschöpfung, Angst, Zwang oder Depression leide, solle sie Hilfe in Anspruch nehmen, liest man da.

Tönt einfach? Natürlich. Aber man zeige mir mal die Mutter eines Neugeborenen, die Zeit hat, darüber nachzudenken, ob sie jetzt eher erschöpft sei, unter Zwängen leide oder ob sie vielleicht depressiv sei. Die Frau, die in den ersten Monaten mit dem Baby überhaupt dazu kommt, sich über ihr Innenleben tiefschürfende Gedanken zu machen, die Zeit hat, zu analysieren, was da gerade passiert mit ihr, diese Frau gibt es nicht. Nun ja, vielleicht übertreibe ich. Es mag einzelne Frauen geben, die eine Mutter oder Schwiegermutter haben, die ihnen alle Lasten abnimmt, aber das schafft ja meistens neue Probleme. Und so erkennen die meisten Frauen wohl erst rückblickend, dass da nicht alles eitel Sonnenschein war in den ersten Monaten mit dem Kind. Und sie werden sich Vorwürfe machen, dass sie so viel geweint haben, dass sie die Zeit mit dem Baby nicht genossen haben, dass sie nicht so glücklich waren wie die Frau im Pampers-Werbespot. So sind wir Mütter eben.

Was soll man also tun? Der Sache ihren Lauf lassen? Die Mütter blindlings in die Depression rasseln lassen? Wohl kaum. Aber wie wäre es, wenn man nicht die Mütter beauftragen würde,  Hilfe in Anspruch nehmen, wenn es schlecht geht? Wenn man stattdessen die Väter für das Thema sensibilisieren würde? Die Grosseltern? Die Arbeitgeber? Die Gesellschaft, die mit ihren unrealistischen Erwartungen den Müttern das Leben unnötig erschwert? Vor lauter Windelbergen sehen die meisten Mütter ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr. Da braucht es schon andere, die dafür sorgen, dass die Mama nicht im Elend ersäuft.

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Sind sie nicht lieb?

Meine Kinder sind doch einfach die liebsten Menschen auf diesem Erdboden – mal abgesehen davon, dass sie mich jeden Morgen zum Wahnsinn treiben. Aber wie sie heute Mittag meinen missratenen Kaiserschmarrn in sich herein geschaufelt haben und das klebrige Zeug sogar noch gelobt haben, war einfach herzerwärmend. Man kann sich ja fragen, ob jemand, in dessen Adern kein einziges Tröpfchen Österreichisches Blut fliesst, überhaupt Kaiserschmarrn kochen kann, geschweige denn kochen darf, aber ich habe es dennoch getan. Und tüchtig versagt dabei. So sehr, dass ich zur Sicherheit noch eine Ladung Pasta kochte. Aber eben: Meine lieben Kinderlein haben mich über allen grünen Klee gelobt, obschon ich dies mit diesem Essen bestimmt nicht verdient habe.

Oder nehmen wir Luise. Das Kind hat heute nicht nur allen Mut zusammengenommen und ist vom Sprungbrett gesprungen, – und will jetzt, nebenbei gesagt, nichts anderes mehr tun, – nein, sie hat heute auch gleich noch meine alten Sasha-Puppen adoptiert. Wie sie die beiden liebevoll umsorgt, ihnen ihre geheimsten Geheimnisse anvertraut und sich von der Grossmama Kleidchen stricken lässt rührt mich zutiefst. Denn habe ich nicht immer heimlich davon geträumt, dass mein kleines Mädchen meine  Rahela und meine Dido  eines Tages auch so lieben würde wie ich dies einst tat? Nur mit dem Namen Dido hat sich Luise noch nicht anfreunden können. Es hat auch nichts genützt, dass ich ihr gesagt habe, dass Dido eine Königin war. Ist aber nicht weiter schlimm: Soll sie die Puppe doch Manuela nennen, oder Hildegard, oder Rotraut. Hauptsache, sie liebt sie.

Oder nehmen wir den FeuerwehrRitterRömerPiraten. Der harte Junge, der schon mit drei Jahren verkündet hatte, er sei kein kleiner Macho, sondern ein Grosser, hat mir heute verraten, dass er einmal Arzt werden will, wenn er gross ist. Kinderarzt, um genau zu sein. Nun ja, offen gestanden kann ich mir noch nicht so recht vorstellen, wie er dereinst das Vertrauen seiner kleinen Patienten gewinnen will, indem er  ihnen sagt, er werde sie verprügeln, wenn sie jetzt nicht gleich still sitzen würden. Doch zumindest träumt er nicht mehr von einer Karriere als Gladiator. Oder als Cowboy. Oder als Goliath. Und vielleicht ändern sich seine Überzeugungsmethoden auch noch.

Oder nehmen wir Karlsson. Wie stolz er war, als Luise den Sprung ins nicht allzu kalte Wasser gewagt hatte! So stolz, als hätte er selber eine riesige Leistung erbracht. Hat er ja eigentlich auch: Er hat seine kleine Schwester nicht ersäuft vor Neid, weil sie von mir überschwenglich gelobt wurde. Vor einem Jahr wäre er ihr deswegen bestimmt noch an die Gurgel gesprungen.

Ja, die drei waren so überaus lieb heute, sagten so viele schöne Dinge, dass ich langsam Verdacht schöpfe: Ob ihnen bewusst wird, dass es  langsam Zeit wird, an Wunschzettel zu denken?

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Noch mehr bunte Smarties

265 Posts habe ich bis heute geschrieben, dieser hier ist der 266. In dieser Zeit habe ich darüber geschrieben, wie gerne ich Mutter bin, wie oft ich mich als völlige Versager-Mama fühle, habe von meiner Überforderung berichtet, von meinem Ärger über die kinderunfreundliche Schweiz, habe über Absurditäten gespottet, ein wenig von meinen Glauben preisgegeben,  habe davon erzählt, wie unglaublich witzig und lieb unsere Kinder sind, habe von „Meinem“ geschwärmt und ab und zu auch ein wenig politisiert. Und was lesen meine überaus geschätzten Leser aus diesem Sammelsurium am Liebsten? Meinen kleinen, banalen Eintrag über Kindergeburtstage und Viele viele bunte Smartieskuchen.

Keine Ahnung, was diesen Text so beliebt macht, aber seit Wochen hält er sich hartnäckig unter den meist gelesenen Beiträgen meines Blogs. Weil ich ein Mensch bin, der immer wissen muss, weshalb etwas ist, wie es ist, habe ich mir inzwischen eine Theorie zurecht gelegt, um mir zu erklären, weshalb ausgerechnet dieser Beitrag so oft gelesen wird: Das Kind hat Geburtstag, die Mama überlegt sich, was sie backen soll, denkt „Smarties wären doch süss! Und erst noch bunt.“, Mama sucht im Internet nach einem Rezept, meint, bei mir gebe es eines und liest den Beitrag. Fragt sich bloss, was sie für einen Kuchen backt, nachdem sie bei mir gelesen hat, dass alle Mamas Smarties-Kuchen backen…

Und fragt sich, weshalb der Beitrag von Juni bis September nie, seit Anfang Oktober aber täglich gelesen wurde. Irgendwo müssen Smarties in einem unglaublich günstigen Sonderangebot erhältlich sein…

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Mama badet mal wieder im Selbstmitleid

Da sitze ich mal wieder, tief unten in meinem Loch und bemitleide mich selber. Und das nach einem so schönen Tag. Aber das ist ja genau der Grund, weshalb ich mal wieder im Selbstmitleid bade. Doch fangen wir von Vorne an: Nach einer unglaublich mühsamen Woche als Vollzeithausfrau liess ich heute Mittag das ganze Chaos hinter mir und machte mich auf zur Weiterbildung, die „Meiner“ mir zum Geburtstag geschenkt hatte.

Die unaufgeräumten Kinderzimmer, die immer noch kaputte Waschmaschine, die Staubflusen unter dem Bett, das alles ist mir jetzt egal. Einen Nachmittag lang befasse ich mich nur damit, wie man besser vorliest, das Publikum mitnimmt auf eine Reise, es in fremde Welten eintauchen lässt. Einfach herrlich: Wiedermal etwas Neues lernen, sich vorstellen wie das Leben wäre, wenn man zwischendurch mal Profi sein dürfte und nicht alles halb erledigt liegen lassen müsste, weil es woanders wieder brennt, fachsimpeln über Themen, die zwar nicht lebenswichtig, aber dennoch für einen Kopfmenschen wie mich ausserordentlich spannend sind. Und dann erst noch sich selber beweisen, dass man es immer noch schafft, ohne grosse Vorbereitungen in einen Zug zu steigen, am richtigen Ort wieder auszusteigen, das richtige Tram zu finden, durch die Gegend zu gehen, als wäre man ein ganz normaler Mensch und nicht eine Mama am Rande des Nervenzusammenbruchs. Dinge, die nicht mehr selbstverständlich sind, wenn man an gewöhnlichen Tagen fast rund um die Uhr darum bemüht ist, das Chaos in Küche und Wohnzimmer nicht ausufern zu lassen.

Nicht dass ich das Leben mit meiner Familie nicht geniessen würde. Ich weiss nicht, wie viele beglückende Momente ich alleine in der vergangenen Woche mit meinen Kindern und „Meinem“ erlebt habe. Sie sind unzählbar. Doch wenn ich mal wieder einen Ausflug unternehme in dieses andere Leben, wiedermal spüre, was mich sonst noch lebendig macht, wiedermal erkenne, dass da noch Fähigkeiten sind, die brachliegen, dann wird mir wieder mit einem Schlag bewusst, was mein Leben zuweilen so schwierig macht: Ich bin eine überglückliche Ehefrau und Mutter und eine todunglückliche Hausfrau.

Und wenn ich dann heimkomme und sehe, wie grossartig „Meiner“ den Laden während meiner Abwesenheit schmeisst, kann ich nicht anders, als uns beide zu fragen, wie wir jemals so dumm sein konnten, in diese unsinnige Rollenteilung zu schlittern.

Aber wenn Mama schon im Selbstmitleid badet, dann mit Stil, nämlich mit „Honey Bee“ von „Lush“…

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Die zehn häufigsten Sätze, die aus meinem Mund kommen

1. „Räum bitte endlich die Legosteine weg!“ Ca. 1 Million Mal pro Tag, kann aber sein, dass ich mich verzählt habe.

2. „Könnt ihr nicht ein bisschen leiser sein?“ Zeigt aber erst eine Wirkung, wenn mit einer Lautstärke von mindestens 100 Dezibel gebrüllt wird.

3. „Danke!“

4. „Tür zu!“ So langsam mache ich Alf Bertini Konkurrenz. Nur dass dieser nicht noch folgenden Satz angefügt hat: „Oder willst du, dass die Eisbären aussterben?“

5. „Das hast du grossartig gemacht!“ Wahlweise wird dann angefügt: „Keiner malt so schöne Kopffüssler wie du.“ oder „Soooooo einen grossen Haufen hast du aufs Töpfchen gemacht!“ oder „Du kannst ja so wahnsinnig schnell rechnen.“ oder „Das ist aber lieb, wie du deinem Bruder geholfen hast.“

6. „Lass deinen Bruder am Leben!!“ Und dabei handelt es sich meistens um den genau gleichen Bruder, dem vor zwei Sekunden noch geholfen wurde.

7. „Ich mache jetzt eine halbe Stunde Pause. Bitte stört mich nicht.“ Komischerweise hat dieser Satz noch nie, aber auch gar nie eine Wirkung gezeigt. Es sei denn, ich wäre eingeschlafen und hätte all die Fragen nicht mehr gehört, die mir gestellt wurden, kaum hatte ich den Beginn meiner Pause angekündigt.

8. „Wo sind meine Schuhe?“ Meine Schuhe gehen dorthin, wo Luise will. Wie wird das erst sein, wenn Luise Grösse 36 trägt?

9. „Ich hab dich soooooooooooooo lieb.“ Zum Glück habe ich jeden Tag mindestens einen Grund, diesen Satz zu jedem meiner Kinder zu sagen. Und wenn mir mal kein Grund einfällt, sage ich es trotzdem.

10. „Beeil dich! Wir kommen /du kommst zu spät!“ Ja, ich weiss, dieser Satz lässt sämtliche Kinder auf diesem Planeten völlig kalt. Und ja, ich weiss auch, dass Kinder vor irgend einem bestimmten Alter noch gar kein Zeitgefühl haben. Aber was soll ich denn sonst sagen, wenn die Knöpfe mal wieder nicht vorwärts machen?

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Armer Winnie the Pooh

Vielleicht muss ich mir das mit dem Bonus für den Zoowärter noch einmal überlegen. Zwar ist er heute schön brav aufs Töpfchen gegangen – der Tag ist noch jung – aber ob er das mit der artgerechten Tierhaltung begriffen hat, wage ich zu bezweifeln. Darf ich wirklich ein Kind mit einem grossen Winnie the Pooh belohnen, wenn es den kleinen Winnie the Pooh, – eine Leihgabe von Karlsson, – in eine Pausenbrotbox sperrt? Auch Winnie hat doch ein Recht auf artgerechte Haltung, so mit Honigtopf, Baumhaus und Fluss zum Stöckchen-Werfen.

Ausserdem mache ich mir Sorgen, ob der Zoowärter seinen Tieren auch ein angemessenes Gottesbild weitergibt. Winnie the Pooh müsse weinen, weil Gott ihn geschlagen habe, erzählte mir der kleine Kerl heute ernsthaft. Als ich wissen wollte, weshalb Gott denn so etwas Schreckliches getan habe, meinte der Zoowärter schulterzuckend: „Einfach so!“. Da bemühst du dich redlich, deinen Kindern einen Gott der Liebe näher zu bringen. Und was geben sie ihren Stofftieren weiter? Holzhammertheologie!

Ich muss mir wirklich noch einmal überlegen, ob der Zoowärter schon reif genug ist, für Winnie the Pooh zu sorgen. Man weiss ja, wie zartfühlend der kleine gelbe Bär ist…

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