Wo, um Himmels Willen, leben wir denn bloss?

Heute habe ich mal wieder guten Grund, daran zu zweifeln, dass von dem, was ein durchschnittlich intelligenter Schweizer Schüler während seiner 9 obligatorischen Schuljahre mitbekommt, irgend etwas hängen bleibt. So zum Beispiel am frühen Morgen, als eine junge Frau von mir wissen wollte, wie denn das Wetter in den nächsten Tagen sein werde. Da ich nicht auch noch Zeit habe, mich mit Meteorologie herumzuschlagen, verwies ich sie an die Tageszeitung. Bald darauf sass sie am Küchentisch, vor sich die Wetterkarte mit Sonnen und Wolken. Eine Weile lang sagte sie nichts, dann fragte sie mich: „Wo wohnen wir denn überhaupt, im Norden oder im Süden der Schweiz?“ Um die Brisanz dieser Frage zu verstehen, muss man vielleicht noch wissen, dass es in der Schweiz relativ einfach ist, sich zu merken, wo Norden und wo Süden ist. Süden ist dort, wo die Einheimischen Italienisch reden, dort, wo immer die Sonne scheint, ausser an den Feiertagen, wenn die halbe Schweiz nach Süden pilgert, um dort das schöne Wetter zu geniessen. Norden ist dort, wo  die Einheimischen Deutsch reden, dort, wo es immer regnet, ausser an den Feiertagen. Aber dieses schöne Wetter bekommt im Norden gar keiner mit, weil alle im Süden hocken und über den Regen jammern. Weil ich dachte, dieser Umstand sei jedem, der in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, klar,  schaute ich sie mit gerunzelter Stirne an. Ich war mir nicht sicher, ob sie Witze machte oder nicht, aber bald wurde mir klar, dass die Frage ihr bitterer Ernst war. Also klärte ich sie darüber auf, dass wir im Norden leben. Worauf sie die Küche verliess und vor sich hin murmelte: „Norden, Süden, Westen und dann gibt es sonst noch was, aber ich habe vergessen, was es war….“

Wenig später kam ich vollbeladen mit meinem Monsterwocheneinkauf, der heute 10% weniger gekostet hatte, nach Hause. Wie immer half mir die junge Frau beim Auspacken. Auf dem Tisch türmten sich Nektarinen, Joghurts, Käse, Windeln, Eier …. und ausserdem ein Sack voller Aprikosen. Die junge Frau deutete auf die Aprikosen  und fragte mich: „Wo soll ich diese Orangen hintun?“ Ich bat sie, die Orangen, die eigentlich Aprikosen heissen, in die Früchteschale zu legen. Während sie dies tat, sagte sie: „Ich hasse Aprikosen. Das Zeug kann ich nicht essen.“ Weshalb dies denn so sei, wollte ich wissen, denn ich liebe Aprikosen über alles. „Ja weisst du, ich finde das Fell so grässlich“, erklärte sie mir. Wir mussten beide lachen und als wir fertig gelacht hatten, meinte sie: „Also ich habe natürlich die Kruste gemeint.“

Fehlkäufe

Ich möchte ja gar nicht wissen, welche Unsummen von Geld ich in den vergangenen zehn Jahren aus dem Fenster geschmissen habe. Es muss unglaublich viel gewesen sein und ich wünschte, ich könnte all die Fehlkäufe rückgängig machen. Wer jetzt denkt, ich würde dem Geld nachheulen, das ich für Schuhe, Kleider, Handtaschen und Make-Up über die Jahre liegengelassen habe, der irrt. Für mich selber schmeisse ich eigentlich nur mit Geld um mich, wenn ich Bücher kaufe und wer will denn schon behaupten, sich mit Lesestoff einzudecken sei herausgeschmissenes Geld? Selbst das dümmste Buch ist seinen Preis wert und wenn es nur der unfreiwillige Unterhaltungswert ist, den man da bezahlt. Nein, ich klage nicht über Fehlkäufe, die ich für mich selber getätigt habe; ich bereue es, all das Geld für Playmobil, Legos, Barbies, Puppentheater und dergleichen ausgegeben zu haben.

Alles, was ich für meine Kinder hätte kaufen müssen, wären ein paar Kochlöffel, zwei oder drei Teesiebe, einen Haufen Tücher und natürlich mehrere Tortenheber gewesen. Das sind nämlich die einzigen Spielsachen, – mal abgesehen von den Stofftieren, die ebenfalls äusserst beliebt sind – an denen unsere Kinder nicht nach wenigen Stunden schon das Interesse verlieren. Während Luises Barbies schon bald einmal kahlgeschoren oder geköpft, die Playmobil-Ritter allesamt ohne Schädeldecke unterwegs und die Legosteine in alle Himmelsrichtungen achtlos zerstreut waren, sind und bleiben Schaumkelle, Schneebesen & Co. hoch im Kurs. Angefangen hat damit Karlsson, der zwischen seinem zweiten und vierten Lebensjahr selten ohne „seine“ Tortenschaufel anzutreffen war. Noch heute jubelt er jedesmal, wenn er dem Ding zufällig begegnet.

Mit seiner Liebe zu Küchenutensilien hat Karlsson offenbar all seine Geschwister, mit Ausnahme von Luise, vielleicht,  angesteckt und so streite ich mich Tag für Tag mit meinen Kindern, wer jetzt gerade die Bratenschaufel haben dürfe. Wobei es sich auch trefflich darüber streiten lässt, ob das Ding denn wirklich eine Bratenschaufel sei, oder nicht doch viel eher ein Säbel oder ein Morgenstern. Was man darin sehen will, hängt nämlich ganz vom eigenen Standpunkt ab. Und ob man damit gerade einen gefährlichen Ritter besiegen muss oder ein Schnitzel in der Bratpfanne wenden möchte.

Und wisst ihr, was das Traurigste ist an der ganzen Sache: Die meisten Fehlkäufe habe ich mir selber in die Schuhe zu schieben. Als jüngstes von sieben Kindern habe ich so sehr darunter gelitten, immer nur mit einarmigen Puppen, mehrfach operierten Teddybären und kahlköpfigen Playmobil-Figuren zu spielen, dass ich wollte, dass meine Kinder es einmal besser haben. Und weil es eines meiner traumatischsten Kindheitserlebnisse war, dass meine grossen Brüder den Einkaufsladen zu einer Seifenkiste umfunktionierten, weil sie nicht daran dachten, dass ihre kleinen Schwestern im besten Einkaufsladen-Alter waren, sorge ich dafür, dass auch das Prinzchen hin und wieder etwas Neues bekommt.

Wenn man die Sachen wenigstens später noch für gutes Geld bei Ricardo verscherbeln könnte, wäre das ja alles halb so schlimm. Aber das Meiste kommt in solch desolatem Zustand aus den Kinderzimmern, dass wir es wohl nicht einmal für unsere Enkelkinder aufbewahren können. Ich frage mich bloss, wie die Kinder es überhaupt schaffen, das Zeug kaputt zu machen, wo sie doch immer nur mit meinen Kochlöffeln spielen.

Wundermittel

Man gebe mir an einem Montagnachmittag die Gelegenheit, einfach mal ein, zwei Stunden zu schlafen und schon sieht die Welt wieder besser aus. Wenn dann auch noch einen Moment der Ruhe für einen Latte Macchiato und einen Blick in die Zeitung bleibt, dann sehe ich die Dinge schon bald wieder durch die rosarote Brille. Hätte ich jetzt noch Zeit, mir heute Abend mit „Meinem“ einen schnulzigen Film reinzuziehen, dann wäre die Welt perfekt.

Gut, dass ich heute Abend einen Termin habe, sonst würde ich  noch die Bodenhaftung verlieren….

Zuviel

Spätestens am Donnerstag hätte es eigentlich klar sein sollen, was abgeht. Die Brustentzündung aus heiterem Himmel war ein deutliches Zeichen: Genug gestresst, Zeit, eine Pause einzulegen. Aber wie denn? Wo doch das Au-Pair krank  – oder zumindest so ähnlich – war? Wie denn, wenn „Meiner“ am Samstag seine Arbeitskollegen zum Essen eingeladen hat, weil er sich nach zwölf Jahren aus dem Kollegium verabschiedet? Wie denn, wenn du ein Elterngespräch im Kindergarten hast? Wie denn, wenn der ganz banale Alltag schon genug Action bietet? Du kannst das Leben nicht anhalten, so sehr du dir dies zuweilen wünschen würdest. Und deshalb tust du so, als hättest du die Warnsignale, die dein Körper dir sendet, nicht bemerkt. Du machst weiter, weil du weisst, dass eine Pause nicht drinliegt. Jetzt noch nicht, du musst noch ein paar Wochen warten.

Und deshalb spulst du das Programm ab wie geplant. Du gibst dein Bestes für die Familie, du planst die Einladung in allen Details, du machst alles bereit, damit die Gäste sich wohlfühlen. Du spürst zwar, dass du es kaum mehr schaffst, die Schüsseln für das Buffet die Treppe hochzutragen. Du merkst, dass du immer reizbarer wirst. Du ahnst, dass die Kraft nachlässt. Aber du machst weiter, weil die Familie sich freut, weil die Gäste es verdient haben, dass man sie verwöhnt. Und dann, mitten in der Party, bricht der Damm. Du kannst nicht mehr, du bringst kein Lächeln mehr zustande, du schaffst es kaum mehr, einen zusammenhängenden Satz zu formulieren. Du ziehst dich zurück, denn du weisst, wenn du jetzt mit jemandem redest, dann wirst du verletzend sein, denn du siehst nur noch schwarz. Oder du wirst verletzt, denn deine Haut ist wiedermal so dünn, dass du in jedem Wort einen Vorwurf siehst. Du gehst den Gästen aus dem Weg, nicht, weil du sie nicht magst, sondern weil du weisst, dass du im Moment so ungeniessbar bist, dass du ihnen die Party verderben würdest. Also räumst du auf, damit du niemandem zur Last fällst. Und irgendwann, währenddem du Teller schleppst, leere Flaschen entsorgst, Speisereste in den Kühlschrank stellst, irgendwann, mittendrin, beginnen die Tränen zu fliessen. Du weisst nicht warum, es hat dir keiner etwas Böses getan und du schimpfst dich selbst eine dumme Kuh, die alles verdirbt. Aber die Tränen fliessen dennoch weiter.

Erst später, als die letzten Gäste gegangen sind, wird dir endlich bewusst, was los ist: Du hast einmal mehr die Grenze überschritten. Du hast vergessen, dass du noch nicht gesund bist, auch wenn es dir schon so viel besser geht als noch vor einem Jahr. Du hast übersehen, dass dein Energietank schon fast leer war, du hast die Signale deines Körpers nicht ernst genommen und du bist mal wieder zu verschwenderisch umgegangen mit deinen Kräften. Und deswegen  bist du einmal mehr im schwarzen Loch gelandet. Weil du keine Möglichkeit gesehen hast, dem Trubel eine Grenze zu setzen. Und wie so oft, wenn du im schwarzen Loch sitzt – was Gott sei Dank nur noch selten vorkommt -, schaffst du es nicht, einzuschlafen. Und deshalb bloggst du und hoffst, dass das, was du zu später Stunde in die Tasten haust, irgend einer überforderten Mutter auf diesem Planeten zeigt, dass sie nicht alleine im schwarzen Loch sitzt, sondern dass da mindestens noch eine andere ist, die es auch nicht immer schafft, das Leben mit Schwung und voller Freude zu meistern.

Wann sind wir endlich da?

Es gibt Zeiten, da befindet sich meine mütterliche Autorität im Keller. Tief im Keller, fast schon ganz unter der Erde. So eine Zeit erlebe ich gerade jetzt. Und dann kommt es zu folgenden Szenen:

Mama Venditti, freundlich aber bestimmt: „Nein, es gibt jetzt kein Eis. Zuerst räumt ihr euer schmutziges Geschirr vom Tisch.“
Kinder rennen zum Gefrierschrank, drängeln einander zur Seite und kämpfen um den vordersten Platz an der Eisschublade.
Mama Venditti, streng, aber noch nicht übermässig laut: „Habe ich nicht gesagt, ihr sollt zuerst den Tisch abräumen? Ihr schliesst jetzt sofort den Eisschrank und kommt hierher!“
Kinder scheren sich einen Dreck um Mama, kämpfen jetzt mit Ellbogeneinsatz darum, wer der Erste ist.
Mama Venditti, zornig und laut, aber offenbar nicht laut genug:
„Hallo! Ihr kommt jetzt hierher und räumt den Tisch auf. Sonst gibt es heute gar kein Eis!“
Kinder balgen weiter, vielleicht versucht Luise oder Karlsson, sich aus dem Knäuel zu befreien, um doch noch zu tun, was Mama gesagt hat, aber ohne Erfolg, also wird weiter um den ersten Platz am Eisschrank gestritten.
Mama Venditti, sehr zornig, sehr laut und sehr böse:  „
Jetzt reicht’s! Ihr kommt augenblicklich hierher, räumt euer Geschirr weg und dann verschwindet ihr für eine halbe Stunde in eure Zimmer!“
Kinder
stimmen unisono in ein lautes Geheul ein: „Mama, du bist soooooo unfair! Nie dürfen wir ein Eis haben. Immer schreist du uns an!“

Dann räumen sie sehr widerwillig ihr Geschirr weg und verziehen sich schluchzend in ihre Zimmer, wo sie wohl über ihre ganz ganz böse Mama herziehen, die ihnen nie eine Freude gönnt und die immer rumschreit.

Diese Szene wiederholt sich im Laufe des Tages mit unterschiedlichen Streitpunkten und zuweilen auch in etwas reduzierter Besetzung unzählige Male am Tag. Ob es nun darum geht, rechtzeitig für die Schule bereit zu sein, den Tisch abzuräumen, die Schuhe am richtigen Ort zu versorgen, die Zähne zu putzen, nach der spontanen Gartenparty, welche die Kinder mit elterlichem Segen ganz alleine bezahlt, organisiert und gefeiert haben, den Garten wieder aufzuräumen, ins Bett zu gehen oder wie die vielen überrissenen elterlichen Forderungen noch heissen mögen. Immer das gleiche Muster: Mama verlangt etwas Kleines, das eigentlich schon längst selbstverständlich sein sollte, Kinder tun so, als hätten sie nichts gehört und fordern stattdessen etwas Cooles, Mama ermahnt, Kinder überhören geflissentlich, Mama droht Konsequenzen an, Kinder tun noch immer so, als hätten sie Petersilie in den Ohren und hörten nichts, Mama schlägt mit der Faust auf den Tisch, gibt lautstark den Tarif durch und streicht sämtliche Privilegien, Kinder parieren gesenkten Hauptes und heulen dazu, als hätte man sie geschlagen. Manchmal, wenn Mama ganz viel Glück hat, kommt später eines der grösseren Kinder und entschuldigt sich. Manchmal aber auch nicht.

Bevor ihr jetzt denkt, das sei bei uns zu Hause immer so und ich sei eine pädagogische Niete, muss ich zu unser aller Verteidigung sagen, dass das nicht immer so läuft bei uns. Im Gegenteil: Wir alle können auch ganz anders. Aber zuweilen, wenn die Kinder schulmüde sind, wenn die Mama ein riesiges, für einmal nicht selbstverschuldetes, Schlafmanko mit sich herumschleppt, wenn das Wetter schön ist, die Sommerferien aber noch nicht da sind, wenn der Zoowärter eine ganz schlimme Rebellionsphase durchmacht und damit die Grossen ansteckt, wenn der Terminkalender aller Familienmitglieder zu voll ist, wenn zu wenig Zeit für Nähe und zu viel Zeit für Verpflichtungen da war, kurz: Wenn Mama und Kinder keine Zeit finden, immer wieder Momente des gemeinsamen Auftankens zu finden, dann laufen die Dinge aus dem Ruder.

Ich weiss, es wird wieder besser, ich weiss wir werden einander wieder finden, dann, wenn der ganze Frühsommerstress vorbei ist und wir endlich wieder Zeit finden, Familie zu sein. Alles, was wir brauchen, sind wiedermal ein paar Tage, an denen wir einfach Zeit haben zum Leben, zum Nachdenken, ein paar Tage, an denen nicht irgend einer oder vielleicht auch alle schon längst irgendwo sein müssten, ein paar Tage, die einfach Vendittis gehören und die wir mit niemandem teilen müssen.

Wann fangen endlich diese Sommerferien an…..




Eindeutig noch zu früh…

Seit Jahren schon liegen uns unsere Kinder mit dem Wunsch in den Ohren: „Wann dürfen wir endlich ein Haustier haben? Eine junge Katze vielleicht, oder zwei Häschen, oder Meerschweinchen.“ „Meiner“ und ich reagieren auf diese Bitte so, wie schon unsere Eltern reagiert hatten: „Natürlich sind Haustiere süss. Aber wer wird dafür sorgen, dass das Gehege sauber bleibt?“ Worauf uns unsere Kinder, wie alle Kinder auf diesem Planeten, uns mit treuherzigen Kulleraugen anschauen und sagen: „Wir werden immer dafür sorgen, dass das Gehege sauber bleibt. Und wir werden die Tiere immer füttern. Und immer streicheln. Und immer alles für sie machen. Alle anderen haben ja auch ein Haustier. Warum dürfen wir nicht?“ Bis vor Kurzem hatten „Meiner“ und ich ein Totschlägerargument im Sack, welches das Flehen unserer Kinder zum Verstummen brachte: „Wir haben zwar keine Haustiere, dafür haben wir ein Baby und das haben alle anderen nicht und das ist viiiieeeel spezieller.“ Doch seitdem das Prinzchen fleissig mitstreitet, wenn sich unser Knöpfe in die Haare geraten, seitdem er einen Tobsuchtanfall bekommt, wenn er kein Eis haben darf, seitdem er laut und deutlich sagen kann, was er will, seither zieht das Argument mit dem Baby nicht mehr, denn unsere Kinder haben schneller als wir Eltern begriffen, dass das Prinzchen kein Baby mehr sein will.

Und deshalb haben „Meiner“ und ich uns erweichen lassen und wir haben uns Haustiere angeschafft. Nun ja, zumindest eine Haustierzucht, oder vielleicht eher eine Gartentierzucht. Wir haben nämlich ein Marienkäfer-Aufzuchtset gekauft. Schaffen es unsere Kinder, gut für die Eier, die Larven und später die Marienkäfer zu sorgen, dann können wir im nächsten Sommer vielleicht zu den Pantoffeltierchen übergehen. Und wenn das auch gut läuft, dann können die Kinder allenfalls mit uns darüber reden, ob wir vielleicht, aber nur vielleicht, dazu bereit sind, eine jener schrecklichen Zuchtstationen für Urzeitkrebse zu kaufen und wenn auch das gut läuft, dann…. bin ich sicher, dass Karlsson spätestens zu seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag einen Zwerghasen bekommt und Luise zum Zweiundzwanzigsten  vielleicht eine junge Katze.

Doch leider muss ich sagen, dass das mit den Marienkäfern nicht ganz so läuft wie erhofft. Schon am ersten Tag liess der FeuerwehrRitterRömerPirat das Zuchtset auf den Boden fallen, worauf sich Marienkäfereier und Mehlmotteneiner, die eigentlich als Nahrung für die Larven vorgesehen sind, auf dem Fussboden verteilten. Worauf Karlsson, der in der Schule bereits Erfahrungen mit dem Züchten von Marienkäfern gesammelt hat, in Tränen ausbrach, weil er fürchtete, jetzt seien alle Eier kaputt. Ich wäre ebenfalls fast in Tränen ausgebrochen, denn ich sah vor meinem inneren Auge bereits die Maden, die aus den Mehlmotteneiern schlüpfen würden, was mich dazu trieb, den Fussboden mit kochendem Wasser zu reinigen, damit garantiert kein Mehlmottenei auf unserem Fussboden überleben würde.

Gott sei Dank haben trotz dieses Unfalls ziemlich viele Marienkäfereier überlebt, was sich gestern eindeutig bestätigte: Die ersten Larven sind geschlüpft. Aber die armen Larven haben bei uns kein glückliches Larvenleben. Immer wieder müssen sie an einen neuen Ort umziehen, weil Karlsson fürchtet, sie seien zu sehr dem Sonnenlicht ausgesetzt. Sobald Karlsson einen besseren Ort gefunden hat, macht das Prinzchen diesen ausfindig und bald schon werden die armen Larven hin und her geschüttelt und sie müssen ganz schön aufpassen, dass sie nicht versehentlich auf dem Fussboden landen, wo sie der sichere Tod durch Zertreten erwartet. Wenn das so weitergeht, dann wird vielleicht ein einziger Marienkäfer unser Haus lebend verlassen und im Garten den Kampf gegen die Blattläuse aufnehmen können.

Man sieht also: Vendittis Kinder sind noch nicht reif für Haustiere. Wir werden dann wohl noch eine Weile bei den Stofftieren bleiben.

Wer sucht,….

…. der findet auch bei uns irgend etwas, aber leider meistens nicht das, wonach er gesucht hat. So tauchten zum Beispiel heute Morgen die Au-Pair-Unterlagen, die ich seit drei Tagen verzweifelt gesucht hatte wider auf ausserdem der Schlüsselbund von „Meinem“, den am Sonntag so ziemlich jedes Familienmitglied mal in der Hand gehabt hatte, so dass nicht mehr nachvollziehbar war, wer ihn zuletzt wo liegen gelassen hatte. Nun, seit heute früh wissen wir, wo der Kerl gesteckt hat: Auf dem Wickeltisch, unter einem Berg von Kleidern verborgen. Was mich darauf schliessen lässt, dass das Prinzchen zuletzt damit gespielt hat, denn er ist der Einzige, der auf dem Wickeltisch überhaupt noch etwas zu suchen – oder wohl eher liegenzulassen – hat. Man sieht also: Unsere Suchaktion war äusserst erfolgreich. Bloss half uns das nicht weiter, denn Karlsson brach trotzdem in Tränen aus, weil seine Streifen verschwunden blieben und er den Zorn der Lehrerin fürchtete.

Ich kann gar nicht verstehen, warum Karlsson immer so sehr in Panik gerät, wenn er etwas nicht finden kann. Für ihn ist jeder kleine Misstritt der Anfang des Weltuntergangs und er malt sich dann jeweils in den schwärzesten Farben aus, was mit ihm alles passieren könnte, bloss weil mal wieder etwas daneben gegangen ist. Dabei hat er doch stets eine Ausrede zur Hand: Er kann seinen kleinen Brüdern die Schuld geben am ganzen Schlamassel. Aber nein, Karlsson nimmt alle Schuld auf sich, macht sich Vorwürfe und zittert vor der Strafe, die dann meist gar nicht eintritt, weil er bei der Lehrerin einen grossen Stein im Brett hat. Also ich war ja ganz anders in dem Alter. Ich machte nie ein solches Geschrei. Musste ich auch gar nicht, denn aus lauter Angst, dass ich etwas falsch machen könnte und dass die Lehrerin mir deswegen böse sein könnte, war ich stets darauf bedacht, nur ja nichts zu vergessen, kein Blatt zu zerknittern, keine Papierschnipsel zu verlegen. Ich hatte ja auch keine jüngeren Geschwister, denen ich den Fehler in die Schuhe schieben konnte und so musste ich eben im Vornherein dafür sorgen, dass alles war, wie es sein sollte. Um stets den nötigen Druck zu haben, alles richtig zu machen, malte ich mir jeweils in den schwärzesten Farben aus, was mit mir passieren würde, wenn ich einen Fehler beginge. Das ist dann wohl der Grosse Unterschied zwischen Karlsson und mir: Ich zitterte vorher, er zittert nachher. Aber perfektionistische Angsthasen sind wir beide.

So, aber jetzt muss ich los. Die Papierstreifen sind wieder aufgetaucht, als ich nach der Kabelrolle suchte, um die Pumpe des Schwimmbeckens in Betrieb zu nehmen. Wenn ich jetzt ganz schnell zur Schule renne, dann schaffe ich es noch, Karlsson die Streifen in der grossen Pause in die Hand zu drücken und dann können wir vielleicht noch verhindern, dass die Lehrerin schimpft….

Alles klarer

Nach drei Unfällen mit spitzen Gegenständen, unzähligen Besuchen beim Augenarzt und vier oder fünf verschiedenen Augentropfen ist Luise seit heute Nachmittag um halb zwei – die Zeit werde ich so schnell nicht mehr vergessen, hat sie doch seit gestern Abend im Minutentakt gefragt, wann denn endlich halb zwei sei – stolze Brillenbesitzerin. Nun ja, eigentlich ist sie Besitzerin einer „Entlastungsbrille zum Lesen“, was bedeuten würde, dass sie an einem sonnigen Samstag wie heute  die Brille keine Sekunde hätte tragen müssen. Weder beim Zimmeraufräumen, noch beim Aufstellen des neuen Pools, – „Meiner“ ist inzwischen übrigens begeistert davon! – noch beim Herumtollen mit den Brüdern. Aber wenn man stolze Besitzerin einer „Wilden Hühner“-Brille geworden ist, dann muss das Ding auf die Nase, ist ja klar. Und auch wenn die Korrektur nur minimal ist, Luise ist dennoch felsenfest davon überzeugt, dass sie jetzt alles schärfer sieht. Die Bäume sind grüner, der Himmel blauer und das Wort „pasteurisiert“ lässt sich mit Brille eindeutig besser entziffern als ohne. Okay, ich nehme mal an die Tatsache, dass sie das schwierige Wort zweimal ohne und einmal mit Brille gelesen hat, trug  ebenso entscheidend dazu bei, dass es beim dritten Mal besser ging, aber das habe ich meiner Tochter natürlich nicht gesagt. Denn ich will ja, dass sie das Gestell so oft wie möglich im Gesicht hat. Ob es nur der Stolz auf die neue Brille ist, der Luise klarer sehen lässt, oder ob die Korrektur tatsächlich so viel bewirkt, ist mir eigentlich egal. Hauptsache, die wunderschönen blauen Augen meiner Luise sind endlich vor spitzen Gegenständen geschützt.

Übrigens: Das heutige Bild stammt von Karlsson. Der Junge ist ganz der Papa, auch wenn er nicht so aussieht.

Wortwörtlich

Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat sind heute auf einem Ausflug. Was dem Zoowärter natürlich fast das Herz zerreisst. Warum dürfen Schulkinder und Kindergartenkinder mit einem Rucksack voller guter, ungesunder Sachen losziehen, währenddem er, das Spielgruppenkind, mit der Mama und dem Prinzchen zu Hause bleiben muss? Dass die Mama auch für ihn Würstchen, Chips, Smarties und Kaugummi besorgt hat, ist kein Trost. Die Welt ist so unfair, wenn man drei ist.

Zum Glück gibt’s Au-Pairs, kann ich in einem solchen Moment nur sagen. Die können mit den lieben Kleinen einen Spaziergang machen und das Ganze als Ausflug deklarieren. Mit Chips, Äpfeln und Brötchen im Rucksack merkt der Zoowärter bestimmt nicht, dass wir ihm einen öden Spaziergang als Ausflug verkaufen, oder? Ich bin mir sicher, er hätte nichts gemerkt, hätte ich nicht diesen einen Satz gesagt: „So, nun ziehst du dir noch die Schuhe an und dann könnt ihr ausfliegen!“ Worauf der Zoowärter mich natürlich beim Wort nahm und wissen wollte: „Mama, wo ist denn das Flugzeug, mit dem wir fliegen werden?“

Ääähhm, tja, und jetzt erkläre man mal einem tieftraurigen Zoowärter, dass das mit dem Ausfliegen nicht wörtlich gemeint war und dass die Grossen ja auch nicht mit dem Flugzeug ausgeflogen seien. Man sollte meinen, beim vierten Kind hätte ich endlich gelernt, dass man mit Dreijährigen keine Wortspiele macht….