Niedergestreckt

Da soll noch einer behaupten, Krankheitserreger seien fiese kleine Biester. Sind sie überhaupt nicht.  Die warten artig ab,  bis der Sonntagsbrunch überstanden und halbwegs verdaut ist, bevor sie zuschlagen. Okay, vielleicht ist es nicht gerade besonders nett, die Mama am Sonntagabend niederzustrecken, wo sie doch am Montagmorgen den Laden wieder alleine schmeissen sollte. Aber immerhin haben die Viren der Mama einen netten Sonntag gelassen, bevor sie sie mit  Übelkeit, Bauchschmerzen, heftigen Gliederschmerzen und Kopfweh ins Bett gezwungen haben. Und Luise, mit Ohrenschmerzen versehen, gleich dazu. Gibt es einen besseren Start in die neue Woche?

Nun, was macht Mama, wenn sie sich vor lauter Elend nicht mehr rühren kann? Na, was wohl? Verzweifeln natürlich.  Oder darüber staunen, dass „Ihrer“ ohne mit der Wimper zu zucken morgens um sechs das Mittagessen vorbereitet und danach  die Kinder in die Schule schickt – und selber zu spät zur Arbeit kommt. Und dankbar sein, dass es (Gross)mütter gibt, die einspringen, bis Hilfe eingetroffen ist. Und sich darüber freuen, dass es auf dieser Welt trotz aller Abscheulichkeiten, die sich „Christen“ leisten, auch Christen gibt, die zu leben versuchen, was ihnen einer vor mehr als 2000 Jahren vorgelebt hat. Und weil Mama das grosse Glück hat, zu einer Kirche solcher Chriristen zu gehören, genügt ein Anruf und schon ist jemand da, um den Kindern Geschichten vorzulesen, Luise einen Zwiebelwickel zu machen und den Tisch zu decken. Mama kann sich freuen, dass da ein Netz ist, das trägt, wenn alle Stricke reissen. Und dass da eine halbwegs genesene Luise ist, die Mama nach Strich und Faden verwöhnt. Und dass es obendrein Laptops gibt, so dass Mama die Welt trotz Gliederschmerzen & Co. an ihren Gedanken teilhaben lassen kann (als ob die Welt darauf gewartet hätte…).

Ja, wenn die Umstände stimmen, ist es kein Problem, wenn  Mama montags krank ist. Was aber, wenn die Umstände nicht stimmen?

Sonderbar

Heute Nachmittag waren das Prinzchen und ich alleine zu Hause. Das Prinzchen im Bett und ich mit tausend Ideen im Kopf, wie ich meine drei freien Stunden verbringen könnte ohne nur eine Sekunde daran zu denken, dass da noch Wäsche aufzuhängen wäre, ein Schlafzimmer auf- und ein Geschirrspüler leerzuräumen ist. Ich könnte zum Beispiel meine Hausaufgaben für den Weiterbildungskurs machen und gleich einreichen. Oder ich könnte meinen unglaublich oberflächlichen Roman fertig lesen und danach bei Amazon nach tiefgründigerem Lesestoff stöbern. Ich könnte, wenn das Prinzchen erwacht, einen Spaziergang machen mit ihm. Oder ich könnte ein paar Zeilen schreiben. Vielleicht könnte ich auch von allem ein wenig tun. Drei freie Stunden sind ja eine halbe Ewigkeit, nicht wahr?

Ja, ich hätte ganz schön viel mit meinem freien Nachmittag anfangen können, wäre nicht plötzlich ein mir wildfremder Mensch mit seinen zwei Kindern vor der Haustüre gestanden. Ein Mensch, mit dem ich lediglich zwei Gemeinsamkeiten habe: Wir gehören zur gleichen Partei und sind gegen AKWs. Nun ja, immerhin zwei Gemeinsamkeiten. Aber genügt das, damit man mir ungefragt von politischen Ideen, Ehekrisen und Stress am Arbeitsplatz erzählen kann und mir damit den freien Nachmittag stiehlt? War ja alles ganz interessant, aber irgendwie auch sehr –  wie soll ich bloss sagen? – befremdlich vielleicht? Etwa so wie in einem Film, wo man sich fragt, wie der Regisseur auf diese hirnverbrannte Idee gekommen ist, ausgerechnet diese zwei Charaktere miteinander ins Gespräch zu bringen.

Manchmal ist das Leben doch einfach nur sonderbar. Spannend, ja, aber auch sehr sehr sonderbar…

Warum bloss?

Alles ist friedlich. Die Kinder spielen vergnügt, die Wohnung ist mehr oder weniger aufgeräumt und ich bin in bester Stimmung. Dann fällt die Tür hinter „Meinem“, Karlsson und Luise ins Schloss und ich freue mich auf einen ruhigen Tagesabschluss mit „nur“ drei Kindern. Keine fünf Minuten später heult das Prinzchen, auf dem Küchenfussboden breitet sich eine Lache aus Apfelsaft aus, die der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat aufzulecken versuchen. Und schon bin ich nicht mehr in bester Stimmung, sondern schreie herum, weil der Apfelsaft nicht mehr in der Flasche ist. Und weil ich – nennt mich ruhig konservativ – nicht will, dass meine Kinder Saft vom Boden auflecken. Und weil jetzt die ganze Idylle verflogen ist.

Nach einer Weile hat sich der Sturm wieder gelegt, die Apfelsaft-Lache ist beseitigt, die Kinder stecken im Bett. Und ich frage mich einmal mehr: Warum passieren solche Sachen immer nur dann, wenn es a) Freitagabend ist, b) „Meiner“ ausnahmsweise abends arbeiten muss und c) ich mich darüber gefreut habe, wie idyllisch unser Familienleben sein kann, wenn es denn nur will?

Acht Sätze, die man nicht zu mir sagen sollte,…

… wenn man unter zwanzig Jahre alt ist und bei mir in Lohn und Brot steht:

1. „Ich habe heute Nacht nur sieben Stunden geschlafen. Ich bin soooooooo müde“  – Und ich habe heute nacht nur sieben Minuten geschlafen oder zumindest fühlt es sich so an, also hör auf zu jammern!

2. „Ich habe heute Nacht nur sieben Stunden geschlafen, weil ich bis vier Uhr morgens gechattet habe und mich meine Mutter schon um elf Uhr geweckt hat.“ – Ich habe heute Nacht auch bis vier Uhr morgens gechattet, mit meinem Prinzchen, das nicht schlafen wollte. Und morgens um sieben musste ich wieder aus den Federn. Und Mütter haben immer Recht, die dürfen einen wecken, wann immer sie Lust dazu haben!

3. „Schau mal, die ist soooooooooo fett. Die trägt Grösse 38. Echt!“ „Ich trage auch Grösse 38.“ „Ach, bei dir ist das etwas anderes. Du hast ja fünf Kinder geboren und da darf man alt und hässlich sein.“

4. „Deine Kinder waren heute unmöglich. Die haben mich so fürchterlich genervt.“ – Ja, meine Kinder sind manchmal nervig, und zwar furchtbar. Aber das darf nur ich sagen und vielleicht noch „Meiner“. Und sonst niemand! Verstanden?

5. (belehrender Unterton): „Ich habe dir das mal in Ordnung gebracht. Willst du das nicht immer so machen wie ich?“ – Nein, will ich nicht und wenn du noch so sehr Recht hättest! Irgendwo muss auch ich noch das Sagen haben, wo mir doch so schon alle auf der Nase herumtanzen.

6. „Iiiiih! Bei euch stinkt’s!“ – Danke, ich weiss, aber würdest du mir mal bitte dabei helfen, die zwei vollgekackten Kinder zu säubern?

7. „Heute Nachmittag verputze ich meinen ganzen Lohn für Kosmetik und neue Schuhe.“ – Das kannst du von mir aus machen, ist ja dein Geld. Aber reibe  bitte nicht mir unter die Nase, was du mit meinem sauer verdienten Geld machst.

8. „Schau mal, die bezahlen viel mehr Lohn als du.“ – Ich habe dir ja gesagt, dass du bei mir nicht fürstlich entlöhnt wirst. Aber immerhin hast du einen Lohn…

Das alles darf man getrost sagen. Zu jedem. Ausser zu mir!

Ach, Pooh Bär!

So schnell werde ich kein Stossgebet mehr gen Himmel schicken, wenn ich nicht weiss, worüber ich bloggen soll. Kaum hatte ich fertig geklönt, stellte ich mit Schrecken fest, dass der Schlüssel zur Vorratskammer weg war. Nicht einfach weg im Sinne von auf dem Fussboden liegend, sondern wirklich weg. Und niemand war Schuld; Karlsson nicht, Luise nicht, der FeuerwehrRitterRömerPirat nicht, der Zoowärter erst recht nicht. Nein, es war Winnie the Pooh, der das Ding zum Verschwinden gebracht hatte und zwar fünf Minuten bevor es Zeit war, zu kochen. Winnie the Pooh hatte das Ding offenbar in den Abfallkübel geschmissen, erzählte mir der FeuerwehrRitterRömerPirat. Er habe es genau gesehen. Dumm war bloss, dass Pooh nirgends zu finden war, denn derjenige, der gewöhnlich Pooh ist, war im Moment ein ganz anderer, nämlich Donald Duck. Und auch wenn Pooh vor dem Abendessen wieder auftauchen würde, hatte ich keine Gewähr, dass er sich noch an den Verbleib des Schlüssels erinnern würde. Man weiss ja, wie vergesslich Pooh ist.

Was also sollte ich tun? Den Abfallsack nach dem Schlüssel durchwühlen? Keine gute Idee. Ich bin eine bekennende Memme und mein Magen hat heute schon einmal rebelliert, als ich Luises eitrige Wunde am Fuss – nicht am Auge, Gott sei Dank! – verarztete. Also blieb mir nichts anderes übrig, als zu warten, bis „Meiner“ nach Hause käme, bevor ich mich weiter um den Schlüssel kümmern konnte. Und so kochte ich für einmal ohne Olivenöl, ohne Bouillon, ohne Zwiebeln und ohne getrocknete Kräuter. Also ja, ohne Zwiebeln koche ich fast immer, weil ich die Dinger hasse, aber weil es heute Fleisch gab und ich das Zeug bekanntlich nicht esse, hätte ich „Meinen“ und Karlsson gerne mit Zwiebeln überrascht. Aber ohne Schlüssel keine Zwiebeln. Und kein Öl. Und keinen Besen, um endlich den Dreckhaufen auf dem Fussboden aufzuwischen, damit ich nicht immer reintrete.

Kurz vor dem Abendessen tauchte Winnie the Pooh wieder auf. Ist mir noch gar nicht aufgefallen, wie ähnlich sich Pooh und unser Zoowärter sind…  Wie ich vermutet hatte, konnte Pooh sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, ob er den Schlüssel in den Abfallsack, auf die Strasse oder auf den Baum geschmissen hatte. Nun, „Meiner“ hat das Ding dann wieder gefunden. Es lag tatsächlich im Abfallsack. Und deshalb kann ich ab morgen zusammen mit der Frau von Costa y Bravo wieder getrost sagen: Hombré! Ich koche nur mit Olivenöl.

Und wer meinen Schlusssatz nicht verstanden hat, soll gefälligst mal wieder seine Asterix-Sammlung entstauben!

Was tust du da, Mama?

„Meiner“ hatte heute einen wichtigen Termin und da er etwas spät dran war, habe ich etwas für ihn getan, was ich sonst nie, aber auch wirklich gar nie tue: Ich habe sein Hemd gebügelt. Nachdem er mir gesagt hatte, wo das Bügeleisen bei uns seinen Platz hat. Und nachdem er mich ermahnt hatte, ich möchte das Ding doch nicht auf dem Glastisch bügeln, sondern zumindest eine Decke als Unterlage nehmen. So stand ich da und bügelte das Hemd meines Gatten, fast so, wie gute Hausfrauen dies tun. Und da dieser Anblick im Hause Venditti so ungewohnt ist – wer hat denn schon Zeit zum Bügeln, wo es doch so viel zu Bloggen gibt? – war ich schon bald von meinen Kindern umringt. Was ich hier tun würde, wollten die jüngeren Kinder wissen, denn für sie ist der Anblick eines Bügeleisens ähnlich fremd wie für ein Kind in Afrika der Anblick von Schnee. Die älteren Kinder, die sich noch schwach an Zeiten erinnern, in denen Mama geglaubt hatte, eine Hausfrau müsse auch bügeln können, wussten natürlich, was ich da tat, aber sie waren dennoch tief beeindruckt. Mama kann ja tatsächlich Hemdem bügeln, wenn sie nur will. Dem FeuerwehrRitterRömerPiraten dauerte die Vorstellung allerdings zu lange: „Mama, warum musst du immer Papas Hemden bügeln?“, wollte er wissen.

Recht hat er: Jede Sekunde, die man mit einem Bügeleisen verbringt, ist eine Sekunde zuviel. Es sei denn, „Meiner“ habe einen wichtigen Termin…

Wer erleichtert da wem das Leben?

Man hört ja zuweilen die Behauptung, die modernen Haushaltgeräte hätten das Haushalten derart erleichtert, dass Hausfrauen und -männer nur noch auf der faulen Haut liegen und Kaffee trinken könnten. Diese Meinung wird vor allem von älteren Herren vertreten, die der festen Überzeugung sind, dass ihre Mütter noch Unmenschliches geleistet hätten, ihre Frauen schon sehr viel weniger, ihre Töchter fast nichts und ihre Enkelinnen gar nichts mehr. Sie glauben, dass das Leben mit Mixer, Staubsauger, Kaffeemaschine und Mikrowellenofen zu einem reinen Zuckerschlecken geworden sei. Was diese älteren Herren nicht bedenken: Haushaltgeräte leiden an so vielen Gebrechen, dass die moderne Hausfrau alle paar Tage mit ihnen zur Reparatur rennen muss. (Der moderne Hausmann natürlich auch, aber da diese Spezies leider noch immer äusserst rar ist, bleibe ich für den Rest des Textes bei der weiblichen Form.) Immer haben die Dinger etwas zu Jammern, immer einen Grund, weshalb sie ausgerechnet heute ihren Dienst nicht leisten können. Ein Hypochonder rennt weniger häufig zum Arzt als ein Haushaltgerät zur Reperaturwerksatt.

Nehmen wir zum Beispiel unseren Milchschäumer. Nachdem ich mit diesem elenden kleinen Handschäumer Stunden in der Küche verbracht hatte – „Meiner“ und ich mögen Latte Macchiato, die Kinder Kakao Macchiato – entschloss ich mich kurz vor Weihnachten zum Kauf eines jener hübschen elektrischen Milchschäumer. Das Ding schäumte die Milch perfekt und  „Meiner“ und ich hatten Blähungen weil wir so viel Macchiato in uns hinein kippten. Doch sechs Tage später gab es einen Knall und vorbei war’s mit Milchschaum. Also zurück ins Einkaufszentrum, Milchschäumer eingetauscht und wieder Macchiato gekippt. Bis eine Woche später die Drehspirale kaputt war. Zurück ins Einkaufszentrum, neue Spirale bestellt, zwei Wochen auf die Lieferung gewartet, drei Wochen Macchiato gekippt und wieder zurück zum Einkaufszentrum, weil sich das Ding überhitzte und keinen Wank mehr tat. Doch jetzt hatte ich genug. Ich lehnte alle lebensverlängernden Massnahmen für den Milchschäumer ab, liess mir die siebzig Franken zurückerstatten und seither sehne mich nach einem anständigen Latte Macchiato. Anderen Kaffee trinke ich nämlich nicht und irgendwie muss man ja wach bleiben.

Oder nehmen wir unseren Staubsauger. Unser Letzter hatte ich ja zu Tode gesoffen. Das Nachfolgemodell hütete ich deshalb wie meinen Augapfel und achtete darauf, dass er dem Weinkeller nicht zu nahe kam. Die Putzfrau versuchte mich zwar immer gegen ihn aufzuhetzen, weil er angeblich zu schlecht sauge, aber ich liess mich nicht beeindrucken und setzte mich heldenhaft für seinen Verbleib in unserem Haushalt ein. Doch offenbar fühlte sich unser Staubsauger dennoch gemobbt. Um mir zu zeigen, wie unglücklich er ist, liess er sich vollkommen gehen und bald schon war eine wichtige Klappe kaputt und der ganze Dreck landete auf dem Fussboden. Nun also ging das Gerenne mit dem Staubsauger los. Gegen Vorauszahlung bestellte man mir im Einkaufszentrum ein Ersatzteil. Und weil das nicht so schnell geliefert werden kann, ist der Staubsauger für zwei Wochen krank geschrieben. So einfach geht das.

Ich glaube, ich bewerbe mich auf eine Stelle als Haushaltgerät. Wenn die schlapp machen, kümmert sich jeder rührend um ihr Wohlbefinden. Wenn hingegen die Hausfrau schlapp macht, dann beisst sie eben auf die Zähne, bis die Sache ausgestanden ist. Wer erleichtert da wem das Leben?

Ach, tatsächlich? Ist ja interessant.

Heute früh um vier hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, dem Prinzchen eine Milch zu servieren. Und währenddem ich darauf wartete, bis die Milch Prinzchentemperatur angenommen hatte – nicht zu warm und nicht zu kalt – hatte ich Zeit, mir die Milchtüte etwas genauer anzuschauen. Wie man weiss, trinkt unser Prinzchen seit ein paar Monaten lactosefrei. Und so durfte ich auf der Tüte lesen, dass diese Milch einen „Genuss ohne Beschwerden“ garantiere. Das mit den Beschwerden kann ich bestätigen: Das Prinzchen hat keinen wunden Po mehr und er brüllt nicht mehr die halbe Nacht hindurch. Aber das mit dem Genuss wage ich zu bezweifeln, wo doch unsere Grossen speien, wenn sie mal zufälligerweise einen Schluck Prinzchen-Milch erwischen.

Aber ist ja egal, lesen wir weiter: „Milch und Milchprodukte sind eine wichtiger Bestandteil unserer täglichen Ernährung. Bei gewissen Konsumenten verursacht der Genuss von Milch und Milchprodukten Verdauungsbeschwerden. Diese treten auf, wenn Milchzucker (=Lactose) nicht richtig verdaut werden kann. Dank einem schonenden und natürlichen Verfahren enthält dieses Milchprodukt keine Lactose mehr….“ Ein Milchprodukt für Allergiker also. Aber kann man denn wirklich sicher sein, dass der Konsument, der an einer Lactoseintoleranz leidet und desahlb keine gewöhnliche Milch gekauft hat, auch tatsächlich verstanden hat, dass es sich bei der weissen Flüssigkeit, die sich in einer Tüte mit der Aufschrift „Milk– lactosefrei, Milchgetränk mit 3,5% Milchfett“ tatsächlich um den Saft handelt, der aus dem Euter der Kuh stammt? Ich meine ja, eindeutig. Der Hersteller aber meint nein, eindeutig nicht und bringt auf der Tüte noch folgenden Hinweis an:

Selber schuld

Was jammere ich da, ich würde nichts verdienen bei meiner Arbeit? Wäre ich nicht so misstrauisch, ich könnte schon längst reich sein. Aber wenn ich mich partout nicht dazu bequemen will, meinen Gewinn von 5000 Franken bei einer „Ausflugsfahrt“ abzuholen, bin ich selber Schuld an meiner Misere. Die anderen „glücklichen Bargeldgewinner“, Huber Graf aus Bern und Erna Gruber aus Rohr, hätten ihren Gewinn bereits abgeholt, schreibt mir eine gewisse Gerda Lange. Nur „Meiner“ und ich haben „unverständlicher Weise auf unser erstes Schreiben nicht reagiert. Wir verstehen nicht warum Sie sich nicht gemeldet haben, oder haben Sie Fam. Venditti Geld zu verschenken? Aber wir!!“ Nun, ich verstehe, warum wir uns nicht gemeldet haben: Wer so viele Fehler in ein paar wenigen Sätzen macht, ist unseres Vertrauens nicht würdig.

Da bringt man mich auch mit einem kostenloses Mittagessen, einem Navigationssystem oder wahlweise einem Blutdruck-Messgerät, einem „8 Pfund schweren Präsentkorb“ und einem Camcorder nicht dazu, meine letzte Gewinnchance wahrzunehmen. Obschon, das Blutdruck-Messgerät könnte noch ganz nützlich sein. Es soll mich nämlich „vor körperlicher Überlastung im Alltag“ schützen. Dafür bezahle ich ja im Moment meine hausinterne Kinderbetreuung, da käme mir das Gerät doch gelegen… Aber ich denke, ich muss dennoch auf den Gewinn verzichten. Ich müsste nämlich noch drei „Personen meines Vertrauens“ mitbringen und ich bezweifle, dass jemand aus meinem Freundeskreis Lust hat, am 10. 3. dabei zuzusehen, wie ich über den Tisch gezogen werde.

Ab in den Tischlerschuppen!

Als Kind konnte ich nie so recht begreifen, was meine Mutter gegen Michel aus Lönneberga hatte. Und gegen Pipi Langstrumpf. Und gegen Karlsson vom Dach. Sind doch wunderbare Geschichten, sagte ich mir, lachte mich bei der Lektüre fast krank und stopfte jedesmal, wenn die Kinder im Buch etwas assen, ein Butterbrot in mich hinein. Was man mir natürlich schon bald einmal ansehen konnte. Denn im Gegensatz zu den Kindern im Buch rannte ich ja zwischen den Mahlzeiten nicht über Wiesen, kletterte nicht auf Bäume und ging schon gar nicht zum See um Krebse zu fangen. Und natürlich wäre es mir nicht im Traum eingefallen, die Kinder nachzuahmen. Dazu war ich viel zu brav. Und viel zu faul.

Noch heute kann ich nicht begreifen, was man gegen Michel, Pipi & Co. haben könnte, doch zuweilen beschleichen mich Zweifel, ob es denn wirklich klug sei, den Kindern täglich mindestens einen von Michels Streichen in voller Länge zu erzählen. Und mit den Kindern mitzulachen. Heute Morgen zum Beispiel waren meine Zweifel mal wieder sehr gross, als der FeuerwehrRitterRömerPirat, kaum war das Treppenhaus fertig geputzt, einen Kessel voller Wasser über das Treppengeländer kippte und zwar mit voller Absicht und breitem Grinsen im Gesicht. Es dauerte nicht lange, bis ich herausbekam, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat zwar der Haupttäter, nicht aber der Alleinschuldige war. Karlsson und Luise hatten ihn bei der Planung tatkräftig unterstützt und nach weiterem Bohren beichteten sie mir, dass sie eigentlich etwas „viel Lustigeres“ im Schilde geführt hatten und dass der FeuerwehrRitterRömerPirat „den ganzen Spass vermasselt“ habe. Der „viel lustigere Streich“ wäre gewesen, dass die drei das Wasser über meinem Kopf ausschütten würden und dann vermutlich voller Genuss auf das berühmte „Blupp“ gewartet hätten. Ob das Wasser im Kessel warm oder kalt war, habe ich gar nicht erst gefragt.

Eigentlich ist es ja nicht verwunderlich, dass die drei auf solche Ideen kommen. Wissen sie doch ganz genau, dass wir keinen Tischlerschuppen haben, in den ich sie sperren könnte, damit sie über ihren Unfug nachdenken und Holzmännchen schnitzen könnten. Auf welche Ideen sie erst kommen würden, wenn sie zu dritt im Tischlerschuppen wären, male ich mir lieber gar nicht erst aus…

Und falls ihr wissen möchtet, wie die „(B)engel zurzeit aussehen, könnt ihr hier meine aktualisierte Bildergalerie anschauen.